Ridván Messages
German · Universal House of Justice
11 April 1964 - Ridván-Botschaft an die Bahá'í in Deutschland
Auf der deutschen Bahá'í-Gemeinde - die gesegnet ist durch den zweimaligen Besuch `Abdu'l-Bahás, ausgezeichnet durch die Errichtung des Muttertempels von Europa auf ihrem Boden, begünstigt durch ihre Lage im Herzen des europäischen Kontinents - ruhen schwerwiegende Verantwortungen. Sie muß das Licht des Gottesglaubens durch ganz Europa ausstrahlen, ganz besonders aber in östlicher Richtung: nach den Staaten Osteuropas, ins Baltikum, zu den Balkanländern und bis ins Herz von Rußland.
Durch die im Zehnjahresfeldzug errungenen Siege sind die Kräfte und Möglichkeiten Ihrer Gemeinde ganz erheblich vergrößert worden. Jetzt, da die gesamte Bahá'í-Welt zur zweiten großen, weltumspannenden Unternehmung aufbricht, rufen wir die Gläubigen in Deutschland auf, sich entschlossen, voll Hingabe und Energie in die Arbeit zu stürzen und die vor ihnen liegenden Aufgaben anzupacken. Die Herausforderung ist groß, und auf dem Weg lauern viele Hindernisse; aber göttliche Unterstützung ist all jenen zugesichert, die sich im Dienst der Sache Gottes erheben und ihr Vertrauen mutig auf Ihn setzen.
Auf der nächsten Stufe Ihrer historischen Sendung haben Sie folgende Aufgaben zu erfüllen:
* Albanien, die Moldaurepublik, Rumänien und Weißrußland eröffnen;
* Lettland und Litauen eröffnen, unterstützt durch den Nationalen Geistigen Rat von Schweden;
* die Kykladen eröffnen, unterstützt durch den Nationalen Geistigen Rat der Britischen Inseln;
* die Ostfriesischen Inseln eröffnen und dort mindestens eine Gruppe bilden;
* auf Kreta mindestens eine Gruppe bilden, unterstützt durch den Nationalen Geistigen Rat der Britischen Inseln;
* die Anzahl der örtlichen Geistigen Räte in Griechenland auf zwei und die Anzahl der Zentren auf mindestens drei erhöhen;
* in Bulgarien, Polen und der Russischen Sowjetrepublik je einen örtlichen Geistigen Rat bilden, falls es die Umstände erlauben - in dem zuletzt erwähnten Territorium mit Unterstützung durch den Nationalen Geistigen Rat von Finnland;
* den Anteil der deutschstämmigen Gläubigen in der deutschen Bahá'í-Gemeinde erheblich vergrößern;
* die Anzahl der Zentren auf fünfhundert erhöhen;
* die Anzahl der örtlichen Geistigen Räte auf dreiundsechzig erhöhen, darunter ein Geistiger Rat auf den Nordfriesischen Inseln;
* die Lehrarbeit auf Trier ausdehnen, unterstützt durch den Nationalen Geistigen Rat von Luxemburg;
* die Anzahl der eingetragenen örtlichen Geistigen Räte auf dreißig erhöhen;
* die amtliche Anerkennung der Bahá'í-Feiertage und der Bahá'í-Trauungsurkunde durch die Behörden erreichen;
* Bahá'í-Literatur ins Weißrussische übertragen und veröffentlichen;
* die auf griechisch vorliegende Bahá'í-Literatur erweitern;
* die deutsche Bahá'í-Literatur erweitern, unterstützt durch die Nationalen Geistigen Räte von Österreich, Luxemburg und der Schweiz.
* Auf dem Gebiet internationaler Zusammenarbeit ist die deutsche Bahá'í-Gemeinde aufgerufen, den folgenden Gemeinden Unterstützung zu gewähren:
* dem Nationalen Geistigen Rat von Finnland bei der Eröffnung Estlands;
* dem Nationalen Geistigen Rat von Österreich bei der Bildung je eines örtlichen Geistigen Rates in der Tschechoslowakei, Ungarn und Jugoslawien, wenn es die Umstände erlauben;
* den Nationalen Geistigen Räten von Österreich und Luxemburg bei der Verfolgung ihrer Lehrvorhaben;
* dem Nationalen Geistigen Rat des Indischen Ozeans beim Erwerb eines Tempelgeländes in oder in der Nähe von Saint Pierre auf der Insel Réunion;
* dem Nationalen Geistigen Rat von Westafrika beim Erwerb eines Tempelgeländes in oder in der Nähe von Abidjan, Elfenbeinküste;
* dem Nationalen Geistigen Rat von West-Zentralafrika beim Erwerb eines nationalen .Ha.zíratu'l-Quds in Kotonu, Dahome.
* Möge der Allmächtige Sie in Ihren Überlegungen leiten und jedem Schritt, den Sie im Dienste Seiner Sache tun, Seine überreichen Bestätigungen gewähren.
Die strahlende Ridván-Zeit liegt vor uns, und von den Höhen, zu denen die Gemeinde des Größten Namens gelangt ist, sind glänzende Aussichten am Horizont zu erkennen. Ein weites Feld wurde durchschritten: Neue Wachstumsprogramme sind entstanden, und wenn auch noch Hunderte mehr in den nächsten zwölf Monaten entstehen müssen, wurden bereits in fast jedem der erforderlichen Cluster Anstrengungen unternommen, das notwendige Handlungsmuster auf den Weg zu bringen, um die im Fünfjahresplan geforderte Zahl von 5.000 zu erreichen. Bestehende Programme nehmen an Stärke zu und viele zeigen deutlicher, was es bedeutet, wenn die Sache Gottes sich weiter im gesellschaftlichen Gefüge eines Clusters oder innerhalb einer Nachbarschaft oder eines Dorfes ausbreitet. Immer entschlossener werden Pfade beschritten, die zu anhaltender Ausbreitung und Festigung in großem Maßstab führen, wobei beherzte Jugendliche oft das Tempo vorgeben. Möglichkeiten, wie die gesellschaftsbildende Kraft des Glaubens in verschiedenen Umgebungen freigesetzt werden kann, werden immer deutlicher, und allmählich werden jene entscheidenden Merkmale erkennbar, durch die sich die weitere Entfaltung des Wachstumsprozesses in einem Cluster auszeichnen muss.
Der Aufruf, diese Arbeit auszuführen und zu unterstützen, richtet sich an jeden Anhänger Bahá’u’lláhs, und er wird eine Antwort in jedem Herzen hervorrufen, das von Schmerz erfüllt ist angesichts des elenden Zustands der Welt und der beklagenswerten Umstände, unter denen so viele Menschen leben, ohne Linderung finden zu können. Denn letztlich ist systematisches, entschlossenes und selbstloses Handeln innerhalb des weit gefassten Rahmens des Plans die wirksamste Antwort jedes besorgten Gläubigen auf die zunehmende Vielzahl der Übel einer zerrütteten Gesellschaft. Im letzten Jahr wurde es in verschiedenen Ländern auf verschiedene Weise noch deutlicher, dass der gesellschaftliche Konsens bezüglich der Werte, die eine Bevölkerung traditionell geeint und zusammengehalten haben, immer mehr erodiert und aufgebraucht wird. Er kann keinen zuverlässigen Schutz mehr bieten gegenüber der Vielfalt eigennütziger, intoleranter und zersetzender Ideologien, die durch Unzufriedenheit und Missgunst genährt werden. In einer konfliktträchtigen, jeden Tag stärker verunsicherten Welt erheben sich die Befürworter dieser zerstörerischen Lehren kühn und dreist. Erinnern wir uns an das unmissverständliche Urteil der Erhabensten Feder: „Sie eilen dem Feuer der Hölle zu und halten es für Licht“. Wohlmeinenden Führern von Nationen und Menschen guten Willens bleibt nichts anderes übrig, als sich abzumühen, die unübersehbaren Risse in der Gesellschaft zu flicken, machtlos, deren Ausbreitung zu verhindern. Die Auswirkungen all dessen sind nicht nur in offenen Konflikten oder einem Zusammenbruch der Ordnung zu sehen. Das Misstrauen, das Nachbarn gegen Nachbarn aufbringt und Familienbande zerreißt, die Feindseligkeit, die vielfach als gesellschaftlicher Diskurs gilt, die Beiläufigkeit, mit der an unedle menschliche Motive appelliert wird, nur um Macht zu gewinnen und Reichtum anzuhäufen – all dies birgt untrügliche Zeichen dafür, dass die sittlichen Kräfte, die die Gesellschaft zusammenhalten, ernstlich erschöpft sind.
Dennoch liegt Zuversicht in dem Wissen, dass inmitten des Zerfalls eine neue Art gemeinschaftlichen Lebens Gestalt annimmt, das allem Himmlischen im Menschen konkreten Ausdruck verleiht. Wir haben beobachtet, wie sich die Freunde vor allem dort, wo die Intensität des Lehrens und der Gemeindebildungsaktivitäten aufrechterhalten wurde, gegen die Kräfte des Materialismus, die ihre kostbaren Energien auszulaugen drohen, schützen konnten. Nicht nur das, auch bei der Bewältigung der verschiedenen anderen Verpflichtungen, die ihre Zeit beanspruchen, verlieren sie nie ihre heiligen und dringenden Aufgaben aus den Augen. Eine solche Achtsamkeit für die Bedürfnisse des Glaubens und für das Wohl der Menschheit ist in jeder Gemeinde erforderlich. Dort, wo in einem zuvor nicht erschlossenen Cluster ein Wachstumsprogramm eingerichtet wurde, sehen wir, wie aus der Liebe zu Bahá’u’lláh, die ein entschlossener Gläubiger im Herzen hegt, die ersten Regungen zum Handeln entstanden sind. Ungeachtet der herausfordernden Komplexität, der eine wachsende Gemeinde schließlich gerecht werden muss, beginnt jede Aktivität mit diesem einfachen Band der Liebe. Es bildet den Lebensfaden, aus dem das Muster geduldiger, konzentrierter Anstrengung Zyklus um Zyklus gewebt wird, um Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit geistigem Gedankengut in Kontakt zu bringen; um ein Gefühl der Verehrung Gottes durch Gebets- und Andachtsversammlungen zu fördern; um Gespräche, die das Verständnis erhellen, anzuregen; um immer mehr Menschen auf ein lebenslanges Studium des Schöpferischen Wortes und seine Umsetzung in die Tat einzustimmen; um gemeinsam mit anderen die Fähigkeit für das Dienen zu entwickeln; und um einander bei der Anwendung des Gelernten zu begleiten. Liebe Freunde, Ihr Geliebten der Abhá-Schönheit: Bei jeder Gelegenheit, zu der wir uns an Seine Heilige Schwelle begeben, beten wir inständig für Sie, dass Ihre Liebe zu Ihm Ihnen die Kraft verleihen möge, Ihr Leben Seiner Sache zu weihen.
Die umfangreichen Erkenntnisse aus Clustern und darin eingebetteten Zentren intensiver Aktivität, wo die Dynamik des Gemeindelebens eine große Anzahl von Menschen erfasst hat, verdienen besondere Erwähnung. Wir sind erfreut zu sehen, wie eine Kultur der gegenseitigen Unterstützung, gegründet auf Gemeinschaft und demütigen Dienst, sich ganz natürlich in solchen Vierteln etabliert hat, so dass immer mehr Menschen systematisch in das Gefüge der Gemeindeaktivitäten integriert wurden. Tatsächlich zeigt sich die Bewegung einer Bevölkerung hin zu Bahá’u’lláhs Vision einer neuen Gesellschaft an immer mehr Schauplätzen nicht mehr nur als ein fesselnder Ausblick, sondern als eine im Entstehen begriffene Wirklichkeit.
Wir möchten noch einige Worte an jene richten, in deren Umfeld merkliche Fortschritte noch ausstehen und die sich nach einem Wandel sehnen. Seien Sie voll Hoffnung. Es wird nicht immer so sein. Ist die Geschichte unseres Glaubens nicht voll von Berichten über ungünstige Anfänge und dennoch wunderbare Ergebnisse? Wie oft ist es durch die Taten einiger Gläubiger, ob jung oder alt, oder einer einzelnen Familie oder sogar einer einzelnen Seele, wenn sie durch die Kraft des göttlichen Beistands bestätigt wurden, gelungen, lebendige Gemeinden in scheinbar unwirtlichen Gefilden zu bilden? Sie dürfen nicht annehmen, dass Ihr eigener Fall wesentlich anders ist. Wandel in einem Cluster, ob er rasch erfolgt oder hart erkämpft wird, entspringt weder einem formelhaften Ansatz noch wahlloser Aktivität; er schreitet voran im Rhythmus von Handeln, Reflexion und Beratung, und wird von Plänen angetrieben, die die Frucht von Erfahrung sind. Darüber hinaus und unabhängig von den unmittelbaren Auswirkungen ist der Dienst für den Geliebten schon an sich eine Quelle bleibender Freude für den Geist. Schöpfen Sie auch Mut aus dem Beispiel Ihrer geistigen Verwandten in der Wiege des Glaubens, wie ihre konstruktive Einstellung, ihre Widerstandsfähigkeit als Gemeinde und ihre Standhaftigkeit bei der Verbreitung des Göttlichen Wortes zu Veränderungen ihrer Gesellschaft im Denken und Handeln führen. Gott ist mit Ihnen, mit jedem von Ihnen. In den verbleibenden zwölf Monaten des Plans sollte jede Gemeinde von ihrer derzeitigen Position zu einer stärkeren voranschreiten.
Die alles entscheidende Arbeit der Ausbreitung und Festigung legt ein solides Fundament für die Bemühungen in zahlreichen anderen Bereichen, zu denen die Bahá’í-Welt nun aufgerufen ist. Am Bahá’í-Weltzentrum werden die Anstrengungen verstärkt, systematisch den Inhalt der vielen tausend Sendschreiben zu katalogisieren und thematisch einzuordnen, die jenes unendlich kostbare Vermächtnis bilden: die Heiligen Texte unseres Glaubens, die zum Wohle der gesamten Menschheit treuhänderisch verwahrt werden – dies im Hinblick darauf, die Veröffentlichung der Bände der Schriften zu beschleunigen, sowohl in der Originalsprache als auch in englischer Übersetzung. Die Bemühungen zur Errichtung von acht Mashriqu’l-Adhkár, heilige Tempel, errichtet zur Ehre Gottes, schreiten rasch voran. Die Tätigkeiten im Bereich der Außenbeziehungen haben auf nationaler Ebene beträchtlich an Wirksamkeit gewonnen und erfolgen zunehmend systematischer, zusätzlich angeregt durch die Veröffentlichung eines vor sechs Monaten an Nationale Geistige Räte geschickten Dokuments, das auf der umfangreichen Erfahrung der letzten zwei Jahrzehnte beruht und einen erweiterten Rahmen für die zukünftige Entwicklung dieser Bemühungen bietet. Inzwischen wurden in Addis Abeba und Jakarta zwei neue Büros der Bahá’í International Community eröffnet; ebenso wie die Büros bei den Vereinten Nationen in New York und Genf und das Büro in Brüssel erweitern sie die Möglichkeiten, die Sichtweisen der Sache auf internationaler Ebene in Afrika und Südostasien anzubieten. Viele Nationale Geistige Räte werden gerade durch die Erfordernisse, die das Wachstum mit sich bringt, dazu veranlasst, ihre Verwaltungskapazitäten auszubauen; das wird sichtbar in ihrer wohlbedachten Verwaltung der ihnen zur Verfügung stehenden Kräfte und Mittel, in ihren Bemühungen, mit den Bedingungen ihrer Gemeinde völlig vertraut zu werden, und in ihrer Wachsamkeit, mit der sie dafür sorgen, dass die Arbeitsabläufe ihrer nationalen Büros zunehmend verbessert werden; und da es nötig ist, die beeindruckende Menge der auf diesem Gebiet gesammelten Erkenntnisse zu systematisieren, wurde am Weltzentrum das Büro für die Entwicklung von Verwaltungssystemen eingerichtet. Initiativen für verschiedene Arten gesellschaftlichen Handelns vermehren sich weiterhin in vielen Ländern und ermöglichen es, viel darüber zu lernen, wie die in den Lehren verwahrte Weisheit zur Verbesserung der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse angewendet werden kann; dieser Bereich ist so vielversprechend, dass wir am Büro für soziale und wirtschaftliche Entwicklung ein siebenköpfiges Internationales Beratungsgremium eingerichtet haben, wodurch die nächste Stufe in der Entwicklung dieses Büros eingeläutet wird. Drei Mitglieder des Gremiums werden zudem als Koordinationsteam des Büros mit Wohnsitz im Heiligen Land dienen.
Zu diesem Ridván sehen wir somit zwar vieles, was noch zu tun ist, aber auch viele, die hierfür bereitstehen. In Tausenden von Clustern, Nachbarschaften und Dörfern entspringen frische Quellen des Glaubens und der Gewissheit und erfrischen den Geist derer, die von ihren belebenden Wassern berührt werden. Mancherorts fließen sie wie ein stetiger Bach, woanders bereits als Fluss. Jetzt ist nicht die Zeit, dass irgendeine Seele am Ufer verweilt – jeder sollte nun Teil dieser steigenden Flutwelle werden.
Volle drei Jahre sind seit Beginn des derzeitigen Stadiums in der Entfaltung des Göttlichen Plans vergangen, ein Unternehmen, das die Anhänger Bahá’u’lláhs in einem geeinten geistigen Bemühen verbindet. Nur noch zwei Jahre trennen die Freunde Gottes von seinem festgesetzten Abschluss. Die beiden wesentlichen Bewegungen, die den Wachstumsprozess stetig vorantreiben – der ständige Strom von Teilnehmern durch die Kursfolge des Trainingsinstituts und die Bewegung der Cluster in einem Entwicklungskontinuum – wurden beide gewaltig verstärkt durch die frischen Energien, die auf den Jugendkonferenzen im letzten Jahr freigesetzt wurden. Die erweiterten Fähigkeiten der Bahá’í-Welt, Scharen junger Menschen im Feld des Dienstes zu mobilisieren, können nun weitere Früchte tragen. Denn in der noch verbleibenden Zeit drängen die entscheidenden Aufgaben, bestehende Wachstumsprogramme zu stärken und neue zu beginnen. Die Gemeinde des Größten Namens ist gut dafür gerüstet, vor dem Ende dieses Zeitabschnitts den Clustern, in denen solche Programme bereits begonnen wurden, die zweitausend hinzuzufügen, die für die Erfüllung des Zieles noch fehlen.
Wie froh sind wir zu sehen, dass dieses Bemühen in den weit in aller Welt verteilten Gegenden energisch vorangetrieben wird, und dies in einer Vielfalt verschiedener Umstände und Umgebungen, in nunmehr etwa dreitausend Clustern. Viele Cluster befinden sich in einem Stadium, wo durch die Umsetzung einiger weniger einfacher Handlungslinien neuer Schwung erzeugt wird. In anderen ist, nach aufeinander folgenden Aktivitätszyklen, die Zahl der Freunde gewachsen, die im Rahmen des Plans die Initiative ergriffen haben, und die Intensität des Handelns hat zugenommen; in dem Maße wie die Qualität des geistigen Ausbildungsprozesses durch Erfahrung verbessert wird, werden Menschen leichter hingezogen, sich daran zu beteiligen. Von Zeit zu Zeit mögen die Tätigkeiten vielleicht ins Stocken geraten, oder ein Hindernis für den Fortschritt mag sich in den Weg stellen; eingehende Beratung über die Gründe für den Stillstand, verbunden mit Geduld, Mut und Ausdauer, macht es möglich, wieder neuen Schwung zu gewinnen. In immer mehr Clustern nimmt das Wachstumsprogramm sowohl an Umfang als auch an Komplexität zu, entsprechend den zunehmenden Fähigkeiten der drei am Plan Beteiligten – dem Einzelnen, der Gemeinde und den Institutionen des Glaubens – ein Umfeld gegenseitiger Unterstützung zu schaffen. Und wir sind hocherfreut, dass es, wie vorausgesehen, nun zunehmend mehr Cluster gibt, in denen hundert und mehr Freunde das Engagement von Tausenden und mehr ermöglichen, die ein Lebensmuster weben, das geistig, dynamisch und verwandelnd ist. Dem Prozess unterliegt schon von Anfang an natürlich eine kollektive Bewegung hin zur Verwirklichung der Vision materiellen und geistigen Wohlergehens, wie sie Er, der Lebensspender der Welt, dargelegt hat. Aber wenn eine große Anzahl von Menschen beteiligt ist, wird die Bewegung einer gesamten Bevölkerung wahrnehmbar.
Diese Bewegung ist besonders deutlich sichtbar in denjenigen Clustern, in denen ein örtlicher Mashriqu’l-Adhkár errichtet werden soll. Ein solches Beispiel bietet uns Vanuatu. Die Freunde, die auf der Insel Tanna wohnen, haben eine gewaltige Anstrengung unternommen, um auf das geplante Haus der Andacht aufmerksam zu machen und haben nicht weniger als ein Drittel der 30.000 Einwohner der Insel auf ganz unterschiedliche Art und Weise in einem sich ausweitenden Austausch über seine Bedeutung eingebunden. Die Fähigkeit, unter so vielen Menschen eine bedeutsame Konversation aufrechtzuerhalten, ist verfeinert worden durch jahrelange Erfahrung im Übermitteln der Lehren Bahá’u’lláhs und der Erweiterung des Einflussbereichs eines lebendigen Trainingsinstituts. Besonders gut gedeihen die Juniorjugendgruppen auf der Insel, angespornt durch Dorfälteste, die sehen, wie die Teilnehmer in ihren geistigen Fähigkeiten gefördert werden. Ermutigt durch die Einheit und die Hingabe, die unter ihnen bestehen, haben diese jungen Leute nicht nur die bequeme Trägheit der eigenen Passivität abgeschüttelt, sondern haben mit Hilfe verschiedener praktischer Projekte Wege gefunden, sich für die Verbesserung ihrer Gemeinde einzusetzen, so dass Menschen aller Altersgruppen, nicht zuletzt ihre eigenen Eltern, für konstruktives Handeln begeistert wurden. Unter den Gläubigen und in der umgebenden Gesellschaft wird es als ein besonderes Geschenk anerkannt, sich zwecks Führung und zur Entscheidungsfindung in schwierigen Situationen an einen Geistigen Rat wenden zu können, und andererseits zeichnen sich die Beschlüsse der Geistigen Räte in zunehmendem Maße durch Weisheit und Einfühlungsvermögen aus. Vieles weist darauf hin, dass die Verbindung der Elemente im Handlungsrahmen des Plans zu einem kohärenten Ganzen einen tiefgreifenden Einfluss auf die Bevölkerung haben kann. Und vor dem Hintergrund ständiger Ausbreitung und Festigung – der dreißigste Zyklus des intensiven Wachstumsprogramms wurde gerade beendet – erforschen die Freunde aktiv, zusammen mit dem Rest der Inselbevölkerung, was es bedeutet, wenn ein Mashriqu’l- Adhkár, „ein Sammelpunkt für die Menschenseelen“, in ihrer Mitte errichtet wird. Mit aktiver Unterstützung durch traditionelle Führer haben die Bewohner der Insel Tanna nicht weniger als hundert Entwürfe für die Gestaltung des Tempels angeboten, ein Zeichen dafür, wie sehr das Haus der Andacht die Vorstellungskräfte anregt und zugleich einen begeisternden Ausblick auf den Einfluss bietet, den es auf die Menschen ausüben wird, die unter seinem Schatten leben.
Dieser ermutigende Bericht findet sein Gegenstück in zahlreichen fortgeschrittenen Clustern, in denen die Implikationen der Lehren Bahá’u’lláhs auf die Lebensbedingungen in Nachbarschaften und Dörfern angewendet werden. In jedem Cluster lernen die Menschen, die sich der Person Bahá’u’lláhs zunehmend bewusst werden, durch ihre Reflexion über Erfahrungen, durch Beratung und Studium, gemäß der Wahrheiten zu handeln, die Seine Offenbarung enthält, sodass der sich ständig erweiternde Kreis geistig Verwandter durch die Bande gemeinsamer Andacht und gemeinsamen Dienstes immer enger verbunden wird.
Auf vielerlei Weise bahnen die am weitesten fortgeschrittenen Gemeinden einen einladenden Pfad, dem andere folgen können. Aber ganz gleich, auf welchem Aktivitätsniveau sich ein Cluster auch befinden mag – es ist die Fähigkeit der Freunde vor Ort, in einem gemeinsamen Rahmen lernen zu können, die den Fortschritt auf dem Pfad der Entwicklung fördert. Jeder hat Anteil an diesem Unternehmen; der Beitrag jedes Einzelnen dient dazu, das Ganze zu bereichern. Die Cluster mit der größten Dynamik sind solche, in denen die Freunde, ungeachtet der Ressourcen, die die Gemeinde besitzt oder der Zahl der Aktivitäten, die unternommen werden, verstehen, dass es ihre Aufgabe ist festzustellen, was erforderlich ist, damit Fortschritt zustande kommt – die aufkeimende Fähigkeit, die genährt werden muss; die neue Fertigkeit, die erworben werden muss; die Initiatoren einer neu begonnenen Anstrengung, die begleitet werden müssen; der Raum für Reflexion, der gestaltet werden muss; die kollektive Unternehmung, die koordiniert werden muss – und dann kreative Wege zu finden, wie die notwendige Zeit und die notwendigen Ressourcen verfügbar gemacht werden können, um dies zu erreichen. Die Tatsache, dass jede Kombination von Umständen ihre eigenen Herausforderungen in sich birgt, befähigt jede Gemeinde, nicht nur einfach aus dem, was in der übrigen Bahá’í-Welt gelernt wird, Nutzen zu ziehen, sondern auch selbst dieser Gesamtheit des Wissens etwas hinzuzufügen. Sich dieser Tatsache bewusst zu sein, befreit von der fruchtlosen Suche nach einer starren Formel für das Handeln und ermöglicht zugleich, die Einsichten, die in verschiedenen Umgebungen gewonnen wurden, in den Wachstumsprozess einzubringen, der dann eine besondere Form in der eigenen Umgebung annimmt. Diese gesamte Herangehensweise steht in völligem Gegensatz zu engen Konzepten von „Erfolg“ oder „Misserfolg“, die zu frenetischer Aktivität führen oder den Willen lähmen. Loslösung ist erforderlich. Wenn Bemühungen gänzlich für Gott unternommen werden, dann gehört Ihm alles, was geschieht, und jeder Sieg, der in Seinem Namen errungen wird, ist eine Gelegenheit, Sein Lob zu feiern.
So viele Stellen in den Schriften unseres Glaubens beschreiben das Verhältnis zwischen den Bemühungen, die unternommen werden, und der himmlischen Hilfe, die als Antwort darauf gewährt wird. „Wenn ihr nur die Mühe auf euch nehmt“, versichert uns der Meister in einem Seiner Sendschreiben, „wird diese Pracht sicherlich leuchten, diese Wolken der Barmherzigkeit werden ihren Regen verströmen, diese lebensspendenden Winde werden sich erheben und wehen, dieser süßduftende Moschus wird sich allenthalben erheben.“ Bei unseren häufigen Besuchen an den Heiligen Schreinen flehen wir in Ihrem Namen den Allmächtigen aufrichtig an, dass Er Sie unterstützen und stärken möge, damit Ihre Bemühungen, diejenigen zu erreichen, die noch nichts von den göttlichen Lehren wissen und sie in Seiner Sache zu bestärken, reich gesegnet werden mögen, und Ihr Vertrauen in Seine grenzenlosen Gnadengaben unerschütterlich sei. Niemals vergessen wir Sie in unseren Gebeten, und niemals werden wir aufhören, uns bei unseren Bittgebeten Ihre hingebungsvollen, treuen Taten ins Gedächtnis zu rufen. Wenn wir die zwingenden Notwendigkeiten betrachten, die in den kommenden zwei Jahren vor den Anhängern der Gesegneten Schönheit liegen, befeuert der nachdrückliche Ruf des Meisters zum Handeln unseren Geist: „Zerreißt die Schleier, entfernt die Hindernisse, bringet die lebensspendenden Wasser dar und weiset den Pfad der Rettung.“
„Das Buch Gottes ist weit aufgeschlagen, und Sein Wort ruft die Menschheit vor Ihn.“ In solch erhebenden Worten beschreibt die Höchste Feder das Kommen des Tages der Vereinigung und der Ernte. Bahá’u’lláh fährt fort: „O Freunde Gottes, neigt euer Ohr der Stimme Dessen, dem die Welt Unrecht tut, und haltet euch an das, was Seine Sache erhöht.“ Er ermahnt Seine Anhänger weiterhin: „Beratet in größter Freundlichkeit und im Geist vollkommener Gemeinschaft und verbringt die kostbaren Tage eures Lebens damit, die Welt zu bessern und die Sache dessen voranzutragen, der der ewige, höchste Herr über alles ist.“
Geliebte Mitarbeiter: Diese mitreißende Verkündigung kommt spontan ins Bewusstsein, wenn wir Ihre hingebungsvollen Bemühungen als Antwort auf Bahá’u’lláhs Ruf weltweit sehen. Die großartige Reaktion auf Seinen Aufruf zeigt sich überall. Denjenigen, die innehalten, um über die Entfaltung des Göttlichen Plans nachzudenken, ist es unmöglich zu ignorieren, wie die Macht, die das Wort Gottes besitzt, in den Herzen von Frauen und Männern, Kindern und Jugendlichen, in einem Land nach dem anderen, in einem Cluster nach dem anderen beständig zunimmt.
Eine weltweite Gemeinde verfeinert derzeit ihre Fähigkeit, die sie umgebende Realität zu verstehen, die eigenen Möglichkeiten zu analysieren und die Methoden und Instrumente des Fünfjahresplans klug anzuwenden. Wie erwartet, sammelt sich Erfahrung am raschesten in Clustern an, in denen die Grenzen des Lernens bewusst erweitert werden. An solchen Orten werden die Wege und Mittel einer ständig steigenden Anzahl von Menschen zu ermöglichen, ihre Fähigkeit zum Dienst zu stärken, gut verstanden. Ein pulsierendes Trainingsinstitut fungiert als Hauptstütze für die Anstrengungen der Gemeinde, den Plan voranzubringen, und so früh wie möglich werden Fertigkeiten und Fähigkeiten, die sich durch die Teilnahme an Institutskursen entwickeln, im Feld des Handelns eingesetzt. Manche begegnen in ihrem täglichen sozialen Umgang Seelen, die offen sind für die Erforschung geistiger Themen, welche in einer Vielfalt von Situationen und Umgebungen stattfindet; manche befinden sich in der Lage, auf die Empfänglichkeit in einem Dorf oder einer Nachbarschaft einzugehen, vielleicht indem sie dorthin umgezogen sind. Immer mehr Menschen erheben sich, um Verantwortung zu schultern und stärken somit die Reihen jener, die als Tutoren, Animatoren und Kinderklassenlehrer dienen, die verwalten und koordinieren, oder die sich in anderer Weise zur Unterstützung der Arbeit einsetzen. Die Hingabe der Freunde an das Lernen drückt sich aus durch Beständigkeit in ihren eigenen Bemühungen und die Bereitschaft, andere bei den ihrigen zu begleiten. Weiterhin sind sie fähig, zwei komplementäre Sichtweisen auf das Handlungsmuster, das sich im Cluster entwickelt, fest im Blick zu behalten: zum einen die dreimonatigen
An die Bahá’í der Welt 2 Ridván 2013 (vorläufige Übersetzung)
Aktivitätszyklen – das rhythmische Pulsieren des Wachstumsprogramms – und zum anderen die klar umrissenenen Phasen eines Erziehungsprozesses für Kinder, für Juniorjugendliche, und für Jugendliche und Erwachsene. Während die Freunde sich im Klaren sind über die Beziehung und Verbindung dieser drei Phasen, sind sie sich zugleich bewusst, dass eine jede ihre eigene Dynamik, ihre eigenen Erfordernisse und ihren ureigenen Wert hat. Vor allem sind sie sich des Waltens machtvoller geistiger Kräfte gewahr, deren Wirken sowohl in den quantitativen Daten erkennbar ist, die den Fortschritt der Gemeinde widerspiegeln, wie auch in den weitgefächerten Berichten, die von ihren Erfolgen erzählen. Besonders vielversprechend ist die Tatsache, dass so viele dieser unverkennbaren und hervorstechenden Eigenschaften, die die am weitesten fortgeschrittenen Cluster charakterisieren, auch in Gemeinden in einem viel früheren Stadium ihrer Entwicklung bereits sichtbar sind.
Während die Erfahrung der Freunde sich vertieft hat, ist auch ihre Kapazität gestiegen, innerhalb eines Clusters ein reichhaltiges und komplexes Lebensmuster zu fördern, das Hunderte oder gar Tausende von Menschen umfasst. Wie glücklich sind wir, festzustellen, wie viele Einsichten die Gläubigen aus ihren Bemühungen gewinnen. Sie erkennen zum Beispiel, dass die allmähliche Entfaltung des Planes auf der Clusterebene ein dynamischer Prozess ist, ein Prozess, der notwendigerweise komplex ist und sich nicht ohne weiteres vereinfachen lässt. Sie sehen, wie er vorankommt, während sie ihre Fähigkeit steigern, sowohl menschliche Ressourcen heranzubilden als auch die Handlungen derer, die sich erheben, angemessen zu koordinieren und zu organisieren. Den Freunden wird klar, dass es, indem diese Fähigkeiten verstärkt werden, möglich sein wird, ein breiteres Spektrum von Initiativen zu integrieren. In gleichem Maße sind sie zu der Erkenntnis gelangt, dass die Einführung eines neuen Elements für gewisse Zeit besonderer Aufmerksamkeit bedarf, dies aber in keiner Weise die Bedeutung anderer Aspekte ihrer Bemühungen zur Gemeindebildung schmälert. Denn sie haben begriffen: Wenn Lernen ihr Handlungsmodus sein soll, müssen sie wachsam das Potenzial erkennen, das irgendeines der Instrumente des Plans in sich birgt und das sich zu einem bestimmten Zeitpunkt als besonders geeignet erweist. Wo erforderlich, müssen sie erhöhte Energie in dessen Entwicklung investieren. Daraus folgt jedoch nicht, dass alle mit dem gleichen Aspekt des Plans beschäftigt sein müssen. Die Freunde haben auch gelernt, dass es nicht notwendig ist, den primären Fokus der Ausbreitungsphase in jedem Zyklus eines Wachstumsprogramms auf das gleiche Ziel zu richten. Die Umstände mögen es erforderlich machen, dass sich beispielsweise in einem gegebenen Zyklus die Aufmerksamkeit hauptsächlich darauf richtet, im Rahmen intensiver Lehrbemühungen, von Einzelnen oder gemeinsam unternommen, Seelen einzuladen sich dem Glauben aus vollem Herzen anzuschließen; in einem anderen Zyklus könnte der Fokus auf die Vervielfachung einer bestimmten Kernaktivität gelegt werden.
Weiterhin sind sich die Freunde bewusst, dass die Arbeit der Sache aus gutem Grund an verschiedenen Orten in unterschiedlichem Tempo vorangeht – es ist schließlich ein organisches Phänomen – und jedes Beispiel des Fortschritts, das sie sehen, bringt ihnen Freude und Ermutigung. Sie erkennen in der Tat den Nutzen, der durch den Beitrag jedes einzelnen für den Fortschritt des Ganzen erwächst, und so wird der Dienst eines jeden, einhergehend mit den Möglichkeiten der persönlichen Lebensumstände, von allen
An die Bahá’í der Welt 3 Ridván 2013 (vorläufige Übersetzung)
willkommen geheißen. Reflexionstreffen werden in zunehmendem Maße begriffen als Gelegenheiten, bei denen die Bemühungen der Gemeinde in ihrer Gesamtheit in ernsthafter und erhebender Beratung thematisiert werden. Die Teilnehmer bekommen einen Überblick über das Erreichte, verstehen ihre eigenes Tun in diesem Licht und erweitern ihr Wissen über den Wachstumsprozess, indem sie die Ratschläge der Institutionen aufnehmen und aus den Erfahrungen ihrer Mitgläubigen schöpfen. Solche Erfahrungen werden auch in zahlreichen anderen Freiräumen miteinander geteilt, die zur Beratung unter Freunden, die intensiv in spezielle Bemühungen engagiert sind, entstehen, ob sie nun eine gemeinsame Handlungslinie verfolgen oder in einem besonderen Teil des Clusters dienen. All diese Einsichten gehören zu der umfassenden Erkenntnis, dass Fortschritt am leichtesten in einer Umgebung erreicht wird, die von Liebe erfüllt ist – einer Umgebung, in der Mängel mit Langmut übersehen, Hindernisse mit Geduld überwunden und erprobte Herangehensweisen mit Begeisterung aufgegriffen werden. Und so fließen durch die weise Führung der Institutionen und Agenturen des Glaubens, die auf jeder Ebene wirken, die Anstrengungen der Freunde, wie bescheiden sie im Einzelnen sein mögen, in einer kollektiven Bemühung zusammen, um sicherzustellen, dass Empfänglichkeit für den Ruf der Gesegneten Schönheit rasch erkannt und wirksam genährt wird. In solch einem Cluster entwickeln sich gesunde Beziehungen unter den Einzelnen, den Institutionen und der Gemeinde – den drei Beteiligten des Plans.
In dieser Landschaft florierender Aktivitäten verdient eine Aussicht besondere Erwähnung. In der Botschaft, die wir vor drei Jahren an Sie gerichtet haben, äußerten wir die Hoffnung, dass in Clustern, in denen ein intensives Wachstumsprogramm in Gang ist, die Freunde sich bemühen werden, mehr über die Wege der Gemeindebildung zu lernen, indem sich Zentren intensiver Aktivität in Nachbarschaften und Dörfern entwickeln. Unsere Hoffnungen wurden übertroffen, weil sogar in Clustern, wo das Wachstumsprogramm noch keine Intensität erlangt hat, die Bemühungen einiger Weniger, Kernaktivitäten unter den Bewohnern kleiner Gebiete zu initiieren, sich immer wieder als wirksam erwiesen haben. Im Grunde richtet sich diese Herangehensweise darauf, wie Bevölkerungsgruppen, die für die geistige Wandlung, die Bahá’u’lláhs Offenbarung fördert, bereit sind, auf Seine Lehren zu antworten. Durch die Teilnahme am Erziehungsprozess, der durch das Trainingsinstitut befördert wird, werden sie motiviert, die Erstarrung und Gleichgültigkeit, die ihnen durch die gesellschaftlichen Kräfte auferlegt werden, zurückzuweisen und statt dessen Handlungsmuster zu verfolgen, die sich als lebensverändernd erweisen. Da, wo diese Herangehensweise in einer Nachbarschaft oder einem Dorf einige Jahre weiter entwickelt wurde und die Freunde ihren Fokus beibehalten haben, werden allmählich, aber unverkennbar, bemerkenswerte Ergebnisse offenkundig. Die Jugend wird ermächtigt, Verantwortung für die Entwicklung derjenigen in ihrer Umgebung zu übernehmen, die jünger sind als sie selbst. Die älteren Generationen begrüßen die Beiträge der Jugend zu bedeutsamen Diskussionen über die Angelegenheiten der gesamten Gemeinde. Für Jung und Alt gleichermaßen bildet die Disziplin, die durch den Erziehungsprozess der Gemeinde kultiviert wurde, die Fähigkeit zur Beratung aus, und es entstehen neue Räume für zielgerichtete Gespräche. Doch beschränkt sich die Veränderung nicht allein auf die Bahá’í und die Beteiligten an den vom Plan vorgesehenen Kernaktivitäten, von denen vernünftigerweise erwartet werden könnte, dass sie sich mit der Zeit neue Denkweisen
An die Bahá’í der Welt 4 Ridván 2013 (vorläufige Übersetzung)
aneignen. Vielmehr wird der Geist des Ortes insgesamt spürbar beeinflusst. Eine Andachtshaltung bildet sich innerhalb breiter Kreise der Bevölkerung heraus. Die Gleichwertigkeit von Mann und Frau kommt deutlicher zum Ausdruck. Der Erziehung der Kinder, sowohl der Jungen als auch der Mädchen, wird größere Aufmerksamkeit zugesprochen. Das Wesen der Familienbeziehungen – durch Jahrhunderte alte Annahmen geformt – verändert sich merklich. Ein Verantwortungsgefühl gegenüber der eigenen unmittelbaren Gemeinde und der physischen Umgebung breitet sich aus. Sogar die Geißel des Vorurteils, die ihren verderblichen Schatten auf jede Gesellschaft wirft, weicht allmählich der unwiderstehlichen Kraft der Einheit. Kurzum, die Arbeit an der Gemeindebildung, in der die Freunde engagiert sind, beeinflusst Aspekte der Kultur.
Während Ausbreitung und Festigung im Laufe des letzten Jahres stetig fortgeschritten sind, haben sich – häufig parallel verlaufend– andere wichtige Aktivitätsfelder ebenfalls vorwärts bewegt. Ein herausragendes Beispiel hierfür sind die in einigen Dörfern und Nachbarschaften erkennbaren Fortschritte auf der Ebene der Kultur, die zu einem nicht geringen Anteil darauf beruhen, was von der Bahá’í‐Beteiligung an gesellschaftlichem Handeln gelernt wird. Unser Büro für soziale und ökonomische Entwicklung erstellte vor kurzem ein Dokument, das die Essenz der 30 Jahre an Erfahrung zusammenfasst, die sich auf diesem Gebiet seit der Errichtung dieses Büros am Bahá’í‐ Weltzentrum angesammelt hat. Unter den darin erwähnten Beobachtungen ist die, dass Bemühungen, sich in gesellschaftlichem Handeln zu engagieren, einen entscheidenden Impuls durch das Trainingsinstitut bekommen. Dies geschieht nicht nur durch die Zunahme der menschlichen Ressourcen, die es fördert. Die geistigen Einsichten, Qualitäten und Fähigkeiten, die durch den Institutsprozess kultiviert werden, haben sich als genauso entscheidend für die Teilnahme an gesellschaftlichem Handeln erwiesen, wie sie es für den Beitrag zum Wachstumsprozess sind. Weiterhin wird erklärt, wie die unterschiedlich ausgeprägten Handlungsfelder der Bahá’í‐Gemeinde durch ein gemeinsames, sich entfaltendes konzeptionelles Rahmenwerk gesteuert werden, das sich aus wechselseitig verstärkenden Elementen zusammensetzt, obgleich diese vielfältige Ausdrucksformen in verschiedenen Handlungsbereichen annehmen. Das Dokument, dass wir beschrieben haben, wurde vor kurzem den Nationalen Geistigen Räten zugestellt, und wir laden diese ein, gemeinsam mit den Beratern zu prüfen, wie die dort erforschten Konzepte helfen können, bestehende Bemühungen gesellschaftlichen Handelns, die unter ihrer Schirmherrschaft durchgeführt werden, zu verstärken und das Bewusstsein für diese bedeutsame Dimension von Bahá’í‐Unternehmungen zu heben. Dies sollte nicht als ein allgemeiner Aufruf für weitgestreute Aktivität auf diesem Gebiet interpretiert werden – das Hervortreten gesellschaftlichen Handelns geschieht in natürlicher Weise, während eine wachsende Gemeinde an Stärke gewinnt – aber es ist an der Zeit, dass die Freunde tiefer über die Implikationen ihrer Anstrengungen für die Wandlung der Gesellschaft nachdenken. Der Aufschwung des Lernens, der sich auf diesem Feld ereignet, stellt das Büro für soziale und wirtschaftliche Entwicklung vor wachsende Herausforderungen, und so werden Schritte unternommen, um sicherzustellen, dass sich seine Funktionsweise in dem entsprechenden Maße weiterentwickelt.
Eine beachtenswerte Entwicklung der vergangenen zwölf Monate ist die Häufigkeit, mit der die Bahá’í‐Gemeinde, in einer Vielfalt von Zusammenhängen, mit Bemühungen zur
An die Bahá’í der Welt 5 Ridván 2013 (vorläufige Übersetzung)
Besserung der Gesellschaft in Zusammenarbeit mit gleichgesinnten Menschen identifiziert wird. Führende Denker auf allen Ebenen, von der internationalen Arena bis zu den Graswurzeln des Dorflebens, haben zum Ausdruck gebracht, dass sie sich dessen bewusst sind, dass den Bahá’í nicht nur das Wohlergehen der Menschheit ein Herzensanliegen ist, sondern sie eine schlüssige Vorstellung davon haben, was erreicht werden sollte und mit welchen wirksamen Mitteln ihre Bestrebungen verwirklicht werden können. Diese anerkennenden, unterstützenden Äußerungen kamen auch von einigen bislang unerwarteten Seiten. So werden die Bahá’í in der Wiege des Glaubens, ungeachtet größter Hindernisse, die durch den Unterdrücker auf ihrem Pfad aufgetürmt werden, immer mehr anerkannt wegen der tiefgreifenden Implikationen, die ihre Botschaft für den Zustand ihrer Nation enthält, und zunehmend respektiert für ihre unbeugsame Entschlossenheit, zum Fortschritt ihres Heimatlandes beizutragen.
Das Leid, das die Gläubigen im Iran zu ertragen haben, besonders in den Jahrzehnten seit der jüngsten Welle von Verfolgungen, hat ihre Brüder und Schwestern in anderen Ländern angespornt, zu ihrer Verteidigung zu eilen. Unter den unschätzbaren Gaben, die die weltweite Bahá’í‐Gemeinde als Konsequenz jener Durchhaltefähigkeit erlangte, möchten wir in diesem Zusammenhang eine erwähnen: ein beeindruckendes Netzwerk spezialisierter Agenturen auf nationaler Ebene, das sich als fähig erwiesen hat, in systematischer Weise mit Regierungen und Organisationen der Zivilgesellschaft Beziehungen zu entwickeln. Parallel dazu haben die Prozesse aufeinanderfolgender Pläne die Fähigkeit der Gemeinde verfeinert, an weit verbreiteten Diskursen überall da, wo sie sich ereignen, teilzunehmen, von persönlichen Gesprächen bis hin zu internationalen Foren. An den Graswurzeln ergibt sich die Mitwirkung bei dieser Art von Bestrebung auf natürliche Weise durch die gleiche organische Herangehensweise, die das ständig wachsende Engagement der Freunde im gesellschaftlichen Handeln charakterisiert, und bedarf keines besonderen Versuchs sie anzuregen. Auf nationaler Ebene jedoch rückt diese Mitwirkung öfter in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit der selben engagierten Agenturen, die bereits in Dutzenden von nationalen Gemeinden arbeiten, und sie entwickelt sich gemäß des vertrauten und fruchtbaren Musters von Handeln, Reflektion, Beratung und Studieren. Um solche Bemühungen zu verstärken, um das Lernen in diesem Bereich zu ermöglichen und um sicherzustellen, dass die unternommenen Schritte mit anderen Bemühungen der Bahá’í‐Gemeinde kohärent sind, haben wir vor Kurzem am Bahá’í‐Weltzentrum das Büro für Öffentlichen Diskurs eingerichtet. Wir werden es auffordern, Nationale Geistige Räte auf diesem Gebiet zu unterstützen, indem es nach und nach Aktivitäten fördert, koordiniert und die daraus gewonnenen Erfahrungen systematisiert.
Ermutigender Fortschritt geschieht auch auf anderen Gebieten. In Santiago, Chile, wo der Muttertempel von Südamerika errichtet wird, verlaufen die Bauarbeiten zügig. Die Betonkonstruktion des Fundaments, des Kellers und des Betriebstunnels ist fertiggestellt, wie auch die Säulen, die den Überbau tragen werden. Die mit diesem Projekt verbundene Vorfreude wächst, und ähnlich freudige Erwartungen regen sich auch in den sieben Ländern, wo nationale oder lokale Mashriqu’l‐Adhkárs erbaut werden sollen. In jedem dieser Länder haben Vorbereitungen begonnen, und die Spenden der Gläubigen an den Tempelfonds werden bereits eingesetzt; jedoch stellen praktische Erwägungen, wie Standort, Gestaltung und Hilfsquellen nur einen Aspekt der Arbeit dar, die von den Freunden geleistet wird. Im

An die Bahá’í der Welt 6 Ridván 2013 (vorläufige Übersetzung)
Grunde befinden sie sich in einem geistigen Unterfangen, eines, an dem die ganze Gemeinde teilnimmt. Der Meister bezieht sich auf den Mashriqu’l‐Adhkar als „den Magneten göttlicher Bestätigungen“, „die mächtige Grundfeste des Herrn“ und „den starken Pfeiler des Glaubens Gottes“. Wo immer errichtet, wird er natürlicherweise zu einem integralen Bestandteil des Prozesses der Gemeindebildung seiner Umgebung. Bereits jetzt vertieft sich an jenen Orten, wo ein Haus der Andacht erscheinen wird, ein Bewusstsein dieser Wirklichkeit unter den Reihen der Gläubigen, die erkennen, dass ihr kollektives Leben mehr und mehr die Einheit von Andacht und Dienst widerspiegeln muss, die der Mashriqu’l‐ Adhkar verkörpert.
So sehen wir nun, wie an jeder Front die Bahá’í‐Gemeinde stetig vorwärts drängt, mit wachsendem Verständnis, eifrig bemüht, Einsichten durch Erfahrungen zu erlangen, bereit, neue Aufgaben anzunehmen, sobald die Ressourcen es ermöglichen, agil in ihrer Reaktion auf neue Notwendigkeiten, sich des Erfordernisses bewusst, Kohärenz unter den verschiedenen Aktivitätsbereichen sicherzustellen, in denen sie sich engagiert, und völlig hingegeben an die Erfüllung ihrer Mission. Ihre Begeisterung und ihre Hingabe sind offenkundig in der enormen Leidenschaft, die vor etwa zwei Monaten entfacht wurde durch die Ankündigung, dass weltweit 95 Jugendkonferenzen einberufen werden. Wir sind hocherfreut, nicht nur über die Reaktion der Jugend selbst, sondern auch über die Bekundungen an Unterstützung seitens ihrer Mitgläubigen, die es wertschätzen, wie die jüngeren Anhänger Bahá’u’lláhs als lebenswichtiger Impuls für den gesamten Körper der Sache wirken.
Wir sind voller Hoffnung angesichts der fortlaufenden Beweise der Verbreitung von Bahá’u’lláhs Botschaft, der Reichweite ihres Einflusses und des wachsenden Bewusstseins der Ideale, die sie verkörpert. In dieser Zeit der Jubiläen rufen wir uns jenen „Tag höchster Glückseligkeit“ in Erinnerung, der von dieser Ridván‐Zeit durch anderthalb Jahrhunderte getrennt ist, als die Abhá‐Schönheit Seinen Gefährten im Najíbíyyih Garten Seine Mission zum ersten Mal verkündete. Von diesem geheiligten Ort aus erging das Wort Gottes an jede Stadt und jede Küste, die Menschheit zu einer Begegnung mit ihrem Herrn rufend. Und aus jener anfänglichen Gefolgschaft gottberauschter Liebender ist eine vielfältige, einem gemeinsamen Ziel zustrebende Gemeinschaft erblüht– Blumen aller Farben im Garten, den Er angelegte. Mit jedem vergehenden Tag wenden sich wachsende Zahlen neu erweckter Seelen flehend Seinem Schrein zu, dem Ort, wo wir, zu Ehren jenes gesegneten Tages und in Dankbarkeit für jede Gnadengabe, die der Gemeinde des Größten Namens gewährt wird, unser Haupt im Gebet an der Heiligen Schwelle beugen.
Innig geliebte Freunde,
1 am Nachmittag des elften Tages des Ridván-Festes vor hundert Jahren hob ‘Abdu’lBahá, vor mehreren hundert Zuschauern stehend, zum ersten Spatenstich an und brach die rasenbedeckte Erde des Tempelgeländes in Grosse Pointe, nördlich von Chicago, auf. Diejenigen, die geladen waren, mit Ihm zusammen an jenem Frühlingstag den Boden aufzubrechen, waren unterschiedlicher Herkunft – Norweger, Inder, Franzosen, Japaner, Perser, amerikanische Ureinwohner, um nur einige zu nennen. Es war, als erfülle das noch nicht erbaute Haus der Andacht die Wünsche des Meisters, welche am Vorabend der Zeremonie in Bezug auf jedes dieser Bauwerke ausgesprochen worden waren: „dass die Menschheit einen Versammlungsplatz finden möge“ und, „dass die Verkündung der Einheit der Menschheit aus seinen offenen Höfen der Heiligkeit ertönen werde“.
2 Bei dieser Gelegenheit konnten Seine Zuhörer wie auch alle, die Ihn im Verlauf Seiner Reisen nach Ägypten und in den Westen hörten, die weitreichende Bedeutung Seiner Worte für die Gesellschaft, für ihre Werte und Anliegen, nur schwach erahnen. Selbst heute – kann irgendjemand behaupten, mehr als nur eine entfernte und verschwommene Ahnung von der zukünftigen Gesellschaft zu haben, deren Errichtung die Bestimmung der Offenbarung Bahá’u’lláhs ist? Denn niemand sollte annehmen, dass die Zivilisation, zu der die göttlichen Lehren die Menschheit drängen werden, lediglich aus Veränderungen der derzeitigen Ordnung hervorgehen wird. Weit gefehlt. In einer Ansprache, die Er wenige Tage nach der Grundsteinlegung des Muttertempels des Westens hielt, sagte ‘Abdu’l-Bahá: „es gehört zu den Folgen der Offenbarung geistiger Kräfte, dass die Menschenwelt sich einer neuen gesellschaftlichen Form anpassen wird“, dass „die Gerechtigkeit Gottes in allen menschlichen Angelegenheiten offenbar werden wird“. Diese und zahllose weitere Äußerungen des Meisters, denen sich die Bahá’í-Gemeinde in dieser Zeit des hundertjährigen Gedenkens immer wieder zuwendet, verdeutlichen den Abstand, der die Gesellschaft, wie sie sich derzeit gestaltet, von der gewaltigen Vision trennt, die Sein Vater der Welt schenkte.
3 Trotz der lobenswerten Bemühungen wohlmeinender Menschen in jedem Land, die sich dafür einsetzen, die gesellschaftlichen Umstände zu verbessern, erscheinen leider vielen Menschen die Hürden, welche die Verwirklichung einer solchen Vision verhindern, un- überwindbar. Ihre Hoffnungen scheitern an irrtümlichen Annahmen über das Wesen des Menschen, welche die Strukturen und Traditionen eines Großteils des heutigen Lebens so sehr durchdringen, dass sie den Status erwiesener Tatsachen erlangt haben. Diese Annahmen scheinen das außergewöhnliche Reservoir geistigen Potenzials außer Acht zu lassen, das jeder erleuchteten Seele zur Verfügung steht, die daraus schöpft; statt dessen stützen sie sich zur Rechtfertigung auf die Versäumnisse der Menschheit. Beispiele dafür festigen täglich ein allgemeines Gefühl der Verzweiflung. So verdeckt ein mehrschichtiger Schleier von falschen Prämissen eine grundlegende Wahrheit: Der Zustand der Welt spiegelt ein Zerrbild des menschlichen Geistes wider, nicht seine wahre Natur. Das Ziel jeder Manifestation Gottes ist es, eine Wandlung sowohl des inneren Lebens, wie auch der äußeren Bedingungen der Menschheit zu bewirken. Und diese Wandlung geschieht auf natürliche Weise, wenn eine wachsende Gruppe von Menschen, vereint durch die göttlichen Verordnungen, gemeinsam danach strebt, geistige Fähigkeiten zu entwickeln, um zu einem Prozess gesellschaftlicher Veränderung beizutragen. Vergleichbar mit der harten Erde, die der Meister vor hundert Jahren durchbrach, mag es sein, dass die vorherrschenden Theorien dieses Zeitalters zunächst veränderungsresistent erscheinen; aber sie werden zweifellos schwinden, und durch die „Frühlingsschauer der Güte Gottes“ werden die „Blumen wahren Verstehens“ frisch und schön aufsprießen.
4 Wir danken Gott, dass Sie – die Gemeinde Seines Größten Namens – durch die Macht Seines Wortes ein Umfeld kultivieren, in welchem wahres Verstehen erblühen kann. Selbst diejenigen, die Gefangenschaft für den Glauben erdulden, ermöglichen durch ihre unsäglichen Opfer und ihre Standhaftigkeit, dass die „Hyazinthen der Erkenntnis und Weisheit“ in wohlgesonnenen Herzen erblühen. Auf der ganzen Welt widmen sich dienstbereite Seelen der Aufgabe, durch die systematische Umsetzung der Vorgaben des Fünfjahresplanes eine neue Welt zu erbauen. So gut sind seine Merkmale erfasst worden, dass wir es als unnötig empfinden, hier weiter darauf einzugehen. In den Gebeten, die wir an der Schwelle einer Allgütigen Vorsehung darbringen, flehen wir darum, dass die Himmlischen Heerscharen jedem Einzelnen von Ihnen in Ihrem Beitrag zum Fortschritt des Planes beistehen. Ermutigt durch Ihre gesegneten Bemühungen, die wir im Verlauf des vergangenen Jahres beobachten konnten, ist es unser inbrünstiger Wunsch, dass Sie die trittsichere Anwendung der Erkenntnisse, die Sie ständig durch Erfahrung gewinnen, noch verstärken werden. Jetzt ist nicht die Zeit, sich zurückzuhalten; zu viele sind sich der neuen Morgendämmerung noch nicht gewahr. Wer, wenn nicht Sie, kann die göttliche Botschaft übermitteln? „Bei Gott“, bestätigt Bahá’u’lláh in Bezug auf den Glauben, „dies ist die Arena der Einsicht und der Loslö- sung, der weiten Schau und der Erhabenheit, und nur die tapferen Reiter des Barmherzigen dürfen auf ihren Rossen hineinsprengen – jene, die sich von jeglicher Bindung an die Welt des Seins gelöst haben.“
5 Die Bahá’í-Welt bei der Arbeit zu beobachten, verleiht einem in der Tat einen strahlenden Ausblick. Im Leben des einzelnen Gläubigen, der sich vor allem danach sehnt, andere einzuladen, in Verbindung mit dem Schöpfer zu treten und der Menschheit zu dienen, sind Zeichen der geistigen Wandlung erkennbar, wie sie vom Herrn des Zeitalters für jede Seele vorgesehen ist. In dem Geist, der die Aktivitäten einer jeden Bahá’í-Gemeinde beseelt, die sich der Aufgabe widmet, die Kapazitäten ihrer Mitglieder, ob jung oder alt, sowie die ihrer Freunde und Mitarbeiter für den Dienst am Allgemeinwohl zu stärken, kann ein Anzeichen dafür wahrgenommen werden, wie sich eine Gesellschaft, die auf göttlichen Lehren gründet, entwickeln mag. Und in jenen fortgeschrittenen Clustern, wo die vom Handlungsrahmen des Plans bestimmten Aktivitäten in Fülle vorhanden und die Anforderungen, zwischen den Handlungssträngen Kohärenz herzustellen, am dringlichsten sind, zeigen die daraus entstehenden administrativen Strukturen, wenn auch noch schwach, einen Schimmer von der Art und Weise auf, wie die Institutionen des Glaubens zunehmend ein volleres Maß ihrer Verantwortung dafür übernehmen werden, menschliches Wohlergehen und Fortschritt zu fördern. Es wird dadurch deutlich, dass die Entwicklung des Einzelnen, der Gemeinde und der Institutionen sehr vielversprechend ist. Aber darüber hinaus bemerken wir mit besonderer Freude, wie die Beziehungen, die diese drei verbinden, von derart liebevoller Zuneigung und gegenseitiger Unterstützung geprägt sind.
6 Im Gegensatz hierzu spiegeln die Beziehungen zwischen den drei entsprechenden Akteuren in der Welt allgemein – dem Bürger, dem Staatswesen und den Institutionen der Gesellschaft – die Zwietracht wider, die diese turbulente Übergangsphase der Menschheit kennzeichnet. Nicht willens, als voneinander abhängige Teile eines organischen Ganzen zu handeln, sind sie in einen Machtkampf verstrickt, der sich letzten Endes als sinnlos erweist. Wie völlig anders ist die Gesellschaft, die uns ‘Abdu’l-Bahá in zahllosen Sendschreiben und Vorträgen beschreibt – in der die täglichen Interaktionen, ebenso wie die Beziehungen der Staaten, geprägt sind von dem Bewusstsein der Einheit der Menschheit. Beziehungen, die von diesem Bewusstsein durchdrungen sind, werden nun von den Bahá’í und ihren Freunden in Dörfern und Nachbarschaften weltweit kultiviert; in ihnen können die reinen Düfte der Gegenseitigkeit und Zusammenarbeit, der Eintracht und Liebe wahrgenommen werden. In einem solch unscheinbaren Rahmen entwickelt sich eine sichtbare Alternative zu dem allzu bekannten Unfrieden innerhalb der Gesellschaft. So wird es offensichtlich, dass der Einzelne, der sich in verantwortungsvoller Weise Ausdruck verschaffen möchte, mit Bedacht an Beratungen teilnimmt, die sich dem Allgemeinwohl widmen, und der Versuchung widersteht, auf seiner eigenen Meinung zu beharren; dass eine Bahá’í-Institution, die sich der Notwendigkeit koordinierten Handelns, das auf fruchtbringende Ziele gerichtet ist, bewusst ist, sich bemüht nicht zu kontrollieren, sondern zu nähren und zu ermutigen; dass die Gemeinde, die ihre eigene Entwicklung in die Hand nehmen soll, den unschätzbaren Wert der Einheit erkennt, die durch rückhaltlose Beteiligung an den von den Institutionen erarbeiteten Plänen gewährt wird. Unter dem Einfluss von Bahá’u’lláhs Offenbarung wird den Beziehungen zwischen diesen Dreien neue Wärme, neues Leben verliehen; insgesamt bilden sie einen Nährboden, auf welchem eine geistige Weltkultur, geprägt von göttlicher Inspiration, allmählich zur Reife gelangt.
7 Das Licht der Offenbarung ist dazu bestimmt, jeden Lebensbereich zu erleuchten; in jedem müssen die Beziehungen, die die Gesellschaft aufrecht erhalten, neu gestaltet werden; in jedem sucht die Welt nach Vorbildern, wie menschliche Wesen miteinander umgehen sollten. Angesichts seines unübersehbaren Anteils an dem Gärungsprozess, in den so viele Menschen in jüngster Zeit verwickelt wurden, möchten wir Sie anregen, über das Wirtschaftsleben der Menschheit nachzudenken, wo Ungerechtigkeit gleichgültig hingenommen und unverhältnismäßiger Gewinn als Zeichen des Erfolgs betrachtet wird. Diese verderblichen Einstellungen sind so tief verwurzelt, dass schwer vorstellbar ist, wie irgendein Einzelner allein die vorherrschenden Normen, welche die Beziehungen auf diesem Gebiet bestimmen, ver- ändern könnte. Nichtsdestotrotz gibt es sehr wohl Vorgehensweisen, die ein Bahá’í unterlassen würde, wie Unredlichkeit bei eigenen Geschäftsvorgängen oder die wirtschaftliche Ausbeutung anderer. Gewissenhaftes Festhalten an den göttlichen Ermahnungen verlangt, dass es keinen Widerspruch zwischen dem persönlichen Verhalten im Wirtschaftsleben und dem Glauben als Bahá’í geben darf. Indem man in seinem Leben die Prinzipien des Glaubens hinsichtlich Fairness und Gerechtigkeit anwendet, kann eine einzelne Seele einen Standard weit über der niedrigen Schwelle aufrecht erhalten, an der die Welt sich misst. Die Menschheit ist es überdrüssig, weiterhin ein Verhaltensmuster zu entbehren, nach dem sie streben soll; wir vertrauen auf Sie, dass Sie Gemeinden fördern, deren Lebensweisen der Welt Hoffnung geben werden.
8 In unserer Ridván-Botschaft 2001 haben wir angedeutet, dass wir in Ländern, in denen der Prozess des Beitritts in Scharen hinreichend weit entwickelt ist und die Bedingungen in den nationalen Gemeinden günstig sind, die Errichtung von Häusern der Andacht auf nationaler Ebene befürworten würden, deren Entstehung ein Merkmal der fünften Epoche des Gestaltenden Zeitalters sein wird. Mit größter Freude künden wir nun an, dass nationale Mashriqu’l-Adhkárs in zwei Ländern errichtet werden sollen: in der Demokratischen Republik Kongo und in Papua-Neuguinea. In diesen Ländern sind die von uns aufgestellten Kriterien nachweislich erfüllt, und die Resonanz ihrer Völker auf die durch die derzeitige Reihe von Plänen geschaffenen Möglichkeiten war ungewöhnlich bemerkenswert. Während der Bau des letzten kontinentalen Tempels in Santiago im Gange ist, bietet die Inangriffnahme von Projekten zur Errichtung von nationalen Häusern der Andacht einen weiteren erfreulichen Beweis dafür, dass der Glaube Gottes den Grund der Gesellschaft durchdringt.
9 Noch ein weiterer Schritt ist möglich. Der Mashriqu’l-Adhkár, von ‘Abdu’l-Bahá als „eine der wichtigsten Institutionen auf der Welt“ bezeichnet, vermählt zwei wesentliche, untrennbare Aspekte des Bahá’í-Lebens: Andacht und Dienst. Die Vereinigung dieser beiden spiegelt sich auch in der Kohärenz wider, die zwischen den die Gemeindebildung betreffenden Merkmalen des Planes besteht, insbesondere ein aufkeimender Geist der Andacht, der seinen Ausdruck in Gebetsversammlungen findet, wie auch ein Erziehungsprozess, der Kapazität für den Dienst an der Menschheit aufbaut. Die Wechselwirkung von Andacht und Dienst tritt besonders in jenen Clustern auf der ganzen Welt deutlich hervor, in denen Bahá’í-Gemeinden maßgeblich an Größe und Vitalität zugenommen haben und wo die Teilnahme an sozialem Handeln offenkundig ist. Einige von ihnen wurden zu Zentren für die Verbreitung von Lernen (Learning Sites) ausersehen, um so die Fähigkeit der Freunde zu nähren, das Juniorjugendprogramm in den angegliederten Regionen voranzubringen. Die Fähigkeit, dieses Programm aufrechtzuerhalten, befeuert, wie wir kürzlich aufgezeigt haben, auch die Entwicklung von Studienkreisen und Kinderklassen. So verstärkt das Lernzentrum (Learning Site), über seinen Hauptzweck hinaus, das gesamte System von Ausbreitung und Festigung. In diesen Clustern kann man in den kommenden Jahren die Entstehung von örtlichen Mashriqu’l-Adhkárs ins Auge fassen. Mit Herzen, übervoll vor Dankbarkeit gegenüber der Gesegneten Schönheit, teilen wir Ihnen hocherfreut mit, dass wir derzeit Beratungen mit den jeweiligen Nationalen Geistigen Räten aufnehmen in Bezug auf die Errichtung der ersten örtlichen Häuser der Andacht in folgenden Clustern: Battambang, Kambodscha; Bihar Sharif, Indien; Matunda Soy, Kenia; Norte del Cauca, Kolumbien; und Tanna, Vanuatu.
10 Um den Bau der zwei nationalen und fünf örtlichen Mashriqu’l-Adhkárs zu unterstützen, haben wir entschieden, am Bahá’í-Weltzentrum einen Tempel-Fonds zu Gunsten solcher Projekte einzurichten. Die Freunde sind allerorts eingeladen, aufopferungsvoll zu spenden, so wie ihre Mittel es erlauben.
11 Geliebte Mitarbeiter: Die vor hundert Jahren durch die Hand ‘Abdu’l-Bahás aufgebrochene Erde wird erneut in sieben weiteren Ländern aufgebrochen werden, und das ist nur das Vorspiel für den Tag, an dem in jeder Stadt und jedem Dorf, dem Gebot Bahá’u’lláhs folgend, ein Gebäude zur Anbetung des Herrn errichtet wird. Von diesen Aufgangsorten des Gedenkens Gottes werden die Strahlen Seines Lichtes scheinen und die Hymnen Seines Lobpreises erklingen.
Zu Beginn dieser herrlichen Jahreszeit werden unsere Augen erleuchtet beim Anblick des neu enthüllten Strahlenglanzes der goldenen Kuppel, die den erhabenen Schrein des Bab krönt. Nachdem ihm sein überirdisches Strahlen, so wie es Shoghi Effendi vorgesehen hatte, wiedergegeben wurde, leuchtet dieses erhabene Gebäude nun wiederum hinaus über Land, Meer und Himmel, bei Tag und bei Nacht - ein Zeugnis für die Majestät und Heiligkeit von Ihm, Dessen heilige Überreste hier zur Ruhe gebettet sind.
Dieser freudige Augenblick fällt zusammen mit dem Abschluss eines vielversprechenden Kapitels in der Entfaltung des Göttlichen Plans. Nur ein einziges Jahrzehnt verbleibt noch von dem ersten Jahrhundert des Gestaltenden Zeitalters, den ersten hundert Jahren, die unter dem gütigen Schatten von 'Abdu'l-Bahás Willen und Testament stehen. Dem Fünfjahresplan, der nun zu Ende geht, folgt ein weiterer, dessen Merkmale bereits überall in der Bahá'i-Welt Gegenstand intensiven Studiums geworden sind. Wir können in der Tat außerordentlich dankbar sein für die Reaktion auf unsere Botschaft an die Konferenz der Kontinentalen Beraterämter und auf die Ridván-Botschaft von vor zwölf Monaten. Nicht zufrieden mit einem bruchstückhaften Verständnis von deren Inhalt, kehren die Freunde wieder und wieder zu diesen Botschaften zurück, einzeln und in Gruppen, bei formalen Treffen und spontanen Zusammenkünften. Ihr Verständnis wird bereichert durch ihre aktive und sachkundige Teilnahme an den Wachstumsprogrammen, die in ihren Clustern gefördert werden. Auf Grund dessen hat die weltweite Bahá'i-Gemeinde in nur wenigen Monaten bewusst in sich aufgenommen, was sie benötigt, um sich zu einem zuversichtlichen Start in das kommende Jahrzehnt aufzuschwingen.
Im gleichen Zeitraum hat die kumulative Wirkung politischer Aufstände und wirtschaftlicher Turbulenzen auf verschiedenen Kontinenten Regierungen und Völker erschüttert. Gesellschaften sind an den Rand der Revolution gebracht worden und in bemerkenswerten Fällen darüber hinaus. Politische Führer erkennen nun, dass weder Waffen noch Reichtum Sicherheit garantieren. Dort, wo die Hoffnungen der Menschen unerfüllt blieben, hat sich Empörung angestaut. Wir erinnern uns daran, wie eindringlich Bahá'u'lláh die Herrscher der Erde ermahnt hat: "Eure Völker sind eure Schätze. Hütet euch, dass eure Herrschaft die Gebote Gottes nicht verletze und ihr eure Schutzbefohlenen nicht dem Räuber in die Hand liefert." Doch Vorsicht ist geboten: So faszinierend auch die Schau sein mag, wie Menschen mit Inbrunst nach Wandel drängen, man darf nicht vergessen, dass hierbei Interessen im Spiel sind, die den Gang der Ereignisse manipulieren. Daher werden, solange das Heilmittel, das der Göttliche Arzt verordnet hat, nicht angewandt wird, die Drangsale dieses Zeitalters andauern und noch schlimmer werden. Einem aufmerksamen Beobachter des Zeitgeschehens wird der rasch zunehmende Zerfall - unberechenbar, aber unaufhaltsam - einer beklagenswert unvollkommenen Weltordnung nicht entgehen.
Jedoch auch das Gegenstück ist erkennbar, der konstruktive Prozess, den der Hüter mit dem "heranwachsenden Glauben Bahá'u'lláhs" in Zusammenhang gebracht und als den "Vorboten der neuen Weltordnung, die dieser Glaube bald errichten muss", beschrieben hat. Seine indirekten Folgen können in den leidenschaftlichen Gefühlsäußerungen besonders der jungen Menschen gesehen werden, die der Sehnsucht entspringen, ihren Teil zur gesellschaftlichen Entwicklung beizutragen. Es ist eine Gnade, die den Anhängern der Gesegneten Schönheit gewährt wird, dass diese Sehnsucht, die unaufhaltsam aus dem menschlichen Geist in jedem Land hervorquillt, solch beredten Ausdruck finden kann in der Arbeit, mit der die Bahá'i-Gemeinde beschäftigt ist, um unter den unterschiedlichen Völkern der Erde die Fähigkeit zu wirksamem Handeln aufzubauen. Kann sich irgendein Privileg mit diesem vergleichen?
Möge jeder einzelne Gläubige zur besseren Einsicht in diese Arbeit auf 'Abdu'l-Bahá blicken in dieser Zeit, da die Jahrhundertfeier seiner "epochalen Reisen" nach Ägypten und in den Westen begangen wird. Unermüdlich legte Er die Lehren in jedem gesellschaftlichen Rahmen dar: in Privathäusern und Missionssälen, in Kirchen und Synagogen, in Parks und öffentlichen Plätzen, in Eisenbahnwaggons und Ozeandampfern, in Clubs und Gesellschaften, in Schulen und Universitäten. Kompromisslos bei der Verteidigung der Wahrheit, jedoch unendlich sanft in Seiner Art, wandte er die universal gültigen göttlichen Prinzipien auf die Nöte der Zeit an. Allen ohne Unterschied - Beamten, Wissenschaftlern, Arbeitern, Kindern, Eltern, Menschen im Exil, Aktivisten, Geistlichen, Skeptikern - schenkte Er Liebe, Weisheit, Trost, je nach Bedürfnis. Während Er ihre Herzen erbaute, stellte Er zugleich ihre Anschauungen in Frage, half ihnen, ihre Sichtweisen neu zu überdenken, erweiterte ihr Bewusstsein und fokussierte ihre Energien. Er zeigte in Wort und Tat derartiges Mitgefühl und Großmut, dass die Herzen völlig gewandelt wurden. Niemand wurde abgewiesen. Unsere große Hoffnung ist, dass während dieses Zeitraums der Jahrhundertfeier häufige Rückbesinnung auf des Meisters unvergleichliche Taten seine aufrichtigen Bewunderer inspirieren und stärken wird. Halten Sie sich Sein Beispiel vor Augen und richten Sie Ihren Blick unverwandt darauf; lassen Sie dies Ihre instinktive Führung sein, während Sie das Ziel des Plans verfolgen.
Zu Beginn des ersten weltumspannenden Plans der Bahá'í-Gemeinde beschrieb Shoghi Effendi in unwiderstehlicher Sprache die aufeinanderfolgenden Stadien, in deren Verlauf das göttliche Licht im Siyah-Chal entzündet, in Bagdad in der Lampe der Offenbarung beschirmt und auf Länder in Asien und Afrika verbreitet wurde, noch während es mit erhöhtem Glanz in Adrianopel und später in 'Akka leuchtete, wie es sich über die Meere hin auf die verbleibenden Kontinente ergoss und in deren Verlauf es nach und nach die Staaten und abhängigen Territorien der Welt durchdringen sollte. Den letzten Teil dieses Prozesses beschrieb er als das "Durchdringen dieses Lichtes ... in alle verbleibenden Gebiete des Erdballs", und bezeichnete ihn als "die Stufe, auf der das Licht des triumphierenden Gottesglaubens mit all seiner Macht und Herrlichkeit scheinen und den ganzen Planeten überflutet und umhüllt haben" wird. Wenn dieses Ziel auch längst noch nicht erreicht ist, so leuchtet dieses Licht doch bereits intensiv in manch einer Region. In einigen Ländern scheint es in jedem Cluster. In dem Land, wo dieses unauslöschliche Licht zuerst entzündet wurde, brennt es hell, jenen zum Trotz, die darauf aus sind, es zu ersticken. In unterschiedlichen Ländern erreicht es ein ständiges Glühen quer durch ganze Nachbarschaften und Dörfer, in denen eine Kerze nach der anderen in einem Herzen nach dem anderen von der Hand der Vorsehung entzündet wird; es erleuchtet nachdenkliche Gespräche auf jeder Ebene menschlicher Interaktion; es wirft seine Strahlen auf eine Myriade von Initiativen, die unternommen werden, um das Wohlergehen eines Volkes zu fördern. Und jedes Mal strahlt es aus einem treuen Gläubigen, einer lebenssprühenden Gemeinde, einem liebevollen Geistigen Rat - jeder von ihnen ein Leuchtfeuer, das die Dunkelheit bezwingt.
Wir beten inständig an der Heiligen Schwelle, dass die machtvollen Bestätigungen Bahá'u'lláhs jeden Einzelnen von Ihnen - die Fackelträger der unsterblichen Flamme - umfangen mögen, während Sie anderen den Funken des Glaubens überbringen.
Unsere Herzen sind erfüllt von Bewunderung für die Anhänger Bahá’u’lláhs, und wir sind erfreut bekanntzugeben, dass zur Eröffnung dieser höchst freudigen Ridván-Zeit auf jedem Kontinent ein frischer Zugang weiterer intensiver Wachstumsprogramme auf den Weg gebracht worden ist, was deren Gesamtzahl über die Marke von 1500 hebt und das Ziel des Fünfjahresplans ein Jahr vor seinem Abschluss sicherstellt. Wir neigen unsere Häupter in Dankbarkeit vor Gott für diese erstaunliche Errungenschaft und diesen herausragenden Sieg. Alle, die im Feld gearbeitet haben, werden die Gnadengabe zu schätzen wissen, die Er Seiner Gemeinde verliehen hat, in dem Er ihr ein volles Jahr gewährte, um das nun überall eingerichtete Muster der Ausbreitung und Festigung zu verstärken in Vorbereitung auf die Aufgaben, zu denen sie in dem nächsten weltweiten Unternehmen aufgerufen sein werden – ein Plan von fünfjähriger Dauer und der Fünfte in Folge, dessen ausdrückliches Ziel die Förderung des Prozesses des Beitritts in Scharen ist.
2 Während wir anlässlich dieses festlichen Ereignisses innehalten, fühlen wir uns bewegt, deutlich zu machen, dass das, was eine solch tiefe Empfindung von Stolz und Dankbarkeit in unse-ren Herzen hervorruft, nicht so sehr die numerische Meisterleistung ist, die Sie errungen haben, so beeindruckend sie auch ist, sondern es ist eine Verbindung von Entwicklungen auf einer grundlegenderen kulturellen Ebene, für die diese Errungenschaft zeugt. Die bedeutendste, die wir unter ihnen beobachtet haben, ist die zunehmende Fähigkeit der Freunde, mit anderen über geistige Angelegenheiten in Austausch zu treten und ungezwungen über die Person Bahá’u’lláhs und Seine Offenbarung zu sprechen. Sie haben gut erfasst, dass Lehren ein Grunderfordernis freigebigen Lebens ist.
3 In Botschaften jüngeren Datums haben wir der Freude Ausdruck verliehen, Zeugen eines weltumspannenden stetigen Anstiegs im Tempo des Lehrens zu sein. Die Erfüllung dieser grundlegenden geistigen Verpflichtung des einzelnen Gläubigen war immer und wird weiterhin ein unverzichtbares Kennzeichen des Bahá’í-Lebens sein. Was die Etablierung von 1500 intensiven Wachstumsprogrammen deutlich gemacht hat, ist, wie beherzt und wohlbedacht die Gläubigen außerhalb des unmittelbaren Familien- und Freundeskreises auftreten, bereit, sich von der Hand des Allbarmherzigen zu empfänglichen Seelen führen zu lassen, in welcher Gegend sie auch wohnen mögen. Sogar die bescheidensten Schätzungen zeigen, dass es nun Zehntausende sind, die an wiederkehrenden Kampagnen teilnehmen, um Freundschaftsbande auf der Grundlage gemeinsamen Verständnisses mit denjenigen zu knüpfen, die sie vorher als Fremde betrachteten.
4 In ihrem Bemühen, die Grundlagen des Glaubens klar und unmissverständlich zu präsentieren, haben die Gläubigen in hohem Maße von dem anschaulichen Beispiel im Ruhi-Buch 6 profitiert. Wo immer die der Darlegung zugrunde liegende Logik verstanden und dem Drang widerstanden wird, daraus ein Schema zu machen, entsteht eine Zwiesprache zwischen zwei Seelen – eine Zwiesprache, die gekennzeichnet ist durch die Tiefe des erreichten Verständnisses und der besonderen Beziehung, die aufgebaut wird. In dem Maße, in dem das Gespräch über die erste Begegnung hinaus weiter geführt wird und wahrhafte Freundschaften entstehen, kann eine Lehrbemühung dieser Art ein Katalysator für einen andauernden Prozess geistiger Wandlung werden. Ob der erste Kontakt mit solch neu gefundenen Freunden eine Einladung auslöst, sich der Bahá’í-Gemeinde anzuschließen oder an einer ihrer Aktivitäten teilzunehmen, ist nicht übermäßig wichtig. Wichtiger ist, dass sich jede Seele willkommen fühlt, sich der Gemeinde mit Beiträgen zur Besserung der Gesellschaft anzuschließen und damit einen Pfad des Dienstes an der Menschheit zu beschreiten, auf dem am Anfang oder auch später die formale Aufnahme stattfinden kann.
5 Die Bedeutsamkeit dieser Entwicklung sollte nicht unterschätzt werden. Sobald in einem Cluster ein beständiges Handlungsmuster eingerichtet worden ist, sollte die Aufmerksamkeit darauf gerichtet werden, es durch ein Netzwerk von Mitarbeitern und Bekanntschaften breiter auszudehnen, während zugleich die Kräfte auf kleinere Gruppen der Bevölkerung fokussiert werden, von denen jede ein Zentrum intensiver Aktivität werden sollte. In einem städtischen Cluster wird ein solches Aktivitätszentrum am besten in den Grenzen einer Nachbarschaft festgelegt werden; in einem vorwiegend ländlichen Cluster würde ein kleines Dorf einen geeigneten sozialen Raum für diesen Zweck abgeben. Jene, die in diesen Gebieten dienen, sowohl die Bewohner vor Ort als auch die Reiselehrer, würden richtigerweise ihre Arbeit unter dem Gesichtspunkt des Gemeindeaufbaus betrachten. Ihre Lehrbemühungen mit Etiketten wie „von Tür zu Tür“ zu betiteln, obwohl vielleicht der erste Kontakt einschließen mag, dass Bewohner eines Hauses ohne vorherige Terminabsprache besucht werden, würde einem Prozess nicht gerecht, der darauf zielt, die Fähigkeit einer Bevölkerungsgruppe zu heben, ihre geistige, soziale und intellektuelle Entwicklung selbst in die Hand zu nehmen. Die Aktivitäten, die diesen Prozess antreiben und bei denen neu gefundene Freunde eingeladen sind, sich zu engagieren – Treffen, die den auf Andacht ausgerichteten Wesenszug einer Gemeinde stärken; Klassen, die die zarten Herzen und Seelen von Kindern nähren; Gruppen, die die aufbrandenden Energien der Juniorjugend kanalisieren, Studienkreise, die offen für alle sind und die es Menschen verschiedener Herkunft ermöglichen, gleichberechtigt Fortschritte zu machen und die Anwendung der Lehren auf ihre individuellen und gemeinsamen Lebensverhältnisse zu entdecken – können für ihre Betreuung durchaus einer gewissen Zeit der Unterstützung von außerhalb bedürfen. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die Vervielfachung dieser Kernaktivitäten bald durch menschliche Ressourcen aus der Nachbarschaft oder dem Dorf selbst aufrecht erhalten wird – durch Männer und Frauen, die bestrebt sind, die materiellen und geistigen Bedingungen ihrer Umgebung zu verbessern. Allmählich sollte dann der Rhythmus eines Gemeindelebens entstehen, der im rechten Verhältnis zur Kapazität einer wachsenden Kerngruppe einzelner steht, die Bahá’u’lláhs Vision einer neuen Weltordnung hingegeben ist.
6 In diesem Rahmen zeigt sich Empfänglichkeit an der Bereitwilligkeit, am Prozess der Gemeindebildung teilzunehmen, welcher durch die Kernaktivitäten in Gang gesetzt wurde. Wo ein intensives Wachstumsprogramm nun auf den Weg gebracht worden ist, stehen die Freunde Cluster für Cluster in diesem kommenden Jahr vor der Aufgabe, unter einer oder mehreren empfänglichen Bevölkerungsgruppen zu lehren, eine direkte Methode in ihrer Darlegung der Grundlagen des Glaubens anzuwenden und solche Seelen zu finden, die sich danach sehnen, die ihnen von der Gesellschaft aufgezwungene Lethargie abzuschütteln und Seite an Seite in ihrer Nachbarschaft und ihren Dörfern einen Prozess gemeinsamer Wandlung zu beginnen. Wenn die Freunde in ihren Bemühungen nicht lockerlassen, die Wege und Methoden der Gemeindebildung in einem überschaubaren Umfeld auf diese Weise zu erlernen, dann rückt das langersehnte Ziel universeller Teilnahme an den Angelegenheiten des Glaubens, dessen sind wir sicher, in ganz beträchtlichem Maße in Reichweite.
7 Um dieser Herausforderung zu begegnen, werden die Gläubigen und die Institutionen, die ihnen dienen, den Institutsprozess im Cluster zu stärken haben, indem sie innerhalb seiner Grenzen die Zahl derer erheblich steigern, die fähig sind, als Tutoren von Studienkreisen zu dienen. Denn es sollte Folgendes bedacht werden: Die Gelegenheit, die sich nun den Freunden eröffnet, in Nachbarschaften und Dörfern ein pulsierendes Gemeindeleben aufzubauen, das von einer so starken Zielstrebigkeit gekennzeichnet ist, wurde nur durch entscheidende Entwicklungen ermöglicht, die sich innerhalb des letzten Jahrzehnts in jenem Aspekt der Bahá’í-Kultur ereignet haben, der mit Vertiefung verbunden ist.
8 Als wir im Jahr 1995 zur weltweiten Einrichtung von Trainingsinstituten aufriefen, bestand in der Bahá’í-Gemeinde das am weitesten verbreitete Muster zur Unterstützung des einzelnen Gläubigen, seine Kenntnisse über den Glauben zu vertiefen, vornehmlich aus gelegentlichen Kursen und Klassen unterschiedlicher Dauer zu einer Vielfalt von Themen. Dieses Muster hatte den Bedarf einer weltweit in Entstehung begriffenen Bahá’í-Gemeinde angemessen gedeckt, die zahlenmäßig relativ klein und vorrangig mit ihrer geographischen Ausbreitung rund um den Globus befasst war. Wir machten zu dieser Zeit allerdings deutlich, dass eine andere Herangehensweise an das Studium der Schriften Gestalt anzunehmen habe, eine, die viele zum Handeln anspornen würde, wenn der Prozess des Eintritts in Scharen spürbar beschleunigt werden sollte. In diesem Zusammenhang forderten wir, dass Trainingsinstitute einer ständig wachsenden Zahl von Gruppen von Gläubigen beim Dienst an der Sache behilflich sein sollten, indem sie durch Kurse das Wissen, die Einsichten und die Fertigkeiten vermitteln, welche benötigt werden, um die mit beschleunigtem Wachstum und Festigung verbundenen zahlreichen Aufgaben bewältigen zu können.
9 Die Schriften des Glaubens zu lesen und danach zu streben, ein zunehmend angemesse-neres Verständnis der Bedeutung von Bahá’u’lláhs überragender Offenbarung zu erlangen, sind Verpflichtungen, die allen Seinen Anhängern auferlegt sind. Alle sind gehalten, in den Ozean Seiner Offenbarung einzutauchen und im Rahmen ihrer Fähigkeiten und Neigungen an den Perlen der Weisheit teilzuhaben, die darin enthalten sind. In diesem Licht sind auf natürliche Weise und als markante Aspekte des Bahá’í-Lebens örtliche Vertiefungsklassen, Winter- und Sommerschulen und speziell arrangierte Versammlungen entstanden, in welchen einzelne in den Schriften bewanderte Gläubige anderen Einsichten zu besonderen Themen vermitteln konnten. So wie die Gewohnheit des täglichen Lesens ein wesentlicher Bestandteil des Bahá’í-Seins bleiben wird, so werden diese Arten des Studiums weiterhin ihren Platz im Gemeindeleben behalten. Aber das Verständnis für die Auswirkungen der Offenbarung sowohl hinsichtlich individuellen Wachstums als auch sozialen Fortschritts wird sich mannigfach steigern, wenn Studium und Dienst verbunden und gleichzeitig verrichtet werden. Dort, im Feld des Dienstes, wird das Wissen geprüft, Fragen ergeben sich aus der Praxis heraus, und neue Ebenen des Verständnisses werden erreicht. Durch das System des Fernunterrichts, das nun in einem Land nach dem anderen eingeführt wurde – dessen wesentliche Elemente den Studienkreis, den Tutor und den Lehrplan des Ruhi-Instituts einschließen –, hat die weltweite Bahá’í-Gemeinde die Fähigkeit erlangt, Tausende, nein Millionen zu befähigen, die Schriften in kleinen Gruppen zu studieren mit dem ausdrücklichen Zweck, die Bahá’í-Lehren in die Realität zu übertragen, und die Arbeit des Glaubens zu seiner nächsten Stufe voran zu bringen: beständig anhaltende Ausbreitung und Festigung in großem Maßstab.
10 Lasst niemanden versäumen, die so geschaffenen Möglichkeiten wertzuschätzen. Passivität wird durch die Kräfte der heutigen Gesellschaft gezüchtet. Ein Verlangen, unterhalten zu werden, wird von Kindheit an genährt, so dass mit wachsender Wirksamkeit Generationen herangebildet werden, die willens sind, sich der Führung durch wen auch immer zu überlassen, wenn er sich nur als geschickt genug erweist, oberflächliche Gefühle anzusprechen. Sogar in vielen Bildungssyste-men werden Schüler behandelt, als seien sie Gefäße, dazu bestimmt, Informationen aufzunehmen. Dass die Bahá’í-Welt es geschafft hat, eine Kultur zu entwickeln, die einen Weg des Denkens, Studierens und Handelns fördert, bei dem alle sich auf einem gemeinsamen Pfad des Dienstes sehen – einander unterstützend und gemeinsam fortschreitend, voll Respekt vor dem Wissen, das jemand zu irgendeinem Zeitpunkt besitzt, und die Tendenz vermeidend, die Gläubigen in solche Kategorien wie vertieft und unwissend zu unterteilen – ist eine enorme Errungenschaft. Und darin liegt die Dynamik einer unwiderstehlichen Bewegung.
11 Unbedingt erforderlich ist hierbei, dass die Qualität des Bildungsprozesses, welcher auf der Ebene des Studienkreises gefördert wird, im Laufe des nächsten Jahres deutlich angehoben wird, damit das Potenzial örtlicher Bevölkerungsgruppen, solche Dynamik zu schaffen, freigesetzt wird. Viel fällt denen zu, die in dieser Hinsicht als Tutoren dienen. Sie sind aufgerufen, eine Umgebung zu schaffen, wie sie in den Institutskursen vorgesehen ist, eine Umgebung, die für die geistige Befähigung der Teilnehmer zuträglich ist, die sich dadurch als aktive Gestalter ihres eigenen Lernprozesses sehen, als Akteure eines ununterbrochenen Bemühens, Wissen anzuwenden um individuelle und kollektive Wandlung zu bewirken. Wenn dies nicht gelingt – ganz gleich, wie viele Studienkreise in einem Cluster gebildet werden –, wird die Kraft, die notwendig ist um Wandel voranzutreiben, nicht generiert.
12 Wenn die Arbeit der Tutoren immer höhere Stufen der Vortrefflichkeit erreichen soll, muss man daran denken, dass die hauptsächliche Verantwortung für die Entwicklung menschlicher Ressourcen in einer Region oder einem Land beim Trainingsinstitut liegt. Hand in Hand mit dem Bemühen, die Anzahl seiner Teilnehmer zu erhöhen, muss das Institut als Struktur – von der Leitung über die Koordinatoren auf den verschiedenen Ebenen, bis hin zu den Tutoren an der Basis – ebenso großen Nachdruck auf die Effektivität des Systems in seiner Gesamtheit legen, denn letzten Endes wird die beständige quantitative Zunahme vom qualitativen Fortschritt abhängig sein. Auf der Cluster-ebene müssen die Koordinatoren sowohl praktische Erfahrung wie auch Dynamik einbringen bei ihren Bemühungen, diejenigen, die als Tutoren dienen, zu begleiten. Sie sollten regelmäßige Treffen für die Tutoren einberufen, wo diese über ihre Bemühungen reflektieren. Einzelne Treffen, die organisiert werden, um das Studium ausgewählter Stellen aus dem Institutsmaterial zu wiederholen, können manchmal hilfreich sein, solange sie nicht das Bedürfnis für unaufhörliche Ausbildung wecken. Die Fähigkeiten eines Tutors entwickeln sich fortschreitend, sobald ein Einzelner das Handlungsfeld betritt und durch das Studium der Kursfolge und Anwendung ihrer praktischen Komponente andere unterstützt, zum Ziel der gegenwärtigen Serie globaler Pläne beizutragen. Während Männer und Frauen verschiedener Altersstufen in der Kursfolge fortschreiten und mit Hilfe der Tutoren ihr Studium der einzelnen Kurse abschließen, müssen andere bereitstehen, um sie in ihren Diensten zu begleiten, die sie gemäß ihrer Stärken und Interessen unternehmen – vor allem die Koordinatoren, die für Kinderklassen, für Juniorjugendgruppen und für Studienkreise verantwortlich sind – Dienste, die unabdingbar sind für das Fortbestehen des Systems selbst. Sicherzustellen, dass ein angemessenes Maß an Vitalität durch dieses System pulsiert, sollte im Verlauf der kommenden zwölf Monate in jedem Land weiterhin das Ziel intensiven Lernens sein.
13 Die geistige Erziehung der Kinder ist für die Bahá’í-Gemeinde als fester Bestandteil ihrer Kultur bereits seit Langem ein Anliegen, und es ergaben sich zwei nebeneinander bestehende Konstellationen. Eine, die sich die Leistungen der Bahá’í im Iran zum Vorbild nahm, zeichnete sich aus durch die Fähigkeit, Kindern aus Bahá’í-Familien systematischen Unterricht zu geben, von Klasse zu Klasse, im allgemeinen mit dem Ziel, kommenden Generationen grundlegendes Wissen über Geschichte und Lehren des Glaubens zu vermitteln. In den meisten Teilen der Welt ist die Anzahl der Kinder, denen dieser Unterricht zur Verfügung stand, relativ klein gewesen. Die andere Situation entstand in Gegenden, wo Erklärungen in großer Zahl registriert wurden, sowohl in ländlichen, wie auch in städtischen Gegenden. Diese Erfahrung wurde bestimmt von einer mehr einbeziehenden Haltung. Doch wenn auch Kinder aus ganz unterschiedlichen Familien zugleich bestrebt und willkommen waren, Bahá’í-Klassen zu besuchen, verhinderten verschiedene Faktoren, dass der Unterricht mit der erforderlichen Regelmäßigkeit Jahr für Jahr durchgeführt werden konnte. Wie erfreut sind wir zu sehen, dass diese Dualität, eine Konsequenz historischer Umstände, wegzufallen beginnt, da Freunde, die durch den Institutsprozess trainiert wurden, überall danach streben, auf systematischer Basis Klassen anzubieten, die allen offen stehen.
14 Solch vielversprechende Anfänge müssen nun kraftvoll fortgeführt werden. In jedem Cluster, in dem ein intensives Wachstumsprogramm stattfindet, müssen Anstrengungen gemacht werden, um das Angebot geistiger Erziehung noch weiter zu systematisieren und einer stets zunehmenden Anzahl von Kindern aus Familien unterschiedlicher Herkunft zur Verfügung zu stellen – erst dann kann der Prozess der Gemeindebildung in Nachbarschaften und Dörfern an Schwungkraft zunehmen. Dies ist eine Aufgabe, die Eltern und Institutionen gleichermaßen Geduld und Mitarbeit abverlangt. Das Ruhi-Institut ist bereits gebeten worden, die Pläne schneller zu realisieren, seine Kurse für Lehrer von Kinderklassen unterschiedlicher Alterstufen, einschließlich der dazugehörigen Lektionen, fertig zu stellen. Dabei handelt es sich um Unterrichtsmaterial, das mit Kindern im Alter von 5 oder 6 Jahren beginnt und bis zu den 10- oder 11-Jährigen reicht. Dadurch wird die derzeitige Lücke geschlossen zwischen den bestehenden Kursen und den Büchern für Juniorjugendliche, wie Geist des Glaubens und das bald erscheinende Macht des Heiligen Geistes, die zum Programm für diese Altersgruppe eine deutliche Bahá’í-Komponente beisteuern. Sobald diese zusätzlichen Kurse und Lektionen zur Verfügung stehen, werden die Institute in jedem Land imstande sein, die benötigten Lehrer und Koordinatoren vorzubereiten, damit sie, Klasse für Klasse, den Kern eines Programms für die geistige Erziehung der Kinder umsetzen, um den herum sekundäre Elemente gruppiert werden können. In der Zwischenzeit sollten die Institute ihr Bestes tun, um den Lehrern geeignetes Material aus anderen bereits bestehenden Lektionen zur Verfügung zu stellen, um dies in ihrem Unterricht mit Kindern verschiedener Altersgruppen, wenn nötig, zu verwenden.
15 Das Internationale Lehrzentrum verdient unsere bleibende Dankbarkeit für den lebenswichtigen Impuls, den es den Anstrengungen verliehen hat, das frühzeitige Erreichen des Fünfjahresplanziels sicherzustellen. Wenn man das Ausmaß an Energie betrachtet, die es für dieses weltweite Unternehmen aufgebracht hat, indem es den Fortschritt in jedem Kontinent so beharrlich verfolgt und so eng mit den Kontinentalen Beratern zusammengearbeitet hat, erhascht man einen Schimmer von der gewaltigen Kraft, die der Gemeindeordnung innewohnt. Nun, da das Lehrzentrum seine Aufmerksamkeit mit ebensolcher Tatkraft den Fragen zuwendet, die sich auf die Effizienz der Aktivitäten auf Clusterebene beziehen, wird es zweifellos der Durchführung von Bahá’í-Kinderklassen besondere Beachtung schenken. Wir sind zuversichtlich, dass im kommenden Jahr seine Analyse der Erfahrungen in einigen ausgewählten Clustern mit unterschiedlichen sozialen Strukturen praktische Fragen beleuchten wird, welche die Durchführung regelmäßiger Klassen für Kinder jeden Alters in Nachbarschaften und Dörfern ermöglichen werden.
16 Die rasche Verbreitung des Programms zur geistigen Befähigung der Juniorjugendlichen stellt noch einen weiteren Ausdruck des kulturellen Fortschritts in der Bahá’í-Gemeinde dar. Während weltweit der Trend vorherrscht, diese Altersgruppe als problematisch darzustellen, verloren in den Qualen ungestümer körperlicher und emotionaler Veränderungen, unzugänglich und selbstbezogen, bewegt sich die Bahá’í-Gemeinde – in dem Wortschatz, den sie benutzt und dem Ansatz, den sie verfolgt – entschlossen in die entgegen gesetzte Richtung. Sie sieht in der Juniorjugend stattdessen Uneigennützigkeit, einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit, Eifer, über das Universum zu lernen, und den Wunsch, beim Aufbau einer besseren Welt mitzuwirken. Ein Bericht nach dem anderen, in denen die Juniorjugendlichen überall auf dem Planeten ihren Gedanken als Teilnehmer des Programms Ausdruck verleihen, bezeugt die Gültigkeit dieser Sicht. Alles weist darauf hin, dass das Programm sie befähigt, ihr sich erweiterndes Bewusstsein auf die Erforschung der Wirklichkeit zu richten, was ihnen hilft, die konstruktiven und destruktiven Kräfte zu analysieren, die in der Gesellschaft wirken, und den Einfluss zu erkennen, den diese Kräfte auf ihre eigenen Gedanken und Handlungen ausüben; ihr geistiges Urteilsvermögen wird geschärft, ihre Fähigkeit sich auszudrücken verbessert und moralische Strukturen, die ihnen ihr Leben lang nützen, werden gefestigt. In einem Alter, da sie die keimenden intellektuellen, geistigen und körperlichen Kräfte verspüren, gibt man ihnen so die Mittel an die Hand, die sie brauchen, um die Kräfte zu bekämpfen, die sie ihrer wahren Identität als edle Wesen berauben würden, und um für das Gemeinwohl zu arbeiten.
17 Dass der Großteil des Programms Themen von einer Bahá’í-Perspektive, aber nicht in der Art eines Religionsunterrichts, erforscht, hat den Weg geöffnet, dieses Programm Juniorjugendlichen in unterschiedlichen Umgebungen und Umständen anzubieten. In vielen solcher Fälle begeben sich dann diejenigen, die das Programm durchführen, vertrauensvoll auf das Gebiet der sozialen Aktion, wobei sie einer Reihe von Fragen und Möglichkeiten begegnen, die wiederum vom Büro für soziale und wirtschaftliche Entwicklung im Heiligen Land in einem weltweiten Lernprozess verfolgt und organisiert werden. Bereits jetzt hat der stetig wachsende Wissens- und Erfahrungspool dazu geführt, dass mehrere Cluster in weit verstreuten Gegenden der Welt imstande sind, jeder für sich über tausend Juniorjugendliche zu betreuen. Um anderen zu helfen, sich rasch in diese Richtung zu bewegen, ist das Büro damit beschäftigt, zusammen mit einer Gruppe von Gläubigen ein Netzwerk von Zentren auf allen Kontinenten zu errichten, das dazu genutzt werden kann, Koordinatoren aus zahlreichen Clustern auszubilden. Diese erfahrenen Ausbilder werden ihrerseits, sobald sie in ihre jeweiligen Cluster zurückgekehrt sind, Koordinatoren unterstützen und dazu befähigen, eine geistig aufgeladene Umgebung zu schaffen, in der die Programme für Juniorjugendliche Wurzel schlagen können.
18 Sicherlich werden aus diesem Feld der Bemühungen weitere Erfahrungen erwachsen, aber das Handlungsmuster ist bereits klar. Lediglich die Kapazität der Bahá’í-Gemeinde beschränkt noch den Umfang, in dem sie auf die Nachfrage von Schulen und anderen Gruppen nach dem Programm antworten kann. Innerhalb der Cluster, die heute auf ein intensives Wachstumsprogramm ausgerichtet sind, gibt es eine große Bandbreite unterschiedlicher Gegebenheiten, angefangen bei ein paar sporadischen Juniorjugendgruppen bis hin zu einer genügend großen Anzahl von Gruppen, um die Dienste eines engagierten Koordinators zu benötigen, der für die Weitergabe von Wissen ständige Unterstützung von einem der Zentren erhalten kann. Um sicherzustellen, dass diese Kapazität über das gesamte Spektrum dieser Cluster zunimmt, rufen wir dazu auf, 32 Lernzentren zu errichten, von denen jedes ca. zwanzig Cluster mit Vollzeitkoordinatoren versorgen kann; diese Zentren sollen bis zum Ende des derzeitigen Plans funktionsfähig sein. In allen anderen solchen Clustern sollte die Priorität sein, im Verlauf des kommenden Jahres die Kapazität zu schaffen, das Programm anzubieten und die Anzahl der Gruppen systematisch zu vermehren.
19 Die Entwicklungen, die wir bislang erwähnt haben — das erhöhte Potenzial, den Glauben direkt zu lehren und zielgerichtete Gespräche über Themen von geistiger Bedeutsamkeit mit Menschen aller Gesellschaftsschichten zu beginnen, das Aufkeimen einer Herangehensweise an das Studium der Schriften, die untrennbar mit Handeln verbunden ist, die erneuerte Verpflichtung, den Kindern in Nachbarschaften und Dörfern geistige Erziehung auf regelmäßiger Basis anzubieten und die Ausbreitung des Einflusses eines Programms, das den Juniorjugendlichen das Bewusstsein einer zweifachen moralischen Bestimmung einflößt, nämlich die ihnen inne wohnenden Fähigkeiten zu entwickeln und zum gesellschaftlichen Wandel beizutragen —, werden alle erheblich durch einen weiteren Fortschritt auf kulturellem Gebiet verstärkt, dessen Auswirkungen in der Tat weitreichend sind. Diese Evolution des kollektiven Bewusstseins wird erkennbar an der wachsenden Häufigkeit, mit der das Wort „begleiten“ in Gesprächen zwischen den Freunden vorkommt, ein Wort, dem durch die Aufnahme in den gebräuchlichen Wortschatz der Bahá’í-Gemeinde eine neue Bedeutung verliehen wird. Es signalisiert die wesentliche Stärkung einer Kultur, in der das Lernen der Arbeitsmodus ist, ein Modus, der die sachkundige Teilnahme von immer mehr Menschen an einer gemeinschaftlichen Anstrengung fördert, die Lehren Bahá’u’lláhs beim Aufbau einer göttlichen Kultur anzuwenden, was der Hüter als vorrangige Aufgabe des Glaubens bezeichnet. Eine solche Herangehensweise steht in auffälligem Kontrast zu den moralisch bankrotten und dem Untergang geweihten Gewohnheiten einer alten sozialen Ordnung, die so oft danach trachtet, sich menschliche Energie durch Beherrschung, Gier, Schuldgefühle oder Manipulation nutzbar zu machen.
20 In den Beziehungen zwischen den Freunden drückt sich diese Entwicklung der Kultur mithin in der Qualität ihres Zusammenwirkens aus. Lernen als Arbeitsmodus erfordert, dass alle eine Haltung der Demut einnehmen, ein Zustand, in dem man sich selbst vergisst, sein Vertrauen ganz auf Gott setzt, auf Seine allerhaltende Macht baut und Seines nie versagenden Beistands gewiss ist, in dem Wissen, dass Er und Er allein die Mücke in einen Adler verwandeln kann, den Tropfen in ein endloses Meer. In einem solchen Zustand arbeiten die Seelen unablässig zusammen und freuen sich dabei weniger über ihre eigenen Errungenschaften, als über den Fortschritt und Dienst der Anderen. So kommt es, dass ihre Gedanken immer darauf gerichtet sind, sich gegenseitig dabei zu helfen, die Höhen des Dienstes an Seiner Sache zu erklimmen und sich in den Himmel Seines Wissens aufzuschwingen. Dies ist es, was wir im gegenwärtigen Handlungsmuster erkennen, das sich auf dem ganzen Erdball entfaltet und von Jung und Alt, von Altgedienten und Neuerklärten verbreitet wird, die Seite an Seite arbeiten.
21 Dieser Fortschritt in der Kultur beeinflusst nicht nur die Beziehungen Einzelner, sondern man spürt seine Auswirkungen auch bei der Führung der Verwaltungsangelegenheiten des Glaubens. Nun, da das Lernen begonnen hat, den Arbeitsmodus der Gemeinde zu kennzeichnen, sind bestimmte Aspekte der Entscheidungsfindung im Zusammenhang mit der Ausbreitung und Festigung den Gläubigen übertragen worden, damit bei Planung und Umsetzung besser auf die Umstände vor Ort reagiert werden kann. Insbesondere wurde mit der Einrichtung der Reflektionstreffen ein Raum geschaffen, wo sich die an den Aktivitäten auf Clusterebene Beteiligten von Zeit zu Zeit versammeln können, um im Lichte ihrer Erfahrungen und der Führung durch die Institutionen Übereinstimmung bei der Bewertung ihrer Situation zu erzielen und die unmittelbar folgenden Schritte festzulegen. Ein vergleichbarer Raum wurde durch das Institut geschaffen, damit diejenigen, die als Tutoren, Kinderklassenlehrer und Betreuer der Juniorjugendgruppen in einem Cluster dienen, sich gesondert treffen und über ihre Erfahrungen beraten können. Eng verbunden mit diesem Beratungsprozess an der Basis sind die Einrichtungen des Trainingsinstituts und des Clusterlehrausschusses, deren gemeinschaftliches Zusammenwirken mit den Mitgliedern des Hilfsamtes einen weiteren Raum schafft, in dem – in diesem Fall formellere – Entscheidungen bezüglich des Wachstums getroffen werden. Die Funktionsweise dieses Systems auf Clusterebene, das aus den Erfordernissen entstanden ist, zeigt eine wichtige Eigenschaft der Bahá’í-Gemeindeordnung: Während sie sich unter der Führung des Universalen Hauses weiter entwickelt, birgt sie wie ein lebender Organismus in sich die Fähigkeit, zunehmend komplexer werdenden Strukturen, Prozessen, Beziehungen und Aktivitäten gerecht zu werden.
22 Dass die Institutionen des Glaubens auf allen Ebenen — von der lokalen über die regionale bis hin zur nationalen und kontinentalen Ebene — in der Lage sind, mit solch zunehmender Komplexität immer geschickter umzugehen, ist sowohl ein Zeichen als auch eine Notwendigkeit ihrer stetigen Reifung. Die sich entwickelnden Beziehungen zwischen den administrativen Strukturen haben den örtlichen Geistigen Rat an die Schwelle einer neuen Stufe in der Erfüllung seiner Verantwortung geführt, das Wort Gottes zu verbreiten, die Kräfte der Gläubigen zu mobilisieren und ein geistig aufbauendes Umfeld zu schaffen. Bei früheren Gelegenheiten haben wir erklärt, dass die Reife eines Geistigen Rates nicht daran abgelesen werden kann, wie regelmäßig er tagt und wie effizient er arbeitet. Vielmehr muss seine Stärke zu guten Teilen an der Lebendigkeit des geistigen und sozialen Lebens der Gemeinde, der er dient, gemessen werden — einer wachsenden Gemeinde, die die konstruktiven Beiträge ihrer formellen Mitglieder ebenso willkommen heißt, wie diejenigen ihrer Freunde. Es ist erfreulich zu sehen, dass die gegenwärtigen Ansätze, Methoden und Instrumente den Geistigen Räten, auch den neu gebildeten, die Mittel an die Hand geben, diese Verantwortung zu erfüllen, wenn sie sich aufmachen sicher zu stellen, dass die Anforderungen des Fünfjahresplans in ihren Einzugsgebieten angemessen erfüllt werden. Tatsächlich ist die angemessene Mitwirkung des Rates am Plan entscheidend für jeden Versuch, zahlreiche Menschen willkommen zu heißen — was wiederum eine Voraussetzung dafür ist, dass das volle Ausmaß seiner Kräfte und Fähigkeiten in Erscheinung tritt.
23 Die Entwicklung, die wir zweifellos in den kommenden Jahren bei den Geistigen Räten erleben werden, ist durch die zunehmende Stärke der Nationalen Geistigen Räte ermöglicht worden, deren Fähigkeit strategisch zu denken und zu handeln merklich zugenommen hat, insbesondere da sie gelernt haben, den Prozess der Gemeindebildung an den Graswurzeln mit zunehmendem Scharfsinn und größerer Effektivität zu analysieren und bei Bedarf Unterstützung, Hilfsmittel, Ermutigung und liebevolle Führung einzuspeisen. In Ländern, in denen die Umstände es erfordern, haben sie in dieser Hinsicht einen Teil ihrer Verantwortung Regionalräten übertragen und damit bestimmte administrative Aufgaben dezentralisiert, die institutionellen Fähigkeiten in ihrem Zuständigkeitsbereich erweitert und höher entwickelte Formen des Zusammenwirkens gefördert. Es ist keine Übertreibung zu sagen, dass das volle Engagement der Nationalen Geistigen Räte für die Erzeugung des letzten Schubs zur Erfüllung des Ziels des derzeitigen Plans entscheidend war, und während sie gemeinsam mit den Beratern im Verlaufe der vor uns liegenden, entscheidenden und rasch verfliegenden Monate die größtmögliche Anstrengung unternehmen, ihre Gemeinden für den Einstieg in den neuen Fünfjahresplan bereit zu machen, erwarten wir eine weitere Entwicklung in diese Richtung.
24 Die Entwicklung der Institution der Berater stellte während des vergangenen Jahrzehnts fraglos einen der bedeutsamsten Fortschritte in der Bahá’í-Gemeindeordnung dar. Diese Institution hatte bereits außergewöhnliche, sprunghafte Entwicklungen gemacht, als sich im Januar 2001 die Berater und die Mitglieder des Hilfsamtes im Heiligen Land für die Konferenz versammelten, die den Einzug des Internationalen Lehrzentrums in seinen ständigen Sitz auf dem Berg Karmel markierte. Zweifellos haben die durch dieses Ereignis freigesetzten Kräfte diese Institution rasch vorangetrieben. Der Einfluss, den die Berater und ihre Hilfsämter auf den Fortschritt des Plans ausgeübt haben, zeigt, dass sie ihren natürlichen Platz an der Front auf dem Feld des Lehrens eingenommen haben. Wir sind zuversichtlich, dass das kommende Jahr die Institutionen der Gemeindeordnung fester in Zusammenarbeit verbinden wird, jede gemäß ihrer sich entwickelnden Funktionen und Verantwortlichkeiten, während alle danach streben, den Arbeitsmodus des Lernens, der ein herausragendes Merkmal der Gemeindearbeit geworden ist, zu festigen — dies vorrangig in jenen Clustern, die intensive Wachstumsprogramme durchführen.
25 Bahá’u’lláhs Offenbarung ist weitreichend und umfassend. Sie fordert eine tiefgreifende Wandlung, nicht nur auf individueller Ebene, sondern auch in der Struktur der Gesellschaft. „Ist es nicht das Ziel jeder Offenbarung“, so verkündet Er Selbst, „eine Wandlung und Änderung in der ganzen Wesensart der Menschheit zu bewirken, eine Wandlung, die sich äußerlich wie innerlich erweisen und das innere Leben wie die äußeren Verhältnisse gestalten soll?“ Die Arbeit, die heute in jedem Winkel des Erdkreises vorangetrieben wird, stellt den jüngsten Stand unablässiger Bahá’í-Bemühungen dar, den Kern der herrlichen Kultur zu schaffen, die in Seinen Lehren verankert ist, deren Errichtung eine Unternehmung von unendlicher Komplexität und Größenordnung ist und Jahrhunderte der Anstrengung seitens der Menschheit erfordern wird, bis sie ihre Früchte zeigt. Es gibt keine Abkürzungen, keine Formeln. Nur wenn Bemühungen unternommen werden, sich auf Einsichten aus Seiner Offenbarung zu stützen, aus dem sich stets vermehrenden Wissen der Menschheit zu schöpfen, Seine Lehren intelligent auf das Leben der Menschheit anzuwenden und über die dabei aufkommenden Fragen zu beraten, wird das notwendige Lernen erfolgen und Kompetenz entwickelt werden.
26 In diesem Langzeitprozess des Aufbaus von Kapazitäten hat die Bahá’í-Gemeinde beinahe eineinhalb Jahrzehnte darauf verwendet, ihre Erfahrung auf dem Gebiet der Lehrarbeit zu systematisieren, zu lernen gewisse Aktivitäten für mehr und mehr Menschen zu öffnen, und ihre Ausbreitung und Festigung aufrecht zu erhalten. Alle sind willkommen sich der Gemeinde, die sie mit offenen Armen warmherzig empfängt, anzuschließen und aus Bahá’u’lláhs lebensspendender Botschaft geistige Nahrung zu empfangen. Gewiss gibt es keine größere Freude für eine Seele, die sich nach Wahrheit sehnt, als in der Feste des Glaubens Schutz zu finden und gestärkt zu werden durch die einende Macht des Bundes. Dennoch können jeder Mensch und jede Gruppe von Menschen, ganz gleich, ob sie zu Seinen Anhängern gezählt werden oder nicht, aus Seinen Lehren Inspiration gewinnen und sich all die Edelsteine der Weisheit und des Wissens zu Nutze machen, um die Herausforderungen zu bewältigen, mit denen sie konfrontiert sind. In der Tat wird die Kultur, welche der Menschheit winkt, nicht durch die Bemühungen der Bahá’í-Gemeinde alleine erreicht werden können. Zahlreiche Gruppen und Organisationen, beseelt durch den Geist einer weltweiten Solidarität, die wiederum eine indirekte Erscheinung von Bahá’u’lláhs Konzept des Prinzips der Einheit der Menschheit ist, werden zu der Zivilisation beitragen, die dazu bestimmt ist, aus dem Chaos und Durcheinander der heutigen Gesellschaft hervorzugehen. Es sollte jedem klar sein, dass die Befähigung, die im Verlauf aufeinanderfolgender weltumspannender Pläne in der Bahá’í-Gemeinde entstanden ist, diese mehr und mehr in die Lage versetzt, bei den vielfältigen und unterschiedlichen Dimensionen des Aufbaus der Zivilisation Hilfe zu leisten, und sich ihr dadurch neue Grenzbereiche des Lernens erschließen.
27 In unserer Ridván-Botschaft 2008 wiesen wir darauf hin, dass sich die Freunde im Verlauf ihrer Arbeit auf der Clusterebene mehr und mehr in das Leben der Gesellschaft hineingezogen sehen und dadurch herausgefordert werden würden, den Prozess des systematischen Lernens, in dem sie sich befinden, zu erweitern, so dass er eine größere Vielfalt menschlichen Strebens umfasst. So wird das Gemeindeleben in jedem Cluster allmählich zu einem vielfarbigen Wandteppich, wenn gemeinsame Andachten, ergänzt durch Gespräche in der persönlichen Umgebung des Heims, verwoben werden mit Aktivitäten, die allen Mitgliedern der Bevölkerung – Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern – geistige Bildung vermitteln. Das soziale Bewusstsein wird auf natürliche Weise gestärkt, wenn sich zum Beispiel zwischen Eltern lebhafte Gespräche über die Bestrebungen ihrer Kinder entwickeln und auf Grund der Initiative von Juniorjugendlichen Dienstprojekte hervorsprießen. Wenn in einem Cluster einmal die menschlichen Ressourcen reichhaltig genug vorhanden sind und das Wachstumsmuster fest etabliert ist, dann kann, dann muss tatsächlich das Engagement der Gemeinde in der Gesellschaft zunehmen. In diesem entscheidenden Moment in der Entfaltung des Planes, wo so viele Cluster sich solch einem Stadium nähern, scheint es angebracht, dass die Freunde überall darüber nachdenken, auf welche Weise ihre wachsenden, lebenssprühenden Gemeinden am Besten zur Förderung des materiellen und geistigen Fortschritts der Gesellschaft beitragen können. In dieser Hinsicht ist es hilfreich, sich zwei untereinander verbundene, sich gegenseitig verstärkende Gebiete von Aktivitäten vorzustellen: aktive Mitarbeit in der Gesellschaft und Teilnahme an vorherrschenden gesellschaftlichen Diskursen.
28 Im Verlauf der Jahrzehnte hat die Bahá’í-Gemeinde auf diesen beiden Gebieten viel Erfah-rung gesammelt. Zunächst gibt es natürlich sehr viele Bahá’í, die sich auf Grund ihres Berufs persönlich bei sozialen Aktivitäten und im öffentlichen Diskurs engagieren. Weiterhin gibt es eine Anzahl von Nichtregierungsorganisationen, die, inspiriert von den Lehren des Glaubens, sich auf regionaler oder nationaler Ebene engagieren und auf dem Gebiet der sozial-ökonomischen Entwicklung für das Wohlergehen ihrer Mitmenschen arbeiten. Es gibt Agenturen der Nationalen Geistigen Räte, die auf unterschiedlichen Wegen für die Verbreitung des Gedankengutes arbeiten, welches zu allgemeiner Wohlfahrt führt. Auf internationaler Ebene erfüllen Agenturen wie das Büro der Vereinten Nationen der Internationalen Bahá’í-Gemeinde eine ähnliche Funktion. Soweit es notwendig und wünschenswert ist, werden die Freunde, die an den Graswurzeln der Gesellschaft arbeiten, sich auf diese Erfahrungen und Fähigkeiten beziehen, wenn sie sich bemühen, die Nöte der sie umgebenden Gesellschaft anzugehen.
29 Soziales Handeln kann am besten als Spektrum beschrieben werden , denn es reicht von recht informellen Bemühungen von begrenzter Dauer, die von Einzelnen oder kleinen Gruppen von Freunden unternommen werden, bis zu Programmen sozial-ökonomischer Entwicklung mit einem hohen Grad an Komplexität und Differenzierung, die von Bahá’í-inspirierten Organisationen durchgeführt werden. Unabhängig von ihrer Reichweite ist jede Art des sozialen Handelns darum bemüht, die Lehren und Prinzipien des Glaubens dahingehend anzuwenden, einen Aspekt des sozialen oder wirtschaftlichen Lebens einer Bevölkerung in wenn auch bescheidenem Maße zu verbessern. Derartige Bemühungen zeichnen sich also durch ihr ausdrückliches Ziel aus, zusätzlich zur geistigen Wohlfahrt auch das materielle Wohlergehen der Bevölkerung zu verbessern. Dass die Weltzivilisation, die nun am Horizont der Menschheit heraufdämmert, eine dynamische Kohärenz herstellen muss zwischen den materiellen und geistigen Bedürfnissen des Lebens, ist ein zentraler Punkt der Bahá’í-Lehren. Es ist deutlich, dass dieses Ideal tiefgreifende Implikationen hat für die Art und Weise jeglicher sozialer Aktivität, die von Bahá’í unternommen wird, unabhängig von deren Umfang und Einflussbereich. Wenn auch die Bedingungen von Land zu Land und vielleicht sogar von Cluster zu Cluster unterschiedlich sind, so dass sie von den Freunden eine Vielfalt an Bemühungen hervorrufen, so gibt es doch gewisse grundlegende Konzepte, die alle berücksichtigen sollten. Das eine ist der zentrale Einfluss, den Wissen auf das soziale Leben ausübt. Unwissenheit fortbestehen zu lassen ist die schlimmste Form der Unterdrückung; es verstärkt die vielen Mauern des Vorurteils, die als Barrieren vor der Verwirklichung der Einheit der Menschheit stehen – zugleich Ziel und Wirkungsprinzip von Bahá’u’lláhs Offenbarung. Der Zugang zu Wissen ist das Recht eines jeden Menschen, und mitzuhelfen, Wissen zu generieren, anzuwenden und zu verbreiten ist eine Verantwortung, die alle schultern müssen in dem großen Unternehmen, eine blühende Weltzivilisation aufzubauen – wobei jeder seine oder ihre eigenen Talente und Fähigkeiten einsetzt. Gerechtigkeit erfordert universelle Teilhabe. Wenn also soziales Handeln auch das Beschaffen von Gütern und Dienstleistungen in irgendeiner Form bedeuten kann, so muss doch sein hauptsächliches Anliegen sein, innerhalb einer bestimmten Bevölkerungsgruppe die Fähigkeit heranzubilden, an der Errichtung einer besseren Welt mitzuarbeiten. Sozialer Wandel ist kein Projekt, das eine Gruppe von Leuten für das Wohl einer anderen Gruppe durchführt. Umfang und Komplexität der sozialen Aktivitäten müssen so konzipiert sein, dass die menschlichen Ressourcen, die in einem Dorf oder einer Nachbarschaft vorhanden sind, imstande sind, das Projekt weiter zu führen. Daher sollten die Bemühungen am Besten klein beginnen und organisch wachsen, in dem Maße, wie sich die Kapazität innerhalb der Bevölkerung entwickelt. Diese erhebt sich natürlich zu neuen Ebenen, wenn die Akteure des sozialen Wandels lernen, Teile von Bahá’u’lláhs Offenbarung, zusammen mit den Inhalten und Methoden der Wissenschaft, mit wachsender Effektivität auf ihre soziale Realität anzuwenden. Und sie müssen lernen, diese Realität in einer Art zu interpretieren, die Seinen Lehren entspricht – indem sie in ihren Mitmenschen Edelsteine von unschätzbarem Wert sehen und die Wirkungen erkennen, den der doppelte Prozess von Integration und Desintegration auf Herzen und Seelen wie auch auf soziale Strukturen hat.
30 Effektives soziales Handeln dient auch dazu, die Teilnahme an den gesellschaftlichen Diskursen zu bereichern, und ebenso können die Einsichten, die aus der Beteiligung an manchen Diskursen gewonnen werden, helfen, die Konzepte, welche soziale Aktivität beeinflussen, zu klären. Auf der Clusterebene kann die Beteiligung am öffentlichen Diskurs sehr unterschiedliche Formen annehmen; sie reicht von etwas so Einfachem, wie Bahá’í-Ideen in ein alltägliches Gespräch einzuflechten, bis zu formelleren Aktivitäten, wie der Ausarbeitung von Artikeln und Beteiligung an Treffen, die sich mit Themen von sozialem Interesse befassen – wie Klimawandel und Umwelt, Regierungsführung und Menschenrechte, um nur ein paar zu nennen. Damit verbunden sind auch bedeutsame Interaktionen mit Bürgerinitiativen und lokalen Organisationen in Dörfern und Nachbarschaften.
31 In diesem Zusammenhang halten wir es für nötig, eine Warnung auszusprechen: Es ist für alle wichtig zu erkennen, dass der Wert unserer Beteiligung an sozialen Aktivitäten und öffentlichen Diskursen nicht an den Möglichkeiten gemessen werden sollte, neue Gläubige zu gewinnen. Wenn auch Bemühungen in diesen beiden Tätigkeitsbereichen unter Umständen ein Größenwachstum der Bahá’í-Gemeinde zur Folge haben können, so werden sie doch nicht zu diesem Zweck unternommen. Aufrichtigkeit ist in dieser Beziehung zwingend erforderlich. Weiterhin sollte sorgfältig darauf geachtet werden, Bahá’í-Erfahrungen nicht übertrieben darzustellen oder unangemessene Aufmerksamkeit auf im Anfangsstadium befindliche Bemühungen, wie zum Beispiel das Programm zur geistigen Befähigung der Juniorjugend, zu lenken, die man am Besten in ihrem eigenen Tempo reifen lässt. Die Losung in allen Fällen ist Demut. Der Enthusiasmus der Freunde über ihren Glauben darf nicht in Triumphalismus ausarten, der kaum gerechtfertigt ist innerhalb ihrer eigenen Reihen, noch viel weniger unter anderen Umständen.
32 Wenn wir Ihnen diese neuen Gelegenheiten beschreiben, die sich auf der Clusterebene eröffnen, heißt das nicht, dass wir Sie bitten, in irgendeiner Weise Ihren derzeitigen Kurs zu ändern. Auch sollten Sie nicht denken, dass solche Gelegenheiten eine alternative Arena des Dienstes bedeuten, die mit der Ausbreitungs- und Festigungsarbeit um die beschränkten Ressourcen und Energien der Gemeinde wetteifert. Im kommenden Jahr sollen der Institutsprozess und das Handlungsmuster, das dieser mit sich bringt, weiterhin gestärkt werden, und das Lehren sollte an erster Stelle im Bewusstsein jedes Gläubigen stehen. Weiter reichende Beteiligung am Leben der Gesellschaft sollte nicht voreilig gesucht werden. Sie wird auf natürliche Weise kommen, wenn die Freunde in jedem Cluster weiterhin die Vorgaben des Planes durch einen Prozess von Aktion, Reflexion, Beratung und Studium anwenden und daraus resultierend lernen. Die Beteiligung am Leben der Gesellschaft wird gedeihen, wenn die Fähigkeit der Gemeinde, ihr eigenes Wachstum zu fördern und ihre Lebenskraft beizubehalten, allmählich wächst. Je mehr diese Beteiligung sich auf Elemente des konzeptuellen Rahmenwerks bezieht, das die gegenwärtige Serie von globalen Plänen steuert, desto deutlicher wird ihre Kohärenz mit den Bemühungen, die Gemeinde zu erweitern und zu festigen. Und sie wird die Bewegung von Bevölkerungsgruppen hin zu Bahá’u’lláhs Vision einer blühenden und friedlichen Weltzivilisation in dem Maße fördern, in dem sie diese Elemente in kreativer Weise auf neue Gebiete des Lernens anwendet.
33 Liebe Freunde: Wie oft hat der Geliebte Meister die Hoffnung ausgesprochen, dass die Herzen der Gläubigen überfließen mögen von Liebe füreinander, dass sie sich nicht hemmen lassen durch Trennlinien, sondern die ganze Menschheit wie eine Familie ansehen mögen. „Seht keine Fremden“, ist Seine Ermahnung, „seht vielmehr alle Menschen als Freunde; denn Liebe und Einheit fallen schwer, wenn ihr den Blick auf das Andersartige heftet.“ All die Entwicklungen, die wir auf den vorangegangenen Seiten in Augenschein genommen haben, sind im Tiefsten lediglich ein Ausdruck der universalen Liebe, die durch die Macht des Heiligen Geistes erreicht wurde. Denn ist es nicht die Liebe zu Gott, die alle Schleier der Entfremdung und Trennung verbrennt und die Herzen in perfekter Einheit verbindet? Ist es nicht Seine Liebe, die Sie auf dem Feld des Lehrens anspornt und Sie befähigt, in jeder Seele die Fähigkeit, Ihn zu erkennen und Ihn anzubeten, zu sehen? Sind Sie nicht elektrisiert durch dass Wissen, dass Seine Manifestation freudig ein Leben des Leidens aus Liebe für die Menschheit erduldete? Blicken Sie auf Ihre eigenen Reihen, auf Ihre lieben Bahá’í-Brüder und -Schwestern im Iran. Sind sie nicht Beispiele der Tapferkeit, die der Liebe zu Gott entspringt, und der Sehnsucht, Ihm zu dienen? Zeugt nicht ihre Fähigkeit, die grausamste und bitterste Verfolgung zu überwinden, von der Fähigkeit von Millionen und Abermillionen unterdrückter Menschen auf der Welt, sich zu erheben und eine entscheidende Rolle zu spielen im Aufbau des Reiches Gottes auf Erden? Lassen Sie sich nicht abschrecken durch trennende soziale Konstrukte, drängen Sie vorwärts und bringen Sie Bahá’u’lláhs Botschaft wartenden Seelen in jeder städtischen Nachbarschaft, in jedem ländlichen Weiler, in jedem Winkel des Erdkreises, sodass diese sich hingezogen fühlen zu Seiner Gemeinde, der Gemeinde des Größten Namens. Es gibt keinen Moment, in dem Sie nicht in unseren Gedanken und Gebeten sind, und wir werden den Allmächtigen weiterhin anflehen, Sie mit Seiner wundersamen Gnade zu stärken.
Es ist erst drei Jahre her, dass wir die Bahá’í-Welt vor die Herausforderung stellten, den Handlungsrahmen auszuschöpfen, der mit so großer Klarheit am Ende des letzten globalen Planes zu Tage getreten war. Wie wir erhofft hatten, erfolgte die Reaktion umgehend. Überall begannen die Freunde mit großem Schwung, das Ziel zu verfolgen, in nicht weniger als 1500 Clustern intensive Wachstumsprogramme in Gang zu bringen, und die Anzahl dieser Programme nahm rasch zu. Keiner jedoch hätte sich damals vorstellen können, wie tiefgreifend der Herr der Heerscharen in Seiner unergründlichen Weisheit Seine Gemeinde innerhalb einer so kurzen Zeitspanne zu wandeln beabsichtigt hatte. Wie zielgerichtet und zuversichtlich war die Gemeinde, die ihre Erfolge zur Halbzeit des derzeitigen Planes in 41 Regionalen Konferenzen weltweit feierte! Welch außerordentlichen Kontrast bot ihre Kohärenz und Energie gegenüber der Verwirrung und Ziellosigkeit einer Welt, die in einer Spirale von Krisen gefangen ist! Dies war wirklich die Gemeinde der Glückseligen, auf welche der Hüter hingewiesen hatte. Dies war eine Gemeinde, die um das riesige Potenzial, mit dem sie ausgestattet ist, weiß und sich im Klaren ist über die Rolle, die sie bestimmt ist, beim Wiederaufbau einer gebrochenen Welt zu spielen. Dies war eine Gemeinde im Aufstieg, die sich, wenn auch in einem Teil des Planeten heftigen Repressionen ausgesetzt, dennoch unaufhaltsam und unerschrocken als ein geeintes Ganzes erhoben hat und ihre Fähigkeit stärkt, das Ziel Bahá’u’lláhs zu erreichen, die Menschheit vom Joch der größten Unterdrückung zu befreien. Und in den fast achtzigtausend Teilnehmern der Konferenzen sahen wir auf der Bühne der Geschichte den einzelnen Gläubigen hervortreten, welcher der Wirksamkeit der Methoden und Werkzeuge des Plans höchstes Vertrauen schenkt und bemerkenswert geschickt ist, sie zu handhaben. Jede einzelne Seele dieses mächtigen Ozeans legte Zeugnis ab für die verwandelnde Kraft des Glaubens. Jeder Einzelne war ein sichtbarer Beweis für Bahá’u’lláhs Versprechen, all jenen beizustehen, die sich losgelöst und aufrichtig erheben, um Ihm zu dienen. Jeder Einzelne ließ uns einen Blick erhaschen von jenem Menschengeschlecht, das mit Hingabe und Mut, rein und geheiligt, dazu bestimmt ist, im Laufe von Generationen unter dem direkten Einfluss von Bahá’u’lláhs Offenbarung zu entstehen. In ihnen haben wir die ersten Zeichen dafür gesehen, dass die Hoffnung, die wir zu Beginn des Planes ausgedrückt haben, erfüllt wird, nämlich dass der aufbauende Einfluss des Glaubens durch den Institutsprozess auf Hunderttausende ausgedehnt wird. Alles weist darauf hin, dass am Ende der Ridván-Zeit die Anzahl intensiver Wachstumsprogramme weltweit die Tausendermarke überschritten haben wird. Was können wir zur Eröffnung dieses freudigsten Festes weiter tun, als uns in Demut vor Gott zu beugen und Ihm Dank darzubringen für Seine grenzenlose Großzügigkeit gegenüber der Gemeinde des Größten Namens?
Abertausende in einer die gesamte Menschheitsfamilie umfassenden Vielfalt sind derzeit unter ebenso ernsthaften wie geistig anregenden Bedingungen mit dem systematischen Studium des schöpferischen Gotteswortes beschäftigt. Während sie sich bemühen, durch Handeln, Reflektieren und Beraten die auf diese Weise gewonnenen Einsichten anzuwenden, erkennen sie, wie ihre Fähigkeit, dem Glauben zu dienen, bisher unvorstellbare Höhen erreicht. Als Antwort auf die tiefe innere Sehnsucht eines jeden Herzens nach Zwiesprache mit seinem Schöpfer, halten sie an unterschiedlichen Schauplätzen gemeinsame Andachten ab, vereinen sich mit anderen im Gebet, wecken geistige Empfänglichkeit und entwickeln einen von andächtiger Hinwendung zu Gott geprägten Lebensstil. Wenn sie einander und Familien, Freunde und Bekannte zu Hause besuchen, knüpfen sie zielgerichtet Gespräche über geistig bedeutsame Themen an, vertiefen dabei ihr Wissen über den Glauben, lassen andere an Bahá’u’lláhs Botschaft teilhaben und laden immer mehr Menschen dazu ein, sich gemeinsam mit ihnen auf ein großartiges geistiges Unterfangen einzulassen. Da ihnen bewusst ist, dass die Kinder der Welt nach geistiger Erziehung verlangen und ihrer bedürfen, dehnen sie ihre Bemühungen weiter aus, um ständig wachsende Teilnehmerscharen in Kinderklassen eingliedern zu können, die dann zu Anziehungspunkten für junge Menschen werden und die Wurzeln des Glaubens in der Gesellschaft stärken. Sie unterstützen die Juniorjugend dabei, durch einen entscheidenden Abschnitt ihres Lebens hindurch zu steuern und die Fähigkeit zu entwickeln, ihre Energien für den Fortschritt der Kultur einzusetzen. Und mit dem Vorteil der Zunahme menschlicher Ressourcen ist verbunden, dass eine wachsende Zahl von ihnen in der Lage ist, ihrem Glauben durch eine steigende Flut von Unternehmungen Ausdruck zu verleihen, die sich mit den Nöten der Menschheit in ihrem geistigen wie materiellen Ausmaß befassen. Ein solches Panorama breitet sich vor uns aus, wenn wir zu Ridván innehalten, um den Fortschri
tt der weltweiten Bahá’í-Gemeinde zu betrachten.
Bei mehreren Anlässen haben wir darauf hingewiesen, dass das Ziel der aufeinander folgenden weltweiten Pläne, die die Bahá’í-Welt zur Hundertjahrfeier des Gestaltenden Zeitalters des Glaubens im Jahr 2021 begleiten werden, durch deutliche Fortschritte im Einsatz und in der Entwicklung des einzelnen Gläubigen, der Institutionen und der Gemeinde errungen werden wird. Und nun, auf halbem Wege zu einem Vierteljahrhundert andauernden, konzentrierten Bemühens, treten die Beweise höheren Leistungsvermögens überall zutage. Von besonderer Bedeutung ist der zunehmende Einfluss der Dynamik, die aus der Wechselwirkung der drei am Plan Beteiligten erwächst. Immer klarer erkennen die Institutionen, von der nationalen bis zur örtlichen Ebene, wie sie Voraussetzungen schaffen können, die es immer mehr Gläubigen ermöglichen, ihrer geistigen Kraft im Verfolg eines gemeinsamen Zieles Ausdruck zu verleihen. Die Gemeinde dient zunehmend als gerade das Umfeld, in dem individuelles Bemühen und gemeinsames Handeln vermittels des Instituts einander ergänzen, um Fortschritte zu erzielen. Die Lebendigkeit, die sie erkennen lässt, und das gemeinsame Ziel, das ihre Bemühungen beseelt, ziehen Menschen jeglicher Herkunft in ihre wachsenden Rei-hen, die ungeduldig darauf warten, ihre Zeit und Kraft dem Wohlergehen der Menschheit zu widmen. Dass die Tore der Gemeinde für den Beitritt jeder empfänglichen Seele, die aus der Offenbarung Bahá’u’lláhs Beistand empfangen möchte, nun noch weiter offen stehen, ist sicher. Nichts bezeugt die eindrucksvolle Wechselwirkung der drei am Plan Beteiligten deutlicher als die dramatisch wachsende Geschwindigkeit beim Lehren, die im vergangenen Jahr zu beobachten war. Der Fortschritt, der unterdessen beim Prozess des Beitritts in Scharen erzielt wurde, war in der Tat bemerkenswert.
Im Umfeld dieser zunehmenden Wechselwirkungen wird die Initiative des Einzelnen immer fruchtbarer. In früheren Botschaften haben wir auf die Schwungkraft hingewiesen, die der Institutsprozess dem einzelnen Gläubigen verleiht, wenn er die Initiative ergreift. Auf allen Kontinenten studieren die Freunde die heiligen Schriften mit dem ausdrücklichen Ziel zu lernen, wie sich die Lehren auf das Wachstum des Glaubens anwenden lassen. Beachtlich viele Menschen übernehmen nun die Verantwortung für das geistige Leben ihrer Gemeinden; tatkräftig dienen sie auf eine Art und Weise, wie es einem gesunden Wachstumsmuster entspricht. Da sie auf dem Feld des Dienstes in der Sache Gottes ausharrten und eine demütige Haltung des Lernens beibehielten, haben sich ihr Mut und ihre Weisheit, ihr Eifer und Scharfblick, ihre Leidenschaft und Umsicht, ihre Entschlossenheit und ihr Gottvertrauen immer mehr gebündelt und einander verstärkt. In ihrer Darstellung der Botschaft Bahá’u’lláhs und der Erläuterung ihrer Wahrheiten haben sie sich die Worte Shoghi Effendis zu Herzen genommen, dass sie weder „zögern“ noch „zaudern“ dürfen, dass sie die Wahrheit, für die sie eintreten, weder „überbetonen“ noch „verkleinern“. Sie sind weder „fanatisch“ noch „übertrieben libeal“. Durch ihr beständiges Lehren steigerten sie ihre Fähigkeit, feststellen zu können, ob die Aufnahmebereitschaft ihrer Zuhörer von ihnen verlangt, „behutsam“ oder „kühn“ zu sein, „schnell zu handeln“ oder „abzuwarten“, eine „direkte“ oder „indirekte“ Methode anzuwenden.
Was wir immer wieder ermutigend finden, ist, wie diszipliniert diese
persönlichen Unternehmungen durchgeführt werden. Die Gemeinden verinnerlichen überall nach und nach die Lehren, die sie aus systematischen Ansätzen gezogen haben, und der von der derzeitigen Serie von Plänen gesteckte Rahmen gewährt den Bestrebungen der Freunde Folgerichtigkeit und Beweglichkeit. Dieser Rahmen schränkt die Freunde keineswegs ein, sondern ermöglicht ihnen, Gelegenheiten zu ergreifen, Beziehungen aufzubauen und eine Vision von systematischem Wachstum Wirklichkeit werden zu lassen. Kurz gesagt, dieser Rahmen gibt ihren vereinten Kräften eine feste Form.
Während wir Revue passieren lassen, was in der Welt erreicht wurde, sind unsere Herzen insbesondere voll Bewunderung für die Gläubigen in Iran, die sich unter schwierigsten Bedingungen mutig erhoben haben, ihrem Land zu dienen und die ihre ganze Kraft für dessen Wiederbelebung einsetzen, obwohl ihre Möglichkeiten begrenzt sind. Und trotz der Beschränkungen, die gegen die Gemeindeordnung des Glaubens verhängt sind, haben sie sich entschlossen, ihre Mitbürger auf persönlicher Ebene mit den Lehren Bahá’u’lláhs vertraut zu machen, indem sie offen Gespräche mit ihnen über Seine erlösende Botschaft führen. Seit sie damit begannen, fanden sie nicht nur die beispiellose Unterstützung vorurteilsfreier Seelen, sondern trafen auch auf eine Empfänglichkeit, die weit über alles hinausging, was sie für möglich gehalten hätten.
Jeder Anhänger Bahá’u’lláhs, der sich der in der heutigen Gesellschaft wirkenden Mächte der Integration und der Desintegration bewusst ist, erkennt den Zusammenhang zwischen der Zunahme der Empfänglichkeit für den Glauben überall auf der Erde und dem Versagen der Systeme der Welt. Dass diese Empfänglichkeit wachsen wird, wenn die Qualen der Menschheit sich verschlimmern, ist sicher. Machen wir uns nichts vor: Der Aufbau des Leistungsvermögens, der in Gang gesetzt wurde, um auf die wachsende Empfänglichkeit zu reagieren, steckt noch im Anfangsstadium. Das Ausmaß der Beanspruchung durch eine chaotische Welt wird dieses Leistungsvermögen in den kommenden Jahren bis an seine Grenzen herausfordern. Die Menschheit ist von den Mächten der Unterdrückung geschlagen – sei es aufgrund tiefer religiöser Vorurteile oder aufgrund eines auf die Spitze getriebenen zügellosen Materialismus. Die Bahá’í können die Ursachen dieser Heimsuchung erkennen. „Welche ,Trübsal‘ ist schmerzlicher als die“, fragt Bahá’u’lláh, „dass eine nach Wahrheit suchende, sich nach Gotterkenntnis sehnende Seele nicht weiß, wohin sie sich wenden und wo sie suchen soll?“ Es ist keine Zeit zu verlieren. Ständiger Fortschritt muss beim Einsatz und bei der Entwicklung der drei am Plan Beteiligten erreicht werden.
‘Abdu’l-Bahá hat „zwei Aufrufe“ zu „Erfolg und Wohlfahrt“ erschallen lassen, die von den „Höhen des Glücks für die Menschheit“ herab zu hören sind. Der eine ist der Ruf der „Zivilisation, des Fortschritts in der stofflichen Welt“. Er umfasst die „Gesetze“, die „Ordnungen“, „Künste und Wissenschaften“, durch die sich die Menschenwelt entwickelt. Der andere ist der „seelenbewegende Ruf Gottes“, von dem das ewige Glück der Menschheit abhängt. „Dieser zweite Ruf“, erläutert der Meister, „beruht auf den Lehren und Ermahnungen des Herrn und den Warnungen und selbstlosen Empfindungen aus dem Reich der Sittlichkeit, die wie ein helles Licht die Lampe menschlicher Wirklichkeiten zum Strahlen bringen. Seine durchdringende Kraft ist das Wort Gottes.“ Während Sie weiter in Ihren Clustern arbeiten, werden Sie mehr und mehr in das Leben der Sie umgebenden Gesellschaft hineingezogen und herausgefordert sein, den Prozess des systematischen Lernens, mit dem Sie befasst sind, auszuweiten, um menschliche Bestrebungen in zunehmender Bandbreite einzubeziehen. Bei den Ansätzen, die Sie verfolgen, den Methoden, die Sie anwenden, und den Mitteln, die Sie einsetzen, müssen Sie dasselbe Maß an innerem Zusammenhalt erreichen, welches das sich derzeit entwickelnde Wachstumsmuster auszeichnet.
Wachstum in Cluster um Cluster aufrecht zu erhalten, wird von den Eigenschaften abhängig sein, die Ihren Dienst für die Völker der Welt auszeichnen. So frei müssen Ihre Gedanken und Taten von jeder Spur von Vorurteilen sein – seien sie rassischer, religiöser, wirtschaftlicher, nationaler oder kultureller Art, seien es Stammes- oder Klassenvorurteile –, dass sogar ein Fremder in Ihnen liebe Freunde sieht. So hoch muss Ihr Richtmaß für Vortrefflichkeit sein und Ihr Leben so rein und keusch, dass der sittliche Einfluss, den Sie ausüben, das Bewusstsein weiter Kreise der Gesellschaft durchdringt. Nur wenn Sie aufrechtes Verhalten vorleben, zu dem die Schriften des Glaubens eine jede Seele auffordern, werden Sie in der Lage sein, die unzähligen Arten offener und verdeckter Verderbtheit, die sich in das Mark der Gesellschaft fressen, bekämpfen zu können. Erst wenn Sie Ehre und Adel in jedem Menschen wahrnehmen – und das unabhängig von Reichtum oder Armut –, werden Sie in der Lage sein, sich für die Sache der Gerechtigkeit einzusetzen. Und in dem Ausmaß, in dem die Verwaltungsabläufe Ihrer Institutionen von den Grundsätzen der Bahá’í-Beratung gelenkt werden, wird die Menschheit in großer Zahl in der Bahá’í-Gemeinde Zuflucht finden können.
Seien Sie, während Sie vorandrängen, zuversichtlich, dass die himmlischen Heerscharen ihre Streitkräfte aufstellen und bereitstehen, Ihnen zu Hilfe zu kommen. Unsere Gebete werden immer mit Ihnen sein.
1 das erste Jahr des Fünfjahresplans legt lebhaft Zeugnis für den Geist der Ergebenheit ab, mit dem sich die Anhänger Bahá’u’lláhs den in unserer Botschaft vom 27. Dezember 2005 dargelegten Handlungsrahmen zu Eigen machten und für den Einsatz, mit dem sie den Prozess des Beitritts in Scharen vorantreiben. Wo dieser Rahmen in einem Cluster in vollem Umfang folgerichtig angewandt wird, wird beständiger Fortschritt erreicht, sowohl was die Beteiligung der Gläubigen und ihrer Freunde am Gemeindeleben betrifft, als auch in Bezug auf das zahlenmäßige Wachstum, wobei einige Cluster von Hunderten von Erklärungen alle paar Monate berichten, andere von Dutzenden. Entscheidend für diese Entwicklung sind ein erweitertes Bewusstsein für den geistigen Charakter des Unternehmens und das zunehmende Verständnis für die Mittel zur Entscheidungsfindung, wie sie in den Grundzügen des Plans festgelegt sind.
2 Bevor wir die gegenwärtige Folge der weltweiten Pläne in Gang setzten, die sich auf das einzige Ziel konzentrieren, den Prozess des Beitritts in Scharen voranzutreiben, durchlief die Bahá’í-Gemeinde in vielen Teilen der Welt ein Stadium schnellen, beträchtlichen Wachstums – eines Wachstums, das schließlich unmöglich aufrechtzuerhalten war. Die Herausforderung bestand seinerzeit nicht so sehr darin, den Reihen der Sache Gottes neue Anhänger zuzuführen, zumindest nicht aus Bevölkerungskreisen, die sich als aufnahmefähig erwiesen hatten, sondern darin, sie in das Gemeindeleben einzugliedern und unter ihnen genügend viele zu begeistern, sich der weiteren Ausbreitung zu widmen. So entscheidend war es für die Bahá’í-Welt, sich dieser Herausforderung zu stellen, dass wir dies zu einem zentralen Merkmal des Vierjahresplans machten und die Nationalen Geistigen Räte ersuchten, den größten Teil ihrer Energie auf die Einrichtung von Institutionen in der Art des Trainigsinstituts zu verwenden, um menschliche Ressourcen aufzubauen. Wir wiesen darauf hin, dass immer größere Gruppen von Gläubigen aus einem methodischen Ausbildungsprogramm würden Nutzen ziehen müssen, das entwickelt wurde, um sie mit dem Wissen und der geistigen Einsicht, den Fähigkeiten und Fertigkeiten auszustatten, die notwendig sind, um die Dienste leisten zu können, die großflächige Ausbreitung und Festigung aufrechterhalten.
3 Wenn wir heute die Arbeitweise jener Cluster beobachten, deren Wachstum stabil ist, bemerken wir, dass die Freunde in jedem einzelnen den Institutsprozess weiter stärkten, während sie lernten, einen wachsenden Kern aktiver Unterstützer des Glaubens zu mobilisieren, ein für die Koordination ihrer Bemühungen taugliches System zu errichten, ihre Einzelinitiativen und gemeinsamen Anstrengungen zu einem erfolgreichen Modell geeinten Handelns zu verflechten und die Analyse sachdienlicher Informationen heranzuziehen, um ihre aufeinander folgenden Aktivitäten zu planen. Sie haben offensichtlich die Mittel gefunden, Ausbreitung und Festigung – den Schlüssel nachhaltigen Wachstums – Hand in Hand fortzuführen. Diese klare Sachlage wird sicherlich jeden ergebenen Gläubigen ermutigen, weiter entschlossen auf dem vorgegebenen Weg systematischen Lernens zu bleiben.
4 Die Ergebnisse dieser Jahre gewaltiger Anstrengungen zeigen sich nicht nur in jenen Clustern, in denen die Aufgabe umfangreicher Ausbreitung und Festigung auf diese Weise wiederbelebt wird. Der Ansatz, der während des Vierjahresplans, dem der Zwölfmonateplan und der erste Fünfjahresplan folgten, gewählt worden war, erwies sich als hilfreich, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass die Gläubigen ihre Bemühungen auf einen großen Kreis von Menschen ausdehnen und sie in verschiedene Bereiche des Gemeindelebens einbeziehen konnten. Die Vorteile des jahrzehntelang fortschreitenden Aufbaus von Kompetenzen in den drei Teilbereichen des weltweiten Plans sind nun deutlich sichtbar. Überall musste erst Verständnis für die Dynamik der Entwicklung menschlicher Ressourcen gewonnen werden. Überall mussten die Freunde die Voraussetzungen für beständiges Wachstum erlernen:
systematisches Handeln zu fördern und Ablenkungen zu meiden, bestimmte wesentliche Teile gemeinsamer Entscheidungsfindung an die Basis zu verweisen und Gemeinden
mit Sendungsbewusstsein hervorzubringen, zu allgemeiner Teilnahme zu ermutigen und unterschiedliche Glieder der Gesellschaft in ihre Aktivitäten einzubinden, besonders die Kinder und Jugendlichen, die künftigen Verfechter der Sache Gottes und Gestalter Seiner Kultur.
5 Angesichts eines so sicher begründeten Fundaments sollte Sinnen und Trachten jedes einzelnen Gläubigen vor allem auf das Lehren gerichtet sein. Ob sie in ihren persönlichen Bemühungen ihre Freunde in Heimkreisen lehren und sie dann an den Kernaktivitäten teilhaben lassen, oder diese Aktivitäten als Hauptwerkzeug für das Lehren nutzen, ob sie als Gemeinde ihre Arbeit mit Kindern und der Juniorjugend als ersten Anstoß im Cluster wählen oder sich erst auf die älteren Generationen konzentrieren, ob sie sich gemeinsam bemühen, während intensiver Lehrkampagnen Familien in Teams zu besuchen, oder bei Suchenden in regelmäßigen Abständen zu Hause vorbeischauen – das sind Entscheidungen, die nur je nach den Umständen und Möglichkeiten der Freunde und der Art der Bevölkerung, mit der sie es zu tun haben, zu treffen sind. Was jedoch alle unabhängig von den Umständen anerkennen müssen, ist zum einen die schreiende Not einer Menschheit, die, geistiger Nahrung beraubt, immer tiefer in Verzweiflung versinkt, und zum anderen die drängende Verantwortung für das Lehren, mit der wir, die wir der Gemeinde des Größten Namens angehören, betraut wurden.
6 Bahá’u’lláh hat Seinen Anhängern auferlegt, die Sache Gottes zu lehren. Schon widmen sich Abertausende tatkräftig den Vorgaben des Plans, damit sich ihnen Wege eröffnen, Seelen zum Meer Seiner Offenbarung zu führen. Erwartungsvoll sehen wir dem Tag entgegen, da das Lehren die beherrschende Leidenschaft im Leben jedes Gläubigen sein wird und da die Einheit in der Gemeinde so fest begründet ist, dass sich diese entflammte Leidenschaft in unermüdlichem Einsatz auf dem Feld des Dienstes zeigen kann. Das ist denn unsere innige Hoffnung für Sie und das ist Gegenstand unserer inständigen Gebete an der Heiligen
Schwelle.
Ridván 2006 ist ein Moment, der erfüllt ist von einem Geist des Triumphes und der Erwartung. Die Anhänger Bahá’u’lláhs können überall zu Recht stolz sein auf das Ausmaß ihrer Errungenschaften während des Fünfjahresplans, der sich jetzt seinem Ende zuneigt. Und sie können mit einer Zuversicht in die Zukunft blicken, die nur denjenigen zuteil wird, deren Entschlossenheit durch Erfahrung gestählt wurde. Die gesamte Bahá’í-Welt ist bewegt, wenn sie das Ausmaß der bevorstehenden Fünfjahres-Unternehmung, die Tiefe der Hingabe, die sie erfordern wird, und die Ergebnisse, die zu erreichen sie bestimmt ist, betrachtet. Unsere Gebete vereinigen sich mit Ihren, während Sie sich Bahá’u’lláh zuwenden in Dankbarkeit für das Vorrecht, Zeuge der Entfaltung Seiner Absicht für die Menschheit zu sein.
In unserer Botschaft vom 27. Dezember 2005 an die im Heiligen Land versammelten Berater, die am selben Tag allen Nationalen Geistigen Räten übermittelt wurde,entwarfen wir die Grundzüge des Fünfjahresplans, der sich von 2006 bis 2011 erstrecken wird. Die Freunde und ihre Institutionen wurden eindringlich gebeten, die Botschaft sorgfältig zu studieren, und Sie sind mit ihrem Inhalt ohne Zweifel gut vertraut. Wir rufen nun jeden Einzelnen von Ihnen dazu auf, Ihre Kräfte darauf zu lenken dafür zu sorgen, dass das Ziel, in den nächsten fünf Jahren intensive Wachstumsprogramme in weltweit nicht weniger als 1.500 Regionalbereichen einzurichten, mit Erfolg erreicht wird. Dass in den Monaten nach der Abreise der Berater aus dem Weltzentrum das Fundament für den Start des Plans in einem Land nach dem anderen so schnell und systematisch gelegt wurde, ist ein Zeichen für den Eifer, mit dem die Bahá’í-Gemeinde
die Herausforderung annimmt, die sich ihr stellt. Während wir die Anforderungen des Plans an dieser Stelle nicht ausführlich zu behandeln brauchen, sehen wir uns genötigt, für Ihre Betrachtung einige Bemerkungen über den globalen Zusammenhang zu machen, vor dem Sie einzeln oder gemeinschaftlich Ihren Bemühungen nachgehen werden.
Vor mehr als siebzig Jahren verfasste Shoghi Effendi seine Briefe zur Weltordnung, in denen er eine eindringliche Analyse der Kräfte lieferte, die in dieser Welt wirken. Mit einer Redegewandtheit, die nur ihm zu eigen war, beschrieb er zwei große Prozesse, die durch Bahá’u’lláhs Offenbarung in Gang gesetzt wurden – der eine zerstörerisch, der andere integrativ – die beide die Menschheit in Richtung der von Ihm empfangenen Weltordnung vorantreiben. Der Hüter warnte uns davor, uns „weder durch die schmerzhafte Trägheit täuschen“ zu lassen, „mit der sich die Kultur, die zu begründen die Anhänger Bahá'u'lláhs sich mühen, entfaltet“, noch uns durch „die kurzlebigen Äußerungen wiedergekehrten Wohlstandes verleiten“ zu lassen, „die zuweilen in der
Lage scheinen, dem zerstörerischen Einfluss chronischer Übel auf die Institutionen eines niedergehenden Zeitalters Einhalt zu gebieten.“ Keine Rückschau auf den Verlauf der Ereignisse in den letzten Jahrzehnten kann versäumen, die zunehmende Schwungkraft der Prozesse anzuerkennen, die er so präzise analysiert hat.
Man braucht nur die sich ausweitende moralische Krise zu betrachten, von der die Menschheit verschlungen wird, um den Grad zu ermessen, bis zu dem die Kräfte der Zersetzung das gesellschaftliche Gefüge zerrissen haben. Haben sich denn nicht die Belege für Selbstsucht und Misstrauen, für Angst und Betrug, die der Hüter mit solcher Klarheit erkannt hat, so weit verbreitet, dass sie sogar für flüchtige Beobachter ohne weiteres augenscheinlich werden? Hat sich nicht die Bedrohung durch Terrorismus, von der er sprach, auf der internationalen Bühne so hoch aufgetürmt, dass sie die Gedanken von jung und alt überall auf der Welt gleichermaßen völlig in Anspruch nehmen? Haben nicht der unstillbare Durst nach und der fieberhafte Verfolg von weltlichen Eitelkeiten, Reichtümern und Vergnügungen ihre Kräfte und ihren Einfluss so gefestigt, dass sie sich die Gewalt über menschliche Werte wie Glück, Treue und Liebe angeeignet haben?
Haben nicht die Schwächung des Zusammenhalts in der Familie und die
verantwortungslose Haltung gegenüber der Ehe solche Ausmaße angenommen, dass
sie die Existenz dieser fundamentalen gesellschaftlichen Einheit gefährden? „Die
Verderbnis der menschlichen Natur, die Erniedrigung des menschlichen Verhaltens, die Entartung und Auflösung menschlicher Institutionen“, vor denen Shoghi Effendi warnte, offenbaren sich leider „in ihren schlimmsten, abstoßendsten Bildern“.
Der Hüter schreibt den größten Teil der Schuld am Verfall der menschlichen Moral
dem Niedergang der Religion als gesellschaftlicher Kraft zu. „Sollte die Lampe der Religion verdunkelt werden“, lenkt er unsere Aufmerksamkeit auf die Worte
Bahá’u’lláhs, „so werden Chaos und Wirrnis die Folge sein, und die Lichter der Ehrlichkeit, der Gerechtigkeit, der Ruhe und des Friedens werden zu scheinen aufhören.“ Die Jahrzehnte, die dem Schreiben dieser Briefe folgten, haben nicht nur die fortgesetzte Verschlechterung in der Fähigkeit der Religion erlebt, moralischen Einfluss zu üben, sondern auch den Betrug der Massen durch unziemliches Verhalten religiöser Institutionen. Versuche zu ihrer Wiederbelebung haben nur einen Fanatismus hervorgerufen, der, falls er ungehemmt bleibt, die Grundlage zivilisierter Beziehungen zwischen den Menschen zerstören könnte. Die sich seit kurzem wieder verstärkende Verfolgung der Bahá’í im Iran ist schon für sich genommen ein hinlänglicher Beweis für die Entschlossenheit der Kräfte der Finsternis, die Flamme des Glaubens zu ersticken,wo immer sie hell brennt. Wenngleich wir uns des letztendlichen Triumphes der Sache
sicher sind, dürfen wir uns nicht unterstehen, die Warnung des Hüters zu vergessen, dass der Glaube mit Feinden zu kämpfen haben wird, die stärker und heimtückischer sind als diejenigen, die ihn in der Vergangenheit heimgesucht haben.
Man braucht die Unfähigkeit der Staatskunst – ein weiteres Thema, das der Hüter in seinen Briefen zur Weltordnung so meisterhaft behandelt – nicht ausführlich zu kommentieren. Die größer werdende ökonomische Kluft zwischen arm und reich, die Fortdauer von uralten Feindseligkeiten zwischen Völkern, die steigende Zahl von Flüchtlingen, die außerordentliche Zunahme von organisierter Kriminalität und Gewalt, das überall vorhandene Gefühl der Unsicherheit, der Zusammenbruch der Grundversorgung in so vielen Regionen, die rücksichtslose Ausbeutung natürlicher Ressourcen – dies sind nur einige der Zeichen für die Unfähigkeit der Führer der Welt, lebensfähige Systeme zur Linderung der Krankheiten der Menschheit zu ersinnen. Das soll nicht heißen, dass keine aufrichtigen Anstrengungen unternommen worden seien,bzw. sich nicht sogar von Jahrzehnt zu Jahrzehnt vervielfacht hätten. Doch diese Anstrengungen, egal wie geistreich, haben es nicht geschafft, „die Grundursache des Übels zu beseitigen, das die heutige Gesellschaft so hart aus dem Gleichgewicht geworfen hat.“ „Nicht einmal das Ersinnen eines Ordnungsgefüges, wie es für die politische und wirtschaftliche Vereinigung der Menschheit erforderlich ist“, so erklärt der
Hüter, „ ... (könnte) aus sich selbst heraus das Heilmittel gegen das Gift bieten ...,welches ständig die Kraftreserven der entwickelten Völker und Natio-nen auszehrt.“ „Was sonst“, so bekräftigt er zuversichtlich, „als die vorbehaltlose Annahme des göttlichen Programms, das Bahá’u’lláh ... verkündet hat, das in seinen Wesenszügen Gottes Plan für die Vereinigung der Menschheit in diesem Zeitalter zum Ausdruck bringt, kann in Verbindung mit der unüberwindlichen Gewissheit der sicheren Wirkung aller seiner Vorkehrungen schließlich den Kräften innerer Auflösung widerstehen, die sich,wenn ihnen kein Einhalt geboten wird, immer tiefer in das Mark einer verzweifelten
Gesellschaft hineinfressen?“
Eindringlich ist in der Tat Shoghi Effendis Darstellung des Prozesses der Auflösung, der sich in der Welt beschleunigt. Ebenso treffend ist die Präzision, mit der er die Kräfte beschreibt, die mit dem Prozess der Integration einhergehen. Er spricht von einer „allmählichen Verbreitung des Geistes der Weltsolidarität ..., der spontan aus dem Wirrwarr einer ungeordneten Gesellschaft aufsteigt“ als mittelbarer Ausdruck von Bahá’u’lláhs Idee des Prinzips der Einheit der Menschheit. Dieser Geist der Solidarität
hat sich über die Jahrzehnte hinweg weiter verbreitet und seine Auswirkungen sind heute in einer Reihe von Entwicklungen sichtbar: von der Ablehnung tief verwurzelter rassischer Vorurteile bis zum heraufdämmernden Bewusstsein des Weltbürgertums, von erhöhtem Umweltbewusstsein bis zu gemeinschaftlichen Anstrengungen zur Förderung der öffentlichen Gesundheitspflege, von der Sorge um die Menschenrechte bis zu systematischen Bestrebungen im Hinblick auf allgemeine Bildung, von der Einführung interreligiöser Aktivitäten bis zum Aufblühen hunderttausender lokaler, nationaler und internationaler Organisationen, die sich in irgendeiner Form mit sozialen Aktivitäten beschäftigen.
Für die Anhänger Bahá’u’lláhs aber sind die bedeutsamsten Entwicklungen im Prozess der Integration diejenigen, die in direktem Zusammenhang mit dem Glauben stehen, von denen viele vom Hüter selbst genährt wurden und die seit ihren be-scheidenen Anfängen enorm vorangeschritten sind. Aus dem kleinen Grundstock von Gläubigen, denen er seine ersten Lehrpläne kundtat, ist eine weltweite Gemeinde mit Ablegern an tausenden von Orten gewachsen, die alle einem bewährten Aktionsplan folgen, der die Prinzipien und Bestrebungen des Glaubens verkörpert. Auf der Grundlage der Gemeindeordnung, die er während der ersten Jahrzehnte seiner Amtszeit so sorgfältig niedergelegt hat, wurde ein großes, eng geknüpftes Netzwerk Nationaler und örtlicher Geistiger Räte errichtet, die die Angelegenheiten der Sache in mehr als einhundertachtzig Ländern gewissenhaft verwalten. Aus den ersten Kontingenten von Hilfsamtsmitgliedern für den Schutz und die Verbreitung des Glaubens, die er ins Leben rief, hat sich eine Legion von fast eintausend treuen Arbeitern erhoben, die im Felde unter der Anleitung von einundachtzig Beratern dienen, die vom Internationalen Lehrzentrum mit Geschick geführt werden. Die Entfaltung des administrativen Weltzentrums des Glaubens innerhalb des Bereichs seines geistigen Weltzentrums – ein Prozess, dem der Hüter so viel Energie gewidmet hat – hat mit dem Einzug des Universalen Hauses der Gerechtigkeit in seinen Sitz auf dem Berg Karmel und der
nachfolgenden Fertigstellung der Gebäude des Internationalen Lehrzentrums und des Zentrums für das Studium der Schrift eine entscheidende Schwelle überschritten. Die ständige Weiterentwicklung der Institution der Huqúqu’lláh unter der Leitung der Hand der Sache Gottes Dr. ‘Alí-Muhammad Varqá, dem von Shoghi Effendi vor fünfzig Jahren ernannten Treuhänder, hat 2005 ihren Höhepunkt gefunden in der Einrichtung eines internationalen Verwaltungsrates, der dazu bestimmt ist, die stetige, weit verbreitete Anwendung dieses mächtigen Gesetzes, dieser Quelle unschätzbarer Segnungen für die ganze Menschheit, zu fördern. Die Bemühungen des Hüters, die Konturen des Glaubens in internationalen Kreisen zu schärfen, haben sich zu einem umfassenden Gefüge für Außenbeziehungen entwickelt, das sowohl in der Lage ist, die Interessen des Glaubens zu verteidigen, als auch seine universelle Botschaft zu verkünden. Der
Respekt, den der Glaube in internationalen Foren genießt, wann immer seine
Repräsentanten sprechen, ist eine besonders bemerkenswerte Errungenschaft. Die
Treue und Ergebenheit, welche die Mitglieder einer Gemeinde, die die Vielfalt des gesamten Menschengeschlechts widerspiegelt, dem Bund Bahá’u’lláhs bezeigen, bilden eine Schatzkammer an Stärke, wie sie keine andere organisierte Gemeinschaft für sich beanspruchen kann.
Der Hüter hat vorausgesehen, dass das Universale Haus der Gerechtigkeit in aufeinander folgenden Epochen des Gestaltenden Zeitalters eine Serie von weltweiten Unternehmungen starten würde, die „die Einheit der Nationalen Geistigen Räte symbolisieren und ihre Tätigkeiten aufeinander abstimmen und vereinheitlichen“ würden. Im Verlaufe von bisher drei aufeinander folgenden Epochen hat die Bahá’í-Gemeinde innerhalb des Rahmenwerks der vom Haus der Gerechtigkeit herausgegebenen globalen Pläne beharrlich gearbeitet und erfolgreich ein Muster des Bahá’í-Lebens etabliert, das die geistige Entwicklung des Einzelnen fördert und die vereinten Kräfte seiner Mitglieder in Richtung auf eine geistige Wiederbelebung der Gesellschaft kanalisiert. Sie hat die Fähigkeit erworben, eine große Anzahl empfänglicher Seelen mit der Botschaft anzusprechen, sie zu festigen und ihr Verständnis für die wesentlichen Inhalte des von ihnen angenommenen Glaubens zu vertiefen. Sie hat gelernt, das von ihrem Stifter formulierte Prinzip der Beratung in ein wirkungsvolles Werkzeug für
gemeinschaftliche Entscheidungsfindung zu übersetzen und seine Mitglieder in seinem Gebrauch auszubilden. Sie hat Programme für die geistige und moralische Erziehung ihrer jüngeren Mitglieder ersonnen und sie nicht nur den eigenen Kindern und Junioren,sondern auch der Allgemeinheit angeboten. Mit Hilfe des ihr zur Verfügung stehenden Fundus an Talenten hat sie eine reiche Sammlung an Literatur geschaffen, die Bände in einer großen Anzahl von Sprachen umfasst, die sowohl ihre eigenen Bedürfnisse als auch die Interessen der Allgemeinheit abdecken. Sie hat sich zunehmend an den Angelegenheiten der Gesellschaft beteiligt und sehr viele Projekte im Bereich der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung durchgeführt. Insbesondere seit Beginn der fünften Epoche im Jahre 2001 hat sie bedeutende Schritte zur Vervielfältigung ihrer menschlichen Ressourcen durch ein Trainingsprogramm unternommen, das die Wurzeln der Gemeinde erreicht, und hat Methoden und Werkzeuge zur Einführung eines nachhaltigen Musters für Wachstum entdeckt.
Im Kontext des Zusammenspiels der hier beschriebenen Kräfte muss die zwingende Aufforderung gesehen werden, den Prozess des Beitritts in Scharen voranzubringen. Der jetzt beginnende Fünfjahresplan verlangt, dass Sie Ihre Kräfte auf diesen Prozess konzentrieren und sicherstellen, dass die zwei sich ergänzenden Bewegungen im Zentrum des Planes beschleunigt werden. Dies sollte Ihre vorherrschende Sorge sein. Während Ihre Bemühungen Früchte tragen und die Wachstumsdynamik einen neuen Grad an Komplexität erreicht, wird das Weltzentrum selbst in den kommenden fünf Jahren seine Anstrengungen auf Herausforderungen und Gelegenheiten in Bereichen wie Außenbeziehungen, soziale und wirtschaftliche Entwick-lung, Verwaltung und die Anwendung von Bahá’í-Gesetzen richten. Das Wachstum der Gemeinde hat es schon jetzt erforderlich gemacht, dass neue Vorkehrungen getroffen werden, um die Anzahl der Pilger ab Oktober 2007 auf vierhundert je Gruppe zu verdoppeln. Es gibt noch einige andere Projekte, die ebenfalls verfolgt werden müssen. Darunter sind der weitere Ausbau der Gärten, die den Schrein Bahá’u’lláhs, den Garten Ridván und Mazra’ih umgeben; die Restaurierung des Internationalen Archivgebäudes; Reparaturen an der
Struktur des Schreins des Báb, deren voller Umfang noch nicht geklärt ist; und – wie vom Hüter vorausgesehen – der Bau des Hauses der Andacht in Chile, des letzten der kontinentalen Mashriqu’l-Adhkárs. Während diese Bemühungen voranschreiten, werden wir Sie von Zeit zu Zeit um Hilfe bitten, sowohl in Form finanzieller Mittel als auch besonderer Fähigkeiten, immer eingedenk der Tatsache, dass die Ressourcen des Glaubens in größtmöglichem Maße in Richtung auf die Erfordernisse des Plans kanalisiert werden sollten.
Liebe Freunde: Es kann nicht darüber hinweggesehen werden, dass die Mächte des Zerfalls an Umfang und Kraft zunehmen. Es ist ebenso klar, dass die Gemeinde des Größten Namens durch die Hand der Vorsehung von Sieg zu Sieg geleitet wurde und jetzt wachsen und ihre Ressourcen vermehren muss. Der vom Fünfjahresplan
vorgezeichnete Weg ist ganz direkt. Wie können sich diejenigen von uns, die sich der Notlage der Menschheit und der Richtung, in die sich der Lauf der Geschichte entwickelt, bewusst sind, nicht mit ganzem Leistungsvermögen erheben und diesem Ziel widmen? Haben die Worte des Hüters, dass die „Bühne bereitet“ ist, für uns heute nicht den gleichen Wahrheitsgehalt wie während des ersten Siebenjahresplans, als er sie schrieb? Lassen Sie seine Worte in Ihren Ohren wiederhallen: „Es ist keine Zeit zu verlieren.“ „Es gibt keinen Raum für Unschlüssigkeit.“ „Eine solche Gelegenheit kehrt niemals wieder.“ „Sich beständig mühen heißt, den endgültigen und letztendlichen Sieg sichern.“ Seien Sie unserer fortwährenden Gebete an der Heiligen Schwelle für Ihre
Führung und Ihren Schutz versichert.
der Durchbruch auf verschiedenen Gebieten, der sich seit dem Beginn der fünften Epoche des Gestaltenden Zeitalters in der Bahá'í-Welt ereignet hat, bereitet uns unermessliche Freude. Die vergangenen zwölf Monate bilden darin keine Ausnahme. Die Bahá'í-Gemeinde ist weiterhin systematisch vorangeschritten und befindet sich nun zu Beginn des abschließenden Jahres des Fünfjahresplans in einer Position beachtlicher Stärke. Diese Stärke wurde dadurch erreicht, dass die Freunde sich überall energisch und überlegt bemühten, den Prozess des Beitritts in Scharen zu fördern.
Statistische Daten können zwar die volle Bedeutung der laufenden Entwicklungen nur un-zureichend wiedergeben, sie lassen aber die Größenordnung des Erreichten erkennen. Die menschlichen Ressourcen des Glaubens haben sich stetig vervielfacht. Insgesamt haben welt-weit mehr als 200.000 das Buch 1 des Ruhi-Instituts abgeschlossen. Viele Tausend haben ei-nen Ausbildungsstand erreicht, der sie befähigt, wirkungsvoll als Tutoren der Studienkreise tätig zu sein, die immer zahlreicher auf allen Erdteilen veranstaltet werden - bei der letzten Zählung waren es über 10.000. Die Anzahl der an den Kernaktivitäten aktiv beteiligten Sucher stieg beständig an und hat vor mehreren Monaten die 100.000-Marke erreicht.Inzwischen haben sich etwa 150 Regionalbereiche bis zu einem Punkt entwickelt, dass intensive Wachstumsprogramme bereits begonnen wurden oder unmittelbar vor ihrem Beginn stehen. Sämtliche Anzeichen deuten darauf hin, dass diese Zahl bis zum Ende des Plans beträchtlich übertroffen werden wird.
Während man diese Errungenschaften feiert,sollte man in gleichem Maße die Lernfortschritte anerkennen, durch welche sie erst ermöglicht wurden. Intensive Instituts-Kampagnen, welche den erforderlichen praktischen Übungen die angemessene Bedeutung beimessen, bilden weiterhin das Mittel, um das Wachstum auf der Regionalbereichsebene anzuregen. So-bald die notwendigen Vorrausetzungen auf diese Art geschaffen sind, werden in der Folge systematische Programme für die Ausbreitung und Festigung des Glaubens auf den Weg gebracht. Ein wertvoller Erfahrungsschatz über das Wesen der intensiven Wachstumspro-gramme nimmt ständig zu, und es gibt inzwischen ein solides Grundverständnis dafür, worauf es bei diesen Unternehmungen ankommt. Die Programme bestehen in der Regel aus einer Folge von mehrmonatigen Zyklen, die der Planung, Ausbreitung und Festigung ge-widmet sind. Die Entwicklung menschlicher Ressourcen wird ununterbrochen von einem Zyklus zum nächsten weitergeführt, so dass der Prozess der Ausbreitung nicht nur nachhaltig erfolgt, sondern auch in zunehmendem Maße an Schwungkraft gewinnt. Es besteht kein Zweifel darüber, dass noch viele weitere Kenntnisse gesammelt werden müssen; die bisherige Lernerfahrung ermöglicht allerdings jetzt schon, diese Vorgehensweise auf eine ständig wachsende Anzahl von Regionalbereichen weltweit zu übertragen.
Es ist sehr erfreulich, dass diese Siege sowohl quantitative als auch qualitative Dimensionen aufweisen. Der Kern dieser Errungenschaften liegt in der anhaltenden Vervollkommnung des geistigen Lebens von Bahá'í-Gemeinden überall. Diese neue geistige Lebenskraft erklärt die zunehmende Beteiligung von Menschen vielfältiger Herkunft an Andachtsversammlun-gen, Kinderklassen und Studienkreisen, was in vielen Fällen dazu geführt hat, dass sie Ba-há'u'lláh als Gottes Manifestation für diesen Tag anerkannt und ihren Glauben erklärt haben.
Auch am Weltzentrum gibt es neue Entwicklungen. Wir haben entschieden, dass der Zeitpunkt gekommen ist, ein Internationales Treuhänderamt für Huqúqu'lláh ins Leben zu rufen, um die Arbeit der Regionalen und Nationalen Treuhänderämter für Huqúqu'lláh weltweit zu leiten und zu betreuen. Es wird eng mit dem Haupttreuhänder, der Hand der Sache Gottes Dr. 'Alí-Muhammad Varqá, zusammenarbeiten und wird dadurch bei der Durchfüh-rung seiner Amtsgeschäfte von dessen Wissen und Rat profitieren können. Die drei in das Internationale Treuhänderamt ernannten Mitglieder sind Sally Foo, Ramin Khadem und Grant Kvalheim. Die Dauer ihrer Amtszeit wird zu einem späteren Zeitpunkt bestimmt. Die Mitglieder werden ihren Wohnsitz nicht ins Heilige Land verlegen; sie werden indessen die Dienste des Büros für Huqúqu'lláh am Weltzentrum für die Durchführung ihrer Aufgabenfelder nutzen.
Auf allen Ebenen und in jeder Beziehung erreicht die Sache erkennbare Fortschritte - von Gewinnen bei der Ausbreitung und Festigung an der Basis bis zu institutionellen Entwicklungen in internationalem Rahmen. Solche ermutigenden Zeichen wachsender Solidarität der Gemeinde erscheinen zu einer Zeit, da die Zeichen des Niedergangs der Gesellschaft leider nur allzu offenkundig sind. Es ist nicht nötig, an dieser Stelle die Kennzeichen des Zusammenbruchs zu erwähnen, in deren Fallstricken eine demoralisierte Welt gefangen gehalten wird. Dennoch sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass es genau diese Um-stände sind, die die Aufnahmefähigkeit für die Lehren steigern und neue Möglichkeiten für deren Verbreitung schaffen.
In unserer Botschaft vom 26. November 1999 erwähnten wir eine Reihe weltumspannender Unternehmungen, dazu bestimmt, die Bahá'í-Gemeinde durch die letzten Jahre des ersten Jahrhunderts des Gestaltenden Zeitalters des Glaubens zu begleiten. Wir wiesen darauf hin, dass jeder Plan sich auf das zentrale Ziel der Förderung des Prozesses des Beitritts in Scha-ren konzentrieren würde. Der gegenwärtige Fünfjahresplan als der erste in der Reihe wird in zwölf kurzen Monaten abgeschlossen sein, und dann werden wir die Anhänger Bahá'u'lláhs aufrufen, einen weiteren Plan zu beginnen, der wiederum fünf Jahre dauern wird. Wir möchten die Freunde in der Zwischenzeit bitten, ihre ganze Kraft darauf zu verwenden, um das vom Internationalen Lehrzentrum so kraftvoll geförderte systematische Lernen in entschlossenes Handeln umzusetzen. Kein Bahá'í sollte die unschätzbare Gelegenheit vorbeiziehen lassen, die die verbleibenden Tage des Plans bieten, um auf diese Weise die Grundlage für die Eröffnung einer sogar noch anspruchsvolleren Unternehmung zu Ridván nächsten Jahres zu verstärken. Unsere inbrünstigen Gebete an den Heiligen Schreinen werden Sie begleiten.
drei Jahre des Fünfjahresplanes sind vergangen. Die im Vierjahresplan in Gang gesetzten Prozesse, die im Zwölfmonatsplan durch die besondere Beachtung der Bahá'í-Erziehung von Kindern verstärkt und in den letzten Jahren unermüdlich fortgesetzt wurden, erfüllen nun die großen Hoffnungen, mit denen sie begonnen wurden. Die drei am Plan beteiligten Ebenen Ð der Einzelne, die Gemeinde und die Institutionen Ð, von denen jede eine unverwechselbare Rolle spielt, verstärken in allen Teilen der Welt gegenseitig ihre Aktivitäten. Die Kernaktivitäten der Studienkreise, Kinderklassen und Andachtsversammlungen sind zu wesentlichen Aspekten und zu sich gegenseitig verstärkenden Errungenschaften geworden, die allen anderen Elementen des Bahá'í-Gemeindelebens größere Kraft und zunehmenden Erfolg verleihen. Personelle Ressourcen werden in steigendem Maße geschaffen,Ê und die örtlichen Geistigen Räte stellen sich den neuen Anforderungen dieser wachsenden Lebenskraft.
Die weltweit für die Bahá'í-Erziehung von Kindern gebildeten Kapazitäten sind außerordentlich beeindruckend. Erste Bemühungen um die geistige Bildung der Junioren zeitigen Erfolge. Der Aufstieg von Regionalbereichen von einem Aktivitätsstadium zum nächst höheren ist in vollem Gange, und in seinem Verlauf schließen sich dem Kern der bekennenden Gläubigen größere Kreise von Menschen an, die noch nicht Bahá'í sind, aber an den Kernaktivitäten des Planes mit Begeisterung teilnehmen. In einigen fortgeschrittenen Regionalbereichen zeigen sich bereits Strukturen für die Bewältigung des intensiven Wachstums. Indem sich Nationale Geistige RäteÊ mit den Belangen aller Regionalbereiche in ihren Ländern befassen, haben sie gelernt, wie wertvoll es ist, besondere Aufmerksamkeit auf vielversprechende Regionalbereiche mit hoher Priorität zu richten. Diese werden ermutigt und weiterentwickelt, bis die personellen Ressourcen, die sie mit Hilfe der Trainingsinstitute aufgebaut haben, es ihnen ermöglichen, zu Zentren raschen und nachhaltigen Wachstums zu werden.
Wie vorausgesehen, erweist sich das Trainingsinstitut als ein Wachstumsmotor. Bei der Einschätzung der Möglichkeiten und Bedürfnisse ihrer jeweiligen Gemeinden haben sich die meisten Nationalen Geistigen Räte dafür entschieden, das vom Ruhi-Institut ausgearbeitete Kursmaterial einzusetzen, da es ihrer Meinung nach den Erfordernissen des Planes am besten gerecht wird. Dies hat den zusätzlichen Vorteil, dass das gleiche Material in viele Sprachen übersetzt worden ist und dass wohin Bahá'í auch reisen, sie auf andere Freunde treffen, die denselben Weg gehen und mit denselben Büchern und Methoden vertraut sind.
Eine chaotische internationale Gesellschaft, hin- und hergerissen von widerstreitenden Vorstellungen und Interessen, ist zunehmend dem Terrorismus, der Gesetzlosigkeit und Korruption ausgesetzt und wird durch wirtschaftlichen Niedergang, durch Armut und Krankheit untergraben. In ihrer Mitte gewinnt die Bahá'í-Gemeinde zunehmend an Kontur, inspiriert von einer göttlich offenbarten Vision, auf solidem Grund bauend, und sie gewinnt an Kraft durch die Prozesse, die jetzt im Gange sind Ð unbeeindruckt von scheinbaren Rückschlägen. Vor einem Jahr, als unübersehbare Gefahren es erforderlich machten, die Internationale Tagung abzusagen, bot die Bahá'í-Welt ein Beispiel für ihre Fähigkeit, auf unerwartete Umstände zu reagieren. Die Wahl des Universalen Hauses der Gerechtigkeit wurde ordnungsgemäß durchgeführt, und der Plan ging ohne die geringste Beeinträchtigung voran. Gleichzeitig war es möglich, trotz des zerrütteten und chaotischen Lebens im Irak, den Kontakt zu den Bahá'í in diesem Land herzustellen und ihre Geistigen Räte wieder zu bilden. Nun geben wir mit großer Freude bekannt, dass an diesem Ridván der Nationale Geistige Rat der Bahá'í von Irak gewählt wird und somit, nach mehr als dreißig Jahren schwerster Unterdrückung, wieder errichtet wird, um seinen rechtmäßigen Platz in der internationalen Bahá'í-Gemeinde einzunehmen.
In dieser Phase erfordert der Göttliche Plan, dass wir in der eingeschlagenen Richtung vertrauensvoll und dynamisch voranschreiten, unbeeindruckt von Stürmen, die der Menschheit schwer zusetzen. Seien Sie versichert, dass die Gesegnete Schönheit Ihre Schritte führen wird und dass die Himmlischen Heerscharen jede Ihrer Bemühungen um den Fortschritt des Glauben bestätigen werden.
Das Universale Haus der Gerechtigkeit
Während der Fünfjahresplan in sein drittes Jahr eintritt, gewinnt er an Schwungkraft: Was im gerade zu Ende gegangenen Jahr erreicht wurde, übertrifft die Errungenschaften der zwölf Monate zuvor bei weitem. Diese Schwungkraft verdankt ihre Intensität ebenso sehr der zunehmenden Stimmigkeit der einzelnen Elemente des Plans wie auch der antreibenden Wirkung des Geistes der Unruhe, der den ganzen Planeten umfängt.
Die Umstände, die den Beginn dieses neuen administrativen Jahres begleiten, sind in ihrer Bedeutung zugleich kritisch, herausfordernd und außerordentlich. Das vergangene Jahr durchzog von Anfang bis Ende eine Reihe von Krisen, die schließlich im Ausbruch des Krieges im Nahen Osten gipfelten. Was aus all dem erwächst, ist für den Fortschritt der Gemeinde des Größten Namens nicht weniger bedeutsam wie für die Entwicklung einer zunehmend globalen Gesellschaft, die sich in den Wirren einer turbulenten Umbruchszeit befindet. Zeitpunkt, Ausmaß und Richtung dieses Umbruchs waren natürlich nicht vorhersehbar. Wie rasch hat sich doch der gegenwärtige Wandel in den Geschicken der Welt vollzogen! In dem sich daraus ergebenden Konflikt, in den so augenfällig jene Länder verwickelt sind, in denen die Frühgeschichte des Glaubens Gestalt annahm, sehen wir eine erneute Erinnerung an Bahá'u'lláhs Warnung, dass "die Welt [...] aus dem Gleichgewicht geraten [ist] durch die Schwungkraft dieser größten, dieser neuen Weltordnung". Dass die Ereignisse dieser Krise sich direkt in einem Gebiet abspielen, dem der Glaube ein so reiches Erbe verdankt, wie dem Irak, ist besonders beachtenswert.
Die Zerrissenheit, die hierdurch wie auch durch andere Zustände in der Welt hervorgerufen wurde, deutet zum einen darauf hin, dass ein neues Kapitel aufgeschlagen wird in der Geschichte der hochgeschätzten aber so schmerzlich unterdrückten Bahá'í-Gemeinde eines Landes, in dem sich die Manifestation Gottes für diesen Tag ein ganzes Jahrzehnt aufhielt. Zum anderen hat sie die Vorbereitungen auf die Neunte Internationale Tagung am Weltzentrum unseres Glaubens zunichte gemacht. Doch wie groß die Enttäuschung hierüber auch sein mag, es ist kein Anlass zur Bestürzung. Wenn der Größere Plan Gottes Seinen Geringeren Plan beeinträchtigt, dann wird zweifellos die Vorsehung zu gegebener Zeit einen Weg zu großartigen Möglichkeiten eröffnen, die Interessen Seiner glorreichen Sache voranzubringen.
Die Sorgen, Ängste und Verwirrungen, welche dieser jüngste Konflikt im Zuge der Entfaltung des Geringeren Friedens hervorgerufen hat, haben den Missmut und die Empörung angesichts der wiederkehrenden Krisen, die den Planeten aufrühren, noch verstärkt. Die Ängste zahlreicher Menschen weltweit entladen sich nun öffentlich in wütenden Demonstrationen, die zu überwältigend sind, um ignoriert zu werden. Die Themen ihres Protests und die hervorgerufenen Emotionen tragen oftmals noch zu dem Chaos und der Verwirrung bei, die sie durch solche öffentlichen Bekundungen zu überwinden hoffen. Für die Freunde Gottes gibt es eine unzweideutige Erklärung für alles was da geschieht; sie müssen sich nur die Vision und die Prinzipien vergegenwärtigen, die der Glaube aufweist, wenn sie den Herausforderungen des Umsichgreifens von Elend und Schrecknissen wirkungsvoll begegnen wollen. Sie sollten sich bemühen, die betreffenden Lehren noch gründlicher zu verstehen, indem sie die Briefe Shoghi Effendis studieren, die in der "Weltordnung Bahá'u'lláhs" veröffentlicht sind, insbesondere jene mit der Überschrift "Das Ziel: die neue Weltordnung", "Amerika und der Größte Friede" und "Die Entfaltung der Weltkultur".
Während die Welt ihren tumultartigen Kurs fortsetzt, hat der Fünfjahresplan ein Leistungsvermögen erreicht, das unsere Gemeinde befähigt, mit Riesenschritten auf ihr Hauptziel, nämlich den Prozess des Beitritts in Scharen voranzubringen, hin zu bewegen. Die Einzelheiten dieses so ermutigenden Standes der Angelegenheiten des Glaubens auf allen fünf Kontinenten sind bereits in unserem Brief vom 17. Januar dargelegt worden; wir laden Sie ein, ihn eingehender zu studieren. Nur einige Schlüsselelemente sollen hier herausgestellt werden: In 179 Ländern ist die Aufteilung in Regionalbereiche abgeschlossen; es gibt etwa 17.000 dieser Keimzellen der Ausbreitung. Beratungstreffen auf Regionalbereichsebene sind zu einem kraftvollen Mittel geworden, um über Institutionen und Ortschaften hinaus Einheit im Denken und Handeln herzustellen; in einem Geist gegenseitiger Unterstützung liefern sie wirkungsvolle Anregungen für Initiativen von Institutionen und Einzelnen. Noch deutlicher als zuvor hat der Institutsprozess seinen Einfluss als treibende Kraft für Ausbreitung und Festigung bewiesen. Die Kernaktivitäten des Planes haben ein Ausmaß erreicht, welches das Maß des vergangenen Jahres weit übersteigt. Als ein Ergebnis sind nun weltweit immer mehr Freunde aktiv am Lehren und an der Verwaltungsarbeit beteiligt und zeigen jenen ansteckenden Geist der Zuversicht, der den Enthusiasmus ihrer Bemühungen nährt. Jugendliche und Kinder werden systematischer in die Programme der Gemeinde eingebunden, und Nicht-Bahá'í nehmen zahlreicher an Studienkreisen, Andachtsversammlungen und Kinderklassen teil. Es ist in der Tat ermutigend zu sehen, wie sich in der kurzen Zeit seit Beginn des Planes diese drei Kernaktivitäten, die zuvor in vielen Gemeinden nur sporadisch stattfanden, vervielfacht haben und zu festen Bestandteilen des Gemeindelebens geworden sind. Dies ist also die Momentaufnahme einer Weltgemeinde, konzentriert und in Bewegung wie nie zuvor.
Während dieses Muster des Wachstums in der Ausführung des Planes fester verankert wurde, vollzogen sich im vergangenen Jahr noch andere wichtige Entwicklungen. Auf dem Feld der Außenbeziehungen waren die Einrichtungen der Internationalen Bahá'í-Gemeinde an Aktivitäten beteiligt, zu zahlreich und vielfältig, um es hier beschreiben zu können; dennoch waren die Auswirkungen insgesamt zu eindrucksvoll, um sie hier gänzlich unerwähnt zu lassen. Höhepunkt dieser Aktivitäten war die Botschaft, die wir im letzten April an die religiösen Führer der Welt gerichtet haben. Dies brachte einen neuen Impuls für das Vorgehen der Bahá'í- Gemeinde, um die Aufmerksamkeit der einflussreichsten Teile der Gesellschaft auf solche Themen zu lenken, die für die Sicherung des Friedens in der Welt von entscheidender Bedeutung sind. Durch die Koordination seitens des Büros für Öffentlichkeitsarbeit der Internationalen Bahá'í-Gemeinde und die unverzügliche Ausführung seitens der Nationalen Geistigen Räte wurde die Botschaft in kurzer Zeit an die höchsten Würdenträger und weiteren Ebenen religiöser Gemeinschaften weltweit verteilt. Der Zweck der Initiative besteht darin, die Aufmerksamkeit aller Betroffenen auf die dringende Notwendigkeit zu lenken, dass sich die Führung der Religionen mit dem Problem religiöser Vorurteile befasst, welches zu einer zunehmend größeren Gefahr für das menschliche Wohlergehen wird. Die unmittelbare Reaktion zahlreicher Empfänger deutet darauf hin, dass die Botschaft ernst genommen wird und sie an einigen Orten den interreligiösen Aktivitäten sogar neue Perspektiven verleiht.
Auf dem Gebiet sozialer und wirtschaftlicher Entwicklung wurde ein Tempo erreicht, welches den Ergebnissen institutioneller wie individueller Anstrengungen, ob auf die innere Entwicklung der Gemeinde oder auf die Zusammenarbeit der Gemeinde mit anderen gerichtet, immer tiefer seinen Stempel aufdrückt. Das Büro für soziale und wirtschaftliche Entwicklung berichtet, dass im zweiten Jahr des Planes acht neue Bahá'í- inspirierte Einrichtungen ins Leben gerufen wurden, die auf so unterschiedlichen Gebieten wie der Förderung der Frauen, Gesundheit, Landwirtschaft, Kindererziehung und Stärkung der Jugend tätig sind.
Im Heiligen Land wurde die englische Übersetzung des als Javáhiru'l-Asrár bekannten arabischen Sendschreibens Bahá'u'lláhs unter dem Titel "Gems of Divine Mysteries" veröffentlicht. Die Restaurierung der Zelle Bahá'u'lláhs im Gefängnis von 'Akká wurde abgeschlossen und die Arbeit an dem restlichen oberen Stockwerk im Bereich der Gefängniszelle begonnen. Von der kommenden Pilgersaison an, die im Oktober 2003 beginnt, wird die Zahl der Pilger in jeder Gruppe von 150 auf 200 erhöht.
Des Weiteren waren die Bemühungen um die Entfaltung der Institutionen am Weltzentrum besonders deutlich in der anhaltenden Entwicklung der Institution der Huqúqu'lláh unter der herausragenden Führung des Treuhänders, der Hand der Sache Gottes 'Alí-Muhammad Varqá, sichtbar. Durch sein weises Handeln und ständiges Bemühen hat Dr. Varqá die Unterweisung der Freunde allerorten hinsichtlich des Gesetzes der Huqúqu'lláh angeregt. In den zehn Jahren seitdem dieses Gesetz weltweite Anwendung gefunden hat, wurde ein Netzwerk nationaler und regionaler Treuhänderämter geschaffen, das den Dienst einer wachsenden Zahl von Treuhändern und Bevollmächtigten koordiniert und anleitet. Die Kenntnis dieses bedeutenden Gesetzes hat sich weithin verbreitet, und auf allen Kontinenten folgen ihm die Freunde mit einem Geist der Hingabe, der, wie der Treuhänder hofft, jene berühren wird, die noch nicht an den verheißenen Segnungen teilhaben, welche die Befolgung dieses Gesetzes mit sich bringt.
In den annähernd zwei Jahren seitdem wir bekannt gegeben haben, dass die angemessene Instandhaltung der Gebäude und Gärten am Weltzentrum besonderer finanzieller Unterstützung bedarf, wurde der Weltzentrum-Stiftungsfonds eingerichtet. Die Beiträge haben noch nicht die Höhe des jährlichen Bedarfs erreicht. Wir fühlten uns jedoch verpflichtet, fünf Millionen Dollar der eingegangenen Spenden als zweckgebundenen Fonds für den Grundstock eines Anlagevermögens vorzusehen, dessen Erträge dem ursprünglichen Zweck dienen sollen. Hierfür haben wir Mittel aus dem Internationalen Bahá’í-Fonds herangezogen, um zur Deckung der notwendigen Ausgaben beizutragen, wobei Aktivitäten auf anderen Gebieten, die andernfalls durchgeführt worden wären, aufgeschoben wurden.
Mit großer Freude geben wir bekannt, dass Architekten und Konstrukteure aus aller Welt dem Aufruf des Nationalen Geistigen Rates von Chile gefolgt sind und 185 Entwürfe für den Muttertempel Südamerikas, der in Santiago errichtet werden soll, eingereicht haben. Zu gegebener Zeit wird die Entscheidung bekannt gegeben.
Liebe Freunde: Erfreut über die weit und breit deutlich sichtbaren Anzeichen des Fortschritts vertrauen wir auf die fortdauernden Bestätigungen unseres Höchsten Herrn für Ihre ergebenen Bemühungen im Rahmen des Fünfjahresplanes – eines Planes, der den Erfordernissen dieser Zeit entsprechend angelegt ist. Möge Ihre Beharrlichkeit bei seiner Umsetzung jene noch gezügelten Kräfte freisetzen, die durch die Gnade und Gunst der Abhá-Schönheit in mächtigen Schüben den Prozess des Beitritts in Scharen in jedem Land voranbringen können.
der Ansturm der Ereignisse innerhalb wie außerhalb des Glaubens zu Beginn der Fünften Epoche des Gestaltenden Zeitalters bietet ein Ehrfurcht einflößendes Schauspiel. Innerhalb der Sache hinterließ die historische Bedeutung der Ereignisse im Mai vergangenen Jahres, mit denen die Vollendung der Gebäude auf dem Berg Karmel vollzogen wurde, einen tiefen Eindruck, wurde doch deren Wirkung durch Satellitenübertragungen und durch die bisher umfassendste Medienberichterstattung, die je einem Bahá'í-Ereignis zuteil wurde, unmittelbar auf der ganzen Erde verbreitet. Indem die jüngsten Zeugnisse der sichtbaren Entfaltung der Tafel vom Karmel in atemberaubendem Glanz vor den Augen der Welt enthüllt wurden, erstieg die Sache Bahá'u'lláhs in ihrem fortgesetzten Hervortreten aus der Verborgenheit neue Höhen. Ein unauslöschlicher Eindruck wurde so in den Annalen dieser Sendung hinterlassen.
Dieser sichtbare Beweis für die Lebenskraft, die unseren unaufhaltsamen Glauben beseelt, fand ihr Gegenstück in der Schubkraft der inneren Entwicklungen, die seit Beginn des Fünfjahresplanes zu Ridván des vergangenen Jahres am Werk sind. Wir laden daher die bei den Nationaltagungen versammelten Abgeordneten und alle anderen Anhänger Bahá'u'lláhs in der ganzen Welt von Herzen ein, gemeinsam mit uns über einige wenige besonders eindrucksvolle Höhepunkte in der Entfaltung des Planes während seines ersten Jahres nachzudenken - Höhepunkte, die zwangsläufig die Herzen erfreuen und Vertrauen einflößen in die unabsehbaren Möglichkeiten, welche die eingeschlagene Richtung des Planes in sich birgt.
In ihrem Eifer, den Erfordernissen des Planes Rechnung zu tragen, trafen sich vor und kurz nach Ridván die Nationalen Geistigen Räte mit den Kontinentalen Beratern zu einer Reihe von Planungssitzungen. Diese Sitzungen bestimmten das Tempo für einen energischen Start des Planes, gekennzeichnet durchÊ Schritte zur Entfaltung eines neuen Merkmals im Prozess des Beitritts in Scharen. In jeder nationalen Gemeinde begannen die Bahá'í-Institutionen damit, sich der Aufgabe einer systematischen geographischen Aufteilung ihres Landes anzunehmen mit dem Ziel, es in Regionalbereiche einzuteilen, wobei Größe und Zusammensetzung jedes Regionalbereichs die Durchführung von Aktivitäten zum Zwecke des Wachstums und der Entwicklung zulassen. Eine solche Aufteilung, wie sie bereits aus etwa 150 Ländern berichtet wird, ermöglicht es, ein gut durchdachtes Schema der Ausbreitung und Festigung in die Tat umzusetzen. Dies schafft auch eine Perspektive oder Vision systematischen Wachstums, die von Regionalbereich zu Regionalbereich über das ganze Land hin aufrechterhalten werden kann. Gemäß dieser Perspektive werden noch unerschlossene Regionalbereiche, so wie die unerschlossenen Gebiete früherer Kampagnen, zu Zielen für Inlandspioniere, während sich bereits erschlossene Regionalbereiche auf ihre interne Entwicklung konzentrieren, die durch die drei sich gegenseitig stärkendenÊ Beteiligten des Planes in Gang gesetzt wird: den Einzelnen, die Institutionen und die Gemeinde.
Es ist äußerst ermutigend zu beobachten, dass der Fortschritt dieser Arbeit durch den Institutsprozess, der im vergangenen Jahr in vielen Ländern durch Kampagnen zur Erhöhung der Anzahl ausgebildeter Tutoren beträchtlich gestärkt wurde, mit Tatkraft erfüllt wird. Wo ein Trainingsinstitut gut etabliert und durchgängig tätig ist, haben sich die drei Kernaktivitäten - Studienkreise, Andachtsversammlungen und Kinderklassen - relativ mühelos vervielfacht. Tatsächlich ist diesen Aktivitäten dadurch eine neue Dimension verliehen worden, dass sie auf Einladung von Bahá'í verstärkt von Interessenten besucht wurden, was im Ergebnis zu neuen Erklärungen geführt hat. Hier zeigt sich zweifellos eine vielversprechende Richtung für die Lehrarbeit. Diese Kernaktivitäten, die zu Beginn hauptsächlich zum Nutzen der Gläubigen selbst entwickelt wurden, werden auf natürliche Weise zu Pforten für den Beitritt in Scharen. Indem Studienkreise, Andachtsversammlungen und Kinderklassen in Regionalbereichen miteinander kombiniert wurden, ist ein Modell aufeinander abgestimmter Tätigkeitsstränge geschaffen worden, das bereits willkommene Ergebnisse zeitigt. Eine weltweite Anwendung dieses Modells, dessen sind wir sicher, birgt in sich unermessliche Möglichkeiten für den Fortschritt der Sache in den kommenden Jahren.
Diese mitreißenden Aussichten wurden zu erheblichem Teil durch die gewaltige Energie ermöglicht, die das Internationale Lehrzentrum darauf verwandte, in der Weltgemeinde das Verständnis für systematisches Wachstum zu stärken. Das Lehrzentrum machte sich die kürzlich begonnene neue Amtszeit der Hilfsamtsmitglieder zunutze, indem es zu sechzehn regionalen Orientierungskonferenzen aufrief, die in den letzten Monaten des Jahres abgehalten wurden. Zu jeder Konferenz entsandte es jeweils zwei seiner Mitglieder. Diese Konferenzen, an denen bis auf ganz wenige alle Hilfsamtsmitglieder der Welt teilnahmen, konzentrierten sich auf das Thema "Trainings-Institute und systematisches Wachstum" und vermittelten den Teilnehmern eine Fülle von Informationen, die durch ihre unermüdliche Arbeit das gesamte Gefüge der Gemeinde durchdringen werden.
Eine so reich ausgestattete, so erfahrene und auf einen göttlich inspirierten Plan zum Handeln ausgerichtete Gemeinde schaut nach außen auf eine Welt, deren Bewohner seit den Ereignissen im Heiligen Land im Mai 2001 noch tiefer in einen Sumpf vielfacher Verirrungen gesunken sind. Und dennoch, gerade unter diesen anscheinend unwirtlichen Bedingungen ist die Sache dazu ausersehen voranzuschreiten und zu gedeihen. The Summons of the Lord of Hosts1 , der kürzlich veröffentlichte Band mit der englischen Übersetzung des vollständigen Textes der Sendschreiben Bahá'u'lláhs an die Könige und Herrscher der Welt, kommt als eine passende Erinnerung an die tragischen Folgen der Missachtung Seiner Warnungen vor Ungerechtigkeit, Tyrannei und Korruption. Die gewaltsamen Erschütterungen, die das Bewusstsein der Menschen überall belasten, unterstreichen die Dringlichkeit des Heilmittels, das Er verschrieben hat. Wir, die verstreuten Scharen Seiner treuen Diener, sind somit erneut an einem Zeitpunkt unwiderstehlicher Gelegenheiten angekommen - Gelegenheiten, Seine Sache zu lehren, Sein wundersames System zu errichten und in aufopferungsvoller Weise die dringend benötigten materiellen Mittel bereitzustellen, von denen der Fortschritt und die Ausführung geistiger Tätigkeiten zwangsläufig abhängig sind.
Unsere unausweichliche Aufgabe besteht darin, die gegenwärtige Verwirrung ohne Angst und Zögern zu nutzen, um die verwandelnde Kraft der einen Botschaft zu verbreiten und zu demonstrieren, die alleine den Frieden der Welt sichern kann. Hat uns die Gesegnete Schönheit nicht mit machtvollen Worten befähigt und ermutigt? "Lasst nicht die Geschehnisse der Welt euch betrüben," rät Er uns auf liebevolle Weise. "Ich schwöre bei Gott," fährt Er fort, "Das Meer der Freude sehnt sich danach, in eure Gegenwart zu gelangen, denn alles Gute wurde für euch erschaffen und wird euch den Notwendigkeiten der Zeiten entsprechend offenbart werden."
Daher eilt, unbeeinträchtigt von jedweden Zweifeln und ungehindert von jeglichen Hindernissen, voran -Ê mit dem Plan in der Hand.
Freudigen Herzens und mit großen Erwartungen nähern wir uns den Ridván-Tagen zu einer Zeitwende, da eine neue Geisteshaltung bei uns allen erkennbar ist. Überall in unserer Weltgemeinde gibt es ein verstärktes Bewusstsein für die Bedeutung von Prozessen, die Notwendigkeit der Planung und die Bedeutung systematischen Handelns bei der Förderung des Wachstums und der Entwicklung menschlichen Potentials; durch sie wird die Verbreitung des Glaubens fortgesetzt und die Festigung sichergestellt. Ein klares Verständnis dieser Voraussetzungen für den Fortschritt kann nicht überbewertet werden; genauso wenig kann überschätzt werden, wie wichtig es ist, sie durch ein gut durchdachtes Training aufrechtzuerhalten. Es ist daher von größter Bedeutung für uns, dass unsere Gemeinde jetzt ein solches Bewusstseinsstadium erreicht hat. Wir sind der Gesegneten Schönheit zutiefst dankbar, dass wir dies erkennen und ganz zu Beginn des weltweiten Unternehmens, das an diesen Festtagen in Gang gesetzt wird, freudig begrüßen können.
Die durch dieses Bewusstsein erzeugte Willenskraft kennzeichnete auch die Konferenz der Kontinenta- len Berater und der Mitglieder ihrer Hilfsämter, die sich im Januar dieses Jahres im Heiligen Land versammelt hatten. Dieses Ereignis war so aufschlussreich, dass es den Eintritt der Sache Gottes in eine neue Epoche, die fünfte ihres Gestaltenden Zeitalters, ankündigte. Bei dieser historischen Versammlung kam eine so frische Lebenskraft zum Vorschein, dass sie als ein Zeichen verbesserter Qualität der Aktivitäten in der gesamten Gemeinde erkannt wurde. Das Streben der Freunde im vergangenen Jahr, die wesentlichen Vorbedingungen für den Fortschritt des Prozesses des Beitritts in Scharen zu schaffen, bestätigt diese Beobachtung. Auf diese Wei- se wurde der Weg für den Fünfjahresplan geebnet, das erste Unternehmen in der Fünften Epoche.
Nachdem im vorausgegangenen Vierjahresplan mehr als 300 Trainings-Institute entstanden waren, verstärkte noch der Zwölfmonateplan diese beachtlichen Bemühungen und erfüllte so seinen Zweck. Darüber hinaus erlangte er dadurch Bedeutung, dass Institutionen und Einzelne äußerst positiv auf den Ruf antworte- ten, der geistigen Erziehung der Kinder und der Einbindung der Junioren in das Gemeindeleben größere Beach- tung zu schenken. Die Ausbildung von Kinderklassenlehrern und die Einbeziehung der Junioren in den Insti- tutsprozess sind in einer Reihe von Ländern zu einem regelmäßigen Bestandteil von Bahá’í-Aktivitäten gewor- den. Trotz seiner Kürze gewann der Zwölfmonateplan auch über die ihm ausdrücklich zugewiesenen Ziele hinaus an Bedeutung. Der Plan wurde zu einem dynamischen Bindeglied zwischen einer höchst ereignisreichen Epoche der Bahá’í-Geschichte und den besonders vielversprechenden Aussichten einer neuen Epoche, für die seine Errungenschaften die Gemeinde so gut vorbereitet haben. Er hat sich unseren Annalen auch durch die dauerhaften Auswirkungen der Aktivitäten des Glaubens am Ende des 20. Jahrhunderts eingeprägt. Über die- ses Jahrhundert sollte jeder Bahá’í nachdenken, der sich bemüht, die turbulenten Kräfte, die das Leben des Planeten beeinflussen, und die in der Sache selbst ablaufenden Prozesse in einer kritischen Phase der sozialen und geistigen Evolution der Menschheit zu verstehen. Als Hilfsmittel für diese verdienstvolle Bestrebung wur- de Century of Light (Jahrhundert des Lichts) - ein Überblick über das 20. Jahrhundert - auf unsere Veranlas- sung hin und unter unserer Aufsicht verfasst.
Während dieser einjährigen Unternehmung rückten die diplomatischen Aktivitäten des Bahá’í- Glaubens bei mehreren Gelegenheiten besonders in den Vordergrund. Beachten Sie z.B., wie sich Bahá’í- Vertreter an hervorragender Stelle im Mai, August und September an den Millenniums-Veranstaltungen betei- ligten, die auf Drängen des Generalsekretärs der Vereinten Nationen durchgeführt wurden. Die Auswirkungen einer so starken, deutlich sichtbaren Beteiligung der Internationalen Bahá’í-Gemeinde an den Prozessen des Geringeren Friedens wird man erst im Laufe der Zeit richtig verstehen. Ein weiterer Höhepunkt war das konti- nentale Kolloquium, das in Indien vom „Institut für Studien zum Globalen Wohlstand“ organisiert wurde, einer unter der Schirmherrschaft der Internationalen Bahá’í-Gemeinde tätigen neuen Einrichtung. An der Kon- ferenz zum Thema „Wissenschaft, Religion und Entwicklung“ nahmen führende Nicht-Regierungs-Organisa- tionen aus Indien wie auch so angesehene Institutionen wie die UNESCO, UNICEF, WHO und die Weltbank teil. Im Oktober wurde der Bahá’í World News Service (BWNS) (Bahá’í-Weltnachrichtendienst) ins Internet gestellt, womit das Bahá’í- und das Nicht-Bahá’í-Publikum mit Nachrichten und Berichten über Entwicklun- gen in der ganzen Bahá’í-Welt versorgt werden soll.
Über die intensive Tätigkeit am Bahá’í-Weltzentrum während des letzten Jahres wurden die Freunde schon weitgehend durch frühere Berichte informiert, die sich unter anderem auf solche Errungenschaften beziehen, wie den Einzug des Internationalen Lehrzentrums in seinen ständigen Sitz am Berge Karmel, die Konferenz der Kontinentalen Berater und der Mitglieder ihrer Hilfsämter im Heiligen Land im Januar dieses Jahres und die Fertigstellung der Projekte am Berge Karmel, die jetzt im Rahmen der Vorbereitungen auf die Einweihungsfeiern im Mai den letzten Schliff erhalten. Im Oktober vorigen Jahres wurden zum ersten Mal Pilger und Besucher im neuen, jetzt voll funktionsfähigen Empfangszentrum in Haifa begrüßt. In Bahji wird die Verschönerung der heiligen Stätten durch die Entwicklung der Gartenanlagen beständig weitergeführt. Diese Bemühungen erhielten jetzt neuen Auftrieb; denn im vergangenen Jahr begann man mit dem neuen Projekt, im nördlichen Teil des Geländes, jenseits des Collins-Tores, ein Besucherzentrum zu erbauen. Die Fertigstellung ist für die nächsten Monate vorgesehen, der Rohbau ist fertiggestellt und die Arbeiten gehen in allen Bereichen des Innenausbaus und der Gartengestaltung weiter. Die neue Einrichtung wird die Möglichkeiten des Weltzentrums verbessern, eine zunehmende Zahl von Pilgern, kurzfristigen Bahá’í- Besuchern und besonderen Gästen zu empfangen.
Zum Abschluss dieser Jahresübersicht freuen wir uns, Ihnen mitteilen zu können, dass der Nationale Geistige Rat der Bahá’í von Indonesien nach einer Unterbrechung von fast drei Jahrzehnten am letzten Ridván bei der Nationaltagung in Jakarta wieder gebildet wurde. Ein im August 1962 ausgesprochenes Verbot für alle Bahá’í-Aktivitäten hatte die Tätigkeit der indonesischen Bahá’í während dieser Zeit stark eingeschränkt, aber sie blieben standhaft und verhielten sich in dieser langen Leidenszeit weise, bis veränderte Umstände in diesem Land zur Aufhebung des Verbotes führten. Können wir da nicht zu hoffen wagen, dass ein ähnlich erfreulicher Bericht über unsere heimgesuchten Glaubensbrüder in Iran, Ägypten und anderen Ländern nicht mehr zu lan- ge auf sich warten lässt?
Liebe Freunde, in zwei Jahrzehnten wird die Bahá’í-Welt den hundertsten Jahrestag des Beginns des Gestaltenden Zeitalters feiern. Heute schauen wir auf den Anbruch jenes Zeitalters aus dem Blickwinkel von Errungenschaften, die zu Beginn kaum vorstellbar waren. Vor uns öffnen sich Horizonte, die die Gemeinde in der kurzen Zeit, die uns von der Jahrhundertfeier trennt, dringend zu noch größeren Leistungen aufrufen. Diese Höhen können und müssen erreicht werden. Wir rufen die Freunde in der ganzen Welt auf, dem Fünfjahresplan ihre ungeteilte und nachhaltige Aufmerksamkeit zu schenken, ist er doch dazu bestimmt, dieser Herausforde- rung gerecht zu werden. Er bildet die erste einer Reihe von Kampagnen, die in diesen zwanzig Jahren durchge- führt werden sollen. Dieser Plan ist die nächste Phase und hat zum Ziel, einen beachtlichen Fortschritt bei dem Prozess des Beitritts in Scharen zu erreichen. Er erfordert eine Beschleunigung dieses lebenswichtigen Prozesses und legt darüber hinaus den Nachdruck darauf, dass seitens der drei Beteiligten, des Einzelnen, der Institutionen und der Gemeinde, das systematische Bemühen kontinuierlich erfolgt.
Es ist nicht nötig, ausführlich auf die Erfordernisse des Planes einzugehen, denn sie wurden in der Botschaft an die im Heiligen Land versammelten Berater dargelegt und anschließend allen Nationalen Geisti- gen Räten mitgeteilt. Schon bald nach ihrer Konferenz begannen die Berater, mit den Nationalen Räten über die Ausführung des Planes in ihren Amtsbereichen zu beraten. Die Richtung des Planes ist daher den Freun- den überall bekannt, zumal regionale und örtliche Vorbereitungen zur Verfolgung seines Hauptziels bereits im Gang sind. Es hat sich inzwischen ein allgemeines Bewusstsein gebildet, dass man sich darum bemühen muss, dass der Glaube in den einzelnen Ländern in zunehmend mehr Regionen immer tiefer vordringt. So wird man zum Beispiel, wo es die Umstände erlauben, benachbarte Gemeinden dazu aufrufen, sich an intensiven Wachs- tumsprogrammen zu beteiligen. Ein anderes Vorgehen erfordert die planmäßige Eröffnung neuer Gebiete, für die Inlandspioniere sich mit der gleichen Hingabe erheben müssen, die jene beseelte, die sich in früheren Zeiten weit und breit verstreuten, um unerschlossene Gebiete quer durch Kontinente und Ozeane zu eröffnen. Kurz: der Prozess innerhalb dieses göttlich geführten Plans wird sich erweitern, wenn weitere Maßnahmen schritt- weise eingeführt und systematisch integriert werden.
Ein besonderes Kennzeichen der Fünften Epoche wird die Bereicherung des Andachtslebens der Ge- meinde durch den Bau nationaler Häuser der Andacht sein, je nach dem, wie es die Umstände in den nationalen Gemeinden zulassen. Der Zeitplan für diese Projekte wird vom Universalen Haus der Gerechtigkeit unter Be- rücksichtigung des Fortschritts beim Prozess des Beitritts in Scharen in den einzelnen Ländern festgelegt wer- den. Diese Entwicklung wird sich in aufeinanderfolgenden Phasen von `Abdu’l-Bahás Göttlichem Plan fortset- zen. Unmittelbar nach der Fertigstellung des Muttertempels des Westens begann der Hüter mit einem Plan zum Bau von Kontinentalen Häusern der Andacht. Die ersten waren damals die Mashriqu’l-Adhkár in Kampala, Sydney und Frankfurt, die in Erfüllung der Ziele des Zehnjahresplanes gebaut wurden. Das Universale Haus der Gerechtigkeit verfolgte mit dem Bau der Tempel in Panama City, Apia und New Delhi dieselbe Linie. Die- se kontinentale Phase ist aber noch zu vervollständigen: Ein weiteres Gebäude muss noch errichtet werden. Mit tiefer Dankbarkeit und Freude verkünden wir in diesem verheißungsvollen Augenblick die Entscheidung, die- ses letzte Projekt in Angriff zu nehmen. Während des Fünfjahresplans wird mit dem Bau des Muttertempels von Südamerika in Santiago, Chile, begonnen und damit ein von Shoghi Effendi klar ausgesprochener Wunsch erfüllt.
Es ist nun an der Zeit, weitere Schritte am Weltzentrum zu unternehmen, um die Funktionen der Institutionen mit Sitz in den neuen Gebäuden am Bogen zu entwickeln. Nach beachtlichen Fortschritten des Internationalen Lehrzentrums wird man jetzt besondere Aufmerksamkeit darauf verwenden, die Arbeit des Zentrums für das Studium der Texte zu organisieren. Die Übersetzung weiterer Heiliger Texte ins Englische wird dabei von besonderer Bedeutung sein. Die Aufgabe dieser Institution ist es, das Universale Haus der Gerechtigkeit dabei zu unterstützen, die Heiligen Schriften zu Rate zu ziehen und Übersetzungen und Kommentare zu den autoritativen Texten des Glaubens zu verfassen. Darüber hinaus wird man sich im Heiligen Land ständig darum bemühen, es zu ermöglichen, dass die Anzahl der Pilger und Besucher am Bahá’í-Weltzentrum weiter ansteigen kann.
Vor fünf Jahren kündigten wir in unserer Ridván-Botschaft eine Großveranstaltung am Weltzentrum an, welche aus Anlass der Fertigstellung der Projekte am Berg Karmel und der Eröffnung der Terrassen am Schrein des Báb für die Öffentlichkeit stattfinden wird. Dieser Augenblick ist nun gekommen, und wir freuen uns in der Erwartung, Freunde aus eigentlich allen Ländern bei einem Programm zu begrüßen, das sich über fünf Tage vom 21. bis zum 25. Mai erstrecken wird. Wir sind auch glücklich mitteilen zu können, dass Vorbe- reitungen getroffen werden, um die Bahá’í-Welt durch Live-Übertragungen im World Wide Web und per Sa- tellit an den Veranstaltungen teilnehmen zu lassen. Informationen darüber folgen noch. Während das Weltzent- rum sich hierauf konzentriert, wird auch die Erwartung der Menschen in Haifa immer größer, wo die städti- schen Behörden ein Buch mit dem Titel: Bahá’í Shrine and Gardens on Mount Carmel, Haifa, Israel: A Vi- sual Journey veröffentlichen wollen, das gleichzeitig mit den Veranstaltungen erscheinen soll. Ferner betreibt die Postbehörde von Israel den Plan, zur gleichen Zeit eine Gedenkmarke herauszugeben, welche die Terrassen darstellt. Die Bedeutung des Ereignisses liegt im Wesentlichen darin, dass es uns erlaubt innezuhalten, um die beachtliche Wegstrecke zu überblicken, die der Glaube in seiner Entwicklung im 20. Jahrhundert zurückgelegt hat. Es ist auch an der Zeit, die künftigen Auswirkungen dieser gewaltigen Leistungen zu bedenken, die durch die Errichtung der imposanten Bauwerke auf Gottes heiligem Berge symbolisiert werden – Bauwerke, die die geistigen und administrativen Zentren unseres Glaubens den Blicken der Welt öffnen.
Während unsere Gemeinde sich dieser begeisternden Betrachtungen erfreut, möge jedes Mitglied be- denken, dass wir keine Zeit haben, uns auf Lorbeeren auszuruhen. Die Menschheit befindet sich in einer so verzweifelten Lage, dass wir keinen Augenblick zögern dürfen, das Brot des Lebens zu überreichen, das in unserer Zeit vom Himmel kam. Dulden Sie daher keinen Aufschub, den erfolgversprechenden Prozess voran- zutreiben, wenn es darum geht, alle jene, die nach der Wahrheit dürsten, zu der Festtafel des Herrn der Heer- scharen zu führen.
Möge Er, der über das Schicksal Seines göttlichen Systems wacht, jede Bemühung führen, lenken und bestätigen, die Sie unternehmen, um die vor Ihnen liegenden drängenden Aufgaben zu bewältigen.
1. Wir verbeugen uns in Dankbarkeit vor dem Herrn der Heerscharen und unsere Herzen fließen über vor Freude, da wir Zeuge dessen sind, welch wunderbaren Unterschied die vier Jahre seit dem Beginn des globalen Planes bewirkt haben, der nun an diesem Fest des Glanzes abgeschlossen wird. So deutlich ist der in dieser Zeit erreichte Fortschritt, dass unsere Weltgemeinde Höhepunkte erreicht hat, von denen aus neue leuchtende Horizonte für ihre künftigen großen Errungenschaften klar erkennbar sind.
2. Der zahlenmäßige Zuwachs ergab sich hauptsächlich aus einer entscheidenden Qualitätssteigerung. Die Kultur der Bahá'í-Gemeinde hat einen Wandel erlebt. Dieser Wandel ist erkennbar an erweiterten Fähigkeiten, der Methodik zielgerichteten Handelns und der daraus resultierenden gewachsenen Zuversicht der drei am Plan beteiligten Ebenen - dem Einzelnen, den Institutionen und der örtlichen Gemeinde. Dies ist so, weil die Freunde sich nachhaltiger damit befassten ihre Kenntnis der göttlichen Lehren zu vertiefen und weil sie viel - und dies systematischer als zuvor - darüber gelernt haben, wie diese bei der Verbreitung der Sache Gottes, bei individuellen und gemeinschaftlichen Aktivitäten und bei der Zusammenarbeit mit ihren Nachbarn angewandt werden können. Mit einem Wort, sie begaben sich auf einen anwendungsorientierten Lernprozess, von dem aus zielgerichtetes Handeln verfolgt wurde. Die treibende Kraft dieses Wandels war das System der Bahá'í-Institute, die in der ganzen Welt mit großer Geschwindigkeit errichtet wurden - eine Leistung, die sich auf dem Gebiet der Ausbreitung und Festigung als das größte Vermächtnis des Vier-Jahres-Planes qualifizierte.
3. Durch die gesteigerte Befähigung der Einzelnen den Glauben zu lehren, was sich in dem neuen Schwung individueller Initiativen zeigt; durch die verbesserte Fähigkeit der Geistigen Räte, Regionaler Räte und Ausschüsse, die Bemühungen der Freunde zu leiten; durch die Einführung neuer Denk- und Handlungsmuster, die das gemeinschaftliche Verhalten der örtlichen Gemeinden beeinflusste - in all diesen Beziehungen bewies das System der Bahá'í-Institute seine Unverzichtbarkeit als ein Motor im Prozess des Beitritts in Scharen. Viele Institute haben ihre Fähigkeit vergrößert, weite Regionen mit ihren Programmen zu versorgen, indem sie ihr Wirkungsfeld durch örtliche Studienkreise erweiterten. So hat zum Beispiel die Mongolei 106 Studienkreise eingerichtet und verzeichnete als Ergebnis einen beachtlichen Zuwachs an neuen Gläubigen. Gleichzeitig zu derartigen Entwicklungen richteten die Mitglieder unserer weltweiten Gemeinschaft mehr Aufmerksamkeit darauf, auf die Macht des Gebets zu vertrauen, über das heilige Wort Gottes zu meditieren und die geistigen Wohltaten aus der Teilnahme an Andachten zu beziehen. Durch das Zusammenwirken dieser Elemente einer intensivierten Transformation des Einzelnen und der Gemeinschaft wächst tatsächlich die Größe der Gemeinde. Obgleich die Zuwachsrate neuer Gläubiger bis jetzt nur geringfügig die der vergangenen Jahre übertraf, ist es doch ungemein erfreulich zu sehen, dass diese Zunahme geographisch weit gestreut ist, immer größere Teile der Gemeinde engagiert und erfolgreich Neuerklärte in das Leben der Sache Gottes integriert.
4. Ein so gesunder und vielversprechender Zustand des Glaubens verdankt unermesslich viel der Institution der Berater; ihrem beratenden Einfluss, ihrer Rolle in der Zusammenarbeit und ihrer praktischen Arbeit. Die Zahl der Berater wurde im Hinblick auf die Errichtung und Funktion der Institute vergrößert, was den rechtzeitig gegebenen Ansporn durch ein pulsierendes und immer wachsames Internationales Lehrzentrum widerspiegelte.
5. Das zentrale Thema des Vier-Jahres-Planes - der Fortschritt beim Prozess des Beitritts in Scharen - erzeugte ein hohes Maß an Integration des Denkens und Handelns. Es konzentrierte die Aufmerksamkeit auf eine bedeutende Entwicklungsstufe in der Evolution der Bahá'í-Gemeinde, die während des Gestaltenden Zeitalter erlangt werden muss; denn ehe nicht in hohem Maße für den Beitritt von Scharen gesorgt wird, werden die Bedingungen nicht reif sein für Massenerklärungen, jenem Durchbruch, den Shoghi Effendi in seinen Schriften verheißt. Der thematische Brennpunkt des Planes erzeugte Auswirkungen auf alle Arten von Bahá'í-Aktivitäten; er benötigte eine Klarheit des Verständnisses, die systematische und strategische Planung als Voraussetzung für individuelles und gemeinschaftliches Handeln möglich machte. Die Mitglieder der Gemeinde begannen allmählich zu begreifen, wie Systematisierung die Prozesse des Wachstums und der Entwicklung ermöglicht. Dieser Aufschwung des Bewusstseins war ein gewaltiger Schritt zu einem Anstieg der Lehraktivitäten und zur Veränderung der Gemeindekultur.
6. Die gesamten Aspekte des Themas wurden bei den Bemühungen zur Planung, zum Aufbau institutioneller Kapazität und zur Entwicklung menschlicher Ressourcen deutlich. Die Verbindungslinien zwischen ihnen können vom Beginn des Planes bis zu seinem Ende verfolgt werden. Die Konferenz der Kontinentalen Beraterämter im Dezember 1995 im Heiligen Land bildete den Anfang. Dort wurden die Berater in die besonderen Merkmale des Planes eingeführt. Danach wurde mit den Nationalen Geistigen Räten in nationalen Planungssitzungen hierüber beraten; die Beratungen wurden auf regionaler Ebene fortgesetzt, bei denen dann Hilfsamtsmitglieder, örtliche Geistige Räte und ihre Ausschüsse beteiligt waren. So wurden Elemente der Bahá'í-Administration in den Planungsprozess einbezogen. Sie gelangten darüber hinaus zur Stufe der Umsetzung, auf der die institutionelle Kapazität geschaffen werden musste, um mit dem Beitritt in Scharen umgehen zu können. In diesem Zusammenhang wurden zwei wichtige Maßnahmen ergriffen: Eine war die Errichtung von Bahá'í-Instituten; die andere war die formelle Errichtung und weit verbreitete Einführung von Regionalen Bahá'í-Räten. Sie sind administrative Einrichtungen zwischen der örtlichen und der nationalen Ebene, um die administrativen Fähigkeiten solcher Gemeinden zu stärken, in denen die zunehmend komplexen Angelegenheiten, vor die sich die Nationalen Geistigen Räte gestellt sahen, diese Entwicklung erforderlich machten. Von gleicher Bedeutung für die Verbindung der wesentlichen Elemente des Prozesses waren die für die Arbeit für soziale und wirtschaftliche Entwicklung - einem entscheidenden Teil der Festigung - und für auswärtige Angelegenheiten definierten Strategien. Diese werden es als einem lebenswichtigen Faktor dem Glauben ermöglichen, die Folgen seines Hervortretens aus der Verborgenheit zu bewältigen. Die hieraus erzielten überwältigenden Ergebnisse aufzuzählen, würde den Rahmen dieser Seiten bei weitem sprengen. Wir fühlen uns jedoch bewegt, gewisse Glanzpunkte zu nennen, die das Ausmaß der Errungenschaften innerhalb des Plans illustrieren.
7. Im Heiligen Land wurde der Bau der Terrassen und der Gebäude am Bogen mit der Gewissheit fortgesetzt, dass - wie angekündigt - der Termin zu ihrer Fertigstellung am Ende dieses gregorianischen Jahres eingehalten wird. Darüber hinaus wird das Gebäude in Haifa, das wir in unserer letzten Ridván-Botschaft im Zusammenhang mit der Vergrößerung der Pilgergruppen erwähnten, zu diesem Ridván bereit für die Nutzung sein. Im selben Zusammenhang wurden Architektenpläne für in Bahjí zu bauende Einrichtungen genehmigt, die dringend benötigt werden, um Pilger und andere Bahá'í- und Nicht-Bahá'í-Besucher unterzubringen. Die übersetzung der Texte für den zu erwartenden neuen Band von Bahá'u'lláhs Schriften wurde fertiggestellt; seine Veröffentlichung wird derzeit vorbereitet.
8. Fortschritte bei der Ausbreitung und Festigung waren auch auf noch nicht erwähnten Gebieten erkennbar: beim Pionieren, der Proklamation, der Veröffentlichung von Literatur, dem Einsatz der Künste, der Bildung von Geistigen Räten und bei den Gesellschaften für Bahá'í-Studien. Etwa 3.300 Gläubige siedelten sich als Lang- und Kurzzeitpioniere international an. Dass viele Länder, die normalerweise Pioniere erhalten, selbst Pioniere ins Ausland schickten, ist ein weiteres Anzeichen für den Reifungsprozess von nationalen Gemeinden. Treu dem ihnen übertragenen Auftrag ragen die Gemeinden von Kanada und den Vereinigten Staaten durch die Zahl der Pioniere, die ihr Land verließen, besonders hervor. Dies gilt auch für die viel größere Anzahl von Reiselehrern, wobei die Jugend in bedeutsamer Weise vertreten war. Besonders beachtlich war auch die ermutigende Reaktion der Gläubigen afrikanischen Ursprungs in den Vereinigten Staaten auf den Aufruf, als Bahá'í-Lehrer nach Afrika zu reisen.
9. Die Proklamation der Sache Gottes geschah durch vielfältige Aktionen, wobei ein weites Spektrum von Gelegenheiten als Anlass dienten - Jahrestage, Gedenktage, Diskussionsgruppen, Ausstellungen und ähnliches. Hierdurch lernte eine große Zahl von Menschen die Lehren des Glaubens kennen. Die Häuser der Andacht waren magnetische Anziehungspunkte für Besucher, die in zunehmender Zahl eintraten, besonders in Indien, wo im letzten Jahr etwa fünf Millionen Menschen begrüßt wurden. Zu solchen Aktivitäten kam noch die vielfältige Nutzung der Medien hinzu, um die Bahá'í-Botschaft zu übermitteln. In den Vereinigten Staaten gab es 60.000 Anfragen als Reaktion auf eine Medienkampagne, die vom Nationalen Lehrausschuss entworfen worden war. In der ganzen Welt verbreitete sich die Kenntnis über den Glauben durch wohlwollende Artikel in den Druckmedien, die häufiger als bisher unaufgefordert erschienen. Es gab auch eine ähnlich breitere Publizität durch die Bereitschaft seitens Radio- und Fernsehstationen, regelmäßige Bahá'í-Programme aufzunehmen; dies war der Fall in Ländern wie der Demokratischen Republik des Kongo und Liberia. Solch günstige Entwicklungen wurden gekrönt durch die unabhängige Wahl internationaler Medieneinrichtungen, den Schrein des Báb und die Terrassen als Standort eines Fernsehbeitrags aus dem Heiligen Land für weltweite Medienprogramme zu nutzen, die das Kommen des Jahres 2000 feierten.
10. Die Einbeziehung der Kunst wurde zu einem wichtigen Faktor bei der Proklamation, dem Lehren, der Vertiefung und den Andachten der weltweiten Gemeinde. Die Künste zogen junge Leute an, die sie in ihren Lehr- und Vertiefungsaktivitäten verwendeten, hauptsächlich in den zahlreichen aktiven Drama- und Tanzworkshops in vielen Teilen der Welt. Aber der Schwung der Künste führte jenseits des Singens und Tanzens zu einem weiten Spektrum einfallsreicher Aktivitäten, die den Menschen die Grundlagen der Sache Gottes vermittelte. Dort, wo Volkskunst eingesetzt wurde, besonders in Afrika, wurde die Lehrarbeit sehr aufgewertet. So wurde zum Beispiel in Ghana und Liberia ein Projekt "Licht der Einheit" gestartet, um die Künste beim Lehren zu fördern. In Indien verfolgte die "Communal Harmony Group" ein ähnliches Ziel.
11. Hauptsächlich auf Betreiben der Berater und mit Unterstützung des Kontinentalen Fonds wurde der übersetzung und Veröffentlichung von Bahá'í-Literatur besonders in Afrika und Asien Aufschwung verliehen. Außerdem erschien der Kitáb-i-Aqdas in einer vollständigen arabischen Ausgabe und in anderen Sprachen.
12. Obwohl die Beschränkung der Bildung von örtlichen Geistigen Räten auf den ersten Ridvántag, was seit 1997 gilt, die Zahl dieser Institutionen erwartungsgemäß absinken ließ, so war die Abnahme doch nicht erheblich. Seitdem blieb die Zahl konstant, und ein gesunder Prozess der Festigung hat stattgefunden. Acht neue Pfeiler des Universalen Hauses der Gerechtigkeit wurden errichtet, wodurch die Gesamtzahl von 181 Nationalen Geistigen Räten erreicht wurde.
13. Besonders erfreulich während dieser vier Jahre war der zunehmende Schwung, mit dem die Aktivitäten der Bahá'í-Gelehrsamkeit mit ihrer lebenswichtigen Aufgabe voranschritten, die intellektuellen Grundlagen für die Arbeit des Glaubens zu stärken. Unschätzbare Ergebnisse waren zum einen die beeindruckende Erweiterung der Bahá'í-Literatur und zum zweiten die Verfassung verschiedener Dissertationen, die unterschiedliche Probleme unserer Zeit im Lichte der Bahá'í-Prinzipien untersuchten. Das Netzwerk der Gesellschaften für Bahá'í-Studien, das in diesem Jahr seinen 25. Jahrestag begeht, konnte im Laufe des Planes fünf neue Schwestergesellschaften begrüßen. Die auf diesem Feld des Dienstes sichtbare Vielfalt und Kreativität zeigt sich darin, dass die erste Konferenz für Bahá'í-Studien in Papua-Neuguinea abgehalten wurde und dass die japanische Gesellschaft in bahnbrechender Weise ihre Aufmerksamkeit auf die geistigen Ursprünge der traditionellen japanischen Gelehrsamkeit richtete.
14. Auf dem Gebiet der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung fand ein eindeutiger qualitativer Fortschritt statt, obgleich die Zahlen, die eine Zunahme der Projekte ausweisen, auch beeindruckend sind. Die jährlich gemeldeten Aktivitäten steigerten sich von etwa 1.350 zu Beginn des Planes auf mehr als 1.800 an seinem Ende. Zunehmend systematisches Vorgehen blieb das vorherrschende Kennzeichen bei dieser Arbeit während dieser Zeit. Um die Beratung über die Prinzipien der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung und ihre Durchführung zu fördern, führte das Büro für Soziale und Wirtschaftliche Entwicklung am Weltzentrum 13 regionale Seminare durch, an denen schätzungsweise 700 Vertreter aus 60 Ländern teilnahmen. Dieses Büro kümmerte sich auch darum, Pilotprojekte und geeignetes Material zu entwickeln, mit denen organisierte Kampagnen gestartet werden konnten, um Jugendliche unter anderem im Lesen und Schreiben zu unterrichten, um Mitarbeiter im Gesundheitswesen der Gemeinde auszubilden, um Frauen zu fördern und um moralische Erziehung anzubieten. Ein Beispiel ist das Programm in Guyana, das mehr als 1.500 Helfer für die Alphabetisierung ausbildete; ein weiteres ist die Fertigstellung von acht Lehreinheiten zur Förderung der Frauen in Malaysia. Diese wurden auch zur Grundlage für Ausbildungsveranstaltungen in Afrika, Asien und Südamerika. Im Guaymi-Bezirk von Panama wurde ein Plan in Angriff genommen, Bahá'í-Radiostationen mit der Arbeit der Bahá'í-Institute zu verbinden. Da Institute das Potenzial besitzen, Ausbildung für soziale und wirtschaftliche Projekte zu leisten, bemühte sich ein Dutzend von ihnen in dieser Richtung und ist dabei, auf den Gebieten der Alphabetisierung, der Ausbildung zum Gemeindesanitäter und beruflicher Ausbildung zu experimentieren. Eine Reihe von durch die Bahá'í geförderten und inspirierten Initiativen haben ihre Energie Projekten gewidmet wie zum Beispiel einem, das mit der Weltgesundheitsorganisation zusammenarbeitet, um die Fluss-Blindheit in Kamerun zu bekämpfen; dort erhielten mehr als 30.000 Menschen durch dieses Bahá'í-Projekt die nötigen Medikamente. Ein weiteres Beispiel ist die Privatuniversität in äthiopien, Unity College, die inzwischen 8.000 Studenten hat, ferner die Landegg Akademie in der Schweiz, die neben der Ausweitung und Konsolidierung ihrer Studienpläne wertvolle Hilfe bei der anhaltenden Suche nach einer Lösung der ungeheuren sozialen Folgen des Balkankonflikts geleistet hat. Auch die Núr-Universität in Bolivien, die in einem gemeinsamen Projekt mit Ecuador eine Ausbildung für mehr als 1.000 Lehrer in einem Programm über moralische Führung anbieten konnte, ist ein weiteres Beispiel hierfür. Auf dem Gebiet der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung waren solche Beweise des Ausbaus von Fähigkeiten von großem Vorteil, um die Ziele des Planes zu verwirklichen.
15. Geführt durch die den Nationalen Geistigen Räten 1994 übermittelte Strategie in auswärtigen Angelegenheiten hat sich die Leistungsfähigkeit der Gemeinde auf dem Gebiet der diplomatischen und öffentlichen Information ebenfalls in erstaunlicher Weise gesteigert, wobei die Bahá'í-Gemeinde in eine dynamische Beziehung zu den Vereinten Nationen, Regierungen, Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs) und den Medien getreten ist. Die Strategie konzentrierte sich auf internationaler und nationaler Ebene auf zwei wichtige Ziele: die Prozesse in Richtung auf den Weltfrieden zu beeinflussen und die Sache Gottes zu schützen. Durch die Maßnahmen zur Verteidigung unserer geliebten Glaubensbrüder im Iran gewann die Internationale Bahá'í-Gemeinde ein neues Maß an Achtung und Unterstützung. Daraus ergaben sich Gelegenheiten, andere Ziele dieser Strategie zu verfolgen. Um sich der Herausforderung der hartnäckigen Situation im Iran zu stellen, entwickelten unsere Institutionen und Vertretungen für auswärtige Angelegenheiten neue Vorgehensweisen, um verfügbare Instrumentarien von Regierungen und den Vereinten Nationen zu aktivieren. Die Verfolgungen im Iran beschäftigten die höchsten Instanzen auf unserem Planeten. Die Nachricht, dass ein iranischer Gerichtshof Todesurteile gegen zwei der Freunde bestätigt und ein ähnliches Urteil gegen einen dritten ausgesprochen hatte, rief sogar eine scharfe Reaktion durch den Präsidenten der Vereinigten Staaten hervor, der an den Iran eine deutliche Mahnung richtete. Als Auswirkung der Interventionen von politischen Führern in der Welt und der Vereinten Nationen hörten die Hinrichtungen von iranischen Bahá'í praktisch auf und ging die Zahl der zu langjährigen Gefängnisstrafen Verurteilten drastisch zurück.
16. Wir begrüßen diese Interventionen und preisen zugleich den aufopfernden Geist, die Seelenstärke und den unbeugsamen Glauben unserer Brüder und Schwestern im Iran, die all diesen Bemühungen Stärke verliehen haben. Diese offenkundigen Eigenschaften der Seele bringen ihre Landsleute durch ihre Standhaftigkeit zum Staunen, mit der sie den tückischen und mitleidslosen Angriffen widerstehen. Wie sonst könnte man erklären, dass es so wenigen möglich war, sich so lange gegen so viele zu behaupten? Wie sonst hätten sie die Sorge der Welt und aktive Reaktionen auslösen können, sobald auch nur ein Einziger von ihnen mit dem Tode bedroht war? Es ist die Tragödie des Iran, dass die Angreifer es bis jetzt nicht eingesehen haben, dass die göttlichen Prinzipien, für die die Verfolgten ihren Besitz und sogar ihr Leben opfern, genau jene Lösungen enthalten, die die Sehnsüchte der Bevölkerung in dieser Stunde der Unzufriedenheit befriedigen würden. Es besteht jedoch nicht der geringste Zweifel, dass die systematische Willkürherrschaft, der unsere iranischen Freunde so grausam ausgesetzt sind, schließlich der Macht des Allmächtigen weichen wird, die den geheimnisvollen Verlauf der Dinge seiner verheißenen Bestimmung in all seiner Herrlichkeit entgegenführt.
17. Das zweite Ziel der Strategie für auswärtige Angelegenheiten bezog sich auf vier Themen - Menschenrechte, der Stellung der Frau, globales Wohlergehen und moralische Entwicklung. Unsere Berichte zeugen von einem gewaltigen Fortschritt bei der Arbeit für Menschenrechte und die Stellung der Frau. Zu ersteren führte das Büro bei den Vereinten Nationen ein kreatives Programm für die Erziehung zu Menschenrechten durch, das bis jetzt dazu beitrug, bei nicht weniger als 99 Nationalen Geistigen Räten die Fähigkeit zur diplomatischen Arbeit aufzubauen. Bezüglich der Stellung der Frau zeigen 52 nationale Büros für den Fortschritt von Frauen, die Beiträge zahlreicher Bahá'í Frauen und Männer bei Konferenzen und Arbeitskreisen auf allen Ebenen, die Wahl von Bahá'í-Vertretern in Führungspositionen bei wichtigen NGO-Ausschüssen - so auch beim Entwicklungsfonds für Frauen der Vereinten Nationen -, wie die Anhänger Bahá'u'lláhs beharrlich für Sein Prinzip der Gleichberechtigung von Frau und Mann eintreten.
18. Gleichzeitig verbreiten eine ganze Reihe von Initiativen Informationen über die Bahá'í-Religion an verschiedenste Gruppen in der öffentlichkeit. Zu diesen innovativen Maßnahmen gehören: der Start einer Web-site "The Bahá'í World", die im Durchschnitt schon 25.000 mal im Monat besucht wird; die Herausgabe des Statements "Wer schreibt die Zukunft?", das den Freunden in der ganzen Welt hilft, über zeitgenössische Themen zu sprechen; die Sendung des persischen Radioprogrammes "Payam-e-Doost", das für eine Stunde pro Woche im Bereich von Washington D.C. ausgestrahlt wird und das über das Internet seit letztem November jederzeit in der ganzen Welt verfügbar ist; die Durchführung eines höchst originellen Fernsehprogramms, in dem moralische Prinzipien auf tägliche Probleme angewandt werden und das von Regierungsstellen in Albanien, Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, Kroatien, Ungarn, Rumänien, Slowenien und der früheren jugoslawischen Republik Mazedonien wärmstens befürwortet wird.
19. Ein Phänomen, das sich gegen Ende des Jahrhunderts verstärkt zeigt, ist das Bemühen der Menschen weltweit, ihre Sehnsüchte durch sogenannte "Organisationen der Zivilgesellschaft" auszudrücken. Es muss für die Bahá'í überall eine Quelle größter Genugtuung sein, dass die Internationale Bahá'í-Gemeinde, die als eine Nicht-Regierungsorganisation einen Querschnitt der ganzen Menschheit darstellt, als eine einheitsstiftende Kraft in bedeutenden Diskussionen, die die Zukunft der Menschheit gestalten, solches Vertrauen gewonnen hat. Unser Hauptvertreter bei den Vereinten Nationen wurde zum gleichberechtigten Vorsitzenden des Ausschusses für Nicht-Regierungsorganisationen ernannt, der vom Wirtschafts- und Sozialrat eingerichtet wurde - eine Stellung, die der Internationalen Bahá'í-Gemeinde eine Führungsrolle bei der Organisation des Millennium-Forums einräumt. Diese von Kofi Annan, dem Generalsekretär der Vereinten Nationen für kommenden Mai einberufene Versammlung, wird den Organisationen der Zivilgesellschaft Gelegenheit geben, ihre Ansichten und Vorschläge zu globalen Fragen zu formulieren. Diese werden dann von dem im September dieses Jahres folgenden Millennium-Gipfel aufgenommen werden, bei dem sich Staats- und Regierungschefs treffen.
20. Dass die Menschheit sich der geistigen Dimension des Wandels in der Welt bewusst wird, hat für Bahá'í eine besondere Bedeutung. Der interreligiöse Dialog hat sich intensiviert. Während des Vier-Jahres-Planes war der Glaube in zunehmendem Maße als anerkannter Partner daran beteiligt. Das Parlament der Weltreligionen führte im letzten Dezember in Kapstadt 6.000 Teilnehmer zusammen, darunter eine starke Bahá'í-Delegation. Bahá'í waren im südafrikanischen und internationalen Leitungsgremium an der Planung der Veranstaltung beteiligt. Für die Bahá'í ergab sich ein besonderes Interesse an dieser Veranstaltung aus der Tatsache, dass der Name Bahá'u'lláhs öffentlich zum ersten Mal im Westen beim Parlament in Chicago 1893 erwähnt worden war. Auf zwei im letzten November in Jordanien abgehaltenen interreligiöse Veranstaltungen wurden Bahá'í als geladene Teilnehmer empfangen; es waren dies die Konferenz über Konflikte und Religionen im Nahen Osten und die Jahrestagung der Weltkonferenz für Religion und Frieden (WCRP). Bahá'í-Vertreter nahmen auch an Veranstaltungen in der Vatikanstadt und in Neu Delhi teil, die von der römisch-katholischen Kirche veranstaltet wurden. Beim zweiten Anlass war Beraterin Zena Sorabjee eine der Vertreterinnen von Religionen, die in Gegenwart von Papst Johannes Paul II zur Versammlung sprachen. Im Vereinigten Königreich trat der Glaube in die öffentliche Arena, als Bahá'í-Vertreter mit Mitgliedern von acht anderen großen Religionen zu einer interreligiösen Milleniumsfeier in der Königlichen Galerie im Westminster-Palast zusammenkamen, wo in Gegenwart von Mitgliedern des Königshauses, des Premierministers, des Erzbischofs von Canterbury und anderen hervorragenden Persönlichkeiten auf die Versammlung der "neun großen Religionen des Vereinigten Königreiches" Bezug genommen wurde. In Deutschland wurden die Bahá'í zum ersten Mal am interreligiösen Dialog beteiligt. Damit änderte sich eine langjährige Einstellung der christlichen Konfessionen, die wegen eines von einem Bundesbrecher geschriebenen und von einem lutherischen Verlag 1981 herausgegebenen Buches die Berührung mit dem Glauben vermieden hatten. Abhilfe erfolgte durch eine 600 Seiten starke von drei Bahá'í geschriebene wissenschaftliche Widerlegung, die in einem führenden Nicht-Bahá'í-Verlag 1995 erschien, was einen außergewöhnlichen Sieg für die deutsche Bahá'í-Gemeinde darstellt. Eine englische übersetzung wurde im letzten Jahr des Planes herausgegeben. In ungewöhnlicher Form fand ein interreligiöser Dialog statt, als 1998 Vertreter der Weltbank und von neun großen Religionen im Lambeth-Palast eine Veranstaltung abhielten, die zur Bildung eines Entwicklungsdialogs der Weltreligionen führte. Es ist das vom Dialog verkündete Ziel zu versuchen, den Graben zwischen den Religionsgemeinschaften und der Weltbank zu überbrücken, um ihnen eine wirkungsvollere Zusammenarbeit bei der überwindung der Armut in der Welt zu ermöglichen. Die Häufigkeit und der umfassende Charakter dieser interreligiösen Versammlungen ist ein neues Phänomen in den Beziehungen der Religionen untereinander. Es ist offensichtlich, dass sich die verschiedenen Religionsgemeinschaften darum bemühen, den Geist der Freundlichkeit und Brüderlichkeit untereinander zu erreichen, den Bahá'u'lláh Seine Anhänger aufgerufen hat, den Anhängern anderer Religionen gegenüber an den Tag zu legen.
21. Während dieser vier Jahre spielten sich die konzentrierten Bemühungen der Bahá'í zu einer Zeit ab, da die Gesellschaft im Allgemeinen mit einer Flut widerstreitender Interessen zu kämpfen hatte. In dieser kurzen aber äußerst bewegten Zeitspanne schritten die in der Bahá'í-Gemeinde und in der Welt waltenden Kräfte mit unerbittlicher Beschleunigung voran. In ihrem Sog offenbarten sich die sozialen Phänomene, auf die Shoghi Effendi hingewiesen hatte, klarer als je zuvor. Vor mehr als 60 Jahren zog er die Aufmerksamkeit auf "diese gleichzeitigen Vorgänge des Aufstieges und des Unterganges, des Zusammenschlusses und des Auseinanderfallens, der Ordnung und des Chaos mit ihren ständigen und wechselseitigen Auswirkungen aufeinander". Diese zwei Prozesse spielten sich nicht isoliert von jenen ab, die für die Bahá'í-Gemeinde typisch waren, sondern führten, wie schon gezeigt wurde, zur direkten Beteiligung des Glaubens. Sie scheinen auf der anderen Seite des gleichen Zeitkorridors zu laufen. Auf der einen Seiten wüteten an etwa 40 Stellen Kriege, die von religiösen, politischen, rassischen oder Stammeskonflikten geschürt wurden; ein plötzlicher totaler Zusammenbruch der bürgerlichen Ordnung lähmt eine Reihe von Ländern; Terrorismus als politische Waffe wurde zur Epidemie; eine Woge internationaler krimineller Netzwerke versetzte die Menschen in Schrecken. Auf der anderen Seite jedoch gab es ernsthafte Versuche, Methoden der kollektiven Sicherheit auszuarbeiten und umzusetzen, was Bahá'u'lláhs Vorschriften für die Erhaltung des Friedens in Erinnerung ruft; es gab einen Aufruf, einen internationalen Strafgerichtshof einzurichten, eine weitere Maßnahme, die mit den Erwartungen der Bahá'í übereinstimmt. Um die Aufmerksamkeit auf die dringende Notwendigkeit, ein angemessenes System zur Lösung von globalen Fragen einzurichten, haben sich die Führer der Welt auf einem Millennium-Gipfel verabredet; neue Kommunikationsmethoden haben den Weg dafür frei gemacht, dass jeder mit jedem auf diesem Planten in Verbindung treten kann. Wirtschaftliche Auflösungserscheinungen in Asien drohten die Weltwirtschaft zu destabilisieren, führten aber zu Bemühungen, die unmittelbare Gefahr zu beheben und Methoden zu entwickeln, einen Sinn für Gerechtigkeit in den Bereich des internationalen Handels und der Finanzen einzuführen. Dies sind nur einige Beispiele für die beiden gegensätzlichen aber aufeinander einwirkenden Tendenzen der Zeit, die Shoghi Effendis inspirierte Zusammenfassung über die Kräfte, die in Gottes Größerem Plan am Werke sind, bestätigen, "dessen letztes Ziel die Einheit und der Frieden der gesamten Menschheit ist".
22. Zum Abschluss dieser vier ereignisreichen Jahre kommen wir an ein gewaltiges Zusammentreffen von Abschlüssen und Anfängen in der gregorianischen Zeitrechnung und der Bahá'í-ära. In einem Sinne bedeutet dieses Zusammentreffen das Ende des zwanzigsten Jahrhunderts und in einem anderen eröffnet es eine neue Stufe in der Entfaltung des Gestaltenden Zeitalters. Die Perspektive dieser zwei Zeitrahmen veranlasst uns, über eine Vision von weltgestaltenden Entwicklungen nachzudenken, die zeitlich zusammenfallen; wir tun dies unter Berücksichtigung der Einsicht, die von Shoghi Effendi so plastisch bei der Gründung des von ihm entworfenen Bogens am Berge Carmel dargelegt wurde. Im Verlauf des Planes gewann diese Vision eine leuchtende Klarheit, als die Bauprojekte am Berge Carmel voranschritten, als die Führer der Welt kühne Schritte in Richtung auf die Gestaltung eines weltweiten politischen Friedens unternahmen, und als örtliche und nationale Bahá'í-Institutionen ein neues Niveau in ihrer Evolution erreichten. Wir tragen mit uns eine heilige und dauerhafte Erinnerung an das zwanzigste Jahrhundert in uns, die unsere Energien weckt und uns den Weg vorzeichnet: Zu ihm gehört jener zukunftsweisende Augenblick in der Geschichte der Menschheit, als der Mittelpunkt des Bundes Bahá'u'lláhs im Laufe einer Amtszeit, die ohne Parallele ist, die Struktur der neuen Weltordnung entwarf und als anschließend im Verlauf einiger seiner verheerendsten Jahre der Hüter des Glaubens seine äußerste Energie darauf verwendete, die Struktur eines administrativen Systems zu errichten, das am Ende des Jahrhunderts in der Ganzheit seiner essenziellen Form vor den Augen der Welt ausgebreitet liegt. Wir stehen damit an einer Brücke zwischen den Zeiten. Die Fähigkeiten, die im Laufe eines Jahrhunderts der heftigen Anstrengungen und Opfer von einer Handvoll von der Liebe zu Bahá'u'lláh berauschter Gläubiger entwickelt wurden, müssen jetzt auf die für das Gestaltende Zeitalter unausweichlich verbleibenden Aufgaben angewandt werden; die zahlreichen Epochen unermüdlicher Arbeit dieses Zeitalters werden schließlich zum Goldenen Zeitalter unseres Glaubens führen, wenn der Größte Friede die Erde umfassen wird.
23. An diesem Ridván beginnen wir einen Zwölf-Monate-Plan. So kurz er auch ist, muss und wird er ausreichen, gewisse lebenswichtige Aufgaben zu erfüllen und das Fundament für den nächsten zwanzig Jahre andauernden Vorstoß des Göttlichen Planes des Meisters zu legen. Was vor vier Jahren so sorgfältig begonnen wurde - die systematische Aneignung von Kenntnissen, Qualitäten und Dienstfertigkeit - muss erweitert werden. Wo immer es sie gibt, müssen nationale und regionale Institute die Programme und Systeme, die sie eingeführt haben, in vollem Umfang zur Anwendung bringen. Neue Institute müssen gebildet werden, wo der Bedarf danach erkannt wurde. Größere Schritte müssen unternommen werden, um die Lehrarbeit zu systematisieren, die durch individuelle Initiative und durch institutionelle Förderung unternommenen wird. Es ist teilweise zu diesem Zweck, dass die Berater und die Nationalen Räte in verschiedenen Gegenden jedes Kontinents "Regionale Wachstumsprogramme" aufgestellt haben. Die Ergebnisse werden einen Erfahrungsschatz liefern, der für zukünftige Pläne nützlich sein wird. Der Einzelne, die Institutionen und die örtlichen Gemeinden werden dringend gebeten, ihre Aufmerksamkeit auf diese wesentlichen Aufgaben zu richten, damit sie für das nächste Fünf-Jahres-Unternehmen, das zu Ridván 2001 beginnt, voll gerüstet sind - eine Unternehmung, die die Bahá'í-Welt zur nächsten Phase beim Fortschritt im Prozess des Beitritts in Scharen führen wird.
24. Aber jenseits der Aufmerksamkeit, die auf diese Aufgaben gerichtet wird, gibt es noch eine dringende Herausforderung, vor der wir stehen: Unsere Kinder müssen geistig genährt und in das Leben der Sache Gottes integriert werden. Man sollte darf zulassen, dass sie ziellos in einer Welt umherirren, die voll von moralischen Gefahren ist. Im gegenwärtigen Zustand der Gesellschaft sehen sich die Kinder einem grausamen Schicksal gegenüber. Millionen und Abermillionen von ihnen sind in allen Ländern sozial entwurzelt. Die Kinder sind ihren Eltern und der Erwachsenenwelt gegenüber entfremdet, ob sie nun unter armen oder reichen Lebensbedingungen leben. Diese Entfremdung hat ihre Wurzeln in der Selbstsucht, die aus dem Materialismus entsteht, welcher sich im Kern der Gottlosigkeit befindet, die die Herzen der Menschen überall erfasst. Die soziale Entwurzelung der Kinder unserer Zeit ist ein sicheres Anzeichen einer Gesellschaft des Niedergangs; dieser Zustand beschränkt sich jedoch nicht auf eine Rasse, Klasse, Nation oder wirtschaftliche Bedingung - er betrifft alle. Es betrübt unsere Herzen zutiefst festzustellen, dass in vielen Teilen der Welt Kinder als Soldaten benutzt, als Arbeiter ausgebeutet, in die Sklaverei verkauft, in die Prostitution gezwungen, zum Objekt für Pornographie herabgewürdigt, von Eltern, deren Denken nur um ihre eigenen Begierden kreist, verlassen werden oder auf andere Arten - zu zahlreich, um sie aufzuzählen - zu Opfern gemacht werden. Viele dieser Schrecken fügen Eltern selbst den eigenen Kindern zu. Der hieraus entstehende geistige und psychologische Schaden kann überhaupt nicht abgeschätzt werden. Unsere weltweite Gemeinde kann den Folgen dieser Zustände nicht entfliehen. Das Bewusstsein dieser Tatsache sollte uns alle zu dringlichen und beständigen Anstrengungen für die Interessen von Kindern und der Zukunft antreiben.
25. Obgleich Aktivitäten für Kinder auch ein Teil früherer Pläne waren, haben sie dem tatsächlichen Bedarf auf diesem Feld nicht annähernd entsprochen. Geistige Erziehung von Kindern und Junioren ist von größter Bedeutung für den weiteren Fortschritt der Gemeinde. Es ist daher geboten, Abhilfe für diesen Mangel zu schaffen. Die Institute müssen sicherstellen, dass ihre Programme die Ausbildung von Kinderklassenlehrern mit einschließen, die dann den örtlichen Gemeinden ihre Dienste zur Verfügung stellen können. Aber wenn auch eine geistige und schulische Ausbildung für Kinder wesentlich ist, bildet dies doch nur einen Teil dessen, was in die Entwicklung ihres Charakters und in ihre Persönlichkeitsbildung einfließen muss. Es ist notwendig, dass der Einzelne und die Institutionen auf allen Ebenen, d. h. die Gemeinde als Ganzes, Kindern gegenüber eine angemessene Haltung zeigen und sich allgemein für ihr Wohlergehen interessieren. Eine solche Einstellung sollte sich völlig abheben von derjenigen einer schnell zerfallenden Ordnung.
26. Kinder sind der kostbarste Schatz, den eine Gemeinde besitzen kann, denn in ihnen liegt die Verheißung und die Garantie für die Zukunft. In ihnen liegt keimhaft der Charakter der zukünftigen Gesellschaft, der im Wesentlichen durch das gebildet wird, was die Erwachsenen der Gemeinde für die Kinder tun oder zu tun versäumen. Sie sind ein Pfand, das keine Gemeinde ungestraft vernachlässigen darf. Eine allumfassende Liebe für die Kinder, die Art, wie man sie behandelt, die Qualität der ihnen geschenkten Aufmerksamkeit, der Geist, mit dem sich Erwachsene ihnen gegenüber verhalten - dies alles gehört zu den lebenswichtigen Aspekten der erforderlichen Einstellung. Liebe erfordert Disziplin, den Mut, Kinder an Mühsal zu gewöhnen, nicht allen ihren Launen nachzugeben und sie nicht ihren eigenen Neigungen ganz zu überlassen. Es muss eine Atmosphäre gewahrt werden, in der Kinder fühlen, dass sie zur Gemeinde gehören und sich an ihrem Ziel beteiligen. Sie müssen liebevoll aber nachdrücklich dahin geführt werden, nach den Bahá'í-Maßstäben zu leben und die Sache Gottes in einer Weise zu erforschen und zu lehren, wie es ihrem Lebensumfeld entspricht.
27. Unter den Jugendlichen in der Gemeinde sind auch die Junioren, im Alter etwa zwischen 12 und 15. Sie bilden eine besondere Gruppe, die besondere Bedürfnisse hat, da sie sich irgendwo zwischen Kindheit und Jugend befinden und viele Veränderungen in ihnen vorgehen. In schöpferischer, hingebungsvoller Aufmerksamkeit gilt es, sie an Programmen für Aktivitäten zu beteiligen, sie dabei mit ihren Interessen einzubeziehen, ihre Befähigungen für das Lehren und den Dienst zu bilden und sie in die sozialen Interaktionen mit älteren Jugendlichen einzubinden. Die Einbeziehung der Künste in ihren verschiedenen Formen kann in solchen Aktivitäten von großem Wert sein.
28. Und nun möchten wir einige Worte an Eltern richten, die bei der Erziehung ihrer Kinder die Hauptverantwortung tragen. Wir rufen sie auf, ihre ständige Aufmerksamkeit auf die geistige Erziehung ihrer Kinder zu richten. Es scheint, dass einige Eltern annehmen, dies liege ausschließlich in der Verantwortung der Gemeinde; andere glauben, dass die Unabhängigkeit der Kinder bei der Erforschung der Wahrheit gewahrt bleiben müsse und deshalb der Glaube ihnen nicht gelehrt werden dürfe. Wiederum andere fühlen sich unfähig, diese Aufgabe zu bewältigen. Nichts davon trifft zu. Der geliebte Meister sagte: "Vater und Mutter sind verpflichtet, Tochter und Sohn mit größter Anstrengung auszubilden", und fügte hinzu: "Wer diese Aufgabe vernachlässigt, der wird in Gegenwart des gestrengen Herrn zur Rechenschaft gezogen und mit Vorwürfen überhäuft werden." Unabhängig vom Niveau ihrer eigenen Ausbildung sind Eltern in der entscheidenden Lage, die geistige Entwicklung ihrer Kinder zu formen. Sie sollten unter keinen Umständen ihre Fähigkeit, den moralischen Charakter ihrer Kinder zu bilden, unterschätzen. Denn sie üben einen unersetzbaren Einfluss durch die häusliche Umgebung aus, die sie bewusst durch ihre Liebe zu Gott, ihr Bemühen, sich an Seine Gesetze zu halten, ihren Geist des Dienstes für Seine Sache, ihre nicht fanatische Einstellung und ihre Freiheit von den zersetzenden Wirkungen der üblen Nachrede schaffen. Jeder Elternteil, der an die Gesegnete Schönheit glaubt, hat die Verantwortung sich in solcher Weise zu benehmen, wodurch bei den Kindern spontan der Gehorsam gegenüber den Eltern entsteht, dem die Lehren solch hohen Wert beimessen. Natürlich sollten die Eltern zusätzlich zu ihrem Bemühen im Hause die von der Gemeinde eingerichteten Bahá'í-Kinderklassen unterstützen. Man muss auch daran denken, dass die Kinder in einer Welt leben, die sie durch den direkten Kontakt mit den Schrecken, die wir beschrieben haben, und durch die unvermeidliche überflutung der Massenmedien über die rauhen Realitäten informiert. Viele von ihnen werden daher zwangsläufig vorzeitig reif, und unter diesen gibt es solche, die nach Maßstäben und einer Disziplin suchen, nach der sie ihr Leben ausrichten können. Auf diesem düsteren Hintergrund einer dekadenten Gesellschaft sollten Bahá'í-Kinder als die Sinnbilder einer besseren Zukunft strahlen.
29. Wir hegen die lebhaftesten Erwartungen, wenn wir daran denken, dass die Kontinentalen Berater sich im Januar 2001 aus einem Anlass versammeln werden, bei dem wir den Einzug des Internationalen Lehrzentrums in seinen ständigen Sitz am Berge Gottes feiern werden. Hilfsamtsmitglieder aus der ganzen Welt werden mit ihnen an einer Versammlung teilnehmen, die sich zweifellos als eines der historischen Ereignisse des Gestaltenden Zeitalters erweisen wird. Die Zusammenkunft eines solchen Kreises von Bahá'í-Amtsträgern muss allein naturgemäß für eine Gemeinde, die dann kurz vor dem Ende eines Planes und dem Eintritt in einen neuen Plan stehen wird, zahllose Wohltaten bringen. Während wir über diese Auswirkungen nachsinnen, wenden wir uns mit dankbaren Herzen an die geliebten Hände der Sache Gottes 'Alí-Akbar Furútan und 'Alí Muhammad Varqá, die durch ihren Aufenthalt im Heiligen Land die Fackel des Dienstes hochhalten, die der geliebte Hüter in ihren Herzen entzündet hat.
30. Mit diesem Zwölf-Monate-Plan überqueren wir eine Brücke, zu der wir niemals zurückkehren werden. Wir beginnen diesen Plan in der Abwesenheit von 'Amatu'l-Bahá Rúhíyyih Khánum aus diesem irdischen Dasein. Sie blieb bei uns praktisch bis zum Ende des zwanzigsten Jahrhunderts als ein Strahl jenes Lichtes, das während jener unvergleichlichen Periode in der Geschichte der Menschheit schien. In den Sendschreiben zum Göttlichen Plan beklagte der Meister Seine Unfähigkeit, durch die Welt zu reisen, um den göttlichen Ruf zu erheben, und da er Seine Enttäuschung so intensiv fühlte, schrieb Er die Hoffnung nieder: "Es möge Gott gefallen, dass ihr es erreicht!" 'Amatu'l-Bahá reagierte darauf mit grenzenloser Energie, berührte weit verstreute Gegenden dieser Erde in den 185 Ländern, die dazu ausersehen waren, ihre unvergleichlichen Geschenke zu erhalten. Ihr Beispiel, das für immer seinen Glanz behalten wird, erleuchtet die Herzen von Tausenden und Abertausenden auf dem ganzen Erdball. Da jede andere Geste unangemessen erscheint, sollten wir nicht alle während dieses Planes unsere demütigen Bemühungen dem Gedenken jener widmen, für die Lehren das oberste Ziel, die vollkommenste Freude des Lebens war?
Während wir betrachten, was in dem Jahr erreicht wurde, das dem schicksalsschweren, letzten Zeitraum der Erfüllung des Vierjahresplanes vorausgeht, glühen unsere Herzen vor Hoffnung. Seit dem schwungvollen Jahresbeginn mit der Achten Internationalen Bahá’í-Tagung hat die Bahá’í-Welt das Tempo ihrer Aktivitäten beschleunigt und aufrechterhalten, das deutlich den Prozess des Beitritts in Scharen gefördert hat. Unsere Gemeinde ist beträchtlich gewachsen, ihre menschlichen Hilfsquellen wurden gestärkt. Von Expansionsprojekten bis zu Festigungsbemühungen, von sozialer und wirtschaftlicher Entwicklung bis zur Öffentlichkeitsarbeit und den Außenbeziehungen, von Diensten der Jugend bis zu Ausdrucksformen in den Künsten, vom Weltzentrum des Glaubens bis zu abgelegenen Dörfern und Städten – von welchem Blickwinkel aus man die Gemeinde auch betrachtet – es wurden Fortschritte gemacht. Die Aussichten für den Plan spornen an.
Der Impuls, der von der Internationalen Tagung ausging, durchzog auch die unmittelbar folgende Konferenz des Berateramts, gab den unermüdlichen Teilnehmern weiteren Auftrieb und beflügelte die im Mai abgehalte- nen Nationaltagungen, inklusive der in Sabah, Sarawak und der Slowakei, die auf ihrer ersten Tagung ihre Nationalen Geistigen Räte bildeten. Dieselbe Energie erfüllte das Internationale Lehrzentrum, das in der kurzen Zeit seiner sechsten Amtsperiode, die mit dem Jahrestag der Erklärung des Báb begann, eine bemerkens- werte Kraft gezeigt hat. Auf die Vervollkommnung und Festigung ihrer Organisation konzentriert, haben die Mitglieder des Lehrzentrums auf ihre üblichen Reisen während dieses ersten Jahres verzichtet; nach dieser Phase ist jedoch zu erwarten, dass sie ihre Besuche in den verschiedenen Teilen der Welt wieder aufnehmen, um ihren belebenden Einfluss auf die erfolgreiche Beendigung des Vierjahresplanes zu verstärken.
Zusätzlich zu jenen Ereignissen im Heiligen Land schreiten die Bauprojekte auf dem Berg Karmel, die von den Delegierten auf der Internationalen Tagung mit solch freudigem Erstaunen betrachtet wurden, weiter voran bis zu ihrer planmäßigen Vollendung zum Ende des Jahrhunderts. Mit dem Beginn aller übrigen Baumaßnahmen seit letztem Ridván hat das Arbeitstempo einen neuen Höhepunkt erreicht. Das Zentrum für das Studium der Schriften und die Erweiterung des Archivgebäudes werden in den nächsten Wochen bezugsfertig sein; die Außenfassade des Internationalen Lehrzentrums ist mit Marmor verkleidet und die abschließenden Innenarbeiten schreiten auf allen Ebenen voran. Das Absenken der Hatzionut Avenue zur Einpassung der Brücke, die jetzt die Terrassen des Schreins des Báb zu beiden Seiten der Straße miteinander verbindet, wurde fertiggestellt und der normale Stadtverkehr wieder aufgenommen. Die sich entfaltende Pracht der Terrassen hat derartige Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit gefunden, dass die neunzehnte Terrasse auf dem Gipfel des Berges bereits täglich für Besucher geöffnet wurde und begeisterte Reaktionen einer dankbaren Bevölkerung hervorgerufen hat. Als Teil einer Kampagne mit dem Ziel, internationale Aufmerksamkeit auf die Stadt zu ziehen, hat die Stadtverwaltung von Haifa eine bebilderte Broschüre des Schreins des Báb und der Terrassen herausgebracht, die neben Hebräisch in fünf weiteren Sprachen erhältlich ist.
Wir fühlen uns veranLasst, noch zwei weitere Entwicklungen im Weltzentrum zu erwähnen, die ganz anderer Art sind: Erstens, die Entscheidung, die Anzahl der Pilger für jede Gruppe von 100 auf 150 zu erhöhen; diese wird in Kraft treten, wenn die derzeitige Renovierung des neu erworbenen Gebäudes, das sich gegenüber dem Weg zur Ruhestätte des Größten Heiligen Blattes befindet, vollendet ist und dort ein Pilgerraum sowie andere Einrichtungen zum Abhalten eines erweiterten Pilger-Programms zur Verfügung stehen. Zweitens ist der bedeutende Fortschritt zu nennen, der - trotz der unvermeidlichen Langsamkeit des Prozesses - in dem Vorhaben gemacht wird, Texte der Schriften Bahá’u’lláhs zu übersetzen, mit der Absicht, einen neuen englischen Band Seiner Werke herauszugeben. Es werden Anstrengungen unternommen, vollständige Versionen solch bedeutender Tablets wie der Súriy-i-Mulúk und der Súriy-i-Haykal, sowie die vollständigen Texte von Tablets an einzelne Könige und Herrscher bereitzustellen. Auch die Súriy-i-Ra'ís, das Lawh-i-Ra'ís und das Lawh-i-Fu'ád sollen darin enthalten sein.
Die Sache Bahá’u’lláhs schreitet unablässig voran, gestärkt durch die zunehmende Anwendung eines systematischen Ansatzes zur Entfaltung und Nutzung menschlicher Hilfsquellen. Die weitere Einrichtung von nationalen und regionalen Bahá‘í-Instituten, jetzt 344 an der Zahl, hat diese Entwicklung vorangetrieben, mit dem Ergebnis, dass - abgesehen von Nordamerika und Iran, wo zahlreiche Kurse gegeben wurden - etwa 70.000 Personen bereits zumindest einen Institutskurs abgeschlossen haben. All dies trägt zu einer wachsenden Zahl von gefestigten, aktiven Anhängern der Sache bei. Das unermeßliche Potential dieses Fortschritts wird durch Berichte wie dem aus dem Chad illustriert, wo in einem mit einem Institut ausgestatteten Gebiet mehr als 1000 Menschen durch die individuellen Bemühungen der Institutsteilnehmer den Glauben annahmen. Das Verständnis für die Notwendigkeit der systematischen Entwicklung menschlicher Hilfsquellen etabliert sich überall.
Zeitgleich mit der erwiesenen Wirksamkeit der Institute entstehen, pragmatisch begründet, Regionale Bahá’í Räte in ausgewählten Ländern, in denen die Umstände die Einrichtung dieser Institutionen notwendig und realisierbar gemacht haben. Wo es enge Interaktionen zwischen einem Regionalen Rat und einem Institut gibt, ist die Bühne frei für eine stimulierende Verknüpfung der Prozesse, welche effektive Ausbreitung und Festigung in einer Region bewirken, und für ein praktisches Anpassen der Institutsausbildung an die Entwicklungsbe dürfnisse der örtlichen Gemeinden. Außerdem lassen die Richtlinien, über die das Kontinentale Berateramt und die Regionalen Räte direkten Zugang zueinander haben, eine weitere institutionelle Beziehung aufkommen, die unter Einbeziehung der Verbindung der Regionalen Räte mit den Nationalen und örtlichen Geistigen Räten zu einer dynamischen Integration der Funktionen auf regionaler Ebene führt.
Die sich ständig ausweitende soziale und wirtschaftliche Entwicklungsarbeit profitiert ebenfalls von der Arbeit solcher Bahá’í-Institute, die Themen wie Alphabetisierung, grundlegende Gesundheitsfürsorge und Förderung von Frauen Aufmerksamkeit schenken. Die mehr in die Breite gehenden Bemühungen des Büros für Soziale und Wirtschaftliche Entwicklung, einen weltweiten Prozeß des Lernens und Erfahrens über relevante Bahá’í Prinzipien voranzutreiben, werden sowohl durch die Arbeit solcher Institute, als auch durch das Entstehen von Bahá’í-inspirierten Organisationen, die über den ganzen Planeten verstreut sind, verstärkt. Sicherlich wird damit die institutionelle Fähigkeit, solche Entwicklungsprogramme durchzuführen, an Stärke gewinnen. Dies tritt in Projekten zutage, die von Bahá’í-Institutionen getragen oder von einzelnen durch die Inspiration des Glaubens initiiert wurden. Ein herausragendes Beispiel hierfür ist das Unity College, das erste und seit Ende 1998 das einzige private College des Landes, das von einer Familie in Äthiopien gegründet wurde und dessen Studentenzahl während des letzten Jahres auf über 5.000 anstieg. Ein weiteres Beispiel, viel kleiner aber nichtsdestotrotz bedeutend, ist die Initiative einer Familie in Buffalo, New York; in ihrem Haus helfen sie Dutzenden Kindern und Jugendlichen aus der Innenstadt dabei, durch die geistigen und ethischen Bahá’í-Lehren Verhaltensweisen zu entwickeln, die sie befähigen werden, auf Armut und Rassismus gewachsene selbstzerstörerische Einstellungen zu überwinden.
Im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit und Außenbeziehungen wurden die nachdrücklichsten Aktionen von zwei tragischen Ereignissen im Iran ausgelöst. Die plötzliche Hinrichtung von Rúhu'lláh Rawhání in Mashhad Ende Juli, die erste offizielle Aktion solcher Art seit sechs Jahren, war ein Schock, der einen weltweiten und unvorhergesehenen Schrei der Empörung seitens Regierungen und Organisationen der Vereinten Nationen hervorrief. Ende September lancierte der Iranische Geheimdienst einen geplanten Angriff auf die Bahá’í Hochschule, in dessen Verlauf 36 Mitglieder des Lehrkörpers inhaftiert und mehr als 500 Häuser im ganzen Land geplündert wurden. Letzterer Vorfall rief eine weltweite, immer noch andauernde Protestkampagne hervor, an der akademische Institutionen und Einrichtungen, Lehrer und Studentengruppen teilgenommen haben und an der die Presse ein spezielles Interesse zeigte, was sich im Erscheinen bedeutender Artikel in Le Monde, The New York Times und anderen großen Zeitungen niederschlug. Die erfolgreiche Verabschiedung einer weiteren Resolution zum Iran durch die Vollversammlung der Vereinten Nationen im letzten Dezember, in der die Bahá’í besonders erwähnt werden, war sicherlich beEinflusst von diesen zwei auffallenden Beispielen einer unvermindert fortdauernden religiösen Verfolgung.
So intensiv die Anforderungen an die Freunde in allen Teilen der Welt auch waren, unsere bedrängten Mitgläubigen zu verteidigen, wurde zugleich doch viel Aufmerksamkeit einem breiten Spektrum von anderen Öffentlichkeitsaktivitäten gewidmet. Die viermonatige Reise eines Entsandten des Universalen Hauses der Gerechtigkeit, Herrn Giovanni Ballerio, zu den Pazifischen Inseln, wo er mit 22 Staatsoberhäuptern, 5 Regierungsoberhäuptern und über 40 hochrangigen Beamten zusammentraf, die Bemühungen einer Anzahl Nationaler Geistiger Räte, sich auf die Aufforderung der Internationalen Bahá’í-Gemeinde bei den Vereinten Nationen hin für die Menschenrechtserziehung einzusetzen, die Teilnahme von Repräsentanten der dazu eingeladenen Bahá’í-Gemeinde Südafrikas an der Arbeit der südafrikanischen Wahrheitskommission, in der sie ihre unerschrockene Unterstützung der Einheit der Rassen während der Jahre der Apartheid darstellen konnten, der kürzliche Erfolg der Gemeinden in Australien, Brasilien, Finnland und Portugal im Einholen der Erlaubnis von Erziehungsbehörden, Kurse über den Bahá’í-Glauben in die Lehrpläne von Grund- und Realschulen zu integrieren, - diese, und nicht zuletzt die Projekte, die eine Bekanntmachung in allen Mediensparten bewirkten, sind Beispiele für die breit angesetzten Unternehmungen im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit und der Außenbeziehungen, welche die Energien der Gemeinden gebunden haben.
Eine begleitende Flut an Aktivitäten berücksichtigte den Einsatz der Künste; darunter stellten die musikalischen und anderen künstlerischen Präsentationen während der Feierlichkeiten in Paris zum hundertjährigen Bestehen des Glaubens in Europa ein herausragendes Ereignis dar. Der Voices-of-Bahá-Chor, mit 68 Mitgliedern aus Europa, Nord- und Südamerika, begeisterte das Publikum in acht europäischen Städten und machte den Glauben vielen bekannt. "Light and Fire", der vollendete Teil einer Oper mit Ballett, geschrieben von dem Bahá’í-Komponisten Lasse Thoresen aus Norwegen, wurde auf einem weithin angesehenen Musik-Festival in Polen, bekannt als Warschauer Herbst, das von der Königin von Schweden eröffnet wurde, im letzten September erfolgreich aufgeführt. Das Werk basiert auf dem heroischen Verhalten der Märtyrer im Iran in jüngster Zeit und brachte somit das Publikum mit dem Glauben in Berührung. Bezeichnend für Europas offensichtliche Führerschaft bei solcherart Bestrebungen war auch das österreichische Kammermusik-Festival, auf dem das Österreichische Verdienstkreuz für Wissenschaft und Künste - die höchste Auszeichnung dieser Art in Österreich - an Herrn Bijan Khadem-Missagh, einen Bahá’í-Violinisten und Dirigenten, durch den Bundespräsidenten der Republik Österreich verliehen wurde. In einem Programmpunkt desselben Festivals wurden Auszüge aus den Bahá’í-Schriften und anderen Heiligen Schriften rezitiert. Es muss aber auch ein Wort der Anerkennung ausgesprochen werden für die herausragende Rolle, die von der Jugend auf der ganzen Welt bei der Einbeziehung der Künste in die Lehrarbeit gespielt wird. Insbesondere die Auftritte ihrer Tanzgruppen haben sich einen Namen innerhalb wie außerhalb der Bahá’í-Gemeinde erworben.
Deshalb betreten wir diese Ridván-Zeit als eine Gemeinde in einem dynamischen Stadium der Transformation, die sich einer Geschlossenheit der Vision und Aktivität erfreut, die in Einklang mit dem Ziel der Förderung des Prozesses zum Beitritt in Scharen steht. Und wir beginnen das letzte Jahr des Planes mit einem Schub an administrativer Stärke, denn drei europäische Länder – Lettland, Litauen und Mazedonien – halten ihre ersten Nationaltagungen zur Bildung von Nationalen Geistigen Räten ab und erhöhen somit die Anzahl der Pfeiler des Universalen Hauses der Gerechtigkeit auf 182 . Aber nach diesem festlichen Moment bricht eine zeitliche Abfolge von Erwartungen an, an deren erster Stelle zunächst der Abschluss des Vierjahresplanes zu Ridván 2000 steht. Dem folgt mit dem Tag des Bundes in jenem Jahr der Beginn einer neuen Amtsperiode für das Kontinentale Berateramt, deren Mitglieder bald danach zu einer Konferenz ins Weltzentrum gerufen werden, auf der – neben anderen Themen – die Grundzüge des nächsten weltweiten Verbreitungs- und Festigungsplanes erörtert werden. Die Konferenz der Berater wird den Einzug des Internationalen Lehrzentrums in seinen dauerhaften Amtssitz kennzeichnen, ein Anlaß, zu dem die Hilfsamtsmitglieder auf der ganzen Welt eingeladen werden, sich den Beratern im Heiligen Land anzuschließen. Die Projekte am Berg Karmel werden bis dahin abgeschlossen sein und die Vorbereitungen zu den Einweihungsfeiern, geplant für den 22. und 23. Mai 2001, zu denen eine Anzahl von Vertretern aus jeder nationalen Bahá’í-Gemeinde eingeladen werden, sind dann schon weit fortgeschritten. Einzelheiten zu diesen Ereignissen werden zu gegebener Zeit bekanntgegeben.
Diese Vorausschau auf gewichtige Ereignisse führt über die Zeitenteilung zwischen dem - gemäß der allgemeinen Zeitrechnung - 20. Jahrhundert und dem neuen Jahrtausend hinweg. Es ist eine Vorausschau, die den Kontrast zwischen der zuversichtlichen Vision, die eine erleuchtete Gemeinde zu konstruktiven Vorhaben beflügelt, und den verwirrten Ängsten unterstreicht, die Millionen über Millionen ergriffen haben, die sich des Tages, an dem sie leben, nicht bewusst sind. Echter Führung beraubt, verweilen sie in den Schrecken des Jahrhunderts, in Verzweiflung darüber, was diese für die Zukunft bedeuten könnten, kaum wahrnehmend, dass eben dieses Jahrhundert ein Licht enthält, das auf zukünftige Jahrhunderte scheinen wird. Schlecht ausgerüstet für das Verständnis der sozialen Umwälzung, die den gesamten Planeten erfaßt hat, hören sie auf die Experten des Irrtums und sinken immer tiefer in einen Sumpf der Hoffnungslosigkeit. Beunruhigt von den Voraussagen des Untergangs, kämpfen sie mit den Phantomen falsch genährter Vorstellungen. In Unkenntnis der verwandelnden Vision, die der Herr des Zeitalters gewährt hat, stolpern sie vorwärts, blind gegenüber der Einzigartigkeit des neuen Tages Gottes.
Die beklagenswerten Verhältnisse, die solch ein Herzens- und Geisteszustand nach sich zieht, müssen uns zwangsläufig zum Handeln bewegen, zu unablässigem Handeln, um die Absicht eines Planes zu erfüllen, dessen Hauptziel es ist, die Prozesse zu beschleunigen, die es einer wachsenden Zahl der Weltbevölkerung ermöglichen, das Ziel ihrer Suche zu finden und ein Leben in Einheit, Frieden und Wohlergehen zu führen.
Liebe Freunde, die Tage vergehen so schnell wie das Aufblitzen eines Sterns. Setzen Sie jetzt Ihr Zeichen, an diesem kritischen Wendepunkt einer Zeit, dergleichen niemals wiederkehren wird. Setzen Sie dieses Zeichen mit Taten, die Ihnen himmlische Segensgaben bringen werden – sichern Sie sich und der ganzen Menschheit eine Zukunft, die über jegliche irdische Vorstellung hinausreicht.
Freudigen Herzens bestaetigen wir zu dieser Halbzeit des Vier-Jahres-Planes, dass die weltweite Bahá’í Gemeinschaft in dieser dynamischen Etappe ihrer Entwicklung dabei ist, neue Wege zu bahnen. Der Prozeß des Beitritts in Scharen, auf den sich ihre Energien konzentrieren, macht deutliche Fortschritte.
Drei Entwicklungen geben unseren Erwartungen Zuversicht. Die eine besteht in den soliden Ergebnissen, die überall dort, wo Bahá’í-Institute arbeiten, hervorgerufen werden. Zehntausende Freunde haben während der letzten zwei Jahre wenigstens einen Institutskurs abgeschlossen. Die unmittelbaren Auswirkungen auf sie waren ein deutlich gefestigter Glaube, ein größeres Bewusstsein ihrer geistigen Identität und ein stärkeres Engagement im Dienst an der Bahá’í-Sache. Die zweite betrifft eine bemerkenswerte Verbesserung der Bedingungen bei der Bildung und Wiederbildung von örtlichen Geistigen Räten. 1997 wurde die Entscheidung wirksam, diese Institutionen nur noch am ersten Ridván-Tag und hauptsächlich auf Initiative der Gemeinde selbst zu bilden. Obgleich die Zahl der örtlichen Räte weltweit daraufhin abnahm, was nicht unerwartet war, blieb doch der Rückgang gering, in einigen Ländern wurde sogar eine Zunahme verzeichnet. Dieses Ergebnis deutet darauf hin, dass der Reifeprozeß dieser göttlich verordneten Institutionen in den richtigen Bahnen verläuft. Die dritte Entwicklung besteht darin, dass ein neues Vertrauen in die Lehrarbeit die Freunde beseelt, was in verschiedenen Gegenden beeindruckende Ergebnisse zeitigt. Das Potential für einen stetigen und ständig zunehmenden Zustrom von neuen Gläubigen war immer vorhanden, und wir können vertrauensvoll sagen, dass die Fähigkeit es zu verwirklichen mit der Umsetzung des gegenwärtigen Planes mehr denn je methodisch entwickelt wird.
Zusätzlich zu diesen Zeichen des Fortschritts freuen wir uns über die bewundernswerte Geschwindigkeit, mit der die Bauprojekte am Berge Karmel vorangeschritten sind, um den für das gerade vergangene Jahr gesteckten Zeitplan zu erfüllen. Die Bildung von drei neuen Nationalen Geistigen Räten - Sabah, Sarawak und Slowenien – sowie die Wiedererrichtung des Nationalen Geistigen Rates von Liberia steht im Mai bevor. Damit erhöht sich die Zahl der Pfeiler des Universalen Hauses der Gerechtigkeit auf 179. Während wir über die göttlichen Gnadengaben nachsinnen, die unserer Gemeinde verliehen werden, anerkennen wir mit tiefster Dankbarkeit die beständigen Dienste, die von den einzelnen Händen der Sache Gottes, dem Internationalen Lehrzentrum, den Beratern und ihrer Hilfsämter auf allen Kontinenten geleistet werden. Die zunehmende Stärke von Nationalen Geistigen Räten festigt unsere Gewißheit über das unmittelbare Eintreten überwältigender Siege.
Vor dem chaotischen Hintergrund eines Planeten, der mit sich selbst uneins ist, hebt sich dieses erfreuliche Bild der Zukunftsaussichten der Gemeinde ab. Und doch ist offensichtlich, dass inmitten der verbreiteten Trostlosigkeit des menschlichen Geistes sich in irgendeiner Schicht des Bewusstseins unter den Völkern der Welt ein wachsendes Gefühl dafür regt, dass die Bewegung in Richtung auf globale Einheit und Frieden unwiderstehlich ist. Dieses Gefühl wird in dem Masse geweckt, wie die materiellen Schranken zwischen den Völkern faktisch durch die atemberaubenden Fortschritte in den Wissenschaften und ihren Anwendungen beseitigt werden. Trotzdem bleibt die Menschheit durch eine Serie von welterschütternden Heimsuchungen und weltgestaltenden Entwicklungen gegenwärtig noch benommen und verwirrt. Was an Sturm und Ungestüm das soziale Gewebe zur Zeit aufpeitscht, ist für alle unverständlich außer für jene relativ wenigen Bewohner des Planeten, die Gottes Absicht für diesen Tag erkannt haben.
Überall sind unsere Mitmenschen, ohne sich dessen gewahr zu sein, zur gleichen Zeit widersprüchlichen Emotionen unterworfen, hervorgerufen von den fortgesetzten Auswirkungen simultaner Prozesse ”des Aufstiegs und des Verfalls, des Zusammenschlusses und der Auflösung, der Ordnung und des Chaos”. Shoghi Effendi hat sie als Aspekte des Größeren und Geringeren Planes Gottes bezeichnet, die zwei bekannten Wege, durch die sich Seine Absicht für die Menschheit vollzieht. Zum Größeren Plan gehören Umbruch und katastrophale Erschütterungen und er schreitet mit scheinbar planloser Willkür voran, aber in Wirklichkeit treibt er die Menschheit unerbittlich zur Einheit und Reife. Das bewirken zum größten Teil Menschen, die seine Bahn nicht kennen und seinem Ziel sogar feindlich gegenüberstehen. Shoghi Effendi hat schon darauf hingewiesen, dass Gottes Größerer Plan ”in Seinem die Welt gestaltenden Spiel sowohl die Mächtigen wie die Niedrigen als Figuren benutzt, um Seinen unmittelbaren Zweck zu erreichen und schließlich Sein Königreich auf Erden zu errichten.” Die durch ihn erzeugte Beschleunigung der Prozesse gibt Entwicklungen neuen Schwung, die bei allem anfänglichen Schmerz und Kummer wir Bahá’í als Anzeichen dafür erkennen, dass der Geringere Frieden in Erscheinung tritt.
Anders als Sein Größerer Plan, der auf geheimnisvolle Weise wirkt, ist Gottes Geringerer Plan klar aufgezeichnet, er vollzieht sich über systematische und uns bekannte Prozesse und wurde uns zur Ausführung übertragen. Sein Endziel ist der Größte Friede. Der vierjährige Feldzug, dessen Halbzeit wir erreicht haben, stellt die gegenwärtige Phase des Geringeren Planes dar. Auf das Erreichen seiner Ziele müssen wir daher unsere ganze Aufmerksamkeit und Energie richten.
Gelegentlich mag es scheinen, dass der Verlauf des Größeren Planes eine Störung im Ablauf des Geringeren Planes bewirkt, aber die Freunde haben allen Grund, unverzagt zu bleiben. Denn sie erkennen den Ursprung des in der Welt wiederholt auftretenden Aufruhrs und ”bejahen”, wie schon Shoghi Effendi sagte, ”seine Notwendigkeit, beobachten zuversichtlich seinen geheimnisvollen Verlauf, flehen um Milderung seiner Strenge, mühen sich einsichtig um eine Abschwächung seines Wütens und richten ihren ungetrübten Blick voraus auf das Ende der Schrecknisse und die Hoffnungen, das es zwangsläufig zeitigen muss.”
Auch eine flüchtige Betrachtung der Weltszenerie in den letzten Jahren kann nur zu solchen Beobachtungen führen, die für einen Bahá’í-Betrachter besonders bedeutungsschwer sind. Zum einen kann man selbst im Getöse einer im Aufruhr befindlichen Gesellschaft eine unmissverständliche Tendenz in Richtung auf den Geringeren Frieden erkennen. Einen faszinierenden Hinweis liefert das größere Engagement der Vereinten Nationen an überfälligen drängenden Weltproblemen, wobei sie von mächtigen Regierungen unterstützt werden; ein weiterer ergibt sich in allerletzter Zeit aus der Tatsache, dass führende Politiker in dramatischer Weise erkennen, was die enge Verknüpfung aller Nationen auf dem Gebiet des Handels und der Finanzen tatsächlich bedeutet - eine Vorbedingung, die Shoghi Effendi schon lange als einen wesentlichen Aspekt für eine organisch geeinte Welt erkannt hatte. Aber eine für die Bahá’í-Gemeinschaft noch viel bedeutsamere Entwicklung besteht darin, dass eine beachtliche Zahl von Menschen jetzt nach geistiger Wahrheit sucht. Mehrere kürzlich veröffentlichte wissenschaftliche Studien sind diesem Phänomen gewidmet. Ideologien, die den größten Teil dieses Jahrhunderts beherrschten, haben sich erschöpft; mit ihrem Schwinden in den letzten Jahren des Jahrhunderts wächst ein Hunger nach Sinn, eine Sehnsucht der Seele.
Dieser geistige Hunger ist durch Ruhelosigkeit und durch eine sich steigernde Unzufriedenheit mit dem moralischen Zustand der Gesellschaft gekennzeichnet. Er zeigt sich auch in einem aufbrechenden Fundamentalismus bei verschiedenen religiösen Sekten und einer Vervielfachung von Bewegungen, die sich als Religionen ausgeben oder deren Platz einzunehmen streben. Dies sind Beobachtungen, durch die man die Interaktion zwischen den zwei auf dem Planeten am Werk befindlichen göttlich vorangetriebenen Prozessen klar erkennen kann. Die durch die Vorsehung gebotenen vielfältigen Gelegenheiten, die Botschaft Baha’u’llahs suchenden Seelen zu übermitteln, schaffen für den Bahá’í-Lehrer Situationen voller Möglichkeiten. Die Folgerungen für die vor uns liegende Aufgabe sind ungeheuer ermutigend.
Unsere Hoffnungen können erfüllt, unsere Ziele erreicht und unsere Möglichkeiten des Fortschritts können verwirklicht werden, wenn wir unsere Bemühungen auf das Hauptziel des Göttlichen Planes in seiner gegenwärtigen Phase richten: einen bedeutenden Fortschritt beim Prozess des Beitritts in Scharen zu erreichen. Dieser Herausforderung können wir begegnen, indem wir uns geduldig und ausdauernd bemühen. Der Beitritt in Scharen liegt für unsere Gemeinschaft in greifbarer Nähe. Beharrlicher Glaube, Gebet, die Eingebungen der Seele, Göttlicher Beistand - diese gehören als wesentliche Bestandteile zu jeder Bahá’í-Unternehmung. Um den Beitritt in Scharen zu erreichen, sind jedoch eine realistische Vorgehensweise und systematisches Handeln von gleicher Wichtigkeit. Auf diesem Weg gibt es keine Abkürzungen. Systematisches Vorgehen stellt sicher, dass die Handlungslinien folgerichtig sind und auf wohldurchdachten Plänen basieren. Allgemein gesagt, bedeutet es, in allem, was Bahá’í-Dienst anbetrifft, methodisch vorzugehen, ob es sich um das Lehren oder die Administration, um individuelles oder gemeinschaftliches Bemühen handelt. Während individuelle Initiative und Spontaneität ihren Platz haben, legt doch die Notwendigkeit nahe, eine klaren Kopf zu behalten, methodisch, effizient, beständig, ausgewogen und harmonisch zu sein. Systematisierung ist eine notwendige Funktionsweise, die von der Dringlichkeit zum Handeln beseelt ist.
Um eine systematische Entwicklung der Gemeinde sicherzustellen, besteht eine der Aufgaben der Bahá’í Institutionen darin, den Prozeß der Entwicklung von menschlichen Hilfsquellen zu organisieren und aufrecht zu erhalten, durch den Bahá’í - neue und altgediente in gleicher Weise - die Kenntnisse und Fähigkeiten erwerben können, eine ständige Ausbreitung und Festigung der Gemeinde zu unterstützen. Zu diesem Zweck ist die Errichtung von Bahá’í-Instituten entscheidend, da sie Zentren sind, durch die eine große Anzahl von Personen ihre Fähigkeit, den Glauben zu lehren und zu verwalten, erwerben und verbessern können. Allein ihr Bestehen unterstreicht die Wichtigkeit, Wissen über den Glauben zu haben als eine Kraftquelle, um das Leben der Bahá’í-Gemeinde und der sie bildenden Menschen anzuregen.
Die vorliegenden Fakten bestätigen, dass der Vier-Jahres-Plan dort funktioniert, wo ein systematisches Vorgehen verstanden und angewandt wird. Die gleichen Fakten zeigen auch, dass die Institutionen des Glauben in ihren vereinten Bemühungen auf nationaler, regionaler und örtlicher Ebene sich eindeutig an diese Bedingungen gehalten haben. Bei den einzelnen jedoch, auf denen der schließliche Erfolg des Planes beruht, ist dieses Verständnis weniger ausgeprägt. Aus diesem Grunde müssen wir unseren Mitgläubigen gegenüber betonen, wie wichtig dieses Erfordernis für ihre persönlichen Bemühungen ist, um Erfolge beim Lehren und bei anderen Unternehmungen zu haben.
In dem Maße wie er von nationalen und örtlichen Institutionen in Programme und Projekte umgesetzt wird, gibt der Plan u.a. die Richtung an, bezeichnet Ziele, regt zu Bemühungen an und liefert eine Vielzahl von benötigten Gelegenheiten und Materialien, aus denen die Arbeit der Lehrer und Administratoren Nutzen ziehen kann. Das ist für ein ordnungsgemäßes Funktionieren der Gemeinde natürlich notwendig, aber es bleibt ohne Folgen, wenn nicht die einzelnen Mitglieder durch eine aktive Beteiligung darauf reagieren. Indem er oder sie so reagiert, muss auch jeder einzelne eine bewusste Entscheidung treffen, was er oder sie im Dienst an dem Plan tun wird und wie, wo und wann dieses Tun erfolgen soll. Diese Entscheidung macht es dem einzelnen möglich, den Fortschritt seines Tuns zu überprüfen und - falls nötig - die zu unternehmenden Schritte teilweise abzuwandeln. Wenn er sich an ein solches Verfahren des systematischen Bemühens gewöhnt, verleiht jeder Bahá’í seinem Leben Bedeutung und Erfüllung.
Der einzelne muss nicht nur auf den Aufruf der Institutionen reagieren, er ist darüber hinaus von Bahá’u’lláh Selbst mit der heiligen Pflicht betraut, Seine Sache zu lehren, was von Ihm als ”die verdienstvollste aller Taten” bezeichnet wird. Solange es noch Seelen gibt, die der Erleuchtung bedürfen, bleibt diese Pflicht sicherlich die ständige Beschäftigung jedes Gläubigen. Was ihre Erfüllung anbetrifft, so ist jeder einzelne direkt Baha’u’llah gegenüber verantwortlich. ”Lasst ihn nicht”, rät Shoghi Effendi dringend, ”auf irgendwelche Anweisungen warten oder irgendeine Ermutigung von seiten der gewählten Vertreter seiner Gemeinde erwarten, noch sollte er durch die Hindernisse abgeschreckt werden, die seine Verwandten oder Mitbürger geneigt sein mögen, ihm in den Weg zu legen, noch sollte er den Tadel seiner Kritiker oder Feinde beachten.” Die Schriften der Zentralgestalten und unseres Hüters sind überreich an Ratschlägen und Ermahnungen, was die unersetzliche Rolle des einzelnen beim Fortschritt des Glauben betrifft. Es ist daher unvermeidlich, dass wir uns an diesem besonderen Zeitpunkt im Leben der gesamten Menschheit dazu gedrängt fühlen, an jedes einzelne Mitglied unserer Gemeinde zu appellieren und es zu bitten, die dringliche Situation zu bedenken, der wir uns alle als Helfer der Abhá-Schönheit gegenübersehen.
Es ist unser Schicksal, liebe Brüder und Schwestern, dass wir bewusst an einem ungeheuren historischen Prozeß beteiligt sind, dergleichen noch nie von irgendeinem Volk erlebt wurde. Als eine Weltgemeinschaft haben wir bisher einen einzigartigen und großartigen Erfolg errungen, indem wir - dank der unschätzbaren Opfer von Leben, Mühen und Wertvollem, die viele Tausende unserer geistigen Vorfahren willig dargebracht haben - das ganze Spektrum der Menschheit repräsentieren. Es gibt keine andere menschliche Vereinigung, die beanspruchen kann, ein System errichtet zu haben, das die Fähigkeit unter Beweis gestellt hat, Gottes Kinder in einer weltumspannenden Ordnung zu vereinen. Diese Leistung verleiht uns nicht nur eine Position unvergleichlicher Stärke, sondern legt uns auch eine unausweichliche Verantwortung auf. Hat nicht daher jeder von uns eine göttliche Verpflichtung wahrzunehmen, eine heilige Pflicht zu erfüllen gegenüber jedem anderen, der sich des Rufes Gottes jüngster Offenbarung noch nicht bewusst ist? Die Zeit bleibt nicht stehen und wartet nicht. In jeder verrinnenden Stunde ereilt eine neue Heimsuchung eine aufgewühlte Menschheit. Wagen wir es da zu zaudern?
In nur zwei Jahren geht der Vier-Jahres-Plan zu Ende, nur wenige Monate vor dem Abschluss eines unvergeßlichen Jahrhunderts. Eine zweifache Begegnung mit dem Schicksal steht uns bevor. Indem Er das beispiellose Potential des 20. Jahrhunderts pries, bekräftigte der geliebte Meister, dass es auf ewig Spuren hinterlassen werde. Im Besitz einer solchen Vision müssen sich im Geist eines achtsamen Anhängers der Gesegneten Schönheit zweifellos bange Fragen regen, welche Rolle er oder sie in diesen dahinschwindenden Jahren spielen wird und ob er oder sie am Ende dieser zukunftsträchtigen Zeit unter den dauerhaften Spuren, die der Meister vorhersah, ein Zeichen hinterlassen haben wird. Um einer die Seele befriedigenden Antwort sicher zu sein, ist vor allem eines nötig: handeln, jetzt handeln und beständig handeln.
Wir beten innig an der Heiligen Schwelle für uns alle, dass wir in allem was wir tun, um die dringlichen Ziele des Göttlichen Planes in einem so schicksalsträchtigen Augenblick der Menschheitsgeschichte zu erfüllen, göttliche Hilfe und reiche Bestätigung erhalten.
Voll Freude und mit dankbaren Herzen begrüßen wir den begeisterten Widerhall, den der letzten Ridván begonnene Vier-Jahres-Plan auf allen Kontinenten hervorgerufen hat. Beratungen zwischen den Kontinentalen Beratern und den Nationalen Geistigen Räten setzten einen ausgedehnten Planungsprozeß in Gang, an dem auch Hilfsamtsmitglieder und örtliche Geistige Räte beteiligt waren. Durch diesen Prozeß nahmen die nationalen und regionalen Pläne Gestalt an. Aber diese weltumspannende Maßnahme hat mehr bewirkt, als nur unterschiedliche Pläne für die verschiedenen Länder hervorzubringen; sie hat auch der Beziehung der Zusammenarbeit zwischen den beiden Armen der administrativen Ordnung Auftrieb gegeben, ein höchst begrüßenswertes Vorzeichen für die noch kommenden Siege. Ein Zeichen für die unmittelbare Auswirkung des Planes war die Geschwindigkeit, mit der während der letzten zwölf Monate Schritte zur Errichtung von fast 200 Bahá’í- Instituten unternommen wurden. Viele von ihnen gingen weit über den Entwurf ihrer organisatorischen Abwicklung hinaus; sie funktionieren bereits schon und haben ihre ersten Kurse angeboten. Darüber hinaus war eine Bewegung von Pionieren und Reiselehrern an der Heimatfront und auf dem internationalen Feld zu verzeichnen; einzelne schenkten der Unterstützung von Lehrern der Sache erhöhte Aufmerksamkeit; Vorkehrungen wurden getroffen, um sicherzustellen, daß örtliche Geistige Räte nur am ersten Ridván-Tag gebildet werden; es gab verstärkt Bemühungen, regelmäßige Andachten abzuhalten; und man war zunehmend bestrebt, die Künste bei der Lehrarbeit und den Gemeindeaktivitäten einzusetzen - in all diesen Bereichen war zu erkennen, daß die Freunde sich sehr deutlich der Wichtigkeit bewußt sind, sich auf die Erfordernisse des Hauptzieles des Planes zu konzentrieren, nämlich beachtliche Fortschritte beim Prozeß des Beitritts in Scharen zu bewirken. Auch dürfen wir nicht versäumen, andere Entwicklungen während des letzten Jahres anzuerkennen, die den großen Wert der vielfältigen Bemühungen bestätigten, die unsere Weltgemeinde unternahm, und die Erfolge, die erreicht wurden. Hierzu gehören, um nur einige zu nennen, der Erwerb der Wohnung im Hause Nr. 4 der Avenue de Camoens in Paris, in der der geliebte Meister, ‘Abdu’l-Bahá, während seines historischen Besuches in jener Stadt wohnte; die besondere Sitzung des brasilianischen Abgeordnetenhauses in Würdigung des 75. Jahrestages der Einführung des Bahá’í-Glaubens in jenem Lande - ein einzigartiger offizieller Anlaß, bei dem auch Amatu’l-Bahá Rúhíyyih Khánum als Ehrengast anwesend war; der Start der Seite der Internationalen Bahá’í-Gemeinde im World Wide Web im letzten Juli, die unter dem Namen „The Bahá’í World“ bis heute mehr als 50 000 mal in 90 Ländern und Territorien genutzt wurde, was im Durchschnitt etwa 200 mal pro Tag bedeutet. Ebenso herausragend wie diese Errungenschaften verlaufen die Bauprojekte am Berge Karmel weiterhin mit überwältigendem Schwung, wobei die Fertigstellung der Marmorarkaden am Zentrum für das Studium der Texte, die Errichtung der siebenten Etage des Internationalen Lehrzentrums und das fortschreitende Sichtbarwerden der weitreichenden Gestalt der Terrassen am Schrein des Báb besondere Höhepunkte bilden. In diesem Zusammenhang muß auch die teilweise Absenkung jenes Abschnitts der öffentlichen Durchgangsstraße genannt werden, über den der Terassenverlauf führen soll, sowie der Erwerb und die anschließende Abtragung des Gebäudes am Fuße des Berges, das als letz-tes Hindernis überwunden werden mußte, um die Vollendung der unteren Terrassen zu ermöglichen, über die der prächtige Pfad sich bis zum Heiligen Gebäude und darüber hinaus bis zum Kamm des Berges Gottes erhebt. Für den hier beschriebenen Fortschritt war es auch von entscheidender Bedeutung, daß das Spendenausmaß für die Projekte am Bogen des Karmel, womit das Ziel des letzten Jahres erreicht wurde, auch weiterhin beibehalten werden konnte. Es ist offensichtlich, daß die diesbezüglichen finanziellen Anforderungen mit ununterbrochenem Heldenmut von Armen und Reichen erfüllt werden und dies in den verbleibenden Jahren weiter aufrechterhalten werden muß. Gleichzeitig jedoch sollten - ebenso energisch und anhaltend - parallele Anstrengungen von den Räten und Freunden in der ganzen Welt gemeinsam unternommen werden, um den ernsten Erfordernissen des Internationalen Bahá’í-Fonds zu entsprechen. Bestimmt wird ein solch vielversprechender Anfang des Vier-Jahres-Planes, wie wir ihn erlebt haben, den Herzen der Mitglieder unserer Weltgemeinschaft Vertrauen einflößen, daß sie vollends dafür gerüstet sind, um den Anforderungen gerecht zu werden, die in den Botschaften zu Beginn des Planes umrissen und in den von den jeweiligen Räten verabschiedeten Plänen ausgeführt sind. Ein weiterer und besonders geschätzter Antrieb zu Beginn des zweiten Jahres besteht darin, daß die Umstände an diesem Ridván die Wiedererrichtung des Nationalen Geistigen Rates von Ruanda ermöglicht haben. Dieser Sieg über die Krise erhöht die Zahl der Nationalen Geistigen Räte, die am nächsten Ridván bei der achten Internationalen Bahá’í-Tagung am Bahá’í-Weltzentrum wahlberechtigt sein werden, auf 175. Wir hoffen inständig, daß dann zur Halbzeit des Planes die Bahá’í-Welt bei der Vervielfachung der menschlichen Hilfsquellen, dem Reifeprozeß der Geistigen Räte und der Entwicklung der örtlichen Gemeinden einen großen Sprung nach vorne getan haben wird! Die Gelegenheit, die sich in der kurzen Zeitspanne bis zum Ende des Jahrhunderts bietet, ist über alle Maßen kostbar. Nur ein vereintes und anhaltendes Bemühen seitens der Freunde überall, den Prozeß des Beitritts in Scharen voranzutreiben, kann solch einem historischen Augenblick gerecht werden. Auf jeder Institution, auf jedem Mitglied einer Gemeinde, die ihrem von Gott verheißenen Schicksal zustrebt, liegt eine große und unausweichliche Verantwortung. Da der Zeitraum, in dem sehr viel erreicht werden muß, nur kurz ist, darf keine Zeit vergeudet, keine Gelegenheit ausgelassen werden. Seien Sie dessen gewiß, liebe Freunde, daß die Heerscharen des Königreiches Abhá bereit stehen, um zur Unterstützung eines jeden Menschen herbeizueilen, der sich erhebt, um seinen Anteil am Dienst für das sich entfaltende geistige Drama dieser bedeutungsvollen Tage beizutragen.
Mit vor Dankbarkeit zur Gesegneten Schönheit überfließenden Herzen erkennen wir die überreichen Zeichen Seiner Gnade während des Drei-Jahres-Planes, der mit dem diesjährigen Ridván-Fest zu Ende geht. Der bele- bende Geist des Heiligen Jahres, der dem Beginn des Planes zu Ridván 1993 den Schwung gab, durchzog diese Zeit der konzentrierten Anstrengungen und verlieh unserer Weltgemeinde größere Festigkeit, Spannkraft, Reife und Zuversicht als je zuvor. Gleichzeitig ist das Ansehen der Gemeinde stark gestiegen. Wenn dieser Plan auch nicht mit einer dramatischen zahlenmäßigen Ausbreitung endet, gleichwohl es in einigen Ländern eine beacht- liche Zunahme an Mitgliedern gab, so ist das Ergebnis doch eine mit neuen Qualitäten bereicherte Gemeinde, eine Gemeinde, die darauf vorbereitet ist, die unmittelbar vor uns liegenden Aussichten auf den Fortschritt des Glaubens voll auszuschöpfen.
Die großartige Entwicklung der Projekte am Berge Karmel fallen unter den messbaren Leistungen dieser Zeit besonders ins Auge. Trotz zahlreicher Schwierigkeiten wurden die in unserer Botschaft zum Drei-Jahres-Plan vorhergesehenen Errungenschaften gänzlich erreicht. Alle Phasen des Baus sind eingeleitet. Der Rohbau des Zentrums zum Studium der Texte und der Erweiterung des Internationalen Archivgebäudes wurde errichtet, die Arbeiten an diesen Gebäuden sind bis zur Inangriffnahme des Innenausbaus und der Fassadenarbeiten fortgeschritten. Die Errichtung des ständigen Sitzes des Internationalen Lehrzentrums, dem dritten im Bau befindlichen Gebäude am Bogen, macht schnelle Fortschritte. Sieben Terrassen unterhalb des Schreines des Báb sind vollendet und lassen schon den sich abzeichnenden Strahlenglanz vom Fuß bis zum Gipfel von Gottes Heiligem Berg erkennen. Eine aufmerksame Öffentlichkeit ist beeindruckt von der Schönheit, die sich wie ein Teppich über den Hang des Berges ausbreitet.
Die greifbare Realität des Fortschritts, der bisher so wunderbar verwirklicht wurde, ist Beweis einer noch größeren Errungenschaft, nämlich die vereinte Zielrichtung, die in der gesamten globalen Gemeinde bei der Verfolgung dieser gigantischen gemeinsamen Unternehmung erreicht wurde. Das Ausmaß des hervorgerufenen Interesses und der Unterstützung hat seinen Ausdruck in einem nie dagewesenen Zustrom von Beiträgen ge- funden, die einen Grad an Opferbereitschaft widerspiegeln, der wiederum von der Beschaffenheit des Glaubens sowie der Großzügigkeit des Herzens der Liebenden Bahá’u’lláhs auf dem ganzen Erdball Zeugnis ablegt. Dass die Beiträge für die Projekte am Berg Karmel das Drei-Jahres-Ziel von 74 Millionen US-Dollar erreicht haben, ist eine zweite messbare und außergewöhnliche Leistung, die zuversichtlich macht, dass die notwendige finanzielle Unterstützung für diese Projekte bis zu deren Fertigstellung am Ende des Jahrhunderts andauern wird.
Die Zeichen des Fortschritts waren in den vergangenen drei Jahren in weiten und vielfältigen Bereichen of- fenkundig. Die bemerkenswerten Bemühungen um die Ausbreitung und Festigung der Gemeinde, die vermehr- ten Unternehmungen im Bereich der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung und ein beispielloser Vorstoß auf dem Gebiet der Öffentlichkeitsarbeit und Außenbeziehungen ergeben das Bild einer Gemeinde, die mit neuen Fähigkeiten begabt ist.
Neue Lehrmethoden
Auf dem Feld des Lehrens gab es eine allgemeine Zunahme der Aktivitäten, was sich in der Bildung zwölf neuer Nationaler Geistiger Räte im Verlauf des Planes und im Anstieg der Pionier- und Reiselehrertätigkeit zeigte. In vielen Ländern waren die Gläubigen entflammt von der neuen Herangehensweise, die in dem wäh- rend des Planes veröffentlichten Pionieraufruf vorgeschlagen wurde. Die Zahl der Pioniere aus und in ver- schiedene Länder war hoch, und es gab eine wahre Flut von Reiselehrern, die sowohl im Heimatland wie auch im Ausland tätig waren. Systematische Ansätze zu gemeinsamen Lehraktivitäten und gezielt konzipierten lang- fristigen Lehrprojekten zeigten Früchte und ließen sich deutlicher als je zuvor in vielen Ländern erkennen. Die Energie und Kreativität, die die verschiedenen Entwicklungen in der Ausbreitung und Festigung begleiteten, ist in hohem Maße auf den vom Internationalen Lehrzentrum bewiesenen Unternehmungsgeist zurückzuführen. Seine ständige Anleitung und Ermutigung der Kontinentalen Beraterämter; seine Empfehlung neuer Methoden für die Aussendung von Pionieren, wie sie vom Universalen Haus der Gerechtigkeit in seinem in den ersten Monaten des Planes veröffentlichten Pionieraufruf bestätigt wurden, und seine regelmäßige Unterstützung der ihrer Obhut unterstellten Kontinentalen Pionierausschüsse; seine unermüdliche Aufmerksamkeit auf den Be- darf an Erziehung und Vertiefung in der Gemeinde, die in seinem Austausch und seiner Arbeit mit Beratern zum Ausdruck kam, wenn es darum ging, in Lehrprojekte auch Vertiefungsprogramme für neuerklärte Gläubi- ge einzufügen, Kurse und Arbeitsgruppen für die Heranbildung verschiedener Fähigkeiten zu entwickeln, Leh- rer für Kinder auszubilden und die Zahl der Kinderklassen zu erhöhen; seine Ermutigung von Bemühungen, Fortbildungsinstitute in verschiedenen Teilen der Welt zu errichten - all das hat widerhallende Ergebnisse ge- zeitigt. Besondere Anerkennung muss dem Lehrzentrum auch für den Einfluss gezollt werden, den es über die Berater auf die Einführung von Basis-Literaturprogrammen in immer mehr Ländern ausübte. Durch solche Programme wurden einige für die Verbreitung des Glaubens und die Vertiefung der Gläubigen wesentliche Titel ausgewählt, in großer Zahl gedruckt und zu ermäßigten Preisen verfügbar gemacht. Der außergewöhnli- che Fortschritt in der Entwicklung dieser so wichtigen, am Weltzentrum wirkenden Institution war deutlich spürbar bei der Beraterkonferenz im vergangenen Dezember, die den Kurs für die Arbeit dieser hochrangigen Amtsträger des Glaubens in den unmittelbar vor uns liegenden Jahren absteckte.
Eine bedeutsame Entwicklung ist darin zu sehen, dass die einheimischen Gläubigen in verstärktem Maße die Verantwortung für die Lehr- und Vertiefungsarbeit in ihren Ländern übernahmen. In sehr unruhigen Gebieten wie Angola, Kambodscha, Liberia und Sierra Leone errangen die Freunde wichtige Siege, entweder bei den Lehraktivitäten, die zu etlichen Erklärungen führten, oder bei der Errichtung und Wiedererrichtung von Ba- há’í-Räten sowie beim Aufbau und der Weiterführung von Entwicklungsprojekten. In Gegenden, wo Nationale Geistige Räte erst kürzlich gebildet wurden, wie in den Ländern des ehemaligen Ostblocks, haben die Freunde ein bewundernswertes Vermögen bewiesen, die Angelegenheiten des Glaubens zu verwalten. Ein Glanzpunkt dieser Zeit war die plötzliche Steigerung der Tatkraft, des Muts und der Kreativität der Bahá’í-Gemeinden auf Inseln in der ganzen Welt. Die Tätigkeitsbereiche waren weit gefächert und umfassten das Heranziehen von ortsansässigen Lehrern, die Ausbildung und Aussendung von mehreren Dutzend Reiselehrern zu benachbarten Inseln, die Eröffnung von Grundschulen, die vielfältigen Gelegenheiten für die Proklamation des Glaubens wie auch die Trägerschaft von Veranstaltungen, an denen hochrangige Beamte und Einflussreiche Persönlichkeiten teilnahmen. Dass in den vergangenen Jahren Staats- und Regierungsoberhäupter von Inselstaaten das Ba- há’í-Weltzentrum besucht haben, ist ein Anzeichen für die lebhaften Aktivitäten der Gläubigen in diesen klei- nen, über die sieben Meere verstreuten Ländern. Betrachtet man die genannten Beispiele für die Einstellung und Bemühungen der Freunde in unterschiedlichen Umfeldern, dann bezeugen sie alle eine verstärkte Hingabe an die Lehrarbeit, eine wachsende Reife und flexible Beständigkeit. Das spiegelt die Glaubenstiefe wider, die Bahá’í aus verschiedstenen Volksgruppen bewegt.
Der Beitrag der Jugend
Im Einklang mit diesen Beobachtungen stehen die hervorragenden Beiträge der Jugend zur Verbreitung und Festigung. Ihre Aktivitäten haben in der Drei-Jahres-Periode neue Dimensionen erreicht. Von Jugendkonferen- zen und anderen, ihre Interessen berücksichtigenden Zusammenkünften angetrieben, hat die Jugend in der gan- zen Welt ungeheure Mengen an Zeit, Energie und Eifer für die Lehrarbeit als Reiselehrer innerhalb und außer- halb ihrer Länder und als Teams in gemeinsamen Lehrprojekten eingesetzt, wodurch sie Hunderte von Neuer- klärungen und die Bildung von vielen örtlichen Geistigen Räten bewirkte. Mit Hilfe der Musik und der Künste die Sache zu proklamieren und zu lehren zeichnete ihre Anstrengungen in vielen Orten aus. Die Ausbreitung von Tanz und Theaterworkshops war besonders wirkungsvoll. Die Beteiligung der Jugend bei den Außenbe- ziehungen und Verbindungen zu anderen Gruppen hat dem Glauben auf diesem Gebiet neue Möglichkeiten eröffnet. Die Verpflichtung zu einem Jahr des Dienstes hat sich weiter verbreitet. Gleichzeitig hat die Zahl der Jugendlichen merklich zugenommen, die eine berufliche Ausbildung abschlossen und akademische, fachliche und berufliche Auszeichnung erlangten. All das sind Anzeichen dafür, dass die Jugend im direktem Dienst am Glauben mehr tut, während sie gleichzeitig ihren Teil zur allgemeinen Entwicklung der Gesellschaft beiträgt.
Zeichen für die Konsolidierung der Gemeinde ließen sich auch darin erkennen, dass die Freunde sich stärker an sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungen beteiligten, besonders auf dem Gebiet der Erziehung. In einem herausragenden Fall hat eine Regierung die Bahá’í gebeten, die Verantwortung für die Leitung von sieben Grundschulen zu übernehmen. Sie taten das auch mit der Unterstützung des Büros für soziale und wirtschaft- liche Entwicklung am Weltzentrum. Beachtenswert ist auch, dass in Afrika Bahá’í-Gemeinden, die wegen politischer Unruhen in ihrem Heimatland im Exil leben, weiterhin landwirtschaftliche und andere Projekte entwickeln, die ihnen weitgehende wirtschaftliche Unabhängigkeit sichern. Bemühungen, die Stellung der Frauen zu verbessern, gewinnen in einer Reihe von Ländern an Schwung, wo die Bahá’í-Institutionen, zusätz- lich zu der Beteiligung von Bahá’í an Projekten, die von anderen Organisationen gefördert werden, eigene Ausschüsse und Büros einrichteten, um die Interessen der Frauen wahrzunehmen. Als Symbol dieses Auf- schwungs ist das Büro für die Förderung der Frauen der Internationalen Bahá’í-Gemeinde eingerichtet worden.
In einigen Ländern gab es auch eine beachtliche Beteiligung der Bahá’í an offiziell geförderten Programmen zur Hebung des Gesundheitszustands. In anderen Fällen haben Bahá’í selbst solche Programme angeregt und durchgeführt. Die Arbeit im Bereich der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung ermöglichte auch die dau- erhafte Errichtung und Konsolidierung von größeren Projekte und Organisationen. Drei Pilotprojekte setzten den ersten Schritt in einer Alphabetisierungskampagne, die das Büro für soziale und wirtschaftliche Entwick- lung über die ganze Welt auszudehnen beabsichtigt. Die Gründung und das Betreiben von Entwicklungspro- jekten durch Bahá’í führten auch zu einer Proklamation des Glaubens, indem sie die Beteiligung der Bevölke- rung und das Interesse der Massenmedien erweckten.
Ein Vorstoß in der Öffentlichkeitsarbeit und bei den Außenbeziehungen, der alle zuvor verzeichneten Erfolge in einem vergleichbaren Zeitabschnitt übertrifft, hat der Proklamation des Glaubens großen Auftrieb gegeben. Gewaltige Anstrengungen überall in der Welt führten dazu, dass der Glaube viel stärker ins Blickfeld trat als je zuvor und verhalfen der Internationalen Bahá’í-Gemeinde zu einem entsprechend höheren Ansehen. In gro- ßen Zügen kann man den Fortschritt daran erkennen, dass große und kleine Bahá’í-Gemeinden wie selbstver- ständlich öffentliche Veranstaltungen unterstützten oder an ihnen teilnahmen, dass die Bahá’í als eine gesell- schaftliche Kraft von Regierungsstellen und Nicht-Regierungs-Organisationen sowie von prominenten Persön- lichkeiten anerkannt wurden und leichten Zugang zu den Medien hatten. Die Berichterstattung über Ba- há’í-Veranstaltungen und -Interessen in der Presse und den elektronischen Kommunikationsmedien übertraf bei weitem alle Erwartungen.
Unter den Aktivitäten in der ganzen Welt ragen einige besondere Entwicklungen heraus: die Häufigkeit, mit der hohe Beamte Bahá’í zur Teilnahme an Veranstaltungen und Projekten einluden oder sie um Hilfe baten; die erfolgreichen Initiativen von Bahá’í bei der Beeinflussung von Regierungsmaßnahmen; die Einrichtung von Bahá’í-Studienprogrammen und Kursen an Bildungseinrichtungen und Universitäten und die Einführung von Unterrichtsmaterial durch öffentliche Schulen; der Einsatz der Künste durch Bahá’í-Institutionen, Gruppen und einzelne bei Proklamationsveranstaltungen.
Im Laufe des Jahres 1995 verdeutlichten zwei bedeutende UN-Ereignisse das sich beschleunigende Aufkei- men der Einheit im Denken bei Weltunternehmungen, was wiederum die Aufmerksamkeit und Beteiligung der Bahá’í-Gemeinde beanspruchte. Zuerst waren am Weltgipfel für Sozialentwicklung im März in Kopenhagen 250 Freunde aus mehr als 40 Ländern beteiligt, die beeindruckende Anstrengungen unternahmen, um die Teil- nehmer des Gipfels und des dazugehörigen Forums mit den Lehren bekanntzumachen. Bei dieser Gelegenheit wurde das vom Büro für Öffentlichkeitsarbeit der Internationalen Bahá’í-Gemeinde erarbeitete Statement "Entwicklungsperspektiven für die Menschheit" zum ersten Mal verteilt und diskutiert. Folgeaktivitäten überall in der Welt waren Konferenzen und Seminare sowie die Verteilung des Statements. Sodann zogen die Vierte Weltfrauenkonferenz in Beijing im September und das parallel verlaufende NRO-Forum zusätzlich zur offi- ziellen Delegation der Internationalen Bahá’í-Gemeinde über 500 Bahá’í aus aller Welt an. Im selben Jahr veranlasste der 50. Jahrestag der Gründung der Vereinten Nationen das Büro der Internationalen Bahá’í- Gemeinde bei den UN, eine Stellungnahme "Wendezeit für die Nationen" herauszugeben und zu verteilen, die Vorschläge für die Weiterentwicklung der Weltorganisation enthält.
Mehr Öffentlichkeitsarbeit
Zwei Ereignisse sind besonders hervorzuheben, bei denen ‘Amatu’l-Bahá Rúhíyyih Khánum in herausra- gender Weise beteiligt war. Im vergangenen Herbst leitete sie eine Delegation von vier offiziellen Ba- há’í-Vertretern beim Gipfeltreffen der "Alliance between Religions and Conservation", die unter der Schirm- herrschaft Seiner Königlichen Hoheit Prinz Philip stand und auf Schloss Windsor stattfand. Im Oktober trat Rúhíyyih Khánum als Hauptrednerin beim Vierten Internationalen Dialog zum Übergang zur Weltgesellschaft auf, der unter der Schirmherrschaft der UNESCO (der Internationalen Organisation für Erziehung, Wissen- schaft und Kultur der Vereinten Nationen) vom Bahá’í-Lehrstuhl für Weltfrieden und dem Fachbereich Ge- schichte der Universität von Maryland veranstaltet wurde.
Nicht unerwähnt bleiben sollten manch andere bedeutsame Kennzeichen des besprochenen Zeitraums. So wurde eine Ausgabe des Kitáb-i-Aqdas in der Originalsprache Arabisch veröffentlicht, erstmals mit Anmer- kungen in Persisch, die den Text wie in der englischen Ausgabe ergänzen. Das Gesetz der Huququ'llah ist tie- fer in den Herzen der Gläubigen in der ganzen Welt verwurzelt. Während des letzten Jahres des Planes hat der Treuhänder der Huqúq’ulláh, die Hand der Sache Gottes 'Ali-Muhammad Varqá, seinen Wohnsitz in das Hei- lige Land verlegt. Dieser wichtige Schritt bedeutet auch, dass alle drei Hände der Sache Gottes ‘Amatu’l-Bahá Rúhíyyih Khánum , 'Ali-Akbar Furútan und Dr. Varqá - nun am Weltzentrum wohnen und Pilgern, Besuchern und den in Haifa dienenden Freunden Inspiration vermitteln.
Vor diesem Hintergrund ermutigender Entwicklungen begeben wir uns nun zum diesjährigen Ridván in einen Vier-Jahres-Plan, der uns bis Ridván 2000 begleiten wird. Ernsthaft und liebevoll rufen wir unsere Brüder und Schwestern in allen Ländern auf, mit uns gemeinsam Anstrengungen in Gang zu setzen, die den Generationen des nahenden 21. Jahrhunderts eine überreiche und dauerhafte Erbschaft sichern.
Der Vier-Jahres-Plan hat ein Hauptziel: einen bedeutenden Fortschritt beim Prozeß des Beitritts in Scharen. Wie wir schon bei anderer Gelegenheit feststellten, soll solch ein Fortschritt durch eine deutliche Steigerung bei den Aktivitäten und der Entwicklung des einzelnen Gläubigen, der Institutionen und der örtlichen Gemeinde erreicht werden.
Die Gemeinde muss größer werden
Die Ausdrucksweise "Fortschritt beim Prozess des Beitritts in Scharen" enthält die Vorstellung, dass die ge- genwärtigen Umstände es erfordern und die bestehenden Gelegenheiten es auch zulassen, dass die Ba- há’í-Weltgemeinde sich in bedeutendem Maße nachhaltig vergrößert; dass dieser Aufschwung angesichts der Weltsituation nötig ist; dass die drei beim Aufbau der Ordnung Bahá’u’lláhs Beteiligten - der einzelne, die Institutionen und die Gemeinde - ein solches Wachstum fördern können, indem sie zunächst geistig und inner- lich eine solche Möglichkeit akzeptieren und dann darauf hinarbeiten, eine große Anzahl neuer Gläubiger auf- zunehmen und dabei die Mittel für die Sicherstellung ihrer geistigen und administrativen Schulung und Ent- wicklung in die Wege zu leiten. Dadurch wird die Zahl der kenntnisreichen, aktiven Gläubigen - sowohl im Bereich des Lehrens als auch in der Administration - vervielfacht, deren engagierte Teilnahme an der Arbeit des Glaubens wieder den ständigen Zustrom neuer Anhänger, einen ständigen Zustrom neuer Anhänger, eine ununterbrochene Entfaltung von Bahá’í-Räten und eine stete Festigung der Gemeinde gewährleisten wird.
Darüber hinaus bedeutet das Bewirken des Fortschritts des Prozesses, dass jener Prozeß bereits im Gange ist und dass örtliche und nationale Gemeinden sich dabei in unterschiedlichen Phasen befinden. Alle Gemeinden stehen nun vor der Aufgabe, Schritte zu unternehmen und sich nachhaltig zu bemühen, um ein Ausmaß an Ausbreitung und Festigung zu erreichen, das ihren Möglichkeiten entspricht. Der einzelne und die Institutio- nen, obgleich sie in unterschiedlichen Bereichen tätig sind, werden aufgerufen, sich zu erheben und den Erfor- dernissen dieser kritischen Zeit im Leben unserer Gemeinde und in den Geschicken der Menschheit gerecht zu werden.
Die Rolle des einzelnen ist bei der Arbeit des Glaubens von einzigartiger Wichtigkeit. Es ist der einzelne, der die Lebendigkeit des Glaubens zum Ausdruck bringt, von der wiederum der Erfolg bei der Lehrarbeit und die Entwicklung der Gemeinde abhängen. Bahá’u’lláhs Gebot an jeden Gläubigen, Seine Sache zu lehren, erlegt eine unausweichliche Verantwortung auf, die nicht auf irgendeine Institution des Glaubens übertragen oder von dieser übernommen werden kann. Nur der einzelne kann das Potential hierfür freisetzen wie etwa die Fä- higkeit, Initiative zu ergreifen, Gelegenheiten wahrzunehmen, Freundschaften zu schließen, persönlich mit anderen in Kontakt zu treten, Beziehungen aufzubauen, die Zusammenarbeit anderer im gemeinsamen Dienst am Glauben und an der Gesellschaft zu gewinnen und die von den beratenden Körperschaften getroffenen Ent- scheidungen in die Tat umzusetzen. Es ist die Pflicht des einzelnen, "sorgfältig jeden Weg der Annäherung in Betracht zu ziehen, den er bei seinen persönlichen Versuchen nutzen möchte, um bei jenen, die er in die schüt- zende Obhut seines Glaubens einreihen möchte, Aufmerksamkeit zu erwecken, das Interesse wachzuhalten und ihren Glauben zu vertiefen."1)
Um diese Fähigkeiten voll zu nutzen, bezieht der einzelne Kraft aus seiner Liebe zu Bahá’u’lláh, aus der Macht des Bundes, aus der Dynamik des Gebets, der aus dem regelmäßigen Lesen und Studieren der Heiligen Texte abgeleiteten Inspiration und Erziehung und der auf seine Seele einwirkenden verändernden Kräfte bei seinem Bemühen, sich gemäß den göttlichen Gesetzen und Prinzipien zu verhalten. Da er mit der Pflicht be- traut ist, die Sache zu lehren, wird er darüber hinaus mit der Fähigkeit begabt, die von Bahá’u’lláh verheiße- nen besonderen Segnungen anzuziehen. "Wer an diesem Tage seine Lippen öffnet und den Namen seines Herrn erwähnt, auf den werden die Scharen göttlicher Eingebung aus dem Himmel Meines Namens, der Allwissende, der Allweise, herabkommen. Zu ihm wird auch die Versammlung der Höhe herabsteigen, und jeder aus ihr wird einen Kelch reinen Lichtes vorantragen."2)
Individuelle Initiativen nötig
Shoghi Effendi hat die absolute Notwendigkeit individueller Initiative und Tat unterstrichen. Er erklärte, dass ohne die Unterstützung durch den einzelnen, die "gleichzeitig aus ganzem Herzen, ausdauernd und großzügig" sein soll, jede Maßnahme und jeder Plan des Nationalen Geistigen Rates "zum Scheitern verurteilt", die Ab- sicht des Göttlichen Planes des Meisters "behindert" seien. Überdies wird die "stützende Kraft Bahá’u’lláhs Selbst jedem einzelnen vorenthalten werden, wenn er auf lange Sicht versäumt, sich zu erheben und seine Rolle zu spielen."3) Daher ist der Kernpunkt jedes zu erzielenden Fortschritts der einzelne Gläubige, der über die Macht des Handelns verfügt, die auch nur er durch seine eigene Initiative und ausdauernde Tat freisetzen kann. Was nun das Gefühl der Unzulänglichkeit betrifft, die manchmal die individuelle Initiative hemmt, so vermittelt ein in seinem Auftrag geschriebener Brief den Rat des Hüters: "Sie erwähnen besonders den Mangel an Mut und Initiative seitens der Gläubigen und ein Gefühl der Minderwertigkeit, was sie am öffentlichen Re- den hindert. Es sind genau diese Schwächen, von denen er wünscht, dass die Freunde sie überwinden, denn sie lähmen nicht nur ihre Anstrengungen, sondern bewirken sogar, dass die Flamme des Glaubens in ihren Herzen erstickt wird. Nicht ehe die Freunde sich dessen bewusst werden, dass jeder von ihnen fähig ist, die Botschaft seinem eigenen Maß entsprechend zu überbringen, können sie je hoffen, die ihnen von einem liebenden und weisen Meister gesteckten Ziele zu erreichen.... Jeder ist ein potentieller Lehrer. Man muss nur von dem Gebrauch machen, was Gott einem gegeben hat, und sich so Seines Vertrauens würdig erweisen."4)
Was die Institutionen anbelangt, so wird der Beitritt in Scharen auf sie ebenso Auswirkungen haben wie sie umgekehrt auf ihn. Die Entfaltung der örtlichen und Nationalen Bahá’í-Räte erfordert jetzt eine neue Geistes- haltung seitens ihrer Mitglieder wie auch seitens derer, die sie wählen, denn die Bahá’í-Gemeinde befindet sich in einem enormen historischen Prozess, der jetzt in eine entscheidende Phase tritt. Bahá’u’lláh hat der Welt Institutionen gegeben, die in einer neuen Ordnung tätig sein sollen, die dazu bestimmt ist, die Kräfte einer neu- en Kultur zu kanalisieren. Fortschritte in Richtung auf die Verwirklichung dieses großartigen Zieles erfordern eine bedeutende und fortlaufende Ausdehnung der Bahá’í-Gemeinde, so dass ein angemessener Entwicklungs- raum für den Reifeprozess dieser Institutionen zur Verfügung steht. Diese Angelegenheit ist von unmittelbarer Wichtigkeit für die erklärten Anhänger Bahá’u’lláhs in allen Ländern.
Damit eine solche Ausdehnung angeregt und dann auch verkraftet wird, müssen sich Geistige Räte auf ein neues Niveau erheben, um ihre Verantwortung als Kanäle der göttlichen Führung, Planer der Lehrarbeit, Ent- wickler der menschlichen Fähigkeiten, Erbauer von Gemeinden und liebevolle Hirten der Menschen wahrzu- nehmen. Sie können diese Möglichkeiten dadurch verwirklichen, dass sie die Fähigkeit ihrer Mitglieder verbes- sern, gemeinsam gemäß den Prinzipien ihres Glaubens Rat zu halten und mit den Freunden in ihrem Amtsbe- reich zu beraten, dass sie den Geist des Dienstes fördern, dass sie spontan rnit den Kontinentalen Beratern und ihren Hilfsämtern zusammenarbeiten, und dass sie ihre Außenbeziehungen pflegen. Der Fortschritt in der Ent- faltung der Institutionen muss sich vor allem darin zeigen, dass sich die Zahl der Orte vervielfacht, in denen die Funktionsweise der Geistigen Räte die Fähigkeit des einzelnen Gläubigen, dem Glauben zu dienen, erhöht und einmütiges Handeln fördert. Mit einem Wort, der Reifegrad des Geistigen Rates sollte nicht nur daran gemessen werden, wie regelmäßig er zu Sitzungen zusammenkommt und wie effizient er funktioniert, sondern auch an der beständig wachsenden Bahá’í-Mitgliederzahl, der Effektivität der Wechselbeziehung zwischen dem Rat und den Mitgliedern seiner Gemeinde, der Qualität des geistigen und sozialen Lebens der Gemeinde und der allgemeinen Lebendigkeit der Gemeinde beim Prozess einer dynamischen, ständig fortschreitenden Entwicklung.
Identität der Gemeinde
Die Gemeinde ihrerseits gewinnt - gesondert vom einzelnen und den Institutionen betrachtet - einen eigenen Charakter und eine eigene Identität, während sie an Größe zunimmt. Dies ist eine notwendige Entwicklung, die besondere Aufmerksamkeit verlangt, sowohl im Hinblick auf Gegenden, wo Neuerklärungen in großem Maße stattgefunden haben, wie auch in Erwartung und Vorbereitung auf sich zahlreicher ereignende Fälle von Bei- tritt in Scharen. Eine Gemeinde ist natürlich mehr als nur die Summe ihrer Mitglieder; sie ist eine umfassende Einheit der menschlichen Gesellschaft, die sich aus einzelnen, Familien und Institutionen zusammensetzt, die mit einer gemeinsamen Absicht zum Wohl der Menschen innerhalb und außerhalb ihrer eigenen Grenzen zu- sammenarbeiten; sie besteht aus einer Vielfalt von interagierenden Teilnehmern, die in einer ständigen Suche nach geistigem und sozialem Fortschritt eine Einheit herstellen. Da die Bahá’í überall erst am Beginn des Pro- zesses der Gemeindebildung stehen, müssen auf diese vordringliche Aufgabe enorme Anstrengungen verwendet werden.
In einer früheren Botschaft haben wir schon darauf hingewiesen, dass das Aufblühen der Gemeinde vor al- lem auf örtlicher Ebene eine entscheidende Verbesserung der Verhaltensweisen erfordert: jener Verhaltenswei- sen, durch die der kollektive Ausdruck der Tugenden der einzelnen Mitglieder und die Funktionsweise der Geistigen Räte sich in der Einheit und Freundschaft innerhalb der Gemeinde und in der Dynamik ihrer Aktivi- täten und ihres Wachstums zeigen. Das erfordert die Integration der sie bildenden Elemente - Erwachsene, Jugendliche, Kinder - in geistige, soziale, erzieherische und administrative Aktivitäten und ihre Beteiligung an örtlichen Lehr- und Entwicklungsplänen. Dazu gehören ein kollektiver Wille und die Ausrichtung auf das Ziel, den Geistigen Rat durch jährliche Wahlen fortbestehen zu lassen. Es schließt die Ausübung gemeinsamer An- dachten ein. Daher ist es für das geistige Leben der Gemeinde wesentlich, dass die Freunde regelmäßige An- dachtsversammlungen abhalten, in örtlichen Bahá’í-Zentren - dort, wo sie zur Verfügung stehen - oder an- derswo, die Wohnungen der Freunde inbegriffen.
Gründung von Instituten
Um die Möglichkeiten der Ausbreitung und Festigung umzusetzen, die der Beitritt in Scharen mit sich bringt, muss eine entschlossene weltweite Anstrengung zur Entwicklung von menschlichen Fähigkeiten unternommen werden. Das Bemühen einzelner, in ihren Häusern Studienkreise zu leiten, gelegentliche Vertiefungskurse durch die Institutionen sowie die informellen Aktivitäten der Gemeinde sind, obgleich wichtig, nicht ausrei- chend für die Erziehung und Schulung einer sich rasch ausbreitenden Gemeinde. Daher ist es höchst wichtig, systematisch neue Methoden zu entwickeln, eine große Zahl von Gläubigen in den Grundwahrheiten des Glau- bens zu unterrichten und sie auszubilden und ihnen zu helfen, dem Glauben mit den ihnen von Gott verliehenen Fähigkeiten zu dienen. Es sollten daher ohne Verzug ständige Institute mit dem Ziel errichtet werden, nach einem regelmäßigen Zeitplan gut organisierte, streng methodisch geführte Ausbildungsprogramme anzubieten. Das Institut muss natürlich über Räumlichkeiten verfügen können, ohne jedoch unbedingt ein eigenes Gebäude zu haben.
Diese Angelegenheit erfordert eine Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen den Kontinentalen Beratern und den Nationalen Geistigen Räten. Der Erfolg dieser Fortbildungs-Institute wird nämlich in einem sehr gro- ßen Maße von der aktiven Beteiligung der Kontinentalen Berater und der Hilfsamtsmitglieder an der Durch- führung dieser Institute abhängen. Insbesondere wird nötig sein, dass die Hilfsamtsmitglieder in einer engen Arbeitsbeziehung zu den Instituten und natürlich zu den örtlichen Geistigen Räten stehen, deren Gemeinden Nutzen aus den Programmen ziehen werden. Da die Institute als Studienzentren zu betrachten sind und da sie ihrem Wesen nach mit der Verantwortung der Hilfsamtsmitglieder auf dem Gebiet der Bildung und Erziehung übereinstimmen und diesen den Wirkungskreis für die Ausübung ihrer Verantwortung bieten, sollte die enge Beteiligung - dieser Amtsträger des Glaubens an der Arbeit der Institute ein Teil ihrer sich ausweitenden Funk- tionen werden. Für die Entwicklung und Umsetzung der Instituts-Programme wird es auch entscheidend sein, auf die Talente und Fähigkeiten von immer mehr Freunden zurückzugreifen.
Da der Ausdruck "Institut" in der Bahá’í-Gemeinde in verschiedener Weise gebraucht wird, bedarf es einer Klarstellung. Die nächsten vier Jahre stellen eine außergewöhnliche Zeitspanne in der Geschichte des Glaubens dar, einen Wendepunkt epochalen Ausmaßes. Was die Freunde in der ganzen Welt jetzt tun sollten, ist, sich selbst, ihre materiellen Mittel, ihre Fähigkeiten und ihre Zeit für die Entwicklung eines Netzwerkes an Fortbil- dungs-Instituten einzubringen. Diese Zentren der Bahá’í-Studien werden auf ein sehr praktisches Ergebnis zielen, nämlich das Heranziehen einer großen Zahl von Gläubigen, die darin ausgebildet sind, den Prozeß des Beitritts in Scharen wirksam und liebevoll zu fördern und zu erleichtern.
"Sammelt euere Kräfte für die Verbreitung des Glaubens Gottes, " hat Bahá’u’lláh Seine Diener angewiesen und hinzugefügt, "Wer immer einer so hohen Berufung würdig ist, der mache sich auf, den Glauben zu för- dern. Wer dies nicht vermag, hat die Pflicht, jemanden zu bestimmen, der statt seiner diese Offenbarung ver- kündet..."5) Ebenso wie man jemanden bestimmen kann, an der eigenen Stelle zu lehren, indem man die Aus- gaben eines Pioniers oder Reiselehrers deckt, so kann man auch einen Lehrer an ein Institut abordnen, der dann natürlich ein Lehrer von Lehrern ist. Dazu kann man zweckbestimmte Beiträge an den Kontinentalen Bahá’í- Fonds ebenso wie an die örtlichen, nationalen und internationalen Fonds leisten.
Die Rolle der Künste
Bei all ihren Bemühungen, das Ziel des Vier-Jahres-Planes zu erreichen, bitten wir die Freunde auch, dem Einsatz der Künste stärkere Aufmerksamkeit zu schenken, nicht nur im Rahmen der Proklamation, sondern auch bei der Verbreitung und Festigung. Die graphischen und darstellenden Künste und die Literatur haben bei der Ausweitung des Einflusses des Glaubens eine wichtige Rolle gespielt und können es auch weiterhin tun. Auf der Ebene der Volkskunst kann dieser Möglichkeit in allen Teilen der Welt, ob in Dörfern oder Städten, nachgegangen werden. Shoghi Effendi setzte hohe Erwartungen in die Künste als ein Mittel, Aufmerksamkeit auf die Lehren zu ziehen. Ein in seinem Auftrag an einen einzelnen Gläubigen geschriebener Brief vermittelt die Ansicht des Hüters: "Es wird die Zeit kommen, da der Glaube sich wie ein Lauffeuer verbreiten wird, da sein Geist und seine Lehren auf der Bühne oder in der Kunst und Literatur als ganzes dargestellt werden wird. Die Kunst kann besser solche edlen Gefühle wecken als kalte, rationale Erklärungen, besonders unter der Mas- se der Bevölkerung."6)
Während die Freunde und die Institutionen ihre Anstrengungen überall darauf richten, den Erfordernissen des Planes zu entsprechen, wird die Arbeit an den großen Projekten am Berge Karmel fortgeführt bis zu ihrer am Ende des Jahrhunderts erhofften Vollendung. Mit dem Ende des Planes zu Ridván 2000 werden das Zent- rum zum Studium der Texte und die Erweiterung des Archivs funktionsfähig sein; das Gebäude des Internatio- nalen Lehrzentrums wird bis zur Abschlussphase vorangeschritten sein. Der Abschnitt der öffentlichen Straße, die den Verlauf der Terrassen oberhalb des Schreines des Báb unterbricht, wird abgesenkt und eine breite Ver- bindungsbrücke mit ihren eigenen Gärten gebaut worden sein; fünf der oberen Terrassen werden ebenfalls vollendet sein. Die verbleibenden vier oberen Terrassen und die zwei am Fuße des Berges werden sich in einem fortgeschrittenen Bauzustand befinden. Ebenso werden andere besondere Bemühungen am Weltzentrum fort- gesetzt. Aufmerksamkeit wird dabei solchen Angelegenheiten geschenkt wie der allgemeinen Anwendung wei- terer Gesetze des Kitáb-i-Aqdas, der Vorbereitung eines neuen Bandes von ausgewählten Schriften Ba- há’u’lláhs in Englisch, der weiteren Entwicklung der Aufgaben des Internationalen Lehrzentrums und der Er- kundung von Maßnahmen, wie man die Zahl der Pilger und Besucher am Weltzentrum erhöhen kann.
Die Bahá’í-Weltgemeinschaft wird ihre Bemühungen sowohl im Bereich der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung als auch der Öffentlichkeitsarbeit und Außenbeziehungen ausdehnen und die direkte Zusammen- arbeit mit jenen Kräften fortsetzen, die zur Errichtung von Ordnung in der Welt führen. Das Büro für wirt- schaftliche und soziale Entwicklung wird durch Verbesserung seiner Koordinationsfähigkeiten und im Rahmen seiner Mittel und Möglichkeiten dabei mithelfen, auf dem in Hunderten von Entwicklungsprojekten in aller Welt erreichten Fortschritt aufzubauen. Auf der Bühne der Öffentlichkeitsarbeit und Außenbeziehungen wer- den sich die Anstrengungen darauf richten, die Prozesse in Richtung Weltfrieden zu beeinflussen, insbesondere durch die Beteiligung der Gemeinde an der Förderung der Menschenrechte, der Stellung der Frauen, des welt- weiten Wohlstands und der moralischen Entwicklung. Indem es diese Themen verfolgt, wird das Büro der Internationalen Bahá’í-Gemeinde bei den Vereinten Nationen nach Wegen suchen, um die Bande zwischen den Bahá’í und den Vereinten Nationen zu festigen. Ebenso wird das Büro für Öffentlichkeitsarbeit die Bahá’í- Institutionen dabei unterstützen, diese Themen für eine umfassendere Proklamation des Glaubens zu nutzen. Die Verteidigung der Rechte der Bahá’í im Iran und zunehmende Anstrengungen zur Befreiung des Glaubens in jenem Land und anderen Ländern, in denen er verboten ist, werden einen wesentlichen Teil unserer Bezie- hungen mit Regierungen und Nicht-Regierungsorganisationen ausmachen. In all diesen Aspekten sind die Ba- há’í-Freunde und Institutionen dringend aufgefordert, sich der Wichtigkeit von Aktivitäten im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit und der Außenbeziehungen klar bewusst zu sein und ihnen erneut Aufmerksamkeit zu widmen.
Die Bildung von zwei Nationalen Geistigen Räten zu diesem Ridván verleiht dem Vier-Jahres-Plan einen günstigen Anfang. Wir sind hocherfreut anzukündigen, dass unsere beiden Vertreter bei den ersten Nationalta- gungen die Hand der Sache Gottes ‘Amatu’l-Bahá Rúhíyyih Khánum in Moldavien und Fred Schechter, Bera- ter am Internationalen Lehrzentrum, in Sao Tome und Principe sein werden. Bedauerlicherweise können die Nationalen Geistigen Räte von Burundi und Ruanda aufgrund von Umständen, die sich ihrer Kontrolle völlig entziehen, dieses Jahr nicht wieder gewählt werden. Die Anzahl dieser Institutionen wird demzufolge weltweit weiterhin 174 betragen.
Ausblick auf das neue Jahrtausend
Ridván 2000, der Zeitpunkt, an dem der Vier-Jahres-Plan beendet wird, befindet sich Monate vor dem Ende des zwanzigsten Jahrhunderts. In jenem Augenblick wird die Bahá’í-Welt in dankbarer Anerkennung auf die außerordentlichen Entwicklungen und die erstaunlichen Errungenschaften zurückblicken, welche die Annalen der Sache Bahá’u’lláhs während dieses ereignisreichen Zeitraums ausgezeichnet haben werden - eines Zeit- raums, der von ‘Abdu’l-Bahá als "Jahrhundert des Lichtes"7) bezeichnet wurde. Eine der bedeutendsten Leis- tungen, die dann bewundert werden müssen, wird die Vollendung der Projekte am Berg Karmel sein, die zu- sammen mit den anderen Gebäuden auf jenem heiligen Berg als ein Denkmal für den Fortschritt stehen werden, den die administrative Ordnung zu jenem Zeitpunkt im Gestaltenden Zeitalter erlangt haben wird. Der Höhe- punkt einer solchen Würdigung wird, so Gott will, eine Großveranstaltung am Weltzentrum sein, mit der die Vollendung der Gebäude des Bogens und die Eröffnung der Terrassen des Schreines des Báb für die Öffent- lichkeit begangen werden sollen.
Geliebte Freunde, wir beginnen diesen Plan inmitten der Unruhe einer Zeit des sich beschleunigenden Über- gangs. Der durch die Wucht der Offenbarung Bahá’u’lláhs hervorgerufene Zwillingsprozess schreitet rasch voran, wobei er eine Dynamik annimmt, die, in den Worten Shoghi Effendis, "jene Mächte, die das Antlitz unseres Planeten umgestalten, zu einem Höhepunkt führen (wird)".8) Der eine ist ein Prozess der Integration, der andere ist zerrüttend. Aus der "umfassenden Gärung", die durch diese Prozesse verursacht wird, geht der Frieden schrittweise hervor, wodurch die einigenden Auswirkungen eines wachsenden Bewusstseins von Welt- bürgertum offenkundig werden.
Im Hinblick auf dieses Ziel waren die jüngsten Entwicklungen in der Welt paradoxerweise zugleich scho- ckierend und beruhigend. Einerseits erzeugt die Unordnung in den menschlichen Angelegenheiten ein tägliches Maß des Schreckens, welches die Sinne betäubt, andererseits unternehmen die Führer der Welt oft gemeinsame Aktionen, die dem Bahá’í-Beobachter eine Tendenz hin zu einer gemeinsamen Annäherung der Nationen an eine Lösung für die Probleme der Welt anzeigen. Bedenken Sie zum Beispiel die ungewöhnliche Häufung von weltweiten Anlässen, zu denen sich diese Führer seit dem Heiligen Jahr vor vier Jahren versammelt haben, wie zur Feier des fünfzigsten Jahrestages der Vereinten Nationen, auf der die teilnehmenden Staatsoberhäupter und Regierungschefs ihre Verpflichtung zum Weltfrieden erklärt haben. Erwähnenswert sind auch die Bereitwillig- keit und die Spontaneität, mit der diese Regierungschefs als Antwort auf eine Reihe von Krisen in verschiede- nen Teilen der Welt gemeinsam gehandelt haben. Solche Tendenzen fallen mit dem aus aufgeklärten Kreisen stärker werdenden Ruf zusammen, der Möglichkeit, zu einer Art globalen Regierungsform zu finden, Beach- tung zu schenken. Dürfen wir nicht in diesen sich rasch entwickelnden Ereignissen das Walten der Hand der Vorsehung sehen, ja, den eigentlichen Vorboten für das in unseren Schriften vorhergesagte gewaltige Ereignis?
Obgleich die Errichtung des Geringeren Friedens nicht von irgendeinem Plan oder einer Aktion der Bahá’í abhängig ist und nicht das letzte Ziel darstellt, das der Menschheit im Goldenen Zeitalter zu erreichen be- stimmt ist, liegt auf unserer Gemeinde doch die Verantwortung, den Prozessen in Richtung auf jenen Frieden den geistigen Impuls zu verleihen. Genau jetzt ist es nötig, dass wir unsere Bemühungen beim Aufbau des Bahá’í-Systems so intensivieren, dass wir die Bestätigungen Bahá’u’lláhs anziehen und somit eine geistige Atmosphäre schaffen, die zu einer Beschleunigung dieser Prozesse führen wird. Vor uns liegen zwei entschei- dende Herausforderungen: Die eine besteht darin, eine Lehrkampagne in Gang zu setzen, an der die ganze Gemeinde begeistert, systematisch und persönlich teilnimmt und bei der die Aktivierung eines umfassenden Fortbildungsprogramms sicherstellt, dass menschliches Potential in reichem Maße entwickelt wird. Die zweite ist die Fertigstellung der Bauprojekte am Berge Karmel, für die jedes nur erdenkliche Opfer gebracht werden muss, um einen freigebigen Fluss materieller Mittel bereitzustellen. Wenn wir diese zwei Brennpunkte ent- schlossen anpeilen, werden Bedingungen geschaffen, die dazu führen, dass sich aufgestaute Kräfte freisetzen, die einen Wandel in der Ausrichtung der menschlichen Angelegenheiten auf dem ganzen Planeten herbeiführen werden.
Die Opposition wird kommen
Wie kurz der Weg zum Frieden auch sein mag, er wird verschlungen sein. Wie verheißungsvoll das erwartete Ereignis auch sein mag, das seinen Kurs bestimmen wird, er muss in einer langen Entwicklungszeit reifen, und dazu gehören Prüfungen, Rückschläge und Konflikte bis zu dem Augenblick, da er unter dem direkten Ein- fluss des göttlichen Glaubens als der Größte Friede in Erscheinung tritt. Inzwischen werden die Menschen überall sich der Verzweiflung und Verwirrung gegenübersehen, ehe es ihnen gelingt, den stattfindenden Über- gang zu würdigen. Wir, die wir von der neuen Offenbarung erleuchtet sind, haben das Heilige Wort, das uns Zuversicht gibt, einen Göttlichen Plan zu unserer Führung, eine Geschichte voller Heldenmut zu unserer Er- mutigung. Wir wollen daher Mut fassen, nicht nur aus dem Wort, das wir hochhalten, sondern auch aus den Heldentaten und Opfern, die auch heute noch hell aus jenem Lande leuchten, in dem unsere Religion geboren wurde.
Siebzehn Jahre lang haben unsere verfolgten Glaubensbrüder und -schwestern im Iran eine Glaubenstreue und einen Mut gezeigt, die eine unermessliche Proklamation des Glaubens bewirkten und ihn aus der Verbor- genheit zwangen. Hierin liegt in unseren eigenen Tagen der lebendige Beweis für die gewaltigen Kräfte von Krise und Sieg. So Gott will, wird es nicht zu lange dauern, bis unsere iranischen Mitgläubigen von dem Joch erlöst werden, das sie tragen, und dann zu einem ruhmreichen, wunderbaren Sieg geführt werden, wie nur die Gesegnete Schönheit ihn verleihen kann. Ihre Erfahrung ist ein Zeichen und ein Beispiel für uns alle, wo immer wir auch leben; denn schließlich, so hat es uns der Meister gesagt, wird die Opposition ihr Haupt auf allen Kontinenten erheben. Zwar mag sie von Ort zu Ort unterschiedlich sein, intensiv wird sie jedoch gewiss sein. Aber dank der stärkenden Gnade Bahá’u’lláhs und der demonstrierten Standhaftigkeit jener edlen Freunde werden wir wissen, wie man den Speeren des Feindes ohne Furcht standhält. Der Herr der Heerscharen hat wahrlich versprochen, sein Volk zu einem überwältigenden und entscheidenden Triumph zu führen.
Da die Menschheit von den verheerenden Auswirkungen einer außer Kontrolle geratenen Zivilisation ge- schüttelt und gequält wird, Lasst uns unseren Verstand und unsere Herzen auf die vor uns liegenden göttlichen Aufgaben richten. Denn inmitten dieses Aufruhrs wird es überreichlich Gelegenheiten geben, die ausgeschöpft werden müssen, "um das Wissen um die erlösende Macht des Glaubens Bahá’u’lláhs nah und fern zu verbrei- ten und frische Streitkräfte für das ständig wachsende Heer Seiner Gefolgschaft zu gewinnen."9) Dieser Plan, dem wir uns jetzt verschrieben haben, ist zu einem der kritischsten Momente im Leben des Planeten aufgestellt worden. Er soll unsere Gemeinde darauf vorbereiten, die sich beschleunigenden Veränderungen zu meistern, die sich in der Welt um uns vollziehen, und die Gemeinde in die Lage versetzen, sowohl der Wucht der damit verbundenen Prüfungen und Herausforderungen zu widerstehen als auch ein funktionierendes Modell deutli- cher sichtbar zu machen, dem sich die Welt um Hilfe suchend und als Beispiel in den Nachwehen eines tu- multartigen Übergangs zuwenden kann. Auf diese Weise nimmt dieser Plan eine besondere Stelle im Zeitplan der Bahá’í und der Weltgeschichte ein. Jene unter uns, die für die Vision des Glaubens empfänglich sind, ge- nießen das besondere Vorrecht, bewusst an Bemühungen beteiligt zu sein, die dazu bestimmt sind, solche Pro- zesse anzuregen und schließlich voranzutreiben.
Mögen Sie alle sich erheben und die Aufgaben dieses entscheidenden Augenblickes in Angriff nehmen. Möge jeder von Ihnen einer kurzen Zeitspanne, die voller Möglichkeiten und Hoffnungen für die Menschheit steckt, sein oder ihr Siegel aufdrücken. Rufen Sie sich stets den Ratschlag Shoghi Effendis, der uns unfehlbar leitet, ins Gedächtnis, auf dass Sie nicht von den drastischen Ereignissen dieser Übergangszeit abgelenkt und über- mäßig beunruhigt werden: "Es ist nicht an uns, die wir winzige Sterbliche sind, in einem so kritischen Ab- schnitt der langen, buntbewegten Menschheitsgeschichte zu versuchen, zu einem genauen und befriedigenden Verständnis der Schritte zu gelangen, welche eine blutende Menschheit, die ihren Gott erbärmlich vergessen und Bahá’u’lláh nicht beachtet hat, nach und nach von ihrem Golgatha zu ihrer endlichen Auferstehung füh- ren....Wie verwirrt der Schauplatz, wie trübe der gegenwärtige Ausblick, wie engbegrenzt die uns verfügbaren Hilfsmittel auch seien, unser ist die Pflicht, heiter, vertrauensvoll und unaufhörlich zu arbeiten und, auf welche Weise auch immer die Umstände uns dazu befähigen mögen, unseren Anteil zu geben für das Wirken der Kräf- te, die, von Bahá’u’lláh geleitet und gelenkt, die Menschheit aus dem Tal des Elends und der Schmach auf die erhabensten Höhen der Macht und Herrlichkeit führen."10)
1) “The Advent of Divine Justice” (Wilmette: Bahá’í-Publishing Trust, 1990) p. 51 2) Ährenlese aus den Schriften Bahá’u’lláhs, Nr. 129 3) “Citadel of Faith: Messages to America 1947-1957” pp. 130-131 4) Aus einem Brief, geschrieben im Namen Shoghi Effendis vom 1.9.1933 an einen einzelnen Gläubigen 5) Ährenlese Kap. 96 6) Aus einem Brief, geschrieben im Namen Shoghi Effendis vom 10.10.1932 an einen einzelnen Gläubigen 7) Selections from the Writings of ‘Abdu’l-Bahá p. 32 8) “The World Order of Bahá’u’lláh: Selected Letters (Wilmette: Bahá’í Publishing Trust 1990) p. 48 9) “Das Kommen Göttlicher Gerechtigkeit S.48 amerik. Ausgabe 1990 10) “Der Verheißene Tag ist gekommen” S.124 amerik. Ausgabe 1980
(Die Überschriften und Zitatangaben fehlen in der Originalausgabe)
Ridván 153
An die Anhänger Bahá’u’lláhs in Europa
Innig geliebte Freunde,
Vor 43 Jahren, als sich die europäischen Bahá’í auf der Stockholm-Konferenz versammelten, die der ge- liebte Hüter zum Auftakt des großen Zehnjahres-Kreuzzuges auf Ihrem Kontinent einberufen hatte, gab es drei Nationale Geistige Räte - den der Britischen Inseln, den von Deutschland und Österreich sowie den von Italien und der Schweiz - außerdem einige sich langsam entwickelnde örtliche Gemeinden in anderen Ländern West- europas. Im Osten, der durch politische Barrieren abgeschottet war, existierten winzige Überreste von Ge- meinden, die in früheren Jahren errichtet worden waren, und in der benachbarten Türkei mühte sich eine kleine nationale Gemeinde. Und als die europäischen Gläubigen der damaligen Zeit die ehrfurchtgebietenden Aufga- ben betrachteten, die vor ihnen lagen, hörten sie die Worte des Hüters, der die historische Bedeutung jenes Kontinents erläuterte, in dem sie die Institutionen von Bahá’u’lláhs embryonaler Weltordnung aufbauen soll- ten:
"Ein Kontinent, der solch eine zentrale und strategische Position für den ganzen Planeten einnimmt, so reichhaltig und ereignisreich in seiner Geschichte, so vielfältig in seinen Kulturen, aus dessen Boden die Helle- nische als auch die Römische Kultur entsprang, die treibende Kraft einer Kultur, der Bahá’u’lláh Selbst in einigen ihrer Grundzüge Anerkennung gezollt hat, an dessen südlichen Küsten das Christentum erstmals eine Heimat fand, auf dessen östlichen Wegen die mächtigen Kräfte des Kreuzes und des Halbmondes so oft auf- einander stießen, auf dessen südwestlichem Ausläufer die schönsten Früchte einer sich schnell entwickelnden islamischen Kultur reiften, in dessen Herzen das Licht der Reformation so hell schien, dass deren Strahlen auch die entlegensten Regionen des Globus erreichten ..."
Dieser Ihr Kontinent, dessen Boden durch die Fußspuren Bahá’u’lláhs gesegnet wurde, der zweimal von ‘Abdu’l-Bahá auf Seinen epochalen Reisen nach der Befreiung aus der Gefangenschaft besucht wurde, dessen Reisende und Gelehrte sich schon früh dem heraufdämmernden Licht von Bahá’u’lláhs Offenbarung öffneten, von dem aus zwei Regierungen während des heroischen Zeitalters dem Glauben eine helfende Hand darboten und dessen Nationen in jüngsten Jahren so erfolgreich zur Verteidigung der verfolgten Bahá’í im Iran interve- niert haben, hat reichlich die Fähigkeit seiner Bewohner demonstriert, sich unter dem Banner der Sache Gottes zu versammeln, sobald ihre Herzen berührt werden und ihr Verstand für seine Botschaft geweckt wird.
Im Laufe dieser 43 Jahre haben die europäischen Bahá’í-Gemeinden große Vitalität gezeigt. Die Zahl der Nationalen Geistigen Räte hat sich auf 34 erhöht, die auf dem ganzen Kontinent verteilt sind, und die - wie im Falle von Russland - riesige Gebiete umfassen und bis an den Pazifischen Ozean reichen. Durch europäische Pioniere wurden für den Glauben in Afrika, im Pazifik, der Karibik und auf Grönland große Siege errungen. Ihre Institutionen haben sich im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit hervorgetan. Ihre Gemeinden weisen hervor- ragende Gelehrte im Glauben, Musiker, Künstler, Wissenschaftler und Freunde auf, die sich um die Anwen- dung der Bahá’í-Lehren im Geschäfts- und Wirtschaftsbereich bemühen. Sie haben besondere Anstrengungen unternommen, die Frauen zu fördern und das Familienleben zu stärken. Der Europäische Jugendrat ist Mittel- punkt und Quelle für die Stimulation der Jugend in allen Teilen Europas geworden, und wird ergänzt durch ein Netz von nationalen und örtlichen Jugendausschüssen, die eng zusammenarbeiten und von ihren Nationalen und örtlichen Geistigen Räten unterstützt werden. Jetzt ist es an der Zeit, dass wir auf diese Errungenschaften aufbauen, indem wir alle unsere Anstrengungen auf das wesentliche Ziel konzentrieren, die Botschaft Ba- há’u’lláhs einer geistig ausgehungerten Bevölkerung zu überbringen.
Die erste Aufgabe Ihrer Nationalen Geistigen Räte sofort nach Ridván wird es sein, Land für Land und in Beratung mit den Mitgliedern des Berateramts die Details des Vier-Jahres-Planes zu formulieren. Die Beteili- gung der örtlichen Geistigen Räte und einzelner Gläubiger im Ausarbeiten ihrer eigenen örtlichen Pläne und in der Ausrichtung auf klar zu formulierende Handlungsvorgaben wird für die erfolgreiche Erfüllung der hohen Ziele in diesem Stadium der Umsetzung des Göttlichen Planes von ‘Abdu’l-Bahá unverzichtbar sein.
Europa ist ein Kontinent voller Vielfalt, und jeder Ihrer Nationalen Räte wird sorgfältig die erforderlichen Prozesse und Leistungen erforschen müssen, die für die Entwicklung der Sache Gottes in ihrem Gebiet in den kommenden vier Jahren notwendig sind. Die augenblickliche Situation seiner Gemeinde, das Gebiet, in dem er arbeitet und Bereiche potentieller Zusammenarbeit mit anderen Bahá’í-Gemeinden müssen berücksichtigt wer- den. Besondere Aufmerksarnkeit sollte der offiziellen Anerkennung in den Ländern, in denen die Institutionen des Glaubens noch nicht rechtlich anerkannt sind, gewidmet werden, außerdem der Errichtung von Nationalen Geistigen Räten in bestimmten unabhängigen Gebieten und auf wichtigen Inseln - wie beispielsweise den Farö- er Inseln -, die dies noch nicht erreicht haben. Es gibt jedoch bestimmte Elemente einer noch weiter reichenden Vision, die berücksichtigt werden müssen, da sie auf einzelne Länder, auf Ländergruppen und ganze Kontinen- te zutreffen.
Es gibt Gebiete, die dringend Pioniere und Reiselehrer benötigen; man denke beispielsweise an die Arbeit mit den Sami und anderen Völkern der Arktis und subarktischen Regionen, nördlich bis nach Spitzbergen hinauf- reichend. Wir denken an die Bedeutung des Lehrens des Glaubens auf den Mittelmeerinseln, den Atlantikinseln und den Nordseeinseln; die Wichtigkeit der Roma für den ganzen Kontinent, die eine große Aufnahmebereit- schaft für die Botschaft Bahá’u’lláhs zeigen; die Chance für die europäischen Bahá’í-Gemeinden, das heilsame Wesen der Lehren in Bezug auf Minderheiten aller Art zu demonstrieren; die besonderen Aufgaben, die der geliebte Hüter als Bestimmung ausgewählter Gemeinden beschrieben hat, und ihre Verantwortung in fernen Ländern, in denen ihre Sprachen gesprochen werden; die Konsequenzen des Fortschritts des Glaubens in Ita- lien, wo sich "das Herz und die Hochburg der leitenden, der altehrwürdigsten und mächtigsten Kirche des Christentums" befindet; die Notwendigkeit, die Zahl von Bahá’í-Zentren in den riesigen Gebieten der Ukraine und des europäischen Teils von Rußland zu erhöhen; und darüber hinaus die besondere Verantwortung und Herausforderung der Bahá’í-Gemeinde der Russischen Föderation, deren größter Teil in Asien liegt, und die sowohl von der Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden in Zentral-, Süd- und Ostasien profitieren muss als auch von der mit Alaska, Kanada und den Vereinigten Staaten. Das sind nur einige Beispiele für die Her- ausforderungen, denen Sie in den kommenden Jahren gegenüberstehen.
Das zentrale Ziel des Vier-Jahres-Planes, ein bedeutender Fortschritt im Prozess des Beitritts in Scharen, ist für Europa von besonderer Bedeutung. Sie sollten keine Befangenheit und Vorbehalte haben - es ist ein Pro- zeß, der in allen Teilen Europas voranschreiten kann, im Westen und im Osten. Sie sollten alle erkennen, dass der Beitritt in Scharen eine unumgängliche Entwicklungsstufe für die Sache ist. Die Merkmale dieser Entwick- lung sind in der Zusammenstellung zu diesem Thema beschrieben worden. Daraus wird offensichtlich, dass das beabsichtigte Ergebnis - ein anhaltender Beitritt in Scharen - durch eine bloße Abfolge von sporadischen, unkoordinierten Anstrengungen - wie enthusiastisch auch immer - nicht zustandekommen kann. Vertrauen; Einheit in der Vision; systematische, realistische und dennoch kühne Planung; Akzeptanz der Tatsache, dass man Fehler machen wird, und der Wille, aus diesen Fehlern zu lernen; und - über allem - Vertrauen auf die Führung und stützenden Bestätigungen Bahá’u’lláhs werden den Fortschritt dieses Prozesses beschleunigen.
Die Einrichtung von Fortbildungs-Instituten in verschiedenen Orten wird im Vier-Jahres-Plan betont, denn die derzeitigen Methoden - so wertvoll sie in sich auch sein mögen - sind nicht angemessen, um den Herausfor- derungen dieses neuen Wachstumsstadiums der Sache zu begegnen. Die Gestalt und Struktur der Institute müssen den jeweiligen Bedingungen des Landes und der Region angepasst werden. Es ist klar, dass die Form eines Instituts in Europa nicht mit der eines in den ländlichen Gebieten Indiens identisch sein kann. Ihre Haupt- funktion jedoch ist dieselbe. Sie sind dazu da, die Festigung einer Bahá’í-Identität der Teilnehmer zu fördern: die Befähigung, die Welt und ihren Zustand eher aus dem Blickwinkel der Lehren zu sehen als aus Sicht der eigenen Nationalität oder vor dem jeweiligen Nicht-Bahá’í-Hintergrund. Sie werden dabei helfen, in jedem Teilnehmer eine tiefe Liebe zu Bahá’u’lláh zu entwickeln, ein gutes Verständnis Seiner wesentlichen Lehren und das Bewusstsein für die Wichtigkeit der Entwicklung des geistigen Lebens für jedes Individuum durch Gebet, Meditation und Versenkung in die Heiligen Schriften fördern. Sie werden auch solch praktische Dinge enthalten wie das Lehren des Glaubens, denn es gibt zu viele, die aus Mangel an Vertrauen in ihre diesbezügli- chen Fähigkeiten zögern, die Botschaft weiterzugeben. Die Wandlung, die eine solche Vertiefung im Glauben hervorruft, wird sicherlich die Herzen der einzelnen Freunde dafür entflammen, die Botschaft mit allen sie umgebenden Menschen zu teilen, und dies ist die Saat für den Erfolg beim Lehren. Jene, die an einem Institut teilgenommen haben, können den anderen Bahá’í sowohl den neuen als auch den langjährigen - helfen, ihr Potential für das Lehren zu entwickeln, und somit der Sache, in der jeder Gläubige ein Lehrer ist, eine zuneh- mende Zahl aktiver Mitarbeiter zuführen.
Das Lehren der Sache durch die Freunde in Europa muss an Umfang zunehmen, es muss in der Bandbreite vielfältig, spontan und individuell auf der einen Seite und konzentriert, vereint und einander unterstützend auf der anderen Seite sein. Es muss sowohl inspirierend als auch praktisch sein und muss vor allem vom reinen Glauben an die Macht Bahá’u’lláhs beseelt sein. Sie sollten das Feld ihrer Lehrarbeit erweitern und darin die Landbevölkerung einschließen als auch die Massen der Arbeitenden in den Städten, Menschen mit geringer Bildung als auch Intellektuelle in Universitätsstädten. Sie sollten ganz bewusst jede Gesellschaftsschicht an- sprechen, Ihre Methoden entsprechend anpassen, Literatur und audio-visuelles Material für jeden Zuhörer haben. Beides, Kopf und Herz, müssen genährt werden; beides, geistige Kräfte und intellektuelle Klarheit, müssen als wichtige Elemente der Lehrarbeit erkannt werden. Sie haben sich bereits ausgezeichnet durch den Einsatz der Künste in der Proklamation, der Ausbreitung und Festigung des Glaubens; dies ist ein Schlüssel zum Öffnen vieler Türen, und er sollte ermutigt und gefördert werden. Ihre Einheit, Ihre Begeisterung, Ihr Vertrauen und Ihre Ausdauer - durch die Kraft des Gebetes gestärkt und geführt - werden unausweichlich zu einem Kanal für göttliche Bestätigungen, die wiederum suchende Seelen anziehen werden.
Wir unsererseits werden inbrünstig an der Heiligen Schwelle dafür beten, dass Sie, die Sie solch historische Siege in Ihren Heimatländern und auf der ganzen Welt errungen haben, während des Vier-Jahres-Planes in eine Phase noch größerer Errungenschaften eintreten, die die noch unvorstellbaren Triumphe ankündigen, die sich der Bestimmung nach im einundzwanzigsten Jahrhundert entfalten werden.
Zu dieser ganz besonderen Jahreszeit grüßen wir Sie in tiefer Freude über die verstärkten Aktivitäten der ganzen Bahá’í-Gemeinde während des gerade vergangenen Jahres und mit den höchsten Erwartungen für das, was im letzten Drittel des Drei-Jahres-Planes geleistet werden muss und kann. Wir empfinden gleichermaßen Sorge wie Hoffnung angesichts der Verzweiflung, die die Führer der Nationen und Völker bei ihrer Suche nach Lösungen für die drängenden sozialen Probleme bedrängt. Ein solches verzweifeltes Bemühen ist gleichbedeu- tend mit einem weltweiten Ruf nach den Lehren Bahá’u’lláhs - für verantwortungsbewusste Ba- há’í-Institutionen und Gläubige wahrlich eine Herausforderung und eine Verheißung, die nicht ignoriert wer- den darf.
Bei keiner Gelegenheit wurde diese düstere Perspektive deutlicher als neulich beim Weltgipfel für Sozialent- wicklung, der jüngsten in einer Reihe von den Vereinten Nationen einberufener internationaler Zusammenkünf- te der Führer der Welt. Wie gering auch immer der unmittelbare Einfluss derartiger Ereignisse auf die Politik von Regierungen sein mag, wie wenig die große Masse der Weltbevölkerung ihnen auch Beachtung schenken oder sich ihrer bewusst sein mag - die Aufeinanderfolge dieser Ereignisse bedeutet für jeden Bahá’í- Beobachter eine schrittweise Bewegung in Richtung auf die schließliche Erfüllung des Wunsches Bahá’u’lláhs, dass die Herrscher der Welt sich versammeln mögen, um über die wichtigen Fragen, die eine zunehmend glo- bale Gesellschaft betreffen, zu beraten und zu entscheiden.
Durch eine besondere Gunst der Stunde konnten sich bei diesem bedeutenden Anlass in Kopenhagen etwa 250 Freunde aus mehr als 40 Ländern an den Bahá’í-Bemühungen beteiligen, die Teilnehmer des Gipfels und des dazugehörigen NGO-Forums mit den durch den Göttlichen Arzt verschriebenen Heilmitteln bekannt zu machen. Diese Bemühungen nahmen nach dem Gipfel einen noch größeren Umfang an und werden auch jetzt noch an vielen Orten auf der ganzen Welt fortgesetzt. Mit tief empfundener Dankbarkeit beglückwünschen wir die Bahá’í-Institutionen, ihre Abteilungen und die einzelnen Freunde, die diese Flut von Aktionen vor, während und nach dem Gipfel erzeugten, denn dadurch bekundete sich sowohl der weiterhin gewachsene Einfluss unse- rer Weltgemeinde auf die Prozesse, die zum Geringeren Frieden führen, als auch die immer vielfältiger wer- denden Gelegenheiten zur weiteren Verbreitung der umgestaltenden Botschaft Bahá’u’lláhs. In dem Maße, wie diese Weltereignisse sich mehren und die Bahá’í-Gemeinde ihre Ziele mit verstärkter Intensität verfolgt, kön- nen wir deutlicher wahrnehmen, wie die parallelen Prozesse, von denen Shoghi Effendi vor mehreren Jahrzehn- ten sprach, enger zusammengeführt werden: Der eine zielt auf eine politische Vereinigung der Nationen, der andere auf die schließliche Vereinigung der Herzen in einem gemeinsamen Glauben.
Wir machen diese Beobachtungen vor dem Hintergrund einer ermutigenden Entwicklung in der Ba- há’í-Gemeinde während des zweiten Jahres des Drei-Jahres-Planes. Noch begeisternder als der Entwicklungs- sprung bei den Aktivitäten in auswärtigen Angelegenheiten auf örtlicher und nationaler Ebene sind die Beweise einer qualitativen Veränderung in der Reaktion der Gläubigen überall auf den Ruf zum Lehren. Der gestiege- nen Lehraktivität ist ein tieferes Verständnis für diese unausweichliche Aufgabe eines jeden einzelnen zu ent- nehmen. Dies ist eine ermutigende Situation, die sich aus einer Reihe stimulierender Faktoren ergibt, die alle- samt als gute Vorzeichen für den lange erwarteten Zustrom von Scharen neuer Gläubiger gelten können. Zu diesen Faktoren gehören die Aufmerksamkeit, die der Textzusammenstellung über den Beitritt in Scharen ge- zollt wird, die jetzt in einer wachsenden Zahl von Sprachen erscheint, die Reisen der Internationalen und Kon- tinentalen Berater durch die ganze Welt, die Entwicklung der Arbeitsweise der Hilfsamtsmitglieder und ihrer Assistenten, die Auswirkungen der besonderen Betonung der Kindererziehung und der Schwung der Jugend bei der Inangriffnahme von Lehrprojekten und bei ihrer Beteiligung an einer Reihe anderer Bahá’í-Aktivitäten.
Beigetragen zu diesem positiven Bild hat die wachsende Stärke der Geistigen Räte, die aufgerufen sind, sich vielfältigen Herausforderungen zu stellen, während sie sich gleichzeitig in erster Linie auf die Lehrarbeit kon- zentrieren. Wir sind uns in besonderem Maße der Last bewusst, die Nationale Geistige Räte tragen, da die ihrer Amtsgewalt zugeordneten Gemeinden in ihrer Zusammensetzung vielgestaltiger und in ihren Ansprüchen an die Führung und Hilfe dieser Institutionen komplexer werden.
Die verschiedenen Entwicklungsstadien, in denen sich die Gemeinde befindet, vermitteln insgesamt den Ein- druck, dass starke Bemühungen den drei Hauptthemen des Planes gewidmet werden, die fordern, dass die Glaubenskraft der einzelnen Gläubigen gestärkt, die menschlichen Potentiale der Sache bedeutend entwickelt und die korrekte Arbeitsweise der örtlichen und nationalen Institutionen gefördert werden. Auf diesen Gebieten ist noch viel zu tun. Eine deutlichere Reaktion der einzelnen und der Institutionen ist erforderlich, wenn unsere Gemeinde die verheerenden Auswirkungen eines zügellosen moralischen Verfalls bekämpfen, eine schlagkräf- tige Armee ergebener Seelen für das Lehren und die Verwaltung des Glaubens aufstellen und unsere Institutio- nen für die Aufgaben vorbereiten soll, die sich gewiss durch eine plötzliche Zunahme der Größe unserer Ge- meinden ergeben werden.
Die wirksame Antwort auf die unmittelbaren Herausforderungen, vor denen die Gemeinde steht, hat einige wesentliche Voraussetzungen, die vor allem von jedem einzelnen und von den örtlichen Geistigen Räten erfüllt werden müssen: Auf der einen Seite bedarf es der Initiative für das Lehren des Glaubens und den Erwerb eines vertieften Verständnisses für Sinn und Zweck des Glaubens. Es ist die Pflicht und das Vorrecht jedes einzel- nen, diese Initiative zu ergreifen. Zugleich besteht die Notwendigkeit, dass der einzelne an gemeinsamen Un- ternehmungen der Gemeinde, an Projekten und Veranstaltungen mitwirkt. Andererseits ist es die Aufgabe des örtlichen Geistigen Rates, die Initiativen des einzelnen Gläubigen zu begrüßen, ihn dazu zu ermutigen und ihnen Raum zu geben, soweit das nur irgend möglich ist. Der Rat hat außerdem die Verantwortung, Pläne zu entwickeln und zu fördern, die die Talente und Fähigkeiten der Mitglieder der Gemeinde nutzen und die einzel- nen in gemeinsame Aktionen einbinden, wie etwa Lehr- und Entwicklungsprojekte, Institute und andere Grup- penaktivitäten. Es wird die Auswirkung von gewissenhaften Bemühungen zur Erfüllung dieser untrennbaren Erfordernisse sein, dass die Gemeinde sich ausbreitet und festigt und dass ein Klima einmütigen Handelns entsteht.
Während des vergangenen Jahres nahmen die Besuche hochrangiger Regierungsbeamter, anderer Würden- träger und Medienvertreter am Weltzentrum stark zu, was beweist, dass das geistige und administrative Zent- rum des Glaubens in den Augen der Welt wachsende Bedeutung erlangt. Es unterstreicht auch die Tendenz, dass das sich entwickelnde Zentrum einer Weltreligion bei den Regierungen der Welt einen immer größeren Bekanntheitsgrad erlangt. Wenn wir diese Tendenz vom Berge Gottes aus betrachten, dem Ort der gegenwärti- gen Bauprojekte, und gleichzeitig die Entwicklung berücksichtigen, die in örtlichen und nationalen Ba- há’í-Gemeinden stattfindet, können wir angemessener abschätzen, wie die von Shoghi Effendi geschaute Visi- on Wirklichkeit wird. Indem er die Tragweite erläuterte, die der Entstehung der Gebäude zukommt, die den Weltverwaltungssitz des Glaubens Bahá’u’lláhs bilden werden, sagte er: "Dieses ungeheure, unwiderstehliche Geschehen wird zeitlich mit zwei nicht minder bedeutsamen Entwicklungsabschnitten zusammenfallen, näm- lich mit der Begründung des Geringeren Friedens und mit der Entfaltung der nationalen und örtlichen Ba- há’í-Institutionen." In Anbetracht der Lage der Welt ist dies eine Vision, die die planmäßige Vollendung der Projekte am Berg Karmel zwingend erfordert.
Diese Projekte gehen mit bemerkenswerter Geschwindigkeit voran. Sie setzen Pilger, Touristen und Anwoh- ner durch ihre Ausmaße und ihre schon erkennbare Pracht in Erstaunen. Die Bauarbeiten erfolgen an allen Stellen gleichzeitig. An sieben Terrassen unterhalb und an fünf oberhalb des Schreins des Báb wird voll gear- beitet. Im Verlauf dieses Jahres sind mehr Bauverträge abgeschlossen worden als jemals zuvor. Dazu gehören die Verträge mit einer italienischen Firma zur Lieferung des Marmors für die Gebäude am Bogen. Es ist offen- sichtlich, dass die Arbeiten in einer Weise in Gang gekommen sind, die keine Verzögerung duldet. Der Spen- denstrom braucht daher unbedingt einen entsprechenden Impuls, wenn von den für das Ziel des Drei-Jahres-Planes vorgesehenen 74 Millionen Dollar die verbleibenden 40 Millionen Dollar bis Ridván 1995 zur Verfügung stehen sollen.
Das neue Jahr beginnt mit günstigen Vorzeichen, die durch die Bildung von fünf Nationalen Geistigen Räten an diesem Ridván gesetzt werden. Unsere Vertreter bei den ersten Nationaltagungen sind die Hand der Sache Gottes Amatu’l-Bahá Rúhíyyih Khánum in Armenien und Georgien; die Hand der Sache Gottes 'Ali-Muhammad Varqá in Weißrußland und Sizilien; und Berater Hushang Ahdieh in Eritrea. Weiterhin wer- den sich in dieser Zeit die Gemeinden von Bophuthatswana, Ciskei, Südafrika und Transkei unter der Jurisdik- tion des Nationalen Geistigen Rates von Südafrika zusammenschließen und so die vor kurzem erfolgte politi- sche Vereinigung der Region widerspiegeln. Als Ergebnis all dessen wird sich die Zahl der Nationalen Geisti- gen Räte in der Welt von 172 auf 174 erhöhen.
Geliebte Mitarbeiter: Über die Notwendigkeit hinaus, dass wir unsere Ziele erreichen müssen, fordert uns die gegenwärtige Misere der Menschheit zu verstärktem Handeln auf. Die über dem Schicksal einer verstörten Welt hängenden Wolken der Verzweiflung künden ganz deutlich den Frühlingsregen an, der den geistigen und materiellen Durst eines jeden Volkes stillen kann. Diese Wolken müssen nur durch ständige und zuversichtli- che Lehrmaßnahmen befruchtet werden. Die Durchführung solcher Aktivitäten liegt in erster Linie in den Händen der einzelnen Bahá’í, obwohl sie von einer Verstärkung abhängig sind, die von den Ba- há’í-Institutionen kommt.
Lassen Sie es nicht zu, dass übertriebene Selbstkritik oder Gefühle der Unzulänglichkeit, Unfähigkeit oder Unerfahrenheit Sie behindern oder Sie beunruhigen. Bedecken Sie Ihre Ängste mit den Zusicherungen Ba- há’u’lláhs. Hat Er nicht erklärt, dass auf jeden, der Seinen Namen erwähnt, die "Scharen göttlicher Einge- bung" herabsteigen und dass auf einen solchen "auch die Versammlung der Höhe" niederkommen wird, "jeder aus ihr einen Kelch reinen Lichtes vorantragend"? Betretet also die Arena, in die alle Seine Geliebten in glei- cher Weise gerufen, in gleicher Weise herausgefordert und überreichlich gesegnet werden. Lehren, versichert Bahá’u’lláh Selbst, bedeutet, die "verdienstvollste aller Taten" zu tun. Und in diesem außergewöhnlichen Au- genblick der Geschichte dieses Planeten ist nichts, aber auch gar nichts von größerer Bedeutung, als Menschen jeder Art und jeder Befähigung zur Festtafel des Herrn der Heerscharen einzuladen.
Indem wir Ihnen diese Botschaft senden, steht uns deutlich die Vision unermeßlicher Siege vor Augen, die darauf warten, errungen zu werden. Wir sind sicher, dass Sie unzählige davon in der verbleibenden Zeit des Drei-Jahres-Planes verwirklichen können. Danach müssen wir streben, um für das nächste weltweite Unter- nehmen, das zu Ridván 1996 in Angriff genommen werden soll, die Voraussetzungen zu schaffen. Dann wird eine weltumspannende Kampagne einsetzen, die ein angemessenes Crescendo in den Leistungen dieses Jahr- hunderts sicherstellt - eines Jahrhunderts, das von niemand geringerem als ‘Abdu’l-Bahá Selbst als eine Zeit angesehen wurde, die "ewig währende Spuren" hinterlassen wird.
Ein Jahr des Dreijahresplanes liegt jetzt hinter uns, ein Jahr, in dem die Wirren der Welt in den Herzen und Gedanken sowohl, Hoffnung als auch Furcht hervorriefen, Optimismus wie Verzweiflung, Bewunderung für menschlichen Mut und Scham über die Grausamkeit, in die die Menschheit versinken kann. Die Anhänger Bahá’u’lláhs streben inmitten dieser Heimsuchungen nach vorne, mit einer klaren Vision und voll Zuversicht, den Rahmen des Königreichs Gottes aufbauend, die Gesellschaft mit neuem Geist belebend und allen Völkern die wiederbelebende Wirkung der göttlichen Lehren aufzeigend.
Im Weltzentrum begann am 23. Mai (1993) ein neuer Fünf-Jahres-Turnus der Mitgliedschaft im Internatio- nalen Lehrzentrum. In unserer ersten gemeinsamen Sitzung begrüßten wir die zahlreichen Initiativen, die es in der vergangenen Amtsperiode ins Leben rief, und drängten auf deren Fortentwicklung. Unter diesen Initiativen ist die Führung herausragend, die den Kontinentalen Beratern zur Förderung der Beratung auf örtlicher und nationaler Ebene und zwischen Institutionen und Gläubigen vermittelt wurde. Dies führte zur Begründung und Bestärkung des Wachstums der Bahá’í-Gemeinde. Ebenso ist die fortschreitende Verdeutlichung verschiedener Ansätze zur Lehrarbeit zu nennen. Diese Aktionen führten im Laufe des Jahres zu einem größeren Schwung, der der Entwicklung des Glaubens und seiner Institutionen durch die Berater, die Hilfsamtsmitglieder und de- ren Assistenten gegeben wurde, was wiederum zur Stärkung der Einsicht und Ermutigung führte, die sie Nati- onalen und Örtlichen Geistigen Räten und den Gläubigen übermittelten.
Das wachsende Ansehen des Glaubens in den Augen der Welt und die Aufmerksamkeit, die dies auf das Weltzentrum lenkt, untermauern die Bedeutung der Fertigstellung der Terrassen am Schrein des Bab und der Gebäude des administrativen Weltzentrums der Sache Bahá’u’lláhs. Nach der Bekanntgabe des besonderen Aufrufs an die Bahá’í der Welt, 74 Millionen Dollar während des Dreijahresplanes für dieses Projekt zu sammeln, ist die Reaktion herzerwärmend gewesen. Es ist unsere innige Hoffnung, dass die Fortführung dieses Opfergeistes eine rasche Erfüllung dieses Zieles ermöglichen, einen ununterbrochenen Fortschritt der Arbeiten sicherstellen und die bewundernden Blicke der Besucher und Anwohner gleichermaßen anziehen wird.
Das Studium des Kitáb-i-Aqdas erhellt das Leben aller Gläubigen. Das Bewusstsein für die Bedeutung der Aufrechterhaltung der Grundsätze des Glaubens und des Gehorsams gegenüber seinen Geboten wächst. Die weltweite Anwendung des Gesetzes des Huqúq’ulláh hat eine enthusiastische Reaktion hervorgerufen. Die Aufmerksamkeit der Freunde gegenüber ihrer persönlichen Verpflichtung, den Glauben zu lehren, steigt. Wäh- rend sie ihren geistigen Verpflichtungen nachkommen und eine stärkere Abhängigkeit von den Bestätigungen Bahá’u’lláhs erlernen, entdecken sie, dass ihr Glaube eine neue Lebenskraft gewinnt, ihre Herzen voll neuem Selbstvertrauen. All dies sind Bereiche, in denen die Aktivitäten des einzelnen nicht auf Drängen oder Hilfe zu warten brauchen. Alleine auf sich gestellt, unterstützt nur durch die Kraft des Allmächtigen, ist jeder Gläubige herausgefordert, diese geistigen Stärken zu entwickeln, die über jedes Maß hinaus zur Evolution der Gemeinde beitragen werden.
Die Mitgliedschaft der Sache nimmt auf zwei Wegen zu. Menschen mit herausragenden Fähigkeiten werden bewegt, den Glauben anzunehmen und stärken so jene, die bereits in ihm dienen. Letztere werden für ihren Teil in ihrer Erfahrung bereichert und erwerben größere Fähigkeiten durch ein tieferes Studium der Lehre und ih- rem Ausdruck im Handeln. Die Freunde haben mit bemerkenswertem Erfolg stärkeren Gebrauch von Workshops und Institutionen gemacht und so die Notwendigkeit einer systematischeren Vertiefung ihres Ver- ständnisses der Lehre und ihrer Anwendung auf die Gesellschaft anerkannt. Im vor uns liegenden Jahr müssen diese beiden sich gegenseitig ergänzenden Vorgänge - Menschen mit besonderen Fähigkeiten anzuziehen sowie unsere eigenen zu erweitern - weiter ausgebaut werden. So werden persönliches Handeln und die harmonische Entwicklung einer großen Bandbreite von Aktivitäten zur Förderung des Glaubens angeregt.
Wie sich das Potential der Gläubigen entfaltet, so werden auch die örtlichen und nationalen Bahá’í- Institutionen die Fähigkeit erwerben, um die Lebensqualität ihrer Gemeinden zu erhöhen und einfallsreiche Programme zu entwerfen und einzuführen. Örtliche Geistige Räte haben in zahlreichen Gebieten in regionaler Lehrarbeit zusammengearbeitet. Auch die Nationalen Geistigen Räte haben neuartige Projekte ins Leben geru- fen, um die durch die außerhalb des Glaubens sich ergebenden Gelegenheiten auszunutzen. Einige Beispiele dafür sind das Projekt des Offenen Briefes in Albanien, die Antwort auf die außergewöhnliche Empfänglich- keit der Behörden und der breiten Bevölkerung in den Republiken von Sakha und Buryat in Sibirien und die zwischen dem Nationalen Geistigen Rat der Marshall-Inseln und der örtlichen Verwaltung des Majuro-Atolls unterzeichnete Vereinbarung, mit der auf Bitten der Landesregierung die Bahá’í-Gemeinde die Verantwortung für fünf staatliche Grundschulen übernahm.
Die Entwicklung örtlicher und nationaler Bahá’í-Institutionen ermöglichte in verstärktem Ausmaß eine De- zentralisierung der Verwaltung. Jedoch besteht in den meisten Ländern die entscheidende Voraussetzung für die Ausweitung dieses segensreichen Prozesses darin, die Funktionsweise der örtlichen Geistigen Räte rasch zu verbessern. Dies erfordert die wache Aufmerksamkeit eines jeden Gläubigen. Die örtlichen Bahá’í- Institutionen, die im Kitáb-i-Aqdas selbst eingesetzt wurden, bilden einen Fundus an Stärke und Führung, der die Effektivität der Arbeit für die Sache im Laufe ihrer Reifung vergrößert.
Wir leben inmitten einer Bevölkerung, die die Botschaft Bahá’u’lláhs verzweifelt benötigt. Es ist unsere Pflicht, sie klar und überzeugend so vielen Seelen wie möglich zu überbringen. Dunkel und Leid um uns herum sind nicht nur Zeichen der Not, sondern vermitteln eine Gelegenheit, die wir nicht versäumen dürfen. Das Ü- berbringen der Botschaft ist nur der allererste Schritt. Nach ihm müssen wir sicherstellen, dass sie verstanden und angewandt wird, lesen wir doch in einem im Auftrage des Hüters geschriebenen Brief: "Solange die Öf- fentlichkeit in der Bahá’í-Gemeinde nicht das echte Muster von etwas besserem als sie bereits besitzt, erkennt, und zwar in Aktion, wird sie auf den Glauben nicht in größerer Zahl reagieren." Wenn die Menschen die Sache annehmen, sollten sie dann mit Hilfe der Lehre ihre Beziehung untereinander wie mit ihren Mitbürgern entwi- ckeln, um die wahre Bahá’í-Gemeinschaft schrittweise aufzubauen, als Licht und Zuflucht für die Bestürzten.
Nach den glorreichen Ereignissen des Heroischen Zeitalters des Glaubens erfolgte der Eintritt in Scharen durch die Völker der Welt in die Sache Gottes zuerst in Afrika während der Amtszeit Shoghi Effendis, um sich dann in andere Gebiete auszudehnen. Die Bahá’í-Gemeinden in diesen Regionen lernen allmählich durch ihre Erfahrung und entwickeln Methoden und Programme mit dem Ziel, große Zahlen von Gläubigen zu funktionie- renden Gemeinden zusammenzubringen und starke Zentren andauernden Wachstums zu bilden. Die Textzu- sammenstellung über "Die Förderung des Eintritts in Scharen" wurde veröffentlicht, um diese Gemeinden in ihren Bemühungen zu unterstützen, um den Bahá’í in anderen Ländern zu helfen, den gleichen Vorgang in Gang zu setzen und aufrechtzuerhalten, und um Mißverständnisse aus dem Weg zu räumen, die ein so heraus- forderndes Konzept unausweichlich begleiten. Das Studium und die Anwendung der darin erläuterten Prinzi- pien und Ansätze wird zweifellos für jeden Bahá’í-Lehrer und jede Gemeinde hilfreich sein, sei es in einem Gebiet, in dem der Eintritt in Scharen seit Jahren Realität ist, oder dort, wo es noch keine Anzeichen hierfür gibt. Im letzteren Falle wird es den einzelnen Gläubigen von der Realität und Gültigkeit dieses Prozesses über- zeugen und die Bahá’í-Gemeinden befähigen, sich selbst geistig und materiell auf diesen Vorwärtsschub vor- zubereiten, sein Auftauchen sehnsüchtig zu erwarten, jene Schritte zu ergreifen, die seinen Beginn fördern, und die Maßnahmen sicherzustellen, die sein Wachsen beschleunigen.
Der bemerkenswerte Zuwachs internationaler Zusammenarbeit im vergangenen Jahr, die Niederlassung von Pionieren und der stete Fluss von Reiselehrern haben das Gewebe der Bahá’í-Gemeinde noch enger geknüpft. Führend hierbei ist ‘Amatu’l-Bahá Rúhíyyih Khánum, die zur Ermutigung der Gläubigen und Verkündigung des Glaubens eine mühsame Reise nach Russland und andere im Gebiet der ehemaligen Sowjetunion liegende Länder unternahm, und zwar vom Westen, dem Baltikum, bis ganz in den Osten, nach Sibirien; sowie vom Süden, den Zentralasiatischen Republiken, bis in den Norden nach St. Petersburg und Yakutsk.
Sieben erstmalige Nationaltagungen werden an diesem Ridván stattfinden. Unsere Repräsentanten bei diesen historischen Ereignissen sind die Hand der Sache Gottes ‘Amatu’l-Bahá Rúhíyyih Khánum zur Wahl des Na- tionalen Geistigen Rates der Bahá’í in Kambodscha, in Phnom Penh, und des Nationalen Geistigen Rates der Bahá’í in der Mongolei, in Ulan Bator; die Hand der Sache Gottes 'Ali-Muhammad Varqá für die Wahl des Regionalen Geistigen Rates der Bahá’í in Slowenien und Kroatien, in Ljubljana; Beraterin Lauretta King für die Wahl des Nationalen Geistigen Rates der Bahá’í in Kasachstan, in Alma-Ata, und des Nationalen Geisti- gen Rates der Bahá’í in Kirgisistan, in Bishkek; und Berater Shapoor Monadjem für die Wahl des Nationalen Geistigen Rates der Bahá’í in Tadschikistan, in Dushanbe, und des Nationalen Geistigen Rates der Bahá’í in Usbekistan, in Taschkent. Der derzeitige Regionale Geistige Rat von Zentralasien mit seinem Sitz in Ashkha- bad wird umbenannt in den Nationalen Geistigen Rat der Bahá’í in Turkmenistan.
Das Ende dieses Jahrhunderts nähert sich rasch. So wenig Zeit verbleibt, so viel ist noch zu tun. Wir rufen jeden Anhänger der Sache Bahá’u’lláhs auf, die allergrößten Anstrengungen den beiden Hauptaufgaben zu widmen, und zwar dem Lehren des Glaubens gegenüber jeder dürstenden Seele und der Ausstattung materieller Mittel zur Fertigstellung der gewaltigen Projekte am Berge Karmel. Wie immer sich die äußere Lage der Menschheit in den vor uns liegenden Jahren entwickelt, die Bahá’í-Gemeinde muss an Stärke gewinnen, sie muss deutlicher den sich unterscheidenden Charakter ihrer Lebensauffassung demonstrieren, zu Proklamation und Lehre der Botschaft zuversichtlich ausschwärmen und in immer größerem Ausmaß die bestätigende Un- terstützung der Himmlischen Heerscharen an sich ziehen. Es ist der einzelne Bahá’í, der in jedem Aspekt die- ser Arbeit den Schlüssel zum Erfolg in Händen hält.
In dieser Ridván-Zeit mit all ihrem Glanz als Anbruch außergewöhnlicher, ereignisreicher Tage sind un- sere Herzen tief bewegt, und andächtig knien wir vor dem Herrn der Herrlichkeit, durch dessen Gnade wir an einem glückverheißenden Kreuzweg in der Geschichte Seiner Sache angelangt sind.
Vom Gipfel des zu Ende gegangenen Sechsjahresplanes gelangen wir jetzt an die Schwelle des Heiligen Jahres, ehrfürchtig erschauernd beim bloßen Gedanken an die einzigartige Bedeutung dieser geheiligten Zeit der Rückbesinnung, da vor hundert Jahren Bahá'u'lláh, der Verheißene aller Zeitalter, vom Erdenleben Ab- schied nahm. Die Sonne der Wahrheit jedoch ging nur unter, um für immer und ewig vom "Reich unvergängli- cher Herrlichkeit"1) zu scheinen und hinfort den Strahlenglanz ihrer erneuernden Macht auf die ganze Welt zu ergießen. Hinweggegangen aus diesem Dasein ist der Urheber einer Offenbarung von "unfassbarer Größe", in der "alle Sendungen der Vergangenheit ihre höchste, letzte Vollendung erreicht" haben, 2) der Begründer eines neuen Menschheitszyklus, "der sich über einen Zeitraum von mindestens fünfhunderttausend Jahren erstrecken muss",3) der Stifter einer Weltordnung, eines "Systems, desgleichen kein sterbliches Auge je gesehen hat".4) Ja, mehr noch, Er war der Dämmerort des Tages Gottes, des Tages, da Gottes vortrefflichste Gunstbezeigun- gen über die Menschen ausgeschüttet wurden".5) Das ist die alles überragende Wirklichkeit, auf die unsere Betrachtungen zu dieser besonderen Jahresfeier an einem so kritischen Zeitpunkt in den Geschicken der Menschheit gerichtet sind.
So erfüllt sind wir von den geweihten Erinnerungen dieses Heiligen Jahres, dass wir Sie alle einladen möchten innezuhalten, wenn Sie in diese Periode der Besinnung eintreten, diese Zeit erneuter Hinwendung, diese Etappe der Vorbereitung auf noch zu leistende Aufgaben, auf noch zu erklimmende Gipfel, auf noch zu entschleiernde Pracht. Denn wenn wir nun zurückschauen auf hundert Jahre einer beispiellosen Geschichte unaufhörlichen Fortschritts, dann blicken wir zugleich voraus auf viele Jahrhunderte einer sich entfaltenden Erfüllung der Göttlichen Absieht, und wie die Erfahrung zeigt, wird diese Erfüllung immer stärker bewirkt durch systematisch fortschreitende Pläne, aber auch durch immer neue Epochen wundersamer Sprünge und Schübe.
Was uns in der Tat mitten in dieses verheißungsvolle Heilige Jahr hineinführt, ist die Schau neuer Hori- zonte, wie sie der triumphale Abschluss des Sechsjahresplanes eröffnet, der mit der Eröffnungsphase der vier- ten Epoche im Gestaltenden Zeitalter unseres Glaubens zusammenfiel. Triumphal ist alles in allem nicht so sehr der Zuwachs in Zahlen, wenngleich sich die Gemeinde an vielen Orten zu bestimmten Zeiten ungewöhn- lich stark ausweitete. Der Triumph offenbart sich in einer neuen Vielfalt von Siegen, in neuen Anfängen, fri- schen Initiativen und ausgereiften institutionellen Entwicklungen, die dem Erfolg bei den sieben Hauptzielen des Planes gleichsam den Stempel aufdrücken. So unmöglich es auch ist, auf diesen wenigen Seiten die Ergeb- nisse des Planes aufzulisten, verdienen doch die wichtigsten Entwicklungstrends während dieser bemerkens- wert dynamischen Zeit hervorgehoben zu werden. Die Bahá’í-Gemeinde hat sich in den letzten sechs Jahren auffallend verändert. Die wichtigsten Anzeichen dafür sind zweifellos für die Freunde allüberall wahrnehmbar und können wie folgt zusammengefasst werden:
Erstens: Bahá’u’lláhs Glaube ist in jedem Land der Erde vertreten. Der plötzliche Wandel des politischen Klimas, ohne Zweifel durch Gottes Großen Plan bewirkt, hat riesige Gebiete für die Durchdringung mit den göttlichen Lehren eröffnet, vor allem in der vormaligen Sowjetunion und den früheren Ostblockländern. Die durch diesen Wandel geschaffenen Möglichkeiten führten dazu, dass Ritter Bahá’u’lláhs die letzten aus Shoghi Effendis Zehnjahres-Weltkreuzzug verbliebenen unberührten Gebiete besetzten. Diese Möglichkeiten veran- lassten auch dazu, an Ridván 1990 den Zweijahres-Ergänzungsplan für diese Gebiete zu beginnen, was zu einem aufsehenerregenden Erfolg führte, nicht nur bei der Ausbreitung in den vielen betroffenen Ländern, son- dern auch bei der Vielgestalt der von den neuen Gläubigen dieser Länder vertretenen Gesellschaftsschichten, beim Umfang und der Vielschichtigkeit des Bahá’í-Schrifttums sowie bei der Zahl der in dieser kurzen Zeit errichteten Bahá’í-Institutionen. Die Bahá’í-Welt sah sich durch diese Entwicklungen stark angeregt; auch anderswo verzeichneten einige Länder bedeutende Erfolge in der Lehrarbeit. Die bis jetzt im Weltzentrum verfügbaren Zahlen vermelden, dass während des Sechsjahresplanes mehr als anderthalb Millionen Seelen der Sache Gottes beigetreten sind. Überaus interessant ist das besondere dreijährige Lehrprojekt in Guyana, das zu einem Wachstum der Bahá’í-Gemeinde bis auf sechs Prozent der Bevölkerung führte.
Zweitens: Auf der ganzen Welt erreichte die Proklamation des Glaubens eine völlig neue Stufe. Inspiriert durch die Jahrhundertfeier der Verkündigung Bahá’u’lláh an die Könige und Herrscher der Menschheit, war 1967 ein Proklamationsfeldzug eingeleitet worden, der 1979 mit der Woge von Verfolgungen der iranischen Bahá’í-Gemeinde an Schwungkraft gewann und neuerdings mit der Verteilung der "Verheißung des Weltfrie- dens" stark ausgeweitet wurde. Könige und Königinnen, Präsidenten und Premierminister, Gesetzgeber, Juris- ten, Akademiker, verschiedenartigste Institutionen und Organisationen wurden der Botschaft Bahá’u’lláhs gewahr. Die Kreativität, mit der sich überall die Gemeinden in die offene Verbreitung der Sache Gottes einüb- ten, wurde zu einer Triebkraft für den Plan und erregte in beträchtlichem Ausmaß bei Organisationen, Mei- nungsträgern und Medien das Interesse an den Problemlösungen, die unser Glaube einer seltsam verwirrten Welt zu bieten hat. Begeistert von der Stoßwirkung der für die Glaubensproklamation getroffenen Maßnahmen sowie der fortgesetzten Bemühungen zur Verteidigung der schwer verfolgten iranischen Bahá’í-Gemeinde ha- ben nationale wie örtliche Geistige Räte im Umgang mit der Öffentlichkeit eine eindrucksvolle Kühnheit und Originalität entfaltet, und sie tun es weiterhin. Dies zeigt sich in ihren unzähligen Kontakten zu Beamten auf allen staatlichen Ebenen, in ihren Verbindungen zu einem sich ausweitenden Spektrum von Organisationen und in ihrem immer gewandteren Umgang mit den Medien.
Drittens: Im Dezember 1986 brachte die Einweihung des Muttertempels für den indischen Subkontinent der Lehr- und Proklamationsarbeit des Glaubens einen neuen Kräfteschub. Als ein Bauwerk von seltener Schönheit und Vollkommenheit gewann der "Lotostempel" breite Zustimmung und fand gleichzeitig bei großen Besucherzahlen ungewöhnlichen Anklang. Sein Ruhm als architektonisches Wunderwerk verbreitete sich wie ein Lauffeuer, ebenso sein geistiger Einfluss. Es ist keine Übertreibung, wenn man feststellt, dass unter allen Bahá'í-Häusern der Andacht dieser Tempel heutzutage der wirksamste stumme Lehrer ist; Jahr für Jahr zieht er mit durchschnittlich 20.000 Besuchern pro Tag mehr Menschen an als alle anderen Bahá’í-Tempel zusam- mengenommen. Zu den Besuchern aus vielen Ländern gehören einige der prominentesten Persönlichkeiten der Welt. Als Gegenstand von großem Medieninteresse wurde der Tempel selbst in russischen und chinesischen Fernsehprogrammen dargestellt. Sein Erfolg in dieser Hinsicht hat unermesslich zu der starken öffentlichen Aufmerksamkeit für den Glauben beigetragen.
Viertens: Das weitere Hervortreten des Glaubens aus der Verborgenheit spiegelt sich auf verschiedenarti- ge Weise. In gebildeten Kreisen, in Nachschlagewerken und in den Medien wird der Glaube Bahá’u’lláhs mehr und mehr als eine der "wichtigen" oder "Haupt"-Religionen in der Welt bezeichnet. Durch die verstärkte Pro- klamation der Freunde werden die Glaubenstätigkeiten in den Medien immer ausgiebiger behandelt; aber noch wichtiger ist die Tatsache, dass die Medien von sich aus Interesse an der Bahá’í-Gemeinde zeigen und in wei- ten Teilen der Welt Kontakt zu ihr suchen. Einflussreiche Segmente der Öffentlichkeit auf Gebieten wie Frie- densarbeit, Umwelt, Stellung der Frau, Erziehungswesen und Alphabetisierung sind in wachsendem Maße den Bahá’í-Ideen ausgesetzt; deren Reaktion bewirkte, dass die Bahá’í mehr und mehr zur Teilnahme an weitver- zweigten Projekten im Verbund mit staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen aufgerufen sind.
Überdies wächst dadurch, dass das öffentliche Bewusstsein den Bahá’í-Ideen ausgesetzt ist, die Erkennt- nis, dass der Glaube Bahá'u'lláhs Antworten auf die Weltprobleme hat, aber auch die Erwartung, dass die Bahá’í-Gemeinde in den öffentlichen Dingen eine immer aktivere Rolle spielt. Der beachtliche Erfolg des Um- weltbüros der Bahá’í-Weltgemeinschaft, das während des Planes errichtet wurde, verdeutlicht das Wesen die- ser Entwicklung. Auch die formellen Beziehungen, welche die Bahá’í-Weltgemeinschaft mit dem Netzwerk für Religion und Bewahrung der Schöpfung beim Weltweiten Fonds für die Natur (WWF) sowie mit der Weltkon- ferenz für Religion und Frieden geknüpft hat, spiegeln in Verbindung mit den zahlreichen gleichartigen Bezie- hungen der nationalen und örtlichen Geistigen Räte in ihrem jeweiligen Zuständigkeitsbereich einen Trend im Hervortreten des Glaubens als ein Gebilde, mit dem man rechnen muss. Insgesamt führt die Stoßkraft des weitverzweigten Proklamationsfeldzuges zu einem öffentlichen Echo auf den Glauben Bahá’u’lláhs; man kann jetzt sagen, dass Bahá'u'lláhs Glaube den wichtigsten öffentlichen Institutionen und den prominentesten Per- sönlichkeiten auf Erden bekannt ist.
Fünftens: Die Bahá’í-Projekte der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung haben sich vervielfacht und mit ihren an zahlreichen Orten gegebenen Beispielen für die Macht der Gruppeninitiative sowie der frei- willig beratenden Tätigkeit der Gemeinde einen guten Ruf gebracht. Es handelt sich um mehr als tausend Pro- jekte auf den Gebieten des Erziehungswesens, der Landwirtschaft, der Gesundheitsfürsorge, der Alphabetisie- rung, der Umwelt und der verbesserten Stellung der Frauen. In etlichen Fällen kam diesen Projekten die Zu- sammenarbeit mit staatlichen Stellen und internationalen nichtstaatlichen Organisationen zugute, so zum Bei- spiel bei dem Projekt für die verbesserte Stellung der Frauen, das fünf nationale Geistige Räte mit der finan- ziellen Unterstützung des Entwicklungsfonds der Vereinten Nationen für die Frauen (UNIFEM) eingeleitet haben; Projekte auf anderen Gebieten wurden durch die kanadische, die indische, die deutsche und die norwe- gische Regierung unterstützt. Einige Projekte brachten so ausgezeichnete Ergebnisse, dass sie durch lobende Erwähnung sowie Preisverleihungen seitens Regierungen und internationaler nichtstaatlicher Organisationen öffentliche Aufmerksamkeit erregten.
Sechstens: Die Jugendarbeit nahm durch die Idee eines Jahrs des Dienstes für die Jugend einen besonde- ren Charakter an. Der Einbezug der Jugend in den Sechsjahresplan als Kurzzeit-Pioniere, Reiselehrer und Projektbeteiligte wirkte sich gründlich auf die Lehrarbeit allüberall aus und federte die Bemühungen einer wachsenden Zahl von nationalen wie örtlichen Gemeinden um soziale und wirtschaftliche Entwicklung ab. An den vielen Siegen in den ehemals kommunistischen Ländern waren die Jugendlichen stark beteiligt. Ihre Mitar- beit bei Projekten der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung zog in mehreren Fällen die Aufmerksamkeit von Regierungen und Entwicklungsorganisationen auf sich. Die Bildung des Europäischen Bahá’í-Jugendrates spornte dort die Aktivitäten der Jugend an, was wiederum den Schub der Lehrarbeit in diesem Erdteil während der letzten Jahre des Planes machtvoll unterstützte. Ein bedeutsamer Wesenszug der Jugendarbeit ist der Bei- trag von Kurzzeit-Freiwilligen aus allen Teilen des Planeten zur Arbeit des Weltzentrums, wo ihre Dienste von unschätzbarem Wert waren.
Siebtens: Die Fortschritte bei der Festigung des Bahá’í-Verwaltungssystems treten mit der deutlichen Verbesserung der inneren Entwicklung und mit den Bemühungen seiner beiden Arme um enge Zusammenar- beit klar zutage. Die heiß geliebten, unerschrockenen Hände der Sache Gottes verfolgen, getreu ihrer Bindung an ihren geliebten Hüter, weiterhin ihre einzigartigen Dienste und überraschen die Gemeinde mit ihrer nie ver- siegenden Kraft. Wachsende Kraft und Zuversicht bei den Beraterämtern und ihren Hilfsämtern, unterstützt von einem verstärkten, tatkräftigen Internationalen Lehrzentrum, verschafft den Geistigen Räten, die anzure- gen und zu beraten ihre Aufgabe ist, eine Untermauerung, die für die Wohlfahrt des ganzen Systems unab- dingbar ist, während die erweiterten Tätigkeiten der nationalen und örtlichen Geistigen Räte, die ihrerseits die Geschicke ihrer Gemeinden zu leiten haben, die Basis des Systems beträchtlich in die Breite wachsen ließ. Seite an Seite haben diese Institutionen mit ihrer Arbeit die Entwicklung der Verwaltungs- und Gesellschafts- ordnung erleichtert und angekurbelt. Mehr noch: Sie zeigen eine schöpferische Kraft, die für ihren weiteren Reifungsprozeß Gutes verspricht.
Achtens: Die großen Bauvorhaben am Berg Gottes, von Bahá’u’lláh im Tablet vom Karmel vorausge- schaut, von ‘Abdu’l-Bahá mit dem Bau des Schreins des Báb begonnen und nach den Plänen Shoghi Effendis fortgesetzt, haben jetzt eine neue Stufe erreicht. Die Arbeit begann im Mai 1990 mit der Verstärkung und Er- weiterung der Hauptterrasse um den Schrein des Báb als erstem Schritt zur Verwirklichung des architektoni- schen Konzepts für die Erfüllung der Vision 'Abdu'l-Bahás mit Terrassen vom Fuß bis zum Kamm des Berges. Im September des folgenden Jahres wurden die Erdarbeiten am Bau des Zentrums für das Studium der heiligen Texte und an der Erweiterung des Internationalen Archivgebäudes in Angriff genommen. Diesen Bauten folgt die Errichtung der anderen Gebäude am Bogen: der Sitz des Internationalen Lehrzentrums sowie zu gegebener Zeit die Internationale Bahá’í-Bibliothek.
Alle diese Entwicklungen machen offenkundig, dass das für den weiteren Fortschritt der Ba- há’í-Gemeinde zusammenkommende Potential kaum abzuschätzen ist. Die veränderte Lage innerhalb und zwi- schen den Nationen und die vielen gesellschaftlichen Probleme vergrößern dieses Potential zusätzlich. Dieser ganze Wandel vermittelt den Eindruck, dass der Geringere Friede nahegekommen ist. Aber gleichzeitig fla- ckern Gegenkräfte wieder auf. Die neue Flutwelle politischer Freiheit, ausgelöst durch den Zusammenbruch der Bollwerke des Kommunismus, führte zu einer Explosion des Nationalismus. Der damit wieder einherge- hende Rassismus in vielen Gebieten ist zum Gegenstand ernster globaler Sorge geworden. Vermischt werden diese beiden Elemente in einem aufwallenden religiösen Fundamentalismus, der die Brunnen der Toleranz ver- giftet. Der Terrorismus grassiert. Weitverbreitete Unsicherheit über die wirtschaftlichen Zustände weisen auf eine tiefgreifende Unordnung bei der Steuerung der materiellen Angelegenheiten des Planeten, was das Gefühl der Frustration und der Zwecklosigkeit im politischen Bereich nur verschlimmern kann. Alarmierend ist der verschlechterte Zustand der Umwelt sowie der Gesundheit weiter Bevölkerungskreise. Und doch gehören zu den Elementen des Wandels auch erstaunliche Fortschritte der Kommunikationstechnik, welche die rasche Übermittlung von Informationen und Ideen von einem Teil der Welt zum anderen ermöglichen. Diese "gleich- zeitigen Vorgänge des Aufstiegs und des Untergangs, des Zusammenschlusses und des Auseinanderfallens, der Ordnung und des Chaos mit ihren fortgesetzten, wechselseitigen Auswirkungen aufeinander”6) sind der Hin- tergrund, vor dem sich eine Myriade neuer Möglichkeiten für die nächste Stufe in der Entfaltung des Göttli- chen Planes unseres geliebten Meisters anbietet.
Die mit Bahá’u’lláhs Offenbarung erwachten linden Lüfte schienen mit dem Näherrücken des Heiligen Jahres den Charakter eines Sturms anzunehmen, der durch die überlebten Strukturen der alten Ordnung fegt, mächtige Stützen umlegt und den Baugrund für neue Entwürfe gesellschaftlicher Organisation freimacht. Der Ruf nach Einheit, nach einer neuen Weltordnung, ist aus vielen Richtungen zu hören. Der Wandel der Weltge- sellschaft zeichnet sich durch eine unglaubliche Geschwindigkeit aus. Ein Wesenszug dieses Wandels ist seine Plötzlichkeit, ja Überstürzung, offensichtlich als die Wirkung einer wilden, verborgenen Kraft. Positiv an die- sem Wandel sind die noch ungewohnte Offenheit für weltumspannende Konzepte, die Tendenz zu internationa- ler und regionaler Zusammenarbeit, die Neigung kämpfender Parteien, sich für friedliche Lösungen zu ent- scheiden, die Suche nach geistigen Werten. Selbst die Gemeinschaft des Größten Namens erlebt derart uner- bittliche Wirkungen, weil dieser belebende Sturm unser aller Denkweise durchlüftet, aber auch unsere Gesamt- schau für den Zweck der auf die Leiden und den Aufruhr der Menschheit folgenden Ordnung Bahá’u’lláhs erneuert, klärt und erweitert.
Während uns die Weltlage vor eine große Herausforderung von höchster Dringlichkeit stellt, führt sie uns zugleich die ermutigende Gesamtschau Shoghi Effendis vor Augen. Über die Aussichten der Verwaltungs- und Gesellschaftsordnung im zweiten Jahrhundert der Bahá’í-Zeitrechnung, dessen Scheitelpunkt wir uns mit Riesenschritten nähern, schrieb er 1946: "Dem zweiten Jahrhundert ist bestimmt, Zeuge eines gewaltigen Aufmarsches sowie einer bemerkenswerten Festigung derjenigen Kräfte zu werden, die an der weltweiten Ent- wicklung jener Ordnung arbeiten, ebenso Zeuge der ersten Regungen jener Weltordnung, für die das gegenwär- tige Verwaltungssystem zugleich Vorläufer, Kern und Muster ist. In dem Maße, wie diese Ordnung kristalli- siert und ihren wohltätigen Einfluss über den ganzen Planeten ausstrahlt, kündet sie einerseits das Erwachsen- werden der ganzen Gattung Mensch, andererseits die Reife des Glaubens, ihres Ahnherrn." 7)
Wenn wir uns der besonderen Gelegenheiten des Heiligen Jahres bewusst werden, empfangen wir sicher- lich die nötige geistige Ausrüstung, um die drängenden Aufgaben der nächsten Entwicklungsstufe des Göttli- chen Planes in Angriff nehmen zu können. Diese Zeit des Gedenkens zieht die richtige Trennlinie zwischen den herrlichen Triumphen der letzten hundert Jahre und den glänzenden Trophäen, die wir noch einsammeln müs- sen. Zu Beginn heißen wir freudigen und dankbaren Herzens die weitere Ausdehnung und Festigung der Ver- waltungs- und Gesellschaftsordnung willkommen, die daraus erwächst, dass zu dieser Ridván-Zeit zwölf Nati- onale und Regionale Geistige Räte neu gebildet werden. Wie eindrucksvoll ist es doch, dass die Anzahl dieser Räte der Zahl nationaler Geistiger Räte entspricht, die es 1953, zu Beginn des Zehnjahresweltkreuzzuges, insgesamt gab - ein erfreulicher Beweis für die rasche Ausdehnung der Verwaltungs- und Gesellschaftsord- nung in knapp vierzig Jahren. Mit diesen neuen Räten wird die Zahl der Nationalen Geistigen Räte, die an der siebten Internationalen Bahá’í-Tagung nächstes Ridván teilnehmen, 165 betragen, unter Berücksichtigung des Einbezugs von Sikkirn nach Indien sowie der Unterbrechung der Bahá’í-Verwaltungstätigkeit durch die unsi- cheren Verhältnisse in Liberia.
Freudig kündigen wir an, dass die folgenden Hände der Sache Gottes als unsere Vertreter sechs der Gründungstagungen beiwohnen werden: ‘Amatu’l-Bahá Rúhíyyih Khánum wird bei den Tagungen in Bulga- rien und Polen zugegen sein, 'Ali-Akbar Furútan bei denjenigen der baltischen Staaten sowie Ungarns, und Dr. 'Ali-Muhammad Varqá bei den Tagungen in Grönland, Weißrußland und Moldawien. Bei den übrigen Grün- dungstagungen werden Berater unsere Vertreter sein: George Allen in der Republik Kongo, Dr. Farzam Arbab in Zentralasten, Rolf von Czékus in Angola, Frau Parvin Djoneidi in Niger, Hartmut Grossmann in Albanien und Mas'úd Khamsí in Aserbeidschan.
In nur wenigen Wochen wird in der geheiligten Umfriedung des Schreins Bahá'u'lláhs eine Versammlung erhabenen Zweckes stattfinden und den hundertsten Jahrestag des Hinscheidens des Verlangens aller Völker begehen. Die Ehrenrolle mit den Namen der Ritter Bahá'u'lláhs wird, wie von unserem geliebten Hüten ange- kündigt, am Morgen zuvor, dem 28. Mai, unter der Eingangstür zum innersten Heiligtum des Allheiligen Schreines niedergelegt worden sein; sie soll dort verbleiben, Symbol für den historischen Sieg, als Lohn der unerschütterlichen Entschlossenheit seitens der Liebenden der Gesegneten Schönheit, derer, die dem Ruf zum mächtigen Zehnjahres-Kreuzzug geantwortet und das Banner Seines Glaubens in den unberührten Gebieten der ganzen Welt aufgepflanzt haben.
Später, im November, werden sich die Heerscharen Bahá’u’lláhs in New York zu Tausenden versam- meln, um mit einer hochsymbolischen Geste namens ihrer Brüder auf der ganzen Welt ihre Hochachtung für den von Bahá’u’lláh vermachten Bund zu bezeugen, um das Gedenken Dessen wachzurufen, den Er zum Mit- telpunkt dieses Bundes ernannt hatte und der den Rang dieser Metropole erhöhte, indem Er ihr den Ehrenna- men "Stadt des Bundes"8) verlieh. Dort werden sie auch die Macht der Einheit beweisen, die der Gottesbund allen Völkern der Welt sichern soll. Es wird ein Moment überragender Bedeutung für die Bahá’í-Gemeinde in den Augen der Weltöffentlichkeit werden.
Diese beiden internationalen Ereignisse sind Angelpunkte für Treffen mit gleicher Absicht, an denen die Freunde in allen Winkeln der Welt teilnehmen. Der geistige Charakter und die würdige Art ihrer Teilnahme werden sicherlich die Bestätigungen aus der Höhe anziehen und so zutiefst die aufbauenden Kräfte beeinflus- sen, die auf der ganzen Erde am Werk sind.
Ein weiterer Quell des Segens, auf den wir seit langem unsere Hoffnung richten, wird gleichfalls offen- bar. Bahá’u’lláh schreibt: "Als Wir im Gefängnis waren, haben Wir ein Buch offenbart, das Wir "Das Heiligs- te Buch" benannten. Darin haben Wir Gesetze gegeben und es geschmückt mit den Geboten deines Herrn, der die Amtsgewalt übt über alle in den Himmeln und auf Erden."9) In voller Erkenntnis der welterschütternden Bedeutung dieses Schrittes kündigen wir Ihnen daher die Veröffentlichung der mit Anmerkungen versehenen englischen Übersetzung des Kitáb-i-Aqdas während dieses Jahres an - des von Bahá’u’lláh vor etwa vier Men- schenaltern im Haus 'Udi Khammar zu 'Akká offenbarten Grundgesetzes der künftigen Weltkultur.
Inmitten des durch die beiden großen Gedenkfeiern wie auch die bevorstehende Veröffentlichung des Mutterbuches der Bahá’í-Offenbarung verursachten ungeduldigen Vorgefühls tritt nun das Gesetz des Huqúq’ulláh als Teil der feststehenden Lebenspraxis bei allen Gliedern der ganzen Weltgemeinschaft in Kraft. Mögen die verheißenen Gnadengaben, die mit der Inkraftsetzung dieses heiligen Gesetzes verbunden sind, auf die Geliebten des Herrn in jedem Land herniederströmen.
Ein Jahr - beladen mit Ereignissen von so geheiligter Tragweite - muss zu Folgerungen von unvorstell- barer Wirkkraft hinführen. Was sich daraus unmittelbar ergibt, lässt sich unmöglich voraussagen; es ist mü- ßig, darüber zu spekulieren. Statt dessen sollten wir lieber unsere Gedanken auf die Bedeutung der weihevollen Ereignisse richten, an die uns dieses Jahr erinnern soll, ist doch der Zweck des Heiligen Jahres keineswegs mit öffentlichen Gedenkfeiern erfüllt, so angemessen sie auch gestaltet sein mögen. Wesentlich ist die Gelegenheit zu innerer Neubesinnung, die dieses Jahr jedem einzelnen Bahá’í bietet. Es ist fürwahr die besondere Zeit für ein Rendezvous der Seele mit dem Quell ihres Lichts und ihrer Führung, eine Zeit der Hinwendung zu Ba- há’u’lláh, der Suche nach einem vertieften Werturteil über Seine Absicht, der Erneuerung der Ergebenheit für Ihn. Es ist eine Zeit des Rückzugs auf den eigenen Wesenskern, hin zur Wohnstatt des Geistes Bahás, hinein in jenen Innenraum, in den Er uns einlädt mit den Worten: "Schaue in dich, dass du Mich in dir findest, mächtig, stark und selbstbestehend."10) Ja, es ist eine Zeit der erneuerten Hinwendung zum Bund Gottes, des erneuerten Pflichtbewusstseins, der erneuerten Kraft zum Lehren, zur "verdienstvollsten aller Taten". 11)
Die wichtigste Hilfe für Ihre Neubesinnung und Ihre Taten wird Ihnen sicherlich die Einsicht und die Begeisterung aus Seinen Worten bieten, so etwa den folgenden: "Ich bin die Sonne der Weisheit, das Meer der Erkenntnis. Ich ermutige die Schwachen und belebe die Toten. Ich bin das Licht der Führung, das den Weg erhellt.''l2) "Bei Meinem Leben! Nicht aus eigenem Antrieb habe Ich von Mir gekündet, sondern Gott hat Mich nach Seinem ureigenen Ratschluss offenbart."13) "Ich bin im Schatten der Wolken der Herrlichkeit gekommen und von Gott mit unüberwindlicher Souveränität bekleidet."14) "Wer Mich nicht hat, ist aller Dinge verlustig. Wendet euch ab von allem, was auf Erden ist, und suchet nur Mich."15) "Liebe Mich, damit Ich dich liebe. Wenn du Mich nicht liebst, kann Meine Liebe dich niemals erreichen. Erkenne dies, o Diener!"16) "Die Alt- ehrwürdige Schönheit hat eingewilligt, in Ketten gelegt zu werden, damit die Menschheit aus ihrer Knecht- schaft erlöst werde, und hat es hingenommen, zum Gefangenen in dieser mächtigsten Festung zu werden, damit die ganze Welt wahre Freiheit gewinne. Er hat den Kelch des Leidens bis zur Neige geleert, damit alle Völker der Welt immerwährende Freude erlangen und von Fröhlichkeit erfüllt werden."17 )
Wohin uns die persönliche Neubesinnung oder unser erneuertes Pflichtbewusstsein auch führen, einer Sache müssen wir gewiss sein: Der Name des Lebensspenders der Welt wird nunmehr auf der ganzen Erde bekannt, unter hoch und niedrig gleichermaßen. Wenn wir uns bewusst machen, dass seit dem Hinscheiden der Gesegneten Schönheit bereits ein volles Jahrhundert verstrichen ist, wenn wir beobachten, wie immer lauter aus den Herzen derer, die sich nach Hoffnung auf Trost sehnen, wahrhafte Angstschreie dringen, dann können wir, Seine bekennenden Diener, vor dieser höchsten, drängendsten Pflicht weder schwanken noch ermatten. Denn Er, Bahá’u’lláh, ist die Höchste Manifestation, der Einiger und Erlöser der ganzen Menschheit, der Springquell der Gerechtigkeit, der unsterbliche Geliebte. Nach Seiner unfehlbaren Verkündigung ist "Er, der Unbedingte, in den Wolken des Lichts gekommen, um alles Erschaffene mit dem Odem Seines Namens, der Allbarmherzige, zu beleben, um die Welt zu vereinen und alle Menschen zu versammeln an dieser Tafel, die vom Himmel herabgesandt ist."18) Lasst uns Seinen Namen mit Würde tragen, hin zu denen, die ihn hören müssen, Lasst uns ihn darbieten als einen Schatz für Die, welche ihn empfangen müssen, Lasst uns ihn voll Liebe aussprechen gegenüber denen, die ihn sich zu eigen machen müssen.
Wie lobenswert wäre es doch, wenn jeder von uns, erfüllt von dem Verlangen, Bahá’u’lláhs Namen laut auszurufen, und als Demonstration seiner besonderen Liebe für die Schönheit Abhá, seinen persönlichen Lehr- feldzug dergestalt in Gang brächte, dass die gemeinsame Kraft und die Ergebnisse dieser Feldzüge in der gan- zen Welt die weihevollen Übungen dieses Heiligen Jahres zu einem weithin hallenden Schlußakkord führten und somit die Bühne aufschlügen für den Start des bevorstehenden Dreijahresplanes zu Ridván 1993!
Zum Schluss scheint es uns zu dieser Stunde besonders angemessen, Bahá’u’lláhs Erklärung im Heiligs- ten Buche in Erinnerung zu rufen, mit der Er zu unserer Betroffenheit bei Seinem Hinscheiden Seinen Willen zum Ausdruck bringt: "Seid nicht verzagt, o Völker der Welt, wenn die Sonne Meiner Schönheit untergegan- gen und der Himmel Meines Heiligtums vor eueren Augen verhüllt sein wird. Erhebt euch, um Meine Sache weiterzutragen und Mein Wort unter den Menschen zu erhöhen. Wir sind immer mit euch und werden euch durch die Macht der Wahrheit stärken. Wir sind wahrhaft allmächtig. Wer Mich erkennt, wird aufstehen und Mir mit solcher Entschlossenheit dienen, dass die Mächte von Erde und Himmel seine Absicht nicht vereiteln können.''l9)
Geliebte Freunde, wir werden nicht versäumen, an der Heiligen Schwelle darum zu bitten, dass Er, die Gesegnete Schönheit, von Seiner Wohnstatt unsterblichen Glanzes her Ihrer aller Seelen mit dem neubeleben- den Odem Seiner himmlischen Macht erfülle.
‘Abdu’l-Bahá , Briefe und Botschaften 5:1
zitiert bei Shoghi Effendi, Das Kommen göttlicher Gerechtigkeit, S. 120 f.
zitiert bei Shoghi Effendi, Die Weltordnung Bahá’u’lláhs, S. 155
zitiert in Inhaltsübersicht und systematische Darstellung des Kitáb-i-Aqdas. Das Heiligste Buch Bahá’u’lláhs, Nr. 21
zitiert bei Shoghi Effendi, Das Kommen göttlicher Gerechtigkeit, S. 121
Shoghi Effendi, Das Kommen göttlicher Gerechtigkeit, S. 114
Brief vom 15. Juni 1946 in Messages to America. Selected Letters and Cablegrams Addressed to the Bahá’ís of North Amenca 1932 - 1946, Wilmette, I11.1947, p. 96 f
vgl. Shoghi Effendi, Gott geht vorüber, S.327
Botschaften aus 'Akkä 17:109
Bahá’u’lláh, Verborgene Worte, arabisch 13
Bahá’u’lláh, Ährenlese 128:10
Bahá’u’lláh, Botschaften aus 'Akká 11:20
Bahá’u’lláh, Brief an den Sohn des Wolfes, S. 26
Bahá’u’lláh, Ährenlese 47
Bahá’u’lláh, Botschaften aus 'Akká 11:20
Bahá’u’lláh, Verborgene Worte, arabisch 5
Bahá’u’lláh, Ährenlese 45; vgl. Adib Taherzadeh, Die Offenbarung Bahá’u’lláhs, Band 1, S. 186
Brief an den Sohn des Wolfes, S.54
Keine irdische Zunge kann unseren Dank ausdrücken für die außerordentlichen Segnungen, welche Er, die Gesegnete Schönheit, Seiner weltweiten Gemeinde und dem Weltzentrum Seines Glaubens während des soeben beendeten Jahres gewährt hat. In Demut neigen wir das Haupt vor den schlagenden Beweisen Seiner stützenden Gnade und Seiner allbezwingenden Macht.
Die überwältigende Gefahr aus dem Aufruhr im Mittleren Osten umklammerte das Heilige Land gegen Ende des Jahres; aber sie wich wieder, ohne die Arbeit der Bahá'í-Administration zum Stillstand gebracht oder auch nur ernsthaft behindert zu haben. Grell führte diese Lage den Kontrast zwischen dem unaufdringlichen, stetig sich entwickelnden, ausgeprägt vereinigenden System Bahá'u'lláhs und dem wirren Charakter unserer Zeit des Übergangs vor Augen, "deren Trübsale", wie Shoghi Effendi versichert, "Vorboten sind für jene Ära der Wonne und der Glückseligkeit, die Gottes letztes Ziel für die ganze Menschheit verkörpert".1) Es war ein weiteres der "vorbedeutungsvollen Zeichen,... die zugleich die Todesqualen einer in Auflösung begriffenen Zivilisation und die Geburtswehen jener Weltordnung, jener Arche menschlichen Heils, verkünden, die sich notwendigerweise auf ihren Trümmern erheben muss.2)
Dass so viele Nationen auf die plötzliche Krise in dieser Weltgegend mit vereinten Kräften einen heilsamen Gegenschlag führten, zeigte unbezweifelbar die Notwendigkeit des Prinzips der kollektiven Sicherheit, wie es Bahá'u'lláh schon vor über hundert Jahren als Mittel der Konfliktlösung verordnet hat. Wenngleich die Herrscher der Menschheit noch weit davon entfernt sind, das von Bahá'u'lláh für die volle Anwendung dieses Prinzips vorausgeschaute internationale Übereinkommen zu treffen, ist doch ein großer Schritt in Richtung auf diejenigen Verhaltensweisen getan, die der Herr des Zeitalters für die Nationen umrissen hat. Wie bildhaft sind doch die Worte, mit denen Bahá'u'lláh die künftige Neuausrichtung der Nationen erahnen läßt, wenn Er schreibt: "Seid einig, o Schar der Herrscher dieser Welt, denn dadurch wird der Sturm des Haders unter euch gestillt, und eure Völker finden Ruhe. Sollte einer von euch gegen einen anderen die Waffen ergreifen, so erhebt euch alle gegen ihn, denn dies ist nichts als offenbare Gerechtigkeit."3)
Und in der Tat: Aus welchem Blickwinkel wir auch schauen, überall in der Welt ist die Macht der Offenbarung Bahá'u'lláhs sichtbar am Werk. In dem Ruf nach einer neuen Weltordnung, den politische Führer und Einflussreiche Vordenker wie einen Kehrreim in ihren Erklärungen wiederholen - selbst wenn sie außerstande sind zu umreißen, was sie selbst darunter verstehen -, ist das langsame Erwachen der Menschheit für den Hauptzweck Seiner Offenbarung zu erkennen. Dass dieser Ruf so beharrlich vom Oberhaupt derjenigen Republik ausgeht, die nach 'Abdu'l-Bahá dazu bestimmt ist, als "erste Nation die Grundlage internationaler Übereinkunft zu legen" und "alle Nationen geistig zu führen",4) ist ein Hinweis darauf, wie die Zwillingsprozesse innerhalb und außerhalb der Sache Gottes wirken und sich beschleunigen - die beiden Prozesse, die Shoghi Effendi zufolge "in einer einzigen hochherrlichen Vollendung gipfeln" sollen. 5)
Innerhalb der Sache Gottes gibt es eine Fülle von Zeichen für überwältigende Errungenschaften im Sechsjahresplan, wenngleich nicht unbedingt so, wie zu Planbeginn vorgesehen. Eindrucksvolle Beispiele zeigen sich im Gefolge der erstaunlichen Veränderungen in der Sowjetunion und ihren früheren Satellitenstaaten. Nur ein Jahr nach der Wiedererrichtung des örtlichen Geistigen Rates von Moskau wird jetzt ein Nationaler Geistiger Rat der Sowjetunion gebildet. Ähnlich hat in Rumänien die Regierung kaum mehr als ein Jahr nach dem revolutionären politischen Wandel die Bahá'í-Gemeinde als Religionsgemeinschaft anerkannt mit dem Recht, die Lehren Bahá'u'lláhs zu verbreiten; auch hier wird zu diesem Ridván-Fest ein Nationaler Geistiger Rat gebildet. Die rasche Ausdehnung des Glaubens in der Tschechoslowakei zwang zu der erst vor wenigen Wochen getroffenen Entscheidung, auch dort einen Nationalen Geistigen Rat zu errichten. Gleichzeitig wird in der Karibik die Gruppe der Inseln über dem Wind in zwei regionale Verwaltungseinheiten geteilt und der Nationale Geistige Rat der Westlichen Inseln über dem Wind gebildet. Mit diesen vier hochwillkommenen Ratsbildungen steigt die Zahl der Nationalen Geistigen Räte auf 155.
Wir sind glücklich mitzuteilen, dass drei Hände der Sache Gottes das Universale Haus der Gerechtigkeit bei diesen historischen Ereignissen vertreten werden: ÔAmatuÕl-Bahá Rúhíyyih Khánum in Rumänien, 'Ali-Akbar Furútan in der Sowjetunion und Dr. 'Ali-Muhammad Varqá in der Tschechoslowakei. Beraterin Ruth Pringle wird die Vertreterin für die Westlichen Inseln über dem Wind sein
Eine weitere Veranschaulichung der wachsenden Autorität der Sache Bahá'u'lláhs im öffentlichen Bewusstsein geht von Deutschland aus, wo das Bundesverfassungsgericht als oberste Rechtsinstanz des Landes eine Entscheidung von höchster Bedeutung für die Anerkennung des Glaubens getroffen hat. Eine Reihe von unteren Gerichtsinstanzen hatte sich geweigert, die Satzung eines örtlichen Geistigen Rates einzutragen, und zwar mit der Begründung, die in dieser Urkunde dem Nationalen Geistigen Rat eingeräumte Amtsgewalt verletze das Rechtsprinzip der Autonomie aller gesetzlich eingetragenen Vereine. Die damit berührten Rechtsfragen sind komplex und können hier nicht ausführlich behandelt werden. Kurz, das Bundesverfassungsgericht gab in einem langen, eingehend begründeten Urteil der Berufung des örtlichen Geistigen Rates statt; unter anderem bekräftigte es das Recht der Bahá'í-Gemeinde, in genau der von den Schriften des Bahá'í-Glaubens vorgezeichneten Form Rechtsfähigkeit zu erlangen, und erklärte, ihr Wesen als anerkannte Religionsgemeinschaft sei nach ihrem eigenen Charakter, allgemeinem Verständnis sowie durch Zeugnisse von Gelehrten der vergleichenden Religionswissenschaft eindeutig bestätigt. So bedeutsam war das Urteil in der eigenen Einschätzung des Gerichts, dass es seine Entscheidung in einer Presseerklärung erläuterte, was es sonst nur selten tut. Dieser herausragende Entscheid wird weit über die Grenzen des wiedervereinigten Deutschlands hinaus Auswirkungen auf die Bahá'í-Gemeinde haben.
Ein weiteres Beispiel der wachsenden öffentlichen Anerkennung für die bahnbrechenden Perspektiven der Sache Gottes liefert die Republik Südafrika, wo der Nationale Geistige Rat beschloß, die Initiativen der Regierung zur Lösung des jahrzehntelangen Problems der Apartheid zu nutzen, um zum Entwurf einer neuen Landesverfassung seine Ansichten zu unterbreiten. Als der Präsident der Südafrikanischen Rechtskommission, ein im Auftrag der Regierung handelnder Richter, die Vorlage des Nationalen Geistigen Rates von dessen Delegation entgegennahm, bemerkte er, die Bahá'í seien bislang die einzige Gruppe, deren Ideen geistige und moralische Grundlagen für eine Verfassung bieten.
Wie sich jede einzelne der genannten Entwicklungen auch auswirken mag - neben anderen Entwicklungen wie dem Auftritt eines Vertreters der Bahá'í-Weltgemeinschaft als einzigem geladenen nichtbuddhistischen Redner in einer öffentlichen Versammlung aus Anlaß der Asiatisch-buddhistischen Friedenskonferenz in der Mongolei, der besonderen Erwähnung der Bahá'í durch Papst Johannes Paul II. unlängst bei einem Empfang während seines Besuches in Burundi, der offiziellen Auflistung des Bahá'í-Glaubens als eine der vertretenen Religionen in Tuvolu, der Internationalen Ausstellung über Friedenserziehung unter der Schirmherrschaft des brasilianischen Nationalen Geistigen Rates sowie unter Mitwirkung von 23 Botschaften und Erziehungseinrichtungen - eines ist unzweifelhaft klar: Die sich steigernde weltweite Wirkung bestätigt, dass der Bahá'í-Glaube aus der Verborgenheit hervortritt. Solche Kennzeichen einer wachsenden öffentlichen Anerkennung der Bahá'í-Gemeinde in ihrem wahren Charakter und ihren reichen Möglichkeiten sind ein herausragender Wesenszug des Fortschritts des Glaubens in der vierten Epoche des Gestaltenden Zeitalters.
Wenn wir über diese wundersamen, vorbedeutungsvollen Zeichen nachdenken, können wir dem Impuls nicht widerstehen, unsere tiefe Liebe und Wertschätzung für die Kontinentalen Berater und ihre Hilfsämter zum Ausdruck zu bringen. Sie treiben und stützen die Bemühungen, die solche erstaunlichen Entwicklungen wie die aufgezeigten möglich machen. Ihr betreuender Dienst im besonderen bringt den dynamischen Schub der Lehrarbeit, die ihrerseits den Grund für alle Erfolge der Gemeinde legt. Über alle Maßen erfreut und ermutigt uns der tatkräftige Neubeginn der Beraterämter beim Einstieg in die neue Amtszeit ihres unabdingbaren, hochgeschätzten Dienstes für die Bahá'í-Welt. Der frische Unternehmungsgeist, zu dem sie jetzt mit der aufrichtigen Ermutigung und der großartigen Unterstützung des Internationalen Lehrzentrums ihre Kräfte bündeln, läßt eine erfreuliche Vollendung des Sechsjahresplanes vorausahnen. Möge die Anhebung der Zahl der Hilfsamtsmitglieder auf 846 - 90 mehr als gegenwärtig - am diesjährigen Tag des Bündnisses ihre Anstrengungen kraftvoll unterstützen. Sicherlich wird es die weltweite Gemeinde begrüßen, wenn mit dieser Aktion Umfang und Qualität der geistigen Pflichten der Hilfsamtsmitglieder und ihrer Assistenten gestärkt werden, bietet doch deren Tätigkeit an den Graswurzeln die Gewähr für die fortgesetzte Ausweitung und Festigung unseres ruhmreichen Glaubens.
Der großartige Fortschritt des Sechsjahresplanes erhellt unsere Lebensgeister und hebt unsere Hoffnungen empor. Nur ein Jahr verbleibt von diesem Plan, auf die sieben Hauptziele hin ist ein machtvoller Vormarsch erfolgt. Unsere Gemeinde hat sich gegenüber ihrem Zustand bei Planbeginn 1986 dramatisch verändert. Sie hat sich mächtig ausgebreitet und entwickelt. Sie ist jetzt vielfältiger, dynamischer, ausgeprägter. Wenn wir nun in das letzte Jahr des Sechsjahresplanes eintreten, steht vor uns allen ein Himmelsbogen an begeisternden Ausblicken:
Die Vorbereitung der lang erwarteten, mit Anmerkungen versehenen englischen Übersetzung des Kitáb-i-Aqdas, des Buches der Gesetze, des Heiligsten Buches und Mutterbuches der Offenbarung Bahá'u'lláhs wird abgeschlossen - eine gewaltige Errungenschaft, die an und für sich schon eine neue Entwicklungsstufe der Bahá'í-Welt einleiten und somit die Leistungen des Sechsjahresplanes krönen wird.
Die Erdarbeiten an den unteren Terrassen beim Schrein des Bab und die Ausschachtungen für das Zentrum zum Studium der heiligen Texte sowie für den Anbau zum Internationalen Archivgebäude werden in Angriff genommen; sie leiten bei den mächtigen, unschätzbar bedeutsamen Vorhaben an Gottes heiligem Berg einen neuen Abschnitt ein.
Das Planende markiert den Beginn des heiligen Jahres 1992-1993, ein bewusst ganzjähriges Innehalten, das die Anhänger Bahá'u'lláhs in die Lage versetzen soll, die hundertjährige Wiederkehr Seines Aufstiegs und der Einsetzung Seines weltvereinenden Bündnisses angemessen zu würdigen. Wie bereits angekündigt, sind größere Feierlichkeiten vorgesehen, welche den einzigartigen Charakter und die weltbewegende Bedeutung dieser beiden Anlässe widerspiegeln:
Als erstes die Versammlung von Vertretern der Bahá'í-Welt mit den Rittern Bahá'u'lláhs in der Umgebung des Landhauses von Bahjí, von wo Bahá'u'lláhs befreiter Geist auf den Thron Seiner himmlischen Souveränität zurückkehrte, unmittelbar beim allerheiligsten Schrein, in dem die Ehrenrolle der Ritter Bahá'u'lláhs niedergelegt werden wird, als Geste einer Antwort der Ihn Liebenden auf Seinen Aufruf, Seine Lehren auf der ganzen Erde zu verbreiten. Dort in Bahjí wird diese Versammlung eine feierliche Andacht abhalten; die dabei zu lesenden heiligen Schriften werden den Bahá'í-Gemeinden allüberall bald mitgeteilt, damit diese sie bei ihren eigenen Gedenkandachten verwenden und so das hingebungsvolle Erlebnis der ganzen Bahá'í-Welt während dieser Jahrhundertfeiern zusammenführen können.
Als weiteres der Weltkongress, der von 23. bis 26. November 1992 in New York stattfindet. In dieser Stadt offenbarte der geliebte Meister den tieferen Sinn Seiner Stufe als ernannter Mittelpunkt des Bündnisses Bahá'u'lláhs, und diese Stadt bestimmte Er zur Stadt des Bündnisses. In der ganzen Welt werden die Bahá'í-Gemeinden geeignete Ergänzungstreffen abhalten, um den Zweck des Kongresses zu vertiefen, nämlich den hundertsten Jahrestag der Einsetzung des Bündnisses Bahá'u'lláhs zu feiern sowie dessen Ziele und vereinende Kraft zu verkünden. Zusätzlich zu diesen Tätigkeiten wird eine Erklärung über Bahá'u'lláh breit gestreut verteilt, die das Büro für öffentliche Information auf unser Ersuchen hin vorbereitet; sie wird den Bahá'í als Quelle des Studiums und der Inspiration sowie als informative Veröffentlichung zur Präsentation in der Öffentlichkeit dienen. Auf diese und andere Weise wird die Gemeinde des Größten Namens sich mühen, den Namen Bahá'u'lláhs auf dem ganzen Erdball zu rühmen, um ihm im Bewusstsein der Völker allüberall höchstes Ansehen zu verschaffen.
Solch ein einzigartiger Zusammenfluss bevorstehender Errungenschaften - die Veröffentlichung des Kitáb-i-Aqdas, der Fortschritt der Bauvorhaben am Berg Karmel, der Abschluss des Sechs-Jahresplanes, die Eröffnung des heiligen Jahres - beseelt die Erwartungen der Bahá'í-Welt, schlägt die Bühne auf für noch machtvollere Bemühungen als die bereits in Angriff genommenen und zeigt uns allen den Beginn eines neuen Abschnitts der Geschichte. Somit scheint es angebracht, dass das heilige Gesetz, das jeden befähigt, sein oder ihr persönliches Gefühl der Hingabe an Gott in einem zutiefst vertraulichen, das Gemeinwohl fördernden, den einzelnen Gläubigen unmittelbar mit der zentralen Institution des Glaubens verbindenden Gewissensakt auszudrücken - in einem Gewissensakt, der überdies den Gehorsamen und Aufrichtigen der unbeschreiblichen Gnade und des überreichen Segens der Vorsehung versichert - dass dieses heilige Gesetz in diesem günstigen Augenblick von allen angenommen wird, die ihren Glauben an die höchste Manifestation Gottes bekennen. In Demut vor unserem souveränen Herrn kündigen wir an, dass ab Ridván 1992, dem Beginn des heiligen Jahres, das Gesetz des HuqúqÕulláh, des Rechtes Gottes, weltweit anwendbar wird. Alle sind in Liebe aufgefordert, es zu beachten.
Innig geliebte Brüder und Schwestern! Seien Sie Zeuge, wie der Geliebte unsere flehenden Bitten beantwortet. Sehen Sie, wie er unser Leben mit neuen Brüdern und mit neuen Institutionen bereichert in Ländern die bislang Seinem heilenden Wort verschlossen waren. Bedenken Sie, mit welcher Wirkkraft sich Seine göttlichen Verordnungen als Leitlinien für das Verhalten großer und kleiner Nationen bestätigen. Sicherlich durchtränkt Sie die Fülle dieses Segens mit dem unbezähmbaren Mut und der Zuversicht, einer herausfordernden, aber strahlenden Zukunft ins Auge zu blicken. So gehen Sie fürwahr an Bord dieses vielverheißenden Jahres, Kurs auf den schließlichen Triumph des Sechsjahresplanes.
Mögen Sie durch Ihre selbstlosen Werke in Seinem Dienst weiterhin Segen aus den unerschöpflichen Schatzkammern Seiner Liebe und Fürsorge empfangen.
1. Shoghi Effendi, Die Weltordnung Bahá'u'lláhs, 1977-134, S. 245
2. dgl., S. 224
3. zitiert in dgl., S. 278 f.
4. zitiert bei Shoghi Effendi, Citadel of Faith, p. 35
5. dgl., p. 32
Nachdem wir ein Jahr großer Leistungen vollendet haben, stehen wir an der Schwelle des letzten Jahrzehnts dieses strahlenden zwanzigsten Jahrhunderts und sehen uns einer unmittelbaren Zukunft von unerhörten Her- ausforderungen und blendenden Möglichkeiten gegenüber. Die Geschwindigkeit der Ereignisse während des letzten Jahres ist ein Hinweis auf die Beschleunigung wahrend sich der hundertste Jahrestag des. Aufstieges Bahá’u’lláhs nähert - der geistigen Kräfte, die durch die Ankunft Seiner umwälzenden Mission befreit wurden. Es ist eine Beschleunigung, die in ihrer Plötzlichkeit und ihrem umfassenden umgestaltenden Eindruck auf das soziale Gedankengut und auf politische Einheiten Hochgefühle erweckt hat im Hinblick auf die unmittelbaren Auswirkungen sowie Gefühle der Verwirrung über ihre wahre Bedeutung und den vorherbestimmten Ausgang, welche die erstaunten Herausgeber einer führenden Zeitung, die keine Erklärung dafür finden konnten, veran- lassten, sie dem Wirken einer "Unsichtbaren Hand" zuzuschreiben.
Für die Anhänger Bahá’u’lláhs in der ganzen Welt kann kein Zweifel über den göttlichen Ursprung noch über die klaren Zielsetzungen dieser außerordentlichen Ereignisse bestehen. Wir wollen uns deshalb über die wunderbaren Zeichen der Wohltätigkeit von Gottes überfließender Gnade freuen. Das am letzten Ridván be- richtete hohe Maß von Lehrarbeit und Aufnahmen in den Glauben wurde beibehalten, und neue Gebiete des Lehrens wurden von Osteuropa bis an das Chinesische Meer erschlossen. Mit der Niederlassung von zwei Rittern Bahá’u’lláhs auf der Insel Sachalin in den letzten Wochen ist das letzte Gebiet, das von Shoghi Effendi in seinem Zehnjahresweltplan erwähnt wurde, in das Bahá’í-Gemeinwesen eingetreten. Die Wiederbildung des örtlichen Geistigen Rates von 'Ishqabad, die kürzliche Wahl des Rates von Cluj in Rumänien, der erste neue Rat im "Ostblock, die Wiedererrichtung und Bildung von örtlichen Geistigen Räten in anderen Teilen der Sow- jetunion und in anderen Ländern Osteuropas zu diesem Ridván - all diese Leistungen und unmittelbaren Aus- sichten bestätigen unsere Ankunft an einem bedeutungsvollen Meilenstein in der vierten Epoche des Gestalten- den Zeitalters. Die Verwaltungsordnung umfasst nun eine Gemeinde von größerer Verschiedenheit als je zu- vor. Es sind solche ungeheuren Ereignisse, die unsere kürzliche Ankündigung eines zusätzlichen Zweijah- res-Lehrplanes veranlassten, der nun offiziell begonnen hat und den wir Ihrer ungeteilten und aktiven Auf- merksamkeit empfehlen.
Wie verblüffend, wie weitreichend waren die Tätigkeiten, welche die Gemeinde in der Kürze eines Jahres bis zu diesem Stand in ihrer Entwicklung vorangetrieben haben! Wenn wir über die Wunder von Bahá’u’lláhs Bestätigungen nachdenken, wenden sich unsere Herzen in Liebe und Hochachtung überall den Händen der Sache Gottes zu, die als Bannerträger jener Gemeinde stets ihr helles Wahrzeichen der Dunkelheit der Zeiten entgegenhielten. Mit einem unbezähmbaren Geist beharren sie in der Erfüllung, unter allen Umständen und wo immer sie sein mögen, ihrer gottgegebenen Aufgaben, ihre weit verstreuten, rasch sich vermehrenden Mitglie- der anzuregen, zu erleuchten und zu beraten. Angesichts der neuen Lage in der Bahá’í-Welt machen wir uns die Freude, einige der Gelegenheiten der Verbindung von Händen der Sache mit den Entwicklungen in Europa und Asien im letzten Jahr zu erwähnen. ‘Amatu’l-Bahá Khánum vertrat während einer ausgedehnten Reise in den Fernen Osten das Universale Haus der Gerechtigkeit bei der Bildung des Nationalen Geistigen Rats von Macau, verbrachte einige Zeit bei dem Ritter Bahá’u’lláhs in der Mongolei, wo anschließend die erste einhei- mische Bewohnerin ihren Glauben an Bahá’u’lláh erklärte, und widmete den Freunden in verschiedenen Tei- len der Volksrepublik China viel Aufmerksamkeit, wo ihr Film "Greenlight Expedition” im Fernsehen gezeigt wurde. Herr Collis Featherstone wandte große Energie auf, die lang leidenden Freunde im kriegsverwüsteten Vietnam zu stärken. In diesem Augenblick besucht Herr ‘Alí-Akbar Furútan die UdSSR, die er während der Verfolgung des Glaubens dort verlassen musste; nun ist er in der siegreichen Erfüllung eines Wunsches dorthin zurückgekehrt, den unser geliebter Hüter vor rund sechzig Jahren ihm gegenüber zum Ausdruck brachte.
Auch die Berateramtsmitglieder des Internationalen Lehrzentrums sind nicht langsam gewesen, auf die Möglichkeiten zu reagieren, das nun in allen Gebieten der Welt offenbar gewordene Klima des Fortschritts zu pflegen. Durch eine einheitliche Schau des Wachstums, zu der sie die Kontinentalen Beraterämter aufgerufen haben und mit ihnen ihre fähigen, hart arbeitenden und aufopferungsvollen Hilfsämter, kann ein neues Leben in der Ausbreitung und Festigung des Glaubens in der ganzen Welt gespürt werden. Die Kontinentalen Berater verdienen die tiefe Dankbarkeit der gesamten Bahá’í-Gemeinde, nachdem sie sich dem Ende ihrer laufenden fünfjährigen Amtszeit nähern, die durch ihre hervorragenden Dienste ausgezeichnet ist.
Genau wie die Gemeinde ihre innere Verflechtung ausgebreitet hat, hat sie auch ihre äußeren Beziehungen, ihren Einfluss und ihre Anziehungskraft auf verschiedenen Wegen ausgedehnt, von denen manche in ihrer Breite und in ihren Möglichkeiten Erstaunen hervorrufen. Einige Beispiele mögen genügen: durch das neu geschaffene Umweltbüro hat die Internationale Bahá’í-Gemeinde aus eigener Initiative und in Zusammenarbeit mit anderen Umweltorganisationen das jährliche Welttreffen der Forstcharta wieder eingeführt, das 1945 von dem bekannten Richard St. Barbe Baker gegründet wurde; seitdem wurde das Umweltbüro eingeladen, an wichtigen Veranstaltungen teilzunehmen, die von internationalen mit Umweltfragen befaßten Organisationen unterstützt werden. Die Internationale Bahá’í-Gemeinde ist an der Arbeit des Sonderausschusses zur Beseiti- gung des Analphabetentums unter der Schirmherrschaft der UNESCO beteiligt und ihr Vertreter wurde gebe- ten, an der in Thailand stattgefundenen Weltkonferenz eine Anzahl von sehr ins Auge fallenden und wichtigen Aufgaben zu übernehmen, die der Bahá’í-Gemeinde Bedeutung verliehen. Mit der Ermutigung eines erfahrenen Regierungsbeamten von Fiji wurden Schritte unternommen, in Suva ein Zweigbüro des Büros der Internationa- len Bahá’í-Gemeinde für die Vereinten Nationen im pazifischen Raum zu schaffen. Die Universität von Mary- land in den Vereinigten Staaten verkündete ihren Beschluß, einen "Bahá’í-Lehrstuhl für den Weltfrieden" an ihrem Zentrum für Internationale Entwicklung und Konfliktbewältigung zu errichten, was Veranlassung geben wird für ein großes Anwachsen der akademischen Bemühungen, die Sache Bahá’u’lláhs zu prüfen. Beinahe zur gleichen Zeit gab der Nationale Geistige Rat von Indien bekannt, dass eine Übereinkunft erzielt wurde, einen Lehrstuhl für Bahá’í-Studien an der Universität von Indore zu schaffen.
Die fortdauernden Bemühungen, die Befreiung der Bahá’í in Iran zu erreichen, haben ein neues Stadium er- reicht. Zum ersten Mal war es einem Vertreter der Vereinten Nationen möglich, offiziell auf Iranischem Boden mit einem Vertreter der geachteten Bahá’í-Gemeinde zusammenzutreffen. Das Ergebnis wurde in einem Be- richt an die Kommission für Menschenrechte der Vereinten Nationen festgehalten, bei deren kürzlicher Sitzung in Genf wieder ein Beschluß über Iran, der die Bahá’í erwähnt, angenommen wurde. In einer gleichlaufenden Aktion von weitreichender Bedeutung hat das Abgeordnetenhaus der Vereinigten Staaten einstimmig einen Beschluß angenommen, der zur Befreiung der iranischen Bahá’í-Gemeinde aufruft und Schritte darlegt, die zur Erreichung dieses Zieles von der Regierung der Vereinigten Staaten unternommen werden müssen; ein ähnli- cher Beschluß liegt dem Senat vor.
Im Heiligen Land erhielten die Vorbereitungen für die Ausführung der Bauprojekte auf dem Berge Karmel einen deutlichen Auftrieb. Anlaß für eine tiefe Befriedigung ist, dass am Vorabend von Naw-Rúz die Stadtbe- zirks-Planungskommission nach schwierigen und vielseitigen Verhandlungen entschied, den vom Ba- há’í-Weltzentrum unterbreiteten Plan zu genehmigen. Damit ist der Weg freigemacht für die endgültige Ertei- lung der Baugenehmigungen.
Geliebte Freunde, nur zwei Jahre trennen uns vom Abschluss des Sechsjahresplanes und vom Beginn des Heiligen Jahres an Ridván 1992, jener besonderen Zeit, wenn wir innehalten werden, um die ungestüme Auf- zeichnung der Ereignisse zu würdigen, die uns zur Jahrhundertfeier des Aufstieges Bahá’u’lláhs gebracht ha- ben, und um mit entsprechender Feierlichkeit über den erlösenden Lebenszweck des kostbarsten Wesens nach- zudenken, das je auf diesem Planeten geatmet hat.
In Erwartung dieses Höhepunktes in der Bahá’í-Geschichte wurden Pläne für zwei große Weltereignisse in Angriff genommen: Einer betrifft die Zusammenkunft einer möglichst breiten Vertretung von Gläubigen im Heiligen Land vom ganzen Erdball kommend, um an einer würdigen Gedenkfeier dieser schmerzvollen Vollen- dung in der Nachbarschaft des Heiligsten Schreines teilzunehmen. Ein Bestandteil dieser Gedenkfeier, symbo- lisch für den jenseitigen und siegreichen Einfluss von Bahá’u’lláhs befreitem Geist, wird die Unterbringung eines Behältnisses unter dem Boden beim Eingangstor zu Seinem Schrein sein, das die ausgeschmückte Ehren- rolle der Ritter Bahá’u’lláhs enthält, eine Aufzeichnung, die von Shoghi Effendi während seines Zehnjahres- planes begonnen wurde, jene beherzten Seelen betreffend, die sich erhoben, um im Namen ihres Herrn in jenem Plan erwähnte jungfräuliche Gebiete zu erobern. Damit wird eine von Shoghi Effendi selbst ausgedrückte Ab- sicht nach beinahe vier Jahrzehnten zu einem würdigen Abschluss gebracht werden. Die noch lebenden Ritter Bahá’u’lláhs werden eingeladen werden, um diesem Vorgang beizuwohnen.
Das andere Ereignis wird der Bahá’í-Weltkongreß sein, um die Einsetzung des Bündnisses vor einem Jahr- hundert zu feiern, das von Bahá’u’lláh der Nachwelt hinterlassen wurde als unverrückhares Mittel, die Einheit und Unversehrtheit Seiner weltumfassenden Ordnung sicherzustellen. Er wird im November 1992 in New Y- ork einberufen werden, dem Ort, der von Ihm, dem ernannten Mittelpunkt des Bündnisses, der voraussah, dass "New York eine gesegnete Stätte werden wird, von welcher der Ruf nach Standhaftigkeit im Bündnis und im Testament Gottes nach allen Teilen der Welt ausgehen wird", als Stadt des Bündnisses bezeichnet wurde.
Entsprechende Veranstaltungen auf örtlicher und nationaler Ebene werden mit diesen zwei Hauptereignissen in Verbindung stehen, um den innersten Gefühlen der Bahá’í Ausdruck zu verleihen und um der Öffentlichkeit von der inhaltsschweren Tatsache der Erscheinung des Herrn des Bündnisses in der Welt sowie von den Zielen und Werken Seiner erhabenen Mission einen Eindruck zu vermitteln. Tatsächlich sind bereits Pläne in Bearbei- tung für die Durchführung eines intensiven Feldzuges, um den ganzen Erdball mit Seinem Namen zu schmü- cken.
Die Freunde müssen sich nun überall auf die Bedeutung dieser zwei Jahrestage einstimmen. Sie müssen durch Gebet und Studium der Schriften geistig vorbereitet sein, um eine tiefere Würdigung der Stufe und Ab- sichten Bahá’u’lláhs sowie der grundlegenden Bedeutung Seines mächtigen Bündnisses zu gewinnen. Solch eine Vorbereitung steht im innersten Kern ihrer Bemühungen, eine Wandlung in ihrem eigenen und gemein- schaftlichen Leben herbeizuführen. Lasst alle Freunde - jeden Mann, jede Frau und jeden Jugendlichen durch die hohe Qualität ihres Innenlebens und ihres persönlichen Charakters den geeinten Geist ihrer Verbindung miteinander, die Rechtschaffenheit ihres Verhaltens gegenüber allen und die Vortrefflichkeit ihrer Taten bewei- sen, dass sie zu einer wirklich erleuchteten und beispielhaften Gemeinde gehören; dass ihr über alles Geliebter, dessen Aufstiegs sie gedenken, Sein Leben auf Erden nicht umsonst erlitten hat. Lasst diese Ausrüstung das Maß für ihre Bemühungen sein, Seine Sache zu lehren, das Merkmal ihrer Huldigung an den König der Köni- ge.
Unsere lieben und geschätzten Mitarbeiter, es ist eine solche Zeit der tiefsten Vorausahnung für uns, dass die Weltgesellschaft sich in einem kritischen Abschnitt ihres Übergangs zu dem Charakter befindet, den der Herr des Zeitalters für sie vorgesehen hat. Die Winde Gottes stürmen weiter und blasen alte Systeme um, wo- mit sie der tiefen Sehnsucht nach einer Neuordnung der menschlichen Angelegenheiten Dringlichkeit verleihen und den Weg auftun für das Hissen des Banners Bahá’u’lláhs in Ländern, aus denen es bis jetzt verbannt war. Die Geschwindigkeit der Änderungen erweckt Erwartungen, die unsere Träume im letzten Jahrzehnt des zwan- zigsten Jahrhunderts anregen. Die Situation ist gleichzeitig ein strahlendes Vorzeichen und eine gewichtige Herausforderung.
Die grundlegende Wandlung im Aufbau der heutigen Gesellschaft ist bedeutungsvoll, da sie die Erreichung des Geringeren Friedens beinhaltet. Wie hoffnungsvoll die Zeichen auch sein mögen, können wir doch nicht vergessen, dass die dunkle Wegstrecke dieses Zeitalters des Überganges noch nicht völlig durchquert wurde, sie ist noch immer lang, schlüpfrig und mühevoll. Denn Gottlosigkeit ist weitverbreitet, und der Materialismus greift um sich. Nationalismus und Rassismus treiben ihren Verrat im menschlichen Herzen, und die Mensch- heit ist blind für die geistigen Grundlagen der Loslösung ihrer wirtschaftlichen Nöte. Für die Bahá’í-Gemeinde ist die Situation eine besondere Herausforderung, denn die Zeit läuft ab, und wir haben schwerwiegende Ver- pflichtungen einzuhalten. Davon sind die nächstliegenden: erstens, die Sache Gottes zu lehren und ihre göttlich verordneten Institutionen überall in der Welt mit Weisheit, Mut und Dringlichkeit aufzubauen, und zweitens, auf dem Berge Karmel den Bau der Terrassen beim Schrein des Báb und der übrigen Gebäude am Bogen des administrativen Weltzentrums des Glaubens fertigzustellen. Die erste verlangt entschlossenes, von allen getra- genes und zuversichtliches Handeln von seiten der einzelnen Gläubigen. Die zweite bedarf der großzügigen Spende von Geldern. Beide sind innig miteinander verflochten.
Während der letzten zwei Jahre sind beinahe eine Million Seelen dem Glauben beigetreten. Die sich mehren- den Gelegenheiten des Gruppenbeitritts an verschiedenen Orten haben zu diesem Wachstum beigetragen und haben damit die Aufmerksamkeit auf Shoghi Effendis Vision gezogen, die unsere Vorstellungen von glorrei- chen zukünftigen Möglichkeiten auf dem Lehrgebiet formt. Denn er hat uns versichert, dass der Vorgang des "Gruppenbeitrittes von Menschen verschiedener Nationalität und Rasse zur Bahá’í-Welt ... das Vorspiel sein würde für jene lang erwartete Stunde, wenn eine Massenbekehrung von seiten jener Nationen und Rassen und als unmittelbares Ergebnis einer Kette von Ereignissen, bedeutungsvoll und möglicherweise katastrophal ihrer Natur nach, von denen Wir bis jetzt noch nicht einmal eine vage Vorstellung haben können, die Geschicke des Glaubens plötzlich umwälzen, das Gleichgewicht der Welt stören und die zahlenmäßige Stärke sowie die mate- rielle Kraft und geistige Autorität des Glaubens Bahá’u’lláhs tausendfach anwachsen läßt." Wir sind voller Ermutigung zu glauben, dass Aufnahmen in großem Umfang zunehmen werden, die ein Dorf nach dem ande- ren, eine Stadt nach der anderen von einem Land zum anderen betreffen. Doch es steht uns nicht zu, untätig die endliche Erfüllung von Shoghi Effendis Vision abzuwarten. Wir wenigen müssen, indem wir unsere ganze Hoffnung in die Vorsehung Gottes legen und die Herausforderungen, denen wir uns gegenübergestellt sehen, als göttliches Vorrecht betrachten, zum Sieg voranschreiten mit den Plänen in unserer Hand.
Eine Erweiterung der Gedanken und Tätigkeiten in verschiedenen Aspekten unserer Arbeit werde unsere Er- folgsaussichten vergrößern, unsere früher erwähnten Verpflichtungen zu erfüllen. Da Veränderung, eine immer schnellere Veränderung, ein gleichbleibender Wesenszug des gegenwärtigen Lebens ist, und da unser Wachs- tum, unsere Größe und unsere äußeren Beziehungen uns viel abverlangen, muss unsere Gemeinde bereit sein, sich anzupassen. In gewissem Sinne bedeutet dies, dass sie geschickter werden muss, ein weites Gebiet von Tatigkeiten zu betreuen, ohne dass sie dabei die Konzentration auf die Hauptziele der Lehrarbeit, nämlich Verbreitung und Festigung, verliert. Eine Einheit in der Mannigfaltigkeit der Tätigkeiten wird benötigt, ein Zustand, bei dem sich verschiedene Menschen auf verschiedene Aufgaben konzentrieren und die heilsame Auswirkung im ganzen auf das Wachstum und die Entwicklung des Glaubens zu würdigen wissen, denn eine Person kann nicht alles tun, und alle Personen können nicht das gleiche tun. Dieses Verständnis ist wichtig für die Reife, welche die Gemeinde aufgrund der vielfältigen Anforderungen, die an sie gestellt werden, gezwungen ist zu erreichen.
Die von Bahá’u’lláh gebrachte Ordnung ist dazu bestimmt, den Fortschritt der Gesellschaft anzuleiten und ihre Probleme zu lösen. Unsere Zahl ist noch zu klein, als dass sie ein angemessenes Bild der Möglichkeiten bieten könnte, welche dem administrativen System innewohnen, das wir aufbauen, und die Wirksamkeit dieses Systems wird nicht ohne eine große Ausdehnung unserer Mitgliedschaft geschätzt werden können. Bei der jetzt vorherrschenden Lage in der Welt wird die Notwendigkeit einer solchen Demonstration immer dringender. Es ist nur zu offensichtlich, dass selbst diejenigen, die gegen die Mängel der alten Ordnung aufbegehren und sie am liebsten niederreißen würden, selbst irgendeiner gültigen Alternative beraubt sind, die sie an ihre Stelle setzen könnten. Da die administrative Ordnung dazu bestimmt ist, ein Modell für die zukünftige Gesellschaft zu sein, wird das Sichtbarwerden eines solchen Modells ein Hoffnungszeichen für diejenigen sein, die am Ver- zweifeln sind.
So weit ist es uns gelungen, eine beachtliche Mannigfaltigkeit in der großen Anzahl von ethnischen Grup- pen, die im Glauben vertreten sind, zu erzielen, und es sollte alles getan werden, um dies durch vermehrte Bei- tritte aus bereits vertretenen Gruppen zu stärken und durch die Anziehung von Mitgliedern solcher Gruppen, die bis jetzt noch nicht erreicht werden konnten. Es gibt jedoch noch eine andere Kategorie der Mannigfaltig- keit, die wir aufbauen müssen, und ohne die der Glaube nicht imstande sein wird, den Verpflichtungen ange- messen zu entsprechen, die ihm auferlegt wurden. Seine Mitgliedschaft muss nun, unbeachtet der ethnischen Verschiedenartigkeit, eine wachsende Zahl von Menschen mit Befähigung umfassen, einschließlich solcher Personen, die Leistung und Bedeutung auf den verschiedenen Gebieten menschlichen Bemühens vorweisen können. Eine beachtliche Anzahl solcher Personen aufzunehmen ist ein unerläßlicher Aspekt der Lehrarbeit in der Breite, ein Aspekt, der nicht länger mehr vernachlässigt werden darf und der bewusst und wohlüberlegt in unsere Lehrarbeit einbezogen werden muss, um ihre Grundlage zu verbreitern und den Vorgang des Gruppen- beitrittes zu beschleunigen. So wichtig und an der Zeit ist die Notwendigkeit des Tätigwerdens in dieser Ange- legenheit, dass wir uns veranLasst sehen, die Kontinentalen Berater und Nationalen Geistigen Räte aufzurufen, ihr bei ihren Beratungen und Plänen ernsthafte Aufmerksamkeit zu schenken.
Die Angelegenheiten der Menschheit haben ein Stadium erreicht, in dem immer mehr Anfragen an unsere Gemeinde gerichtet werden um Hilfe durch Rat und praktische Maßnahmen, um kritische soziale Probleme zu lösen. Dies ist ein Dienst, den wir gerne leisten, aber es bedeutet, dass unsere örtlichen und Nationalen Geisti- gen Räte sich gewissenhafter an die Grundregeln halten müssen. Mit der wachsenden öffentlichen Aufmerk- samkeit, die sich auf die Sache Gottes richtet, wird es für Bahá’í-Institutionen eine zwingende Notwendigkeit, ihr Verhalten und Vorgehen zu verbessern durch eine engere Anbindung an die grundlegenden Wahrheiten des Glaubens, durch größere Übereinstimmung mit dem Geist und der Form der Bahá’í-Administration und durch ein geschärftes Vertrauen in die wohltuende Wirkung richtiger Beratung, damit die von ihnen geführten Ge- meinden ein Lebensmodell widerspiegeln, das den enttäuschten Mitgliedern der Gesellschaft Hoffnung bietet. Dass es Andeutungen gibt, dass der Geringere Friede nicht allzu weit entfernt sein kann, dass die örtlichen und nationalen Institutionen der administrativen Ordnung ständig an Erfahrung und Einfluss gewinnen und dass sich die Pläne für die Errichtung der noch verbleibenden administrativen Gebäude am Bogen in einem fortge- schrittenen Zustand befinden, - dass diese hoffnungsvollen Bedingungen die Gestaltung jener dynamischen, von Shoghi Effendi vorausgeschauten gleichzeitigen Abläufe sichtbar werden lassen, kann kein ehrlicher Be- obachter in Abrede Stellen.
Als eine Gemeinde, die eindeutig bei der Vorhut der sich auf diesem Planeten am Werk befindlichen auf- bauenden Kräfte steht, und als eine, die Zugang zu erwiesenem Wissen hat, soll man uns bei unseres Vaters Arbeit finden. Er wird aus Seinem glorreichen Zufluchtsort in der Höhe großzügige Ausgießungen Seiner Gnade auf unsere bescheidenen Bemühungen herabsenden und uns mit den unermesslichen Siegen Seiner er- obernden Kraft erstaunen. Um die unaufhörlichen Segensgaben eines solchen Vaters werden wir weiterhin für jeden einzelnen von Ihnen an der Heiligen Schwelle flehen.
Der geistige Strom, der die Internationale Bahá’í-Tagung während des letzten Ridván-Festes so wirkungsvoll e- lektrisierte, ist jetzt durch die gesamte Weltgemeinde gegangen und hat ihre Mitglieder im Osten wie im Westen zu heldenhaften Tätigkeiten und zu Errungenschaften in der Lehrarbeit wie nie zuvor in einem einzigen Jahr aufer- weckt. Allein das hohe Niveau der Neuerklärungen bestätigt dies: Fast eine halbe Million neuer Gläubiger wurden bis jetzt gemeldet. Ins Auge springen Namen so weit auseinanderliegender Länder wie Indien und Liberia, Bolivien und Bangladesch, Taiwan und Peru, die Philippinen und Haiti, wenn wir nachdenken über die sich häufenden Be- weise des Eintritts in Scharen, zu dem unsere Botschaft im vorigen Jahr aufgerufen hatte. Diese Beweise sind hoff- nungsvolle Vorzeichen einer künftigen weiteren Beschleunigung, in die alle nationalen Gemeinden ungeachtet des derzeitigen Standes ihrer Lehrbemühungen letztlich einbezogen sein werden.
Mit Gefühlen demütiger Dankbarkeit und gehobener Erwartung schauen wir auf die erstaunlichen Entwicklun- gen in einem so kurzen Zeitraum zurück. Eine dieser Entwicklungen war die Annahme des Architektenentwurfs von Fariburz Sahba für die Terrassen unter dem Schrein des Báb - ein neuer Schritt zur Verwirklichung der Vision des Meisters und des Hüters für den Stufenweg, auf dem die Könige und Herrscher den Hang des Berges Karmel em- porsteigen werden, um an der Ruhestatt von Bahá’u’lláhs Märtyrer-Herold zu huldigen. Weitere Entwicklungen umfassen: die Annahme des von einer Anzahl Bahá’í aus 'Ishqabad unterbreiteten Antrags auf Wiedererrichtung des dortigen Geistigen Rates durch die Moskauer Zentralbehörden; die Einleitung von Schritten zur Eröffnung eines Bahá’í-Informationszentrums in Budapest als erste derartige Vertretung des Glaubens im Ostblock; die Errichtung einer Zweigstelle des Büros für öffentliche Information der Internationalen Bahá’í Gemeinde in Hongkong als Vor- bereitung auf die Zeit, da der Glaube im chinesischen Mutterland verbreitet werden kann.
Ebenfalls herausragend unter diesen Entwicklungen waren die erfolgreiche Mitwirkung der Internationalen Ba- há’í-Gemeinde an der Patenschaft für das Programm »Künste für die Natur« in London zugunsten der Arbeit des »World Wide Fund for Nature«; die Genfer Unterzeichnung eines Abkommens über die Errichtung formaler Ar- beitsbeziehungen zwischen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Internationalen Bahá’í-Gemeinde; die offizielle Billigung eines Bahá’í-Lehrplans für Schulen im australischen New South Wales; der unermeßliche Be- sucherstrom am Tempel in Neu-Delhi, der auf etwa vier Millionen seit der Einweihung dieses Gebäudes im Dezem- ber 1986 angewachsen ist und eine ungewöhnliche Zahl hoher Regierungsbeamter und anderer prominenter Persön- lichkeiten aus vielen Ländern einschließt, darunter China, die Sowjetunion und andere Ostblockländer. Mit den vielen anderen Glanzpunkten dieses einen Jahres fließen die genannten Entwicklungen zu einem Gesamtregister der bisherigen Errungenschaften des Sechsjahresplanes zusammen, das ein dynamisches Bild beschleunigter Aktivität in der ganzen Bahá’í-Welt wiedergibt.
Niemand kann diesen wundersamen Fortschritt erwähnen, ohne den geistigen wie gesellschaftlichen Impuls an- zuerkennen, der durch die unseren iranischen Mitgläubigen mit grausamen Exzessen zugefügte, nunmehr zehnjähri- ge Verfolgungszeit entstanden ist. Erst in der Zukunft werden die vollen Konsequenzen ihres Opfers erkannt wer- den, aber seinen Einfluss auf die außerordentlichen Erfolge bei der Proklamation des Glaubens und beim Aufbau guter Beziehungen zu Staatsbehörden und zu den wichtigsten Nicht-Regierungs-Organisationen auf der ganzen Welt können wir klar erkennen. Mit hocherfreuter Dankbarkeit verkünden wir deshalb die Freilassung der großen Mehrzahl der gefangenen Bahá’í im Iran. Bei aller Freude können wir aber nicht vergessen, dass die volle Befrei- ung der iranischen Bahá’í-Gemeinde und die umfassende Sicherung der Menschenrechte ihrer Mitglieder noch aus- stehen. In der Freude dieses Augenblicks entbieten wir den beiden zu diesem Ridvá-Fest neu gebildeten Nationalen Geistigen Räten ein herzliches Willkommen: Der eine ist Macau in Südostasien, der andere Guinea-Bissau in Westafrika.
Im wirren Düster der heutigen gesellschaftlichen Lage erkennen wir den fernen, schwachen Schimmer einer langsamen und doch bestimmten Annäherung an den Höhepunkt der drei parallelen Prozesse, die unser geliebter Hüter vorausgeschaut hat: das Sichtbarwerden des Geringeren Friedens, die Errichtung der Gebäude am Bogen auf dem Berg Karmel und die Entwicklung der nationalen und örtlichen Geistigen Räte. Tatsächlich ist uns dieser im- mer noch so weit entfernte Schimmer während des ganzen Sechsjahresplanes, in dieser vierten Epoche des Gestal- tenden Zeitalters, vor allem aber im jüngst verflossenen Jahr immer näher gekommen. Wer hätte sich selbst zu Be- ginn dieses Planes den plötzlichen Bewusstseinswandel vorstellen können, der politische Führer an besonders unru- higen Plätzen dieses Planeten dazu bewegte, scheinbar fest gemauerte Positionen zu verlassen - einen Wandel, der die Leitartikler in den letzten Monaten zu der Frage veranLasste: »Bricht der Frieden aus?« Jeden Beobachter, der sich des göttlichen Quells solcher Ereignisse bewusst ist, muss die Entwicklung sicherlich ermutigen, obwohl die genauen Umstände für die Errichtung des Geringeren Friedens uns unbekannt sind; selbst die genaue Zeitfolge ruht verborgen in Gottes Großem Plan.
Die beiden anderen Prozesse sind jedoch unmittelbar von dem Ausmaß beEinflusst, in dem die Anhänger Ba- há’u’lláhs ihre klar vorgezeichneten Aufgaben erfüllen. Wir haben allen Grund, uns ein Herz zu fassen. Sind nicht die Architektenentwürfe für die verbliebenen Bauten am Bogen angenommen worden? Sind nicht die Detail- planungen für ihre Verwirklichung als herrliche Monumente in Angriff genommen? Waren wir nicht Zeugen der wachsenden Kraft nationaler wie örtlicher Geistiger Räte bei ihrem Geschick, Pläne zu entwickeln und auszufüh- ren, bei ihrer Fähigkeit, mit Staatsbehörden und gesellschaftlichen Organisationen zu verkehren, öffentliche Anfra- gen an ihre eigenen Dienste zu beantworten und mit anderen bei Projekten der sozialen und wirtschaftlichen Ent- wicklung zusammenzuarbeiten? Werden diese Räte nicht bestärkt durch die wachsame, liebevolle Hilfe der konti- nentalen Berater, der Hilfsamtsmitglieder und ihrer Assistenten, deren keimende Kräfte auf so fähige Weise vom Internationalen Lehrzentrum koordiniert werden - einer Institution, deren verstärkter Kreis von Mitgliedern bereits eine Begeisterung, eine Vision und eine Wendigkeit an den Tag legt, die lebhafte Bewunderung hervorrufen?
Aber erliegen wir nicht der Versuchung, bei den positiven Aspekten unseres Fortschritts zu verharren! Wir soll- ten uns von unseren Errungenschaften eher anspornen lassen, als uns darauf auszuruhen. Lassen Sie uns deshalb weiterhin unbeirrt und vertrauensvoll die großartigen Möglichkeiten ergreifen, welche das Gemisch jener weiter sich entwickelnden Prozesse und Ereignisse für die Umsetzung der Nahziele unserer heiligen Sache bereithält. Die- se Nahziele sind in der Tat unter den Hauptaufgaben des Sechsjahresplanes bezeichnet. Die zweite Hälfte dieses Planzeitraums beginnen wir jetzt, voll bewusst, dass das Heilige Jahr 1992 - 1993 mit seinen bedeutsamen Gedenk- veranstaltungen in nicht zu ferner Zukunft anbrechen wird.
In Verbindung mit der immer weiter ausgreifenden Lehrarbeit müssen wir bei Projekten von entscheidender Be- deutung mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln fortfahren. Fortgesetzt werden die Vorarbeiten für die englische Ausgabe des Kitáb-i-Aqdas, des Mutterbuches der Bahá’í-Offenbarung. Für angemessene Gedenkfeiern im Heili- gen Land zum hundertsten Jahrestag des Hinscheidens Bahá’u’lláhs müssen schon heute Vorkehrungen getroffen werden. Die Planungen für den Weltkongreß 1992 in New York rücken im Arbeitsprogramm immer näher. Des weiteren muss der völligen Beseitigung des Analphabetentums aus der Bahá’í-Gemeinschaft systematische Auf- merksamkeit geschenkt werden, macht diese Errungenschaft doch über alle anderen Maßnahmen hinaus Gottes heiliges Wort allen Freunden zugänglich und stärkt sie in ihren Anstrengungen, ein Bahá’í-Leben zu führen. Des- gleichen muss die Unterstützung von Bemühungen, die Umwelt durch Verfahren im Einklang mit dem Lebens- rhythmus unserer Gemeinschaft zu bewahren, mehr Bedeutung für die Bahá’í-Tätigkeiten gewinnen.
Für die Vorhaben am Berg Karmel ist das Amt eines Projektmanagers geschaffen worden; ein Stab von Techni- kern wird zur Zeit zusammengestellt. Geologische Untersuchungen der Gelände für die geplanten Bauten des Bo- gens sind eingeleitet - eine Voraussetzung für die Erdarbeiten, auf deren Beginn die ganze Bahá’í-Welt wartet. So benutzen wir diese Gelegenheit, Sie davon in Kenntnis zu setzen, wie dringend die erforderlichen Mittel bereitge- stellt werden müssen, damit die Bauarbeiten begonnen und dann zügig fortgesetzt werden können.
Allen diesen Anforderungen muss und wird sicherlich dadurch genügt werden, dass jedes gewissenhafte Mitglied der Gemeinschaft Bahás sich erneut dem Dienst an Seiner Sache weiht und sich vor allem persönlich für die Lehr- arbeit einsetzt. Die Lehrarbeit ist von so hoher Bedeutung als sichere Erfolgsgrundlage für alle Ba- há’í-Unternehmungen und für die Förderung des Eintritts in Scharen, dass wir uns bewegt fühlen, Ihnen ein nach- drückliches Wort zur gründlichen Erwägung zu unterbreiten: Es genügt nicht die Bahá’í-Botschaft zu verkünden, so wichtig dies auch ist. Es genügt nicht, die Bahá’í-Mitgliederzahlen in die Höhe zu treiben, so lebensnotwendig das auch ist. Seelen müssen verwandelt, Gemeinden dadurch gefestigt, neue Lebensmodelle auf diese Weise geschaffen werden. Die Verwandlung ist die eigentliche Absicht der Sache Bahá’u’lláhs, liegt aber im Wollen und Bemühen des einzelnen Gläubigen beschlossen, der sie im Gehorsam gegen das Bündnis erreichen muss. Notwendig für den Fortschritt dieser alles Leben erfüllenden Verwandlung ist die Erkenntnis des Willens und der Absicht Gottes durch das regelmäßige Lesen und Studieren des heiligen Wortes.
Geliebte Freunde! Die Schwungkraft aus den Errungenschaften des vergangenen Jahres teilt sich nicht nur durch die Gelegenheiten zur merklichen Ausweitung der Sache Gottes mit, sondern auch durch eine Fülle von bedeutungs- schweren, eindrucksvollen, mannigfachen Herausforderungen, die in ihrer Verknüpfung unsere geistigen und ma- teriellen Hilfsquellen über jedes bisherige Maß hinaus beanspruchen. Wir müssen bereit sein, ihnen zu antworten. Zur Halbzeit des Sechsjahresplanes sind wir jetzt an einem historischen Wendepunkt voll Hoffnungen und Möglich- keiten angelangt - einem Punkt, an dem sich bedeutsame Trends in der Welt genauer auf die Grundsätze und Ziele der Sache Gottes ausrichten. Gewaltig ist darum die Notwendigkeit für unsere Gemeinde, die Erfüllung ihrer welt- umspannenden Mission voranzutreiben.
Unsere erste Antwort muss das Lehren sein - uns selbst zu lehren und andere zu lehren, auf allen Ebenen der Gesellschaft, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln und ohne jeden Verzug. In einer Ermahnung zum Lehren sagte unser geliebter Meister: »Erst wenn die Kerze entflammt ist, kann sie ihren Schein verbreiten. Erst wenn das Licht erstrahlt kann sein Glanz das Dunkel der Umgebung vertreiben. So gehet denn hinaus und entzündet die kalten Kerzen!«
Unsere treue Liebe, unsere unentwegte Ermutigung, unsere ständigen, innigen Gebete begleiten Sie, wohin Sie auch gehen und was Sie auch tun, um unserem geliebten Herrn zu dienen.
In dieser strahlenden, festlichen Zeit grüßen wir Sie alle im Geiste erneuerter Hoffnung.
Ein Silberstreif im dunklen, die größte Zeit dieses Jahrhunderts überschattenden Bild erhellt nun den Hori- zont. Er ist in den neuen Strömungen, die die laufenden sozialen Prozesse in aller Welt vorantreiben, und in den Anzeichen einer beschleunigten Entwicklung zum Frieden erkennbar. Im Glauben Gottes ist es die wach- sende Kraft der Ordnung Bahá’u’lláhs, während sein Banner sich zu immer stattlicheren Höhen erhebt. Es ist eine Kraft, die anzieht. Die Medien schenken der Bahá’í-Weltgemeinde immer größere Aufmerksamkeit; Auto- ren erkennen ihre Existenz in einer immer größer werdenden Anzahl von Artikeln, Büchern und Nachschlage- werken an, eines der angesehensten von ihnen zählte den Glauben vor kurzem du der am weitesten verbreiteten Religion nach dem Christentum. Eine bemerkenswerte Entfaltung des Interesses an dieser Gemeinde von Re- gierungen, Behörden, herausragenden Persönlichkeiten und humanitären Organisationen wird immer stärker offenbar. Es werden nicht nur die Gesetze und Prinzipien, die Organisationsform und die Lebensart unserer Gemeinde geprüft, sondern auch ihr Rat und ihre aktive Unterstützung bei der Beseitigung von gesellschaftli- chen Problemen und der Durchführung humanitärer Aktionen gesucht.
Eine begeisternde Konsequenz dieser vorteilhaften, miteinander verknüpften Entwicklungen ist das Sicht- barwerden neuer Muster von Möglichkeiten zum weiteren Wachstum und zur weiteren Festigung unserer weltweiten Gemeinde. Auf allen gesellschaftlichen Ebenen haben sich neue Aussichten für das Lehren der Sa- che entfaltet. Diese werden durch jüngste Ergebnisse neuer Lehraktivitäten bestätigt, die vielerorts gefördert werden, da immer mehr nationale Gemeinden Zeuge der Anfänge jenes Eintritts in Scharen werden, der uns vom geliebten Meister versprochen wurde und von dem Shoghi Effendi sagte, dass dies zur Massengewinnung führen würde. Die unmittelbaren Möglichkeiten dieser durch die Vorsehung bewirkten Situation zwingen uns zu der Erwartung, dass die Ausbreitung der Gemeinde des Größten Namens, so wie sie noch nie dagewesen ist, tatsächlich bevorsteht.
Der Funke, der das wachsende Interesse an der Sache Bahá’u’lláhs entzündete, war die heldenhafte Stand- haftigkeit und Ausdauer der geliebten Freunde im Iran, die die Bahá’í-Weltgemeinde dazu bewegte einen stän- digen, sorgfältig koordinierten Appell an das Weltgewissen zu richten. Diese große Aktion, die die gesamte Gemeinde, in ihrem Handeln in der administrativen Ordnung geeint, einbezog, wurde von gleichermaßen wirk- samen und sichtbaren Aktivitäten dieser Gemeinde in anderen Gebieten begleitet, die bereits anderweitig er- wähnt wurden. Gleichwohl fühlen wir uns veranLasst zu erwähnen, dass ein wichtiges Ergebnis dieser ausge- dehnten Bemühungen unsere Anerkennung einer neuen Phase in den auswärtigen Angelegenheiten unseres Glaubens ist, gekennzeichnet durch eine ausgeprägte Reifung der Nationalen Geistigen Räte in ihren wachsen- den Beziehungen mit Regierungen und nichtstaatlichen Organisationen sowie zu der Öffentlichkeit im allge- meinen.
Durch diese Anerkennung wurde im vergangenen November in Deutschland ein Treffen veranLasst, zu dem sich nationale Bahá’í-Repräsentanten in auswärtigen Angelegenheiten aus Europa und Nordamerika und lei- tende Vertreter der Abteilungen der Internationalen Bahá’í-Gemeinde versammelten, um eine stärkere Ab- stimmung ihrer Arbeit zu erreichen. Dies war ein erster Schritt, um nach und nach weitere Nationale Geistige Räte in ein harmonisch funktionierendes internationales Netzwerk zu integrieren, das fähig ist, weltweite Un- ternehmungen in diesem sich rasch ausbreitenden Feld auszuführen. Mit diesen Entwicklungen verbunden war im letzten Oktober die herausragende Errungenschaft der internationalen Anerkennung des Glaubens durch die formelle Aufnahme in das Netzwerk für Umweltschutz und Religionen des angesehenen »World Wide Fund for Nature«.
Während einer der dunkelsten Abschnitte der fortwährenden Unterdrückung der innig geliebten, unerschüt- terlich standhaften Freunde im Iran fühlte sich Shoghi Effendi bewegt, sie in einem mit erstaunlicher Einsicht verfassten Brief zu trösten. »Es ist das Vergießen des geheiligten Blutes der Märtyrer in Persien«, schrieb er, »das in dieser strahlenden Ära, dieser leuchtenden und edelsteinbesetzten Bahá’í-Epoche das Antlitz dieser Erde in den höchsten Himmel verwandeln und, wie in den Sendschreiben offenbart, das Tabernakel der Einheit der Menschheit im Herzen der Welt errichten wird; es wird die Wirklichkeit der Einheit der Menschenrasse den Augen enthüllen, den Größten Frieden errichten und aus diesem niedrigen Reich eine Widerspiegelung des Abhá-Paradieses machen, und vor den Völkern der Welt - erhaben über jeden Zweifel - die Wahrheit des Ver- ses begründen: '...der Tag an dem die Erde in eine andere Erde verwandelt werden wird’. « Betrachtungen wie diese, die derart wunderbare, künftige Auswirkungen der schrecklichen Leiden aufzeigen, denen unsere irani- schen Freunde ausgesetzt sind, beleuchten die Gelegenheit und Herausforderung, denen wir uns alle in diesem entscheidenden Zeitpunkt in den Geschicken der Sache gegenübersehen.
Die großen, bereits begonnenen Projekte müssen ihrer Vollendung zugeführt werden. Die Terassen unter- halb und oberhalb des Schreins des Báb und der Bogen am Berg Karmel sind zu vollenden und werden so die herrliche Vision der Entfaltung von Gottes heiligem Berg erfüllen. Der zweite Weltkongress muss in der Stadt des Bündnisses abgehalten werden, um den hundertsten Jahrestag der Einführung dieses Bündnisses zu feiern. Die ständig fortschreitende Arbeit an der Übersetzung und Kommentierung des Kitáb-i-Aqdas, des Heiligsten Buches, muss zur Veröffentlichung hingeführt werden. Das Interesse, das die Freunde am Gesetz des Huqúq’ulláh zeigen, muss gefördert werden. Pioniere und Reiselehrer müssen hinausschwärmen. Die Ausga- ben der Sache müssen beglichen werden. Alle Ziele des Sechsjahresplanes müssen erfüllt werden.
Das alles überragende Ziel jeder Bahá’í-Aktivität ist jedoch das Lehren. Alles was bisher getan wurde oder künftig getan werden wird, bezieht sich auf diese zentrale Tätigkeit, den »Grundstein des Fundamentes selbst«, von dem sämtlicher Fortschritt der Sache abhängt. Die jetzige Herausforderung verlangt ein Lehren von einem Ausmaß und einer Qualität, einer Vielfalt und Intensität, das alle bisherigen Anstrengungen überragt. Jetzt ist die Zeit, damit bei den rasch wechselnden Launen einer rasenden Welt die Gelegenheit nicht verlorengeht. Man soll jedoch nicht glauben, dass Zweckmäßigkeit das wesentliche Motiv ist, dem dieses Gefühl der Dringlichkeit entspringt. Da ist ein alles überragender Grund: es ist die beklagenswerte Lage der großen Mehrheit der Men- schen, die leidend und in großer Unruhe nach Aufrichtigkeit hungern, aber »der Einsicht beraubt sind, Gott mit eigenen Augen zu sehen, oder Seine Weise mit eigenen Ohren zu hören«. Sie müssen gespeist werden. Eine Zukunftsvision muss wiederhergestellt werden, wo Hoffnung verlorengegangen ist; Zuversicht muss aufgebaut werden, wo Zweifel und Verwirrung herrschen. In diesem und in anderem Zusammenhang wurde »Die Verhei- ßung des Weltfriedens« geschaffen, um den Weg zu öffnen. Ihre Überreichung an die führenden Staatsmänner ist praktisch abgeschlossen; ihr Inhalt muss nun mit allen möglichen Mitteln den Menschen überall und in allen gesellschaftlichen Bereichen übermittelt werden. Dies ist ein notwendiger Bestandteil des Lehrens in der heuti- gen Zeit und muss mit unvermindertem Nachdruck vorangetrieben werden.
Das Lehren ist die Nahrung des Geistes; es bringt Leben zu den unerweckten Seelen und erhebt den neuen Himmel und die neue Erde; es errichtet das Banner einer geeinten Welt; es sichert den Sieg des Bündnisses und bringt denen, die ihm ihr Leben geben, das himmlische Glück, das Wohlgefallen ihres Herrn erreicht zu haben.
Jeder Gläubige - Männer wie Frauen, Jugendliche wie Kinder - ist auf dieses Feld des Handelns gerufen, denn es liegt an der Initiative und dem entschlossenen Willen des Einzelnen, zu lehren und zu dienen, von dem der Erfolg der gesamten Gemeinde abhängt. Wohlbegründet im mächtigen Bündnis Bahá’u’lláhs, gefestigt durch tägliches Gebet und Lesen des Heiligen Wortes, gestärkt durch das fortwährende Streben ein tieferes Verständnis der göttlichen Lehren zu erreichen, erleuchtet durch das ständige Bemühen, diese Lehren mit den Themen der Zeit in Beziehung zu setzen, genährt durch die Beachtung der Gesetze und Prinzipien Seiner wun- derbaren Weltordnung, kann jeder einzelne ein wachsendes Maß an Erfolg im Lehren erreichen. Der letztliche Triumph der Sache ist, zusammengefasst, durch jenes »eine«, und nur jenes »eine« zugesichert, das von Shog- hi Effendi so eindringlich betont wurde, nämlich »das Ausmaß, in dem unser eigenes inneres Leben und unser persönlicher Charakter in ihren vielfältigen Ausprägungen den Glanz jener ewigen, von Bahá’u’lláh verkünde- ten Prinzipien widerspiegeln«.
Geliebte Freunde, - Sie, die Sie von unserem Höchst Geliebten, der Gesegneten Schönheit, als der »Trost für das Auge der Schöpfung«, als das »sanft fließende Wasser, von dem das eigentliche Leben aller Menschen abhängt«, angesprochen sind - wir fordern Sie mit aller Ernsthaftigkeit und unserer tiefsten Überzeugung von der Reife dieses Zeitpunkts auf, jedes unbedeutende Bedenken beiseite zu legen und Ihre Kräfte auf das Lehren Seiner Sache zu lenken - um sie zu verkünden, auszubreiten und zu festigen. Sie dürfen Ihre Aufgabe in voller Zuversicht angehen, dass dieses deutlich vor Ihnen ausgebreitete Feld des Fortschritts dem Wirken jener »gött- lich geborenen Macht« entspringt, die »im innersten Sein aller erschaffenen Dinge pulsiert« und die, »handelnd sogar als ein zweischneidiges Schwert, unter unseren eigenen Augen einerseits die uralten Bande zerreißt, die seit Jahrhunderten das Gewebe der zivilisierten Gesellschaft zusammenhalten, und andererseits die Fesseln löst, die noch immer den jungen und noch unfreien Glauben Bahá’u’lláhs zügeln.«
Haben Sie weder Furcht noch Zweifel. Die Macht des Bündnisses wird Ihnen helfen, Sie beleben und jedes Hindernis auf Ihrem Weg beseitigen. »Er wird wahrlich jedem helfen der Ihm hilft, und jedem gedenken der an Ihn denkt.« Sie haben unsere anhaltende Zusicherung unserer innigen und ständigen Gebete für Sie alle.
An diesem Ridván-Fest darf sich die deutsche Bahá'í-Gemeinde mit voller Berechtigung freuen, eines der herausforderndsten Ziele, das ihr im Fünfjahresplan zugeteilt war, erreicht zu haben: die Errichtung des Nationalen Geistigen Rates der Bahá'í in Griechenland. Diese neugeborene Tochtergemeinde wird weiterhin Ihrer liebevollen Unterstützung und Ermutigung auch in den kommenden Jahren bedürfen, aber das Erreichen dieses historischen Sieges verleiht der deutschen Bahá'í-Gemeinde zusätzliche geistige Stärke für die Erfüllung der gewaltigen Aufgaben, die ihr noch gestellt sind.
Während Sie beharrlich an der Erfüllung eines jeden Zieles arbeiten, das Ihnen im Plan vorgegeben ist, ... richtet sich doch zu diesem Zeitpunkt, da nur noch zwei Jahre des Planes verbleiben, ihre besondere Sorge auf den Stand der Ziele in Ihrem eigenen Land. Die Erhöhung der Anzahl von Zentren, die dem Glauben erschlossen sind, auf 600 - was bedeutet, daß Sie noch 70 weitere erschließen müssen als Sie im Augenblick haben - und die Erhöhung der Zahl der Geistigen Räte auf 90 - was die Bildung von nicht weniger als 37 Räten in den verbleibenden 2 Jahren erforderlich macht - verlangen die dringende Aufmerksamkeit, den hingebungsvollen Einsatz und das aufopfernde Dienen eines jeden Anhängers Bahá'u'lláhs in Deutschland.
Wir appellieren an die Abgeordneten der Nationaltagung, in all Ihren Beratungen die überragende Bedeutung und dringende Notwendigkeit dieser Ziele vor Augen zu haben, und wir rufen die Freunde Gottes im ganzen Lande auf, die Pläne und Vorhaben des Nationalen Geistigen Rates einig und begeistert zu unterstützen, damit in kürzest möglicher Zeit die Flut der Siege zu steigen beginne, die Einheit der Gemeinde unermeßlich gestärkt werde und immer mehr Menschen dahin geführt werden, daß sie die Sache Bahá'u'lláhs annehmen, nicht nur in den Zielstädten, sondern überall im ganzen Land. Dann wird die deutsche Bahá'í-Gemeinde, wenn das Ende des Fünfjahresplanes herankommt, an Stärke zunehmen und ihre Fähigkeiten so steigern, daß sie mit vermehrtem Schwung in den folgenden Plan hineingeht, der sie eine Stufe weiterbringen wird auf dem Pfade ihrer glorreichen Bestimmung.
Es ist unser innigstes Gebet an der Heiligen Schwelle, daß die geliebten Anhänger Bahá'u'lláhs in Deutschland sich vereint der Forderung dieser kritischen Stunde stellen und einen Sieg gewinnen werden, der die Bewunderung ihrer Mitgläubigen in jedem Kontinent in der Welt hervorrufen wird.
An die Bahá'í der Welt
Innig geliebte Freunde,
in der unverminderten Glut der wundersamen Segnungen des soeben zu Ende gebrachten Heiligen Jahres sind wir beim König der Feste angelangt, neu bestätigt und aufgeladen mit neuer Kraft für unsere heiligen Bestrebungen. War es doch eine Zeit, in der Er, die Schönheit Abhá, Seine weltweite Gemeinde in reicher Fülle mit dem Glanz Seiner Gnade übergoß, als Er die Bemühungen Seiner Anhänger, die bedeutsame zweifache Jahrhundertfeier Seines Hinscheidens und der Einsetzung Seines Bundes würdig zu begehen, mit erstaunlichen Erfolgen krönte. Als Gedenkpause geplant, brachte dieses Jahr eine Proklamation des Größten Namens zuwege, die wie nie zuvor auf der ganzen Erde widerhallte; aber was so klare äußere Zeichen setzte, war ganz ausgeprägt der Widerschein einer inneren Errungenschaft: eines bislang unerreicht tiefen Verständnisses für unsere Beziehung zu Bahá'u'lláh. In uns selbst sind wir der weltumspannenden Wirklichkeit unserer Gemeinde noch klarer bewußt geworden und haben erlebt, wie sie den ersten, alles überragenden Grundsatz Seines Glaubens verkörpert. Das hat unseren Herzen einen neuen, vorwärtstreibenden Eindruck aufgeprägt. Die Wirkungen dieses klareren Bewußtseins haben die Gedächtnisfeier im Mai des vergangenen Jahres im Heiligen Land und noch breiter angelegt der Weltkongreß im November eindrucksvoll hervorgekehrt, als sollte damit in dieser verzweiflungsvoll unruhigen Zeit unsere Zuversicht bekräftigt werden, daß die Menschenwelt unerbittlich ihrem immer noch schwer faßbaren Schicksal der Einheit und des Friedens entgegengeht. Die Flügel des Geistes haben uns fürwahr während des Heiligen Jahres auf einen Gipfel getragen, der uns eine Schau ermöglichte auf die volle Herrlichkeit der rasch nahenden, seit unvordenklichen Zeiten gültigen Verheißung des Herrn, eines Tages werde die ganze Menschheit vereinigt werden.
Zu zahlreich sind die begeisternden Einzelheiten bei den Veranstaltungen dieses Jahres, als daß sie hier beschrieben werden könnten. Allgemein wurde empfunden, wie der Heilige Geist wirkte und die Tätigkeiten der Freunde mit geheimnisvoller Kraft durchtränkte. So möge es genügen, an gewisse Glanzpunkte zu erinnern: im Mai 1992 die Versammlung der größten jemals zu einer Veranstaltung im Heiligen Land zusammengekommenen Anzahl von Bahá'í, die Vertreter ausnahmslos jeder Nation auf Erden, wie sie den Schrein Bahá'u'lláhs umschritten, die Anwesenheit der meisten lebenden Ritter Bahá'u'lláhs bei der Niederlegung der Ehrenrolle unter der Schwelle zum Hochheiligen Schrein, der noch nie dagewesene Umfang des Weltkongresses und die bunte Vielfalt seiner Teilnehmer einschließlich einer großen Zahl von Jugendlichen mit ihren eigenen Nebenprogrammen, der Vorbeimarsch der Vertreter aller Rassen und Nationen der Welt bei dieser spektakulären Gelegenheit, die Satellitenübertragung, die den Kongreß und das Weltzentrum mit allen Erdteilen verband. All dies waren Erlebnisse von höchst seltener Art; sie haben das Gedenken an die Jahrhundert-Feierlichkeiten unsterblich gemacht.
Die unzähligen phantasiereichen Bemühungen der Freunde rund um die Welt, von den entlegensten Dörfern bis in die großen Städte, zur Feier dieser bedeutsamen Jahrestage zeigen erneut, wie gründlich der Glaube Bahá'u'lláhs gefestigt worden ist. In vielen Gebieten entfaltete sich dadurch die Lehrarbeit mit außergewöhnlichen, ja überraschenden Ergebnissen. In den Massenmedien kleiner wie großer Länder fand das Heilige Jahr eine noch nie dagewesene Aufmerksamkeit; gesetzgebende Körperschaften und politische Amtsträger nahmen das Jubiläum wahr, Regierungsstellen brachten ihre Anerkennung und Wertschätzung des Glaubens zum Ausdruck, die Bahá'í-Weltgemeinschaft wurde in große Veranstaltungen auf Weltebene einbezogen, darunter die Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung vergangenen Juni in Rio de Janeiro, in deren Zusammenhang an öffentlicher Stelle ein Denkmal mit einem Text aus Bahá'u'lláhs Schriften und einem großen Abbild des Größten Namens eingeweiht wurde - diese Entwicklungen zeigten, daß die Gemeinde sich in den Augen der Öffentlichkeit deutlich stärker profiliert hat.
Abgesehen von all diesen herausragenden Ereignissen und Entwicklungen, aber von noch größerer Bedeutung wegen der weitreichenden Folgen für das ganze Menschengeschlecht, war zum Naw-Rúz-Fest die Herausgabe der mit Anmerkungen versehenen englischen Übersetzung des Kitáb-i-Aqdas, des Hochheiligen Buches. Wir kommen damit der Zeit einen Schritt näher, von der Abdu'l-Bahá voraussagt: "Wenn die Gesetze des Hochheiligen Buches in Kraft getreten sind,... wird der Weltfriede sein Zelt inmitten dieser Erde aufpflanzen; der gesegnete Baum des Lebens wird so wachsen und sich ausbreiten, daß er den Osten wie den Westen überschattet."¹
Das Heilige Jahr war auch eine Zeit, in der die große Weltlage noch wirrer und widersprüchlicher wurde. Zur gleichen Zeit gab es Zeichen der Ordnung und des Chaos, der Verheißung und der Entmutigung. Mitten in dieser wirren gegenwärtigen Weltlage, aber mit den vom Heiligen Jahr entflammten Gefühlen des Staunens und der Freude, des Mutes und des Glaubens im Herzen, beginnen wir mit diesem Ridván-Fest im hundertfünfzigsten Jahr unseres Glaubens einen Dreijahresplan. Seine Kürze wird uns von den rasch wechselnden Gezeiten unserer Tage aufgenötigt; aber sein Hauptzweck ist unabdingbar für die Zukunft der Sache Gottes und der ganzen Menschheit. Er ist die nächste Stufe in der Entfaltung der göttlichen Charta der Lehrarbeit, wie sie der Mittelpunkt des Bundes mit Seiner Feder aufgezeichnet hat. Der Plan wird das Richtmaß unserer Entschlossenheit sein, auf die unermeßlichen Möglichkeiten dieses kritischen Augenblicks in der gesellschaftlichen Evolution des Planeten unsere Antwort zu geben. Die entschlossene Verfolgung und die volle Verwirklichung der festgeschriebenen Planziele, die den Umständen jeder nationalen Gemeinde angepaßt sind, werden den Weg freimachen für einen angemessenen Vorrang der Rolle unseres Glaubens angesichts der unausweichlichen Herausforderungen, denen die ganze Menschheit gegen Ende des rasch entfliehenden, schicksalsschweren zwanzigsten Jahrhunderts gegenübersteht.
Weit über alle bisherigen Zahlen hinaus muß eine massive Ausdehnung der Bahá'í-Gemeinde erreicht werden. Die Botschaft muß unter der Menschheit im allgemeinen, in Dörfern, Marktflecken und Städten rasch und verstärkt verbreitet werden. Das ist für den Fortgang entscheidend; denn ohne diese Expansion fehlt den mühsam aufgebauten Werkzeugen der Verwaltungs- und Gesellschaftsordnung das Wirkungsfeld, in dem sie ihre eigenständige Fähigkeit, den himmelschreienden Nöten der Menschheit in der Stunde ihrer tiefsten Verzweiflung abzuhelfen, entwickeln und angemessen unter Beweis stellen können. Dazu muß die Wechselwirkung zwischen Lehr- und Verwaltungsarbeit voll verstanden und stark betont werden, denn beides verstärkt sich gegenseitig. Die Probleme der Gesellschaft, von denen unsere Gemeinde mitbetroffen ist, und die Probleme, die innerhalb der Gemeinde naturgegeben entstehen, seien sie gesellschaftlicher, geistiger, wirtschaftlicher oder verwaltungstechnischer Art, werden in dem Maße lösbar sein, wie sich unsere Zahlen und Hilfsmittel vervielfachen und die Freunde auf allen Ebenen der Gemeinde ihre Fähigkeit und Willigkeit, ihren Mut und ihre Entschlossenheit entwickeln, den Gesetzen zu gehorchen, die Grundsätze anzuwenden und die Angelegenheiten des Glaubens nach den göttlichen Geboten zu regeln.
Der neue Plan dreht sich um ein dreifaches Thema: die Lebenskraft des Glaubens des einzelnen Gläubigen zu stärken, das in der Gemeinde vorhandene Potential stark zu entwickeln, die korrekte Arbeitsweise der örtlichen und nationalen Bahá'í-Institutionen zu fördern. Damit treten, während die mannigfachen Ziele dieses Planes inmitten unserer wirren Zeitläufte verfolgt werden, die Vorbedingungen bleibenden Erfolges in den Mittelpunkt.
Vor dem Hintergrund der deutlichen Zeichen eines Sittenverfalls, der Tag für Tag die Grundlagen zivilisierten Lebens zernagt, gewinnen Bahá'u'lláhs bildhafte Worte höchste Dringlichkeit: "Die Lebenskraft des Glaubens der Menschen an Gott stirbt aus in allen Landen. Nur Seine heilende Arznei kann sie jemals wiederherstellen. Der Rost der Gottlosigkeit frißt sich in das Triebwerk der menschlichen Gesellschaft. Was außer dem Heiltrank Seiner machtvollen Offenbarung kann sie reinigen und neu beleben?"2 Derartige Worte bringen für das Handeln eines jeden, der den Herrn des Zeitalters anerkannt hat, besondere Weiterungen mit sich. Eine entscheidende Folge aus dieser Anerkennung ist eine Gläubigkeit, die zur Entgegennahme Seiner Befehle drängt. Die nötige Glaubenstiefe beruht auf der inneren Verwandlung, dem heilsamen Erwerb eines geistig-sittlichen Charakters, der sich aus dem Gehorsam gegen die göttlichen Gesetze und Grundsätze ergibt. Zu diesem Zweck bringt die englische Veröffentlichung des mit Anmerkungen versehenen Kitáb-i-Aqdas, der bald Ausgaben in anderen wichtigen Sprachen folgen werden, eine machtvolle Einflößung göttlicher Führung zur Verwirklichung eines lebendigen Glaubens, wie er für die geistige Wohlfahrt und Glückseligkeit der einzelnen Bahá'í und für das gestärkte Netzwerk der Gemeinde notwendig ist. Ebenso notwendig für die Aufrechterhaltung dieser Lebendigkeit ist es, einen Sinn für Geistigkeit zu kultivieren, jenes mystische Gefühl, das den Menschen mit Gott vereint und durch Meditation und Gebet erlangt wird.
Zur Entwicklung des für den Fortschritt der Sache Gottes erforderlichen menschlichen Potentials ist es unabdingbar, die Freunde und deren Bemühen durch ernsthafte persönliche Studien, durch den Erwerb von Wissen über den Glauben, durch die Anwendung seiner Grundsätze und die Verwaltung seiner Angelegenheiten auszubilden. Wissen allein reicht nicht aus; unabdingbar muß die Ausbildung vermittelt werden in einer Weise, die zu Liebe und Hingabe begeistert, Festigkeit im Gottesbund bewirkt und den einzelnen Bahá'í dazu bewegt, aktiv an der Arbeit für die Sache Gottes teilzunehmen und brauchbare Initiativen zur Förderung ihrer Interessen zu entfalten. Besondere Bemühungen, befähigte Menschen für den Glauben zu gewinnen, laufen ebenfalls in die Richtung der Beschaffung des in dieser Zeit so dringend benötigten menschlichen Potentials. Überdies werden solche Bemühungen bei den Geistigen Räten die Fähigkeit anregen und verstärken, ihre gewichtige Verantwortung zu übernehmen.10 Die korrekte Arbeitsweise der Institutionen hängt weitgehend davon ab, daß sich ihre Mitglieder bemühen, mit ihren Pflichten vertraut zu werden und sich sowohl in ihrem persönlichen Verhalten als auch bei ihren Amtspflichten gewissenhaft an die Grundsätze zu halten. Von erheblicher Bedeutung sind auch ihre Entschlossenheit, alle Spuren von Entfremdung und Sektierertum aus ihrer Mitte zu tilgen, sowie ihre Fähigkeit, die Zuneigung und Unterstützung der Freunde unter ihrer Obhut zu gewinnen und so viele Menschen wie möglich in die Arbeit für die Sache Gottes einzubeziehen. Wenn sie beständig das Ziel vor Augen haben, ihre Leistungen zu verbessern, wird die von ihnen geführte Gemeinde einen Lebensstil widerspiegeln, der dem Glauben Ansehen einträgt, und wird als eine willkommene Konsequenz unter den immer tiefer entmutigten Zeitgenossen neue Hoffnung entzünden.
Während die Nationalen Geistigen Räte mit der prompten Hilfe der Kontinentalen Berater den in dieser kurzen Zeitspanne einzuschlagenden Kurs festlegen, befaßt sich das Weltzentrum mit der Abstimmung vielschichtiger Tätigkeiten auf dem ganzen Planeten und gibt, nachdem die Bahá'í-Weltgemeinschaft immer tiefer in den Umgang mit Weltproblemen einbezogen wird, weitere Anweisungen zu den auswärtigen Angelegenheiten des Glaubens. Gleichzeitig werden die riesenhaften Bauvorhaben an Gottes heiligem Berg ohne Hast fortgeführt, sind sie doch Teil eines Prozesses, den Shoghi Effendi mit zwei ebenso wichtigen Entwicklungen zusammenfallen sah: mit der Errichtung des Geringeren Friedens und der Entwicklung der nationalen und örtlichen Bahá'í-Institutionen. Zum Ende des Planes werden alle verbleibenden Bauphasen der Berg-Karmel-Projekte in Angriff genommen sein; die Rohbauten des Internationalen Lehrzentrums, des Zentrums für das Studium der heiligen Texte und der Erweiterung des Internationalen Archivs werden ausgeführt sein; sieben Terrassen unterhalb des Schreins des Báb sind dann fertiggestellt.
Der dramatisch ausgeweitete Arbeitsumfang der Sache Gottes und die während dieses neuen Planes erwarteten Entwicklungen erfordern materielle Mittel. Eine Zeitlang waren sie unzureichend, obwohl erheblich größere Beiträge zu den Bahá'í-Fonds geleistet wurden. Die aus vielen Weltteilen berichtete Wirtschaftskrise scheint sich zu verschlimmern, aber letztlich kann die Menschheit weder ihre wirtschaftlichen noch ihre anderen drängenden Probleme lösen, ehe die Nationen und Völker der Sache Bahá'u'lláhs die nötige Beachtung schenken und ehe diese Sache von ihren überzeugten Anhängern die angemessene materielle Unterstützung erfährt. Mögen die Freunde überall, gemeinsam mit ihren Bahá'í-Institutionen und einzeln für sich, unbeirrt von den die Nationen heimsuchenden Ungewißheiten, Gefahren und finanziellen Engpässen, abwägen, was jeder einzelne und alle zusammen zu tun haben, um ihrer unausweichlichen, geheiligten Pflicht nachzukommen.
Unser Appell um sofortige, verdoppelte und nachhaltige Tätigkeit unter allen Aspekten des Planes richtet sich in erster Linie an den einzelnen Gläubigen an jedem Ort, tragen doch jeder und jede in sich selbst das rechte Maß an derjenigen Initiative, die für den Erfolg jedes weltumspannenden Bahá'í-Vorhabens die Gewähr bietet. Von ihm und von ihr hängt, wie unser geliebter Hüter klar zum Ausdruck bringt, "letztenendes das Schicksal der ganzen Gemeinde ab".3 Leicht werden die Ziele des Dreijahresplanes nicht zu gewinnen sein, aber sie müssen großartig erreicht werden, welches Opfer auch immer vonnöten sei. Die einzelnen Bahá'í und die Geistigen Räte sollten sich deshalb unverzüglich diesen Planzielen zuwenden, damit die Probleme der Menschheit nicht ungezügelt in den Himmel wachsen oder eine interne Krise aufkommt und uns bremst. Lassen Sie uns immer bewußt sein, daß wir unsere Siege durch Leid und Prüfungen erringen. Wir verwandeln eine Krise in einen Fortschritt, wenn wir die sich bietende Gelegenheit beim Schopf packen, indem wir die Anwendbarkeit und die gewinnende Kraft unserer Grundsätze unter Beweis stellen. Auf der Woge des Fortschritts der Sache Gottes haben sich Krise und Sieg immer abgelöst und als die Haupterzeugnisse dieses Fortschritts erwiesen. Während wir die Triumphe des Heiligen Jahres auskosten, wollen wir nicht vergessen, wie real diese immer wiederkehrende Erfahrung ist. Wir wollen uns auch bewußt sein, daß unsere Segnungen unseren Herausforderungen entsprechen, wie es unsere ruhmreiche Geschichte wiederholt gezeigt hat.
Liebe Freunde, seien Sie nicht verzweifelt oder verschreckt! Schöpfen Sie Mut aus der Sicherheit von Gottes Gesetz und Gebot! Jetzt sind die dunkelsten Stunden vor dem Morgengrauen. Der verheißene Friede wird kommen, wenn die Nacht vorüber ist. Drängen Sie voran, dem Dämmerlicht entgegen!
Das Universale Haus der Gerechtigkeit
1 BF 12/4
2 ÄL Kap.99
3 Brief vom 28. Juli 1954, in Citadel of Faith. Messages to America 1947-1957, Wilmette 1980, p.130
Der Beginn des Sechsjahresplanes an Ridván 1986 fiel mit dem Anfang einer neuen Epoche - der vierten - in der organischen Entfaltung des Gestaltenden Zeitalters unseres Glaubens zusammen. Die Verwaltungseinrichtungen dieser wachsenden Sache Gottes, die bereits die ersten Anzeichen einer größeren Reife zu erkennen gegeben hatten, verließen damals die abgeschirmte Verborgenheit ihrer frührn Tage und betraten den Schauplatz öffentlicher Aufmerksamkeit. Diese beiden zusammengehörigen Vorgänge zeigten sich zum einen an einem Entwicklungsprozeß, der tiefgreifende Folgen für das interne Leben der Bahá'í-Gemeinde hat, zum anderen an einer in der bisherigen Bahá'í-Geschichte beispiellosen, groß angelegten Aktion nach außen.
Im zuerst genannten Vorgang wurde eine Verantwortung übertragen: alle nationalen Gemeinden wurden über ihre Nationalen Geistigen Räte aufgerufen, in Konferenzen mit Beratern, örtlichen Geistigen Räten und den Gläubigen im allgemeinen zum ersten Male ihre eigenen, im Laufe des neuen Planes zu erreichenden Ziele zu formulieren. Diese Erwartung einer größeren Reife, die für die nationalen Gemeinden eine Herausforderung darstellte, hat sich erfüllt: Es wurden nationale Pläne formuliert, die dem Weltzentrum zur Abstimmung auf den weltumspannenden Sechsjahresplan unterbreitet wurden.
Der zweite Vorgang bestand darin, daß die gesamte Bahá'í-Weltgemeinde sich gemeinsam erhob, um die im Oktober 1985 herausgegebene Erklärung »Die Verheißung des Weltfriedens« unter den Völkern der Welt zu verteilen. Staatsoberhäuptern, zahlreichen Regierungsmitgliedern, Diplomaten, Lehrern, Gewerkschaftlern, Religionsführern, hervorragenden Vertretern der Justizgewalt, der Polizei, der Rechtsanwälte, Ärzte und anderer Berufe, Mitgliedern von Gemeindeverwaltungen, Klubs und Vereinigungen sowie Tausenden von Einzelpersonen wurde die Erklärung überreicht. Nach einer Schätzung wurden bisher über eine Million Exemplare in etwa siebzig Sprachen verteilt. Allein diese beiden Aktionen haben die Kraft und Reife der Bahá'í-Weltgemeinde beträchtlich gestärkt, ihrem Bild in der Öffentlichkeit deutlichere Konturen verliehen und sie dadurch leichter erkennbar gemacht.
Weitere Faktoren haben ganz wesentlich dazu beigetragen, daß der Bahá'í-Glaube jetzt sehr rasch die Weltbühne betritt. Es scheint tatsächlich, daß jede Handlung der weithin verteilten Armee des Lebens jetzt von irgendeiner Ecke der Öffentlichkeit beobachtet oder daß dazu Stellung genommen wird - sei es von der Vollversammlung der Vereinten Nationen, sei es von der letzten kleinen, entlegenen Ortsgemeinde.
Die Standfestigkeit der schwer geprüften persischen Gläubigen ist nach wie vor die eigentliche Ursache dieser weltweit verstärkten Aufmerksamkeit. Die brutalen Hinrichtungen heldenhafter Märtyrer kommen jetzt zwar nicht mehr so häufig vor; doch dauern die Zermürbung, das Ausrauben, Verleumden und Plündern der seit langem verfolgten Gemeinde an - über 200 sind noch immer im Gefängnis. Dies gibt den Vertretern der Internationalen Bahá'í-Gemeinde bei den Vereinten Nationen feste Beweisgründe für ständige, eindringliche Appelle an die Hand, welche die Besorgnis der Vollversammlung erregten und dazu geführt haben, daß die Menschenrechtskommission und viele einflußreiche Staaten - darunter die Regierungen der Europäischen Gemeinschaft - bei der iranischen Regierung zugunsten der wehrlosen Bahá'í vorstellig wurden.
All dies hat bewirkt, daß unser geliebter Glaube international wahrgenommen wird, wobei das Interesse nicht nur durch die Verbreitung der Friedenserklärung gestiegen ist, sondern auch durch die sich rasch verzweigenden Aktivitäten auf dem Feld der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung, angefangen bei der Einrichtung und dem Betrieb von Rundfunksendern - von denen inzwischen sieben ihre Programme ausstrahlen - bis hin zu Schulen, Alphabetisierungsmaßnahmen, Landwirtschaftshilfe und unzähligen kleinen, aber wertvollen Projekten im dörflichen Bereich in vielen Teilen der Welt.
Nationale Bahá'í-Gemeinden haben interreligiöse Konferenzen, Friedensseminare, Symposien über Rassismus und andere Themen, zu denen wir einen besonderen Beitrag leisten können, organisiert und erfolgreich durchgeführt, wodurch sie häufig eine große Öffentlichkeitswirkung erzielten und hochrangige Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens auf sich aufmerksam machten. Die Bahá'í-Jugend hat, inspiriert und begeistert von der Vision und dem Ideal des »neuen Menschengeschlechts«, durch zahlreiche Treffen ihre Altersgenossen in großen Scharen angezogen und die Bahá'í-Jugendlichen selbst so beseelt, daß sie ihr Leben auf den Dienst in den vielen Bereichen ausrichten, in denen auf den ergebenen Bahá'í-Arbeiter eine reiche Ernte wartet.
Außer dieser rasch voranschreitenden Einbeziehung unserer Mitmenschen in die Bahá'í-Aktivitäten gab es einen herausragenden, großartigen Erfolg: die Vollendung und Einweihung des herrlichen Bahá'í-Tempels in Neu-Delhi, der schon in den ersten 30 Tagen nach seiner Einweihung als Andachtsstätte über 120 000 Besucher zählte. Dieses Symbol der Reinheit, das in jenem Land zahlloser unterschiedlicher Glaubensrichtungen die Einheit Gottes und Seiner Boten verkündet, ist ein würdiges Zeichen für die Kraft und Größe, mit der diese erstaunlichen Tage im Leben der Heiligen Sache Gottes ausgestattet wurden.
Die Bühne ist frei für ein weltweites, schnelles, ungeheures Anwachsen der Sache Gottes. Die unmittelbare, grundlegende Herausforderung bilden die Ziele des Sechsjahresplans, dessen erste Phasen bereits in Angriff genommen wurden. Die so überaus wichtige Lehrarbeit muß mit Einfallsreichtum, Zähigkeit und Opferbereitschaft fortgesetzt werden. Dadurch wird sichergestellt, daß immer größere Scharen sich dem Glauben anschließen, die die Energie, die Mittel und die geistige Kraft liefern, damit die geliebte Sache ihre Rolle bei der Erlösung der Menschheit würdig spielen kann. Zur Verstärkung dieses Prozesses wurden die internationalen Planziele aufgestellt. Sie verlangen die Inangriffnahme von Hunderten von Unterstützungsprojekten der Nationalen Geistigen Räte untereinander, die Wiederbildung des Nationalen Geistigen Rates von Zaire zu Ridván 1987 und die Bildung neuer Nationaler Geistiger Räte im Laufe des Planes, wobei die Räte von Angola, Guinea, Guinea-Bissau und Macau bereits bestätigt wurden. Im ersten Jahr des Sechsjahresplanes haben sich schon 338 Pioniere, die sich nach dem in den vorangegangenen Plänen aufgezeigten Bedarf richteten, erhoben und in 119 Ländern niedergelassen. Ein neuer Aufruf ist gerade in Vorbereitung, dessen Einzelheiten in Kürze bekanntgegeben werden. Die Gründung und Förderung von Hilfsprojekten der Bahá'í-Jugend in den Entwicklungsländern der Welt ist jetzt vonnöten. Die Nationalen Geistigen Räte werden gebeten, in Absprache untereinander und mit Unterstützung der Kontinentalen Beraterämter die besten Vorkehrungen zu treffen, um den erfolgreichen Einsatz derer, die sich melden, sicherzustellen.
Die Vorbereitungen für das Heilige Jahr 1992, in dem der hundertste Jahrestag des Aufstiegs der Gesegneten Schönheit und der Einsetzung des Bündnisses begangen wird, haben schon begonnen. Von daher ist es richtig, wenn das Bündnis Bahá'u'lláhs, welches in gestufter Abfolge die Vergangenheit mit der Zukunft bis hin zur Erfüllung von Gottes uralter Verheißung verknüpft, zum wichtigsten Thema des Sechsjahresplanes gemacht wird. Die Konzentration auf dieses Thema wird uns alle befähigen, ein größeres Verständnis für die Bedeutung und Absicht Seiner Offenbarung zu gewinnen, »einer Offenbarung«, die - wie der Hüter schreibt - , »als Verheißung und krönende Herrlichkeit vergangener Zeitalter und Jahrhunderte begrüßt wird, als die Vollendung aller Sendungen im adamitischen Zyklus, die eine Ära von mindestens eintausendjähriger Dauer einläutet sowie einen Zyklus, dazu bestimmt, nicht weniger als fünftausend Jahrhunderte zu dauern, die das Ende des Prophetischen Zeitalters und den Beginn des Zeitalters der Erfüllung ankündigt, unübertroffen sowohl in der Dauer des irdischen Wirkens ihres Begründers als auch in der Fruchtbarkeit und dem Glanz Seiner Sendung...« Zu den Fragen, auf die ein derart konzentriertes Studium die Antwort liefern sollte, werden ganz ohne Zweifel die Frage nach der Bedeutung des Bahá'í-Bündnisses, nach seinem Ursprung und nach unserer Haltung ihm gegenüber gehören.
Beim Nachdenken über diese tiefgründigen Fragen ist uns die faszinierende Gestalt `Abdu'l-Bahás allzeit gegenwärtig - der Mittelpunkt des Bündnisses, das Geheimnis Gottes, das vollkommene Beispiel, dessen unfehlbare Auslegung der Heiligen Texte und dessen erleuchtende Anwendungsbeispiele für das persönliche Verhalten ein Licht auf eine Lebensführung werfen, der wir sorgsam zu folgen bestrebt sein müssen. Im Laufe des Sechsjahresplanes wird die 75-Jahr-Feier Seines Besuchs im Westen in angemessener Weise und mit Proklamationsprogrammen begangen. Gleichzeitig wird der 50. Jahrestag des ersten Siebenjahresplanes in Gesamt-Amerika gefeiert, der im Jahre 1937 auf Anregung Shoghi Effendis ins Leben gerufen wurde und der die Eröffnung der ersten Epoche des Göttlichen Planes kennzeichnet, indem er die systematische Ausführung von `Abdu'l-Bahás großem Plan zur geistigen Eroberung des Planeten in Gang setzte.
Große, wundervolle Aufgaben fordern uns wie nie zuvor heraus. Sie verlangen ebenso große und wundervolle Opfer, Hingabe und aufrichtige Treue von jedem unter uns. Gegenwärtig reicht der Internationale Bahá'í-Fonds überhaupt nicht aus, um die gewaltige, in all den vielfältigen Tätigkeiten der Bahá'í-Weltgemeinde jetzt erforderliche Erweiterung mittragen zu können. Der gerade abgeschlossene Bericht über den Siebenjahresplan bestätigt, daß wir fähig sind, den zunehmenden Anforderungen der Sache Gottes nachzukommen. Der Heldenmut der geliebten Freunde im Iran, die spontane Meldung von 3 694 ergebenen Pionieren auf unseren Aufruf zu diesem bedeutsamen Dienst, die unermüdliche Tätigkeit von Lehrern, Freunden in der Administration, örtlichen Gemeinden und einzelnen Gläubigen innerhalb des gesamten Organismus der embryonalen Weltordnung haben diese wachsende Armee des Lebens mit neuen Kräften und Fähigkeiten ausgestattet. Indem wir der Zukunft entgegenschreiten, dürfen wir Seiner stets gegenwärtigen Gnadenfülle und des schließlichen Erfolges unserer harten Arbeit zur Errichtung Seines Reiches in dieser aufgewühlten Welt völlig sicher sein.
Die Göttliche Frühlingszeit naht mit Eile, und alle Atome der Erde antworten dem pulsierenden Einfluß der Offenbarung Bahá'u'lláhs. Die Zeichen dieses neuen Lebens zeigen sich klar und deutlich im Fortschreiten der Sache Gottes. Indem wir - wenn auch nur in einer Momentaufnahme - das sich entfaltende Bild ihres Wachstums betrachten, können wir nur mit Erstaunen und Dankbarkeit die unwiderstehliche Kraft jener Allmächtigen Hand wahrnehmen, welche ihre Geschicke lenkt.
Dieses Voranschreiten der Sache Gottes ist in der Zeit des Siebenjahresplanes merklich schneller geworden, was durch die Vollendung vieler wichtiger Unternehmungen in der ganzen Bahá'í-Welt und durch einschneidende Entwicklungen am Herzen der Sache selbst bestätigt wird. Die Restaurierung des südlichen Flügels des Hauses von `Abdu'lláh Páshá und seine Öffnung für die Pilger, die Vollendung und Einweihung des Sitzes des Universalen Hauses der Gerechtigkeit, die Genehmigung der detaillierten Pläne für die verbleibenden Gebäude rund um den Bogen, die Erweiterung der Mitgliederzahl und der Verantwortungsbereiche des Internationalen Lehrzentrums und der Kontinentalen Beraterämter, die Einsetzung des Büros für soziale und wirtschaftliche Entwicklung und der Informationsstelle für Öffentlichkeitsarbeit, die Einweihung des Muttertempels des Pazifik und der sprunghafte Fortschritt beim Bau des Tempels in Indien, die Ausdehnung der Lehrarbeit überall in der Welt, die zur Bildung von dreiundzwanzig neuen Nationalen Geistigen Räten und fast 8 000 neuen örtlichen Geistigen Räten, zur Eröffnung von über 16 000 neuen Zentren und zur Aufnahme der Mitglieder von 300 neuen Volksstämmen in die Bahá'í-Weltgemeinde geführt hat, des weiteren die Herausgabe von 2 196 neuen Veröffentlichungen, worunter 898 Ausgaben Heiliger Texte sind, und die Bereicherung der Bahá'í-Literatur durch Publikationen in 114 neuen Sprachen, die Einleitung von 737 neuen Projekten zur wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung, die Eröffnung von drei neuen Rundfunksendern - drei weitere sollen in Kürze folgen -: dies alles sind die weithin sichtbaren Errungenschaften eines Planes, der als das Siegel der dritten Epoche des Gestaltenden Zeitalters in die Geschichte eingehen wird.
Die Eröffnung dieses Planes fiel zusammen mit dem Wiederaufleben der brutalen Verfolgung der Bahá'í-Gemeinde im Iran, einem vorsätzlich geplanten Versuch, die Sache Gottes in ihrem Ursprungsland auszutilgen. Die heldenhafte Standfestigkeit der persischen Freunde wurde zum Hauptauslöser für die enorme internationale Aufmerksamkeit, die sich auf die Sache Gottes richtete, sie schließlich auf die Tagesordnung der Vollversammlung der Vereinten Nationen brachte und bei weltweiter Publizität in allen Medien dazu führte, daß sie aus der Verborgenheit heraustrat, welche den ersten Abschnitt ihres Lebens bezeichnet und zugleich beschützt hatte. Dieser dramatische Vorgang bewog das Universale Haus der Gerechtigkeit, eine Friedenserklärung an die Völker der Welt zu richten und für deren Übergabe an die Staatsoberhäupter und den größten Teil der Regierenden zu sorgen.
Diese herausragenden Ereignisse wurden von einer beachtlichen Entfaltung des organischen Reifeprozesses der Institutionen der Sache begleitet. Die bei ihnen zu beobachtende Entwicklung von Leistungsfähigkeit und Verantwortung und die ihnen übertragene immer größere Selbständigkeit wurden durch die Ermutigung zu noch viel engerer Zusammenarbeit zwischen den Zwillingsarmen der administrativen Ordnung noch weiter gefördert. In diesem Entwicklungsprozeß gibt es jetzt einen großen Schritt vorwärts, wenn die Nationalen Geistigen Räte und die Berater zum erstenmal in gemeinsamer Beratung daran gehen, die nationalen Ziele eines internationalen Lehrplanes zu entwerfen. Gemeinsam müssen sie sie durchführen, gemeinsam müssen sie die weltweiten Ziele des Sechsjahresplanes erfüllen, so wie sie für jedes Land anzuwenden sind. Diese bedeutsame Entwicklung ist eine angemessene Eröffnung für die vierte Epoche des Gestaltenden Zeitalters. Sie leitet einen Prozeß ein, der zweifellos diese Epoche kennzeichnen wird, in der die nationalen Gemeinden an Kraft und Einfluß wachsen und fähig werden, in ihrem Land den Geist der Liebe und Einheit, der das Merkmal der Sache Gottes ist, zu verbreiten.
Zu den Zielen am Weltzentrum gehören die Veröffentlichung einer reich kommentierten englischen Übersetzung des Kitáb-i-Aqdas und zugehöriger Texte, die Erziehung der Bahá'í-Welt im Gesetz des Huqúqu'lláh, die Verfolgung der Pläne zum Bau der verbleibenden Gebäude auf dem Bogen am Karmel und die Verbreiterung der Grundlage für die internationalen Verbindungen des Glaubens.
Die Hauptziele des Planes auf Weltebene wurden den Nationalen Geistigen Räten und den Kontinentalen Beraterämtern zur gemeinsamen Beratung und Ergänzung bereits zugeschickt.
Liebe Freunde, während die Welt ihre dunkelste Stunde vor der Morgendämmerung durchläuft, drängt die immer heller strahlende Sache Gottes vorwärts zu jenem herrlichen Tagesanbruch, an dem das göttliche Banner entfaltet wird und die Nachtigall des Paradieses ihre Melodien schmettert.
Da wir nun das letzte Jahr des Siebenjahresplanes beginnen, müssen Vertrauen auf den Sieg und das wachsende Bewußtsein, daß wir uns dem Anfang eines neuen Abschnitts in der fortschreitenden Entwicklung des Glaubens nähern, Gefühle der Dankbarkeit und der ungeduldigen Erwartung im Herzen eines jeden Bahá'í wachrufen. Die siegreiche Erfüllung des Planes ist nun in Sicht, und bei seiner Vollendung mag die Gesamtheit all dessen, was erreicht wurde, uns alle in Staunen versetzen. Aber das bedeutende, das historische Merkmal des gegenwärtigen Entwicklungsabschnitts ist das Hervortreten des Glaubens aus der Verborgenheit, das durch das unerschütterliche Heldentum der ruhmreichen, unermüdlichen, inniggeliebten Bahá'í-Gemeinde im Geburtsland Bahá'u'lláhs und des Báb bewirkt wurde.
Diese dramatische Veränderung in der Stellung des Glaubens Gottes ereignet sich zu einem chaotischen Zeitpunkt der Weltgeschichte, da Staatsmänner, Führer und Leiter von Institutionen der Menschheit mit zunehmender Verzweiflung den Bankrott und die völlige Wirkungslosigkeit ihrer größten Anstrengungen erkennen, den Lauf des Verfalls aufzuhalten. Dies zwingt uns Bahá'í die Verpflichtung auf, uns erneut die Erklärung des geliebten Hüters vor Augen zu halten und tief darüber nachzudenken, daß »das Prinzip der Einheit der Menschheit - der Angelpunkt, um den alle Lehren Bahá'u'lláhs kreisen - ... eine organische strukturelle Veränderung der heutigen Gesellschaft verlangt, eine Veränderung, wie sie die Welt noch nicht erlebt hat.«
Die Anzeichen für ein in der Nicht-Bahá'í-Welt rasch wachsendes Bewußtsein, daß die Menschheit tatsächlich einen neuen Entwicklungsabschnitt erreicht hat, bieten uns Bahá'í völlig neue Gelegenheiten, um zu demonstrieren, daß die Bahá'í-Weltgemeinde »nicht nur der Kern, sondern das eigentliche Modell« jener Weltgesellschaft ist, die zu errichten Bahá'u'lláhs Ziel ist und auf die eine gequälte Menschheit - wenn auch größtenteils unbewußt - zustrebt.
Die Zeit ist gekommen, daß die Bahá'í-Gemeinde sich mehr am Leben der Gesellschaft um sie herum beteiligt, ohne dabei im geringsten die in der Welt bestehenden, todgeweihten, entzweienden Konzepte zu unterstützen oder im mindesten in ihren direkten Anstrengungen bei der Lehrarbeit nachzulassen. Vielmehr muß die Bahá'í-Gemeinde, indem sie sich mit anderen verbindet, ihren Einfluß in Richtung Einheit geltend machen; sie muß ihre Fähigkeit, Streitigkeiten eher durch Beratung als durch Konfrontation, Gewalttätigkeit oder Spaltung zu schlichten, unter Beweis stellen und ihren Glauben an den göttlichen Plan für das Dasein des Menschen verkünden.
Die Bahá'í-Jugend nutzt die Tatsache, daß die Vereinten Nationen das Jahr 1985 zum Jahr der Jugend ausgerufen haben, für ihren eigenen Feldzug aktiver Zusammenarbeit mit anderen Jugendgruppen, bei dem sie ihnen die Bahá'í-Ideale vermittelt und eine Zielvorstellung aufzeigt, wie sie die Welt zu gestalten beabsichtigt. Die Bahá'í-Gemeinde wird bei der krönenden Abschlußveranstaltung der Vereinten Nationen zum Jahrzehnt der Frau, die ebenfalls in diesem Jahr stattfindet, stark vertreten sein.
1986 ist zum Jahr des Friedens bestimmt worden, und die Bahá'í werden zu diesem Thema keineswegs schweigen oder sich zurückhalten. Schon jetzt plant das Haus der Gerechtigkeit eine Aktion, um den Regierungen und Führern der Welt und - durch die Bahá'í-Weltgemeinde - den nationalen und örtlichen Verwaltungsinstanzen und allen Teilen der vielgestaltigen Weltgesellschaft die Bahá'í-Vorstellung vom Frieden zu unterbreiten. Am besten jedoch und in der vielfältigsten Weise kann der Glaube in den örtlichen Bahá'í-Gemeinden dargeboten werden. Hier kann man das eigentliche Modell des Bahá'í-Lebens erkennen. Hier kann am deutlichsten sichtbar werden, wie die Macht Bahá'u'lláhs die menschlichen Angelegenheiten auf einer Basis geistiger Einheit ordnet. Jeder örtliche Geistige Rat, der in Einheit darum bemüht ist, größere Reife und eine wirksamere Arbeitsweise zu erlangen, und der seine Gemeinde ermutigt, ihre Bestimmung als grundlegender Baustein in der Weltordnung Bahá'u'lláhs zu erfüllen, kann dazu beitragen, daß das Interesse an der Sache Gottes bei den Leuten zunimmt und daß sie schließlich als die einzige Hoffnung für die Menschheit erkannt wird.
Überlegungen von solcher Art nehmen derzeit die Aufmerksamkeit des Universalen Hauses der Gerechtigkeit ernstlich in Anspruch. Die Einzelheiten ihrer Durchführung werden einen großen Teil des nächsten Planes ausmachen, der sofort auf die Vollendung des jetzigen folgen und sechs Jahre dauern wird. Indem wir den Siebenjahresplan erfüllen, unsere örtlichen Gemeinden festigen und vor allem unser Verständnis vom Ziel der Offenbarung Bahá'u'lláhs verstärken und vertiefen, bereiten wir uns ständig darauf vor, unseren Teil dazu beizutragen, daß das Leben der Menschheit auf diesem Planeten jene notwendige Umwandlung erfährt, durch die sie erst würdig wird, die Gnadengaben und Segnungen des Reiches Gottes auf Erden zu empfangen.
Das Heraustreten aus der Verborgenheit, das während der ersten fünf Jahre des Siebenjahresplanes so kennzeichnend für die Sache Gottes war, ist mit äußeren wie inneren Veränderungen einhergegangen, die sich auf die Bahá'í-Weltgemeinde auswirken. Nach außen hin gibt es Anzeichen, daß sich in der noch weitgehend uninformierten Öffentlichkeit ein immerhin freundliches Bild über die Sache herauskristallisiert; im Inneren erweist sich eine Zunahme an Reife und Vertrauen durch gestiegene administrative Fähigkeiten, durch den Wunsch, die Bahá'í-Gemeinden möchten für die Menschheit insgesamt Dienstleistungen erbringen, und durch ein tiefergehendes Verständnis der Bedeutung der göttlichen Botschaft für die Probleme der modernen Welt. Diese beiden Aspekte einer Wandlung müssen in Betracht gezogen werden, wenn wir jetzt in die dritte und letzte Phase des Siebenjahresplanes eintreten.
Das gerade auslaufende Jahr war überschattet durch die andauernde Verfolgung der Freunde im Iran. Sie wurden gezwungen, ihre Verwaltungsordnung aufzulösen, sie wurden gequält, enteignet, aus ihrer Arbeit entlassen, vertrieben, und ihren Kindern wurde die Ausbildung verweigert. Ungefähr 600 Männer, Frauen und Kinder befinden sich derzeit im Gefängnis, einigen ist jeder Kontakt mit ihren Freunden und Verwandten verboten, einige werden gefoltert, und alle werden unter Druck gesetzt, ihrem Glauben abzuschwören. Ihre heroische und beispielhafte Standhaftigkeit war die Hauptursache dafür, daß der Glaube aus dem Unbekanntsein herausgetreten ist, und ihre Herzen wurden getröstet, weil ihre Leiden nie dagewesene Fortschritte im Lehren bewirkt haben und die göttliche Botschaft einer Welt verkündet wird, die ihre heilende Kraft so dringend nötig hat. Dafür nehmen sie den letzten Dienst auf sich: das Märtyrertum. Unsere Verpflichtung liegt also kristallklar auf der Hand. Wir können sie jetzt nicht enttäuschen. Aufopferndes Handeln bei der Verbreitung und beim Vorantreiben der Sache Gottes muß jeder neuen Verfolgung, die bekannt wird, folgen. Dies sei unsere Botschaft der Liebe und der geistigen Verbundenheit an sie!
Im internationalen Bereich haben die geliebten Hände der Sache, für die unsere Liebe und unsere Bewunderung immer stärker zunehmen, auch weiterhin die Freunde aufgerichtet und ermutigt und die Einheit und das Vorandrängen der Armee des Lebens gefördert, wo immer es ihre Gesundheit erlaubte. Das von seinem Weltsitz aus arbeitende Internationale Lehrzentrum hat den Beraterämtern liebevolle und weise Führung gegeben. Sein Dienstbereich wurde durch die Übertragung neuer Verantwortlichkeiten und durch die Erhöhung der Anzahl seiner Berater-Mitglieder auf sieben enorm ausgedehnt. Die hingebungsvollen Dienste der Berater auf allen Kontinenten, die durch die Hilfsamtsmitglieder in hervorragender Weise unterstützt wurden, waren für die Förderung der geistigen Gesundheit und Reinheit der weltweiten Gemeinde von unendlichem Wert. Um dieses lebenswichtige Organ der Verwaltungsordnung weiter zu entwickeln, wurde der Beschluß gefaßt, für alle Hilfsamtsmitglieder eine Dienstzeit von fünf Jahren einzuführen, beginnend mit dem 26. November 1986. Die Arbeit der Internationalen Bahá'í-Gemeinde bei den Vereinten Nationen erbrachte die immer steigende Anerkennung unserer sozialen Standpunkte und Prinzipien, und in einigen Fällen, insbesondere in den Sitzungsperioden über die Menschenrechte, trat das Mitwirken der Bahá'í wiederum durch das Heldentum der persischen Freunde sehr eindrucksvoll zutage. Das Büro in Genf wurde verstärkt und zusätzlich Personal eingestellt, um die weiter zunehmenden Aktivitäten bewältigen zu können. Trotz gravierender Probleme ging der Bau der Häuser der Andacht in Indien und Samoa zufriedenstellend voran; das zuletzt genannte wird in der Zeit vom 30. August bis 3. September 1984 eingeweiht und für öffentliche Andachten eröffnet, wobei das Universale Haus der Gerechtigkeit durch die Hand der Sache Amatu'l-Bahá Ru.híyyih Khánum vertreten sein wird. Gleich nach der Internationalen Tagung zu Ridván vergangenen Jahres wurden zwei neue Nationale Geistige Räte gebildet: in Santa Lucia und in Dominica. Zwei neue Rundfunksender werden in diesem Jahr ihre Eröffnungssendungen ausstrahlen: Radio Bahá'í in Caracollo, Bolivien und WLGI, der Bahá'í-Sender im Louis-Gregory-Institut in den Vereinigten Staaten. In elf Ländern, die alle in der Dritten Welt liegen und von denen neun Inselstaaten sind, ist der Bevölkerungsanteil der Bahá'í inzwischen auf 1% oder mehr gestiegen.
Während der letzten Monate der zweiten Phase des Siebenjahresplanes haben die Gläubigen und Institutionen in großzügiger Weise auf einen Appell reagiert, der die steigenden Bedürfnisse des Internationalen Fonds aufgezeigt hatte. Wir vertrauen darauf, daß ständige und regelmäßige Spenden während der letzten Phase des Siebenjahresplanes ermöglichen werden, die Ziele und Vorhaben vollständig zu erfüllen.
Das Erscheinen der Sache Gottes auf der Weltbühne wurde offenkundig durch eine Reihe öffentlicher Erklärungen, die uns charakterisierten als »vorbildliche Staatsbürger«, als »liebenswürdig«, »gesetzestreu«, »nicht schuldig an irgendwelchen politischen Unruhen oder Verbrechen« - alles vortrefflich, aber völlig unzureichend in bezug auf das wirkliche Wesen des Glaubens, seine Zielsetzungen und Vorhaben. Immerhin sind die Leute bereit, etwas über den Glauben zu erfahren, und diese Gelegenheit muß ergriffen werden. Mit ständig steigende Anstrengungen müssen die führenden Persönlichkeiten der Welt in allen Lebensbereichen mit dem wahren Wesen der Offenbarung Bahá'u'lláhs als einzige Hoffnung für die Befriedung und Vereinigung der Welt vertraut gemacht werden. Zu einem solchen Programm brauchen wir den unablässigen, tatkräftigen Einsatz in der Lehrarbeit, so daß wir als wachsende Gemeinde erkannt werden, ferner das generelle Einhalten der Bahá'í-Gesetze im persönlichen Leben aller Freunde, wodurch die ganze Fülle des Bahá'í-Lebens aufgezeigt wird und das Verlangen entsteht, selbst daran teilzuhaben. Wenn all dies zusammenwirkt, wird das Bild, das sich die Öffentlichkeit vom Glauben macht, langsam aber stetig dessen wahrem Wesen immer ähnlicher.
Der steigende Eifer in der Erkundung neuer Dimensionen sozialer und wirtschaftlicher Entwicklung in der gesamten Bahá'í-Welt ist für unsere Hoffnungen herzerwärmend und erhebend. Sorgfältig und mit Weisheit gelenkt, werden diese Energien in der Gemeinde ohne Zweifel in eine neue Epoche der Konsolidierung und des Wachstums münden, die ihrerseits weitere vielfache Beachtung auf sich ziehen wird, so daß beide Formen des Wandels in der Bahá'í-Weltgemeinde zusammenwirken und sich gegenseitig vorwärtstreiben werden.
Ein Hauptelement in der erforderlichen behutsamen und weisen Führung ist die siegreiche Erfüllung des Siebenjahresplanes, wobei der Entwicklung und Stärkung der örtlichen Räte große Beachtung zu schenken ist. Sie müssen unter erheblichen Anstrengungen dazu ermutigt werden, ihren wichtigsten Aufgaben wie regelmäßige Sitzungen, Abhalten der Neunzehntagefeste und Einhalten der Heiligen Tage, Organisieren von Kinderklassen, Ermutigen zum gemeinsamen Gebet in der Familie, Verpflichtung zu Ausbreitungslehrprojekten, Verwaltung des Bahá'í-Fonds und ständige Ermutigung und Führung ihrer Gemeinden bei allen Bahá'í-Aktivitäten nachzukommen. Die Gleichberechtigung von Mann und Frau ist heutzutage noch nicht allgemein verwirklicht. In den Gebieten, in denen traditionsbedingte Ungleichheit noch immer die Entwicklung hemmt, müssen wir die Führung übernehmen und dieses Bahá'í-Prinzip praktizieren. Bahá'í-Frauen und -Mädchen müssen ermutigt werden, an sozialen, geistigen und administrativen Aktivitäten ihrer Gemeinde teilzunehmen. Die Bahá'í-Jugend, die an der Spitze der Armee des Lebens so beispielhaft und ergeben ihren Dienst leistet, muß ermutigt werden, gerade während sie sich selbst auf künftiges Dienen vorbereitet, ihre eigenen Pläne für die Lehrarbeit unter ihren Altersgenossen auszuarbeiten und durchzuführen.
Jetzt, da wir in die zweijährige Schlußphase des Siebenjahresplanes eintreten, freuen wir uns über die Bildung von neun neuen Nationalen Geistigen Räten: drei in Afrika, drei in Amerika, zwei in Asien und einer in Europa, womit wir eine Gesamtzahl von 143 erreicht haben. Fünf weitere müssen bis Ridván 1985 errichtet werden, und zwar Ciskei, Mali und Mosambik in Afrika sowie Cook-Inseln und West-Karolinen in Australasien. So wird der Plan mit mindestens 148 Nationalen Geistigen Räten seinen Abschluß finden. Dann müssen auch die bewilligten Pläne für die Vollendung des Bogens um die Monument-Gärten auf dem Berg Karmel vorliegen, die die Lage und Baupläne der übrigen drei auf diesem Bogen zu errichtenden Gebäude enthalten.
Ohne Zweifel wird der Fortschritt der Sache von jetzt an von einer immer intensiveren Beziehung zu den Organisationen, Aktivitäten, Institutionen und führenden Persönlichkeiten der Nicht-Bahá'í-Welt geprägt sein. Wir werden größeres Gewicht bei den Vereinten Nationen gewinnen, in Regierungsberatungen allmählich eine Rolle spielen, wir werden zur vertrauten Größe für die Medien, zum Gegenstand des Interesses für die Gelehrten werden und dabei unausweichlich den Neid erfolgloser Institutionen auf uns ziehen. Uns vorbereiten und antworten auf diese Situation müssen wir, indem wir uns ständig im Glauben vertiefen, unerschütterlich festhalten an seinen Prinzipien der Enthaltung von Parteipolitik und des Abbaus aller Vorurteile, und vor allem, indem wir zunehmend seine Grundwahrheiten und seine Bedeutung für die moderne Welt begreifen.
Dieser Ridván-Botschaft ist ein Aufruf für 298 Pioniere beigefügt, die sich in 79 nationalen Gemeinden niederlassen sollen, außerdem eine gesonderte Botschaft an jede der bestehenden 143 nationalen Gemeinden. Diese Mitteilungen stellen das Ergebnis intensiven Studiums und konzentrierter Beratung des Universalen Hauses der Gerechtigkeit und des Internationalen Lehrzentrums dar, sie setzen die Ziele und bezeichnen die Objekte, die jede nationale Gemeinde erwerben soll, so daß an Ridván 1986 dieser höchst bedeutsame Plan mit einem herrlichen Sieg abgeschlossen werden kann. Dieser Plan, der in eine Zeit beispielloser Verwirrung der Weltverhältnisse gefallen ist, wird für die Lebenskraft, den unaufhaltsamen Fortschritt und die sozial schöpferische Kraft der Sache Gottes zeugen, welche sich in scharfem Gegensatz von dem immer schnelleren Niedergang der Geschicke der Menschheit im allgemeinen abhebt.
Geliebte Freunde, die Segnungen und der Schutz, mit denen die Gesegnete Schönheit den noch kindlichen Organismus Seiner neuen Weltordnung in dieser stürmischen Periode des Übergangs und der Prüfungen pflegt und beschirmt, schenken reiche Zuversicht auf neue Siege, die auf jeden Fall kommen werden, wenn wir nur dem Pfade Seiner Führung folgen. Er belohnt unsere bescheidenen Anstrengungen mit Gnadengaben, die nicht nur der Sache Gottes den Fortschritt, sondern auch unseren Herzen Hoffnung und Glück bringen, so daß wir wirklich mit strahlendem und leuchtendem Antlitz unseren Nachbarn begegnen können, voll Vertrauen, daß durch unser jetziges Dienen jene selige Zukunft eintreten wird, die unsere Nachkommen erben werden in der Verherrlichung Bahá'u'lláhs, des Friedensfürsten, des Erlösers der Menschheit.
Die in den letzten zehn Jahren zu beobachtende Beschleunigung jener zwei vom geliebten Hüter beschriebenen Prozesse - Auflösung der alten Ordnung einerseits, Fortschritt und Festigung der neuen Weltordnung Bahá'u'lláhs andererseits - wird von künftigen Geschichtsschreibern vielleicht als eines der hervorstechendsten Merkmale dieses Zeitalters betrachtet werden. Ganz besonders bemerkenswert ist, daß diese Beschleunigung sich in allerjüngster Zeit noch zugenommen hat. Innerhalb wie außerhalb der Sache Gottes arbeiten starke Kräfte darauf hin, die beiden Zwillingsprozesse dieses bedeutungsvollen Jahrhunderts zu einem Höhepunkt zu bringen. Unter den vielen Anzeichen, die diesen Vorgang sichtbar machen, sind einerseits das stete Ansteigen von Gesetzlosigkeit, Terrorismus, Verwirrung im wirtschaftlichen Bereich, Unmoral und die durch die Zunahme von Vernichtungswaffen wachsende Gefahr zu nennen, andererseits die weltweite, göttlich bewirkte Ausdehnung und Festigung des Glaubens selbst und sein rasches Heraustreten ins Rampenlicht der Weltereignisse - ein Vorgang, der gekrönt wird vom wunderbaren Aufblühen des Berges Karmel, des Berges Gottes, dessen göttliche Frühlingszeit nun prachtvolle Blüten sprießen läßt.
Im Lauf der letzten fünf Jahre hat sich die historische Dialektik von Triumph und Unheil in der Sache Gottes in gleicher Weise bemerkbar gemacht. Die Armee des Lichtes hat den Verlust von sechs Händen der Sache Gottes und Wogen bitterer Verfolgung erlitten, welche erneut die leidgeprüfte Gemeinde im Iran umbrandet und zur Schleifung des Hauses des Báb, zur Zerstörung des Wohnsitzes der Vorfahren Bahá'u'lláhs in Tákur und zum Märtyrertod einer großen Anzahl tapferer Seelen geführt haben. Und doch haben diese unheilvollen Geschehnisse neue Kräfte in den Herzen der Freunde erweckt, die tiefen Wurzeln der Sache gestärkt und eine reiche Ernte an bemerkenswerten Siegen bewirkt. Die bedeutendsten sind der erfolgreiche Abschluß des Fünfjahresplanes und der Beginn des Siebenjahresplanes, der sich nun im letzten Jahr seiner zweiten Phase befindet, sowie eine noch nie dagewesene Proklamation des Glaubens bei Staatsoberhäuptern, Parlamenten und Abgeordneten, Ministern und hohen Beamten, führenden Denkern und bedeutenden Persönlichkeiten aus verschiedensten Berufsgruppen. Dies hat auch eine Änderung in der Haltung der Massenmedien bewirkt, die sich nun zunehmend an uns wenden, um Informationen über die Sache zu erhalten.
Neben diesen Geschehnissen müssen auch die weltweiten Gedenkveranstaltungen zur 50. Wiederkehr des Hinscheidens des Größten Heiligen Blattes genannt werden, ferner der Abschluß der Renovierung des oberen Stockwerks des Hauses von `Abdu'lláh Páshá, das gerade jetzt den ersten Besuchern zugänglich gemacht wurde, der Einzug des Universalen Hauses der Gerechtigkeit in seinen endgültigen Amtssitz, wodurch die bedeutende Prophezeiung aus dem Sendschreiben vom Karmel ein Stück weiter erfüllt worden ist, sowie der stetige Fortschritt bei der Errichtung des ersten Mashriqu'l-Adhkár der Pazifischen Inseln auf Samoa und des Muttertempels des indischen Subkontinents in Neu-Delhi.
Zu den herausragenden Zeichen im Bereich der Lehrarbeit und der Festigung gehören die anhaltend wirksamen Ergebnisse durch die Teilnahme von über 16 000 Gläubigen aus allen Teilen der Welt an den fünf Internationalen Konferenzen, die intensiven Lehrfeldzüge, die aktiv aus allen Schichten der Gemeinde unterstützt werden und die Begeisterung und das Potential der Jugend nützen, die Errichtung eines zweiten Rundfunksenders in Südamerika, die Wiederbildung der Nationalen Geistigen Räte von Uganda und Nepal und die Errichtung von neun neuen Nationalen Geistigen Räten, von denen zwei im Mai dieses Jahres gewählt werden; hierdurch erhöht sich die Gesamtzahl dieser sekundären Häuser der Gerechtigkeit auf 135.
Dies alles wird noch weit übertroffen von der Einheit im Handeln, die die Bahá'í-Weltgemeinde bei ihrem Bemühen erreicht hat, öffentliche Unterstützung für die innig geliebten, zutiefst bewunderten und grausam bedrängten iranischen Gläubigen zu gewinnen. Diese Einheit findet ihren Niederschlag auch in einem Strom von Spenden für den Fonds, um den Ausgleich zu schaffen für die früher so reichlich geflossenen Spenden der iranischen Freunde, und in einer Welle der persönlichen Hingabe, wie sie so weitgestreut noch selten beobachtet wurde und zu den höchsten Erwartungen für die Zukunft berechtigt.
Die wachsende Reife einer weltweiten Religionsgemeinschaft, die sich in all diesen Entwicklungen zeigt, kommt auch darin zum Ausdruck, daß mehrere nationale Gemeinden auf das soziale und wirtschaftliche Leben ihrer Länder einzuwirken beginnen, indem sie zum Beispiel private Grundschulen gründen, Radiosender einrichten, ländliche Entwicklungsprogramme betreiben und medizinische und landwirtschaftliche Vorhaben durchführen. Neben diesen ersten Ansätzen müssen die im Gefolge der iranischen Krise erworbenen unleugbaren Fähigkeiten im Umgang mit internationalen Organisationen, nationalen Regierungen und Massenmedien erwähnt werden - eben jenen Teilen der Gesellschaft, mit denen die Bahá'í-Gemeinde auf dem Weg zur Verwirklichung des Weltfriedens wird verstärkt zusammenarbeiten müssen.
Vor uns eröffnet sich ein weiter Horizont, erleuchtet durch die weltweit immer stärker in Erscheinung tretende Kraft des Glaubes, die Angelegenheiten der Menschheit zu ordnen. In diesem Licht können nicht nur die unmittelbar vor uns liegenden Aufgaben erkannt werden, sondern umrißhaft bereits neue Vorhaben und Unternehmungen, mit denen wir uns in Kürze werden beschäftigen müssen. Im Augenblick müssen wir die Ziele des Siebenjahresplanes erfüllen und jenen inneren geistigen Entwicklungen große Aufmerksamkeit schenken, die ihren Ausdruck in größerer Einheit der Freunde finden werden und darin, daß die Nationalen und örtlichen Geistigen Räte »einträchtig, energisch und effektiv« arbeiten, wie es der Hüter wünschte.
Wir zweifeln nicht, daß die Bahá'í-Weltgemeinde alle diese Aufgaben erfüllen und zu neuen Errungenschaften fortschreiten wird. Die von Bahá'u'lláh freigesetzten Kräfte sind den Anforderungen der Zeiten gewachsen. Deshalb können wir fest darauf vertrauen, daß der neue Energiestrom, der die Sache Gottes jetzt durchpulst, sie befähigen wird, den nächsten Herausforderungen zu begegnen, entsprechend ihrem Reifegrad, und soweit es ihre Mittel erlauben, die Entwicklung des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens der Völker unterstützen, mit all jenen Kräften, die zur Errichtung von Ordnung in der Welt führen, zusammenarbeiten, auf die Nutzung und den sinnvollen Einsatz moderner Technologien Einfluß nehmen und durch all diese Methoden das Ansehen und den Rang des Glaubens erhöhen und den Zustand der Menschheit insgesamt bessern.
Jetzt ist die Zeit zur Freude. Die Sonne Bahá'u'lláhs steigt am Himmel empor. Sie beleuchtet immer klarer den Kontrast zwischen der Finsternis, der Verzweiflung, den Enttäuschungen und Verwirrungen der Welt und der strahlenden Zuversicht und freudigen Gewißheit derer, die Ihn lieben. Erhebt Eure Herzen. Der Tag Gottes ist da.
Das soeben abgelaufene Jahr war von Triumphen geprägt, deren Bedeutung für die weitere Entwicklung der Sache Gottes noch gar nicht abzuschätzen ist und die zum großen Teil eine unmittelbare Folge des standhaften Heldenmutes der geliebten persischen Freunde gegenüber den grausamen Verfolgungen sind, die sie zu erdulden haben. Durch diese Ereignisse bieten sich so viele goldene Gelegenheiten des Lehrens und der weiteren Proklamation, daß, wenn sie beherzt und voller Begeisterung ergriffen werden, Neuerklärungen in großem Umfang und ein erhöhtes Ansehen des Glaubens überhaupt nicht ausbleiben können.
Der erfreuliche Fortschritt beim Bau des Mashriqu'l-Adhkárs in Indien und West-Samoa, die Eröffnung der zweiten Bahá'í-Hörfunksenders von Lateinamerika in Peru, die Einrichtung des europäischen Büros der Internationalen Bahá'í-Gemeinde in Genf, die ständigen Fortschritte in der zweiten Phase des Siebenjahresplanes, die ermutigende Ausweitung der systematischen Bahá'í-Kindererziehung, das Opfer und die großzügige Zuwendung finanzieller Mittel durch eine wachsende Zahl von Freunden - das alles sind Beweise der überreichen Bestätigungen, mit welchen Bahá'u'lláh die hingebungsvollen Bemühungen Seiner Geliebten auf der ganzen Welt belohnt. Die weltweite Aufmerksamkeit, die dem Glauben in den Medien zuteil wird und durch die sich die Tore für die Massenproklamation der göttlichen Botschaft weit aufgetan haben, und die verständnisvolle Art, wie in den höchsten Beratungsgremien der Menschheit darüber gesprochen wird, was auch zu entsprechenden Aktionen unabhängiger Regierungen und internationaler Behörden führt - das sind Vorgänge, für die es in der Bahá'í-Geschichte bisher keine Parallele gibt.
All dies, geliebte Freunde, verheißt Gutes für das kommende Jahr, das reich ist an Bahá'í-Ereignissen. Der fünfzigste Jahrestag des Hinscheidens des Größten Heiligen Blattes wird bei den fünf internationalen Konferenzen begangen werden; außerdem erscheint zu diesem Anlaß ein Buch, das im Weltzentrum zusammengestellt wurde und Texte über das Größte Heilige Blatt sowie etwa hundert von ihr geschriebene Briefe enthält. Der Umzug des Universalen Hauses der Gerechtigkeit in seinen endgültigen Amtssitz wird ebenfalls dieses Jahr stattfinden. Im November wird der fünfundzwanzigste Jahrestag des Hinscheidens unseres geliebten Hüters zugleich die Halbzeit des Siebenjahresplanes markieren, und am Ende des Jahres wird die fünfte internationale Tagung stehen, zu der die Mitglieder der Nationalen Geistigen Räte der ganzen Welt nach Haifa kommen werden, um das Universale Haus der Gerechtigkeit zu wählen.
Die hervorragende und unschätzbare Tätigkeit der geliebten Hände der Sache Gottes ist eine Quelle des Stolzes und der Freude für die gesamte Bahá'í-Welt. Die Übernahme weitergehender Verpflichtungen durch jedes Kontinentale Berateramt erweist sich als uneingeschränkter Erfolg, und wir sprechen dem Internationalen Lehrzentrum und allen Beratern unseren herzlichen Dank und unsere Bewunderung aus für den großen Beitrag, den sie in steigendem Maße für die Festigung und Entwicklung der embryonalen Weltordnung Bahá'u'lláhs leisten.
Was die Bahá'í-Jugend betrifft, die Erben der heldenhaften frühen Gläubigen, deren Werk sie nun weiterführen, so rufen wir sie auf, an diesem Tag des weitverbreiteten Interesses an der Sache Gottes ihre Anstrengungen zu verdoppeln, ihre Altersgenossen für die göttliche Botschaft zu begeistern und sich so selbst auf den Tag vorzubereiten, an dem sie altgediente Gläubige sein werden, fähig, jede Aufgabe anzunehmen, die ihnen auferlegt werden mag. Wir tragen diese Stelle aus der Feder Bahá'u'lláhs an sie heran:
»Gesegnet, wer sich in der Blüte seiner Jugend und am Mittag seines Lebens erhebt, der Sache des Herrn des Anfangs und des Endes zu dienen und sein Herz mit Seiner Liebe zu schmücken. Die Offenbarung einer solchen Gnade ist größer als die Erschaffung der Himmel und der Erde. Gesegnet sind die Standhaften und wohl steht es um die, die beständig sind.«
Die aufgehende Sonne der Offenbarung Bahá'u'lláhs übt jetzt sichtlich ihre Wirkung auf die Welt und auch auf die Bahá'í-Gemeinde aus. Jeder Gläubige, jeder örtliche und Nationale Geistige Rat trifft jetzt in ständig steigendem Maße auf lang erträumte, herausfordernde Gelegenheiten zum Lehren, begleitet von einem Regen der Bestätigungen. Der von `Abdu'l-Bahá ausgesäte, keimkräftige Same beginnt jetzt innerhalb der göttlich verordneten, von Shoghi Effendi dargelegten und fest begründeten Ordnung aufzusprießen. Die Menschheit ist fast in die Knie gezwungen; wir sehen sie verwirrt und hirtenlos, hungrig nach dem Brot des Lebens. Dies ist für uns der Tag des Dienstes; denn wir haben diese himmlische Nahrung anzubieten. Die Völker sind enttäuscht von unzulänglichen politischen Theorien, sozialen Systemen und Ordnungen; sie sehnen sich, bewußt oder unbewußt, nach der Liebe Gottes und der Vereinigung mit Ihm. Unsere Antwort auf diese wachsende Herausforderung muß eine mächtig anschwellende Woge wirksamen Lehrens sein, die das göttliche Feuer, welches Bahá'u'lláh in unseren Herzen entfacht hat, weitergibt, bis aus Millionen von Seelen, durch Seine Liebe entflammt, eine Feuersbrunst emporsteigt, als beredtes Zeugnis, daß der Tag, für den die vornehmsten Leuchten unseres Glaubens so innig gebetet haben, endlich angebrochen ist.
März 1981 - Naw-Rúz Botschaft
Die Erfolge der Eröffnungsphase des Siebenjahresplanes sind ein ermutigendes Zeugnis für die göttliche Fürsorge, durch die das Wachstum der Sache Gottes so liebevoll gestärkt und gestützt wird. Dieser junge Glaube, der während dieser zwei Jahre durch unerbittliche Feinde gequält und bekämpft wurde, der in rascher Folge ein Wechselbad von Krisen und Siegen erlebte und sich von dem wachsenden Aufruhr einer zerfallenden Welt umgeben sieht, hat sein Banner aufgepflanzt, seine Fundamente verstärkt und die Reichweite seiner administrativen Institutionen ausgedehnt.
Das Wiederaufleben der bitteren und barbarischen Verfolgung des Glaubens in seinem Geburtsland, der Aufstieg von fünf Händen der Sache Gottes in das Abhá-Königreich, die Verfinsterung der Horizonte der Welt durch die düsteren Schatten von Chaos und weltweiter Erschütterung, die die Lichter der Gerechtigkeit und Ordnung auslöschen, dies sind Faktoren, die Lage und Schicksal der Heerscharen Gottes in aller Welt hauptsächlich beeinflussen.
Die Bahá'í-Gemeinde in der Wiege des Glaubens, die Zeuge war von der Zerstörung ihres heiligsten Schreines, der Zwangsverwaltung ihrer heiligen Stätten, der Beschlagnahme ihrer Stiftungen und sogar ihres privaten Eigentums, des Märtyrertodes vieler ihrer Anhänger, der Inhaftierung und fortdauernden Haft der Mitglieder ihres Nationalen Geistigen Rates und anderer führender Persönlichkeiten ihrer Gemeinde ohne Prozeß oder Benachrichtigung, des Entzugs der Mittel zum Lebensunterhalt und der Schmähung und Verleumdung ihrer in Ehren gehaltenen Grundsätze - diese Gemeinde blieb unerschütterlich wie die Dawnbreakers von einst und erhob sich geistig geeint und standhaft als der Stolz und Ansporn der gesamten Bahá'í-Welt. Auf allen Kontinenten des Erdballs hat ihr Beispiel und ihre unglückliche Lage die Freunde dazu veranlaßt, den Namen Bahá'u'lláhs auf persönlicher und örtlicher Ebene und über alle Massenmedien zu verkünden wie nie zuvor. Die Bahá'í-Weltgemeinde ist durch ihre Vertreter bei den Vereinten Nationen und durch ihre Nationalen Geistigen Räte an Regierungen und führende Persönlichkeiten auf vielen Ebenen in aller Welt herangetreten und hat sie mit den Prinzipien und dem Wesen des Glaubens Gottes bekannt gemacht. Die Parlamente der Welt, ihre Bundesversammlungen und humanitären Einrichtungen haben dem Bahá'í-Glauben Beachtung geschenkt, in vielen Fällen haben sie ihm Unterstützung gewährt und ihre Sympathie zum Ausdruck gebracht.
Inmitten dieser zeit- und energieverzehrenden Aktivitäten für unsere geliebten persischen Brüder hat die Gemeinde des Größten Namens ihren Einsatz für die Ziele der Eröffnungsphase des Siebenjahresplanes nicht verringert, sondern mit steigender Aktivität noch vergrößert. Zu dem brennenden Wunsch der Freunde in aller Welt, ihre Liebe zu ihren Brüdern in Persien durch doppelten Einsatz bei der Lehrarbeit zu zeigen, kam als weiterer Ansporn zum Lehren der Verlust unserer geliebten Hände der Sache Gottes - ein Anstoß, der unterstützt wurde durch die Reisen jener teuren Hände, die noch in der Lage sind, den Gläubigen diesen Liebesdienst zu erweisen. Die lebenswichtige Institution des Berateramtes wurde in der Eröffnungsphase des Siebenjahresplanes durch die Erweiterung ihrer Grundlagen und das Zusammenlegen der dreizehn zonalen in fünf kontinentale Beraterämter deutlich gestärkt. Die Einführung einer festgelegten Amtszeit für die kontinentalen Berater - die schon bei den ersten Ernennungen ins Auge gefaßt war - bedeutete für die Institution eine weitere Entwicklung.
Der Bau des Sitzes des Universalen Hauses der Gerechtigkeit und der Tempel in Indien und Samoa ist weiter vorangeschritten. Sechs neue Nationale Geistige Räte werden zum kommenden Ridván neu gebildet; davon zwei in Afrika: in Südwestafrika/Namibia mit Sitz in Windhoek und in Bophuthatswana mit Sitz in Mmabatho; drei in Amerika: auf den Bermudas mit Sitz in Hamilton, auf den Leeward-Inseln mit Sitz in St. Johns, Antigua, und auf den Windward-Inseln mit Sitz in Kingstown, St. Vincent; sowie einer im Pazifik, und zwar in Tuvalu mit Sitz Funafuti. Der Nationale Geistige Rat von Uganda wird wieder gebildet. Zu den Nationalen Räten, die im Siebenjahresplan weiterhin zu bilden sind, wurden noch hinzugefügt: zwei in Afrika: in Äquatorial-Guinea mit Sitz in Malabo sowie in Somalia mit Sitz in Mogadishu, und einer in Asien für die Andamanen und Nikobaren mit Sitz in Port Blair.
Während der Eröffnungsphase war ein Anwachsen der Gesamtzahl der Geistigen Räte und Gruppen zu verzeichnen, und in allen Teilen der Welt haben die Bahá'í-Gemeinden größere Einigkeit und Reife bei ihren gemeinsamen Aktivitäten gezeigt.
Die nun beginnende zweite Phase des Siebenjahresplanes wird drei Jahre dauern, und danach kommt die abschließende Phase von zwei Jahren, die zu Ridván 1986 endet. Der 25. Jahrestag des Hinscheidens unseres geliebten Hüters fällt in das zweite Jahr der zweiten Phase dieses Planes, das gleiche Jahr bringt auch den 50. Jahrestag des Hinscheidens des Größten Heiligen Blattes. Das Universale Haus der Gerechtigkeit plant, Briefe, die an das Größte Heilige Blatt gerichtet waren, Aussagen von Bahá'u'lláh, `Abdu'l-Bahá und dem geliebten Hüter über sie sowie ihre eigenen Briefe in einer Zusammenstellung herauszugeben.
Alle Nationalen Geistigen Räten haben die Ziele, die ihren Gemeinden für die zweite Phase zugeordnet wurden und für deren Durchführung die Bahá'í-Weltgemeinde nunmehr gut gerüstet ist, bereits erhalten. Zu den wichtigsten Entwicklungen, die für diese Phase vorgesehen sind, gehören:
der Einzug des Universalen Hauses der Gerechtigkeit in seinen ständigen Amtssitz auf dem Bogen an den Hängen des Karmel,
die Fertigstellung des Tempels in Samoa und weiterer Fortschritt bei den Arbeiten am Haus der Andacht in Indien,
Weiterentwicklung der Aufgaben des Internationalen Lehrzentrums und der Beraterämter unter besonderer Berücksichtigung der Förderung des geistigen, intellektuellen und sozialen Lebens der Bahá'í-Gemeinde,
die Durchführung von fünf Internationalen Konferenzen in den ersten neun Monaten des Jahres 1982, und zwar in Lagos, Nigeria; Montreal, Kanada; Quito, Ecuador; Dublin, Irland; und Manila auf den Philippinen. Die letzte dieser Konferenzen findet auf der Mitte einer Achse statt, auf die der geliebte Hüter hinwies und deren Pole Japan und Australien bilden.
Vorbereitung des Bauplanes für das erste Nebengebäude des Europäischen Mashriqu'l-Adhkár, eines Altenheimes, und eine Erhöhung der Anzahl nationaler und örtlicher .Ha.zíratu'l-Quds. Letztere, die hauptsächlich in ländlichen Gebieten liegen werden, sollen durch den Einsatz der dortigen Freunde erworben oder gebaut werden.
Erwerb von sechs neuen Tempelgeländen - fünf in Afrika und eines in Australasien - und von fünf neuen nationalen Stiftungen: vier in Afrika und eine in Amerika.
Gründung von zwei Verlagen: einer an der Elfenbeinküste und einer in Nigeria.
Eine starke Zunahme der Produktion von Bahá'í-Literatur in immer mehr Sprachen. Zielsetzung ist dabei letztlich, daß jeder Gläubige in der Welt einen gewissen Bestand an heiligen Texten in seiner eigenen Sprache vorliegen hat.
Fertigstellung von drei weiteren Radiostationen in Südamerika.
Der Entwicklung und Festigung der örtlichen Geistigen Räte auf der ganzen Welt große Aufmerksamkeit schenken.
Entwicklung des Bahá'í-Gemeindelebens mit besonderem Blick auf die Bahá'í-Kindererziehung und die geistige Bereicherung der Gemeinden.
Die Niederlassung von 279 Pionieren in 80 Ländern während des ersten Jahres der zweiten Phase.
Großzügige und erhöhte Spenden für die verschiedenen Fonds des Glaubens werden erforderlich sein, wenn die oben angeführten Aufgaben erfolgreich durchgeführt werden sollen. Des weiteren wird das nun zu beobachtende Hervortreten unseres geliebten Glaubens aus der Verborgenheit notwendigerweise neue Projekte mit sich bringen, die große Anforderungen an die Fonds stellen werden. Das in den letzten Jahren in aller Welt gewachsene Bewußtsein der Freunde, daß die Fonds des Glaubens wirklich das Lebensblut für seine Aktivitäten sind, ist ein ermutigendes Zeichen für die Zukunft. Wir sind sicher, daß dieses Bewußtsein weiter wachsen wird, daß noch mehr Nationale Geistige Räte große Fortschritte in bezug auf ihre finanzielle Unabhängigkeit machen werden, daß nationale Budgets eingehalten werden und der nationale Bahá'í-Fonds einen ständig steigenden Spendenzustrom erhält, damit dieser Fonds mit den ebenfalls ständig steigenden internationalen Erfordernissen des Glaubens Schritt halten kann.
Liebe Freunde, die Welt treibt immer tiefer ins Zentrum der Finsternis, während ihre alte Ordnung aufgerollt wird. Beim Verfolgen unserer Ziele mit Zuversicht, Optimismus und unerschütterlichem Entschluß dürfen wir niemals vergessen, daß der Dienst, den wir leisten, ein geistiger Dienst ist. Die Menschheit schmachtet unter dem Fehlen wahrer Religion, und genau diese haben wir, um sie der Menschheit anzubieten. Die Liebe Gottes, die sich im Erscheinen Bahá'u'lláhs manifestiert hat, wird die hungrigen Seelen der Welt nähren und die Völker allmählich aus dem augenblicklichen Sumpf in die planvolle, aufbauende, seelenstärkende Aufgabe der Errichtung des Reiches Gottes auf Erden hineinführen.
21. März 1980 - Naw-Rúz-Botschaft
Die erfolgreiche Inangriffnahme des Siebenjahresplanes und die im ersten Jahr seiner Eröffnungsphase gemachten Fortschritte lindern in gewissem Maß das Unheil und die Trübsal, die im vergangenen Jahr den sich durchringenden Glauben Gottes bestürmt haben. Die in der Wiege unseres Glaubens gegen uns gerichtete jüngste Verfolgungswelle ist durch den göttlichen Ratschluß noch gesteigert worden und sucht die gesamte Bahá'í-Weltgemeinde heim. Auf dem Höhepunkt ihrer hervorragenden Leistungen für den Glauben Gottes und in der kurzen Spanne von zwanzig Wochen wurden drei der Hauptsachwalter der keimhaften Weltordnung Bahá'u'lláhs, die Hände der Sache Gottes Enoch Olinga, Rahmatu'lláh Muhájir und .Hasan Balyúzí ins Königreich Abhá abberufen und ließen uns alle verwaist und erschüttert über die ungeheure Größe unseres Verlustes und die bestürzende Grausamkeit der Begleitumstände bei der Ermordung unseres lieben Enoch Olinga und der Mitglieder seiner Familie zurück.
Im Iran hat die Verwirrung, die das ganze Land erfaßt, den grimmigen, hartnäckigen Feinden des Glaubens den Weg geebnet, um ihrem fanatischen Haß zu frönen. Das Heilige Haus des Báb wurde zerstört, und es tauchten Pläne auf, diese Stätte für immer zu vernichten. Das Síyáh-Chál und das Haus von Bahá'u'lláh in Teheran wurden ebenso wie alle anderen Heiligen Stätten und Besitztümer beschlagnahmt. Ein Mitglied des Nationalen Geistigen Rates und zwei des örtlichen Geistigen Rates von Teheran wurden entführt; das Verbleiben von zwei der Entführten ist immer noch unbekannt; der Dritte ist im Gefängnis. Auch ein Berater und einige Freunde, die dem Nationalen Sekretariat angehörten oder Mitglieder des örtlichen Geistigen Rates von Teheran waren, wurden ins Gefängnis gesteckt. Die Bahá'í wurden hart bedrängt, ihren Glauben zu verleugnen, und in einem Fall beschritt ein Gläubiger, der dies ablehnte, den glorreichen Pfad des Märtyrertums und wurde hingerichtet. Neben alledem wurde eine Kampagne von Verleumdungen und falschen Anschuldigungen gegen die Freunde mit der Absicht geführt, sie zu den Vogelfreien eines zügellosen Gesindels zu machen.
Und doch liegt, wie seit eh und je in der Sache Gottes, die heilsame Wirkung des Wechselspiels von Unheil und Triumph klar vor Augen. Der unerschütterliche Glaube der innig geliebten, hartgeprüften und allezeit standhaften persischen Bahá'í-Gemeinde hat durch die heldenhafte Haltung und das Beispiel ihres Nationalen Geistigen Rates, unterstützt und angefeuert durch die Berater und ihre Hilfsamtsmitglieder, eine geistige Neubelebung der geliebten Freunde bewirkt. Wie ein Mann sind sie geeint, bilden eine Frontlinie leuchtender Geistigkeit und Unerschütterlichkeit und erscheinen, wie ein Beobachter berichtet, wie eine gewaltige Gemeinschaft eifriger, erhobener und strahlender neuer Gläubiger.
Die Wirkung ihrer Antwort auf die Leiden, die sie von allen Seiten bedrängen, blieb nicht auf ihr Heimatland beschränkt. Vom fernsten Osten bis zum äußersten Westen, von Pol zu Pol - wo immer das Banner Bahá'u'lláhs gehißt worden ist - spüren die Freunde den Drang zum Opfer und haben sich erhoben, um jenen großen Anteil an der Arbeit des Glaubens auf dem Gebiet der Lehrarbeit, des Pionierens und des finanziellen Beitrages zu übernehmen, den die persischen Freunde einstweilen nicht länger tragen können.
Die wunderbare Liebe, die überall in den Herzen der Bahá'í durch das plötzliche und vorzeitige Hinscheiden der geliebten Hände der Sache Gottes entfacht wurde, hat die Gläubigen dazu bewegt, sich erneut mit verstärkter Inbrunst und Selbstaufopferung der Förderung jener Arbeit zuzuwenden, der alle Hände der Sache Gottes ihr Leben geweiht haben.
Die weltweite Reaktion der Freunde auf diese Tragödie ist umso ermutigender in Anbetracht der klaren Warnungen, die von `Abdu'l-Bahá und dem geliebten Hüter über die heftige und weitverbreitete Feindseligkeit ausgesprochen wurden, die das verstärkte Wachstum der Sache Gottes auf den Plan rufen wird. Hieran gibt es keinen Zweifel. Shoghi Effendi machte auf das »Ausmaß und den Charakter der Mächte« aufmerksam, »die dazu bestimmt sind, mit Gottes heiligem Glauben zu kämpfen«, und untermauerte seine Beweisführung mit diesen prophetischen und unheilverkündenden Worten `Abdu'l-Bahás: »Wie groß, wie überaus groß ist diese Sache! Wie heftig wird der Angriff aller Völker und Geschlechter der Erde. Bald wird nah und fern das Geschrei der Massen in ganz Afrika, ganz Amerika, der Kampfruf der Europäer und der Türken, das Murren Indiens und Chinas zu hören sein. Wie ein Mann und mit all ihrer Macht werden sie sich erheben, um Seiner Sache zu widerstehen. Dann werden die Ritter des Herrn mit dem Beistand Seiner Gnade aus der Höhe, gestählt im Glauben, unterstützt durch die Macht der Erkenntnis und verstärkt durch die Legionen des Bündnisses, sich erheben und die Wahrheit des Verses offenbaren: ,Sehet die Verwirrung, welche die Scharen der Besiegten befallen hat!`«
Der geliebte Hüter schrieb ausführlich über dieses Thema und seinen unvermeidlichen Ausgang: »So ungeheuer der Kampf auch ist, den Seine Worte erahnen lassen, bezeugen sie doch auch den vollständigen Sieg, den die Vorkämpfer des Größten Namens letztlich erreichen werden.«
Jetzt ist es deshalb unsere heilige Pflicht, unsere Freiheit dort, wo wir sie haben, in höchstem Maße zu nutzen und die Sache Gottes zu verbreiten, solange wir noch dürfen. Der sicherste Weg, dies zu tun und das Wohlgefallen Bahá'u'lláhs zu gewinnen, besteht darin, mit Hingabe und unnachgiebigem Eifer die Ziele eines jeden Planes, der gerade in Kraft ist, zu verfolgen; denn Bahá'u'lláh hat erklärt: »Mir zu helfen heißt, Meine Sache zu lehren.«
Mit dem Siebenjahresplan wurde ein guter Anfang gemacht. Im Weltzentrum des Glaubens wurde die Errichtung des Sitzes des Hauses der Gerechtigkeit ohne Unterbrechung vorangetrieben, das Haus von `Abdu'lláh Páshá wurde repariert und erneuert, die Gärten um das .Haram-i-Aqdas in Bahjí wurden weiter vergrößert, und eine allgemeine Neustrukturierung der Arbeit im Weltzentrum wurde in Angriff genommen, um dessen ständig wachsenden Anforderungen gerecht zu werden und von den allerneuesten technischen Errungenschaften Gebrauch zu machen.
Der Enthusiasmus, mit dem die Freunde überall die Eröffnung des Siebenjahresplanes begrüßten und sich rüsteten, um die Ziele der ersten Zweijahresphase zu erreichen; ihr großzügiger und opfervoller Spendenstrom und die zuversichtlichen und anhaltenden Bemühungen, um die beiden geheiligten Unternehmungen voranzutragen, die auf dem indischen Subkontinent und im Herzen des weiten Pazifischen Ozeans begonnen wurden; die ständigen Aktivitäten der Internationalen Bahá'í-Gemeinde zur Verbesserung ihrer Beziehungen zu den Vereinten Nationen; die starke Zunahme von Bahá'i-Kinderklassen und schließlich die unzählbaren Siege, die auf dem Felde des Lehrens errungen wurden und ihren Niederschlag darin finden, daß die weltweite Gemeinde des Größten Namens jetzt in über 106 000 Orten vertreten ist - dies alles bezeugt auf internationalem Gebiet die unangreifbare und in der Tat ständig wachsende Stärke der Sache Gottes.
Die Anzahl der Pioniere und Reiselehrer, die während des ersten Jahres des Siebenjahresplanes das Feld betreten haben, und der zahlenmäßige Anstieg der nationalen Gemeinden, die Pioniere aussenden, sind höchst ermutigend. Dieser Strom von Pionieren und Reiselehrern muß verstärkt und noch breiter gestreut werden, und wir hoffen inbrünstig, daß mindestens alle jene Pioniere, die zur Erfüllung der Ziele der ersten Phase des Siebenjahresplanes benötigt werden, an Ridván 1981 auf ihrem Posten sein werden.
Der Sache Gottes wurde auf dem Gebiet der Proklamation eine noch nie dagewesene Publizität zuteil, hauptsächlich als Ergebnis der Verfolgungen im Iran. In Südamerika wurden zusätzlich bedeutende Fortschritte in der Bahá'í-Rundfunkarbeit erzielt, wo die Reichweite von Radio Bahá'í in Otavalo, Ecuador, durch Kurzwellenübertragungen stark ausgedehnt wurde und wo jetzt in Puno, Peru, am Ufer des Titicacasees eine neue Station errichtet wird. Diese beiden Errungenschaften eröffnen unschätzbare neue Möglichkeiten für Lehrarbeit, Proklamation und Festigung der Sache Gottes in diesem Gebiet.
In 88 Sprachen der Welt wurde das Angebot an Bahá'í-Literatur erweitert, und es sind drei neue Sprachen hinzugekommen, so daß sich die Gesamtzahl der Sprachen, in denen Bahá'í-Literatur zur Verfügung steht, auf 660 erhöht hat.
An Ridván 1980 wird der Nationale Geistige Rat der Transkei mit Sitz in Umtata gebildet. Zu Ridván 1981 werden sechs weitere Nationale Geistige Räte gebildet, davon zwei in Afrika: Namibia mit Sitz in Windhoek und Bophuthatswana mit Sitz in Mabatho; drei in Amerika: die Leeward-Inseln mit Sitz in St. John's, Antigua, die Windward-Inseln mit Sitz in Kingstown, St. Vincent, sowie Bermuda mit Sitz in Hamilton; und einer in Australasien: Tuvalu mit Sitz in Funafuti. Mit großer Freude geben wir die Wiederbildung des Nationalen Geistigen Rates von Uganda bekannt, die an Ridván 1981 stattfinden wird.
Im Verlauf des kommenden Jahres wird das Universale Haus der Gerechtigkeit in Beratung mit dem Internationalen Lehrzentrum die Erfolge der Eröffnungsphase begutachten und daraufhin allen Nationalen Geistigen Räten die Ziele bekanntgeben, die sie im nächsten Abschnitt des Siebenjahresplanes verfolgen sollen.
Die Nationalen Geistigen Räte werden dringend gebeten, während dieses letzten Jahres der Eröffnungsphase ihre Bemühungen fortzusetzen, in würdevoller Weise und mit Weisheit an prominente Persönlichkeiten aus allen Gebieten menschlichen Wirkens heranzutreten, um sie mit dem Wesen und dem Geist unseres Glaubens vertraut zu machen und ihre Achtung und Freundschaft zu gewinnen. Gleichzeitig müssen ständig nachhaltige Lehrfeldzüge organisiert werden, um immer direkter und möglichst großen Hörerkreisen die Existenz und die grundlegenden Lehren des Glaubens Gottes zu verkünden. Da alle menschlichen Anstrengungen, die alte Ordnung zu flicken, nur in immer größere Verwirrung münden, ist jetzt die Zeit gekommen, ständig und in aller Offenheit den Anspruch des Glaubens und die erlösende Macht Bahá'u'lláhs zu verkünden.
Die außerordentliche Schwungkraft, die am Anfang des Planes erzeugt wurde und die jetzt die Bahá'í-Weltgemeinde weiter vorantreibt, die unmittelbaren Ziele der Eröffnungsphase zu erreichen, muß aufrechterhalten und noch weiter beschleunigt werden, so daß für das geistige Leben der Gemeinde feste Grundlagen gelegt werden und sie ihre Kräfte für die Bewältigung der besonderen Aufgaben sammelt, die ihr im Hauptteil des Planes gestellt werden.
Unsere Herzen schlagen voll Liebe und Bewunderung für die Freunde im Iran und in Dankbarkeit für die Gläubigen in aller Welt, die spontan ihre verfolgten Brüder verteidigten und eine Last auf ihre Schultern nahmen, die unter allen Umständen getragen werden muß.
21. März 1979 - Naw-Rúz-Botschaft
Der Verfall religiöser und moralischer Schranken hat einen wütenden Sturm aus Chaos und Verwirrung entfesselt, der bereits Anzeichen weltweiter Anarchie aufweist. Die Bahá'í-Weltgemeinde, die in diesen Strudel hineingezogen wird und mit unverletzbarer Einheit und geistiger Kraft ihrer erlösenden Aufgabe nachgeht, leidet zwangsläufig auch unter der Zerrüttung des wirtschaftlichen, sozialen und bürgerlichen Lebens mit, die ihre Mitmenschen auf dem ganzen Planeten heimsucht. Sie muß außerdem ganz besondere Leiden ertragen. Die heftigen Unruhen in Persien, die zeitlich mit dem Einbringen der gnadenreichen Ernte des Fünfjahresplanes zusammenfallen, brachten unseren leidgeprüften Brüdern in der Wiege des Glaubens neue und grausame Drangsale und konfrontierten die Bahá'í-Weltgemeinde mit ernsten Herausforderungen an ihr Leben und ihr Werk. Während die Bahá'í-Welt kurz vor ihrem Siege stand und schon voll Spannung die nächste Etappe zur Entfaltung des Göttlichen Planes des Meisters erwartete, wurden Bahá'u'lláhs heldenhafte Landsleute, die Treuhänder der Heiligen Stätten unseres Glaubens in dessen Geburtsland, wieder einmal dazu berufen, die Wut des brutalen Pöbels, das Plündern und Abbrennen ihrer Häuser, die Zerstörung ihrer Existenzmittel und körperliche Gewalttaten und Morddrohungen, mit denen man sie zum Widerrufen ihres Glaubens zwingen wollte, zu ertragen. Wie ihre unsterblichen Vorfahren, die Dawn-Breakers, stehen sie diesen neuen Verfolgungen und der allgegenwärtigen Drohung organisierter Ausrottung mit unerschütterlicher Standfestigkeit gegenüber.
Wenn wir daran denken, daß während des Fünfjahresplanes die persischen Freunde jede andere nationale Gemeinde in der Entsendung von Pionieren und Geldmitteln weit übertrafen, haben wir in allen jenen Teilen der Welt, wo wir noch frei sind, die Sache Gottes voranzutragen, die Verantwortung, jeden Dienst zu erbringen, zu dem sie vorläufig nicht in der Lage sind.
Darum müssen wir uns erhobenen Herzens, mit strahlendem Glauben und mit verdoppelter Kraft erheben, um unsere mächtige Aufgabe zu verfolgen im Vertrauen darauf, daß der Herr der Heerscharen weiterhin unsere Bemühungen mit der gleichen überreichen Gnade belohnen wird, die er uns im Fünfjahresplan gewährte.
Die Lehrerfolge in diesem Plan waren in der Tat großartig; die Lichtpunkte, jene Orte, an denen der Verheißene erkannt wird, sind von neunundsechzigtausendfünfhundert auf über sechsundneunzigtausend gestiegen. Die Zahl der örtlichen Geistigen Räte wuchs von siebzehntausend auf über fünfundzwanzigtausend an. Achtzehn neue Nationale Geistige Räte wurden gebildet. Der Abschlußbericht wird das Ausmaß der gewonnenen Siege in ihrer Mannigfaltigkeit aufzeigen.
Die Bahá'í-Gemeinde hat auf der Welt, im ganzen gesehen, jetzt festen Fuß gefaßt. Die Institution der Hände der Sache Gottes, jener Hauptsachwalter der embryonalen Weltgemeinschaft Bahá'u'lláhs, trägt eine kostbare Frucht in der Entwicklung des Internationalen Lehrzentrums als einer kraftvollen Institution am Weltzentrum des Glaubens, einer Institution, die durch die Mitgliedschaft aller Hände der Sache gesegnet ist und deren wohltuender Einfluß durch die Kontinentalen Beraterämter, die Mitglieder des Hilfsamtes und ihre Assistenten in alle Teile der Bahá'í-Gemeinde ausströmt.
Von diesem lebenswichtigen Arm der administrativen Ordnung beraten, angeregt und unterstützt, sammeln die 125 Nationalen Geistigen Räte rasch Erfahrung und erlangen Weisheit bei der Handhabung der gesamten Angelegenheiten ihrer jeweiligen Gemeinden als organische Teile einer weltweiten Gemeinschaft. Immer mehr örtliche Geistige Räte sind in jedem Land dabei, starke Mittelpunkte der örtlichen Bahá'í-Gemeinden und feste Pfeiler ihres Nationalen Geistigen Rates zu werden. Selbst in den Ländern, in denen die Bahá'í-Administration nicht arbeiten kann oder aufgelöst werden mußte - zu diesen Ländern sind nun auch Afghanistan, die Kongo-Republik, Niger, Uganda und Vietnam hinzugekommen - , halten die Gläubigen, obwohl sie ihrer Regierung gehorsam sind, dennoch die Flamme des Glaubens getreulich am Leben.
Abgesehen von dieser Ausweitung der Gemeinde - die allerdings lebenswichtig ist - brachte der Fünfjahresplan auch große Fortschritte in der geistigen Entwicklung der Freunde, in wachsender Reife und Weisheit bei örtlichen und Nationalen Räten und in dem Ausmaß, in dem Bahá'í-Gemeinden die unterscheidenden Merkmale des Bahá'í-Lebens verkörpern und durch ihre Einigkeit, ihre Standhaftigkeit, ihre Ausstrahlung und ihren guten Ruf die Aufmerksamkeit und schließlich die aufrichtige Unterstützung ihrer Mitbürger für sich gewinnen. Dies ist der Magnet, der die Massen zur Sache Gottes hinziehen, und der Sauerteig, der die menschliche Gesellschaft verwandeln wird.
Der Zustand der Welt setzt den Anhängern Bahá'u'lláhs Hindernisse entgegen und bietet ihnen andererseits günstige Gelegenheiten. In immer mehr Ländern sind wir Zeuge der Erfüllung von Warnungen, die in den Schriften unseres Glaubens enthalten sind. »Völker, Nationen, Anhänger der verschiedenen Glaubensrichtungen«, schrieb der geliebte Hüter, »werden sich gemeinsam und nacheinander erheben, um seine Einheit zu zerschlagen, seine Kraft zu untergraben und seinen heiligen Namen herabzusetzen. Sie werden nicht nur gegen den Geist vorgehen, den er vermittelt, sondern auch gegen die Verwaltungsordnung, die Kanal, Werkzeug und Verkörperung dieses Geistes ist. Denn je mehr die Autorität, mit der Bahá'u'lláh das künftige Bahá'í-Gemeinwesen ausgestattet hat, in Erscheinung tritt, desto heftiger werden Anfechtungen aus allen Richtungen auf die darin enthaltenen Wahrheiten geschleudert werden.« Gerade jetzt erleben die Anhänger Bahá'u'lláhs in verschiedenen Ländern in unterschiedlichem Ausmaß solche Angriffe und blicken lieber der Gefangenschaft und selbst dem Märtyrertum ins Auge, als daß sie die Wahrheit verleugneten, um deretwillen der Báb und Bahá'u'lláh den Kelch des Opfers geleert haben.
In anderen Ländern, zum Beispiel in Westeuropa, müssen sich die treuen Gläubigen abmühen, die Botschaft trotz weitverbreiteter Gleichgültigkeit, materialistischer Selbstzufriedenheit, Zynismus und moralischer Entartung zu vermitteln. Diese Freunde haben jedoch noch immer die Freiheit, in ihren Heimatländern den Glauben zu lehren, und sie fahren trotz der entmutigenden Dürftigkeit der sichtbaren Ergebnisse fort, ihren Mitbürgern die Botschaft Bahá'u'lláhs zu verkünden, der Sache Gottes in den Augen der Öffentlichkeit großes Ansehen zu verschaffen, führende Denker und jene, die die Macht in Händen haben, mit deren wirklichen Grundlehren bekannt zu machen, und sie scheuen keine Mühe, in jeder Stadt und jedem Dorf jene empfangsbereiten Seelen zu finden, die auf den göttlichen Ruf antworten und ihr Leben in dessen Dienst stellen werden.
In vielen Ländern werden jedoch die Lehren des Glaubens begierig aufgenommen. Die ganz besondere Aufgabe für die Bahá'í ist, diese Tausende von suchenden Seelen so rasch wie möglich mit der geistigen Nahrung zu versorgen, die sie dringend benötigen, sie zur Mitarbeit unter dem Banner Bahá'u'lláhs zu gewinnen, sie zu der von Ihm offenbarten Lebensweise zu erziehen und sie dazu anzuleiten, örtliche Geistige Räte zu wählen, welche, sobald sie kraftvoll zu funktionieren beginnen, die Freunde zu fest begründeten Bahá'í-Gemeinden vereinen und sich zu Leitsternen der Führung und zu Zufluchtsorten für die Menschheit entwickeln.
Angesichts einer solchen Situation der Gefahr und der Chance richten die Bahá'í voll Vertrauen in den schließlichen Triumph von Gottes Absicht für die Menschheit ihre Augen auf die Ziele des neuen Siebenjahresplanes.
Im Heiligen Land muß die Stärkung des Weltzentrums und die Zunahme seines weltweiten Einflusses weitergehen:
- Der Sitz des Universalen Hauses der Gerechtigkeit wird fertiggestellt, und für die verbleibenden drei Gebäude des administrativen Weltzentrums des Glaubens werden die Entwürfe verabschiedet.
- Die Institution des Internationalen Lehrzentrums wird weiterentwickelt und seine Aufgaben erweitert werden. Dadurch wird sich seine Mitgliederzahl erhöhen müssen, und auf das Internationale Lehrzentrum ebenso wie auf die Kontinentalen Beraterämter wird die Übernahme weiterreichender Aufgaben zukommen: zum einen die Verbreitung und Festigung des Glaubens international zu beleben, zum anderen die geistigen, die intellektuellen und die die Gemeinde betreffenden Bereiche des Bahá'í-Lebens zu fördern.
- Das Haus von `Abdu'lláh Páshá in `Akká wird für Pilger zugänglich gemacht.
- Die Arbeit des Sammelns und Klassifizierens der Heiligen Texte wird fortgesetzt, und eine Reihe von Textzusammenstellungen werden aus dem Schrifttum des Glaubens zusammengetragen, übersetzt und der Bahá'í-Welt übermittelt werden als Hilfe für die Freunde, ihr Verständnis für die Grundlehren des Glaubens zu vertiefen, ihr geistiges Leben zu bereichern und ihre Bemühungen, den Glauben zu lehren, neu zu stärken.
- Die Bande zwischen der Internationalen Bahá'í-Gemeinde und den Vereinten Nationen werden weiter gefestigt.
- Die Bemühungen, den Glauben vor Gegnerschaft zu schützen und ihn von den Fesseln der Verfolgung zu befreien, werden fortgesetzt.
Jedem Nationalen Geistigen Rat wurden für diese ersten zwei Jahre des Planes Ziele zugeteilt, die dazu bestimmt sind, den Verbreitungsprozeß weiterzuführen, die gewonnenen Erfolge zu festigen und dort, wo die Umstände es erlauben, alle Ziele, die vielleicht am Ende des Fünfjahresplanes noch nicht erfüllt waren, zu erreichen. Während dieser ersten zwei Jahre werden wir mit den Kontinentalen Beraterämtern und den Nationalen Geistigen Räten die Lage und die Möglichkeiten in jedem Lande prüfen und im einzelnen die Kräfte und Bedürfnisse einer jeden der sich beschleunigt unterschiedlich entwickelnden nationalen Bahá'í-Gemeinden in Betracht ziehen, ehe die weiteren Ziele festgelegt werden, auf die jede Gemeinde im Anschluß an die Eröffnungsphase des Planes hinarbeiten soll.
Weltweit müssen im Siebenjahresplan folgende Ziele erreicht werden:
- Der Mashriqu'l-Adhkár von Samoa muß fertiggestellt werden, und der Bau des Mashriqu'l-Adhkárs in Indien wird vorankommen.
- Neunzehn neue Nationale Geistige Räte müssen errichtet werden. Acht in Afrika: in Angola, Bophuthatswana, den Kapverdischen Inseln, Gabun, Mali, Mosambik, Namibia und der Transkei; acht in Amerika: auf den Bermudas, in Dominica, Französisch-Guayana, Grenada, den Leeward-Inseln, Martinique, St. Lucia und St. Vincent; schließlich drei im Pazifik: Cook-Inseln, Tuvalu und West-Karolinen. Jene Nationalen Geistigen Räte, die aufgelöst werden mußten, werden wieder errichtet, wenn die Umstände es erlauben.
- Die Botschaft Bahá'u'lláhs muß in Gebiete und Inseln getragen werden, die Seinem Glauben noch nicht erschlossen sind.
- Die Lehrarbeit - sowohl die durch die Institutionen des Glaubens organisierte als auch die Lehrarbeit als Frucht persönlicher Bemühungen - muß tatkräftig fortgesetzt werden, so daß die Zahl der Gläubigen ansteigt und weitere Länder das Stadium des Eintritts in Scharen und schließlich der Massengewinnung erreichen.
- Zu dieser Lehrarbeit gehört auch sofort anschließende gründliche und anhaltende Festigung, damit alle Erfolge gesichert werden, die Zahl der örtlichen Geistigen Räte sich erhöht und die Grundlage der Sache neu gestärkt wird.
- Der Austausch von Pionieren und Reiselehrern, der einen so wesentlichen Beitrag zur Einheit der Bahá'í-Welt und zum echten Verstehen der Einheit der Menschheit leistet, muß weiter gepflegt werden, besonders unter benachbarten Ländern. Gleichzeitig sollte jede nationale Gemeinde danach trachten, rasch ihre Unabhängigkeit bei der Durchführung ihrer wichtigen Tätigkeiten zu erlangen, um so die Fähigkeit zu gewinnen, weiter zu arbeiten und zu wachsen, selbst wenn die Hilfe von außen abgeschnitten wird.
- Besonders dringend ist, daß die nationalen Bahá'í-Gemeinden finanziell unabhängig werden. Die Verfolgungen im Iran haben die Gläubigen in jenem Lande bereits der Gnade beraubt, für die internationalen Fonds des Glaubens, für die sie eine Hauptquelle gewesen sind, zu spenden. Durch den wirtschaftlichen Verfall in anderen Ländern droht eine weitere Verminderung der Geldquellen. Deshalb rufen wir die Freunde überall auf, äußerste Sparsamkeit bei der Verwendung der Fonds walten zu lassen und in ihrem persönlichen Leben jene Opfer zu bringen, die es ihnen ermöglichen, den ihren Mitteln entsprechenden Teil zu den örtlichen, nationalen, kontinentalen und internationalen Fonds des Glaubens beizutragen.
- Um alle Ziele und ein gesundes Wachstum des Bahá'í-Gemeindelebens rasch zu erreichen, müssen die Nationalen Geistigen Räte ganz besonders auf das im wahren Geist des Glaubens wirkungsvolle Funktionieren ihrer nationalen Ausschüsse und anderer Hilfseinrichtungen achten, und sie müssen in Beratung mit den Kontinentalen Beraterämtern Pläne entwerfen und durchführen, die die Bemühungen der Freunde auf dem Pfade des Dienens leiten und weiter stärken werden.
- Die Nationalen Geistigen Räte müssen weise und würdevoll an prominente Persönlichkeiten aus allen Bereichen menschlichen Strebens herantreten, sie über das Wesen der Bahá'í-Gemeinde und die Grundlehren des Glaubens unterrichten und ihre Achtung und Freundschaft gewinnen.
- Im Mittelpunkt aller Tätigkeiten muß die Entwicklung und Pflege des geistigen, intellektuellen und des Gemeindelebens der Gläubigen stehen. Dazu ist erforderlich: mit gesteigertem Nachdruck die Entwicklung der örtlichen Geistigen Räte voranzutreiben, so daß diese ihren wohltuenden Einfluß und ihre Führung auf das Leben der Bahá'í-Gemeinden ausüben können; ein tieferes Verständnis für das Bahá'í-Familien-Leben heranzubilden; die Bahá'í-Kindererziehung, wobei auch das Abhalten regelmäßiger Bahá'í-Klassen, und, wo nötig, die Einrichtung von Förderkursen für eine Grundausbildung mit eingeplant werden sollte; die Ermutigung der Bahá'í-Jugend zu Studium und Dienen, und die Ermutigung der Bahá'í-Frauen, von ihren Vorrechten und Verantwortlichkeiten in der Gemeindearbeit voll Gebrauch zu machen - mögen sie in gebührender Weise dem Gedenken an das Größte Heilige Blatt, die unsterbliche Heldin der Bahá'í-Sendung, Rechnung tragen, da wir uns dem fünfzigsten Jahrestag ihres Hinscheidens nähern.
Während Gesetzlosigkeit sich in der Welt ausbreitet, während Regierungen gebildet und gestürzt werden, während rivalisierende Gruppen und sich bekriegende Völker jeweils für ihren eigenen Nutzen kämpfen, bedrückt die Notlage der Unterdrückten und der Beraubten das Herz jedes aufrichtigen Bahá'í und führt ihn in Versuchung, protestierend aufzuschreien oder sich voll Zorn gegen jene zu erheben, die Ungerechtigkeiten begehen. Denn heute ist die Zeit der Prüfung, die die Worte Bahá'u'lláhs ins Gedächtnis ruft: »O ihr Scharen der Achtlosen! Ich schwöre bei Gott! Der verheißene Tag ist gekommen, der Tag, an dem quälende Heimsuchungen über euren Häuptern und unter euren Füßen hohe Wellen schlagen und ausrufen: ,Schmecket, was eure Hände vollbracht haben!`«
Jetzt ist die Zeit, in der jeder Anhänger Bahá'u'lláhs sich fest an das Bündnis Gottes halten, jeder Versuchung, in die Wirren der Welt hineingezogen zu werden, widerstehen und sich bewußt sein muß, daß er der Treuhänder eines kostbaren Pfandes, der Botschaft Gottes, ist, die allein die Ungerechtigkeit aus der Welt verbannen und die Krankheiten heilen kann, welche Körper und Geist des Menschen befallen. Wir sind die Träger des Wortes Gottes an diesem Tag, und wie dunkel der unmittelbare Ausblick auch sein mag, wir müssen voranschreiten, glücklich in dem Bewußtsein, daß die Arbeit, die auszuführen wir das Vorrecht haben, Gottes Werk ist und daß sie eine Welt hervorbringt, deren Herrlichkeit unsere kühnsten Vorstellungen in den Schatten stellen und unsere höchsten Hoffnungen weit übertreffen wird.
April 1978 - Ridván-Botschaft an die Internationale Bahá'í-Tagung
Das Universale Haus der Gerechtigkeit wendet sich mit großer Freude an die Mitglieder der Nationalen Geistigen Räte, die in Gegenwart von Händen der Sache Gottes und Berateramtsmitgliedern aus allen Kontinenten bei dieser vierten Internationalen Tagung im Heiligen Land versammelt sind, um mit Ihnen innezuhalten und nochmals den Verlauf und die Erfordernisse des Fünfjahresplanes zu überblicken, da wir die Schwelle seines letzten Jahres überschreiten.
Am Beginn des Planes standen die begeisterte Antwort der Freunde, ein sorgfältiges Abwägen der Auswirkungen und Erfordernisse des Planes durch die nationalen Institutionen des Glaubens, das Schmieden der Werkzeuge und die Aufstellung von Projekten, um die Ziele zu erreichen, und der oft mühsame Kampf, um das erste seiner drei Hauptziele zu erfüllen: die Sicherung und Festigung aller in früheren Lehrfeldzügen errungenen Siege. Diese Phase dehnte sich in vielen Ländern über viele Monate aus, in anderen dauerte sie bis zur Halbzeit des Planes.
In das mittlere Jahr des Planes fielen die Internationalen Konferenzen und die vielen regionalen und nationalen Tagungen, die gleichzeitig abgehalten wurden und die von den acht Hauptkonferenzen ausströmende Begeisterung nach allen Richtungen an die Freunde weitergaben. All diese Versammlungen beschleunigten die Arbeit sehr und halfen den Gläubigen in der ganzen Welt, ein neues Verständnis der Verantwortung, die den Anhängern des Größten Namens für die geistige Erneuerung ihrer Mitbrüder auferlegt worden ist, zu gewinnen.
Wir sind jetzt beim letzten Abschnitt des Planes angelangt, und diese Tagung beschert uns eine hochwillkommene, günstige Stunde, in welcher wir die gemachten Fortschritte richtig einschätzen und unsere Gedanken auf die vollständige Erfüllung der Ziele richten können.
Von den 130 Nationalen Räten, die im letzten Jahr des Planes tätig sein werden, haben 50 entweder ihre Lehrziele erreicht oder sind nahe daran, sie zu erreichen. Von den verbleibenden 80 Nationalen Räten streben etwa 40 voller Zuversicht voran und können des Sieges gewiß sein, wenn sie ihr gegenwärtiges Tempo in der Lehrarbeit beibehalten. Neun Nationale Geistige Räte sind durch Bedingungen behindert, welche die Erfüllung ihrer Ziele an der Heimatfront von Umständen abhängig machen, die außerhalb ihres Einflusses liegen. Die verbleibenden 30 nationalen Gemeinden sind - leider - ernstlich im Rückstand, und nur durch rastlose und opferbereite Anstrengungen werden sie ihre Ziele noch erreichen können.
Bei dem zweiten der drei Hauptziele des Planes - eine große und weite Verbreitung der Bahá'í-Gemeinde - hat es mächtige, aber geographisch uneinheitliche Fortschritte gegeben. Es bestehen jetzt mehr als 19 000 örtliche Geistige Räte, und die Zahl der Orte, wo Bahá'í leben, liegt über 83 000. Mit dieser Ausbreitung gingen eine Intensivierung der Proklamationsarbeit und die vermehrte Benutzung der Massenmedien wie Rundfunk und Fernsehen einher.
In dem Prozeß der zunehmenden Anerkennung der Sache Gottes und in der Pflege herzlicher Beziehungen zu zivilen Behörden hat es bemerkenswerte Fortschritte gegeben - ein Vorgang von lebenswichtiger Bedeutung in dieser Zeit, da der Widerstand gegen den Glauben von seiten derjenigen zunimmt, die seine wahre Natur und Absicht mißdeuten und über seinen Fortschritt in Angst geraten.
Zu den bedeutendsten Errungenschaften dieses Planes gehören die Fortschritte bei dem dritten Hauptziel - der Entwicklung der kennzeichnenden Wesensart des Bahá'í-Lebens und der Festigung und Stärkung der Bahá'í-Gemeinschaft. Die geliebten Hände der Sache Gottes, die auf so vielen Gebieten der Arbeit für den Glauben in der vordersten Reihe standen, haben auf diesem Feld weitreichende Dienste geleistet.
Die örtlichen Geistigen Räte, Brennpunkte für das Lehren des Glaubens und die Festigung der Gemeinde, nehmen zu an Erfahrung, Reife und Weisheit. Sie erweisen sich als fähige Werkzeuge für die Förderung des Bahá'í-Lebens, und in wachsender Zahl führen sie unter der umfassenden Anleitung ihrer Nationalen Geistigen Räte und mit der Ermutigung und Hilfe der Hilfsamtsmitglieder und deren Assistenten Projekte durch, um Gebiete außerhalb ihres Jurisdiktionsbereiches für den Glauben zu erschließen. Die Arbeit an der weiteren Entwicklung der örtlichen Geistigen Räte ist in der absehbaren Zukunft eine Aufgabe ohne Ende. Mit der stetigen und immer schneller fortschreitenden Ausbreitung der - weltweit noch immer äußerst dünn repräsentierten - Bahá'í-Gemeinde in neue Räume entstehen weiterhin neue Geistige Räte, die geduldige Hilfe und Einübung in ihren heiligen Pflichten benötigen werden.
Durch die hingebungsvolle Opferbereitschaft der Freunde wurden die Bestätigungen Bahá'u'lláhs angezogen und die bis jetzt erzielten wirklich großen Fortschritte erreicht. Die Beweise für dieses Streben zeigen sich in der wachsenden Zahl der nationalen Gemeinden, die unter der klugen Verwaltung und anspornenden Führung ihrer Nationalen Geistigen Räte finanziell unabhängig werden, ferner in der Tatsache, daß immer mehr einzelne Gläubige sich ihre eigenen Ziele setzen und eigene Pläne verfolgen, um dem Fortschritt des Glaubens zu dienen, in der Tatsache, daß im Verlauf des Planes bereits mehr als 2 000 Pioniere ihren Posten bezogen haben, in der starken Zunahme von Lehrreisen einzelner Freunde wie auch ganzer Gruppen, in einem größeren Bewußtwerden der Macht des Gebetes und auf viele andere Weise. In drei lebenswichtigen Bereichen des Bahá'í-Gemeindelebens war in den letzten vier Jahren ein deutlicher Fortschritt zu beobachten: bei den zunehmenden Diensten der Frauen und der Jugendlichen und bei der Bahá'í-Kindererziehung. Die Jugend steht schon seit langem in der vordersten Front der Lehrarbeit, und jetzt sehen wir mit herzlicher Freude, daß auch die Frauen in vielen Ländern, wo ihre Fähigkeiten bisher meist ungenutzt blieben, ihre wertvollen Kräfte in den Dienst des Bahá'í-Gemeindelebens stellen. Auch der Erziehung der Bahá'í-Kinder wird große Aufmerksamkeit geschenkt, was für die künftigen Bahá'í-Generationen Gutes ahnen läßt.
Die Erfahrung hat gezeigt, daß tätige, liebevolle Zusammenarbeit zwischen den Kontinentalen Beraterämtern und den Nationalen Geistigen Räten den Fortschritt der Sache Gottes in allen Bereichen ganz besonders fördert und belebt. Entsprechend dem Wachstum der Gemeinde wurde die Zahl der Mitglieder der Kontinentalen Beraterämter während des Planes auf 64 und die Zahl der Hilfsamtsmitglieder auf 675 erhöht. Aufgrund der ihnen erteilten Ermächtigung haben die Hilfsamtsmitglieder bis jetzt 3 358 Assistenten ernannt, die bereits eine wichtige Rolle in der Bildung und Festigung von örtlichen Geistigen Räten und bei der Förderung des Bahá'í-Lebens in örtlichen Gemeinden spielen. Das Internationale Lehrzentrum, das die Arbeit dieser Kontinentalen Beraterämter vom Heiligen Lande aus koordiniert und leitet, ist jetzt für die Wahrnehmung seiner Verantwortlichkeiten gut eingerichtet und läßt bereits die bedeutende Rolle ahnen, die es im Wirken der Verwaltungsordnung Bahá'u'lláhs zu übernehmen bestimmt ist.
Der Glaube geht durch eine Zeit außerordentlich günstiger Möglichkeiten und gewaltiger Entwicklung hindurch; zugleich sieht er sich wachsender Opposition und zunehmend komplizierteren Problemen gegenüber. Diese Gelegenheiten müssen ergriffen und diese Probleme gemeistert werden, denn die jetzige Zeit ist so kritisch, daß der zukünftige Verlauf der Menschheitsgeschichte tagtäglich in der Schwebe ist. In diesem Jahr wird das Universale Haus der Gerechtigkeit über die Natur, Dauer und die Ziele des nächsten Abschnittes in der Ausführung des Göttlichen Planes beraten. Deshalb ist es für die vor uns liegenden Monate dringend erforderlich, daß durch die Erfüllung der Ziele des Fünfjahresplanes - der qualitativen wie auch der quantitativen - eine feste Grundlage geschaffen wird. Laßt uns in einem optimistischen Geist, mit Vertrauen, Entschlossenheit, Mut und in Einigkeit voranschreiten. Je größer die Liebe und Einheit unter den Freunden ist, desto schneller wird die Arbeit vorangehen.
Möge der Allmächtige die Anstrengungen Seiner Diener segnen und ihre Herzen begeistern, so daß sie sich für Seine Sache erheben mit solch strahlendem Glauben und solcher Selbstaufopferung, daß ihnen die überwältigende Macht der himmlischen Heerscharen zu Hilfe kommt.
21. März 1976 - Naw-Rúz Botschaft
Wir geben den bei den Nationaltagungen versammelten Abgeordneten die freudige Nachricht bekannt, daß die Ausschachtungsarbeiten auf dem Berg Karmel beendet sind, die der Vorbereitung für den Bau des majestätischen Zentrums der Gesetzgebung des Glaubens Gottes an diesem heiligen Orte dienten. In Italien wurde ein Vertrag über fünfeinhalb Millionen Dollar unterzeichnet für die Lieferung von über 2500 cbm Pentelikon-Marmor aus Griechenland und für die daraus zu fertigenden Säulenverblendungen, die den gebührenden Schmuck für dieses gewaltige Gebäude bilden sollen. Wir sind tief bewegt von der begeisterten Reaktion der Gläubigen in allen Teilen der Welt auf diese herausfordernde, glorreiche Aufgabe. Parallel zur Entwicklung am Weltzentrum wurde das Verwaltungsgefüge auf kontinentaler und nationaler Ebene weiterentwickelt, indem die Zahl der Kontinentalen Berater auf einundsechzig erhöht wurde durch die Ernennung von Thelma Khelghati in Westafrika, William Masehla in Südafrika, Burhani'd-Din Afshin in Süd-Zentralasien, Hideya Suzuki in Nordostasien, Owen Battrick in Australasien und Adib Taherzadeh in Europa. Die Kontinentalen Beraterämter wurden ermächtigt, weitere neunzig Hilfsamtsmitglieder zu ernennen, und es erging ein Aufruf zur Wahl von sieben neuen Nationalen Geistigen Räten an Ridván 1977, nämlich: zwei in Afrika - Mali mit Sitz in Bamako und Obervolta mit Sitz in Ouagadougou - , zwei in Amerika - Französische Antillen mit Sitz in Pointe-a-Pitre und Surinam und Französisch-Guayana mit Sitz in Paramaribo - , einer in Europa - Griechenland mit Sitz in Athen - , und zwei im Pazifischen Raum - Neue Hebriden mit Sitz in Port Vila und Marshall-Inseln mit Sitz in Majuro; der zuletzt genannte Rat ist ein zusätzliches Ergebnis des Plans. Dadurch erhöht sich die Zahl der Nationalen Geistigen Räte auf 124, wobei die Auflösung der Nationalen Räte in Äquatorial-Guinea und Nepal wegen örtlicher Beschränkungen berücksichtigt ist. Von 953 Pionieren, die zur Erfüllung ganz bestimmter Ziele aufgerufen wurden, sind schon 492 auf ihrem Posten. Weitere 470 Pioniere sind in Zielländer gegangen. Es wird von einem großen Strom internationaler Reiselehrer berichtet. Wir fühlen uns gedrängt, unsere Hochachtung vor den unermüdlichen Diensten der Hände der Sache Gottes zum Ausdruck zu bringen, die sie im vergangenen Jahr beim Erringen der oben genannten Erfolge und auf den Gebieten des Lehrens, des Schutzes, der Erhaltung, der Proklamation und der Literatur des Glaubens geleistet haben. Ebenso bezeugen wir unsere Hochachtung vor den außerordentlichen Diensten des Internationalen Lehrzentrums, durch dessen Bildung das Weltzentrum sehr an Kraft gewonnen hat und die auf dem Universalen Haus der Gerechtigkeit ruhende Bürde vermindert wurde. In dem jetzt beginnenden mittleren Jahr des Fünfjahresplanes werden wir Zeuge sein, wie sich die Anhänger Bahá'u'lláhs auf acht Internationalen Konferenzen versammeln in der Absicht, einen gewaltigen Impuls zu erzeugen, um bei der Erfüllung des Planes, der bis jetzt noch ziemlich weit hinter seinen Zielen zurückbleibt, Fortschritte zu machen. In diesem kritischen Zeitpunkt der Sendung unseres Glaubens, die Menschheit zu erlösen, ist es besonders dringend nötig, daß jeder Gläubige und jeder Nationale und örtliche Geistige Rat seine volle Aufmerksamkeit auf die Ziele richtet, die der Bahá'í-Welt gestellt sind, um den Prozeß des Eintritts in Scharen zu beschleunigen, ein kräftiges Wachstum der Gemeinde zu erreichen und die Zahl jener standhaften, aufopferungsvollen Gläubigen zu erhöhen, die sich dem Ziel verschrieben haben, jeden Bereich ihres Lebens den hohen, durch die heiligen Texte gegebenen Maßstäben anzupassen.
Das Feld ist weit, die Zeit ist kurz, der Mitarbeiter beklagenswert wenige; aber von den Anstrengungen, die wir Anhänger der Gesegneten Schönheit jetzt machen, und von dem Maße, in dem wir erfolgreich und schnell Seine Botschaft unter unseren Mitmenschen verkünden und verbreiten, hängt zum großen Teil der Verlauf der Menschheitsgeschichte in den vor uns liegenden Jahrzehnten ab.
4. April 1975 - Ridván-Botschaft
Anläßlich (des) größten Festes betrachten wir mit dankbarem Herzen (die) Leistungen (des) ersten Jahres (des) Fünfjahresplanes (und die) Wahl (von) fünf neuen Nationalen Geistigen Räten (an) diesem Ridván, (davon) vier in Afrika, einer in Asien. Trotz (des sich) verschlechternden Zustandes einer todgeweihten Zivilisation (und trotz der) Beweise (sich) verdichtender Wolken weitverbreiteten Widerstandes (gegen die) göttliche Botschaft drängen (die) Gläubigen (in der) ganzen Welt voran (zur) Erfüllung (der) Ziele. Dreihundertsechsundachtzig Pioniere bereits auf dem Posten; einhundertzweiundfünfzig bereiten Umsiedlung vor.
(Das) neue weltweite Programm für Lehrreisen, (das) vom Internationalen Lehrzentrum entworfen (wurde), wird nun von (den) Nationalen Geistigen Räten nach Absprache (mit den) Beratern in Angriff genommen. (Die) geliebten Hände (der) Sache, (die den) Heerscharen (des) Lichtes voranschreitende Vorhut, geben (den im) göttlichen Weinberg arbeitenden Freunden ständig liebevolle Führung, Ermutigung (und) Schutz. (Das) Weltzentrum des Glaubens (wurde) reich gesegnet durch (den) Erwerb (des) heiligen Hauses (des) Meisters (und zugleich) Geburtshauses Shoghi Effendis, (das) innerhalb (der) Mauern `Akkás (liegt); (ferner) wird (es) bald (den) Beginn (der) Ausschachtungsarbeiten (für die) Fundamente (des) ständigen Sitzes (des) Universalen Hauses (der) Gerechtigkeit auf (dem) heiligen Boden (am) Hang (des) Berges Karmel erleben. In Italien (steht die) Unterzeichnung (eines) Vertrages (über den für dieses) majestätische Gebäude benötigten Marmor bevor. Zu diesem kritischen Zeitpunkt (in der) menschlichen Geschichte stellen (die) drei Hauptanliegen (des) Planes und seine spezifischen Ziele (eine) klare (und) eindringliche Herausforderung an jeden einzelnen Bahá'í - Erwachsene, Jugendliche (oder) Kinder - , jede Bahá'í-Familie, jede örtliche Gemeinde und vor allen an jeden örtlichen Geistigen Rat dar, dessen Entwicklung lebenswichtig ist (für den) Erfolg (des) Fünfjahresplanes und (für die) fortschreitende Entfaltung (der) göttlich verordneten Bahá'í-Gesellschaft. Mögen (sich die) verbleibenden dreihundertfünfundneunzig Pioniere schnellstens erheben und (ein) Heer (von) Freiwilligen (auf das) neu eröffnete Reiselehrprogramm antworten. Nationale (und) örtliche Räte (und die) einzelnen Gläubigen (werden) dringend gebeten, Zeit, Mühe (und) reichliche materielle Mittel rückhaltlos (zur) Verfügung (zu) stellen, (um) jede Phase (der) Durchführung (des) Planes (im) kommenden Jahr (zu) unterstützen. Rufen (die) Gläubigen (in) jedem Land auf, (sich) uns (im) Gebet anzuschließen (mit der) flehenden Bitte (an die) Gesegnete Schönheit um Führung, Bestätigung (und) Schutz (für) Seine ergebenen Anhänger in ihren hingebungsvollen Bemühungen, ihre Seelen (zu) reinigen, Sein Banner aufzurichten (und) Seiner Sache (zu) dienen.
21. März 1974 - Naw-Rúz-Botschaft
Eine Zeitspanne von achtzehn Jahren trennt uns von der Jahrhundertfeier des Aufstieges Bahá'u'lláhs und der Enthüllung Seines allmächtigen Bündnisses. Was in diesem Zeitraum auf die Menschheit zukommt, kann niemand vorhersagen. Wir können jedoch vertrauensvoll voraussagen, daß die Sache Gottes, angetrieben von den ihr innewohnenden mächtign Lebenskräften, an Stärke immer weiter zunehmen wird, daß sie an Umfang wachsen und immer größere Kräfte für die Verwirklichung von Gottes Absicht auf Erden entwickeln wird.
Die überreichen Beweise göttlicher Bestätigung, welche die angestrengten, hingebungsvollen Bemühungen der Bahá'í-Gemeinde während des letzten Jahrzehnts belohnt haben, sind auf der ganzen Erde zu erkennen und geben die unbestreitbare Versicherung ihrer Fähigkeit, das Wohlgefallen Bahá'u'lláhs zu gewinnen und auf jeden Ruf zu antworten, der in Seinem Dienst an sie ergeht.
Der Fünfjahresplan, zu dem diese Gemeinde nun aufgerufen ist, stellt den Eröffnungsfeldzug dieser kritischen Jahre dar. Es ist der dritte weltumspannende Plan, zu dem die Armee des Lichtes in Ausführung von `Abdu'l-Bahás Göttlichem Plan aufbricht, jenem weltumfassenden Programm, das in Seinen deutlichen Tablets enthüllt und das vom Hüter der Sache Gottes als die Charta für die Verkündigung des Glaubens auf der ganzen Welt bezeichnet wurde. Der Hüter selbst war es - das geliebte »Zeichen Gottes« - , der durch seine Erklärung und Auslegung der Offenbarung, durch seine Erziehung und Formung der Bahá'í-Gemeinde und durch eine Reihe von nationalen Plänen, die den verschiedenen Einheiten jener Gemeinde zugeteilt wurden, die Verwaltungsordnung des Glaubens schmiedete und sie zu einem Instrument für die Ausführung dieser großen Charta machte; er selbst entwarf auch den ersten weltweiten Plan, den einzigartigen, glänzenden und geistig ruhmreichen Zehnjahres-Kreuzzug, und setzte ihn in Gang. Durch die Siege jenes Kreuzzuges wurde das Banner Bahá'u'lláhs auf dem ganzen Erdball aufgepflanzt, und der nachfolgende Neunjahresplan verstärkte und verbreiterte die Bollwerke des Glaubens und vergrößerte die Zahl der Nationalen Geistigen Räte - der tragenden Pfeiler des Universalen Hauses der Gerechtigkeit - auf einhundertdreizehn - eine Zahl, die durch die Bildung der Nationalen Geistigen Räte von Hongkong und Südostarabien an diesem Ridván noch auf einhundertfünfzehn erhöht wird.
Dieser Fünfjahresplan hat drei Hauptziele: Erhaltung und Festigung der errungenen Siege; eine ungeheure Ausdehnung der Bahá'í-Gemeinde; Entwicklung der unterscheidenden Wesensmerkmale des Bahá'í-Lebens, besonders in den örtlichen Gemeinden. Die Erreichung dieser Hauptziele erfordert die Erfüllung besonderer Aufgaben sowohl im Weltzentrum des Glaubens wie auch in den nationalen und örtlichen Gemeinden.
Im Weltzentrum wird die Arbeit der Vergleichung und Einordnung der heiligen Texte fortgeführt; es werden genehmigte Übersetzungen von drei Zusammenstellungen aus den Schriften erstellt und veröffentlicht, nämlich Sendschreiben Bahá'u'lláhs, die nach dem Kitáb-i-Aqdas offenbart wurden, Gebete und Auszüge aus den Schriften des Báb - womit die Bruchstücke Seiner Äußerungen, die bis jetzt im Westen verfügbar sind, stark vermehrt werden - und aus den Werken des Meisters mit einer umfassenden Auswahl aus der riesigen Themenfülle, die von Seiner göttlichen Weisheit erhellt wurde. Auf dem Berge Karmel beginnen die Bauarbeiten an dem Gebäude, das als Sitz des Universalen Hauses der Gerechtigkeit dienen wird, und es besteht die Hoffnung, den Bau im Verlauf des Fünfjahresplanes fertigzustellen; eine weitere Ausdehnung und Verschönerung der Gärten und des Landes im Umkreis der heiligen Stätten ist vorgesehen; die Beziehungen zwischen der Internationalen Bahá'í-Gemeinde und den Vereinten Nationen sollen gestärkt werden, und die Bemühungen werden nicht abreißen, den Glauben vor Verfolgungen zu schützen und ihn von den Beschränkungen zu befreien, die ihm von religiöser Orthodoxie aufgezwungen werden.
Auf der internationalen Ebene wird die Errichtung von zwei Mashriqu'l-Adhkárs in Angriff genommen, einem in Indien und einem in Samoa. Gegen Mitte des Fünfjahresplanes sollen acht Internationale Lehrkonferenzen abgehalten werden: zwei für die Arktis, nämlich in Anchorage und in Helsinki im Juli 1976, eine in Paris im August 1976, eine in Nairobi im Oktober 1976, eine in Hongkong im November 1976, eine in Auckland und eine in Bahia, Brasilien, im Januar 1977 sowie eine in Mérida, Mexiko, im Februar 1977.
Sechzehn neue Nationale Geistige Räte sind zu bilden: die Nationalen Geistigen Räte der Bahamas, von Burundi, Zypern, den französischen Antillen, Griechenland, Jordanien, Mali, Mauretanien, der Neuen Hebriden, von Niger, Senegal, Sierra Leone, Somalia, Surinam und Französisch Guayana, Togo sowie von Obervolta; für diese Räte müssen die nationalen .Ha.zíratu'l-Quds, Tempelgelände und Stiftungen erworben werden. Die Verbreitung von Nachrichten und Botschaften, die so lebenswichtig für die Information, Ermutigung und Einheit der Bahá'í-Gemeinde ist, muß wirkungsvoller und schneller werden, und im Vorgriff auf eine große Steigerung der Anzahl der Gläubigen sowie der örtlichen Geistigen Räte und der Zentren, wo Bahá'í leben, muß ein abgestimmtes Programm der Übersetzung und Veröffentlichung von Bahá'í-Literatur entwickelt werden mit dem Endziel, die heiligen Texte und Lehren des Glaubens der ganzen Menschheit zugänglich zu machen - ein Programm, zu dem auch die Gründung von sechs Bahá'í-Verlagen und die fortgesetzte finanzielle Beihilfe für Bahá'í-Literatur gehören. Es sind 409 Projekte für die Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung zwischen Nationalen Räten geplant, und 557 Pioniere werden zu Beginn des Planes aufgerufen.
Eines der unterscheidenden Merkmale der Sache Gottes ist das Prinzip der Nichtannahme finanzieller Spenden von Nicht-Bahá'í für eigene Zwecke: die Speisung des Bahá'í-Fonds ist eine Gnade, die Bahá'u'lláh Seinen erklärten Anhängern vorbehalten hat. Diese Gnade legt den Gläubigen allein die volle Verantwortung für die finanzielle Unterstützung des Glaubens auf; jeder von ihnen ist aufgerufen, sein Äußerstes zu tun, um sicherzustellen, daß die ständige und großzügige Ausschüttung von Mitteln erhalten bleibt und noch weiter verstärkt wird, um die wachsenden Bedürfnisse der Sache Gottes zu decken. Viele Bahá'í-Gemeinden sind zur Zeit noch auf auswärtige Hilfe angewiesen, und für sie muß es das Ziel sein, selbsttragend zu werden, im Vertrauen darauf, daß der Großmütige Herr sie in dem Maße, wie ihre Anstrengungen wachsen, schließlich in die Lage versetzen wird, für den Fortschritt Seines Glaubens nicht nur ihre Hingabe, ihre Energie und Liebe darzubieten, sondern auch materiellen Besitz.
Die Proklamation des Glaubens anhand von festen Plänen und mit dem Ziel, die Massenmedien verstärkt einzusetzen, muß tatkräftig verfolgt werden. Dabei sollte immer klar sein, daß es der Zweck von Proklamation ist, der ganzen Menschheit die Ankunft der neuen Offenbarung und deren allgemeines Ziel zur Kenntnis zu bringen; Lehrprogramme müssen andererseits entwickelt werden, um Menschen aus jeder Gesellschaftsschicht zu festen Gläubigen zu machen.
Die großen Reserven an geistiger Energie, Tatkraft und Idealismus, die in der Bahá'í-Jugend vorhanden sind und so wirkungsvoll zum Erfolg des Neunjahresplanes beitrugen, müssen für die Proklamation, das Lehren und für die Vertiefung in der Sache eingesetzt und ausgeschöpft werden. Die Geistigen Räte werden dringend gebeten, den Bahá'í-Jugendlichen, die bestrebt sind, ihr Leben so zu planen, daß sie der Sache Gottes am besten dienen können, zu raten und sie zu führen.
Die Erziehung der Kinder in den Lehren des Glaubens muß als wichtige Pflicht aller Bahá'í-Eltern sowie jeder örtlichen und nationalen Gemeinde betrachtet werden; sie muß im Verlaufe dieses Planes zu einer fest begründeten Bahá'í-Tätigkeit werden. Zu ihr gehören auch die Verhaltenserziehung durch Wort und Beispiel und die aktive Teilnahme der Kinder am Leben der Bahá'í-Gemeinde.
Dieser Fünfjahresplan muß Zeuge der Entwicklung von unterscheidenden Bahá'í-Merkmalen in der weltweiten Bahá'í-Gemeinde werden - Merkmale, deren Keime Bahá'u'lláh selbst in ihr angelegt hat. Einheit der Menschheit ist der zentrale Grundsatz Seiner Offenbarung; deshalb müssen die Bahá'í-Gemeinden weithin dafür bekannt werden, daß sie diese Einheit an den Tag legen. In einer Welt, die täglich mehr von Parteienstreit und Gruppeninteressen zerrissen wird, muß sich die Bahá'í-Gemeinde durch Eintracht und Harmonie in ihren zwischenmenschlichen Beziehungen auszeichnen. Der Eintritt der Menschheit in das Erwachsenenstadium muß seinen Schatten vorauswerfen in dem reifen, verantwortungsvollen Verständnis dieser Bahá'í-Gemeinden für menschliche Probleme und in der weisen Verwaltung ihrer Angelegenheiten. Die Einübung und Entwicklung solcher Bahá'í-Wesenszüge liegt gleichermaßen in der Verantwortlichkeit des einzelnen Bahá'í wie auch der Verwaltungsinstitutionen; die beste Möglichkeit, dieses Wachstum zu pflegen, haben jedoch die örtlichen Geistigen Räte.
Die göttlich verordnete Institution des örtlichen Geistigen Rates wirkt auf den unteren Ebenen der menschlichen Gesellschaft und ist die grundlegende administrative Einheit der Weltordnung Bahá'u'lláhs. Sie befaßt sich mit Einzelmenschen und Familien, die sie ständig ermutigen muß, sich in einer deutlich erkennbaren Bahá'í-Gesellschaft zusammenzuschließen, die durch die Gesetze, Verordnungen und Grundsätze der Offenbarung Bahá'u'lláhs belebt und bewahrt wird. Sie beschützt die Sache Gottes; sie handelt als der liebevolle Hirte der Bahá'í-Herde.
Stärkung und Entwicklung der örtlichen Geistigen Räte ist ein lebenswichtiges Ziel des Fünfjahresplanes. Der Erfolg bei diesem einen Ziel wird das Bahá'í-Leben wesentlich verbessern und bereichern; er wird die Fähigkeit des Glaubens erhöhen, dem Eintritt in Scharen gerecht zu werden, der schon jetzt stattfindet; vor allem aber wird er den engen Zusammenhalt und die ständig stärker hervortretende Besonderheit der Bahá'í-Gemeinde erweisen, die ihrerseits immer mehr nachdenkliche Seelen zum Glauben hinziehen und den führerlosen, unglücklichen Millionen in der geistig bankrotten, todgeweihten derzeitigen Ordnung eine Zuflucht bieten wird.
»Diesen Geistigen Räten«, schrieb Abdu'l-Bahá, »steht der Geist Gottes bei. Ihr Verteidiger ist `Abdu'l-Bahá. Über sie breitet Er Seine Flügel aus. Welche Gnade ist größer als diese?« Ebenso: »Diese Geistigen Räte sind strahlende Leuchten und himmlische Gärten, aus denen sich die Düfte der Heiligkeit über alle Regionen verbreiten und die Lichter der Erkenntnis über alles Erschaffene ergießen. Von ihnen strömt der Geist des Lebens nach allen Richtungen. Sie sind wahrlich zu allen Zeiten und unter allen Umständen die mächtigen Quellen des Fortschritts für den Menschen.«
Während des Fünfjahresplanes werden örtliche Geistige Räte, die zum ersten Mal entstehen, sogleich gebildet, wenn sich neun oder mehr erwachsene Gläubige an dem betreffenden Ort befinden; danach müssen sie an Ridván gewählt oder durch Willenserklärung gebildet werden. Die Nationalen Geistigen Räte werden aufgerufen, den örtlichen Geistigen Räten im Gesamtrahmen des Fünfjahresplanes Ziele zuzuweisen, sie zu ermutigen, sich selbst solche Ziele zu geben, mit ihnen zu beraten und ihnen dabei zu helfen, große Anstrengungen zu machen, um allmählich ihre eigentliche Aufgabe und Verantwortung in der Weltordnung Bahá'u'lláhs zu übernehmen. Die Freunde sind aufgerufen, ihren örtlichen Geistigen Rat von ganzem Herzen zu unterstützen und mit ihm zusammenzuarbeiten, zunächst durch die Wahl der Mitglieder und dann durch die energische Verfolgung seiner Pläne und Programme, aber auch dadurch, daß sie sich in Zeiten der Not und in Schwierigkeiten an ihn wenden, für seinen Erfolg beten und begeistert sind, wenn er zu Einfluß und Ehren aufsteigt. Dieser große Schatz, dieses Geschenk Gottes in jeder Gemeinde muß gehegt, genährt, geliebt und unterstützt, es muß ihm gehorcht und dafür gebetet werden.
Ein festgegründetes, aktives und glückliches Gemeindeleben - das sich einstellt, wenn ein örtlicher Geistiger Rat tatsächlich wirksam wird - verschafft den Freunden eine feste Grundlage, von der sie Mut, Stärke und liebevollen Beistand beziehen, wenn sie die göttliche Botschaft zu ihren Mitmenschen tragen und ihr Leben nach dieser wohltätigen Richtschnur ausrichten.
Die Taten und die Programme, all die vielfältigen weltweiten Tätigkeiten, zu denen Sie aufgerufen sind, haben nur ein Ziel - die Errichtung des Reiches Gottes auf Erden. In jedem Stadium dieser Entwicklung und auf allen Stufen der Bahá'í-Verantwortlichkeiten - als einzelner Bahá'í oder im örtlichen oder nationalen Rahmen - erhalten Sie Ermutigung, Rat und Beistand von der göttlich verordneten Institution der Hände der Sache Gottes, einer Institution, die durch die erfolgreiche Errichtung des Internationalen Lehrzentrums machtvoll verstärkt wurde. Mit der Schaffung dieses Zentrums wurde die Erfüllung des vor beinahe zehn Jahren angekündigten Zieles besiegelt, die Fortführung der besonderen Aufgaben des Schutzes und der Verkündigung, die den Händen der Sache im Heiligen Text auferlegt sind, in die Zukunft hinein sicherzustellen. Durch die Arbeit des Internationalen Lehrzentrums, das die Arbeit der Beraterämter rund um den Erdball überwacht und aufeinander abstimmt, durchdringt die Liebe, die Führung und Hilfe der Hände der Sache über die Beraterämter, ihre Hilfsamtsmitglieder und deren Assistenten den gesamten Aufbau der Bahá'í-Gesellschaft.
Die Hauptsachverwalter von Bahá'u'lláhs keimhaftem Weltgemeinwesen haben in der Tat dieser wachsenden Gemeinde die Sorge um ihr Wohlergehen, um die Entwicklung ihrer Wesensart und um ihre geistige Ermutigung zuteil werden lassen, die zu den Pflichten ihres hohen Amtes zählt.
Indem die alte Ordnung der neuen weicht, spielen sich derartige Veränderungen in allen menschlichen Angelegenheiten ab, daß sie die Einbildungskraft übersteigen. Dies ist der Tag für die Heerscharen des Herrn. Nicht bestürzt und nicht abgeschreckt durch die Trümmer »lang gehegter Ideale und altehrwürdiger Institutionen«, die nun »hinweggefegt und in die Rumpelkammer veralteter und vergessener Doktrinen verbannt« werden, muß die Weltgemeinde der Bahá'í eifrig und mit ständig wachsender Energie voranstürmen, um jene neuen, gottgegebenen Institutionen aufzubauen, von denen das Licht der heiligen Grundsätze und Lehren ausstrahlen wird, die von Gott für die Rettung der ganzen Menschheit an diesem Tag herabgesandt wurden.
April 1973 - Ridván-Botschaft 1973
Freudevollen und dankbaren Herzens verkünden wir einen überwältigenden Sieg zum Abschluß des weltumspannenden Neunjahresplanes. Die Armee des Lichtes hat ihren zweiten globalen Feldzug gewonnen. Sie hat die Ziele übertroffen, die der Ausbreitung galten, und einen wahrhaft eindrucksvollen Grad universeller Beteiligung erreicht; beides war Zweck des Planes. Voller Dankbarkeit und Liebe bezeugen wir die unaufhörlichen Bestätigungen, die Bahá'u'lláh auf Seine Diener regnen ließ und durch die Er jeden von uns befähigte, Ihm seinen Teil der Arbeit, der Ergebenheit, des Opfers und des inständigen Gebetes darzubringen, die Er nun so segensreich belohnt hat. Zu dieser Jahrhundertfeier der Offenbarung des Heiligsten Buches legt die Gemeinde des Größten Namens Ihm ihre Siegesgabe zu Füßen und bekennt dankbar, daß Er es war, der diese Gunst verlieh.
Die Sache Gottes ist am Ende des Neunjahresplanes viel weiter verbreitet, fester begründet, ihre internationalen Bindungen viel dichter gewoben als 1964 zu Beginn des Planes. 95 neue Gebiete wurden dem Glauben erschlossen, aus den 69 Nationalen Geistigen Räten, die damals die Aufgaben der Weltgemeinde auf sich nahmen, wurden 113, fünf mehr als verlangt waren. Diese embryonalen nachgeordneten Häuser der Gerechtigkeit werden von mehr als 17 000 örtlichen Geistigen Räten getragen, 3 000 mehr als das Ziel und 12 000 mehr als zu Beginn des Planes. Bahá'í leben an 69 500 Orten, 15 000 mehr als verlangt waren und 54 000 mehr als 1964. Bahá'í-Literatur wurde in 225 weitere Sprachen übersetzt, wodurch die Gesamtzahl auf 571 Sprachen erhöht wurde; 63 Tempelgelände, 56 nationale Ha.ziratu'l-Quds und 62 nationale Besitzungen wurden erworben, was die Gesamtzahl auf jeweils 98, 112 und 104 erhöht; 50 Lehrinstitute und Sommer- und Winterschulen tragen zur Bahá'í-Erziehung bei, und 15 Verlage bringen Bahá'í-Literatur in den wichtigsten Sprachen der Welt heraus. Der Muttertempel Lateinamerikas ist erbaut und eingeweiht. Zu den Zielen, deren Erreichung von günstigen Umständen abhängt, die nicht in unserer Hand liegen, gehören die Eintragung von Geistigen Räten und die Anerkennung von Bahá'í-Feiertagen. Es ist erfreulich zu berichten, daß 90 Nationale Geistige Räte und 1 556 örtliche Geistige Räte eingetragen sind - 181 mehr als insgesamt verlangt wurde - und daß die Bahá'í-Feiertage in 64 Ländern und Bahá'í-Heiratsurkunden in 40 Ländern anerkannt werden.
Diese große Ausbreitung des Glaubens erforderte eine Armee internationaler Pioniere. Es ergingen zwei Hauptaufrufe, einmal für 461 und einmal für 733 Pioniere, was zusammen mit den Aufrufen für bestimmte Standorte insgesamt 1 344 Pioniere ergab. Die Gemeinde des Größten Namens antwortete mit 3 553 Pionieren, die ihre Heimat tatsächlich verließen und von denen 2 265 weiterhin auf ihrem Posten sind.
Im Weltzentrum des Glaubens wurde die Vergleichung und Klassifizierung der Bahá'í Heiligen Schriften und der Schriften Shoghi Effendis in ständig wachsendem Umfang weitergeführt - eine Aufgabe, die von der Tätigkeit eines besonderen, vom persischen Nationalen Geistigen Rat ernannten Ausschusses unterstützt und bereichert wurde. Das Material im Weltzentrum umfaßt etwa 2 600 Originaltablets von Bahá'u'lláh, 6 000 von `Abdu'l-Bahá und 2 300 Briefe von Shoghi Effendi. Zusätzlich gibt es noch etwa 18 000 beglaubigte Kopien anderer solcher Tablets und Briefe. Sie alle wurden durchgesehen, es wurden wichtige Auszüge gemacht und klassifiziert, und der Inhalt wurde in einem Index unter 400 Hauptstichwörtern erfaßt.
Eine Inhaltsübersicht und systematische Darstellung der Gesetze und Gebote des Kitáb-i-Aqdas - sie vervollständigt die beachtliche Vorarbeit des geliebten Hüters in dieser Aufgabe - wird zum hundertsten Jahrestag der Offenbarung des Heiligsten Buches veröffentlicht, der, wie schon angekündigt, während dieser Ridván-Tage im Heiligen Land und in der gesamten Bahá'í-Welt begangen wird.
Die Verfassung des Universalen Hauses der Gerechtigkeit, die Shoghi Effendi als das größte Gesetz des Glaubens Bahá'u'lláhs pries, wurde formuliert und veröffentlicht.
Die Gärten in Bahjí und auf dem Berg Karmel wurden wesentlich erweitert, und es wurden Pläne verabschiedet für den angemessenen Ausbau und die Verschönerung des gesamten Bahá'í-Besitztums, das die heiligen Schreine in Bahjí und Haifa umgibt.
Die weltweite Verkündigung des Glaubens, ein intensiver, lange anhaltender Prozeß, der während der dritten Phase des Planes eingeleitet wurde, begann im Oktober 1967 mit den Gedenkfeiern zum hundertjährigen Jubiläum von Bahá'u'lláhs Verkündigung an die Könige und Herrscher, in deren Mittelpunkt Seine Offenbarung der Suriy-i-Mulúk in Adrianopel stand. Auf sechs interkontinentalen Konferenzen, die gleichzeitig rund um den Erdball stattfanden, wurde dieses historischen Ereignisses feierlich gedacht. Weitere neun ozeanische und kontinentale Konferenzen, die während des Planes abgehalten wurden, gaben diesem Proklamationsprogramm einen starken Auftrieb. Die insgesamt fünfzehn Konferenzen, die das öffentliche Interesse durch Presse und Rundfunk auf sich lenkten, wurden von fast 17 000 Gläubigen besucht. Sie waren der Anlaß, Würdenträger und hohe Persönlichkeiten mit der göttlichen Botschaft bekannt zu machen. Dieser Feldzug, der weit über das Ende des Neunjahresplanes hinaus andauern wird, wurde durch das Überreichen eines Buches an 142 Staatsoberhäupter im Namen des Universalen Hauses der Gerechtigkeit eingeleitet. Dieses Buch war besonders dafür herausgebracht worden und beinhaltet die englische Übersetzung von Tablets und Abschnitten aus den Schriften, in denen Bahá'u'lláh etwa hundert Jahre zuvor Seine machtvolle Verkündigung an die Menschheit niedergelegt hatte.
Die hervorragende Entwicklung der Beziehungen der Internationalen Bahá'í-Gemeinde zu den Vereinten Nationen zeigte sich in der Akkreditierung dieser Gemeinde als nichtstaatliche Organisation mit beratendem Status beim Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen. Die Internationale Bahá'í-Gemeinde hat jetzt einen ständigen Vertreter bei den Vereinten Nationen und unterhält ein Büro in New York.
Die geliebten und hochverehrten Hände der Sache haben während des ganzen Neunjahresplanes aufopfernde und hervorragende Dienste geleistet. In allen Teilen der Welt haben sie die Freunde begeistert, die Nationalen Geistigen Räte unterstützt, die Lehrarbeit vorangetrieben und eine lebenswichtige Rolle für den Erfolg des Planes gespielt. In mehr als einer nationalen Gemeinde erfuhren schleppende Fortschritte durch den Besuch einer Hand der Sache eine grundlegende Wendung. Rasches und tatkräftiges Handeln, geweckt durch die Hand der Sache, brachte erstaunliche Ergebnisse, die die Aussichten dieser Gemeinde völlig umkehrten. Die Hände der Sache haben auch die Literatur des Glaubens mit ausgezeichneten Werken bereichert.
Das Ziel des Planes, »die Institution der Hände der Sache Gottes, in Beratung mit der Körperschaft der Hände der Sache, im Hinblick auf die zukünftige Erweiterung ihrer festgelegten Funktionen des Schutzes und der Verbreitung« zu entwickeln, wurde stufenweise erreicht und führte zur Bildung von elf Kontinentalen Beraterämtern, deren Mitglieder vom Universalen Haus der Gerechtigkeit ernannt wurden und denen die Verantwortung für die Hilfsämter für den Schutz und die Verbreitung des Glaubens übertragen wurde. Dadurch blieben die geliebten Hände nicht länger einzeln an einen bestimmten Kontinent gebunden - außer in bezug auf ihren Wohnsitz - , sondern dehnten ihren Wirkungskreis über den ganzen Planeten aus. Die Kontinentalen Beraterämter, die von den Händen der Sache Gottes beraten und geführt werden und eng mit ihnen zusammenarbeiten, haben in der kurzen Zeit ihres Bestehens schon Hervorragendes und Beachtliches geleistet.
Drei höchst bedeutsame Entwicklungen haben sich während des Neunjahresplanes vollzogen: das Vorrücken der Jugend in die vorderste Front der Lehrarbeit, eine starke Vermehrung der Finanzen des Glaubens und eine erstaunliche Zunahme von Projekten, bei denen Nationale Geistige Räte sich gegenseitig unterstützen.
Das erste, der herzerfreuende Einsatz der Bahá'í-Jugend, hat den Stil der Lehrarbeit verändert. Unüberwindliche Schranken wurden zerbrochen oder überwunden von einsatzfreudigen Teams junger Bahá'í, die ergeben und im Gebet die göttliche Botschaft so darboten, daß sie für ihre eigene Generation annehmbar war, von der sie sich im ganzen gesellschaftlichen Gefüge weiter ausgebreitet hat und noch ausbreitet. Die ganze Bahá'í-Welt war von dieser Entwicklung begeistert. Nachdem die Bahá'í-Jugend die Werte und Maßstäbe der alten Welt verworfen hat, ist sie nun voll Eifer dabei, die Maßstäbe Bahá'u'lláhs zu erlernen, sich auf sie einzustellen und auf diese Weise das göttliche Programm anzubieten, das die Lücke füllen wird, die durch das Aufgeben der alten Ordnung entsteht.
Der Aufruf zur gewaltigen Erhöhung der Geldmittel des Glaubens während des Planes hat in der gesamten Bahá'í-Gemeinde einen herzerfreuenden Widerhall gefunden. Nicht nur der Internationale Bahá'í-Fonds, sondern auch die lokalen, nationalen und kontinentalen Fonds des Glaubens wurden in aufopfernder Weise unterstützt. Dieser praktische Beweis der Liebe, die die Freunde für den Glauben beseelt, hat das Vorankommen aller Arbeiten ermöglicht: die Unterstützung von Pionieren und Reiselehrern, den Bau von Häusern der Andacht und den Erwerb von Bahá'í-Besitzungen, den Ankauf von Heiligen Stätten in der Wiege des Glaubens und im Weltzentrum, die Entwicklung von Erziehungsinstitutionen und die vielen verschiedenen Unternehmungen einer tatkräftigen, voranschreitenden, aufbauenden Weltgemeinde. Es mag interessieren, daß 60 % der internationalen Fonds des Glaubens aufgewendet werden, um die Arbeit von Nationalen Geistigen Räten zu unterstützen, die Lehrarbeit voranzutreiben und den Glauben an vielen Orten der Erde gegen Angriffe zu verteidigen. Ohne diese Hilfe von seiten der Bahá'í-Weltgemeinde wären viele Nationale Geistige Räte in ihren Bemühungen um Ausbreitung und Vertiefung gelähmt. Die Verwaltung des Huqúqu'lláh wurde gestärkt als Vorbereitung für seine Ausweitung auf andere Teile der Erde. Im Weltzentrum wurde ein Internationaler Verteilungsfonds eingerichtet, um Pionieren und Reiselehrern zu helfen, die zum Dienst bereit, aber nicht imstande waren, für ihre eigenen Ausgaben aufzukommen; dieser Fonds wurde später auf die Unterstützung von Unternehmungen an nationalen Heimatfronten ausgedehnt. Das Spenden für den Fonds ist ein Dienst, der den Gläubigen bis in alle Zukunft offenstehen wird. Das Wachstum des Glaubens und der Aufbau seiner Verwaltungsordnung erfordern ein ständig stärker werdendes Verströmen unseres Vermögens, das - wenn auch nur in ganz bescheidenem Maße - zur Gnade und Freigebigkeit der überströmenden Bestätigungen Bahá'u'lláhs im Verhältnis stehen mag.
Als der Plan begann, wurden 219 Unterstützungsprojekte im einzelnen aufgeführt, bei denen bestimmte nationale Gemeinden anderen Gemeinden, die meist geographisch entfernt lagen, Finanz-, Pionier- und Lehrhilfe geben sollten. Die Absicht war, die Bande der Einheit zwischen den weit auseinanderliegenden Teilen der Bahá'í-Welt mit ihrem so unterschiedlichen sozialen, kulturellen und geschichtlichen Hintergrund zu stärken. Am Ende des Planes sind über 600 solcher Projekte durchgeführt worden. Die Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden wurde auch auf dem Gebiet der Veröffentlichung von Bahá'í-Literatur entwickelt, besonders in Spanisch und Französisch und in den afrikanischen Sprachen. Ein weites Feld fruchtbarer Bemühungen liegt in dieser Hinsicht noch vor uns.
In einigen Ländern konnten gewisse Sonderziele - vor allem die Eintragung von Räten und Anerkennung des Glaubens - nicht erreicht werden, teils wegen fehlender Freiheit, teils aufgrund echter Unterdrückung oder auch wegen rechtlicher und physischer Hindernisse. Da dies vorauszusehen war, rief das Universale Haus der Gerechtigkeit nationale Gemeinden in Ländern, wo der Glaube frei ausgeübt und verbreitet werden kann, dazu auf, ihre eigenen Ziele zu überbieten, um damit sicherzustellen, daß die Ziele insgesamt erreicht wurden. Noch immer ist es unmöglich, mit den Arbeiten zur Errichtung des Mashriqu'l-Adhkár in Teheran zu beginnen; es wurden jedoch Verträge abgeschlossen über die Ausführung von Detailzeichnungen, geologische Vermessungen wurden gemacht und alles vorbereitet zum sofortigen Baubeginn, sobald die Lage in Persien sich zum günstigen wendet.
Während des Neunjahresplanes gab es noch eine Reihe wichtiger und interessanter Ereignisse, die nicht direkt zum Plan gehörten. An erster Stelle standen die im Bereich der Qiblih der Bahá'í-Welt abgehaltenen Gedenkfeiern zum hundertsten Jahrestag der Ankunft des Verheißenen aller Zeitalter - wie in früheren Heiligen Schriften vorhergesagt - in der Gefängnisstadt `Akká.
Das Landhaus von Mazra`ih, auf das der geliebte Hüter oft als eines der »Zwillings-Landhäuser« hinwies, in denen die Gesegnete Schönheit nach neun Jahren Aufenthalt innerhalb der Mauern der Gefängnisstadt `Akká wohnte, und das den Herzen der Gläubigen teuer ist durch viele Erinnerungen, die es mit ihrem Herrn verbinden, wurde jetzt mit 24 000 qm Land erworben, welches sich ostwärts in die Ebene hinein erstreckt.
Das Aufstellen des Obelisken, der den Platz für den künftigen Mashriqu'l-Adhkár auf dem Berg Karmel kennzeichnet, vollendet ein Projekt, das durch den geliebten Hüter begonnen wurde.
Es wurde beschlossen, das Gebäude, das als Sitz des Universalen Hauses der Gerechtigkeit dienen soll, auf dem Berg Karmel an einer von Shoghi Effendi vorgesehenen Stelle des Bogens zu errichten. Der Beschluß wurde der Bahá'í-Welt bekanntgegeben und die ersten Schritte eingeleitet.
Der Fortschritt der Sache Gottes gewinnt immer mehr Schwungkraft, und wir dürfen vertrauensvoll dem Tag entgegensehen, an dem diese Gemeinde - wann immer es Gott gefällt - die Entwicklungsphasen durchlaufen haben wird, die ihr Hüter ihr vorzeichnete, und an dem sie auf diesem gepeinigten Planeten die herrlichen Wohnstätten des Reiches Gottes errichtet haben wird, in denen die Menschheit Ruhe finden möge von der selbst verursachten Verwirrung, dem Chaos und Niedergang, und in denen der Haß und die Gewalt dieser Zeit in ein dauerhaftes Bewußtsein der Weltbruderschaft und des Friedens umgewandelt werden. All dies wird erreicht werden im Bündnis des Ewigwährenden Vaters, dem Bündnis Bahá'u'lláhs.
Der Beginn des letzten Jahres im Neunjahresplan sieht die Bahá'í-Weltgemeinde im Endspurt vor einem überwältigenden Sieg. Dankbaren Herzens nehmen wir die fortgesetzten Bestätigungen wahr, die ihre Anstrengungen begleitet haben, und die göttlichen Gnadenbeweise, die unaufhörlich auf diese gesegnete, diese sich stetig entfaltende, keimhafte Weltordnung herniederströmen.
Der Mashriqu'l-Adhkár in Panama, der Muttertempel für Lateinamerika, wird an diesem Ridván-Fest seiner Bestimmung übergeben. Drei geliebte Hände der Sache, Amatú'l-Bahá Rú.híyyih Khánum als Vertreterin des Universalen Hauses der Gerechtigkeit sowie Ugo Giachery und Dhikru'lláh Khádem, werden den historischen Feierlichkeiten beiwohnen. Der phantasievolle und durchgeistigte Entwurf des Architekten Peter Tillotson ist in bewundernswerter Weise verwirklicht worden. Dem Nationalen Geistigen Rat von Panama sprechen wir namens der gesamten Bahá'í-Welt herzliche Glückwünsche zur Vollendung dieses Werkes aus.
Wiewohl beklagenswerterweise der Nationale Geistige Rat von `Iráq durch die Verfolgung des Glaubens in diesem Land aufgelöst worden ist, werden die zu diesem Ridván neu gebildeten 13 Nationalen Geistigen Räte die Gesamtzahl der Pfeiler des Universalen Hauses der Gerechtigkeit auf 113 erhöhen.
Diejenigen Ziele, die sich auf den Erwerb von Grundstücken und die Errichtung von Lehrinstituten beziehen, rücken der Erfüllung näher. In den Ländern, wo die gesetzlichen Bestimmungen es gestatten, geht die Eintragung der Geistigen Räte und die gesetzliche Anerkennung der Bahá'í-Trauung und der Bahá'í-Feiertage gut voran.
Es sind die Ziele der Lehrarbeit, die jetzt unsere Aufmerksamkeit und unseren Einsatz fordern. Mehr als 260 Territorien haben die ihnen gesetzten Ziele in der Erschließung von Orten, an denen Bahá'í wohnen, erreicht; in einigen Ländern wurden diese Ziele sogar überschritten, so daß die Bahá'í-Weltgemeinde darüber jubeln darf, daß auf der Welt insgesamt die im Plan vorgesehene Gesamtzahl von Einzelzentren bereits mehr als erreicht ist. Dennoch verbleiben rund 60 Länder, in denen dieses Ziel noch nicht erreicht wurde und in denen ihm bis Ridván 1973 absoluter Vorrang eingeräumt werden muß.
Wir erwarten, daß an Ridván eine große Zahl örtlicher Geistiger Räte gebildet wird. Sobald der Stand dieses Zieles festgestellt ist, wird eine ins einzelne gehende Aufstellung aller Länder der Welt, deren Ziel für Bahá'í-Zentren und örtliche Geistige Räte noch nicht erfüllt ist, jedem Nationalen Geistigen Rat zur sofortigen Unterrichtung der Freunde übermittelt.
Wir geben der Hoffnung Ausdruck, daß während des letzten Planjahres der Grundsatz der Zusammenarbeit zwischen den Nationalen Geistigen Räten weit über die im Neunjahresplan gestellten Einzelaufgaben hinaus praktiziert wird. Diejenigen Gemeinden, die ihre Ziele bereits erreicht haben oder mit Sicherheit in Kürze erreichen werden, sollen sich mit der weltweiten Situation befassen, wie sie aus den oben erwähnten Listen ersichtlich sein wird, und alles ihnen Mögliche tun - ohne ihre eigenen Erfolge zu gefährden - , um ihre Schwestergemeinden durch Pioniere, Reiselehrer oder auf andere Weise zu unterstützen. Ein solches Vorgehen wird die Einheit und die brüderliche Verbundenheit der Bahá'í-Weltgemeinde wesentlich festigen.
Inzwischen rufen wir alle Gläubigen auf, im Gebet ihre persönlichen Verhältnisse zu überdenken und sich aufzumachen, solange es noch Zeit ist, um die internationalen Pionierziele des Planes zu erfüllen. Es stehen noch 267 Pioniere aus, und zwar 75 für Afrika, 57 für Amerika, 40 für Asien, 30 für Australasien und 65 für Europa.
Die außerordentlichen Fortschritte, die seit Ridván 1964, dem Beginn des Neunjahresplanes, gemacht worden sind und durch die der geplante, zielbewußte Prozeß des Lehrens im Weltmaßstab fortgeführt wurde, den unser geliebter Hüter mit dem Zehnjahres-Kreuzzug eingeleitet hatte, verpflichten uns, unser Augenmerk auf neue Erfordernisse dieser sich stetig ausweitenden Weltordnung zu richten, sowohl im Hinblick auf ihr eigenes organisches Zusammenleben als auch im Bezug zu der auseinanderfallenden Gesellschaft, in die hinein sie gestellt ist. Der Abstand zwischen den Wegen der Welt und denen der Sache Gottes wird immer größer; dennoch müssen beider Wege zusammenführen. Die Bahá'í-Gemeinde muß in immer stärkerem Maße ihre Befähigung zeigen, die Ordnungslosigkeit, den mangelnden Zusammenhalt, die Zügellosigkeit und Gottlosigkeit der modernen Gesellschaft wiedergutzumachen. Die Gesetze und religiösen Gebote, die sittlichen Verpflichtungen des Bahá'í-Lebens, dessen Grundsätze und Maßstäbe für Würde, Anstand und Ehrfurcht, müssen im Bewußtsein der Bahá'í fest verwurzelt und in zunehmendem Maß für die Gemeinde aussagefähig und charakterisierend sein. Ein solcher Prozeß erfordert es, daß die örtlichen Geistigen Räte nachhaltig zu Reife und Tatkraft entwickelt werden.
Die Ziele und Maßstäbe der Sache müssen immer klarer verstanden, immer mutiger vorgelebt werden. Der Einfluß der Kontinentalen Beraterämter und die Arbeit ihrer Hilfsämter müssen weiter zunehmen und das ganze Gefüge der Bahá'í-Gemeinde durchdringen. Ein ausgedehntes, systematisches Programm für die Herausgabe von Bahá'í-Literatur muß vorangetrieben werden.
Unsere unmittelbare, unausweichliche Aufgabe aber ist es sicherzustellen, daß jedes erreichbare Ziel des Neunjahresplanes erfüllt wird. Dies muß um jeden Preis geschehen. Kein Opfer, keine Hintanstellung anderer, liebevoll gehegter Vorhaben darf gescheut werden, wenn es gilt, die »allerwichtigste« unter den vielen »wichtigen« Aufgaben, denen wir gegenüberstehen, vollkommen zu erfüllen. Wer könnte daran zweifeln, daß dieser letzte, äußerste Einsatz von Erfolg gekrönt sein wird? Fidschi, das als nationale Gemeinde zuerst den Lorbeer der Erfüllung aller ihm zugewiesenen Aufgaben trägt, führt den festlichen Zug der frohlockenden siegreichen Armee des Lichtes an. Wir tun gut daran, der Bahá'í-Jugend nachzueifern, deren jüngstes Vorwärtsdrängen in die vordersten Linien der Verkündigung und des Lehrens eine besonders ermutigende und bedeutsame Entwicklungstendenz im Glauben darstellt; vor ihren Einsätzen bestürmt sie die Tore des Himmels durch lang anhaltendes Gebet um Beistand in ihren Unternehmungen. Wir alle sind dazu fähig, Bahá'u'lláh um Seine göttliche, allmächtige Hilfe anzurufen. Er wird uns sicher helfen. Denn Er ist der Erhörer der Gebete, der Antwortende.
Am 28. November 1971 wird die Bahá'í-Welt den 50. Jahrestag des Hinscheidens `Abdu'l-Bahás begehen - des Mittelpunkts des Bündnisses, des Zeichens der Einheit der Menschheit, des Geheimnisses Gottes. Das Ereignis, dessen wir gedenken werden, kennzeichnete zugleich das Ende des Heroischen Zeitalters unseres Glaubens, die Eröffnung des Gestaltenden Zeitalters und die Geburt der administrativen Ordnung, des Kerns und Modells der Weltordnung Bahá'u'lláhs. Wenn wir die Früchte betrachten, welche das Wirken des Meisters reifen ließ und die schon in den ersten fünfzig Jahren des Gestaltenden Zeitalters eingebracht wurden, in einer Periode also, die durch die dynamische und geliebte Gestalt Shoghi Effendis beherrscht wurde, dessen Leben der planmäßigen Durchführung der Bestimmungen des Testamentes `Abdu'l-Bahás und der Sendschreiben zum Göttlichen Plan gewidmet war - der beiden Urkunden, die der Meister für die Verwaltung und das Lehren der Sache Gottes hinterlassen hat - , dann mag uns wohl ein Gefühl ehrfürchtiger Scheu beim Ausblick auf die nächsten 50 Jahre ergreifen. Dieses erste halbe Jahrhundert des Gestaltenden Zeitalters sah die Bahá'í-Gemeinde von wenigen hundert Zentren in 35 Ländern im Jahre 1921 auf heute über 46 000 Zentren in 135 unabhängigen Staaten und 182 bedeutenden Gebieten und Inseln anwachsen; es war gekennzeichnet durch die Errichtung des Rahmenwerks der Administrativen Ordnung in der ganzen Welt, was wiederum die Anerkennung des Glaubens durch viele Regierungen und staatliche Behörden sowie die Akkreditierung beim Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen in beratendem Status mit sich brachte; und schließlich sah es bereits in vielen Teilen der Welt jenen »Eintritt in Gruppen«, der vom Meister verheißen und von den Freunden so lange und sehnsüchtig erwartet worden war.
Ein neuer Horizont eröffnet sich, der von den ersten Anzeichen begeisternder Entwicklungen in der lebendigen Entfaltung der Sache Gottes erhellt ist. Wir nähern uns ihm durch vollkommenen Sieg im Neunjahresplan. Denn wir müssen uns immer darüber im klaren sein, daß der Zehnjahres-Kreuzzug des geliebten Hüters, der laufende Neunjahresplan und alle die anderen Pläne, die im Zuge mehrerer Epochen des Gestaltenden Zeitalters noch folgen werden, nur Abschnitte in der Erfüllung des Göttlichen Planes sind, wie ihn `Abdu'l-Bahá in vierzehn Sendschreiben an Nordamerika aufgestellt hat.
Der Neunjahresplan ist gut vorangekommen. An diesem Ridván erleben wir die Bildung von sieben zusätzlichen Nationalen Geistigen Räten, fünf davon in Afrika, einer in Südamerika und einer im Pazifik; dadurch erhöht sich die Gesamtzahl dieser erhabenen Körperschaften auf 101. Zum nächsten Ridván werden die bereits angekündigten 9 Nationalen Räte gebildet werden; hinzu kommen noch 4 weitere, und zwar in Afghanistan, Arabien, den Inseln über dem Winde und Puerto Rico. Insgesamt steigt die Zahl also auf 114, und damit werden sechs Räte mehr gezählt, als der Neunjahresplan vorsah. Die Mitglieder aller Nationalen Geistigen Räte, welche zu Ridván 1972 gewählt werden, nehmen an der Wahl des Universalen Hauses der Gerechtigkeit zu Ridván 1973 teil, bei der eine internationale Tagung im Weltzentrum abgehalten wird.
Der Muttertempel von Lateinamerika, der Mashriqu'l-Adhkár von Panama, soll bis Dezember 1971 fertiggestellt sein, und seine Einweihung wird nächstes Ridván stattfinden.
Der wunderbare Geist, der durch die vier Ozeanischen und Interkontinentalen Konferenzen entfacht wurde, und auch praktische Vorteile, die der Sache im Zusammenhang mit diesen Konferenzen zugefallen sind, verstärken unsere hohen Erwartungen, daß die vier Konferenzen, welche dieses Jahr abgehalten werden, ein voller Erfolg werden und daß mehr Pioniere, mehr Reiselehrer, eine verstärkte Verkündigung der Botschaft und eine Vertiefung des Geistes und der Hingabe der Freunde daraus hervorgehen.
Unser Aufruf an die Freunde vom Dezember 1970 zur Unterstützung des Internationalen Fonds, der durch unvorhergesehene Umstände in eine kritische Lage geraten war, hat ein großartiges Echo aus vielen Teilen der weltweiten Bahá'í-Gemeinde gefunden, und wir fühlen uns gestärkt im Glauben, daß diese Kundgebung der Ergebenheit und Opferbereitschaft, indem sie sich fortsetzt und noch mehr ausweitet, die Umstände aufhebt, die das Erreichen einiger ersehnter Ziele des Neunjahresplanes in Frage zu stellen drohten.
Die Reisen und der Dienst der Hände der Sache Gottes erwecken immer wieder unsere Dankbarkeit und Freude, ja unser Staunen und unsere Verwunderung. Ihre Leistungen sind derart, daß sie die Taten der Apostel der Vergangenheit in den Schatten stellen und auf den gegenwärtigen Abschnitt des Gestaltenden Zeitalters ewigen Glanz werfen. Im Namen aller Freunde überall sprechen wir ihnen unsere tief empfundene Liebe und Dankbarkeit aus. Es ist angebracht, an dieser Stelle das Hinscheiden der Hand der Sache Gottes Agnes Alexander nach siebzig Jahren beispielhaften Dienstes für den Glauben zu erwähnen, von deren ersten Diensten auf Hawaii der Meister gesagt hat, daß sie größer seien, als wenn sie ein Weltreich gegründet hätte.
In einigen Ländern wird das Erreichen der Ziele des Neunjahresplanes durch Zwangsmaßnahmen gegen den Glauben, die von ausgesprochener Unterdrückung bis zur Auferlegung gewisser Einschränkungen reichen, praktisch unmöglich gemacht. Dies betrifft vor allem Länder im Mittleren Osten, in Nordwestafrika, in den Randgebieten Ostafrikas und in bestimmten Gebieten Südostasiens. Es steht zu hoffen, daß diejenigen Bahá'í-Gemeinden, welche Freiheit genießen, ihren Glauben zu lehren, ihre eigenen Ziele so übertreffen werden, daß sie die Einschränkungen bei weitem ausgleichen, denen ihre weniger glücklichen Glaubensbrüder unterliegen. Das Heer von Reiselehrern muß verstärkt werden, und an die Freunde, insbesondere an die Bahá'í-Jugend, ergeht der Ruf, ernsthaft zu prüfen, wieviel Zeit sie dem Glauben während der restlichen zwei Jahre des Neunjahresplanes widmen können. Lehrreisen von kürzerer oder längerer Dauer, die Abordnung anderer Freunde, die Übernahme von Aufgaben, durch die andere Freunde für die Lehrarbeit freigestellt werden - all dies sind Mittel, um gemeinsam die letzte Flutwelle hervorzurufen, welche den Plan zum Siege führen wird.
Zwei Hauptziele des Planes sind die Bildung neuer örtlicher Geistiger Räte und die Erschließung von neuen Zentren. 13 966 örtliche Geistige Räte sind verlangt, 10 360 bestehen nun. Für 54 503 Orte wird ein Bahá'í-Einwohner gefordert, 46 334 haben ihn schon. Das Ziel ist in Sicht, die Zeit knapp. Aber das Wachstum, das sich in den obigen Zahlen widerspiegelt, hat nicht auf allen Ebenen und in allen Gebieten stattgefunden. Während eine Anzahl nationaler Gemeinden die ihnen zugeteilten Ziele bereits erfüllt oder sogar übertroffen haben, gibt es viele, die sich größten Schwierigkeiten beim Erreichen ihrer Ziele gegenübersehen. Mit gegenseitiger Hilfeleistung und einer Erhöhung der bereits jetzt erzeugten Schwungkraft besteht kein Zweifel, daß die Gemeinde des Größten Namens fähig ist, zum vollkommenen Sieg voranzustürmen und dadurch einen Blick auf die beglückenden Aussichten zu erhaschen, die jetzt noch hinter dem Horizonte verborgen liegen.
Die Zwillingsvorgänge, die der geliebte Hüter in seinem Aufsatz Die Entfaltung der Weltkultur so klar beschrieben hat - der ständige Fortschritt und die Festigung der Sache Gottes einerseits, der fortschreitende Zerfall einer todgeweihten Welt andererseits - , werden uns zweifellos neue Aufgaben zuweisen: die Verpflichtung, neue Wege des Lehrens zu entwickeln, einer enttäuschten Welt viel klarer das Bahá'í-Leben vorzuleben und die administrativen Institutionen des Glaubens wirkungsvoller zu machen. Die Autorität und der Einfluß Nationaler und örtlicher Geistiger Räte wird gestärkt werden müssen, um größere Bahá'í-Gemeinden zu verwalten; der internationale Charakter des Glaubens muß entwickelt werden, während gleichzeitig die schon in früheren Rundschreiben erwähnte internationale Lehreinrichtung im Weltzentrum geschaffen wird.
Wie faszinierend solche Überlegungen auch sein mögen, welche wahrscheinlich in naher Zukunft unsere Aufmerksamkeit beanspruchen werden, so dürfen sie doch nicht unsere Tatkraft und unseren Willen von der unmittelbaren Aufgabe ablenken - den Zielen des Neunjahresplanes. Ihre Erfüllung ist die beste Vorbereitung für die Zukunft und das Mittel für die Entwicklung neuer Kräfte und Fähigkeiten in der Bahá'í-Gemeinde. Wir vertrauen darauf, daß die Armee des Lichtes, in Stärke und Einigkeit wachsend, bis 1973, ein Jahrhundert nach der Offenbarung des Kitáb-i-Aqdas, die Höhe eines weiteren Gipfels erklommen haben wird auf dem Wege, der schließlich zu dem Gelobten Land des Größten Friedens führt.
(Die) Bahá'í Weltgemeinde, (die nun in das) siebte Jahr (des) Neunjahresplanes eintritt, hat (ihre) Fähigkeit reichlich bewiesen, Höhen (der) Hingabe (und des) Opfers (zu) erklimmen (und) erstaunliche Siege (zu) erringen (für den) welterlösenden, welterrettenden (und) weltvereinenden Glauben. Zu diesem Ridván-Fest entbieten (wir) elf neuen Nationalen Geistigen Räten, (die) nun gebildet (werden), (ein) herzliches Willkommen: sieben in Afrika, einem in Amerika, einem in Asien (und) zwei in Australasien, (womit die) Zahl (der das) Universale Haus (der) Gerechtigkeit tragenden Pfeiler vierundneunzig erreicht (hat). (Wir) fühlen uns (dazu) bewegt, (den) Händen (der) Sache Gottes liebevolle Anerkennung auszusprechen (für ihre) großartigen Dienste, (die) Flammenspuren (des) Lehrens (auf der) Oberfläche des Erdballes (hinterließen) (durch die) Ermutigung (und) Beratung (der) Räte (und) Freunde aller Kontinente.
Zur wirksamen Verstärkung dieser hochherzigen Tätigkeit durch (die) fähigen, hingebungsvollen Kontinentalen Beraterämter (und) ihre Hilfsämter (und im) Zusammenhang mit (den) wachsenden Bedürfnissen und (der) Ausdehnung (der) Weltgemeinde geben (wir die) Erweiterung (dieser) lebenswichtigen Institution bekannt durch (die) Ernennung (von) drei zusätzlichen Beratern - Iraj Ayman (für) Westasien, Anneliese Bopp (und) Betty Reed (für) Europa - und (die) Ermächtigung, fünfundvierzig zusätzliche Hilfsamtsmitglieder (zu) ernennen: neun (für) Afrika, sechzehn (für) Asien, zwei (für) Australasien (und) achtzehn (für die) westliche Hemisphäre. Rufen (zur) Errichtung (von) vier Nationalen Geistigen Räten (an) Ridván 1971 auf: Lesotho (mit) Sitz (in) Maseru; Elfenbeinküste, Mali und Obervolta (mit) Sitz (in) Abidjan; Trinidad und Tobago (mit) Sitz (in) Port of Spain; Salomon-Inseln (mit) Sitz (in) Honiara.
(Der) Neunjahresplan (wird) bereits gekennzeichnet (durch) große Leistungen (beim) Pionieren, (bei der) Proklamation, (der) Anerkennung (des) Glaubens, (dem) Aufbruch (der) Jugend, (dem) Erwerb (von) Besitztümern, (dem) Baubeginn (des) Panama-Tempels (und bei der) Entwicklung (des) Weltzentrums. Dringende, unmittelbare (und) lebenswichtige Notwendigkeit (ist es, die) Aufmerksamkeit (auf die) Vermehrung (der) Anzahl (der) Zentren, (der) örtlichen Geistigen Räte (und der) Gläubigen (zu) konzentrieren (und die) verbleibenden Pionierposten (zu) besetzen. Letzter Ridván-Aufruf verlangte siebenhundertdreiunddreißig Pioniere (als) Mindesterfordernis. Vierhundertneunund- siebzig benannte Posten (sind noch zu) besetzen. (Der) Gesamtsieg bedingt mehr Pioniere, mehr Geldmittel (und) mehr neue Gläubige. Hände (der) Sache, Berater, Hilfsämter, Nationale (und) örtliche Geistige Räte (sowie) jeder einzelne Anhänger Bahá'u'lláhs (sind zu) äußerster Anstrengung (in den) verbleibenden Jahren (des) Neunjahresplanes aufgerufen. (Der) Vollzug dieses Schrittes (in des) Meisters Göttlichem Plan wird (die) Gemeinde (mit der) Fähigkeit (und den) administrativen Einrichtungen versehen, (um den) nächsten Abschnitt (in der) Verwirklichung (der) höchsten Absicht (der) Offenbarung Bahá'u'lláhs (zu) bewältigen, - (der) Vereinigung (der) Menschheit (und der) Errichtung (des) lange verheißenen Königreiches Gottes auf Erden. Versichern Sie heißer, liebevoller Gebete (an den) Heiligen Schreinen.
Der beständige Fortschritt der Sache Gottes steht im krassen Gegensatz zu der chronischen Unruhe, die die menschliche Gesellschaft heimsucht - ein Gegensatz, den die Ereignisse des letzten Jahres innerhalb wie außerhalb des Glaubens nur noch vertieft haben. Inmitten des Zerfalls der alten Ordnung hat die Sache Gottes ihren erhabenen Weg weiterverfolgt, hat ihre Tätigkeiten und ihren Einfluß ausgedehnt und ihre Verwaltungsordnung weiter entwickelt.
Den Auftakt des Jahres bildete die Zweite Internationale Tagung zur Wahl des Universalen Hauses der Gerechtigkeit im Heiligen Land, gefolgt von bemerkenswerten Aktivitäten in der Sache. Die bedeutendste und weitestreichende Entwicklung war zweifellos die Ernennung der elf Kontinentalen Beraterämter, womit das Ziel des Neunjahresplanes erfüllt wurde, das die Entwicklung der Institution der Hände der Sache Gottes - eine Verlängerung der ihr zugeteilten Aufgaben des Schutzes und der Verbreitung in die Zukunft hinein - vorsah. Dieser Schritt, nach eingehender Beratung mit den Händen der Sache unternommen, hat die Tätigkeit dieser Institution wesentlich gestärkt und es den einzelnen Händen zugleich ermöglicht, den Rahmen ihres Dienstes über die kontinentalen Grenzen hinaus zu erweitern. Dadurch werden den Freunden die Liebe, die Weisheit und der Geist der Hingabe, die diese vom Hüter Ernannten beseelen, weltweit zuteil. Wir möchten an dieser Stelle die beispielhafte Weise lobend hervorheben, in der die Berater unter der Führung der Hände ihre hohen Pflichten aufgegriffen haben.
Im August gedachte die erste in Palermo abgehaltene Ozeanische Bahá'í-Konferenz der Reise Bahá'u'lláhs über das Mittelmeer auf Seinem Weg zum Größten Gefängnis. Teilnehmer dieser Konferenz besuchten unmittelbar anschließend die Qiblih ihres Glaubens, um am Schrein des Stifters ihre Ehrfurcht zu bezeugen und um der lange vorhergesagten Ankunft des Herrn der Heerscharen an den Küsten des Heiligen Landes im vollen Bewußtsein ihrer geistigen Bedeutung zu gedenken. Diese Zusammenkunft von über zweitausend Gläubigen stand in einem unbeschreiblich krassen Gegensatz zur damaligen Ankunft Bahá'u'lláhs vor einhundert Jahren, - zurückgewiesen von den Herrschern dieser Erde, verhöhnt von den Leuten am Ort. So groß ist die bezwingende Kraft Seiner Botschaft, so die unbesiegbare Macht des Königs der Könige!
Diese selbe Botschaft wird nun von Seinen Anhängern von einem Ende der Welt zum anderen verkündet. Schon einhundertzweiundzwanzig Staatsoberhäuptern wurde die Sonderausgabe des Buches Die Verkündigung Bahá'u'lláhs überreicht, und Tausende von Beamten und führenden Persönlichkeiten erhielten weitere Exemplare.
Bahá'í-Gemeinden in der ganzen Welt haben die Tatsache, daß die Vereinten Nationen das Jahr 1968 zum Jahr der Menschenrechte erklärten, voll genutzt und nicht nur die Bande zwischen der Internationalen Bahá'í-Gemeinde und den Vereinten Nationen gestärkt, sondern gleichzeitig den Glauben und seine heilende Botschaft verkündet. Ein Land nach dem anderen hat erstmals Berichte über die Sache in den modernen Massenmedien gehört. Dieser Ruf an die Völker der Welt verstärkt sich von Tag zu Tag und muß fortgesetzt werden bis zur Beendigung des Planes und darüber hinaus, so daß jede Gesellschaftsschicht erfaßt wird.
Als Anstoß und Hilfe für diese lebenswichtige Arbeit sowie zur Förderung aller Ziele des Planes geben wir hiermit eine Serie von acht Ozeanischen und Kontinentalen Konferenzen bekannt, die zwischen August 1970 und September 1971 durchgeführt werden, und zwar wie folgt: La Paz/Bolivien und Rose Hill/Mauritius im August 1970, Monrovia/Liberia und Djakarta/Indonesien im Januar 1971; Suva/Fidschi und Kingston/Jamaika im Mai 1971; Sapporo/Japan und Reykjavik/Island im September 1971.
Ein Überblick über die Entwicklung des Neunjahresplanes läßt erkennen, daß große Fortschritte beim Erwerb von .Ha.zíratu'l-Quds, Tempelgeländen und Lehrinstituten, bei der Übersetzung von Bahá'í-Literatur in weitere Sprachen und bei der Eintragung von örtlichen und Nationalen Geistigen Räten gemacht wurden. Das Baugelände für den Panama-Tempel wurde für die Errichtung des Gebäudes vorbereitet, mit der begonnen wird, sobald die endgültigen Pläne und anderen Einzelheiten sowie die Bauvergabe genehmigt sind.
Als Ergebnis der beschleunigten Ausdehnung und Festigung, die ihren Anfang nahm und die, wenn beibehalten und unterstützt, eine Hochflut siegreicher Errungenschaften hervorbringen wird, verkünden wir mit großer Freude die Bildung von zwölf weiteren Nationalen Geistigen Räten. Zwei davon werden an Ridván 1969 gebildet: der Nationale Geistige Rat der Bahá'í von Rwanda-Burundi mit Sitz in Bujumbura und der Nationale Geistige Rat der Bahá'í von Papua-Neuguinea mit Sitz Lae; zehn weitere an Ridván 1970, davon sechs in Afrika, nämlich die Nationalen Geistigen Räte der Bahá'í der Kongo-Republik (Kinshasa); von Ghana; Dahomey, Togo und Niger; Malawi; Botswana; sowie von Gambia, Senegal, Portugiesisch-Guinea und den Kapverdischen Inseln; einer auf dem amerikanischen Kontinent, nämlich der Nationale Geistige Rat der Bahá'í der Guayanas; einer in Asien: der Nationale Geistige Rat der Bahá'í des Nahen Ostens; und zwei in Australasien: die Nationalen Geistigen Räte der Bahá'í von Tonga und den Cook-Inseln sowie von Samoa. Damit steigt die Zahl der Nationalen Geistigen Räte an Ridván 1970 auf dreiundneunzig.
In Übereinstimmung mit dem weltweiten Wachstum der Sache entwickelt sich auch das Weltzentrum schnell. Die Pilger sind, wie der geliebte Hüter sagte, das Lebensblut dieses Weltzentrums, und es war schon lange unsere große Hoffnung und unser Wunsch, allen den Segen einer Pilgerreise zum Heiligen Land gewähren zu können, die dazu in der Lage sind. Es erfüllt uns deshalb mit großer Freude, daß wir nun die Möglichkeit haben, das Tor der Pilgerreise für eine viel größere Anzahl von Gläubigen zu öffnen. Ab Oktober dieses Jahres wird die Größe jeder Gruppe von Freunden, die eingeladen wird, vervierfacht werden, und die Anzahl der jährlichen Gruppen wird ebenfalls erhöht werden, so daß jedes Jahr beinahe sechsmal so viel Pilger wie jetzt die Möglichkeit haben werden, an den Schreinen der Zentralgestalten ihres Glaubens zu beten, die durch die Fußspuren, Leiden und Triumphe Bahá'u'lláhs und `Abdu'l-Bahás gesegneten Orte zu besuchen und in der Stille dieser heiligen Vorhöfe zu meditieren, die mit so viel Sorgfalt von unserem geliebten Hüter verschönt wurden.
Der größere Zustrom von Pilgern wird die geistige Entwicklung der Bahá'í-Weltgemeinde stark fördern, die nun nach fünf Jahren anstrengender Arbeit und mit dem Lorbeer hervorragender Siege gekrönt in den vierten Abschnitt des Neunjahresplanes eintritt.
Die größten, die dringendsten Notwendigkeiten in diesem Abschnitt des Planes sind ein schnelles Anwachsen der Anzahl der Gläubigen und ein großer Schritt vorwärts bei der Erschließung zusätzlicher Zentren wie auch bei der Bildung von gut fundierten örtlichen Geistigen Räten, wie im Plan vorgesehen. Diese weltweite Tätigkeit, Wahrzeichen des vierten Abschnittes des Planes und Antwort auf die gewaltigen Möglichkeiten, welche sich durch den gegenwärtigen Zustand der Menschheit bieten, wird beträchtlich verstärkt durch die Fortsetzung der Proklamation, ist die wesentliche Grundlage für die Errichtung der restlichen Nationalen Geistigen Räte und wird in zunehmendem Maße Zeuge der günstigen Auswirkungen des internationalen Reiselehrens und der Zusammenarbeit zwischen den Räten sein. Vor allem bedarf es eines aufopferungsvollen Spendenflusses von seiten der Freunde zur Speisung der Fonds des Glaubens, und schließlich einer gewaltigen Schar von Pionieren.
Im zweiten Jahr des Planes vollbrachte die Bahá'í-Welt ihre größte Heldentat in geplantem Pionieren, als sich eine Gesamtzahl von fünfhundertundfünf Gläubigen erhob, um sich in den noch unerschlossenen und schwach besetzten Gebieten der Erde niederzulassen. Diese herrliche Leistung muß nun übertroffen werden. Der Aufruf ergeht an siebenhundertdreiunddreißig Gläubige, ihr Heim zu verlassen und sich in den Gebieten des Erdballs anzusiedeln, die dringend der Pionierunterstützung bedürfen oder dem Glauben noch nicht erschlossen sind. Diese hingebungsvollen Gläubigen, die sich ohne Zögern erheben sollten, werden im vierten Abschnitt des Planes gebraucht, um sich in 184 genau bezeichneten Gebieten in allen Teilen der Welt niederzulassen: 48 in Afrika, 40 in beiden Amerikas, 40 in Asien, 18 in Australasien und 38 in Europa. Obgleich die Verantwortung dafür in erster Linie denjenigen nationalen Bahá'í-Gemeinden übertragen wurde, die am ehesten Pioniere zur Verfügung stellen können, sollten doch alle in ihrem Herzen bedenken, ob nicht vielleicht auch sie diesem Aufruf Folge leisten können, entweder indem sie selbst gehen oder, wie es Bahá'u'lláh geboten hat, diejenigen unterstützen, die an ihrer Stelle gehen können. Weitere Einzelheiten werden den Nationalen Geistigen Räten zugesandt, um sicherzustellen, daß diese lebenswichtige Aufstellung von Bahá'í-Streitern so schnell wie möglich erfolgt.
Geliebte Freunde! Der Neunjahresplan ist gut vorangeschritten, unsere Arbeit wird durch die nie endenden Segnungen Bahá'u'lláhs bestätigt, und der gesamten Bahá'í-Weltgemeinde obliegt es jetzt, den vollständigen Sieg zu erringen. Jene glückhafte Vollendung, welche sich bereits schwach sichtbar am Horizont abzeichnet, kann nur durch harte Arbeit, realistische Planung, opferbereite Taten, Verstärkung der Lehrarbeit und vor allem durch das ständige Bemühen jedes einzelnen Bahá'í erreicht werden, sein inneres Leben jenem herrlichen Ideal anzupassen, das von Bahá'u'lláh für die Menschheit aufgestellt und von `Abdu'l-Bahá vorgelebt wurde. Betrachten wir das göttliche Beispiel, das der Meister uns gegeben hat, so wird uns klar, daß Sein Leben und Seine Taten nicht einem Modell der Zweckmäßigkeit entsprachen, sondern der unvermeidliche und spontane Ausdruck Seines innersten Selbstes waren. Auch wir sollen nach Seinem Beispiel nur in dem Maße handeln, wie unsere innere Gesinnung, die durch die Erziehung des Gebetes und der praktischen Lehrarbeit wächst und reift, zum Urquell unserer Haltung und unserer Handlungen wird. Dies wird die Absicht Gottes erfüllen helfen, den Triumph Seines Glaubens sicherstellen und uns befähigen, den jetzigen Lauf der Sache mit einer gewaltigen Antriebsenergie zu versehen, deren Kraft die Gemeinde des Größten Namens zu einem herrlichen Sieg im Jahre 1973 führen wird und darüber hinaus zu den für uns noch unfaßlichen Gestaden des Größten Friedens.
Zum Abschluß des dritten Jahres des Neunjahresplanes bestätigen wir mit dankbarem Herzen die Zeichen göttlicher Gnade, mit denen Bahá'u'lláh überall die hingebungsvollen Bemühungen Seiner Diener unfehlbar unterstützt und zum Ziele führt, und ohne Zögern geben wir unserem Vertrauen Ausdruck, daß die Gemeinde des Größten Namens durch ihre Entschlossenheit und opferbereite Anstrengung den vollkommenen Sieg herbeiführen kann und wird.
Im letzten Jahr wurde zur Bildung von elf neuen Nationalen Geistigen Räten an Ridván 1967 aufgerufen. Alle werden in dieser Ridván-Zeit gewählt werden. Wir heißen mit großer Freude die folgenden Nationalen Geistigen Räte willkommen: Algerien und Tunesien mit Sitz in Algier; Republik Kamerun mit Sitz in Victoria; Swasiland, Lesotho und Mosambik mit Sitz in Mbabane; Sambia mit Sitz in Lusaka; Belize mit Sitz in Belize; Inseln unter und über dem Winde und Jungfern-Inseln mit Sitz in Charlotte-Amalie; Ost- und Südarabien mit Sitz in Bahrein; Laos mit Sitz in Vientiane; Sikkim mit Sitz in Gangtok; Taiwan mit Sitz in Taipeh; Gilbert- und Ellice-Inseln mit Sitz in Tarawa. Das Weltzentrum des Glaubens wird bei jeder dieser Nationaltagungen durch eine Hand der Sache Gottes vertreten sein, die eine Botschaft des Universalen Hauses der Gerechtigkeit überbringt, in der die neue Nationale Gemeinde willkommen geheißen wird und ihren Anteil an den Zielen des Neunjahresplanes zugewiesen bekommt.
Sichtbare Erfolge auf der ganzen Welt
An diesem Ridván-Fest werden einundachtzig der 108 Nationalen Geistigen Räte und mehr als sechstausend der 13 737 örtlichen Geistigen Räte, die bis 1973 errichtet werden müssen, gebildet sein; von den erforderlichen 54 102 Bahá'í-Zentren sind 28 217 erreicht; fünfzehn der fünfundsechzig geforderten Nationalen Eintragungen wurden erzielt; siebzehn der zweiundfünfzig Nationalen .Ha.zíratu'l-Quds, sieben der zweiundsechzig Tempelgelände, dreizehn der vierundfünfzig Nationalen Stiftungen, vierzehn der zweiunddreißig Lehrinstitute wurden erworben; von den 973 im Plan geforderten örtlichen Eintragungen wurden 123 erfüllt; von den erworbenen örtlichen .Ha.zíratu'l-Quds befinden sich vierundzwanzig in Indien, siebzehn in Kenia, neun in Uganda, zwei in Südafrika, zwei in der Türkei und eine Anzahl im Kongo (Kinshasa); Land für acht weitere wurde in Kenia gekauft, Land für vier in Kamerun, für zwei in Pakistan und für eines in Mauritius; in acht Ländern wurden örtliche Stiftungen zusätzlich zu den im Plan geforderten erworben.
Island, Korea, Liberia, Luxemburg und Rhodesien anerkennen nun die Bahá'í-Heiratsurkunde; die Dominikanische Republik, Guayana, Hawaii, Island, Italien, Kenia und Luxemburg anerkennen die Bahá'í-Feiertage. In Liberia wurde eine Sommerschule errichtet, eine weitere - über die Erfordernisse des Planes hinaus - in Kanada; Land für weitere Sommerschulen wurde in Argentinien, Äthiopien und Samoa gekauft. Die Liste der Sprachen, in denen Bahá'í-Literatur zur Verfügung steht, wurde um fünfundzwanzig neue erweitert, wodurch die Gesamtzahl auf 397 angewachsen ist. Die Anzahl der dem Glauben erschlossenen Gebiete hat 311 erreicht, einschließlich der kürzlich neu erschlossenen Gebiete Chiloé-Archipel, Bonaire, Phoenix-Inseln und St. Martin sowie zweier Gebiete, die zusätzlich zum Plan erschlossen wurden: der Melville-Insel in Australasien und Montserrat von den Inseln über dem Winde.
Nach immer wieder vereitelten Bemühungen ist es dem Nationalen Geistigen Rat von Persien jetzt doch gelungen, in den Besitz der historischen Festung von Chihríq zu kommen, jener unwirtlichen, einsamen Zitadelle, welche die letzte irdische Heimstatt des Gesegneten Báb war und von der aus Er zu Seinem Märtyrertod nach Tabríz geführt wurde. Die Verwirklichung der schon lange gesuchten Anerkennung des Glaubens in Italien bedeutet einen wunderbaren Sieg, der nicht nur zur Eintragung des Nationalen Geistigen Rates, sondern auch aller örtlichen Geistigen Räte in Italien geführt und es ermöglicht hat, daß dort ein Bahá'í-Verlag gegründet werden kann. In Island wurde der Glaube als eine der isländischen Religionen anerkannt. Dies bedeutet nicht nur die Eintragung des örtlichen Geistigen Rates von Reykjavik, sondern ermöglicht es dem Vorsitzenden dieses Geistigen Rates, Bahá'í-Trauungen und Bahá'í-Beerdigungen durchzuführen; außerdem befreit es den Glauben von bestimmten Steuern, erlaubt die Einhaltung von Bahá'í-Feiertagen und ebnet den Weg für die Eintragung des Nationalen Geistigen Rates jenes Landes, wenn er einst gebildet sein wird. Die volle Anzahl von örtlichen Geistigen Räten, Gruppen und Zentren, die im Plan gefordert werden, wurde in dreiundfünfzig Gebieten und Inseln unter der Leitung von sechsundzwanzig Nationalen Geistigen Räten bereits erreicht; fünf Gebiete haben die erforderliche Anzahl von örtlichen Geistigen Räten gebildet, und sieben haben die festgelegte Zahl von Zentren errichtet.
Seit vor einem Jahr der Aufruf dazu erging, wurden über alle fünf Kontinente hin internationale Lehrreisen unternommen unter Einschluß fast aller nationalen Gemeinden. Achtundsiebzig Reisevorhaben wurden in Europa durchgeführt, dreiundvierzig in Amerika, siebenundzwanzig in Asien, fünfundzwanzig in Australasien, so daß sich unter Einrechnung der Lehrreisen in Afrika eine Gesamtzahl von etwa zweihundert ergibt. Es besteht große Hoffnung, daß diese anspornende Tätigkeit, die dem Herzen des geliebten Meisters so teuer war, beständig weiter ausgebaut wird.
Ein unaufhaltsamer geistiger Kraftstrom
Der Erhaltung und Festigung all dieser sichtbaren Erfolge dient eine ununterbrochene Lehr- und Verwaltungstätigkeit auf der ganzen Welt, eine nie endende Bewegung innerhalb der Bahá'í-Gemeinde - vergleichbar dem unaufhörlichen Anbranden der Meereswellen - , die die eigentliche Ursache ihres Wachstums darstellt. Nationale und örtliche Geistige Räte suchen nach Lösungen für schwierige Probleme, entwerfen neue Pläne, nehmen die Verantwortung für eine zahlen- und bewußtseinsmäßig wachsende Gemeinde auf sich; Ausschüsse bemühen sich, die gesetzten Ziele zu erfüllen; die Bahá'í-Jugend befindet sich in eifriger, hingebungsvoller Tätigkeit; einzelne Bahá'í und ganze Familien setzen ihre Bemühungen für die Sache ein, um die Botschaft weiterzugeben oder Heimkreise abzuhalten - all dieser ständig erbrachte Dienst zieht die Bestätigungen Bahá'u'lláhs auf sich, und je mehr er von Gebeten und intensiver Einsatzbereitschaft begleitet wird, je mehr er sich auch ausdehnt, desto stärker wird der geistige Kraftstrom, der aus diesem Dienen in die Welt einfließt, dem keine Macht auf Erden widerstehen kann und der schließlich den vollständigen Sieg der Sache bringen wird. Diese organische Lebendigkeit des Glaubens ist am Weltzentrum deutlich zu spüren, und wir wünschen jedem Gläubigen, daß er an dem Auftrieb teilhat, den sie verleiht.
Aufgaben am Weltzentrum
Im Weltzentrum des Glaubens wurde die Kodifizierung des Kitáb-i-Aqdas und die Vergleichung anderer wesentlicher Texte fortgesetzt. Die überaus wichtige Aufgabe der Ausarbeitung der Verfassung des Universalen Hauses der Gerechtigkeit ist weit vorangeschritten. Die Anlage und Erweiterung der Gärten, die die Heiligen Schreine in Haifa und Bahjí umgeben, nehmen ihren Fortgang. Die Veröffentlichung von The Bahá'í World, Band XIII, wurde in die Wege geleitet; das Buch umfaßt die neun Jahre von 1954 bis 1963, also beinahe den gesamten Abschnitt des Zehnjahres-Kreuzzuges, und enthält einen ausführlichen Artikel über den geliebten Hüter von `Amatu'l-Bahá Rú.híyyih Khánum. Der planvolle Ausbau der Beziehungen zu den Vereinten Nationen wird tatkräftig verfolgt. Eine wichtige zusätzliche Leistung bedeutet die Errichtung eines Internationalen Bahá'í-Bild- und Tonarchivs, dessen Aufgabe es ist, allen Nationalen Geistigen Räten Lehr- und Vertiefungsmaterial zur Verfügung zu stellen sowie Bild- und Tonberichte aufzubewahren und karteimäßig zu erfassen.
Der Dienst der Hände der Sache
Die Dienste der geliebten Hände der Sache haben während des ganzen Jahres ein unerschöpfliches Licht ausgestrahlt. Die ständige Ermutigung, die sie den Nationalen Geistigen Räten und den Gläubigen auf der ganzen Welt gegeben haben, die Ziele des Planes zu verfolgen und ein tieferes Verständnis für die wahre Bedeutung der Offenbarung Bahá'u'lláhs zu gewinnen, trägt nicht wenig zum Fortschritt des Planes bei und muß eine dauerhafte Wirkung auf die Entwicklung der Bahá'í-Gemeinde ausüben. Diese wenigen tapferen, hingebungsvollen Gläubigen, deren Platz in der Geschichte aufgrund ihrer Ernennung zu diesem hohen Amt für immer gesichert ist, sind wirklich ein kostbares Erbe, das uns von unserem geliebten Hüter hinterlassen wurde, und im Lauf der Jahre kommen zu der Ehrerbietung und Achtung, die ihnen aufgrund ihres erhabenen Ranges zustehen, immer mehr die Liebe und die Bewunderung der Freunde hinzu, die sie durch ihre unermüdlichen Dienste hervorrufen.
Aufgrund besonderer Erfordernisse wurden beim Einsatz der Hände in diesem Jahr zwei Veränderungen vorgenommen: Hand der Sache John Robarts kehrte in die westliche Hemisphäre zurück und nimmt einen besonderen Auftrag in seinem Geburtsland Kanada wahr, und Hand der Sache William Sears ging wieder nach Afrika. Außerdem geben wir mit Freude bekannt, daß Hand der Sache .Tarázu'lláh Samandarí, dessen Augen durch den Anblick Bahá'u'lláhs gesegnet wurden, das Universale Haus der Gerechtigkeit bei der Interkontinentalen Konferenz in Chicago anstelle der verstorbenen Hand der Sache Leroy Ioas vertreten wird.
Das Haus der Andacht in Panama
Auf internationaler Ebene hat das große Projekt des Tempels von Panama mit der Auswahl eines Entwurfs begonnen, der von dem englischen Architekten Peter Tillotson stammt. Herr Robert McLaughlin, ehemaliges Mitglied des Nationalen Geistigen Rates der Vereinigten Staaten und emeritierter Dekan der Akademie für Architektur an der Princeton-Universität, der auch im technischen Beratungsausschuß für den Innenausbau des Muttertempels des Westens in Wilmette mitgearbeitet hat, wurde zum architektonischen Berater des Universalen Hauses der Gerechtigkeit bei der Erbauung des Tempels ernannt. Er und Herr Tillotson haben das Baugelände gemeinsam aufgesucht und arbeiten in enger Gemeinschaft zusammen. Bilder und Zeichnungen des neuen Tempels werden in Kürze veröffentlicht, und die Freunde werden über die Fortschritte beim Bau dieses Hauses der Andacht auf dem laufenden gehalten, das »zwischen den zwei großen Ozeanen liegt«, einem Ort, der - wie `Abdu'l-Bahá andeutete - in Zukunft große Bedeutung erlangen wird und von wo aus die einmal angenommenen Lehren »den Osten und den Westen, den Norden und den Süden vereinigen werden«.
Noch immer dringender Bedarf an Pionieren
Die segensreichen Auswirkungen der großartigen Pionierleistung aus dem zweiten Jahr des Planes werden jetzt mehr und mehr fühlbar, aber trotzdem sind Pioniere noch dringend vonnöten, und sie werden auch weiterhin in allen Teilen der Welt gebraucht, nicht nur für die Festigung und Entwicklung des Glaubens in den neu gewonnenen Gebieten, sondern auch für die Gebiete, die während der Eröffnungsjahre des Planes wieder eröffnet wurden. Der unmittelbare Bedarf umfaßt 209 Pioniere für siebenundachtzig Länder und Territorien, die auf der beiliegenden Liste aufgeführt sind, und der Aufruf gilt nun der schnellen Erfüllung dieser Aufgabe. Der Einsatz auf diesem höchst verdienstvollen Gebiet steht jedem Gläubigen offen, und alle, die diesem besonderen Aufruf folgen wollen, werden gebeten, die Liste der Länder und Territorien durchzusehen und sich bei ihrem Nationalen Rat zu melden. Nähere Einzelheiten über die Erfordernisse in jedem Land sind den zuständigen Nationalen Geistigen Räten und den Pionierausschüssen zugeschickt worden.
Eine starke Heimatfront - die Grundlage für die Ausbreitung
Der ständige Bedarf an Pionieren und ebenso die herannahende weltweite Proklamationszeit machen es unerläßlich, auf jedem Kontinent den Heimatfronten besondere Aufmerksamkeit zu widmen, denn aus ihnen kommen die Mitarbeiter und die administrative Erfahrung, sie sind die solide Grundlage, von der die ganze Ausbreitung sowohl im Heimatland wie im Ausland ihren Ausgang nimmt. An der Heimatfront steht der größte Zuwachs an Geistigen Räten, Gruppen und neuen Gläubigen an, und diese Aufgabe muß tatkräftig verfolgt werden. Einige Nationale Geistige Räte haben diese wichtigen Ziele in Abschnitte unterteilt, wovon in jedem Jahr eine bestimmte Anzahl erfüllt werden soll, wodurch eine geplante und anpassungsfähige Inangriffnahme der Gesamterfordernisse gewährleistet wird. Solch ein systematisches, entschlossenes Angehen der Ziele an der Heimatfront ist sehr empfehlenswert.
Der Bahá'í-Fonds - unsere Ehre und unsere Herausforderung
Die drängenden, ständig wachsenden Bedürfnisse des Bahá'í-Fonds werden hiermit allen Gläubigen ins Bewußtsein gerufen. Große Vorhaben sind bereits in der Ausführung begriffen und stehen noch vor uns, die reiche Geldmittel zu ihrer Verwirklichung benötigen. Das Haus der Andacht in Panama - der erste der beiden im Neunjahresplan zu errichtenden Bauten; die Verschönerung und der Ausbau des Weltzentrums selbst mit einer notwendigen und unvermeidlichen Erweiterung, um den wachsenden Bedürfnissen des Glaubens zu entsprechen; die Unterstützung der lebenswichtigen Lehrprogramme in vielen Teilen der Welt; die Errichtung und Entwicklung neuer Nationaler Geistiger Räte - all dies bedarf dringend der Unterstützung der Freunde von überall her durch anhaltendes, aufopferndes Spenden. In dem Maße, wie die Inflation sich über die ganze Welt ausbreitet, wird das von ihr bedingte Anwachsen der Lebenshaltungskosten, zumindest in den wohlhabenderen Ländern, durch entsprechend steigende Einkommen ausgeglichen. Die Ausgaben des Bahá'í-Fonds werden durch diesen inflationären Zustand unweigerlich hart betroffen, was nur durch Spenden - sowohl größerer Beträge als auch von einer größeren Zahl von Spendern - ausgeglichen werden kann. Das Haus der Gerechtigkeit ist der Ansicht, daß die finanziellen Bedürfnisse der Sache durch universelle Beteiligung beim Geben gedeckt werden sollten, und fordert deshalb die Nationalen und örtlichen Räte eindringlich auf, dieses Ziel kraftvoll und ideenreich zu verfolgen, wobei den Freunden die Bitte des geliebten Hüters an alle Gläubige ins Gedächtnis gerufen wird, »daß jeder ohne Zögern gemäß seinen Verhältnissen seinen Anteil auf dem Altar des Bahá'í-Opfers niederlegen sollte«. Die Tatsache, daß nur wir Bahá'í für die Sache spenden dürfen, ist unsere Ehre ebenso wie unsere Herausforderung.
Beginn der weltweiten Verkündigung
Indem wir uns dem dritten Abschnitt des Neunjahresplanes nähern, eröffnet sich vor uns der Ausblick auf unerhörte Möglichkeiten, die das Herz jedes überzeugten Anhängers Bahá'u'lláhs höher schlagen lassen. Über ein Jahrhundert lang haben wir uns abgemüht, den Glauben zu lehren; heldenhafte Opfer, hingebungsvolle Dienste, ungeheure Anstrengungen wurden erbracht, um Außenposten des Glaubens in den wichtigsten Ländern, Territorien und Inseln dieses Erdballs zu errichten und das Rahmenwerk der administrativen Ordnung rund um den Planeten aufzubauen. Doch bleibt der Glaube Bahá'u'lláhs der Mehrzahl der Menschen bis jetzt noch immer unbekannt. Nun endlich, endlich wird die weltweite Gemeinde des Größten Namens aufgerufen, auf dem ganzen Erdball jeder Schicht der menschlichen Gesellschaft in einem anhaltenden, intensiven Feldzug die heilende Botschaft zu verkünden, daß der Verheißene erschienen ist und daß Zweck und Absicht Seiner Offenbarung das Wohlergehen und die Einheit der Menschheit sind. Dieser Feldzug, der sich über eine lange Zeit erstrecken wird, der im kommenden Oktober zur Erinnerung an die hundertjährige Wiederkehr des von Bahá'u'lláh gegebenen »Auftaktes« Seiner Verkündigung beginnen und in den verbleibenden Jahren des Neunjahresplanes an Antriebskraft gewinnen wird, kann sehr wohl die Speerspitze für andere Pläne werden, zu denen nacheinander aufgerufen wird, bis die Menschheit ihren Erlöser und Herrn erkannt und dankbar angenommen hat.
Vor hundert Jahren wandte sich Bahá'u'lláh selbst an die Könige, Regenten, Religionsführer und Völker der Welt. Das Universale Haus der Gerechtigkeit empfindet es als seine heilige Pflicht, die Aufmerksamkeit der Führer der heutigen Welt auf jene Botschaft zu lenken. Es wird ihnen deshalb den wesentlichen Inhalt der Verkündigung Bahá'u'lláhs in Buchform überreichen. Das Buch trägt den Titel Die Verkündigung Bahá'u'lláhs, und eine Sonderausgabe wird den Oberhäuptern der Staaten während der Eröffnung der Proklamationszeit zugeleitet werden. Eine allgemeine Ausgabe wird den Freunden in Englisch, Französisch, Deutsch, Italienisch und Spanisch zur Verfügung gestellt.
Die Hände der Sache Gottes `Amatu'l-Bahá Rú.híyyih Khánum, Ugo Giachery, .Tarázu'lláh Samandarí, `Alí-Akbar Furútan, Paul Haney, `Abú'l-Qásim Faizí, die das Universale Haus der Gerechtigkeit bei den Interkontinentalen Konferenzen im Oktober in Panama, Sydney, Chicago, Kampala, Frankfurt und Neu-Delhi vertreten, werden im September ein paar Tage vor dem Neunzehntagefest Mashíyyat (Wille) im Weltzentrum zusammenkommen. Die Mitglieder des Universalen Hauses der Gerechtigkeit werden sich mit diesen Händen im Gebet am Schrein Bahá'u'lláhs in Bahjí vereinen und dann mit ihnen gemeinsam im Landhaus beraten. Von jenem heiligen Ort aus werden diese Hände der Sache im Namen der gesamten Bahá'í-Welt eine besondere Pilgerreise nach Adrianopel machen, wo die Súriy-i-Mulúk offenbart wurde. Einhundert Jahre nach dem historischen Ereignis, dessen zu gedenken ihr Ziel ist, werden sie am 27. September im Hause Bahá'u'lláhs zu Gebet und Meditation zusammenkommen, während gleichzeitig die Mitglieder des Universalen Hauses der Gerechtigkeit im Heiligsten Schrein in Bahjí zur gleichen Gedenkandacht zusammentreten und für den Erfolg der Konferenzen und der Proklamationsprogramme beten werden. Die gesamte Bahá'í-Welt wird in der Zeit zwischen den Konferenzen und Ridván 1968 der hundertjährigen Wiederkehr der Eröffnung jenes wundervollen Zeitabschnittes in der Menschheitsgeschichte gedenken, als die Wolken der göttlichen Gnade ihre Schätze in verschwenderischer Fülle über die Menschen ergossen und die Tore des Königreiches weit aufgestoßen wurden, um jedem, der Augen hatte, zu sehen, einen neuen Himmel und eine neue Erde zu enthüllen sowie das neue Jerusalem, das von Gott herniedergekommen ist.
Die Interkontinentalen Konferenzen
Gleich nach dem Mashíyyat-Fest werden die Hände der Sache von Adrianopel aus zu ihren Konferenzen reisen, jede mit dem kostbaren Schatz einer Fotografie der Gesegneten Schönheit, und es wird das Vorrecht der Konferenzteilnehmer sein, diese Fotografie zu sehen. Diese hochverdienten Hände werden im eigenen Namen zu der Konferenz sprechen, an der sie teilnehmen, und jeder Konferenz eine Botschaft des Universalen Hauses der Gerechtigkeit als dessen Vertreter überbringen.
Diese sechs Konferenzen, die zum Gedenken an den Beginn von Bahá'u'lláhs eigener Verkündigung einberufen wurden und eine Zeit der Verkündigung Seiner Botschaft durch die Gesamtheit Seiner Anhänger einleiten, werden ganz ohne Zweifel wieder einmal den Geist der Freude bezeugen, der solche Zusammenkünfte der Freunde belebt; sie werden sie in ihrer Entschlossenheit bestärken, jede denkbare Maßnahme oder Möglichkeit zu ergreifen, um den göttlichen Ruf erschallen zu lassen. Geehrt durch die Anwesenheit von Händen der Sache, werden diese Konferenzen - Brennpunkte der Liebe und Gebete der Freunde allüberall, Magnete, die jene geistigen Kräfte anziehen, welche allein ihre Arbeit bestätigen können - so steht es vertrauensvoll zu hoffen, mächtige Quellen der Einheit, geistiger Beschwingtheit und realistischer Planung sein. An die Nationalen Geistigen Räte ergeht der Ruf, dafür Sorge zu tragen, daß sie bei der auf ihrem Kontinent stattfindenden Konferenz vertreten sind, damit sie ihre Pläne für die Proklamation mit anderen Nationalen Geistigen Räten austauschen und mit ihnen die noch verbleibenden Ziele des Neunjahresplanes besprechen können.
All denjenigen Freunden in so vielen Ländern, die in unterschiedlichem Maße unter Beschränkungen und Unterdrückung zu leiden haben, so daß öffentliche Gedenkveranstaltungen und anschließende Proklamationsprogramme entweder ganz unmöglich sind oder doch stark beeinträchtigt werden, senden wir eine besondere Botschaft der Liebe und Zuversicht. Ihnen übermitteln wir die Liebe und Bewunderung ihrer Mitgläubigen, die aus Dankbarkeit für ihre größere Freiheit fest entschlossen sind, zur Verkündigung der göttlichen Botschaft solche Fanfarenstöße erklingen zu lassen, daß damit sehr wohl der Weg zur Befreiung des ganzen Glaubens bereitet werden kann.
Proklamation und Lehren gehen Hand in Hand
Weltweite Verkündigung - das unbekannte Meer, auf das wir uns bald hinauswagen müssen - wird unserer Arbeit eine neue Dimension hinzufügen, die nach und nach den Zwillingsvorgang der Ausbreitung und Festigung ergänzen und weiter verstärken wird. Diese neue Struktur des Lehrens, die sich schon so bald nach Vollendung des Gesamtrahmens der Verwaltungsordnung herausschält, kann zum Werkzeug für die Verbesserung der lebenswichtigen Festigungsarbeit werden und außerdem die in einhundert Jahren - und ganz besonders seit dem Aufruf des geliebten Hüters zu systematischem, planvollem Vorgehen - gewonnene Lehrerfahrung noch mehr zur Geltung bringen. Deshalb muß in allen Ländern, in denen wir die Freiheit haben, unsere Religion in die Öffentlichkeit zu tragen, diese Aufgabe ein Teil unserer regulären Arbeit werden; sie muß im Budget berücksichtigt sein, nationalen und örtlichen Ausschüssen zugewiesen werden, damit sie sich bemühen, sie zu erfüllen und vor allem mit den laufenden Programmen zur Erreichung der Ziele des Neunjahresplanes abstimmen. Jede Bemühung zur Proklamation muß lehrmäßig unterstützt werden, besonders auf örtlicher Ebene, wo öffentliche Ankündigungen auf solche Bemühungen abgestimmt sein sollten. Diese Abstimmung ist von entscheidender Bedeutung, denn nichts wäre enttäuschender, als daß Tausende vom Glauben hören und dann nicht wissen, wo sie nähere Auskunft erhalten können.
Die Natur der Vertiefung
Der geliebte Hüter schrieb: »Danach zu streben, ein besseres Verständnis der Bedeutung der überwältigenden Offenbarung Bahá'u'lláhs zu gewinnen, bleibt, und das ist meine unerschütterliche Überzeugung, die oberste Verpflichtung und der Zweck der beständigen Bemühungen jedes einzelnen ihrer treuen Anhänger« - eine Feststellung, welche die Verpflichtung zur Vertiefung in der Sache jedem Gläubigen fest auferlegt. Deshalb möchten wir hier eher zur Natur der Vertiefung Stellung nehmen als zu der Frage, ob ihre Fortführung wünschenswert sei.
Eine ins einzelne gehende, genaue Kenntnis des derzeitigen Aufbaues der Bahá'í-Administration oder der Satzungen von Nationalen und örtlichen Geistigen Räten oder der zahlreichen und vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten des Bahá'í-Gesetzes unter den verschiedenartigen Umständen, die hier und dort auf der Welt herrschen, ist zwar durchaus wertvoll, doch kann sie nicht als die Art von Kenntnis angesehen werden, die mit Vertiefung in erster Linie gemeint ist. Worum es geht, ist vielmehr ein klareres Erfassen der Absicht Gottes für den Menschen, vor allem Seiner unmittelbaren Absicht, wie sie von Bahá'u'lláh offenbart und aufgezeigt wurde - eine Absicht, die mit den geläufigen Vorstellungen von menschlichem Glück und Wohlergehen überhaupt nichts gemein hat. Wir sollten ständig auf der Hut sein, damit nicht das Geglitzer und Geflimmer einer im Überfluß lebenden Gesellschaft uns dazu verführt anzunehmen, daß oberflächliche Ausrichtung auf die moderne Welt, wie sie von humanitären Bewegungen erträumt oder als Politik erleuchteter Staatskunst öffentlich verkündet wird - wie zum Beispiel, daß alle Mitglieder der menschlichen Rasse in den Genuß eines hohen Lebensstandards, bester Erziehung, medizinischer Betreuung und technischen Knowhows kommen - schon an sich den herrlichen Auftrag Bahá'u'lláhs erfüllen. Weit gefehlt! Dies sind alles Dinge, die uns zufallen werden, wenn wir erst das Königreich Gottes suchen, die aber nicht von sich aus erklären, warum der Báb Sein Leben gab, warum Bahá'u'lláh solche Leiden auf sich nahm, wie sie nie jemand vor Ihm ertragen hat, warum der Meister und nach Ihm der Hüter ihre Prüfungen und Trübsale mit solch übermenschlicher Kraft überwanden. Weit tiefer und grundlegender war ihre Schau, die bis zum tiefsten Sinn des menschlichen Lebens vordrang. Dies wird am deutlichsten, wenn wir den Freunden einige der Aussagen Shoghi Effendis vor Augen führen, die er in seiner gestochen scharfen Abhandlung Das Ziel: die neue Weltordnung formuliert hat. Er schreibt: »Der Grundsatz der Einheit der Menschheit ... verlangt eine organische, strukturelle Veränderung der heutigen Gesellschaft, eine Veränderung, wie sie die Welt noch nicht erlebt hat.« Indem er von den »epochemachenden Umwälzungen, die die größten Marksteine in der Geschichte der menschlichen Zivilisation darstellen«, spricht, führt er aus, daß »... sie, im richtigen Verhältnis betrachtet, nicht anders denn als untergeordnete Anpassungsvorgänge zu sehen sind und nur als Vorspiel zu der unvorstellbar herrlichen Verwandlung größten Ausmaßes, die die Menschheit in diesem Zeitalter notwendigerweise durchmachen muß.« In einer späteren Schrift sagt er über die künftige Zivilisation, die von Bahá'u'lláh errichtet wird, daß sie ausgestattet ist »... mit einer Lebensfülle, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat oder sich bisher überhaupt vorstellen kann.«
Geliebte Freunde, dies ist das Thema, das wir bei unseren Bemühungen, uns in der Sache zu vertiefen, verfolgen müssen. Was ist die Absicht Bahá'u'lláhs für die Menschheit? Zu welchem Endzweck unterwarf Er sich den erschreckenden Grausamkeiten und schimpflichen Behandlungen, die auf Ihn gehäuft wurden? Was meint Er mit »einer neuen Menschenrasse«? Welches sind die tiefgreifenden Umgestaltungen, die Er herbeiführen wird? Die Antworten finden sich in den Heiligen Schriften unseres Glaubens und in ihren Auslegungen durch `Abdu'l-Bahá und unseren geliebten Hüter. Mögen die Freunde sich in dieses Meer versenken, mögen sie regelmäßig Studienabende für dessen ständige Betrachtung abhalten, und mögen sie zur Stärkung ihrer Bemühungen gewissenhaft das tägliche Gebet und das tägliche Lesen des Wortes Gottes beachten, das Bahá'u'lláh allen Bahá'í vorgeschrieben hat.
Die gebieterische Notwendigkeit, sich in der Sache zu vertiefen
Dieses hingebungsvolle Bemühen der Freunde, sich in der Sache zu vertiefen, wird jetzt mit dem Herannahen des Proklamationsprogramms zur gebieterischen Notwendigkeit. Je mehr dieses Programm seine Wirkung zeigt, desto stärker wird sich die Aufmerksamkeit auf den Anspruch Bahá'u'lláhs richten und desto mehr muß mit Widerstand gerechnet werden. »Wie groß, wie überaus groß ist diese Sache!« schrieb der Meister, »Wie heftig wird der Angriff aller Völker und Geschlechter der Erde. Bald wird nah und fern das Geschrei der Massen in ganz Afrika, ganz Amerika, der Kampfruf der Europäer und der Türken, das Murren Indiens und Chinas zu hören sein. Wie ein Mann und mit all ihrer Macht werden sie sich erheben, um Seiner Sache zu widerstehen. Dann werden die Ritter des Herrn mit dem Beistand Seiner Gnade aus der Höhe, gestählt im Glauben, unterstützt durch die Macht der Erkenntnis und verstärkt durch die Legionen des Bündnisses, sich erheben und die Wahrheit des Verses offenbaren: `Sehet die Verwirrung, die die Scharen der Besiegten befallen hat!`«
Eingedenk der zahllosen Äußerungen göttlicher Liebe, die sich in unseren Schriften finden, und im Bewußtsein der außerordentlichen Natur der Krise, der sich die Menschheit gegenübergestellt sieht, rufen wir die Freunde auf, sich der Größe dessen, was an diesem Tage von uns erwartet wird, ganz neu bewußt zu werden. Wir rufen in die Erinnerung zurück, daß die Gesegnete Schönheit Bahá'u'lláh, wie auch Sein »über alles Geliebter« vor Ihm und `Abdu'l-Bahá nach Ihm, Ihre Leiden in dieser Welt auf sich nahmen, damit die Menschheit von materiellen Fesseln befreit werde und »wahre Freiheit erlange«, »blühen und gedeihen möge«, »dauernde Freude erfahre und von Glückseligkeit erfüllt werde«, und wir beten darum, daß die Anstrengungen der Freunde das Mittel sein mögen, durch das diese Herrlichkeit und dieses Glück sich schnell erfüllen.
In freudigem Gedenken des hingebungsvollen Geistes (und der) reifen Beratungen (bei der) Zweiten Internationalen Tagung preisen (wir die) günstige Gelegenheit, (die) Gläubigen (bei der) Nationaltagung, kurz vor (dem) herausfordernden Scheitelpunkt (des) Neunjahresplanes, anzuspornen, alle Bemühungen (auf die) Erreichung jedes (noch) verbleibenden Zieles (zu) richten und gleichzeitig (die) weltweite Verkündigung (der) göttlichen Botschaft auszudehnen (und zu) beschleunigen. Rufen alle Bahá'í in äußerster Liebe zum opferbereiten Einsatz (aller) Energien (und) Hilfsquellen (für den) Fortschritt (der) erlösenden Ordnung Bahá'u'lláhs auf, (dem) einzigen Zufluchtsort (für die) irregeleiteten (und) achtlosen Millionen. (Das) Weltzentrum (des) Glaubens (ist) Schauplatz anhaltender Beratungen (im) Geiste (des) Gebetes mit versammelten Händen (der) Sache (über) Planziele einschließlich grundlegender Frage (der) Entwicklung (der) Institution (der) Hände hinsichtlich (der) Verlängerung (ihrer) göttlich verordneten Aufgaben (des) Schutzes (und der) Verbreitung (in die) Zukunft. Flehen ständig (an) Heiligen Schreinen (zum) Herrn (der) Heerscharen, (Er möge die) hingebungsvollen glühend Liebenden reich belohnen (mit einem) vollständigen glorreichen Sieg.
Der fünfzigste Jahrestag der Offenbarung der ersten Sendschreiben zum Göttlichen Plan durch `Abdu'l-Bahá im März und April 1916 ist Zeuge des Abschlusses einer Pionierleistung, die in den Annalen der Sache ohne Beispiel dasteht. Vor einem Jahr wurde der Ruf nach vierhunderteinundsechzig Pionieren erhoben, die innerhalb von zwölf Monaten ihr Heim verlassen und sich auf dem ganzen Erdball verstreuen sollten, um die Grundlagen der Weltgemeinde Bahá'u'lláhs zu verbreitern und zu stärken. Es besteht berechtigte Hoffnung, daß mit Ausnahme von vierunddreißig Posten, deren Besetzung von der Gunst der Umstände abhängig ist, alle Pionierziele an Ridván erfüllt sein werden oder ihre Besetzung durch feste Zusagen gesichert ist. Die Dankbarkeit und Bewunderung der ganzen Bahá'í-Welt wendet sich dieser edlen Schar von hingebungsvollen Gläubigen zu, die den Aufruf so herrlich beantwortet haben. Diese Pioniere, die zu den festgesetzten Zielen aufgebrochen sind, wurden durch weitere fünfundvierzig Gläubige verstärkt, die sich in den Zielgebieten niedergelassen haben; neunundsechzig zusätzliche Freunde haben ihre Heimat verlassen, um in sechsundzwanzig weiteren, dem Glauben bereits erschlossenen Ländern ihren Wohnsitz zu nehmen. Alles zusammengefaßt haben sich im Verlaufe eines Jahres fünfhundertundfünf Bahá'í erhoben, um außerhalb ihres Heimatlandes zu pionieren: die größte Anzahl, die dies jemals in der ganzen Geschichte des Glaubens in einem einzigen Jahr vollbracht hat.
Dies ist ein weithin hallender Sieg, und im Lichte der Aussage des Meisters im ersten Sendschreiben zum Göttlichen Plan - »Es ist oft vorgekommen, daß eine begnadete Seele die Quelle der Führung einer Nation wurde« - ist es auch ein wundervolles Vorzeichen für die Zukunft. Das unmittelbare Ergebnis ist die Erschließung von vierundzwanzig neuen und die Wiederbesiedelung von vier anderen Gebieten für den Glauben sowie die Festigung dreiundneunzig weiterer Gebiete. Die neuerschlossenen Gebiete sind: Tschad und Niger in Afrika; die Halbinsel Alaska, Barbuda, die Cayman-Inseln, die Chiloe-Insel, die Providencia-Insel, das Quintana-Roo-Gebiet, Saba, die San-Andres-Insel, St. Eustatius, St. Kitts-Nevis, die St. Lawrence-Insel, Feuerland, sowie die Turks- und Caicos-Inseln in Nord- und Südamerika; die Lakkadiven-Inseln und die Marmara-Insel in Asien; die Niue-Insel in Australasien; sowie Bornholm, Capri, Elba, Gotland, Innere Hebriden und Ischia in Europa.
Die wiederbesiedelten Gebiete sind: die Corisco-Insel und Spanisch-Guinea in Afrika sowie die Malediven und die Nikobaren in Asien.
Wie zum letzten Ridván-Fest angekündigt, wird dieses Jahr die erste Nationaltagung der Bahá'í von Brunei während des zweiten Wochenendes der Ridván-Zeit abgehalten, wobei der erste Nationale Geistige Rat der Bahá'í von Brunei gewählt wird. Die Hand der Sache Collis Featherstone wird das Weltzentrum des Glaubens bei diesem historischen Ereignis vertreten.
Neun neue Nationale Geistige Räte zu Ridván 1967:
Ein weiteres Ergebnis der Bestätigungen, mit denen die gewaltigen Lehranstrengungen der letzten zwei Jahre belohnt wurden, ist der nun vom Universalen Haus ausgehende Aufruf zur Bildung der folgenden neun Nationalen Geistigen Räte an Ridván 1967: In Afrika: der Nationale Geistige Rat von Algerien und Tunesien mit Sitz in Algier; der Nationale Geistige Rat der Republik Kamerun mit Sitz in Victoria, dem auch Spanisch-Guinea, Fernando Poo, Corisco sowie So Tomé und die Principe-Inseln zugeordnet sind; der Nationale Geistige Rat von Swasiland, Mosambik und Basutoland mit Sitz in Mbabane; der Nationale Geistige Rat von Sambia mit Sitz in Lusaka. In Amerika: der Nationale Geistige Rat der Inseln über und unter dem Winde (Leeward- und Windward-Inseln) und der Jungferninseln mit Sitz in Charlotte-Amalie. In Asien: der Nationale Geistige Rat von Kambodscha mit Sitz in Phnom Penh; der Nationale Geistige Rat von Ost- und Südarabien mit Sitz in Bahrein; der Nationale Geistige Rat von Taiwan mit Sitz in Taipeh. In Australasien: der Nationale Geistige Rat der Gilbert- und Ellice-Inseln mit Sitz in Tarawa. Diese neun Nationalen Geistigen Räte, die zusammen mit dem neuen Nationalen Geistigen Rat von Brunei zehn zusätzliche Pfeiler des Universalen Hauses der Gerechtigkeit bilden, lassen die Zahl der Nationalen Geistigen Räte, die an Ridván 1968 der zweiten Internationalen Tagung für die Wahl dieser Institution beiwohnen werden, auf neunundsiebzig anwachsen.
Dieses bedeutungsvolle Jahr darf nicht vorübergehen, ohne daß die unermüdlichen und hingebungsvollen Dienste der geliebten Hände der Sache, der Bannerträger des Neunjahresplanes, erwähnt werden sowie die fähige Unterstützung, die ihnen durch ihre Hilfsämter zuteil wurde. Die Sonderaufgaben, die sie im Auftrag des Universalen Hauses der Gerechtigkeit durchgeführt haben, die von ihnen unternommenen Lehrreisen, die von ihnen organisierten Konferenzen, ihre ständige Arbeit am Weltzentrum und vor allem ihre unermüdliche Ermutigung der Freunde und ihre Wachsamkeit über das Wohlergehen der Sache Gottes waren eine Auszeichnung für die Arbeit der gesamten Gemeinde und gaben ihr wirksame Leitung. Der Schmerz um den Verlust, den sie durch das Hinscheiden der Hand der Sache Leroy Ioas erlitten, wird von der ganzen Bahá'í-Welt geteilt.
Dreifache Zielsetzung der internationalen Konferenzen:
Die glänzenden Leistungen auf dem Gebiet des Pionierens und Lehrens und die begeisterte Aufmerksamkeit, mit der die Pläne für eine würdevolle Gestaltung der Einhundertjahrfeier der Verkündigung von Bahá'u'lláhs Botschaft an die Könige und Herrscher der Welt entwickelt werden, haben den ersten Abschnitt des Neunjahresplanes mit Erfolg gekrönt und den Weg für den zweiten Abschnitt geebnet, der eine Phase der Vorbereitung und Rüstung der Bahá'í-Welt für den dritten Abschnitt darstellen muß. Der dritte Abschnitt beginnt im Oktober 1967 mit den sechs Interkontinentalen Konferenzen, die den »Auftakt« bilden zu einer Phase der Verkündigung der Sache Gottes, die sich über die restlichen Jahre des Neunjahresplanes bis zur Jahrhundertfeier der Offenbarung des Kitáb-i-Aqdas im Jahre 1973 erstrecken wird. Diese Konferenzen haben eine dreifache Zielsetzung: den hundertsten Jahrestag des Beginns von Bahá'u'lláhs eigener Verkündigung Seiner Botschaft zu feiern, die göttliche Botschaft zu verkündigen und die Aufgaben der restlichen Jahre des Neunjahresplanes beratend zu erörtern.
Die Aufgaben des zweiten Abschnitts des Neunjahresplanes:
Jetzt, da die Bahá'í-Welt den zweiten Abschnitt des Planes beginnt, hat sie fünf klar umrissene Aufgaben vor sich:
Erstens: die restlichen Pioniere auf ihre Posten zu bringen und weitere dorthin zu entsenden, wo sie benötigt werden.
Zweitens: Eingehende Vorbereitung auf den dritten Abschnitt des Planes durch die Entwicklung neuer Lehrprojekte und -methoden und den Ausbau der verschiedenen Bahá'í-Fonds auf internationaler, nationaler und lokaler Ebene.
Drittens: Die beschleunigte Herausgabe von Bahá'í-Literatur, besonders die Übersetzung und Veröffentlichung in Sprachen, in denen bis jetzt nichts vorliegt oder der Bestand ungenügend ist.
Viertens: Erwerb der restlichen nationalen .Ha.zíratu'l-Quds, Tempelgelände, nationalen Stiftungen und Lehrinstitute, die der Plan verlangt, bevor die fortschreitende Inflation, von der jetzt fast die ganze Welt erfaßt ist, den Ankauf dieser Besitztümer finanziell allzu stark belastet.
Fünftens: Ausbau des Tempelfonds von Panama. Das Universale Haus der Gerechtigkeit eröffnet diesen Fonds mit einer Spende von $ 25 000,- und ruft nun die Gläubigen und Bahá'í-Gemeinden auf, ihn freigebig und fortlaufend zu speisen, bis die Mittel für die Fertigstellung dieses historischen Gebäudes gesichert sind. Die Spenden sollen direkt an den Nationalen Geistigen Rat von Panama geschickt werden. Über fünfzig Bauentwürfe sind eingegangen, und das Haus der Gerechtigkeit prüft derzeit die Empfehlungen des Nationalen Rates. Die getroffene Wahl wird bekanntgegeben werden, und die Freunde werden über den Fortschritt dieses höchst bedeutungsvollen und begeisternden Vorhabens ständig auf dem laufenden gehalten.
Eine Herausforderung für jeden Gläubigen und jede Institution:
Jeder einzelne Anhänger Bahá'u'lláhs wie auch die Institutionen des Glaubens auf örtlicher, nationaler, kontinentaler und Weltebene müssen sich jetzt der Herausforderung stellen, die Intensität der Lehrarbeit in noch nie gekanntem Ausmaß zu steigern, um die im Plan geforderte gewaltige Ausdehnung zu verwirklichen. Für alle Gläubigen, die in Ländern leben, wo sie ihren Glauben ungehindert lehren können, wiegt diese Herausforderung noch schwerer angesichts der Unterdrückungen, denen der Glaube an anderen Orten ausgesetzt ist. In Persien werden den Gläubigen ihre Grundrechte verweigert, und der Glaube ist noch weitgehend verboten. Im `Iráq wurden das nationale und ein örtliches .Ha.zíratu'l-Quds beschlagnahmt, und die Tätigkeit der Freunde wurde stark eingeschränkt. In Ägypten sind die Bahá'í-Besitztümer noch immer beschlagnahmt, und erst kürzlich kamen mehrere Freunde für einige Zeit ins Gefängnis; jetzt warten sie auf ihren Prozeß. Eine neue Unterdrückungswelle ist in Indonesien ausgebrochen, wo das nationale .Ha.zíratu'l-Quds beschlagnahmt und die planmäßige Arbeit der Gläubigen verboten wurde. Andernorts wiederum haben die Gläubigen unter Beschränkungen und Überwachung zu leiden. Doch in allen Fällen sind die Freunde standhaft und erwarten zuversichtlich ihre rechtliche Gleichstellung und den schließlichen Sieg der Sache.
Für die örtlichen und nationalen Verwaltungsinstitutionen des Glaubens besteht die Herausforderung darin, die Lehrarbeit durch systematische Pläne zu organisieren und voranzutreiben. Zusätzlich zu den regelmäßigen Heimkreisen bei den Freunden, zu den öffentlichen Veranstaltungen, Empfängen und Konferenzen, Wochenend-, Sommer- und Winterschulen, Jugendkonferenzen und Jugendprogrammen - die derzeit allesamt so tatkräftig verfolgt werden - sollte ein ununterbrochener Strom von Reiselehrern einsetzen, die jeden Ort besuchen. Die durch ein solches Verfahren entfesselten Kräfte hat Bahá'u'lláh mit folgenden Worten verherrlicht:
»Schon allein das Reisen von Ort zu Ort, wenn es um der Sache Gottes willen geschieht, hat von jeher seinen Einfluß auf die Welt ausgeübt und kann dies auch jetzt tun. In den Büchern der Vergangenheit ist die Rangstufe derjenigen verzeichnet und niedergeschrieben, die in die Ferne oder in die nähere Umgebung gereist sind, um den Dienern Gottes Führung zu geben.«
Und `Abdu'l-Bahá sagt in den Sendschreiben zum Göttlichen Plan:
»Ständig müssen Lehrer in alle Teile des Kontinents reisen, nein, vielmehr in alle Teile der Welt ...«
Hierzu müssen jetzt, während der Vorbereitungsphase, Pläne aufgestellt und entwickelt werden, so daß sie zu Beginn des Abschnittes der Verkündigung voll einsetzbar sind; von da ab müssen sie dann bis zum Ende des Planes unnachgiebig verfolgt werden.
Ruf nach Reiselehrern:
Das Universale Haus der Gerechtigkeit mißt dem Grundsatz des Reiselehrens eine solche Wichtigkeit bei, daß es beschlossen hat, ihn auch international anzuwenden, und nun nach Gläubigen ruft, die in diesem Bereich ihre Dienste zur Verfügung stellen. Durch ihre Besuche in anderen Ländern werden diese Freunde der Verkündigung und dem Lehren des Glaubens in allen Erdteilen mächtigen Auftrieb geben. Es steht zu hoffen, daß solche Projekte selbst finanziert werden können, da der Internationale Beistandsfonds noch weiter für die Pionierarbeit benötigt wird. Trotzdem wird das Haus der Gerechtigkeit Anträge auf Unterstützung aus dem Beistandsfonds prüfen, wenn einem Projekt besonderer Wert für den Glauben beigemessen wird und der betreffende Gläubige oder die Nationalen Räte, denen das Projekt zugute kommt, nicht dafür aufkommen können. Angebote für eine Reiselehrtätigkeit von beliebiger Dauer sind an den eigenen Nationalen Geistigen Rat oder an die Kontinentalen Pionierausschüsse zu richten, denen die zusätzliche Aufgabe übertragen wurde, die Nationalen Räte bei der Durchführung und gegenseitigen Abstimmung dieses neuen Unternehmens zu unterstützen. Mögen diejenigen, die sich erheben, an des Meisters Gebot denken: »reisen wie `Abdu'l-Bahá, ... geheiligt und frei von jeder Bindung und in äußerster Loslösung.«
Ausdehnung und Festigung müssen Hand in Hand gehen:
Mit dieser umfassenden, geordneten, ständig wachsenden Lehranstrengung muß die Festigungsarbeit als gleichrangig Hand in Hand gehen. Diese beiden Tätigkeiten sind tatsächlich als untrennbare Bestandteile der Ausbreitung des Glaubens zu betrachten. Natürlich kommt die Lehrarbeit zuerst; würde sie jedoch alleine betrieben, ohne Festigung oder Vertiefung, so bliebe die Gemeinde unvorbereitet zur Aufnahme der Massen, die früher oder später für die lebenspendende Botschaft der Sache empfänglich sein werden. Die Anleitung unseres geliebten Hüters in dieser lebenswichtigen Angelegenheit ist wie immer klar und unmißverständlich: »Jeder Vorstoß in neue Gebiete, jede Vermehrung der Bahá'í-Institutionen muß von einem tieferen Eintreiben der Wurzeln begleitet sein, die das geistige Leben der Gemeinde erhalten und ihre gesunde Entwicklung gewährleisten. Diese lebenswichtige, ständig vor uns stehende Notwendigkeit darf zu keiner Zeit außer acht gelassen, sie darf unter keinen Umständen vernachlässigt oder der nicht minder lebenswichtigen und dringenden Aufgabe, die äußere Ausdehnung der Bahá'í-Verwaltungsinstitutionen sicherzustellen, untergeordnet werden.« Von jetzt ab muß die Bahá'í-Gemeinde das richtige Gleichgewicht zwischen diesen zwei wesentlichen Seiten ihrer Entwicklung halten, da wir in das Zeitalter der Massengewinnung eintreten. Die Festigung darf sich nicht nur auf die Errichtung von Bahá'í-Verwaltungsinstitutionen erstrecken; sie umfaßt ebenso eine wirkliche Vertiefung in den grundlegenden Wahrheiten der Sache und ihren geistigen Grundsätzen, ein Verständnis ihrer Hauptabsicht der Errichtung der Einheit der Menschheit, eine Unterweisung in ihren Verhaltensnormen in allen Bereichen des privaten und öffentlichen Lebens sowie in der speziellen Führung des Bahá'í-Lebens bei Dingen wie tägliches Gebet, Kindererziehung, Einhaltung der Gesetze zur Bahá'í-Eheschließung, Enthaltung von Politik, Pflicht zum Spenden für den Fonds, Bedeutung des Neunzehntagefestes sowie die Gelegenheit, sich eine fundierte Kenntnis der Bahá'í-Administration, wie sie derzeit gehandhabt wird, zu verschaffen.
Die dringende Notwendigkeit eines verstärkten Spendenstromes:
Der Vormarsch des Glaubens verlangt einen großen Zuwachs an Spenden für die verschiedenen Fonds, ja er ist davon abhängig. Alle dem Weltzentrum des Glaubens zugeteilten Ziele, besonders aber diejenigen, welche die Erschließung und Verschönerung des die Heiligen Schreine umgebenden Besitzes und die Ausdehnung der Gärten auf dem Berg Karmel betreffen, sind mit hohen Ausgaben verbunden. Weitere Summen erfordert der Bau der beiden im Plan vorgesehenen Tempel, und der weltweite Feldzug des Lehrens und der Festigung, der jetzt noch verstärkt werden soll, muß von einem stark angewachsenen, ununterbrochenen Zufluß von Geldmitteln getragen werden. Der Internationale Beistandsfonds muß aufrechterhalten und vergrößert werden, nicht nur für den weiteren Pionierbedarf, sondern auch um das Reiselehrerprogramm zu unterstützen und zu entwickeln, zu dem nun aufgerufen wurde. Nachdem es nur denjenigen, die ihre Anerkennung Bahá'u'lláhs öffentlich erklärt haben, erlaubt ist, finanziell zur Errichtung Seiner Weltordnung beizutragen, versteht es sich von selbst, daß mehr, viel mehr von den wenigen verlangt wird, die heute dieses Vorrecht besitzen. Unsere Verantwortung auf diesem Gebiet ist sehr groß: sie ist der Gnade ebenbürtig, Träger des Namens Gottes an diesem Tage zu sein.
Die Herausforderung an den einzelnen Bahá'í auf jedem Gebiet des Dienstes, doch vor allem beim Lehren der Sache Gottes, hört nie auf. Mit jeder neuen Trübsal, die die Menschheit heimsucht, tritt unsere unausweichliche Pflicht deutlicher in Erscheinung; auch sollten wir nie vergessen, daß, wenn wir diese Pflicht vernachlässigen, - in den Worten Shoghi Effendis - »andere aufgerufen werden, unsere Aufgabe zu erfüllen, sich der schreienden Not dieser gequälten Welt anzunehmen.« Es hat durchaus den Anschein, daß wir jetzt in einen Zeitabschnitt der lange ersehnten Ausdehnung unseres geliebten Glaubens eintreten. Der Menschheit wachsender Hunger nach geistiger Wahrheit ist unsere Gelegenheit. Während wir die Hand nach dieser Gelegenheit ausstrecken, sollten wir über die folgenden Worte Bahá'u'lláhs nachdenken:
»Euer Verhalten eurem Nachbarn gegenüber sollte so sein, daß es klar die Zeichen des einen wahren Gottes offenbart, denn ihr seid die ersten unter den Menschen, die durch Seinen Geist wiedererschaffen wurden, die ersten, die Ihn anbeten und das Knie vor Ihm beugen, die ersten, die Seinen Thron der Herrlichkeit umkreisen.«
Je tiefer die Menschheit in den Zustand hineintreibt, von dem Bahá'u'lláh schrieb, daß es »nicht ziemlich und passend wäre, ihn jetzt zu enthüllen«, desto mehr müssen die Gläubigen als zuversichtliche, klar bestimmte und von Grund auf glückliche Wesen hervortreten, die einer Norm folgen, welche in direktem Gegensatz zu der niedrigen und amoralischen Verhaltensweise der modernen Gesellschaft steht und damit die Quelle ihrer Ehre, Stärke und Reife ist. Gerade dieser ausgeprägte Unterschied zwischen der Stärke, Einheit und Disziplin der Bahá'í-Gemeinde einerseits und der wachsenden Verwirrung, Verzweiflung und dem fieberhaften Tempo einer dem Untergang geweihten Gesellschaft andererseits wird in den vor uns liegenden stürmischen Jahren die Augen der Menschheit auf das Heiligtum des welterlösenden Glaubens Bahá'u'lláhs lenken.
Der beständige Fortschritt der Sache Gottes ist eine Quelle der Freude für uns alle und ein Anstoß zu weiterem Handeln. Aber nicht zu gewöhnlichem Handeln! Zu heroischen Taten ist nun aufgerufen, wie sie nur von göttlich gestützten, losgelösten Seelen vollbracht werden können. `Abdu'l-Bahá, der Gebieter der Heerscharen des Herrn, hat in einem der Sendschreiben zum Göttlichen Plan diesen Ruf ausgestoßen: »O, wie sehne ich mich danach, diese Gegenden zu durchreisen, wenn nötig, sogar zu Fuß und in tiefster Armut die Städte, die Dörfer, die Berge, die Wüsten und die Meere zu durchqueren, mit höchster Stimme den Ruf `Yá Bahá'u'l-Abhá' zu erheben und die göttlichen Lehren zu verbreiten. Dies aber kann ich nicht tun. Wie tief beklage ich dies.« Und er schloß mit diesem herzbewegenden Ausruf: »Wenn es Gott gefällt, werdet ihr es vielleicht vollbringen.«
Die Flut der Siege, welche die Bahá'í-Weltgemeinde zu den Feiern des Größten Jubiläums trug, steigt weiter an.
Ein unaufhörlicher Strom göttlicher Bestätigung fällt wie Regen auf unsere Bemühungen; dies zeigt sich deutlich in den vielen bemerkenswerten Leistungen, die in den wenigen kurzen Monaten seit dem Beginn des Neunjahresplanes erbracht wurden. Der augenfälligste Beweis ist, daß die Anzahl der Zentren, an denen Bahá'í wohnen, von fünfzehntausendeinhundertachtundsechzig zu Ridván 1964 auf nunmehr einundzwanzigtausendundsechs angestiegen ist - ein Wachstum von beinahe sechstausend in einem Jahr. Ebenso bemerkenswert ist der Fortschritt der Lehrarbeit in Indien, wo die Zahl der Gläubigen nun einhundertvierzigtausend überschreitet - ein Anwachsen um mehr als dreißigtausend seit Ridván 1964. Pioniere ziehen in die wenigen verbleibenden Gebiete der Erde, die noch nicht vom Licht der neuen Offenbarung Gottes erleuchtet sind; »das starke Anwachsen« der Sache, zu dem bei Beginn des Planes aufgerufen wurde, scheint in Gang zu kommen, und in einem Land nach dem anderen werden die Institutionen und Stiftungen des Glaubens beharrlich auf fester Grundlage aufgebaut.
Die dem Weltzentrum zugewiesenen Ziele sind in den verstrichenen zwölf Monaten aktiv angegangen worden. Grundlegende Entscheidungen und Schritte, um das Ziel der »Entwicklung der Institution der Hände der Sache Gottes im Hinblick auf die künftige Wahrnehmung der ihre zugewiesenen Aufgaben des Schutzes und der Verbreitung« zu verwirklichen, wurden den Freunden bereits mitgeteilt. Die schon bisher mit Ehren und Verdiensten überreich ausgestatteten Mitglieder dieser erhabenen Körperschaft, die Bannerträger des Neunjahresplanes wie auch schon des Zehnjahres-Kreuzzuges des geliebten Hüters, haben sich nach ihrer Zusammenkunft im letzten Oktober im Heiligen Land mit erneuter und beispielloser Kraft aufgemacht, um die Freunde anzufeuern, sich der höchsten Herausforderung zum Lehren der Sache zu stellen, und um den administrativen Organen Rat und Hilfe zu geben und den göttlichen Wohlgeruch und die Liebe Gottes in der ganzen Welt zu verbreiten. Die Erhöhung der Zahl der Hilfsamtsmitglieder und die neuen Vorkehrungen für die Organisation ihrer Arbeit werden, wie wir zuversichtlich erwarten, die geliebten Hände in die Lage versetzen, ihren wichtigen Dienst noch wirkungsvoller zu leisten, und sie werden mehr Zeit finden, um zu reisen und zu lehren.
Eine vorläufige Bestandsaufnahme der Voraussetzungen für den Bau des ersten Hauses der Andacht von Lateinamerika - eines der zwei Gebäude, die während des Planes errichtet werden sollen - wurde bereits gemacht, und wir laden nun Bahá'í- und Nicht-Bahá'í-Architekten ein, Entwürfe für den Tempel von Panama einzureichen. Die Ausschreibungsbedingungen sowie Einzelvorschriften für das Gebäude können vom Nationalen Geistigen Rat von Panama angefordert werden, dessen Entwurfswahl der endgültigen Zustimmung des Universalen Hauses der Gerechtigkeit unterliegt. Wir hoffen, daß dieses heilige Haus der Andacht - das an einem Standort entsteht, dem vom Meister wie auch vom Hüter solch besondere Bedeutung beigemessen wurde - schnell vollendet wird, damit das Leuchtfeuer seiner geistigen Ausstrahlung den ganzen amerikanischen Kontinent erhellen kann.
Die folgenden neuen Gebiete wurden während der vergangenen zwölf Monate dem Glauben erschlossen: auf dem afrikanischen Kontinent Gabun, Ifni, Mali, Mauretanien, die Rodrigues-Insel und Obervolta; auf dem amerikanischen Kontinent die Aruba-Insel, die Cozumel-Insel, Guadeloupe, die Las-Mujeres-Insel, die Prince-of-Wales-Insel und St. Vincent; auf dem asiatischen Kontinent die Ryukyu-Inseln; auf dem australasiatischen Kontinent die Linien-Inseln; und auf dem europäischen Kontinent die Insel Wight sowie die ost- und westfriesischen Inseln. Die folgenden Gebiete wurden wieder erschlossen: auf dem afrikanischen Kontinent die Mafia-Insel; auf dem amerikanischen Kontinent Antigua, Französisch-Guyana und Martinique; auf dem asiatischen Kontinent West-Irian und auf dem australasiatischen Kontinent die Admiralitäts-Inseln. Nationale .Ha.zíratu'l-Quds wurden an neun Orten, den Sitzen Nationaler Geistiger Räte, erworben, und Grundstücke für den Bau solcher Zentren wurden an zwei weiteren Orten angekauft. Sechs Nationale Geistige Räte wurden eingetragen, und der Glaube wurde in Kambodscha anerkannt, einem Land, das während des Neunjahresplanes seinen eigenen Nationalen Geistigen Rat bilden wird. Nationale Stiftungen wurden in acht Ländern erworben; sechs Lehrinstitute wurden errichtet und Land für sechs weitere wurde gekauft; ein Bahá'í-Verlag für die Herausgabe von Literatur in französischer Sprache wurde in Brüssel gegründet; die Bahá'í-Feiertage wurden in drei Gebieten anerkannt; Bahá'í-Literatur wurde in folgenden elf neuen Sprachen veröffentlicht: Ibibio-Efik auf dem afrikanischen Kontinent; Aguacateca, Athebaskisch, Cariña und Motilon-Yukpa auf dem amerikanischen Kontinent; Kenyah, Melanau und Temiar auf dem asiatischen Kontinent; und Ghari, Marschallesisch und Motua in Australasien. Der Fortschritt der Sache auf Borneo ermöglicht die Erfüllung eines zusätzlichen Zieles zum Plan, nämlich die Errichtung des Nationalen Geistigen Rates der Bahá'í von Brunei zu Ridván 1966.
Zwei Eigenschaften der Bahá'í-Weltgemeinde:
Mit dem Verstreichen des ersten Jahres des Planes werden zwei Eigenschaften der Bahá'í-Weltgemeinde immer deutlicher. Die erste betrifft die Weltgemeinde selbst: es ist die Fähigkeit, alle ihr zugewiesenen fest umrissenen Ziele zu erfüllen, wie z.B. der Erwerb von .Ha.zíratu'l-Quds, Tempelgeländen, Stiftungen oder die Eintragung von Geistigen Räten; solche sachlichen und höchst wichtigen Ziele, durch die die Sache in der Welt sichtbar wird und in ihrer rechtlichen und sozialen Stellung in Erscheinung tritt, werden jetzt von der Verwaltungsordnung Zug um Zug erreicht. Dabei ist auch die Tatsache zu beachten, daß Ziele dieser Art größtenteils durch Zusammenarbeit von Räten verwirklicht wurden - eine internationale Zusammenarbeit, die für die Entwicklung der Weltordnung lebenswichtig ist.
Die zweite Eigenschaft, die nach dem Verstreichen des ersten Jahres des Planes klar hervortritt, betrifft die Beziehung der Sache zur Menschheit. Beinahe weltweit herrscht das Gefühl eines bevorstehenden Durchbruches zur Gewinnung von Gläubigen auf breiter Basis. Berichte der Hände der Sache und der Hilfsamtsmitglieder sprechen ständig davon; viele Nationale Geistige Räte glauben, daß sie das Ufer dieses Meeres erreicht haben. Und tatsächlich gibt es den Zulauf zur Sache in Gruppen in einigen Gebieten schon seit einer Reihe von Jahren. Aber noch Größeres steht uns bevor. Das Lehren des Glaubens muß ein weltumfachendes Feuer entzünden, in dessen Licht die Sache und die Welt - die Hauptpersonen in dem größten Drama der Weltgeschichte - hell erleuchtet werden. Die Vorsehung trägt uns diesem Höhepunkt zu; wir müssen uns mit Heldenmut gürten.
Entsendung von vierhundertsechzig Pionieren:
Vier herausfordernde, sofortige Aufgaben stehen vor uns. Die erste ist, während des kommenden Jahres nicht weniger als vierhundertundsechzig Pioniere aufzustellen und auszuschicken, die die vierundfünfzig verbleibenden, noch unerschlossenen Gebiete des Planes eröffnen, die achtzehn unbesetzten Gebiete wieder besiedeln, Gegenden stärken, wo die Anzahl und der Zusammenschluß der Bahá'í-Gemeinden zur Zeit nicht ausreichend sind, um wirksame Lehrpläne in Angriff zu nehmen, und die Arbeit in den Gegenden der Massenlehrtätigkeit unterstützen und ausweiten. Jeder Gläubige, ob - mit dem geliebten Hüter zu sprechen - »... im aktiven Dienst oder nicht, von einem oder dem anderen Geschlecht, jung oder alt, reich oder arm, altgedient oder neuerklärt...«, sollte über diese Herausforderung tief nachdenken.
Um die Pionieranstrengungen der Freunde und die Übersiedlung auf ihre Posten während der nächsten zwölf Monate zu unterstützen, geben wir die Bildung von fünf Kontinentalen Pionierausschüssen bekannt, nämlich: der Pionierausschuß für Afrika, ernannt vom Nationalen Geistigen Rat der Britischen Inseln; Pionierausschuß für Nord- und Südamerika, ernannt vom Nationalen Geistigen Rat der Bahá'í der Vereinigten Staaten; Pionierausschuß für Asien, ernannt vom Nationalen Geistigen Rat der Bahá'í in Persien; Pionierausschuß für Australasien, ernannt vom Nationalen Geistigen Rat der Bahá'í in Australien; Pionierausschuß für Europa, ernannt vom Nationalen Geistigen Rat der Bahá'í in Deutschland.
Diese Ausschüsse werden in keiner Weise in die Verantwortlichkeit anderer Pionierausschüsse eingreifen oder in die der Nationalen Geistigen Räte, die mit der Lehrarbeit beauftragt sind und unter deren Jurisdiktion sie arbeiten werden. Sie werden gebildet, um die Arbeit dieser nationalen Körperschaften zu erleichtern und zu unterstützen, indem sie für wirksamen Austausch wichtiger Informationen auf kontinentaler und interkontinentaler Ebene sorgen und bei der Weiterleitung von Pionierangeboten sowie der Ansiedlung der Pioniere auf ihrem Posten mithelfen.
Eine gewissenhafte Schätzung der für jedes Gebiet - einschließlich der oben erwähnten zweiundsiebzig Gebiete - in den nächsten zwölf Monaten benötigten Pioniere wurde gemacht; das Ergebnis ist der Ruf nach vierhunderteinundsechzig Pionieren: sechsundachtzig für Afrika, sechsundneunzig für Nord- und Südamerika, einhunderteinundneunzig für Asien, neunundzwanzig für Australasien und neunundfünfzig für Europa. Jeder Nationale Geistige Rat wurde nach seinem Bedarf an Pionieren befragt, und dieser Bedarf wurde allen Nationalen Geistigen Räten mitgeteilt, ebenso den fünf Kontinentalen Pionierausschüssen, die durch die Nationalen Geistigen Räte ständig über die Fortschritte auf dem laufenden gehalten werden. Die Freunde werden deshalb dringend gebeten, sich um Auskunft über benötigte Pioniere und über die Zuständigkeit ihrer eigenen sowie aller anderen Gemeinden an ihren Nationalen Geistigen Rat zu wenden.
Zum ersten Mal in der Bahá'í-Geschichte wurde am Weltzentrum ein Internationaler Beistandsfonds unter der Verwaltung des Universalen Hauses der Gerechtigkeit eingerichtet. Daraus sollen zusätzliche Hilfsmittel speziellen Pioniervorhaben zur Verfügung gestellt werden, wenn andere Gelder nicht vorhanden sind. An alle Freunde, und besonders an diejenigen, die dem Pionieraufruf nicht nachkommen können, ergeht die Bitte, diesen Fonds zu unterstützen im Bewußtsein des Gebotes Bahá'u'lláhs: »Sammelt euere Kräfte für die Verbreitung des Glaubens Gottes. Wer immer einer so hohen Berufung würdig ist, der mache sich auf, den Glauben zu fördern. Wer dies nicht vermag, der hat die Pflicht, jemanden zu bestimmen, der statt seiner diese Offenbarung verkündet, deren Gewalt die Grundmauern der mächtigsten Bauten beben macht, jeden Berg zu Staub zermalmt und jede Seele bestürzt.« (ÄL 96/3)
Ein rasches Anwachsen der Mitgliederzahl und der Institutionen:
Die zweite Herausforderung, der wir uns gegenüber sehen, ist, die Intensität der Lehrarbeit in einem noch nie erreichten Grade zu steigern, um jene »gewaltige Ausweitung« zu verwirklichen, die im Plan gefordert wird. Universelle Teilnahme und ständiges Tätigsein werden dieses Ziel erreichen lassen. Jeder Gläubige muß seine Arbeit tun und ist dazu auch in der Lage, denn jede Seele trifft andere Seelen, und Bahá'u'lláh hat uns verheißen: »Wer sich erhebt, um unserer Sache beizustehen, den wird Gott siegreich werden lassen...«. Die Verwirrung der Welt wird nicht geringer, sondern sie steigert sich mit jedem vergehenden Tage, und Männer wie Frauen verlieren den Glauben in die menschlichen Heilmittel. Endlich dämmert die Erkenntnis auf, daß »es keinen Ort gibt, wohin man fliehen könnte«, außer Gott. Nun bietet sich die goldene Gelegenheit; die Menschen sind gewillt und vielerorts begierig, der göttlichen Heilsbotschaft zu lauschen.
Die dritte Herausforderung gilt dem möglichst schnellen Erwerb aller noch verbleibenden Nationalen .Ha.zíratu'l-Quds, Tempelgelände, nationalen Stiftungen und Lehrinstitute, die der Plan verlangt. Die umgehende Ausführung dieser Vorhaben wird zu einem späteren Zeitpunkt gewaltige Ausgaben ersparen und den Glauben mit Eigentum von wachsendem Wert ausstatten. Diese ersten, grundlegenden Besitztümer sind Keimzellen für mächtige Institutionen in der Zukunft; doch es obliegt dieser Generation, sie zu ihrem eigenen Schutz und als ihr Geschenk an die Nachwelt zu erwerben. Wir rufen die Nationalen Geistigen Räte auf, denen eine Verantwortung auf diesem Gebiet übertragen wurde, ihr höchste Priorität einzuräumen. Eine weitere, aber ebenso wesentliche Überlegung ist, daß die Erreichung dieses Zieles in den frühen Jahren des Planes die Energien und Hilfskräfte der wachsenden Weltgemeinde in den späteren Stadien freisetzen wird für den konzentrierten, entschlossenen, unerbittlichen Kampf um große Siege, deren Grundlage jetzt gelegt wird.
Einhundertjahrfeier der Verkündigung an die Könige im Jahre 1867:
Die vierte Herausforderung ist die Vorbereitung und Planung einer angemessenen Feier des hundertsten Jahrestages der Verkündigung Bahá'u'lláhs im September/Oktober 1867 an die Könige und Herrscher der Welt auf nationaler und örtlicher Ebene. Diese Feiern werden den Auftakt bilden zu einem wohlvorbereiteten, von allen getragenen Programm zur Verkündigung der Botschaft Bahá'u'lláhs an die Mehrheit der Menschen während der restlichen Zeit des Neunjahresplanes.
Ein Rückblick auf die historische Verkündigung Bahá'u'lláhs, wie sie von Shoghi Effendi in Gott geht vorüber beschrieben ist, zeigt, daß ihr »Auftakt gegen Ende der Verbannung Bahá'u'lláhs nach Adrianopel erklang« und daß sie sechs Jahre später »während der ersten Jahre Seiner Einkerkerung in der Gefängnisfestung von `Akká ihren Abschluß fand«. Dieser »Auftakt« waren die mächtigen und ehrfurchtgebietenden Worte, die von Ihm gemeinsam an die Könige und Herrscher in der Súriy-i-Mulúk gerichtet wurden, »dem folgenschwersten Tablet, das von Bahá'u'lláh geoffenbart wurde«. Es wurde während der Monate September und Oktober 1867 niedergeschrieben, und ihm folgten »unzählige Sendschreiben ..., in denen die Folgerungen Seines neu erhobenen Anspruches voll dargelegt wurden«. »Könige und Kaiser, einzeln und gemeinsam; die obersten Beamten der Republiken des amerikanischen Kontinents; Minister und Gesandte; der Papst selbst; der Stellvertreter des Propheten des Islam; der fürstliche Bevollmächtigte des Königreichs des verborgenen Imam; die Monarchen der Christenheit, ihre Patriarchen, Erzbischöfe, Bischöfe, Priester und Mönche; die anerkannten Führer der sunnitischen und schiitischen geistlichen Orden; die Hohen Priester der zoroastrischen Religion; die Philosophen, die kirchlichen Führer, die Weisen und die Einwohner Konstantinopels - jenes stolzen Sitzes des Sultanats und Kalifats; die Gesamtheit der sich bekennenden Anhänger der zoroastrischen, jüdischen, christlichen und muslimischen Religion; das Volk des Bayán; die Weisen der Welt, ihre Schriftsteller, ihre Dichter, ihre Mystiker, ihre Kaufleute, die gewählten Vertreter ihrer Völker; Seine eigenen Landsleute«: sie alle wurden »unmittelbar in den Kreis der Ermahnungen, der Warnungen, der Aufrufe, der Erklärungen und der Voraussagen einbezogen, die das Leitthema seiner denkwürdigen Aufforderung an die Führer der Menschheit darstellen...« »So einzigartig und erstaunlich diese Verkündigung war, so war sie doch nur das Vorspiel zu einer noch mächtigeren Offenbarung der schöpferischen Kraft ihres Urhebers, einer Verkündigung, die als die außerordentlichste Tat Seiner Amtszeit eingestuft werden mag - die Verkündigung des Kitáb-i-Aqdas.« In diesem, dem heiligsten Buch, das 1873 offenbart wurde, verkündigt Bahá'u'lláh den Herrschern der Erde in ihrer Gesamtheit nicht nur ein weiteres Mal, daß »Er, der König der Könige, erschienen ist«, sondern Er spricht regierende Herrscher einzeln beim Namen an und verkündet den »Staatsoberhäuptern Amerikas und den Präsidenten der amerikanischen Republiken«, daß »der Verheißene nun da ist«. So sah die Verkündigung Bahá'u'lláhs an die Menschheit aus. Er selbst bezeugte: »Niemals seit dem Bestehen der Welt wurde die Botschaft so offen dargelegt.«
Die Feierlichkeiten zu dieser schicksalsschweren Jahrhundertfeier werden damit beginnen, daß im September 1967 am Neunzehntagefest Mashíyyat (Wille) einige dazu ausersehene Vertreter der Bahá'í-Welt die Stätte des Hauses in Adrianopel besuchen werden, wo die historische Súriy-i-Mulúk offenbart wurde.
Unmittelbar im Anschluß an diesen freudigen und weihevollen Akt werden im Monat Oktober gleichzeitig sechs Interkontinentale Konferenzen in Panama City, Wilmette, Sydney, Kampala, Frankfurt und Neu-Delhi abgehalten. Gastgeber der Konferenz wird jeweils der Nationale Geistige Rat sein, in dessen Gebiet sie stattfindet; er wird auch die Konferenz einberufen. Das Universale Haus der Gerechtigkeit wird bei diesen Konferenzen durch die folgenden Hände der Sache Gottes vertreten sein: in Panama City durch `Amatu'l-Bahá Rú.híyyih Khánum, die bei dieser Gelegenheit den Grundstein für den Tempel legen wird; in Wilmette durch Leroy Ioas; in Sydney durch Ugo Giachery; in Kampala durch `Alí Akbar Furútan; in Frankfurt durch Paul Haney; in Neu-Delhi durch Abu'l-Qásim Faizí.
Alle Nationalen Geistigen Räte sind aufgerufen, auf nationaler und örtlicher Ebene angemessene Gedenkveranstaltungen zu Beginn des Zeitraumes der Jahrhundertfeier in den Monaten September/Oktober 1967 und zwischen den soeben erwähnten Konferenzen und Ridván 1968 vorzubereiten, dem Zeitpunkt, an dem die zweite Internationale Tagung für die Wahl des Universalen Hauses der Gerechtigkeit im Weltzentrum abgehalten wird.
Die erfolgreiche Durchführung all dieser Vorhaben wird den Möglichkeiten der Bahá'í-Weltgemeinde entsprechend eine angemessene Gedächtnisfeier zur Erinnerung an das heilige Ereignis sein, an das sie anknüpfen.
Zeit der Proklamation:
Diese sechs Konferenzen werden ebenso wie das geschichtliche Ereignis, dessen hundertsten Jahrestag sie feiern, den »Auftakt« bilden zu einem Zeitabschnitt der Verkündigung der Sache Gottes, der sich durch die verbleibenden Jahre des Neunjahresplanes bis 1973 zum hundertsten Jahrestag der Offenbarung des Kitáb-i-Aqdas erstrecken und das heiße, von Einfallsreichtum getragene Bemühen aller Nationalen und örtlichen Geistigen Räte der Welt erfordern wird.
Die internationale Bühne wird Zeuge von Ozeanischen Konferenzen sein, wie von Shoghi Effendi vorausgesagt. Die erste dieser Konferenzen wird im August 1968 auf einer Insel im Mittelmeer stattfinden zur Erinnerung an die Reise Bahá'u'lláhs einhundert Jahre zuvor über dieses gleiche Meer von Gallipoli in der Türkei zum Größten Gefängnis in `Akká. In den anschließenden Jahren des Neunjahresplanes werden weitere Konferenzen im Atlantischen Ozean, in der Karibischen See, dem Pazifischen Ozean und Indischen Ozean abgehalten werden.
Indem wir alle Nationalen Geistigen Räte aufrufen, jetzt schon die Bildung eines nationalen Ausschusses für die Verkündigung der Sache ins Auge zu fassen, der mit der Ausarbeitung von wirksamen, den Gegebenheiten entsprechenden Plänen für die Verkündigung des Glaubens während des gesamten Zeitabschnittes der Jahrhundertfeier beauftragt wird, können wir nichts besseres tun, als die Aufmerksamkeit auf den folgenden Absatz in einem Brief unseres geliebten Hüters in Verbindung mit den Gedenkfeiern zum hundertsten Jahrestag der Geburt des Bahá'í-Zeitalters zu lenken:
»Ein beispielloser, sorgfältig ausgearbeiteter, wirksam abgestimmter Feldzug auf nationaler Ebene, der die Verkündigung der Botschaft Bahá'u'lláhs durch Ansprachen, Zeitungsartikel und Radiosendungen zum Ziele hat, sollte unverzüglich in Angriff genommen und tatkräftig durchgeführt werden. Die Universalität des Glaubens, seine Ziele und Absichten, Episoden aus seiner dramatischen Geschichte, Zeugnisse seiner verwandelnden Kraft sowie der Charakter und die unterscheidenden Merkmale seiner Weltordnung sollten betont und der Allgemeinheit erläutert werden, besonders auch der Sache wohlgesinnten bedeutenden Freunden und Führern; diese sollten angesprochen und eingeladen werden, an den Feierlichkeiten teilzunehmen. Vorträge, Konferenzen, Essen, Sonderveröffentlichungen sollten im vertretbaren Rahmen und entsprechend den Mitteln, die den Gläubigen zur Verfügung stehen, die Natur dieses freudigen Festes verkünden.«
Der majestätische Prozeß gewinnt an Schwungkraft:
Der majestätische Prozeß, der von unserem geliebten Hüter 1953 in Gang gesetzt wurde, als er die weit verstreute, unbedeutende Bahá'í-Weltgemeinde aufrief, jenen ersten glorreichen, weltumfassenden Kreuzzug in Angriff zu nehmen, gewinnt an Schwungkraft, und die Nachwelt mag mit ehrfürchtigem Staunen zur Kenntnis nehmen, wie inmitten einer in Gegensätze, Feindschaften und Zerrissenheit verstrickten Welt ein so kleiner Bruchteil der Menschheit die Entwicklung des Baumusters und der Sehnen und Stränge der Weltordnung eingeleitet hat. Diese von göttlicher Kraft getriebene, seit langem verheißene Entwicklung muß ihren historischen Lauf nehmen bis zu ihrer schließlichen Vollendung im Ruhm und der Herrlichkeit der Weltordnung Bahá'u'lláhs, des Königreiches Gottes auf Erden.
mit dem Kommen des Königs der Feste ist die Zeit der Vorbereitung auf den nächsten globalen Plan abgeschlossen: Wir rufen nun die Freunde Gottes zu einem neuen fünfjährigen hingebungsvollen Einsatz auf, der Mut, Entschlossenheit und Ressourcen erfordert.
Die Gemeinschaft von Bahá’u’lláhs Getreuen steht bereit. Institutionelle Tagungen, die auf der ganzen Welt in den vergangenen Monaten einberufen wurden, haben aufeinanderfolgende Signale des eifrigen Verlangens ausgesandt, dieses machtvolle Unternehmen zu beginnen. Die in der Botschaft an die Beraterkonferenz enthaltenen Erfordernisse werden bereits in entschiedene Handlungspläne eingebracht. Jahrzehnte heroischer Anstrengungen haben die Gemeinde geformt und sie mit einem großen Maß an bewährter Fähigkeit ausgestattet, um Wachstum zu fördern, und haben sie somit für diesen Moment gestählt. Insbesondere die letzten zwei Jahrzehnte haben diese lang ersehnte Zunahme an fundiertem Können merklich beschleunigt.
Während dieser Zeit hat die Annahme eines sich herausbildenden Handlungsrahmens es den Freunden ermöglicht, wesentliche Fähigkeiten zunehmend zu entwickeln und zu verfeinern, was zunächst zu einfachen Taten des Dienstes führte, dann zu ausgefeilteren Handlungsmustern, die wiederum die Entwicklung von noch komplexeren Fähigkeiten erforderten. Auf diese Weise begann in Tausenden von Clustern ein systematischer Prozess, in dem fähige Mitarbeiter herangebildet und Gemeinden aufgebaut wurden – und der in vielen Clustern nun weit fortgeschritten ist. Der Schwerpunkt lag hierbei nicht nur auf dem einzelnen Gläubigen oder der Gemeinde oder den Institutionen des Glaubens; die drei untrennbaren Beteiligten an der Entwicklung der neuen Weltordnung werden alle von den geistigen Kräften, die durch die Entfaltung des Göttlichen Plans freigesetzt werden, belebt. Die Anzeichen für ihren Fortschritt lassen sich immer deutlicher erkennen: in dem Vertrauen, das unzählige Gläubige erworben haben, anderen Menschen Geschichten aus Bahá’u’lláhs Leben zu erzählen und über die Auswirkungen Seiner Offenbarung und Seines unvergleichlichen Bundes zu sprechen; in dem wachsenden Aufgebot von Seelen, die sich hierdurch zu Seiner Sache hingezogen fühlten und nun zur Verwirklichung Seiner vereinigenden Vision beitragen; in der Fähigkeit der Bahá’í und ihrer Freunde – direkt an der Basis der Gemeinde –, in beredten Worten ihre Erfahrungen innerhalb eines Prozesses zu beschreiben, der den Charakter wandeln und das soziale Leben gestalten kann; in den deutlich größeren Zahlen der Einheimischen in einem Land, die als Mitglieder von Bahá’í-Institutionen und Agenturen jetzt die Angelegenheiten ihrer Gemeinden leiten; im verlässlichen, großzügigen und aufopfernden Spenden für den Fonds, das so überaus wichtig ist, um den Fortschritt des Glaubens aufrechtzuerhalten; im beispiellosen Erblühen von individueller Initiative und von gemeinschaftlichem Handeln zur Unterstützung gemeindebildender Aktivitäten; in der Begeisterung so vieler selbstloser Seelen in der Blüte ihrer Jugend, die dieser Arbeit eine gewaltige Energie beisteuern, insbesondere, indem sie sich um die geistige Erziehung der jüngeren Generationen kümmern; in der Stärkung des andachtsvollen Wesens der Gemeinde durch regelmäßige Gebetsversammlungen; im Anstieg der Kapazität auf allen Ebenen der Bahá’í-Verwaltung; in der Bereitschaft der Institutionen, Agenturen und Einzelnen, in Prozessen zu denken, die sie umgebende Wirklichkeit zu deuten und ihre Ressourcen an den Orten, wo sie leben, einzuschätzen und auf dieser Grundlage Pläne zu machen; in der nunmehr vertrauten Dynamik von Studium, Beratung, Aktion und Reflexion, die eine instinktive Haltung des Lernens kultiviert hat; in der steigenden Wertschätzung dessen, was es bedeutet, die Lehren durch soziales Handeln in die Tat umzusetzen; in den sich vermehrenden Gelegenheiten, die gesucht und ergriffen werden, um eine Bahá’í-Sichtweise auf Themen einzubringen, die im Diskurs der Gesellschaft vorherrschen; in dem Bewusstsein einer globalen Gemeinschaft, dass sie in all ihren Bemühungen die Entstehung der göttlichen Zivilisation beschleunigt, indem sie die dem Glauben innewohnende gesellschaftsbildende Kraft hervorbringt; ja, in dem wachsenden Bewusstsein der Freunde, dass ihre Anstrengungen, inneren Wandel zu fördern, den Kreis der Einheit zu erweitern, mit anderen auf dem Feld des Dienstes zusammenzuarbeiten, Bevölkerungen zu helfen, Verantwortung für ihre eigene geistige, soziale und wirtschaftliche Entwicklung zu übernehmen – und durch all solche Anstrengungen die Besserung der Welt zu verwirklichen – das eigentliche Ziel von Religion zum Ausdruck bringen.
Während sich die Gesamtheit der Fortschritte der Bahá’í-Gemeinde nicht durch eine einzelne Kenngröße erfassen lässt, kann dennoch viel aus der Zahl der Cluster weltweit, in denen ein Wachstumsprogramm etabliert wurde, abgeleitet werden; voll Dankbarkeit für die von der Abhá-Schönheit verliehenen Gnadengaben bestätigen wir, dass sie 5.000 übertroffen hat. Ein solch breites Fundament wie dieses war Voraussetzung dafür, die Aufgabe, der sich jetzt die Bahá’í-Welt gegenüber sieht, in Angriff zu nehmen – den Prozess des Wachstums in jedem Cluster, in dem er begonnen hat, zu stärken und ein bereicherndes Muster des Gemeindelebens weiter auszudehnen. Die erforderlichen Anstrengungen aufrechtzuerhalten wird mühevoll sein. Aber das Ergebnis hat das Potenzial, zutiefst bedeutsam, ja epochemachend zu sein. Kleine Schritte, falls regelmäßig und rasch ausgeführt, summieren sich zu einer großen Wegstrecke. Wenn sich die Freunde auf den Fortschritt konzentrieren, der in einem Cluster in der Anfangsphase gemacht werden muss – zum Beispiel in den sechs Zyklen vor der ersten der Zweihundertjahrfeiern –, werden sie viel dazu beitragen, ihr Ziel für die gesamten fünf Jahre in erreichbare Nähe zu bringen. Jeder Zyklus birgt schnell verfliegende Gelegenheiten für einen Schritt nach vorn, wertvolle Möglichkeiten, die nicht wiederkehren.
In der Gesellschaft insgesamt mehren und verschlimmern sich unglücklicherweise die Symptome eines immer tieferen Leidens der Seele. Wie bemerkenswert ist es, dass – während die Völker der Welt leiden, da es ihnen am wahren Heilmittel gebricht, und sich sprunghaft einer falschen Hoffnung nach der anderen zuwenden – Sie gemeinsam ein Instrument verfeinern, das die Herzen mit dem Wort des ewigen Gottes verbindet. Wie bemerkenswert ist es, dass – inmitten der Kakophonie festgefügter Meinungen und gegensätzlicher Interessen, die überall heftiger wird – Sie sich darauf konzentrieren, Menschen zusammenzubringen, um Gemeinden aufzubauen, die Oasen der Einheit sind. Lassen Sie die Vorurteile und Feindseligkeiten der Welt, ohne sich in irgendeiner Weise von ihnen entmutigen zu lassen, zu Mahnungen werden, wie dringend Seelen überall um Sie herum den heilenden Balsam benötigen, den Sie allein ihnen darreichen können.
Dies ist der letzte in einer Reihe von aufeinanderfolgenden Fünfjahresplänen. Sobald er beendet ist, eröffnet sich eine neue Phase der Entwicklung des Göttlichen Plans; sie wird die Gemeinde Bahá’u’lláhs in Richtung auf das dritte Jahrhundert der Bahá’í-Ära vorwärts bringen. Mögen die Freunde Gottes in jedem Land die Verheißung dieser wenigen vor uns liegenden Jahre zu schätzen wissen, die eine gründliche Vorbereitung für die künftigen, noch gewaltigeren Aufgaben sein werden. Das breite Betätigungsfeld des vorliegenden Plans ermöglicht es jedem Einzelnen, diese Arbeit zu unterstützen, wie bescheiden sein Anteil auch sein mag. Wir bitten Sie, geschätzte Mitarbeiter, die Sie Ihn, den Meistgeliebten der Welten, anbeten, keine Mühe zu scheuen, alles, was Sie gelernt haben und jede gottgegebene Fähigkeit und Fertigkeit, die Sie besitzen, dafür einzusetzen, den Fortschritt des Göttlichen Plans hin zu seiner nächsten wichtigen Phase zu fördern. Ihren eigenen glühenden Gebeten um himmlischen Beistand fügen wir die unsrigen hinzu, dargeboten in den Heiligen Schreinen, im Namen aller, die für diesen allumfassenden Glauben so hart arbeiten.
seht, wie die Gemeinde des Größten Namens sich erhebt! Erst ein Jahr ist seit dem Beginn des neuen Plans verstrichen, und schon zeugen Berichte vom Umfang dessen, was bereits in Angriff genommen wird und in seinen Anfängen schon erreicht ist. Um 5.000 Wachstumsprogrammen größere Intensität zu verleihen, ist ein noch nie dagewesenes Maß an Anstrengung erforderlich. Mit einem klaren Verständnis der Grundelemente des Plans richten viele Freunde ihr Handeln an seinen Anforderungen aus und bekunden Sorgfalt und Opferbereitschaft in der Qualität ihrer Antwort. Wie vorausgesehen werden einige, bereits langfristig aufrechterhaltene intensive Wachstumsprogramme zu Reservoirs von Wissen und Ressourcen, die benachbarte Gebiete unterstützen und die schnelle Verbreitung von Erfahrungen und Einsichten erleichtern. Zentren intensiver Aktivität – Nachbarschaften und Dörfer, in denen sich die Arbeit der Gemeindebildung am stärksten konzentriert – erweisen sich als fruchtbarer Nährboden für kollektiven Wandel. Eine erweiterte und gestärkte Legion von Hilfsamtsmitgliedern und deren Assistenten belebt die Bemühungen der Gläubigen, hilft ihnen eine Vision zu erlangen, wie sie den Wachstumsprozess unter unterschiedlichen Umständen fördern können, und identifiziert Herangehensweisen, die den Bedingungen in dem betreffenden Cluster entsprechen. Unterstützt von ihrem jeweiligen Nationalen Geistigen Rat lernen Regionalräte, wie die Schwungkraft des Plans in einer Reihe von Clustern gleichzeitig aufgebaut werden kann, während in einigen kleineren Ländern ohne Regionalräte neue Einrichtungen auf nationaler Ebene beginnen, das Gleiche zu tun. Obwohl, wie dies bei jedem organischen Prozess zu erwarten ist, die raschen Fortschritte, die an einigen Orten erlebt werden, sich an anderen erst noch zeigen müssen, beginnt die Gesamtzahl der intensiven Wachstumsprogramme in der Welt bereits anzusteigen. Außerdem freuen wir uns zu sehen, dass die Teilnahme an den Aktivitäten des Plans während der ersten vier Zyklen deutlich zugenommen hat.
Die Vorzeichen für das, was das kommende Jahr bringen mag, könnten also kaum vielversprechender sein. Und was könnte eine angemessenere Dankesgabe an die Gesegnete Schönheit zum zweihundertsten Jahrestag Seiner Geburt sein, als das ernsthafte Bemühen Seiner Geliebten, den Einflussbereich Seines Glaubens zu erweitern? Die erste der beiden Zweihundertjahrfeiern, die die Bahá’í-Welt begehen wird, ist daher ein Ereignis mit überaus begeisternden Aussichten. In rechtem Licht betrachtet bietet dieses Jahr die weltweit größte Gelegenheit, die es jemals gegeben hat, um Herzen mit Bahá’u’lláh zu verbinden. Lassen Sie uns alle in den kommenden Monaten dieser kostbaren Chance bewusst sein und auf die Möglichkeiten achten, die es in jedem Umfeld gibt, andere mit Seinem Leben und Seiner erhabenen Sendung bekannt zu machen. Um die Gelegenheit zum Lehren, die sich jetzt vor der Bahá’í-Welt auftut, in vollem Umfang zu ergreifen, ist es notwendig, kreativ darüber nachzudenken, wie Gespräche mit unterschiedlichsten Menschen geführt werden können. Im Verlauf solch bedeutsamer Gespräche steigert sich das Wahrnehmungsvermögen und die Herzen öffnen sich, manchmal sofort. Zu dieser verdienstvollen Tätigkeit sind alle aufgerufen, und keiner sollte sich der Freude berauben, die aus der Beteiligung an dieser Aufgabe erwächst. Wir flehen den Einzig-Geliebten an, dass dieses Jahr des zweihundertsten Jubiläums gänzlich erfüllt sein möge von dieser Freude, die die reinste und seligste Freude ist: einer anderen Seele mitzuteilen, dass der Tag Gottes angebrochen ist.
Die Verpflichtungen, denen die Gemeinschaft der Gläubigen nachkommen muss, werden immer drängender aufgrund der Verwirrung, des Misstrauens und der Eintrübung in der Welt. Tatsächlich sollten die Freunde jede Gelegenheit nutzen, ein Licht zu spenden, das den Weg erhellen und den Ängstlichen Sicherheit, den Verzweifelnden Hoffnung bieten kann. Wir werden an den Rat erinnert, den der Hüter einer Bahá’í-Gemeinde in Worten gegeben hat, die für unsere Zeit bestimmt zu sein scheinen: „Da das Gefüge der heutigen Gesellschaft ächzt und stöhnt unter der Spannung und dem Druck verhängnisvoller Ereignisse und des Unheils, da die die Spaltung betonenden Risse sich vermehren, die Nation von Nation, Klasse von Klasse, Rasse von Rasse und Glaubensrichtung von Glaubensrichtung trennen, müssen alle an der Ausführung des Plans Beteiligten noch größere Kohärenz in ihrem geistigen Leben und ihren administrativen Tätigkeiten erkennen lassen und einen höheren Standard gemeinsamer Anstrengung, gegenseitiger Unterstützung und harmonischer Entwicklung in ihren kollektiven Vorhaben bekunden.“ Shoghi Effendi hob stets die geistige Bedeutung der Arbeit für den Glauben und die zielstrebige Entschlossenheit hervor, mit der die Gläubigen ihre heiligen Pflichten erfüllen sollen, warnte aber auch davor, sich in irgendeiner Weise an den politischen Kontroversen, Verwicklungen und Zankereien zu beteiligen. „Sie sollten sich über jegliche Absonderung und Parteilichkeit“, mahnte er bei anderer Gelegenheit, „über den fruchtlosen Wortstreit, die kleinlichen Berechnungen und die vergänglichen Leidenschaften erheben, die das Antlitz einer sich wandelnden Welt erregen und ihre Aufmerksamkeit fesseln.“ Dies sind der unvermeidliche Schaum und die Gischt, die aufgeworfen werden, während Welle um Welle eine aufgewühlte und gespaltene Gesellschaft erschüttert. Zu viel steht auf dem Spiel, um sich mit Ablenkungen dieser Art zu beschäftigen. Wie jeder Anhänger Bahá’u’lláhs wohl weiß, hängt das Wohlergehen der Menschheit letztendlich davon ab, ob sie über ihre Differenzen hinauswächst und ihre Einheit fest begründet wird. Jeder Beitrag, den Bahá’í für das Leben ihrer Gesellschaft leisten, hat zum Ziel, Einheit zu fördern; jeder Beitrag zur Gemeindebildung ist auf das gleiche Ziel gerichtet. Für all diejenigen, die des Streitens müde sind, bieten die Gemeinden, die unter dem Schatten des Größten Namens heranwachsen, ein machtvolles Beispiel dafür, was Einheit erreichen kann.
Wir lobpreisen den Herrn der Herren, da wir erleben dürfen, dass so viele Seiner Geliebten in vielfältiger Weise alles geben, damit das Banner der Einheit der Menschheit gehisst werden kann. Innig geliebte Freunde: Sollte nicht jeder von uns nun, da ein außerordentlich verheißungsvolles Jahr beginnt, darüber nachdenken, welch himmlische Taten wir, unterstützt durch Seine Gnade, zu vollbringen vermögen?
1 wir übermitteln Ihnen unsere Grüße, während die herzerwärmenden Nachwirkungen jener denkwürdigen Ereignisse, die den 200. Jahrestag der Geburt der Gesegneten Schönheit kennzeichneten, immer noch fortdauern. Wenn wir darüber nachdenken, was damals und seitdem geschehen ist, stellen wir fest, dass die weltweite Bahá’í-Gemeinde, die wir jetzt sehen, nicht die gleiche ist wie zu der Zeit, als sie sich zu den ersten sechs Zyklen des aktuellen Plans aufmachte. Sie ist sich ihrer Mission mehr denn je bewusst. Sie hat einen beispiellosen Anstieg ihrer Fähigkeit erlebt, Freunde und Bekannte in Kontakt mit dem Leben ihrer Gemeinde zu bringen, Nachbarschaften und Dörfer zu vereinten Anstrengungen zu inspirieren, zu verdeutlichen, wie geistige Wahrheiten in nachhaltiges praktisches Handeln umgesetzt werden können, und vor allem nicht allein über die Lehren zu sprechen, die die Welt neu aufbauen werden, sondern auch über den Einen, der sie lehrte: Bahá’u’lláh. Berichte über Sein Leben und Sein Leiden, die von Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern in zahllosen Sprachen erzählt wurden, haben unzählige Herzen berührt. Einige zeigten sich bereit, Seine Sache weiter zu erforschen. Andere erklärten sich bereit mitzuarbeiten. Und manche empfängliche Seele wurde dazu bewegt, ihren Glauben zu bekennen.
2 Ein aufschlussreiches Zeichen für den Fortschritt waren die zahlreichen Orte, an denen deutlich wurde, dass der Glaube auf nationaler Ebene aus der Verborgenheit hervorgetreten war. Es gab Regierungschefs und Meinungsführer, die öffentlich erklärten – und manchmal privat betonten –, dass die Welt der Vision Bahá’u’lláhs bedürfe und dass die bewundernswerten Bemühungen der Bahá’í ausgeweitet werden sollten. Wir waren beglückt zu sehen, dass es nicht nur Bahá’í waren, die Bahá’u’lláh ehren und Sein Leben feiern wollten – auch von Menschen außerhalb der Bahá’í-Gemeinde wurden besondere Zusammenkünfte ausgerichtet. In Gebieten, in denen Feindseligkeit gegenüber dem Glauben existiert, blieben die Freunde unverzagt. Mit ihrer großartigen Widerstandskraft ermutigten sie ihre Mitbürger, die Wahrheit selbstständig zu untersuchen, und viele von ihnen nahmen freudig an den Feierlichkeiten teil. Das zweihundertjährige Jubiläum war auch Anlass zu einem anscheinend unbegrenzten Aufblühen künstlerischen Ausdrucks, ein großartiges Zeugnis für die Quelle der Liebe, der es entsprang. Die Art und Weise, wie die Bahá’í-Gemeinde sich insgesamt dieser Gelegenheit näherte, war eine Bestätigung dafür, wie viel sie im Verlauf von über zwei Jahrzehnten, seit Beginn der gegenwärtigen Reihe von globalen Plänen, bereits gelernt hat. Der einzelne Gläubige ergriff die Initiative, die Gemeinde erhob sich in gemeinsamer Anstrengung, und die Freunde kanalisierten ihre kreative Energie in die von den Institutionen vorbereiteten Pläne. Ein bedeutendes Jubiläum, das den Ablauf von zwei Jahrhunderten markierte, wurde zu einem starken Impuls für die Arbeit des Gemeindeaufbaus im kommenden Jahrhundert. Möge in der Zeit bis zur zweiten Zweihundertjahrfeier jeder Same, der bei der ersten so liebevoll gesät wurde, geduldig genährt und zum Blühen gebracht werden.
3 Nun sind bereits zwei Jahre des aktuellen Plans vergangen und obwohl natürlich der Fortschritt von Land zu Land nicht einheitlich ist, nähert sich die Zahl der intensiven Wachstumsprogramme in der Welt der Hälfte der fünftausend, die in den gegenwärtigen globalen Bemühungen vorgesehen sind, und die Geschwindigkeit, mit der diese Zahl steigt, nimmt stetig zu. Bei genauerem Hinsehen werden vielversprechende Zeichen für die Kräfte und Möglichkeiten von Einzelnen, Gemeinden und Institutionen sichtbar. Den Gläubigen überall machte die Erfahrung der Zweihundertjahrfeier deutlich, dass viele ihrer alltäglichen Interaktionen mit den Menschen ihrer unmittelbaren Umgebung vom Geist des Lehrens durchdrungen werden können. Und während die Arbeit in Tausenden von Dörfern und Nachbarschaften an Schwungkraft gewinnt, etabliert sich in jedem dieser Orte ein lebendiges Gemeindeleben. Die Anzahl der Cluster, in denen sich das System zur Ausweitung dieses Handlungsmusters auf immer mehr Orte durchsetzt – was es den Freunden ermöglicht, den dritten Meilenstein in einem Kontinuum der Entwicklung zu erreichen –, hat merklich zugenommen. Und hier, an den Horizonten des Lernens der Bahá’í-Welt, dort, wo sich ganze Bevölkerungsgruppen der Vision Bahá’u’lláhs zuwenden, begeben sich nicht nur Menschen in großer Zahl in die sich weitende Umarmung der Bahá’í-Aktivitäten, sondern machen die Freunde jetzt auch Erfahrungen damit, wie sich größere Gruppen mit der Gemeinde des Größten Namens identifizieren. Wir sehen, dass die Bildungs- und Erziehungsbemühungen des Glaubens an solchen Orten einen formelleren Charakter annehmen, da Kinder Jahr für Jahr ohne Unterbrechung die Klassen durchlaufen und die Stufen des Programms für die Freisetzung der geistigen Kräfte der Juniorjugend zuverlässig aufeinander folgen. An diesen Orten lernt das Trainingsinstitut sicherzustellen, dass ausreichend menschliche Ressourcen für die geistige und moralische Erziehung von Kindern und Juniorjugendlichen in immer größerer Zahl ausgebildet und zur Verfügung gestellt werden. Die Teilnahme an diesen grundlegenden Aktivitäten ist allmählich so in die Kultur der Bevölkerung eingebettet, dass sie als unverzichtbarer Bestandteil im Leben einer Gemeinde angesehen wird. Eine neue Lebendigkeit entsteht in einer Bevölkerung, die Verantwortung für ihre eigene Entwicklung übernimmt, und die Menschen bauen Immunität gegenüber jenen gesellschaftlichen Kräften auf, die zu Passivität führen. Möglichkeiten für materiellen und geistigen Fortschritt nehmen Gestalt an. Die gesellschaftliche Realität beginnt sich zu verändern.
4 Geschätzte Freunde, dies ist wirklich der Moment, um dem Meistgeliebten Dank darzubringen. Es gibt viele Gründe, sich ermutigt zu fühlen. Wir sind uns aber der Größe der verbleibenden Aufgabe nur allzu sehr bewusst. Grundsätzlich muss – wie wir bereits früher erwähnt haben – in vielen Hunderten von Clustern eine wachsende Gruppe von Gläubigen hervortreten, die zusammen mit ihren Mitmenschen einen nachhaltigen Fokus auf die Förderung von Wachstum und Aufbau von Kapazitäten aufrecht erhalten können und die sich auszeichnen durch ihre Fähigkeit und ihre Disziplin, über ihr Handeln nachzudenken und aus Erfahrung zu lernen. Eine wachsende Kerngruppe von Einzelnen an jedem Ort aufzubauen und zu begleiten – nicht nur auf der Ebene des Clusters, sondern auch in Nachbarschaften und Dörfern –, ist zugleich eine gewaltige Herausforderung und eine unabdingbare Notwendigkeit. Aber wo dies geschieht, sprechen die Ergebnisse für sich.
5 Es ist für uns eine Bestätigung zu sehen, dass die Institutionen des Glaubens diese höchste Notwendigkeit in den Mittelpunkt ihres Denkens stellen und wirksame Mechanismen entwickeln, die es ermöglichen, die aus dem Fortschritt hervorgehenden Einsichten umfassend anzuwenden. Gleichzeitig verleiht die größere Erfahrung nationalen, regionalen und örtlichen Körperschaften eine umfassendere Vision. Sie bringen sich bei allen Aspekten der Entwicklung der Gemeinde ein und bemühen sich um das Wohlergehen der Menschen jenseits ihrer formellen Mitgliedschaft. Im Bewusstsein der tiefgreifenden Implikationen, die der Institutsprozess für den Fortschritt der Völker hat, richten sie ihr besonderes Augenmerk darauf, wie das Trainingsinstitut gestärkt werden kann. Sie bleiben sich der Notwendigkeit bewusst, den Fokus der Gemeinde auf die Anforderungen des Plans zu richten und den sich ständig erweiternden Freundeskreis zu immer höheren Stufen der Einheit aufzurufen. Sie halten sich treu an ihre Verantwortung, ihre Verwaltungs- und Finanzsysteme zu verfeinern, damit die Arbeit der Verbreitung und Festigung angemessen unterstützt werden kann. Bei all dem sind sie letztlich damit beschäftigt, in der Gemeinde jene Bedingungen zu kultivieren, die zur Freisetzung mächtiger geistiger Kräfte führen.
6 Während sich die Arbeit der Gemeindebildung intensiviert, nutzen die Freunde ihre neuentwickelten Fähigkeiten dazu, die Bedingungen in der sie umgebenden Gesellschaft zu verbessern, wobei ihre Begeisterung durch das Studium der göttlichen Lehren entfacht wird. Die Anzahl von Projekten kurzer Dauer ist rasch gestiegen, formelle Angebote haben ihre Reichweite vergrößert, und es gibt jetzt mehr Bahá’í-inspirierte Entwicklungsorganisationen, die sich mit Bildung und Erziehung, Gesundheit, Landwirtschaft und anderen Bereichen beschäftigen. Aus der hierdurch bewirkten Wandlung, die im individuellen und kollektiven Leben der Menschen sichtbar ist, lassen sich unmissverständlich die ersten Regungen der gesellschaftsbildenden Kraft der Sache Bahá’u’lláhs erkennen. Kein Wunder also, dass derartige Beispiele sozialen Handelns – seien sie einfach oder komplex, zeitlich begrenzt oder von langer Dauer – die Büros der Internationalen Bahá’í-Gemeinde immer stärker in ihren Bemühungen inspirieren, zu den vorherrschenden Diskursen der Gesellschaft beizutragen. Dies ist ein weiterer wichtiger Aufgabenbereich, der sich gut entwickelt hat. Auf nationaler Ebene werden Beiträge zu Diskursen, die für die jeweilige Gesellschaft von Bedeutung sind – wie die Gleichstellung von Mann und Frau, Migration und Integration, die Rolle der Jugend bei der gesellschaftlichen Wandlung und die Koexistenz der Religionen –, mit wachsendem Selbstvertrauen, zunehmender Kompetenz und Einsicht angeboten. Und wo auch immer sie leben, arbeiten oder studieren, leisten Gläubige jeden Alters und jeder Herkunft wertvolle Beiträge zu bestimmten Diskursen, indem sie die Menschen in ihrer Umgebung mit einer auf hohen Grundsätzen beruhenden Sichtweise bekannt machen, die von Bahá’u’lláhs unermesslicher Offenbarung geprägt ist.
7 Das Ansehen des Glaubens auf verschiedenen Gebieten, in denen Diskurse stattfinden, wurde durch seine offizielle Präsenz im Internet wesentlich verstärkt, eine Präsenz, die durch die Veröffentlichung zahlreicher nationaler Bahá’í-Websites und die Weiterentwicklung der mit Bahai.org verbundenen Gruppe von Sites erheblich erweitert wurde. Dies hat einen immensen Wert, sowohl für die Verbreitung als auch für den Schutz der Sache. Innerhalb weniger Tage wurde ein großes globales Publikum mit sorgfältig konzipierten Inhalten über den Glauben bekannt gemacht, die auf der Website zur Zweihundertjahrfeier präsentiert und in neun Sprachen zugleich aktualisiert wurden, und die nun durch die Websites der einzelnen Länder ergänzt werden, die die Vielfalt der Feiern, die stattgefunden haben, illustrieren. Es gibt bereits weit fortgeschrittene Pläne, auf der Website der Bahá’í Reference Library eine Funktion einzuführen, die es ermöglicht, bisher nicht übersetzte und unveröffentlichte Abschnitte oder Sendschreiben aus den Heiligen Schriften im Laufe der Zeit online zugänglich zu machen. Darüber hinaus werden in den kommenden Jahren neue Bände von Bahá’u’lláhs und ‘Abdu’l-Bahás Schriften in englischer Übersetzung erscheinen.
8 In Santiago, Chile und Battambang, Kambodscha werden die weltweit zuletzt eingeweihten Häuser der Andacht zu etablierten Zentren der Anziehung, Leuchtfeuer, die alles, wofür der Glaube steht, in die Gesellschaft ausstrahlen. Und ihre Zahl wird schon bald steigen. Wir freuen uns anzukündigen, dass die Einweihungsfeier für den Tempel in Norte del Cauca, Kolumbien im Juli stattfinden wird. Und der Bau weiterer Häuser der Andacht liegt in greifbarer Nähe. In Vanuatu wird gerade die Erlaubnis eingeholt, mit dem Bau zu beginnen. In Indien und der Demokratischen Republik Kongo hat ein hochkomplexer und anspruchsvoller Prozess endlich zum Erwerb von Bauland geführt. Die Freude darüber, das Design des ersten nationalen Mashriqu’l-Adhkár in Papua-Neuguinea, das zu Naw-Rúz enthüllt wurde, zu sehen, hatte kaum nachgelassen, als auch das Design des örtlichen Hauses der Andacht in Kenia enthüllt wurde. Inzwischen haben wir allen Grund zu der Erwartung, dass die kürzlich veröffentlichte Erklärung und Zusammenstellung über die Institution des Mashriqu’l-Adhkár, die von unserer Forschungsabteilung erstellt wurde, die Wertschätzung der Freunde für die Bedeutung der Andacht im Gemeindeleben weiter anregen wird. Denn mit ihren Diensten, besonders mit ihren regelmäßigen Andachtsversammlungen, legen Bahá’í überall die geistigen Grundlagen zukünftiger Häuser der Andacht.
9 Nur noch drei Jahre verbleiben von den Bemühungen eines Vierteljahrhunderts, die 1996 mit der Konzentration auf ein einziges Ziel begannen: ein bedeutender Fortschritt bei dem Prozess des Beitritts in Scharen. Zu Ridván 2021 werden die Anhänger Bahá’u’lláhs einen Plan beginnen, der ein einziges Jahr dauert. Kurz, aber voller bedeutender Vorzeichen, wird dieses einjährige Unterfangen eine neue Welle von Plänen einleiten, die die Arche der Sache in das dritte Jahrhundert der Bahá’í-Ära tragen. Im Laufe dieser verheißungsvollen zwölfmonatigen Periode, wenn die Bahá’í-Welt des 100. Jahrestags des Hinscheidens von ‘Abdu’l-Bahá gedenkt, wird eine besondere Versammlung im Bahá’í-Weltzentrum stattfinden, zu der Vertreter aller Nationalen Geistigen Räte und aller Regionalräte eingeladen werden. Dies ist jedoch nur das erste in einer Reihe von Ereignissen, die die Gläubigen auf die Anforderungen der kommenden Jahrzehnte vorbereiten. Im darauffolgenden Januar wird der einhundertste Jahrestag der ersten öffentlichen Verlesung des Testaments des Meisters Anlass für eine Konferenz im Heiligen Land sein, die die Kontinentalen Beraterämter und alle Hilfsamtsmitglieder für Schutz und Verbreitung zusammenbringt. Die geistige Energie, die bei diesen beiden historischen Versammlungen freigesetzt wird, muss dann zu allen Freunden Gottes in jedem Land, in dem sie leben, getragen werden. Zu diesem Zweck wird in den darauffolgenden Monaten eine Reihe von Konferenzen weltweit einberufen werden, ein Katalysator für die mehrjährigen Bemühungen, die auf den kommenden Einjahresplan folgen werden.
10 So nähert sich eine neue Phase in der Entfaltung des Göttlichen Plans des Meisters. Aber direkt vor uns liegt die Aussicht auf ein aufregendes, noch unmittelbareres Ereignis. Der 200. Jahrestag der Geburt des Báb ist jetzt nur noch eineinhalb Jahre entfernt. Dies ist eine Zeit, in der wir uns das außerordentliche Heldentum des Märtyrer-Herolds unseres Glaubens in Erinnerung rufen, dessen dramatisches Wirken die Menschheit in eine neue Ära der Geschichte katapultiert hat. Obwohl die Gesellschaft, in der der Báb erschien, um zwei Jahrhunderte von unserer eigenen Zeit getrennt ist, ähnelt sie der heutigen Welt durch das Gefühl der Bedrängnis und durch die Sehnsucht so vieler, Antworten zu finden, um den Wissensdurst der Seele zu stillen. Wenn wir darüber nachdenken, wie dieses zweihundertjährige Jubiläum angemessen begangen werden könnte, erkennen wir, dass diese Festlichkeiten einen eigenen, besonderen Charakter haben werden. Gleichwohl erwarten wir ein Aufblühen von Aktivitäten, die nicht weniger reich und nicht weniger offen und einbeziehend sind als jene, die das gerade hinter uns liegende zweihundertjährige Jubiläum begleiteten. Es ist eine Gelegenheit, auf die sich jede Gemeinde, jeder Haushalt, jedes Herz zweifellos mit sehnlicher Erwartung freut.
11 Die kommenden Monate werden auch eine Zeit sein, in der wir uns an das Leben der unerschrockenen Anhänger des Báb erinnern – Heldinnen und Helden, deren Glaube in unvergleichlichen aufopferungsvollen Taten zum Ausdruck kam, die für immer die Annalen der Sache schmücken werden. Ihre Eigenschaften der Furchtlosigkeit, Hingabe und Loslösung von allem außer Gott beeindrucken jeden, der von ihren Taten erfährt. Wie bemerkenswert ist auch das junge Alter, in dem so viele dieser Löwenherzen ihre unauslöschlichen Spuren in der Geschichte hinterlassen haben. Möge ihr Beispiel in der kommenden Zeit der ganzen Gemeinschaft der Gläubigen Mut machen – nicht zuletzt den Jugendlichen, die erneut zu Vorreitern einer Bewegung berufen sind, die auf nichts weniger als die Wandlung der Welt abzielt.
12 Das ist nun unsere strahlende, leuchtende Hoffnung. In den sechs Zyklen, die zwischen diesem Ridván und der nächsten Zweihundertjahrfeier liegen – in der Tat während der verbleibenden drei Jahre des gegenwärtigen Plans –, sollte diese gleiche, alles verzehrende, alles übertreffende Liebe, die die Jünger des Báb zur Verbreitung des göttlichen Lichts anspornte, Sie alle zu großen Taten inspirieren. Mögen Sie Empfänger himmlischer Hilfe werden – dies ist unser Flehen an der Heiligen Schwelle.
während das Größte Fest näher rückt, sind wir von Gefühlen der Dankbarkeit und Erwartung erfüllt – Dankbarkeit für die Wunder, die zu vollbringen Bahá’u’lláh Seinen Anhängern ermöglicht hat, und Erwartung auf das, was die unmittelbare Zukunft bereithält.
Die Schwungkraft, die durch die weltweiten Feierlichkeiten zum zweihundertsten Jahrestag der Geburt Bahá’u’lláhs generiert wurde, hat seitdem noch zugenommen. Die beschleunigte Entwicklung der Bahá’í-Gemeinde, ihre wachsende Leistungsstärke und ihre Fähigkeit, die Energien einer steigenden Anzahl ihrer Mitglieder zu nutzen, werden durch eine Zusammenfassung ihrer jüngsten globalen Errungenschaften deutlich sichtbar. Unter diesen ragt insbesondere ein Anstieg der Aktivitäten zur Gemeindebildung heraus. Der aktuelle Fünfjahresplan folgt auf zwanzigjährige Bemühungen der Bahá’í-Welt, diese Aktivitäten systematisch zu verfeinern und zu vervielfachen. Bemerkenswert ist, dass in den ersten zweieinhalb Jahren des Plans allein die Zahl der Kernaktivitäten um mehr als die Hälfte zugenommen hat. Die weltweite Gemeinde hat die Fähigkeit bewiesen, zu jeder Zeit mehr als eine Million Menschen an solchen Aktivitäten zu beteiligen und ihnen dabei zu helfen, geistige Wirklichkeiten zu erkunden und ihnen zu entsprechen. In derselben kurzen Zeit hat sich die Anzahl der Gebetstreffen fast verdoppelt – eine dringend benötigte Antwort auf die wachsende Entfremdung der Menschheit von der Quelle der Hoffnung und der Gnadengaben. Diese Entwicklung ist besonders vielversprechend, denn Andachtsversammlungen erfüllen das Leben einer Gemeinschaft mit einem neuen Geist. Verwoben mit Erziehungs- und Bildungsbemühungen für alle Altersgruppen, verstärken sie das erhabene Ziel dieser Bemühungen: die Förderung von Gemeinden, die sich durch ihre Anbetung Gottes und ihren Dienst an der Menschheit auszeichnen. Nirgendwo ist dies offensichtlicher als in jenen Clustern, in denen die Teilnahme einer großen Anzahl von Menschen an Bahá’í-Aktivitäten aufrechterhalten wird und die Freunde den dritten Meilenstein in der Entwicklung ihrer Gemeinde überschritten haben. Wir freuen uns, dass sich die Anzahl der Cluster, in denen der Wachstumsprozess so weit fortgeschritten ist, seit Beginn des Plans bereits mehr als verdoppelt hat und jetzt bei rund fünfhundert liegt.
Diese kurze Übersicht kann dem Ausmaß des gerade stattfindenden Wandels nicht gerecht werden. Die Aussichten für die noch verbleibenden zwei Jahre des Plans sind vielversprechend. Viel wurde im letzten Jahr durch die weite Verbreitung von Lernerfahrungen erreicht, die aus den stärkeren Wachstumsprogrammen in Clustern gewonnen wurden, die sich – wie von uns erhofft – zu Reservoiren von Wissen und Ressourcen entwickelt haben. Das Internationale Lehrzentrum, die Berater und ihre unermüdlichen Hilfsamtsmitglieder haben sich durch nichts daran hindern lassen, sicherzustellen, dass Freunde in allen Teilen der Welt von dieser Beschleunigung des Lernens profitieren und die gewonnenen Erkenntnisse auf ihre eigenen Gegebenheiten anwenden können. Wir freuen uns zu sehen, dass sich in einer wachsenden Anzahl von Clustern und in deren Nachbarschaften und Dörfern ein Kern von Freunden herausgebildet hat, die durch Handeln und Reflektieren herausfinden, was zu einem bestimmten Zeitpunkt erforderlich ist, damit der Wachstumsprozess in ihrer Umgebung voranschreiten kann. Sie stützen sich auf das machtvolle Instrument des Instituts, durch das die Fähigkeit, zum geistigen und materiellen Wohl der Gemeinde beizutragen, erhöht wird, und während sie handeln, nimmt die Anzahl derer zu, die sich ihnen anschließen. Natürlich unterscheiden sich die Bedingungen von Ort zu Ort, ebenso wie die Merkmale des Wachstums. Durch systematisches Streben kann jedoch jeder einen immer effektiveren Beitrag zu der anstehenden Arbeit leisten. In jedem Umfeld ist es eine reine Freude, andere Seelen in bedeutsame und erhebende Gespräche einzubeziehen, die entweder schnell oder nach und nach zu Regungen geistiger Empfänglichkeit führen. Je heller die im Herzen des Gläubigen entfachte Flamme, desto größer wird die Anziehungskraft, die jene verspüren, die mit ihrer Wärme in Berührung kommen. Und welch passendere Tätigkeit kann man sich für ein Herz vorstellen, das von der Liebe zu Bahá’u’lláh verzehrt wird, als verwandte Seelen zu suchen, sie, wenn sie den Pfad des Dienstes betreten, zu ermutigen, sie, während sie Erfahrungen sammeln, zu begleiten, und – vielleicht die größte Freude von allen – zu sehen, wie Seelen in ihrem Glauben bestätigt werden, wie sie sich aus eigener Initiative erheben und wie sie anderen auf derselben Reise zur Seite stehen. Dies sind einige der meistgeschätzten Momente, die dieses vergängliche Leben zu bieten hat.
Die Aussichten, dieses geistige Unterfangen voranzubringen, werden noch begeisternder durch das Nahen des 200. Jahrestages der Geburt des Báb. Ebenso wie die Zweihundertjahrfeier, die ihm voranging, ist dieser Jahrestag ein unschätzbar kostbarer Augenblick. Er bietet allen Bahá’í wunderbare Möglichkeiten, die Menschen in ihrer Umgebung dazu zu führen, den großen Tag Gottes zu erkennen, den außerordentlichen Strom himmlischer Gnade, angezeigt durch das Auftreten zweier Manifestationen des göttlichen Wesens: aufeinanderfolgende Leuchten, die den Horizont der Welt erstrahlen ließen. Das Ausmaß dessen, was in den kommenden zwei Zyklen möglich sein könnte, ist allen aus der Erfahrung der Zweihundertjahrfeier vor zwei Jahren bekannt, und alles, was damals gelernt wurde, muss in die Pläne für die Zwillingsfeiern der heiligen Geburtstage dieses Jahres einfließen. Mit dem Nahen des zweihundertjährigen Jubiläums werden wir in den Heiligen Schreinen regelmäßig für Sie beten und darum flehen, dass Ihre Bemühungen, den Báb angemessen zu ehren, dazu führen werden, die von Ihm angekündigte Sache Gottes voranzubringen.
Bis zum Ende des ersten Jahrhunderts des Gestaltenden Zeitalters sind es nur noch zweieinhalb Jahre. Hiermit werden hundert Jahre hingebungsvoller Bemühung besiegelt, einer Bemühung, die Grundlage zu festigen und zu erweitern, die während des Heroischen Zeitalters des Glaubens unter so vielen Opfern gelegt wurde. Gleichzeitig wird die Bahá’í-Gemeinde auch den hundertsten Jahrestag des Hinscheidens ‘Abdu’l-Bahás begehen, jenen Moment, als der geliebte Meister von den Begrenzungen dieser Welt befreit wurde, um sich wieder mit Seinem Vater in den Gefilden himmlischer Herrlichkeit zu vereinen. Sein Begräbnis, das am folgenden Tag stattfand, war ein Ereignis, „wie es Palästina nie zuvor gesehen hatte“. Zum Abschluss wurde Seine sterbliche Hülle in einer Gruft im Mausoleum des Báb zur Ruhe gelegt. Shoghi Effendi sah dies jedoch als nur vorübergehende Lösung an. Zu gegebener Zeit sollte ein Schrein errichtet werden, wie er der einzigartigen Stufe ‘Abdu’l-Bahás angemessen ist.
Diese Zeit ist nun gekommen. Die Bahá’í-Welt ist aufgerufen, das Gebäude zu bauen, das diese heiligen Gebeine für immer bergen wird. Es soll in der Nähe des Ridván-Gartens auf einem durch die Fußstapfen der Gesegneten Schönheit geadelten Grundstück errichtet werden. Der Schrein ‘Abdu’l-Bahás wird also auf dem Bogen liegen, der sich zwischen den Heiligen Schreinen von ‘Akká und Haifa erstreckt. Die Arbeit an den architektonischen Entwürfen schreitet voran, und in den kommenden Monaten werden weitere Informationen mit Ihnen geteilt werden.
Gefühle überwältigender Freude durchfluten uns nun, da wir das kommende Jahr und alles, was es verspricht, betrachten. Wir vertrauen darauf, dass jeder Einzelne von Ihnen – Sie, die im Dienste Bahá’u’lláhs tätig sind und in jedem Land für die Sache des Friedens arbeiten – seine hohe Bestimmung erfüllt.
zwei zutage tretende Realitäten haben uns veranlasst, diese Worte an Sie zu richten. Die erste Realität ist das weltweit wachsende Bewusstsein für die drohenden und entsetzlichen Gefahren, die von der Coronavirus-Pandemie ausgehen. In vielen Ländern ist die Lage, trotz tapferer und entschlossener kollektiver Bemühungen zur Abwehr der Katastrophe, bereits sehr ernst, was für Familien und Einzelne zu Tragödien führt und ganze Gesellschaften in eine Krise stürzt. Wellen des Leidens und der Trauer brechen über einen Ort nach dem anderen herein und werden unterschiedliche Nationen, zu unterschiedlichen Zeitpunkten, auf unterschiedliche Weise schwächen.
Die zweite Realität, die mit jedem Tag sichtbarer wird, ist die Widerstandsfähigkeit und ungebrochene Vitalität der Bahá’í-Welt angesichts einer Herausforderung, die ihresgleichen sucht, solange wir zurückdenken können. Ihre Antwort darauf ist überragend. Als wir Ihnen vor einem Monat zu Naw-Rúz schrieben, war es uns wichtig, die beeindruckenden Eigenschaften hervorzuheben, die Gemeinden zeigten, deren gewohntes Muster von Aktivitäten unterbrochen wurde. All das, was sich in den dazwischenliegenden Wochen ereignet hat, während derer viele Freunde immer strengere Beschränkungen einhalten mussten, hat unsere Gefühle der Bewunderung nur noch verstärkt. Indem einige Gemeinden von den gewonnenen Erfahrungen in anderen Teilen der Welt lernten, haben sie sichere und kreative Wege gefunden, um die Bevölkerung für die Erfordernisse der öffentlichen Gesundheit zu sensibilisieren. Besondere Aufmerksamkeit gilt denen, die durch das Virus und die wirtschaftlichen Nöte, die sich aus seiner Verbreitung ergeben, am meisten gefährdet sind. Die Initiativen, über die der Bahá’í World News Service in diesem Zusammenhang berichtet, stellen lediglich eine Handvoll der zahllosen laufenden Projekte dar. Diese werden ergänzt durch Bemühungen, jene geistigen Eigenschaften zu erforschen, zu fördern und zu pflegen, die in dieser Zeit am meisten gebraucht werden. Viele dieser Bemühungen finden notwendigerweise in Familien oder alleine auf sich gestellt statt; aber wo die Bedingungen es erlauben oder die Kommunikationsmittel es ermöglichen, wird ein Gefühl außerordentlicher Solidarität unter Menschen aktiv genährt, die sich in ähnlichen Umständen befinden. Die Dynamik des Gemeindelebens, so wichtig für den kollektiven Fortschritt, wird nicht zurückgedrängt werden.
Unsere Herzen sind erhoben worden, als wir sahen, wie fähig die Nationalen Geistigen Räte, die unermüdlichen Generäle der Armee des Lichts, ihre Gemeinden führen und deren Reaktion auf die Krise gestalten. Sie werden stark unterstützt von den Beratern und ihren Hilfsämtern, die wie immer das Banner liebevollen Dienstes heldenhaft hochhalten. Während sie über die sich oft rasch verändernden Bedingungen in ihren Ländern gut informiert bleiben, haben die Räte die notwendigen Vorkehrungen für die Verwaltung der Angelegenheiten der Sache getroffen, insbesondere für die Durchführung von Wahlen, wo diese weiterhin durchführbar sind. Durch regelmäßige Kommunikation haben Institutionen und Agenturen weisen Rat, tröstende Bestärkung und ständige Ermutigung gegeben. In vielen Fällen haben sie auch begonnen, konstruktive Themen zu identifizieren, die aus den sich in ihren Gesellschaften öffnenden Diskursen hervorgehen. Die Erwartung, die wir in unserer Naw-Rúz-Botschaft zum Ausdruck gebracht haben, dass diese Belastungsprobe der Menschheit ihr größere Einsicht gewähren würde, verwirklicht sich bereits. Führende Persönlichkeiten, angesehene Denker und Kommentatoren haben begonnen, grundlegende Konzepte und kühne Bestrebungen zu untersuchen, die in jüngster Zeit im öffentlichen Diskurs weitgehend gefehlt haben. Gegenwärtig sind dies nur erste Anzeichen, doch bergen sie die Möglichkeit in sich, dass ein Moment kollektiven Bewusstseins in Sicht sein könnte.
Das erhebende Gefühl, wenn wir sehen, wie sich die Widerstandsfähigkeit der Bahá’í-Welt in Taten manifestiert, wird gedämpft durch unsere Trauer über die Folgen der Pandemie für die Menschheit. Leider, so ist uns bewusst, sind auch die Gläubigen und ihre Gefährten von diesem Leid betroffen. Die Distanz zu Freunden und Verwandten, die so viele Menschen auf der Welt aufgrund der Erfordernisse der öffentlichen Sicherheit jetzt aufrechterhalten, wird für einige von ihnen zu einer endgültigen Trennung werden. Bei jedem Sonnenaufgang scheint es sicher, dass vor Sonnenuntergang noch mehr Qualen zu ertragen sein werden. Möge das Versprechen der Wiedervereinigung in den Reichen der Ewigkeit denjenigen Trost und Linderung spenden, die geliebte Menschen verlieren. Wir beten für ihre Herzensruhe und darum, dass die Gnade Gottes diejenigen umgeben möge, deren Ausbildung, Lebensunterhalt, Wohnung oder sogar deren unmittelbare Existenzgrundlage in Gefahr sind. Für Sie und für diejenigen, die Ihnen lieb und teuer sind, und für alle Ihre Landsleute beten wir zu Bahá’u’lláh und bitten um Seinen Segen und Seine Gunst.
Wie lang und beschwerlich der zu beschreitende Weg auch sein mag, wir setzen höchstes Vertrauen in Ihre Standhaftigkeit und Ihre Entschlossenheit, den Weg zu Ende zu gehen. Sie schöpfen aus den Vorräten der Hoffnung, des Glaubens und der Großmut, indem Sie die Bedürfnisse anderer vor Ihre eigenen stellen, so dass diejenigen, die in Not sind, geistig genährt werden können, diejenigen, die zunehmend nach Antworten dürsten, zufriedengestellt werden, und denjenigen, die sich danach sehnen, für die Besserung der Welt zu arbeiten, die Mittel dazu geboten werden. Wie könnten wir weniger von den ergebenen Anhängern der Gesegneten Vollkommenheit erwarten?
1 die letzten Worte eines äußerst denkwürdigen Kapitels in der Geschichte der Sache sind nun geschrieben, und eine neue Seite wird aufgeschlagen. Dieses Riḍván markiert den Abschluss eines außergewöhnlichen Jahres, eines Fünfjahresplans und einer ganzen Serie von Plänen, die 1996 begannen. Eine neue Serie von Plänen erwartet uns, mit einer vielversprechenden, bedeutsamen Periode von zwölf Monaten als Auftakt für eine neunjährige Anstrengung, die mit dem nächsten Riḍván beginnen soll. Vor uns sehen wir eine Gemeinde, die schnell an Stärke gewonnen hat und bereit ist, große Schritte vorwärts zu machen. Wir dürfen uns aber keinen falschen Vorstellungen darüber hingeben, wie viel Mühe es erforderte, um diesen Punkt zu erreichen, und wie hart erkämpft die dabei gewonnenen Erkenntnisse waren: Das auf diesem Weg Gelernte wird die Zukunft der Gemeinde prägen, und die Berichte darüber, wie es erworben wurde, werfen ein Licht auf das, was kommen wird.
2 Die Jahrzehnte vor 1996, die selbst reich an eigenen Fortschritten und Einsichten waren, hatten keinen Zweifel daran gelassen, dass eine große Anzahl von Menschen in vielen Gesellschaften bereit wäre, unter das Banner des Glaubens zu treten. Dennoch, so ermutigend die Beispiele von Erklärungen in großem Ausmaß auch waren, sie entsprachen nicht einem nachhaltigen Wachstumsprozess, der in unterschiedlichen Umfeldern hätte kultiviert werden können. Die Gemeinde sah sich tiefgreifenden Fragen gegenübergestellt, für deren angemessene Beantwortung sie zu diesem Zeitpunkt nur unzureichende Erfahrung besaß. Wie konnten die Bemühungen um Ausbreitung Hand in Hand gehen mit dem Prozess der Festigung, und wie konnte die langjährige, scheinbar unlösbare Herausforderung gemeistert werden, das Wachstum aufrechtzuerhalten? Wie konnten Einzelne, Institutionen und Gemeinden aufgebaut werden, die fähig sein würden, Bahá’u’lláhs Lehren in die Tat umzusetzen? Und wie konnten diejenigen, die von den Lehren angezogen wurden, zu Protagonisten in einem globalen geistigen Unterfangen werden?
3 So kam es, dass vor einem Vierteljahrhundert eine Bahá’í-Gemeinde, die damals noch drei Hände der Sache Gottes in ihren vordersten Reihen zählen konnte, einen Vierjahresplan in Angriff nahm, der sich von den vorangegangenen dadurch unterschied, dass er sich auf ein einziges Ziel konzentrierte: einen bedeutenden Fortschritt im Prozess des Beitritts in Scharen. Dieses Ziel sollte auch die Serie der folgenden Pläne bestimmen. Die Gemeinde hatte inzwischen verstanden, dass es bei diesem Prozess nicht nur um den Beitritt größerer Gruppen in den Glauben ging und dass dieser auch nicht spontan erfolgen würde; zielgerichtete, systematische und beschleunigte Ausbreitung und Festigung würden vonnöten sein. Diese Arbeit würde die kundige, bewusste Teilnahme sehr vieler Menschen erfordern, und 1996 wurde die Bahá’í-Welt aufgerufen, die enorme Herausforderung anzunehmen, die ein solcher Erziehungs- und Bildungsprozess mit sich brachte. Sie wurde aufgerufen, ein Netzwerk von Trainingsinstituten zu errichten, die das Ziel hatten, einen wachsenden Strom von Menschen zu generieren, die über die erforderlichen Fähigkeiten verfügen würden, um den Wachstumsprozess aufrechtzuerhalten.
4 Die Freunde nahmen diese Aufgabe in Angriff, wohl wissend, dass sie trotz ihrer früheren Erfolge auf dem Feld des Lehrens offenbar noch viel darüber lernen mussten, welche Fähigkeiten sie erwerben sollten und – ganz entscheidend – wie sie diese erwerben konnten. In vielerlei Hinsicht lernte die Gemeinde im Handeln und die daraus gewonnenen Erkenntnisse fanden, nachdem sie wiederholt über einen längeren Zeitraum in verschiedenen Umfeldern angewandt und dadurch kondensiert und verfeinert worden waren, schließlich Eingang in Bildungsmaterialien. Man erkannte, dass bestimmte Aktivitäten eine natürliche Antwort auf die geistigen Bedürfnisse einer Bevölkerung waren. Studienkreise, Kinderklassen, Andachtstreffen und später Juniorjugendgruppen waren in dieser Hinsicht von zentraler Bedeutung, und wenn sie mit dazu gehörenden Aktivitäten verwoben wurden, konnte die dadurch entstandene Dynamik zu einem lebendigen Muster des Gemeindelebens führen. Und als die Zahl der Teilnehmer an diesen Kernaktivitäten zunahm, wurde deren ursprünglicher Zweck um eine neue Dimension erweitert. Sie erwiesen sich als Portale, durch die Jugendliche, Erwachsene und ganze Familien aus der umgebenden Gesellschaft mit der Offenbarung Bahá’u’lláhs in Berührung kommen konnten. Es wurde auch deutlich, wie praktisch es war, Strategien für die Arbeit der Gemeindebildung im Kontext des „Clusters“ in Betracht zu ziehen: ein geografisches Gebiet von überschaubarer Größe mit spezifischen sozialen und wirtschaftlichen Merkmalen. Es wurde nach und nach die Fähigkeit kultiviert, einfache Pläne auf der Ebene des Clusters zu erstellen, und aus diesen Plänen entstanden Programme für das Wachstum des Glaubens, welche zunehmend in dreimonatlichen Aktivitätszyklen organisiert wurden. Ein wichtiger Punkt wurde schon früh klar: Die Bewegung von Einzelnen durch eine Abfolge von Kursen gibt der Bewegung von Clustern entlang eines Entwicklungskontinuums Impulse und wird wiederum von ihr weiter aufrechterhalten. Diese komplementäre Beziehung half den Freunden überall, die Dynamik des Wachstums in ihrem eigenen Umfeld einzuschätzen und einen Weg hin zu größerer Stärke aufzuzeigen. Im Laufe der Zeit erwies es sich als fruchtbar, das Geschehen in einem Cluster sowohl aus der Perspektive der drei Erziehungsaufträge zu betrachten – dem Dienst an Kindern, Juniorjugendlichen sowie Jugendlichen und Erwachsenen – als auch aus der Perspektive der für den Wachstumsrhythmus wesentlichen Aktivitätszyklen. Schon bald auf dem Weg dieses fünfundzwanzigjährigen Unterfangens waren viele der am deutlichsten erkennbaren Merkmale des Wachstumsprozesses, den wir heute sehen, dabei sich gut zu etablieren.
5 Als die Bemühungen der Freunde sich intensivierten, kristallisierten sich verschiedene Prinzipien, Konzepte und Strategien von allgemeingültiger Bedeutung für den Wachstumsprozess zu einem Handlungsrahmen heraus, der sich weiterentwickeln konnte, um neue Elemente aufzunehmen. Dieser Handlungsrahmen erwies sich als grundlegend für die Freisetzung einer enormen Vitalität. Er half den Freunden, ihre Energien auf eine Weise zu kanalisieren, die, wie die Erfahrung gezeigt hatte, für das Wachstum gesunder Gemeinden förderlich war. Aber ein Handlungsrahmen ist keine Formel. Durch die Berücksichtigung der verschiedenen Elemente des Handlungsrahmens bei der Beurteilung der Realität eines Clusters, eines Ortes oder einfach einer Nachbarschaft konnte ein Handlungsmuster entwickelt werden, das sich auf das stützte, was die übrige Bahá’í-Welt im Begriff war zu lernen, während es gleichzeitig auf die Besonderheiten jedes speziellen Ortes einging. Eine Dichotomie zwischen starren Anforderungen einerseits und uneingeschränkten persönlichen Vorlieben andererseits wurde von einem differenzierteren Verständnis der Vielfalt der Mittel abgelöst, mit denen Einzelne einen Prozess unterstützen konnten, der im Kern kohärent war und als gesammelte Erfahrung kontinuierlich verfeinert wurde. Es sollte keinen Zweifel an dem Fortschritt geben, den das Hervortreten dieses Rahmens darstellt: Die Implikationen für die Harmonisierung und Vereinigung d er Bemühungen der gesamten Bahá’í-Welt und die Förderung ihres weiteren Voranschreitens waren von großer Bedeutung.
6 Als ein Plan auf den anderen folgte und das Engagement für die Arbeit der Gemeindebildung auf eine breitere Basis gestellt wurde, zeichneten sich deutlichere Fortschritte auf der Ebene der Kultur ab. Zum Beispiel wurde die Bedeutung der Erziehung und Bildung der jüngeren Generationen mehr und mehr gewürdigt, so wie auch das außergewöhnliche Potenzial, das insbesondere der Juniorjugend innewohnt. Dass Menschen sich gegenseitig auf einem gemeinsamen Weg unterstützen und begleiten und dabei den Kreis der gegenseitigen Hilfe ständig erweitern, wurde zu einem Muster für alle Bemühungen, die darauf abzielten, Fähigkeiten zum Dienen zu entwickeln. Sogar die Interaktionen der Freunde untereinander und mit ihren Mitmenschen änderten sich mit dem wachsenden Bewusstsein der Kraft, mit der bedeutungsvolle Gespräche geistige Empfänglichkeit erwecken und fördern können. Und was besonders bedeutsam war: Die Bahá’í-Gemeinden nahmen eine zunehmend nach außen gerichtete Orientierung an. Jeder für die Vision des Glaubens empfängliche Mensch konnte ein aktiver Teilnehmer von Bildungsaktivitäten, Andachtsversammlungen und anderen Elementen gemeindebildender Arbeit werden – sogar als deren Förderer und Durchführender. Viele von ihnen erklärten auch ihren Glauben an Bahá’u’lláh. So entstand ein Verständnis vom Prozess des Beitritts in Scharen, das sich weniger auf Theorien und Annahmen als vielmehr auf tatsächliche Erfahrungen darüber stützte, auf welche Weise viele Menschen den Glauben fanden, sich mit ihm vertraut machten, sich mit seinen Zielen identifizierten, sich an seinen Aktivitäten und Beratungen beteiligten und ihn in vielen Fällen annahmen. In der Tat, indemIndem der Institutsprozess in einer Region nach der anderen gestärkt wurde, stieg die Anzahl derjenigen sprunghaft an, die sich an der Arbeit des Plans beteiligten, und umfasste sogar diejenigen, die den Glauben erst kurz zuvor kennengelernt hatten. Hierbei ging es jedoch nicht um das bloße Interesse an Zahlen. Die Vision von gleichzeitig stattfindendem persönlichem und kollektivem Wandel, gegründet auf das Studium des Wortes Gottes und die Anerkennung der Fähigkeit eines jeden Menschen, Protagonist in einem tiefgreifenden geistigen Drama zu werden, hatte ein Gefühl für die Gemeinsamkeit der Bestrebungen entstehen lassen.
7 Eines der auffälligsten und inspirierendsten Merkmale dieser fünfundzwanzigjährigen Periode war der Dienst der Bahá’í-Jugendlichen, die mit Glauben und Tapferkeit den ihnen gebührenden Platz an der Spitze der Bemühungen der Gemeinde eingenommen haben. Als Lehrer der Sache und Erzieher der Jüngeren, als reisende Tutoren und Pioniere an der Heimatfront, als Clusterkoordinatoren und Mitglieder von Bahá’í-Agenturen haben sich Jugendliche auf fünf Kontinenten erhoben, um ihren Gemeinden mit Hingabe und Opferbereitschaft zu dienen. Die Reife, die sie bei der Erfüllung der Aufgaben bewiesen haben, von denen die Weiterentwicklung des Göttlichen Plans abhängt, zeigt ihre geistige Vitalität und ihr Engagement für die Bewahrung der Zukunft der Menschheit. In Anerkennung dieser immer offensichtlicher werdenden Reife haben wir beschlossen, dass diesem Riḍván unmittelbar folgend zwar das Alter, in dem Gläubige in einen Geistigen Rat gewählt werden können, bei einundzwanzig bleibt, das Alter, in dem Gläubige bei Bahá’í-Wahlen ihre Wahl abgeben dürfen, jedoch auf achtzehn gesenkt wird. Wir haben keinen Zweifel daran, dass mündige Bahá’í-Jugendliche überall unser Vertrauen in ihre Fähigkeit rechtfertigen werden, die „heilige Pflicht“, zu der jeder Bahá’í-Wähler berufen ist, „gewissenhaft und sorgfältig“ zu erfüllen.
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8 Wir sind uns bewusst, dass die Gegebenheiten in den Gemeinden natürlich sehr unterschiedlich sind. Verschiedene nationale Gemeinden und verschiedene Orte innerhalb dieser Gemeinden begannen diese Serie von Plänen an verschiedenen Punkten ihrer Entwicklung. Seitdem haben sie sich auch mit unterschiedlicher Geschwindigkeit entwickelt und unterschiedliche Stufen des Fortschritts erreicht. Dies ist an sich nichts Neues. Es war schon immer so, dass sich die Bedingungen an verschiedenen Orten unterscheiden, ebenso wie der Grad der Empfänglichkeit, der dort zu finden ist. Aber wir nehmen auch wahr, dass, wie eine ansteigende Flut, die Kapazität, das Vertrauen und die gesammelten Erfahrungen der meisten Gemeinden zunehmen, beflügelt vom Erfolg ihrer Schwestergemeinden nah und fern. Während es beispielsweise Gläubigen, die sich 1996 erhoben, um einen neuen Ort zu eröffnen, nicht an Mut, Glauben und Hingabe fehlte, kombinieren solche Freunde heute überall dieselben Eigenschaften mit dem Wissen, der Einsicht und den Fertigkeiten, die sich in einer fünfundzwanzig Jahre währenden Anstrengung der gesamten Bahá’í-Welt angesammelt haben, um die Ausbreitungs- und Festigungsarbeit zu systematisieren und zu verfeinern.
9 Eine Gemeinde hat – unabhängig von ihrem Ausgangspunkt – den Wachstumsprozess vorangetrieben, wenn sie die Eigenschaften Glaube, Ausdauer und Engagement mit der Bereitschaft zu lernen verbunden hat. Tatsächlich ist ein bleibendes Vermächtnis dieser Serie von Plänen die weit verbreitete Erkenntnis, dass jede Bemühung voranzukommen mit einer Ausrichtung auf das Lernen beginnt. Die Einfachheit dieses Prinzips täuscht über die Bedeutsamkeit der Implikationen hinweg, die daraus folgen. Wir bezweifeln nicht, dass jeder Cluster mit der Zeit entlang des Kontinuums der Entwicklung voranschreiten wird. Die Gemeinden, die im Vergleich zu denen, deren Gegebenheiten und Möglichkeiten ähnlich waren, am schnellsten vorangekommen sind, haben die Fähigkeit bewiesen, Einheit im Denken zu fördern und mehr über wirksames Handeln zu lernen. Und das taten sie – und sie haben nicht gezögert zu handeln.
10 Eine Verpflichtung zum Lernen bedeutete auch, Fehler zu akzeptieren – und manchmal brachten Fehler natürlich Unbehagen mit sich. Es überrascht nicht, dass neue Methoden und Ansätze aufgrund mangelnder Erfahrung zunächst ungeschickt gehandhabt wurden. Gelegentlich ging eine neu erworbene Fähigkeit verloren, während eine Gemeinde von der Entwicklung einer anderen Fähigkeit ganz in Anspruch genommen war. Die besten Absichten zu haben schützt nicht vor falschen Schritten, und diese hinter sich zu lassen, erfordert sowohl Demut als auch Loslösung. Wenn eine Gemeinde entschlossen bleibt, Nachsicht zu üben und aus Fehlern zu lernen, die naturgemäß auftreten, ist Fortschritt nie außer Reichweite.
11 Auf halbem Weg in der Serie von Plänen begann die Beteiligung der Gemeinde am Leben der Gesellschaft mehr direkte Aufmerksamkeit zu erhalten. Die Gläubigen wurden ermutigt, dies in zwei miteinander verbundenen Bereichen ihres Bemühens zu betrachten – sozialem Handeln und der Teilnahme an den vorherrschenden gesellschaftlichen Diskursen. Dies waren natürlich keine Alternativen zur Ausbreitungs- und Festigungsarbeit, und erst recht keine Ablenkungen davon: Sie waren hiervon ein natürlicher Bestandteil. Je mehr menschliche Ressourcen einer Gemeinde zur Verfügung standen, desto größer wurde ihre Fähigkeit, die in Bahá’u’lláhs Offenbarung enthaltene Weisheit auf die Herausforderungen der Stunde anzuwenden, nämlich Seine Lehren in die Wirklichkeit umzusetzen. Und die problembeladenen Belange der Menschheit während dieser Zeitspanne schienen zu unterstreichen, wie verzweifelt sie des vom Göttlichen Arzt verschriebenen Heilmittels bedurfte. Hierin impliziert war eine Auffassung von Religion, die sich von den Vorstellungen, die in der Welt insgesamt vorherrschen, stark unterscheidet: eine Auffassung, die die Religion als die machtvolle Kraft anerkennt, die eine immer weiter fortschreitende Kultur vorantreibt. Allen war klar, dass eine solche Kultur auch nicht spontan von selbst erscheinen würde – es war die Mission der Anhänger Bahá’u’lláhs, für ihr Entstehen hart zu arbeiten. Eine solche Mission erforderte es, den gleichen Prozess systematischen Lernens auf die Arbeit des sozialen Handelns und des Engagements im öffentlichen Diskurs anzuwenden.
12 Aus dem Blickwinkel der vergangenen zweieinhalb Jahrzehnte betrachtet, hat die Fähigkeit zu sozialem Handeln deutlich zugenommen, was zu einem außerordentlichen Aufblühen von Aktivitäten geführt hat. Im Vergleich zu 1996, als von Jahr zu Jahr rund 250 soziale und wirtschaftliche Entwicklungsprojekte aufrechterhalten werden konnten, sind es jetzt 1.500, und die Zahl der Bahá’í-inspirierten Organisationen hat sich vervierfacht auf über 160. Jedes Jahr werden an der Basis mehr als 70.000 Initiativen für kurzfristiges soziales Handeln durchgeführt, was einer fünfzigfachen Vermehrung entspricht. Wir freuen uns auf eine weitere Steigerung all dieser Bemühungen, die sich jetzt aus der engagierten Unterstützung und Anregung durch die Bahá’í International Development Organization ergeben wird. Inzwischen ist auch die Beteiligung der Bahá’í an den vorherrschenden gesellschaftlichen Diskursen enorm gewachsen. Neben den vielen Gelegenheiten, bei denen die Freunde feststellen, dass sie in Gesprächen in einem beruflichen oder persönlichen Kontext eine Bahá’í-Perspektive anbieten können, hat eine eher formelle Teilnahme an Diskursen erheblich zugenommen. Wir denken nicht nur an die stark erweiterten Bemühungen und immer anspruchsvolleren Beiträge der Bahá’í International Community, die in diesem Zeitraum Büros in Afrika, Asien und Europa eröffnete, sondern auch an die Arbeit eines stark erweiterten und verstärkten Netzwerks nationaler Büros für Außenbeziehungen, für die dieser Tätigkeitsbereich zum Mittelpunkt wurde. Darüber hinaus gab es in bestimmten Bereichen erkenntnisreiche und beachtenswerte Beiträge einzelner Gläubiger. All dies erklärt gewissermaßen die Wertschätzung, Anerkennung und Bewunderung, die Vordenker und andere prominente Persönlichkeiten auf allen Ebenen der Gesellschaft immer wieder für den Glauben, seine Anhänger und ihre Aktivitäten zum Ausdruck gebracht haben.
13 Wenn wir auf den gesamten Zeitraum von fünfundzwanzig Jahren zurückblicken, sind wir überwältigt von den vielfältigen Fortschritten, die die Bahá’í-Welt in dieser Zeit gemacht hat. Ihr intellektuelles Leben blühte auf, wie es nicht nur die Fortschritte in allen bereits diskutierten Bereichen des Bemühens zeigen, sondern auch die von Bahá’í-Autoren veröffentlichte Menge an hochwertiger Literatur, die Entwicklung von Räumen für die Erforschung bestimmter Disziplinen im Lichte der Lehren und die Auswirkungen der Seminare für Studierende und Hochschulabsolventen, die systematisch vom Institute for Studies in Global Prosperity angeboten werden, das in Zusammenarbeit mit den Institutionen der Sache nun Bahá’í-Jugendlichen aus weit über 100 Ländern zur Verfügung steht. Die Bestrebungen zur Errichtung von Häusern der Andacht haben sich sichtbar beschleunigt. Der letzte Muttertempel wurde in Santiago de Chile errichtet, und es wurden Projekte zum Bau von zwei nationalen und fünf lokalen Mashriqu’l-Adhkár initiiert. Die Häuser der Andacht in Battambang, Kambodscha, und Norte del Cauca, Kolumbien, haben bereits ihre Türen geöffnet. Bahá’í-Häuser der Andacht, ob neu eingeweiht oder seit langem bestehend, nehmen immer mehr ihre Stellung im Herzen des Gemeindelebens ein. Die materielle Unterstützung der Gesamtheit der Gläubigen für die unzähligen Bemühungen der Freunde Gottes war und ist außerordentlich großzügig. Wenn man dies nur als Maßstab für die kollektive geistige Vitalität nimmt, dann ist die Großzügigkeit und Opferbereitschaft, mit denen in einer Zeit erheblicher wirtschaftlicher Umwälzungen der lebensnotwendige Geldfluss aufrechterhalten, ja, sogar belebt wird, besonders aussagekräftig. Im Bereich der Bahá’í-Administration hat die Fähigkeit der Nationalen Geistigen Räte, die Angelegenheiten ihrer Gemeinden in all ihrer wachsenden Komplexität zu verwalten, erheblich zugenommen. Sie haben insbesondere von neuen Dimensionen der Zusammenarbeit mit den Beratern profitiert, die maßgeblich dazu beigetragen haben, das Sammeln von Erkenntnissen an der Basis auf der ganzen Welt zu systematisieren und sicherzustellen, dass sie weit verbreitet werden. Dies war auch der Zeitabschnitt, in dem der Regionalrat der Bahá’í zu einer vollwertigen Institution der Sache wurde, und in mittlerweile 230 Regionen haben sich die Räte und die von ihnen betreuten Trainingsinstitute als unverzichtbar erwiesen, um den Wachstumsprozess voranzutreiben. Um die Funktionen des Haupttreuhänders für Ḥuqúqu’lláh, Hand der Sache Gottes ‘Alí-Muḥammad Varqá, in die Zukunft fortzuschreiben, wurde 2005 das Internationale Treuhänderamt für Huqúqu’lláh gegründet. Heute koordiniert es die Bemühungen von nicht weniger als 33 nationalen und regionalen Treuhänderämtern, die jetzt den Globus umschließen, und die ihrerseits die Arbeit von über 1.000 Bevollmächtigten leiten. Die Entwicklungen am Bahá’í-Weltzentrum im selben Zeitraum sind zahlreich: Davon zeugen die Fertigstellung der Terrassen am Schrein des Báb und zweier Gebäude am Bogen sowie der Beginn des Baus des Schreins von ‘Abdu’l-Bahá, ganz zu schweigen von einer Vielzahl von Projekten zur Verstärkung und Erhaltung der kostbaren Heiligen Stätten des Glaubens. Der Schrein Bahá’u’lláhs und der Schrein des Báb, Orte von unschätzbarer Bedeutung für die Menschheit, wurden als Weltkulturerbe anerkannt. Besucher strömten zu Hunderttausenden an diese heiligen Orte, und in manchen Jahren erreichte ihre Zahl fast eineinhalb Millionen. Das Weltzentrum begrüßte regelmäßig Hunderte von Pilgern zur gleichen Zeit, manchmal mehr als 5.000 pro Jahr, und zusätzlich eine ähnliche Anzahl von Bahá’í-Besuchern. Wir freuen uns gleichermaßen über die gestiegenen Zahlen wie auch darüber, dass sich unter denen, die an der Gnade der Pilgerreise teilhaben, so viele unterschiedliche Völker und Nationen finden. Die Übersetzung, Veröffentlichung und Verbreitung der Heiligen Texte wurde erheblich beschleunigt, parallel dazu die Entwicklung der Bahá’í-Referenzbibliothek, eines der bemerkenswertesten Elemente des wachsenden Netzes von Websites, die angebunden sind an Bahai.org; diese selbst steht jetzt in zehn Sprachen zur Verfügung. Es wurden verschiedene Büros und Agenturen eingerichtet, die sich am Weltzentrum und andernorts befinden, und die die Aufgabe haben, den Lernprozess in verschiedenen Bereichen der Bestrebungen der Bahá’í-Welt zu unterstützen. All dies, unsere Schwestern und Brüder im Glauben, ist nur ein Bruchteil der Geschichte, die wir erzählen könnten über das, was Ihre Hingabe an Den hervorgebracht hat, Der der Unterdrückte der Welt war. Wir können nur die ergreifenden Worte wiederholen, die der geliebte Meister einmal äußerte, als Er, von Seinen Gefühlen überwältigt, ausrief: „O Bahá’u’lláh! Was hast Du vollbracht?“
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14 Ausgehend von der Gesamtschau über ein entscheidendes Vierteljahrhundert richten wir nun unseren Blick auf den jüngsten Fünfjahresplan, der sich in vielerlei Hinsicht von den vorangegangenen unterscheidet. In diesem Plan forderten wir die Bahá’í der Welt auf, all das zu nutzen, was sie im Verlauf der vergangenen zwanzig Jahre gelernt hatten, und es in vollem Umfang umzusetzen. Wir sind hoch erfreut darüber, dass unsere Hoffnungen in dieser Hinsicht mehr als erfüllt wurden, und obwohl wir natürlich Herausragendes von den Anhängern der Gesegneten Schönheit erwarten, war dennoch die Qualität dessen, was durch ihre Herkulesanstrengungen erreicht wurde, wirklich atemberaubend. Es war der krönende Abschluss einer Leistung, die sich über fünfundzwanzig Jahre erstreckte.
15 Der Plan war besonders denkwürdig, weil er durch die beiden Zweihundertjahrfeiern in drei Teile aufgeteilt wurde, Heilige Tage, deren jeder die örtlichen Gemeinden auf der ganzen Welt entflammte. Die Gemeinschaft der Gläubigen zeigte in einem nie zuvor erlebten Ausmaß die Fähigkeit, mit relativer Leichtigkeit Menschen aus allen Bereichen der Gesellschaft darin einzubeziehen, das Leben einer Manifestation Gottes zu ehren. Dies war ein kraftvoller Indikator für etwas Größeres: die Fähigkeit, die Freisetzung enormer geistiger Energien für den Fortschritt der Sache zu kanalisieren. Die Resonanz war so großartig, dass der Glaube vielerorts auf nationaler Ebene plötzlich aus der Verborgenheit hervortrat. In Umfeldern, wo man es nicht erwartet, vielleicht nicht einmal in den Blick genommen hatte, zeigte sich eine ausgeprägte Empfänglichkeit für den Glauben. Tausende und Abertausende fühlten sich bewegt und erhoben durch ihre Begegnung mit dem Geist der Andacht, der heute für Bahá’í-Gemeinden überall charakteristisch ist. Die Vision dessen, was durch das Begehen eines Bahá’í-Feiertages möglich ist, wurde unermesslich erweitert.
16 Rein zahlenmäßig gesehen, stellten die Erfolge dieses Plans schnell diejenigen aller Pläne in den Schatten, die ihm seit 1996 vorausgegangen waren. Zu Beginn dieses Plans gab es die Kapazität für die Durchführung von etwas mehr als 100.000 Kernaktivitäten zu einem gegebenen Zeitpunkt, eine Kapazität, die das Ergebnis von zwanzig Jahren gemeinsamer Bemühungen war. Jetzt werden 300.000 Kernaktivitäten gleichzeitig aufrechterhalten. Die Zahl der Teilnehmer an diesen Aktivitäten ist auf über zwei Millionen gestiegen, was ebenfalls fast einer Verdreifachung entspricht. Es gibt 329 nationale und regionale Trainingsinstitute, und ihre Kapazität wird durch die Tatsache belegt, dass eine dreiviertel Million Menschen mindestens ein Buch der Kursfolge absolvieren konnte. Insgesamt beträgt die Anzahl der von Einzelpersonen absolvierten Kurse nun ebenfalls zwei Millionen – ein Anstieg von weit über einem Drittel in fünf Jahren.
17 Die zunehmende Intensität, mit der Wachstumsprogramme auf der ganzen Welt durchgeführt werden, erzählt eine eigene, beeindruckende Geschichte. In diesem Fünfjahreszeitraum hatten wir dazu aufgerufen, das Wachstum in jedem der 5.000 Cluster, in denen es begonnen hatte, zu beschleunigen. Dieser dringende Aufruf wurde zum starken Impuls für ernsthafte Bemühungen auf der ganzen Welt. In der Folge hat sich die Anzahl der intensiven Wachstumsprogramme mehr als verdoppelt und liegt nun bei rund 4.000. Schwierigkeiten bei der Eröffnung neuer Dörfer und Nachbarschaften für den Glauben inmitten einer globalen Gesundheitskrise oder bei der Ausweitung von Aktivitäten, die sich zu Beginn der Pandemie noch in einem frühen Stadium befanden, verhinderten, dass im letzten Jahr des Plans eine noch höhere Gesamtzahl erreicht werden konnte. Es gibt jedoch noch mehr zu erzählen als das. Zu Beginn des Plans hatten wir die Hoffnung geäußert, dass die Anzahl der Cluster, in denen die Freunde den dritten Meilenstein entlang eines Wachstumskontinuums überschritten haben würden, um weitere Hunderte wachsen würde, als Folge des erlangten Verständnisses davon, wie eine große Anzahl von Menschen mit offenen Armen in die Aktivitäten einbezogen werden können. Diese Zahl lag damals bei etwa 200, verteilt auf rund 40 Länder. Fünf Jahre später ist diese Zahl auf erstaunliche 1.000 in fast 100 Ländern angestiegen – ein Viertel aller intensiven Wachstumsprogramme der Welt und eine Leistung, die unsere Erwartungen weit übertrifft. Und doch reflektieren selbst diese Zahlen nicht die höchsten Höhen, zu denen sich die Gemeinde emporgeschwungen hat. Es gibt über 30 Cluster, in denen mehr als 1.000 Kernaktivitäten durchgeführt werden; stellenweise sind es mehrere tausend Aktivitäten, an denen mehr als 20.000 Menschen in einem einzigen Cluster beteiligt sind. Eine wachsende Anzahl örtlicher Geistiger Räte überblickt nun die Entfaltung von Bildungsprogrammen, die praktisch alle Kinder und Juniorjugendlichen in einem Dorf versorgen; die gleiche Realität zeichnet sich auch schon in einigen städtischen Nachbarschaften ab. Die Beschäftigung mit der Offenbarung Bahá’u’lláhs ist in bemerkenswerten Fällen über Einzelpersonen, Familien und die erweiterte Verwandtschaft hinausgegangen. Was sich beobachten lässt, ist die Bewegung ganzer Bevölkerungsgruppen auf einen gemeinsamen Mittelpunkt zu. Manchmal lassen gegnerische Gruppen uralte Feindseligkeiten hinter sich, und bestimmte gesellschaftliche Strukturen und Dynamiken werden im Lichte der göttlichen Lehren verwandelt.
18 Wir können nicht anders, als überglücklich über derartig beeindruckende Fortschritte zu sein. Die gesellschaftsbildende Kraft des Glaubens Bahá’u’lláhs kommt immer deutlicher zum Ausdruck, und dies ist eine solide Grundlage, auf der der kommende Neunjahresplan aufbauen wird. Cluster von ausgeprägter Stärke haben sich, wie erhofft, als Reservoir an Wissen und Ressourcen für ihre Nachbarcluster erwiesen. Und Regionen, in denen mehr als ein solcher Cluster existiert, haben mit größerer Leichtigkeit die Mittel dafür entwickelt, das Wachstum in einem Cluster nach dem anderen zu beschleunigen. Wir fühlen uns jedoch veranlasst erneut zu betonen, dass der Fortschritt nahezu universell war; der Unterschied im Fortschritt zwischen einem Ort und einem anderen ist nur einer des Grades. Das kollektive Verständnis der Gemeinde für den Prozess des Beitritts in Scharen und ihr Vertrauen, diesen Prozess unter allen nur denkbaren Umständen beflügeln zu können, haben ein Niveau erreicht, wie es in den vergangenen Jahrzehnten unvorstellbar war. Die tiefgreifenden Fragen, die schon so lange schwelten und die 1996 scharf in den Fokus gerückt wurden, sind von der Bahá’í-Welt überzeugend beantwortet worden. Es gibt nun eine Generation von Gläubigen, deren gesamtes Leben durch den Fortschritt der Gemeinde geprägt wurde. Aber das schiere Ausmaß dessen, was in den zahlreichen Clustern geschehen ist, in denen die Horizonte des Lernens ständig erweitert werden, hat den erheblichen Fortschritt beim Prozess des Beitritts in Scharen in einen bedeutsamen Prozess von historischem Ausmaß verwandelt.
19 Viele werden wissen, wie der Hüter die Zeitalter des Glaubens in aufeinanderfolgende Epochen unterteilt hat; die fünfte Epoche des Gestaltenden Zeitalters begann 2001. Weniger bekannt ist, dass der Hüter auch ausdrücklich darauf hingewiesen hat, dass es Epochen des Göttlichen Plans und Etappen innerhalb dieser Epochen gibt. Der von ‘Abdu’l-Bahá konzipierte Göttliche Plan, der zwei Jahrzehnte lang ruhte, während örtliche und nationale Organe der Gemeindeordnung errichtet und gestärkt wurden, wurde 1937 mit dem Beginn der ersten Etappe seiner ersten Epoche offiziell eröffnet: mit dem Siebenjahresplan, den der Hüter der nordamerikanischen Bahá’í-Gemeinde zugewiesen hatte. Diese erste Epoche endete mit dem Abschluss des Zehnjahres-Kreuzzugs im Jahr 1963, der dazu geführt hatte, dass das Banner des Glaubens auf der ganzen Welt errichtet wurde. Die Eröffnungsetappe der zweiten Epoche war der erste Neunjahresplan, gefolgt von nicht weniger als zehn Plänen – Plänen mit einer Laufzeit von zwölf Monaten bis sieben Jahren. Bei Anbruch dieser zweiten Epoche erlebte die Bahá’í-Welt bereits die frühesten Anfänge dieses Beitritts in Scharen in den Glauben, wie er vom Urheber des Göttlichen Plans vorausgesehen worden war. In den folgenden Jahrzehnten haben Generationen hingebungsvoller Gläubiger in der Gemeinde des Größten Namens hart im Göttlichen Weinberg gearbeitet, um die Bedingungen für ein nachhaltiges Wachstum in großem Maßstab zu schaffen. Und zu dieser herrlichen Riḍván-Zeit, wie reichlich sind die Früchte dieser harten Arbeit! Das Phänomen einer beträchtlichen Anzahl von Menschen, welche die Aktivitäten der Gemeinde anschwellen lassen, den Funken des Glaubens auffangen und sich sogleich erheben, um in der vordersten Reihe des Plans zu dienen, hat sich von einer von Glauben getragenen Erwartung zu einer sich wiederholenden Realität entwickelt. Solch ein ausgeprägter und nachweisbarer Fortschritt verlangt danach, in den Annalen der Sache hervorgehoben zu werden. Mit begeisterten Herzen verkünden wir, dass die dritte Epoche des Göttlichen Plans des Meisters begonnen hat. Etappe für Etappe, Epoche nach Epoche, wird sich Sein Plan entfalten, bis das Licht des Königreichs jedes Herz erleuchtet.
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20 Geliebte Freunde, keine Rückschau auf das fünfjährige Unterfangen, das die zweite Epoche des Göttlichen Plans zum Abschluss gebracht hat, wäre vollständig, ohne dass auf die Umwälzungen hingewiesen wird, die mit seinem letzten Jahr einhergingen und immer noch andauern. Die Einschränkungen in den persönlichen Interaktionen, die in den meisten Ländern in diesem Zeitraum ständig zunahmen und wieder abnahmen, hätten den kollektiven Bemühungen der Gemeinde einen schweren Schlag versetzen können, und sich davon zu erholen, hätte vermutlich Jahre beansprucht. Aber es gibt zwei Gründe, warum dies nicht der Fall war. Ein Grund war das weit verbreitete Bewusstsein der Bahá’í für ihre Verpflichtung, der Menschheit zu dienen, und dies umso mehr in Zeiten der Gefahr und Drangsal. Der andere war der außerordentliche Anstieg der Fähigkeit in der Bahá’í-Welt, diesem Bewusstsein Ausdruck zu verleihen. Über viele Jahre daran gewöhnt, systematische Handlungsmuster anzuwenden, brachten die Freunde ihre Kreativität und ihr Zielbewusstsein in einer unvorhergesehenen Krise zum Tragen. Gleichzeitig stellten sie sicher, dass die neuen Ansätze, die sie entwickelten, mit dem Rahmenwerk kohärent waren, das sie sich bemüht hatten, in aufeinanderfolgenden Plänen zu vervollkommnen. Dabei sollen keineswegs die großen Nöte übersehen werden, die die Bahá’í, wie auch ihre Landsleute in jedem Land, ertragen müssen. Aber inmitten dieser ernsthaften Schwierigkeiten behielten die Gläubigen das Ziel im Auge. Ressourcen wurden an bedürftige Gemeinden weitergeleitet, Wahlen wurden durchgeführt, wo immer dies möglich war, und unter jeglichen Umständen haben die Institutionen der Sache ihre Pflichten weiterhin erfüllt. Es gab sogar kühne Schritte nach vorn. Der Nationale Geistige Rat von São Tomé und Príncipe wird an diesem Riḍván wiedergebildet, und zwei neue Säulen des Universalen Hauses der Gerechtigkeit werden errichtet: der Nationale Geistige Rat von Kroatien mit Sitz in Zagreb und der Nationale Geistige Rat von Timor-Leste mit Sitz in Dili.
21 Und so beginnt der Einjahresplan. Sein Ziel und seine Anforderungen wurden bereits in unserer Botschaft zum Tag des Bundes dargelegt. Obwohl dieser Plan kurz ist, wird er ausreichen, um die Bahá’í-Welt auf den darauf folgenden Neunjahresplan vorzubereiten. Eine Periode besonderer Wirkkraft, die einhundert Jahre nach der Offenbarung der Sendschreiben zum Göttlichen Plan eröffnet wurde, endet bald mit dem hundertsten Jahrestag des Hinscheidens von ‘Abdu’l-Bahá und markiert den Abschluss des ersten Jahrhunderts des Gestaltenden Zeitalters und den Beginn des zweiten. Die Gemeinschaft der Gläubigen tritt in diesen neuen Plan ein zu einer Zeit, in der die Menschheit – geläutert durch die Offenlegung ihrer Verwundbarkeit – ein stärkeres Bewusstsein für die Notwendigkeit von Zusammenarbeit zur Bewältigung globaler Herausforderungen entwickelt zu haben scheint. Die anhaltenden Gewohnheiten von Konkurrenzdenken, Eigeninteressen, Vorurteilen und Engstirnigkeit behindern jedoch nach wie vor die Bewegung hin zur Einheit, obwohl immer mehr Menschen in Wort und Tat zeigen, wie auch sie sich nach einer größeren Akzeptanz der Einheit sehnen, die der Menschheit innewohnt. Wir beten darum, dass es der Familie der Nationen gelingt, im Interesse des Gemeinwohls ihre Differenzen beizulegen. Ungeachtet der Ungewissheiten, die auf den kommenden Monaten lasten, bitten wir Bahá’u’lláh, die Bestätigungen, durch die Seine Anhänger so lange getragen wurden, noch reicher strömen zu lassen, damit Sie in Ihrer Mission weitergebracht werden und Ihre Gelassenheit unberührt bleibt von den Turbulenzen einer Welt, deren Bedürfnis nach Seiner heilenden Botschaft immer drängender wird.
22 Der Göttliche Plan tritt in eine neue Epoche und in eine neue Etappe ein. Die neue Seite ist aufgeschlagen.
1 ein Jahr der Vorbereitung und des Nachdenkens sowie großer Anstrengungen ist zu Ende gegangen, geprägt durch die Bemühungen der Freunde in aller Welt, den hundertsten Jahrestag des Hinscheidens ‘Abdu’l-Bahás zu begehen, unter anderem durch die Entsendung von Vertretern, die an einer besonderen Veranstaltung zu Seinen Ehren im Heiligen Land teilnahmen. Dank dieser Bemühungen wurde die Inspiration, die das Leben ‘Abdu’l-Bahás bietet, von unzähligen Seelen und nicht nur von Bahá’í empfunden. Seine Sorge um jedes Mitglied der Menschheitsfamilie, Seine Lehrtätigkeit, Seine Förderung von Projekten für Bildung und Gemeinwohl, Seine tiefgründigen Beiträge zu Diskursen sowohl in Ost wie West, Seine von Herzen kommende Ermutigung von Projekten zum Bau von Häusern der Andacht, Seine Gestaltung früher Formen der Bahá’í-Administration, Seine beständige Pflege verschiedener Aspekte des Gemeindelebens – all diese sich ergänzenden Facetten Seines Lebens spiegelten Seine stetige und vollkommene Hingabe an den Dienst für Gott und für die Menschheit wider. ‘Abdu’l-Bahá war nicht nur eine überragende Persönlichkeit mit moralischer Autorität und außerordentlicher geistiger Einsicht, sondern auch ein reiner Kanal, durch den die von Bahá’u’lláhs Offenbarung freigesetzten Kräfte auf die Welt wirken können. Um die gesellschaftsbildende Kraft zu begreifen, die der Glaube besitzt, muss man nur auf die Errungenschaften ‘Abdu’l-Bahás während Seiner Amtszeit schauen sowie auf die verwandelnde Auswirkung der Führung, die unablässig aus Seiner Feder floss. So viele der wunderbaren Fortschritte der heutigen Bahá’í-Gemeinde – die wir in unserer Botschaft an Sie zum letzten Riḍván beschrieben haben – gehen auf die Handlungen, Entscheidungen und Anweisungen ‘Abdu’l-Bahás zurück.
2 Wie passend also, dass die kollektive Huldigung der Bahá’í-Gemeinde an ihr vollkommenes Vorbild den Auftakt zum Beginn eines großen Vorhabens bildet, dessen Hauptziel es ist, die gesellschaftsbildende Kraft des Glaubens in immer größerem Maße freizusetzen. Die Handlungsfelder, derer sich der Neunjahresplan und die laufende Serie von Plänen annimmt, sind auf die Verwirklichung dieses übergreifenden Ziels ausgerichtet. Es steht auch im Mittelpunkt der mehr als 10.000 Konferenzen, die auf der ganzen Welt abgehalten werden, um dieses große geistige Unterfangen in Gang zu setzen. Diese Konferenzen, zu denen eine noch nie dagewesene Anzahl von Teilnehmern erwartet wird, bringen nicht nur Bahá’í zusammen, sondern auch viele andere, denen das Wohl der Menschheit am Herzen liegt und die sich ebenso wie sie danach sehnen, Einheit zu fördern und die Welt zu bessern. Ihre Entschlossenheit und ihre Zielstrebigkeit spiegeln den Geist wider, der bei den bereits stattgefundenen Zusammenkünften erweckt wurde, bei denen die Teilnehmer zum Handeln beflügelt wurden – sowohl durch die dynamischen Beratungen, zu denen sie beitrugen, als auch durch die gemeinsame Vision, die bei diesen freudvollen Veranstaltungen erkundet wurde. Wir blicken voller Erwartung auf das, was die kommenden Monate und Jahre bringen werden.
3 Seit wir unsere Botschaft vom 30. Dezember 2021 an die Konferenz der Berater richteten, untersuchen die Nationalen Geistigen Räte und die Regionalräte eingehend, welche Möglichkeiten es gibt, während des Neunjahresplans den Wachstumsprozess in den Clustern ihres Zuständigkeitsbereichs zu intensivieren. Wir halten es für hilfreich, den Plan in zwei Phasen von vier und fünf Jahren zu betrachten, um die Fortschritte einzuschätzen, die im Laufe der Zeit gemacht werden, und die Nationalen Räte wurden gebeten zu überlegen, welche Fortschritte sie in ihren jeweiligen Gemeinden bis Riḍván 2026 und dann bis Riḍván 2031 erwarten. Dabei wurden auch die Clustergrenzen noch einmal überprüft, und als Ergebnis dieser Anpassungen ist die Gesamtzahl der Cluster in der Welt jetzt um ein Viertel höher und liegt nunmehr bei über 22.000. Nach Beurteilung der eingegangenen Prognosen wird angenommen, dass bis zum Ende des Plans in etwa 14.000 dieser Cluster ein Wachstumsprogramm mit einem gewissen Entwicklungsstand etabliert sein wird. Unter diesen wird die Anzahl derjenigen, in denen das Wachstumsprogramm als intensiv angesehen werden kann, im gleichen Zeitraum voraussichtlich auf 11.000 ansteigen. Und es wird erwartet, dass unter diesen Clustern die Anzahl derer, die den dritten Meilenstein erreicht haben, bis 2031 auf über 5.000 ansteigen wird. Es steht außer Frage, dass derartige Fortschritte enorme Anstrengungen über die gesamte Dauer des Plans hinweg erfordern werden. Wir halten dies jedoch für Ziele, die es wert sind sie anzustreben, da sie eine zwar ehrgeizige, aber realistische Einschätzung dessen darstellen, was in Reichweite liegt.
4 Dies ist aufschlussreich. Denn solche Ziele könnten nicht ernsthaft in Betracht gezogen werden, wenn sich nicht die administrativen Institutionen und Agenturen deutlich weiterentwickelt hätten, so dass sie aufgrund ihrer beträchtlich gesteigerten Kapazität jetzt in der Lage sind, die Angelegenheiten einer Gemeinde zu bewältigen, deren Aktivitäten sich dermaßen schnell vervielfacht haben und die eine große und wachsende Anzahl gleichgesinnter Seelen umfasst. Ein solches Wachstum anzustreben wäre nicht möglich, wenn nicht auf allen Ebenen, bis zur Basis der Gemeinde, der Wunsch zu lernen kultiviert worden wäre, d.h. zu handeln, zu reflektieren, Erkenntnisse zu gewinnen und die andernorts gewonnenen Erkenntnisse aufzunehmen. Und die Anstrengungen, die eine solche Zielsetzung mit sich bringt, wären kaum zu leisten, hätte sich nicht in der Bahá’í-Welt zunehmend eine systematische Herangehensweise in Bezug auf die Lehrtätigkeit und den Aufbau von Fähigkeiten in Menschen etabliert. All dies hat dazu geführt, dass sich die Bahá’í-Gemeinde ihrer eigenen Identität und ihrer Bestimmung immer stärker bewusst wird. Eine entschiedene Außenorientierung im Prozess der Gemeindebildung war bereits an vielen, vielen Orten zu einem festen Aspekt der Kultur geworden; sie hat sich nun in einer wachsenden Anzahl von Gemeinden zu einem Gefühl echter Verantwortung für den geistigen und materiellen Fortschritt immer größerer Gruppen innerhalb der Gesellschaft entwickelt, weit über die Mitgliedschaft der Bahá’í-Gemeinde hinaus. Die Bemühungen der Freunde, Gemeinden aufzubauen, sich im sozialen Handeln zu engagieren und zu den vorherrschenden Diskursen in der Gesellschaft beizutragen, sind zu einer globalen Unternehmung zusammengewachsen, verbunden durch einen gemeinsamen Handlungsrahmen und darauf konzentriert, der Menschheit dabei zu helfen, ihre Angelegenheiten auf einem Fundament geistiger Prinzipien aufzubauen. Die Tragweite der von uns beschriebenen Entwicklungen, die einhundert Jahre nach der Einführung der Administrativen Ordnung an diesem Punkt angelangt sind, kann nicht übersehen werden. In der außergewöhnlichen Steigerung der Kapazität, die in den letzten zwei Jahrzehnten stattgefunden hat – und die es der Bahá’í-Welt ermöglicht hat, ihre Bemühungen im Sinne der Freisetzung der gesellschaftsbildenden Kraft des Glaubens zu betrachten – sehen wir einen eindeutigen Beleg dafür, dass die Sache Gottes in die sechste Epoche ihres Gestaltenden Zeitalters eingetreten ist. Wir haben letzten Riḍván bekanntgegeben, dass das Phänomen einer vielerorts großen Zahl von Menschen, die an Bahá’í-Aktivitäten teilnehmen, vom Glauben entflammt werden und die Fähigkeiten und Fertigkeiten erwerben, um ihren Gemeinden zu dienen, den Beginn der dritten Epoche des Göttlichen Plans des Meisters angezeigt hat; somit hat der Einjahresplan, sowohl zu seinem Beginn als auch jetzt zu seinem Abschluss, eine Reihe historischer Fortschritte deutlich gemacht, die von der Gemeinschaft der Gläubigen erreicht wurden. Und an der Schwelle zu einem neuen, gewaltigen Unterfangen stehen die Gläubigen als geeintes Ganzes bereit, die weit offen vor ihm liegenden Möglichkeiten zu ergreifen.
5 Ein auffallendes Merkmal der nun zu Ende gehenden Epoche war die Errichtung des letzten der kontinentalen Häuser der Andacht und die Initiierung von Projekten zur Errichtung von Häusern der Andacht auf nationaler und örtlicher Ebene. Bahá’í auf der ganzen Welt haben viel über das Konzept des Mashriqu’l-Adhkár und der Einheit von Andacht und Dienst gelernt, das er verkörpert. Während der sechsten Epoche des Gestaltenden Zeitalters wird noch viel mehr über den Weg gelernt werden, der von der Entwicklung einer blühenden Andachtskultur innerhalb einer Gemeinde – und dem Dienst, zu dem sie anregt – zur Errichtung eines Mashriqu’l-Adhkár führt. Nun beginnen Beratungen mit verschiedenen Nationalen Geistigen Räten, in deren weiterem Verlauf wir von Zeit zu Zeit Orte bekanntgeben werden, an denen in den kommenden Jahren ein Bahá’í-Haus der Andacht errichtet werden soll.
6 Unsere Freude zu sehen, wie die Gemeinde des Größten Namens mehr und mehr Stärken entwickelt, wird gedämpft durch unsere tiefe Trauer über das Fortbestehen von Zuständen und Konflikten in der Welt, die Elend und unsägliches Leid verursachen – insbesondere über das Wiederaufflammen zerstörerischer Kräfte, die internationale Angelegenheiten in Unordnung gebracht und ganze Bevölkerungen mit Gräueln heimgesucht haben. Wir wissen sehr wohl und sind uns dessen gewiss, dass – wie dies Bahá’í-Gemeinden wiederholt in vielen verschiedenen Situationen bewiesen haben – die Anhänger Bahá’u’lláhs entschlossen sind, den Menschen in ihrer Umgebung Hilfe und Unterstützung anzubieten, ganz gleich, wie prekär ihre eigenen Umstände sind. Doch solange die Menschheit nicht als Ganzes ihre Angelegenheiten auf die Grundlagen von Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit stellt, ist sie bedauerlicherweise dazu verdammt, von einer Krise in die nächste zu taumeln. Wir beten dafür, dass der jüngste Kriegsausbruch in Europa, so er denn irgendeine Lehre für die Zukunft zeitigen sollte, als dringende Mahnung für die Richtung dienen möge, die die Welt einschlagen muss, wenn sie echten und dauerhaften Frieden erlangen will. Die Grundsätze, die Bahá’u’lláh den Monarchen und Präsidenten Seiner Zeit verkündete, und die gewichtige Verantwortung, die Er sowohl den früheren als auch den gegenwärtigen Herrschern auferlegte, sind heute vielleicht noch relevanter und zwingender als zu der Zeit, da sie zum ersten Mal von Seiner Feder aufgezeichnet wurden. Für die Bahá’í ist das unaufhaltsame Voranschreiten des Größeren Plans Gottes – das Prüfungen und Umwälzungen mit sich bringt, die Menschheit aber letztlich zu Gerechtigkeit, Frieden und Einheit vorantreibt – der Rahmen, in dem sich der Geringere Plan Gottes, mit dem die Gläubigen hauptsächlich beschäftigt sind, entfaltet. Der dysfunktionale Zustand der heutigen Gesellschaft macht die Notwendigkeit, die gesellschaftsbildende Kraft des Glaubens freizusetzen, überdeutlich und dringlich. Wir müssen damit rechnen, dass die Welt vorerst weiterhin von Erschütterungen und Unruhen heimgesucht werden wird. Sie werden daher zweifellos zu schätzen wissen, dass jedes von uns für alle Kinder Gottes dargebrachte inständige Bittgebet, dass sie von Verwirrung und bitterer Not verschont bleiben mögen, verbunden ist mit einem ebenso innigen Gebet für den Erfolg des dringend benötigten Dienstes, den Sie für die Sache des Friedensfürsten leisten.
7 In jedem Cluster, in dem die Aktivitäten des Plans an Schwungkraft gewinnen, sehen wir, wie sich Gemeinden mit solch edlen Eigenschaften, wie wir sie in der Botschaft vom 30. Dezember 2021 beschrieben haben, entwickeln. Während Gesellschaften Belastungen unterschiedlicher Art ausgesetzt sind, müssen sich die Anhänger der Schönheit Abhá zunehmend durch ihre Eigenschaften der Resilienz und Rationalität auszeichnen, durch den Standard ihres Verhaltens und die Treue zu ihren Prinzipien sowie durch das Mitgefühl, die Losgelöstheit und die Nachsicht, die sie in ihrem Streben nach Einheit zeigen. Immer wieder haben die besonderen Eigenschaften und die Haltung der Gläubigen in Zeiten akuter Schwierigkeiten die Menschen veranlasst, sich an Bahá’í zu wenden, um Erklärungen, Rat und Unterstützung zu erhalten, insbesondere wenn das gesellschaftliche Leben durch Gefahren und unvorhergesehene Umwälzungen erschüttert wurde. Wir teilen diese Beobachtungen mit Ihnen eingedenk dessen, dass auch die Bahá’í-Gemeinde selbst von den Auswirkungen der in der Welt wirkenden Kräfte des Zerfalls betroffen ist. Zudem sind wir uns bewusst, dass je größer die Bemühungen der Freunde sind, das Wortes Gottes zu verbreiten und zu fördern, desto stärker werden auch die Gegenkräfte sein, mit denen sie früher oder später von verschiedenen Seiten konfrontiert sein werden. Sie müssen ihren Geist und ihre Seele für die Prüfungen wappnen, die mit Sicherheit kommen werden, damit diese nicht die Integrität ihrer Bemühungen beeinträchtigen. Aber die Gläubigen wissen sehr wohl, dass die Arche der Sache allen künftigen Stürmen gewachsen ist. Auf den verschiedenen Etappen ihrer Reise hat sie den Elementen getrotzt und die Kraft der Wellen genutzt. Jetzt macht sie sich auf zu neuen Horizonten. Die Bestätigungen des Allmächtigen sind die Böen, die ihr die Segel blähen und sie ihrem Ziel zutreiben. Und der Bund ist der Leitstern, der das heilige Schiff auf seinem sicheren und festen Kurs hält. Mögen die Himmlischen Heerscharen all denen ihren Segen spenden, die mit ihm segeln.
wir empfinden unermessliche Freude, uns an eine Gemeinde zu wenden, deren hohe Gesinnung und hohe Entschlossenheit ihrer hohen Bestimmung angemessen sind. Wie groß, wie überaus groß ist unsere Liebe für Sie, und wie schwingt sich unser Geist auf, Ihr aufrichtiges und hingebungsvolles Bestreben zu sehen, ein von den Lehren Bahá’u’lláhs geprägtes Leben zu führen und einer leidvoll dürstenden Welt die lebenspendenden Wasser Seiner Offenbarung darzubieten. Ihre ausgeprägte Zielstrebigkeit ist offensichtlich. Ausbreitung und Festigung, soziales Handeln und die Teilnahme an den gesellschaftlichen Diskursen schreiten zügig voran, und auf der Ebene des Clusters wird die natürliche Kohärenz dieser Unternehmungen immer sichtbarer. Nirgendwo wird dies deutlicher als an Orten, an denen sich eine wachsende Zahl von Menschen in einem breiten Spektrum von Bemühungen engagieren, jede einzelne ein Weg, um die gesellschaftsbildende Kraft des Glaubens freizusetzen.
Hocherfreut haben wir in den zwölf Monaten, die seit Beginn des Neunjahresplans verstrichen sind, gesehen, wie diese globale geistige Unternehmung die Freunde inspiriert, wachgerüttelt und Auftrieb für konkrete Handlungslinien gegeben hat. Ein unmittelbarer Fokus war die Umsetzung von Plänen, die sicherstellen, dass in jedem Land und jeder Region mindestens ein Cluster hervorgeht, das den dritten Meilenstein überschritten hat: ein Ort, an dem zahlreiche Menschen zusammenarbeiten und zu einer lebensprühenden Gemeinschaft beitragen. Die Gläubigen haben aber auch damit begonnen, neue Cluster für den Glauben zu eröffnen sowie ihre Bemühungen an Orten mit einem bestehenden Wachstumsprogramm zu intensivieren – wohlwissend, dass das Ziel für diese fünfundzwanzig Jahre währende Zeitspanne darin besteht, weltweit in jedem Cluster ein intensives Wachstumsprogramm einzurichten. Es gibt ein gesteigertes Bewusstsein der Gelegenheit für Pioniere, sich in allen Teilen der Welt zu erheben. Viele hingebungsvolle Seelen überlegen, wie sie diese Gelegenheit nutzen können, und viele andere haben bereits Posten, vor allem im eigenen Land, aber zunehmend auch im internationalen Bereich, eingenommen. Dies ist einer von mehreren Wegen, auf denen, wie von uns erhofft, ein Geist gegenseitiger Unterstützung allerorts von den Freunden zum Ausdruck gebracht wird. Gemeinden, in denen Stärke aufgebaut wurde, haben sich verpflichtet, den Fortschritt an einem anderen Ort zu unterstützen – in einem anderen Cluster, einer anderen Region, einem anderen Land oder sogar auf einem anderen Kontinent – und es wurden kreative Wege gefunden, aus der Ferne Ermutigung anzubieten und einen direkten Erfahrungsaustausch zu ermöglichen. Mittlerweile wird der grundlegende Ansatz weithin angewendet, das in einem Cluster Gelernte so zu erfassen, dass es in die Planungen vor Ort und anderswo einfließen kann. Wir haben erfreut festgestellt, dass besonderes Augenmerk darauf gelegt wird zu lernen, wie die Qualität der vom Institut vermittelten Bildungserfahrung verbessert werden kann. Wenn der Institutsprozess in einer Gemeinschaft Wurzeln schlägt, sind die Auswirkungen überwältigend. Schauen Sie zum Beispiel auf jene Zentren mit intensiver Aktivität, deren Einwohner das Trainingsinstitut als ein machtvolles Instrument betrachten, das zu ihnen gehört: ein Instrument, für dessen gesunde Entwicklung sie die Hauptverantwortung übernommen haben. Wohl wissend, dass die Türen des Glaubens immer weit offenstehen, lernen die Gläubigen, wie sie diejenigen ermutigen können, die kurz davorstehen beizutreten. Es ist ein Vorrecht und eine besondere Freude, diese Seelen zu begleiten und ihnen zu helfen, die Schwelle zu überschreiten. In jedem kulturellen Kontext gibt es viel über die Dynamik dieses lange nachschwingenden Moments des Erkennens und der Zugehörigkeit zu lernen. Und das ist noch nicht alles. Während sich in vielen Clustern die Bemühungen, zum gesellschaftlichen Wandel beizutragen, noch in ihren frühesten Stadien befinden, haben sich Nationale Geistige Räte – wie immer mit der fähigen Unterstützung der Berater – aktiv aufgemacht, mehr darüber zu erfahren, wie diese Bemühungen aus dem Prozess der Gemeindebildung heraus erwachsen. Gespräche über das soziale und materielle Wohlergehen einer Bevölkerung werden in Gruppen von Familien und in Gemeinden gepflegt, während die Freunde auch Wege finden, sich an bedeutsamen Diskursen zu beteiligen, die sich in ihrer unmittelbaren Umgebung entwickeln.
Inmitten all dessen, was wir beschrieben haben, strahlen die Taten der Jugendlichen in glänzendem Licht. Weit davon entfernt, Einflüsse – seien diese nun harmlos oder anders geartet – nur passiv aufzunehmen, haben sie sich als kühne und scharfsinnige Protagonisten des Plans erwiesen. Wo eine Gemeinschaft sie in diesem Licht gesehen und Voraussetzungen für ihren Fortschritt geschaffen hat, haben die Jugendlichen das in sie gesetzte Vertrauen mehr als gerechtfertigt. Sie lehren ihren Freunden den Glauben und machen den Dienst zur Grundlage für bedeutsamere Freundschaften. Häufig besteht dieser Dienst darin, die Jüngeren zu unterrichten, indem sie ihnen oft nicht nur moralische und geistige Bildung und Erziehung anbieten, sondern sie auch bei ihren schulischen Aufgaben unterstützen. Mit der heiligen Verantwortung betraut, den Institutsprozess zu stärken, erfüllt die Bahá’í-Jugend die von uns gehegten Hoffnungen.
All diese Bemühungen finden vor dem Hintergrund einer zutiefst verunsichernden Zeitepoche statt. Es wird weithin anerkannt, dass die heutigen Gesellschaftsstrukturen mangelhaft darauf ausgerichtet sind, den Bedürfnissen der Menschheit in ihrer gegenwärtigen Notlage gerecht zu werden. Vieles, was weithin als sicher und unerschütterlich galt, wird in Frage gestellt, und die daraus resultierende Unruhe führt zu einer Sehnsucht nach einer vereinenden Vision. Der Chor der Stimmen, die sich für Einheit, Gleichberechtigung und Gerechtigkeit erheben, zeigt, wie viele Menschen diese Sehnsucht für ihre Gesellschaft teilen. Natürlich kommt es für einen Anhänger der Gesegneten Schönheit nicht überraschend, dass sich die Herzen nach den geistigen Idealen sehnen, die Er dargelegt hat. Dennoch finden wir es eindrucksvoll, dass in einem Jahr, in dem die Aussichten für den kollektiven Fortschritt der Menschheit so düster wie selten zuvor erschienen, das Licht des Glaubens mit erstaunlichem Glanz in mehr als zehntausend Konferenzen erstrahlte, an denen fast anderthalb Millionen Menschen teilnahmen, die sich auf die Mittel fokussierten, die eben diese Ideale fördern können. Bahá’u’lláhs Vision und Sein Aufruf an die Menschheit, in Einheit für die Besserung der Welt zu arbeiten, bildeten den Mittelpunkt, um den sich verschiedene Glieder der Gesellschaft bereitwillig versammelten. Und das ist nicht verwunderlich, hat doch ‘Abdu’l-Bahá erklärt: „Jede Gemeinschaft auf der Welt findet in diesen göttlichen Lehren die Verwirklichung ihres höchsten Strebens.“ Einige der Menschheit Wohlgesinnte mögen sich von der Bahá’í-Gemeinde zunächst als Zufluchtsort angezogen fühlen, als einem Schutz vor einer polarisierten und gelähmten Welt. Doch über einen solchen Schutzraum hinaus werden sie verwandte Seelen finden, die gemeinsam daran arbeiten, die Welt neu zu bauen.
Es ließe sich viel über die geografische Ausbreitung der Konferenzen schreiben, über die außerordentlichen Impulse, die sie dem neuen Plan verliehen, oder die tief empfundenen Bekundungen von Freude und Begeisterung, die sie bei den Teilnehmern hervorgerufen haben. Aber in diesen wenigen Zeilen möchten wir die Aufmerksamkeit auf das lenken, was diese Konferenzen über die Entwicklung der Sache Gottes aussagen. Sie spiegelten eine Bahá’í-Gemeinde wider, die enge Verbundenheit sieht und nicht Unterschiede. Aus dieser Sichtweise heraus war es nur natürlich, den Neunjahresplan auf Versammlungen zu studieren, zu denen alle willkommen waren. Die Freunde dachten über die Implikationen des Plans für ihre Gesellschaft nach, nicht nur gemeinsam mit Einzelnen und Familien, sondern auch mit lokalen Verantwortlichen und führenden Persönlichkeiten. So viele Menschen an einem Ort zusammenzuführen, schuf die Voraussetzungen für ein Wandel hervorrufendes Gespräch über geistigen und sozialen Fortschritt, eines Gesprächs, das sich auf der ganzen Welt entfaltet. Der besondere Beitrag, den solche Versammlungen – die gleichzeitig offen, erhebend und zielgerichtet sind – zu einem sich ausbreitenden Muster der Gemeindeentwicklung in einem Cluster leisten können, ist eine wertvolle Lernerfahrung für Bahá’í-Institutionen, die sie für die Zukunft im Auge behalten sollten.
Und so tritt die Gemeinschaft der Gläubigen in das zweite Jahr des Planes ein – mit einer erneuerten Perspektive und einer tiefen Einsicht in die Bedeutung dessen, was sie zu erreichen suchen. Wie anders sehen Handlungen aus, wenn man sie im Lichte der gesellschaftsbildenden Kraft betrachtet, die sie freisetzen! Dieser weitreichende Ausblick erlaubt es, eine nachhaltige Aktivität als viel mehr zu sehen, denn als einen isolierten Akt des Dienstes oder nur einen Zahlenwert. In einem Ort nach dem anderen offenbaren die ergriffenen Initiativen eine Bevölkerung, die lernt, zunehmend Verantwortung dafür zu übernehmen, den Verlauf ihrer eigenen Entwicklung zu steuern. Der sich daraus ergebende geistige und soziale Wandel manifestiert sich im Leben der Bevölkerung auf vielfältige Weise. In der vorangegangenen Planserie zeigte sich dies am deutlichsten in der Förderung geistiger Bildung und Erziehung und gemeinsamer Andacht. In dieser neuen Reihe von Plänen muss anderen Prozessen, die darauf abzielen, das Leben einer Gemeinschaft zu verbessern, mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden – zum Beispiel durch die Besserung des Gesundheitswesens, den Schutz der Umwelt oder des wirksameren Einsatzes der Kraft, die in den Künsten liegt. Damit all diese sich ergänzenden Aspekte des Wohlergehens einer Gemeinschaft voranschreiten können, ist natürlich die Fähigkeit erforderlich, in all diesen Bereichen systematisch zu lernen – eine Fähigkeit, die sich auf Erkenntnisse aus den Lehren des Glaubens und den durch wissenschaftliche Forschung gewonnenen Wissensschatz der Menschheit stützt. Mit dem Wachsen dieser Fähigkeit wird in den kommenden Jahrzehnten viel erreicht werden.
Diese erweiterte, gesellschaftsbildende Vision hat weitreichende Implikationen. Jede Gemeinde befindet sich auf ihrem eigenen Weg zur Verwirklichung dieser Vision. Der Fortschritt an einem Ort weist jedoch oft gemeinsame Merkmale mit dem Fortschritt andernorts auf. Eines dieser Merkmale ist, dass mit zunehmender Befähigung und vervielfachter Kraft einer örtlichen oder nationalen Gemeinde zu gegebener Zeit die in unserer Riḍván-Botschaft 2012 dargelegten Voraussetzungen für die Errichtung eines Mashriqu’l-Adhkár erfüllt sein werden. Wie wir in unserer Botschaft an Sie letzten Riḍván angedeutet haben, werden wir in regelmäßigen Abständen Orte benennen, an denen ein Bahá’í-Tempel errichtet werden soll. Wir freuen uns sehr, zu diesem Zeitpunkt zur Errichtung lokaler Häuser der Andacht in Kanchanpur, Nepal, und Mwinilunga, Sambia, aufzurufen. Darüber hinaus rufen wir dazu auf, ein nationales Haus der Andacht in Kanada zu errichten, in der Nähe des seit langem bestehenden nationalen Ḥaẓíratu’l-Quds in Toronto. Diese und andere in Zukunft in Angriff zu nehmende Projekte werden von der Unterstützung profitieren, die die Freunde in allen Ländern mit ihren Beiträgen zum Tempelfonds leisten.
Reichlich sind die Segnungen, die der Herr in Seiner Güte Seinen Lieben zuteilwerden lässt. Erhaben ist die Bestimmung, großartig der Ausblick. Drängend sind diese Zeiten, in denen wir alle zum Dienen aufgerufen sind. Leidenschaftlich sind daher die Gebete, mit denen wir in Ihrem Namen für Ihre unermüdlichen Bemühungen an der Schwelle Bahá’u’lláhs flehen.
zwei Jahre eines gewaltigen neunjährigen Unterfangens sind wie im Flug vergangen. Die Freunde Gottes haben sich dessen Ziele fest zu Herzen genommen. In der gesamten Bahá’í-Welt hat sich das Verständnis dafür vertieft, was erforderlich ist, um den Prozess der Gemeindebildung noch mehr zu erweitern und einen tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandel herbeizuführen. Aber mit jedem Tag, der vergeht, sehen wir den Zustand der Welt immer desolater, ihre Spaltungen immer gravierender werden. Die zunehmenden Spannungen innerhalb von Gesellschaften und zwischen Nationen wirken sich auf tausenderlei Weise auf Völker und Regionen aus.
Dies verlangt jeder Seele, die von ihrem Gewissen bewegt wird, eine Antwort ab. Wir sind uns nur allzu bewusst, dass die Gemeinde des Größten Namens nicht erwarten kann, von den Drangsalen der Gesellschaft verschont zu werden. Doch obwohl von dieser Drangsal betroffen, wird sie dadurch nicht verwirrt; sie ist über die Leiden der Menschheit tief betrübt, aber nicht durch sie gelähmt. Ihre aufrichtige Besorgtheit muss sie dazu anspornen, in anhaltendem Bemühen Gemeinden aufzubauen, die Hoffnung anstelle von Verzweiflung, Einheit anstelle von Konflikt bieten.
Shoghi Effendi beschrieb deutlich, wie ein Prozess der „fortschreitenden Zerrüttung menschlicher Angelegenheiten“ parallel zu einem anderen Prozess abläuft, einem Prozess der Integration, durch den die „Arche der menschlichen Errettung“, „als letzter Hafen“ der Gesellschaft, aufgebaut wird. Wir sehen voll Freude, dass in jedem Land und in jeder Region wahre Friedensstifter damit beschäftigt sind, diesen Zufluchtsort zu errichten. Wir sehen dies in jedem Bericht über ein Herz, das von der Liebe Gottes entzündet wird, über eine Familie, die ihr Haus für neue Freunde öffnet, über Mitarbeiter, die sich auf Bahá’u’lláhs Lehren stützen, um ein gesellschaftliches Problem zu lösen, über eine Gemeinde, die eine Kultur gegenseitiger Unterstützung stärkt, über eine Nachbarschaft oder ein Dorf, die lernen, die für ihren eigenen geistigen und materiellen Fortschritt notwendigen Maßnahmen zu ergreifen und aufrechtzuerhalten, über einen Ort, der mit dem Entstehen eines neuen Geistigen Rates gesegnet ist.
Die Methoden und Instrumente des Plans ermöglichen es jeder Seele, einen Teil zu dem beizutragen, was die Menschheit heute braucht. Weit davon entfernt, ein nur vorübergehend wirkender Balsam für die derzeitigen Krankheiten zu sein, ist die Umsetzung des Plans vielmehr das Mittel, durch das in jeder Gesellschaft langfristige und konstruktive Prozesse in Gang gesetzt werden, die sich über Generationen hinweg entfalten. All dies deutet auf eine dringende, unausweichliche Schlussfolgerung: Die Anzahl derer, die ihre Zeit, ihre Energie und ihre Konzentration für den Erfolg dieses Unterfangens einsetzen, muss nachhaltig und rasch steigen.
Wo sonst als in Bahá’u’lláhs Prinzip der Einheit der Menschheit kann die Welt eine Vision finden, die umfassend genug ist, um all ihre verschiedenen Elemente zu einen? Wie sonst als durch die Umsetzung dieser Vision einer auf Einheit in der Vielfalt beruhenden Ordnung kann die Welt die gesellschaftlichen Brüche heilen, die sie spalten? Wer sonst kann der Sauerteig sein, durch den die Völker der Welt eine neue Lebensweise erkennen können, einen Weg zu dauerhaftem Frieden? Reichen Sie also allen die Hand der Freundschaft, des verbundenen Strebens, des gemeinsamen Dienens, des kollektiven Lernens, und schreiten Sie als Einheit voran.
Es ist uns bewusst, wie viel Lebendigkeit und Kraft in jeder Gesellschaft entsteht, wenn ihre Jugendlichen für die Vision Bahá’u’lláhs erweckt werden und beginnen, als Protagonisten des Plans handeln. Mit welch grenzenloser Herzenswärme, mit welchem Mut und welch völligem Gottvertrauen muss die Bahá’í-Jugend daher entschlossen auf Gleichaltrige zugehen und sie in diese Arbeit einbeziehen! Alle müssen sich wie eine Woge erheben, aber die Jugend muss sich hoch emporschwingen.
Die Dringlichkeit der gegenwärtigen Stunde darf die besondere Freude, die aus dem Dienen erwächst, nicht überschatten. Der Ruf zum Dienst ist ein erhebender, allumfassender Aufruf. Er zieht jede treue Seele an, auch jene, die durch Sorgen und Verpflichtungen niedergedrückt sind. Denn in allem Tun dieser treuen Seele sind stets eine tief verwurzelte Hingabe und eine lebenslange Sorge um das Wohl anderer zu erkennen. Solche Eigenschaften verleihen einem Leben voller vielfältiger Anforderungen Kohärenz. Und die süßesten Momente sind für jedes entflammte Herz jene, die damit verbracht werden, sich zusammen mit geistigen Schwestern und Brüdern um eine Gesellschaft zu kümmern, die geistiger Nahrung bedarf.
Mit überfließendem Herzen danken wir Bahá’u’lláh in den Heiligen Schreinen, dass Er Sie erhoben und in Seinen Wegen unterwiesen hat, und flehen Ihn an, dass Er Ihnen Seinen Segen gewährt.
nun, da bis zum Abschluss der ersten Phase des Neunjahresplans nur noch ein Jahr verbleibt, drängt es uns, über den bisherigen Fortschritt des Plans zu berichten – wie die vom Glauben dargebotene Vision durch leuchtende Beispiele edler Bemühungen immer mehr Herzen mit Hoffnung erfüllt.
Der Wachstumsprozess schreitet weiter voran. In ganz unterschiedlichen Gegenden der Welt, in denen zuvor keine nennenswerten Fortschritte zu verzeichnen waren, kam es zu bemerkenswerten Durchbrüchen. Dort hat der Samen des Glaubens neue grüne Triebe hervorgebracht, und die Fähigkeit, mit vielen Menschen gleichzeitig zu arbeiten, ist zum Vorschein gekommen. Diese Fortschritte wurden oft durch hingebungsvolle Pioniere ermöglicht, die – mit Herzen entflammt von der Liebe zu ihrem Herrn – in beeindruckender Zahl an ihre Posten im In- und Ausland eilten. In Clustern, in denen bereits ein Wachstumsprogramm begonnen hatte, wird die Aufmerksamkeit erneut darauf gerichtet, mit Kreativität und Einfallsreichtum jene anerkannten Strategien und Handlungslinien anzuwenden, die es den Freunden ermöglichen, den zweiten bzw. den dritten Meilenstein zu überschreiten. Und in Clustern mit erwiesener Stärke wird das erste Schimmern der gesellschaftsbildenden Kraft des Glaubens dort immer deutlicher sichtbar, wo eine wachsende Schar begeisterter Seelen sich das lebendige und transformierende Muster des Bahá’í-Lebens zu eigen macht.
Währenddessen hat auch das gesellschaftliche Engagement an der Basis beachtliche Schritte nach vorn gemacht. Gemeindebasierte Initiativen sozialen Handelns, die sich auf Bildung konzentrieren, haben sich am schnellsten vervielfacht, aber auch andere Initiativen in Bereichen wie Landwirtschaft, Gesundheit, Umwelt, Stärkung der Frauen sowie den Künsten sind vorangekommen. Fortschritte dieser Art sind besonders deutlich in den stärksten Clustern zu erkennen, wo in zahlreichen Dörfern oder Nachbarschaften – sogar in einer einzelnen Straße oder einem dicht bewohnten Gebäude – eine Bevölkerung lebt, die den Aufschwung erfährt, der aus der Umsetzung der Prinzipien des Glaubens in die konkrete Wirklichkeit erwächst. An manchen Orten wenden sich führende Persönlichkeiten und Menschen, die auf lokaler Ebene für die Erziehung und Bildung der Kinder oder die gesellschaftliche Entwicklung verantwortlich sind, an die Bahá’í – nicht nur um Perspektiven zu bekommen, sondern auch, um mit ihnen bei der Suche nach praktischen Lösungen zusammenzuarbeiten. Außerdem sind wir sehr erfreut darüber, dass auf nationaler und internationaler Ebene der Bahá’í-Ansatz zu bestimmten wichtigen Diskursen zunehmend Beachtung und Bewunderung findet.
Der Neunjahresplan stützt sich auf einen ausgedehnten globalen Lernprozess, der im Hochland von Bolivien ebenso wirksam ist wie in den Vororten von Sydney. Dieser Lernprozess hat Strategien und Handlungsschritte hervorgebracht, die sich an jedes Umfeld anpassen lassen. Er ist systematisch, er ist organisch, er umfasst alles und alle. Er schafft Verbindungen, die sich zu dynamischen Beziehungen entfalten, unter Familien, unter Nachbarn, unter Jugendlichen und unter allen, die bereit sind, Protagonisten in diesem glorreichen Unterfangen zu werden. Er baut Gemeinschaften auf, überquellend von Potenzial. Er ermöglicht die Verwirklichung hoher Bestrebungen, die von Menschen geteilt werden, die zuvor geographisch, sprachlich, kulturell oder durch ihre Prägung voneinander getrennt waren, nun aber gehört und geantwortet haben auf Bahá’u’lláhs universalen Aufruf, „sich unablässig füreinander, für die Besserung der jeweiligen Lebensverhältnisse ein[zu]setzen.“ Und dieser Prozess stützt sich völlig auf die belebende Kraft des Wortes Gottes – dieser „vereinenden Kraft“, „die die Seelen bewegt und in der Welt der Menschheit alles verbindet und steuert“ – und auf das nachhaltige Handeln, zu dem es inspiriert.
Wie hell leuchtet das Licht Ihrer hingebungsvollen Bemühungen gegen die Düsternis eines stürmischen Himmels! Selbst wenn der Sturm in der Welt tobt, werden in Ländern, Regionen und Clustern die Zufluchtsorte gebaut, die der Menschheit Schutz bieten werden. Aber es gibt noch viel zu tun. Jede nationale Gemeinde hat ihre eigenen Erwartungen an den Fortschritt, der in der Eröffnungsphase des Plans erzielt werden soll. Die Zeit läuft. Geliebte Freunde, Verkünder der göttlichen Lehren und Vorkämpfer für die Gesegnete Schönheit – Ihre Anstrengungen werden jetzt benötigt. Jeder erzielte Fortschritt in den flüchtigen Monaten bis nächsten Riḍván wird die Gemeinde des Größten Namens besser für das rüsten, was sie in der zweiten Phase des Plans erreichen muss. Möge Ihnen Erfolg beschieden sein. Darum flehen wir den Höchsten Herrn an; dafür erbitten wir inständig Seine nie versagende Hilfe; darum rufen wir Ihn an, Seine begünstigten Engel zu senden, um einem jeden von Ihnen beizustehen.