Tablets of Bahá'u'lláh

German · Bahá'u'lláh

LAWH-I-KARMIL (Das Tablet vom Karmel) BH02324

Alle Herrlichkeit sei auf diesem Tage, dem Tag, da die Düfte der Barmherzigkeit über alles Erschaffene wehten, einem Tag, so reich gesegnet, daß vergangene Zeitalter und Jahrhunderte niemals hoffen können, ihm gleichzukommen, einem Tag, da der Altehrwürdige der Tage das Antlitz Seinem heiligen Throne zugewandt hat. Daraufhin waren die Stimmen alles Erschaffenen und darüber hinaus die Stimmen der himmlischen Heerscharen zu hören mit lautem Ruf: »Eile, o Karmel, denn siehe, das Licht des Angesichtes Gottes, des Herrschers im Reiche der Namen und Schöpfers der Himmel, ist auf dich gerichtet.«

Außer sich vor Freude, rief er mit lauter Stimme: »Möge mein Leben ein Opfer für Dich sein, da Du Deinen Blick auf mich geworfen, Deine Großmut über mich ergossen und Deine Schritte zu mir gelenkt hast. Die Trennung von Dir, o Du Quell ewigen Lebens, hat mich fast verzehrt, und das Fernsein von Deiner Gegenwart hat meine Seele verbrannt. Aller Lobpreis sei Dir, daß Du mich fähig machtest, Deinem Ruf zu lauschen, daß Du mich durch Deinen Schritt beehrt und meine Seele erquickt hast durch den belebenden Duft Deines Tages und die erregende Stimme Deiner Feder, eine Stimme, die Du als Deinen Posaunenruf unter Deinem Volke verordnet hast. Und als die Stunde schlug, zu der Dein unwiderstehlicher Glaube offenbart werden sollte, bliesest Du einen Hauch von Deinem Geist in Deine Feder, und siehe, die gesamte Schöpfung erbebte in ihren Grundfesten und enthüllte dem Menschengeschlecht Geheimnisse, wie sie in den Schatzkammern Dessen verborgen liegen, Der der Besitzer alles Erschaffenen ist.«

Kaum hatte seine Stimme jenen erhabensten Ort erreicht, da antworteten Wir: Danke deinem Herrn, o Karmel! Das Feuer deiner Trennung von Mir hatte dich fast verzehrt, als das Meer Meiner Gegenwart vor deinem Angesicht wogte, deine und der ganzen Schöpfung Augen erfreute und alles Sichtbare und Unsichtbare mit Entzücken erfüllte. Frohlocke, denn Gott hat an diesem Tage Seinen Thron auf dir errichtet, hat dich zum Aufgangsort Seiner Zeichen und zum Tagesanbruch der Beweise Seiner Offenbarung gemacht. Wohl dem, der dich umschreitet, der die Offenbarung deiner Herrlichkeit verkündet und berichtet, was die Großmut des Herrn, deines Gottes, über dich ergossen hat. Ergreife den Kelch der Unsterblichkeit im Namen deines Herrn, der Allherrliche, und bringe Ihm Dank dar, weil Er als Zeichen Seines Erbarmens für dich dein Leid in Freude, deinen Kummer in selige Wonne verwandelt hat. Wahrlich, Er liebt die Stätte, die zum Sitze Seines Thrones wurde, die Seine Füße betraten, die Seine Gegenwart beehrte, von der aus Er Seinen Ruf erhob und über die Er Seine Tränen vergoß.

Rufe aus gen Zion, o Karmel, und künde die frohe Botschaft: Er, der den sterblichen Augen verborgen war, ist gekommen! Seine allbezwingende Herrschaft ist offenbar, Seine allumfassende Herrlichkeit ist enthüllt worden. Hüte dich, daß du nicht zögerst oder schwankst. Eile und umschreite die Stadt Gottes, die vom Himmel herabgekommen ist, die himmlische Kaaba, in Anbetung umkreist von den Begünstigten Gottes, den Reinen im Herzen und der Schar der erhabensten Engel. O wie sehne Ich Mich, jedem Ort des Erdkreises die frohe Botschaft dieser Offenbarung zu verkünden und sie in jede seiner Städte zu tragen, einer Offenbarung, zu der das Herz des Sinai hingezogen wurde und in deren Namen der Brennende Busch ruft: `Gottes, des Herrn der Herren, sind die Reiche der Erde und des Himmels!` Wahrlich, dies ist der Tag, da Land und Meer frohlocken über diese Verkündigung, der Tag, für den aufbewahrt wurde, was Gott aus einer Großmut, die jenseits der Fassungskraft des sterblichen Verstandes oder Herzens liegt, zu offenbaren bestimmte. Bald wird Gott Seine Arche auf dich zusteuern und das Volk Bahás offenbaren, das im Buche der Namen erwähnt ist.

Geheiligt sei der Herr der ganzen Menschheit! Alle Atome der Erde wurden bei der Erwähnung Seines Namens in Schwingung versetzt, und die Zunge der Größe wurde bewegt, das zu eröffnen, was in Seinem Wissen verhüllt und in der Schatzkammer Seiner Macht verborgen lag. Er, wahrlich, ist kraft Seines Namens der Mächtige, der Allgewaltige, der Höchste, Herrscher über alles, was in den Himmeln und auf Erden ist.

LAWH-I-AQDAS (Die heiligste Tafel) BH00505

»Sendbrief an die Christen«

Dies ist das heiligste Sendschreiben, das aus dem heiligen Reiche an den herniedergesandt ist, der sein Angesicht dem Ziel der Anbetung aller Welt zuwandte - Ihm, der vom Himmel der Ewigkeit kam, belehnt mit überragender Herrlichkeit.

Im Namen des Herrn, des Herrn großer Herrlichkeit.

Dies ist ein Brief aus Unserer Gegenwart für den, welchen die Schleier der Namen nicht Gott, dem Schöpfer von Himmel und Erde, entfremden konnten, auf daß seine Augen erfreut werden in den Tagen seines Herrn, des Helfers in Gefahr, des Selbstbestehenden.

Sprich : O ihr, die ihr dem Sohne¹ folgt! Ist es wegen Meines Namens, daß ihr euch gegen Mich sperrt? Warum sinnt ihr nicht nach in eurem Herzen? Tag und Nacht habt ihr euren Herrn, den Allmächtigen, angerufen, doch als Er vom Himmel der Ewigkeit in Seiner großen Herrlichkeit herniederkam, da habt ihr euch von Ihm abgekehrt und bleibt in Achtlosigkeit versunken.

¹ Jesus

Betrachte die, welche den Geist¹ verwarfen, als Er mit offenbarer Herrschaft zu ihnen kam. Wie zahlreich waren die Pharisäer, die sich in Seinem Namen in die Synagogen einschlossen und über ihre Trennung von Ihm klagten; als aber die Tore der Wiedervereinigung aufgestoßen wurden, als strahlend das Licht Gottes am Morgen der Schönheit aufzog, da leugneten sie Gott, den Erhabenen, den Mächtigen. Sie säumten, in Seine Gegenwart zu treten, obwohl ihnen Sein Kommen im Buche Jesajas wie auch in den Büchern der Propheten und Gottesboten verheißen war. Keiner von ihnen wandte das Angesicht dem Morgen göttlicher Großmut zu, die ausgenommen, welche aller Macht unter den Menschen ermangelten. Und doch brüstet sich heutzutage jeder, der mit Macht belehnt und mit Herrschaft bekleidet ist, Seines Namens. Rufe dir auch den ins Gedächtnis, der Jesus zum Tode verurteilte. Er war der Gelehrteste in Seinem Land zu Seiner Zeit, während der, welcher nur ein Fischer war, an Ihn glaubte. Nimm dich wohl in acht und gehöre zu denen, die die Warnung befolgen.

¹ Jesus

Bedenke desgleichen, wie viele Mönche sich heute in ihre Kirchen einschließen und den Geist anrufen; aber als Er durch die Macht der Wahrheit erschien, säumten sie, Ihm zu nahen, und so werden sie zu denen gezählt, die irregehen. Glücklich, wer sie aufgibt und sein Angesicht auf Ihn, die Sehnsucht aller in den Himmeln und auf Erden, richtet!

Sie lesen das Evangelium, und dennoch weigern sie sich, den allherrlichen Herrn anzuerkennen, obwohl Er durch die Gewalt Seiner erhabenen, Seiner machtvollen und gnädigen Herrschaft erschienen ist. Wahrlich, Wir sind um euretwillen gekommen, und zu eurem Heil tragen Wir die Trübsal der Welt. Flieht ihr Den, Der Sein Leben hingibt, auf daß ihr belebt werdet? Fürchtet Gott, o ihr Anhänger des Geistes, und wandelt nicht in den Fußstapfen eines jeden Geistlichen, der weit in die Irre geht. Wähnt ihr, Er suche Seinen eigenen Nutzen, wo Er doch allezeit von Feindes Schwert bedroht ist? Glaubt ihr, Er trachte nach dem Schein dieser Welt, wo Er doch in der trostlosesten aller Städte gefangen sitzt? Seid gerecht in eurem Urteil, und folgt nicht den Spuren der Falschen.

Öffnet die Tür eures Herzens! Er, der Geist, steht wahrlich davor. Warum haltet ihr euch fern von Dem, Der euch zu einer strahlenden Stätte führen will? Sprich: Wir haben in Wahrheit die Tore des Königreiches vor euch aufgetan. Wollt ihr vor Meinem Antlitz euer Haus versperren? Das ist fürwahr nur ein schwerer Irrtum. Wahrlich, Er ist vom Himmel gekommen, wie Er das erste Mal von dort herniedergekommen ist. Hütet euch, daß ihr nicht bestreitet, was Er verkündet, so, wie die Menschen vor euch Seine Worte bestritten. So unterweist euch Er, der Wahre, könntet ihr es doch erkennen!

Der Jordanfluß ist dem Größten Meere verbunden, und der Sohn ruft laut im heiligen Tal: »Hier bin ich, hier bin ich, o Herr, mein Gott!«, während Sinai das Haus umkreist und der Brennende Busch verkündet: »Er, der Ersehnte, ist in Seiner überragenden Majestät gekommen.« Sprich: Sehet! Der Vater ist gekommen, und was euch im Königreich verheißen ward, das ist erfüllt! Dies ist das Wort, das der Sohn verbarg, als Er zu denen, die mit Ihm waren, sagte: »Ihr könnt es noch nicht tragen.«¹ Und als die Zeit erfüllt war und die Stunde geschlagen hatte, da erstrahlte das Wort über dem Horizont des Willens Gottes. Hütet euch, o Anhänger des Sohnes, dieses Wort achtlos beiseite zu werfen! Haltet euch fest daran! Das ist besser für euch als alles, was ihr besitzet. Wahrlich, Er ist denen nahe, die Gutes tun. Die Stunde, die Wir vor den Völkern der Erde und den begünstigten Engeln geheimgehalten, ist nun da. Sprich: Wahrlich, Er hat für Mich gezeugt, und Ich zeuge für Ihn. Wahrlich, Er hat keinen anderen gemeint als Mich. Dies bezeugt jede ehrliche, verständnisvolle Seele.

¹ vgl. Joh. 162

Von tausend Heimsuchungen bedrängt, laden Wir dennoch das Volk vor Gott, den Herrn der Namen. Sprich: Strebet das zu erlangen, was euch in den Büchern Gottes verheißen ist, und wandelt nicht die Wege der Unwissenden! Mein Leib erduldet Gefangenschaft, damit ihr aus den Banden des Ichs erlöst werdet. Richtet euer Angesicht auf das Seinige und folgt nicht den Spuren jedes feindseligen Bedrückers! Wahrlich, Er hat sich in tiefste Erniedrigung gefügt, damit ihr zur Herrlichkeit gelangt, und doch ergötzet ihr euch im Tal der Achtlosigkeit. Um euretwillen haust Er in der trostlosesten Behausung, während ihr in Palästen wohnt.

Sprich : Hörtet ihr es nicht, wie der Rufer in der Wüste des Bayán laut rief, um euch die frohe Botschaft vom Kommen eures Herrn, des Allbarmherzigen, zu bringen? Sehet! Er ist gekommen unter dem schützenden Schatten des Zeugnisses, bekleidet mit schlüssigen Beweisen und klaren Zeichen. Die an Ihn glauben, sehen in Seiner Gegenwart die Verkörperung des Gottesreiches. Selig der Mensch, der sich Ihm zukehrt, und wehe denen, die Ihn leugnen und an Ihm zweifeln!

Künde den Priestern: Sehet! Er, der Herrscher, ist da. Tritt hinter dem Schleier hervor im Namen deines Herrn, der allen Menschen den Nacken beugt. Künde sodann der ganzen Menschheit die frohen Botschaften dieser machtvollen, dieser ruhmreichen Offenbarung. Wahrlich, Er, der Geist der Wahrheit, ist gekommen, euch in alle Wahrheit zu leiten. Er spricht nicht, wie es Ihm Sein eigenes Ich eingibt, sondern wie es Ihm der Allwissende, der Allweise, gebietet.

Sprich: Dies ist Der, Welcher den Sohn verherrlicht und Seine Sache erhöht. Werfet von euch, o Völker der Erde, was ihr besitzet, und haltet euch fest an das, was euch geboten ward von dem Allmachtvollen, Der Träger der Wahrheit Gottes ist. Reinigt eure Ohren und richtet eure Herzen auf Ihn, damit ihr den wundersamen Ruf höret, der vom Sinai, der Wohnstatt eures Herrn, des Herrlichsten, erhoben wird. Das wird euch wahrlich der Stätte nahebringen, wo ihr den Glanz vom Lichte Seines Antlitzes über diesem leuchtenden Horizont strahlen seht.

O Schar der Priester! Laßt die Glocken und kommt heraus aus euren Kirchen. An diesem Tag ziemt es euch, den Größten Namen laut unter den Völkern zu verkünden. Wollt ihr stumm bleiben, wenn jeder Stein, jeder Baum laut aufjauchzt: »Der Herr ist in Seiner großen Herrlichkeit gekommen!«? Gut steht es um den, der Ihm entgegeneilt. Er wird wahrlich zu denen gezählt, deren Namen auf ewig verzeichnet sind und von den himmlischen Heerscharen erwähnt werden. So ist es vom Geiste verordnet in diesem wundersamen Sendschreiben. Wer die Menschen in Meinem Namen versammelt, ist wahrlich von Mir und wird dartun, was die Macht aller Menschen auf Erden übersteigt. Wandelt auf dem Pfade des Herrn und folgt nicht den Fußstapfen derer, die in Achtlosigkeit versunken sind. Gut steht es um den Schläfer, den der Odem Gottes anrührt und von den Toten erstehen läßt, damit er seine Schritte auf den Pfad des Herrn lenkt. Wahrlich, ein solcher Mensch gilt in den Augen Gottes, des Wahren, als ein Juwel unter den Menschen und zählt zu den Seligen.

Sprich: Im Osten ist das Licht Seiner Offenbarung angebrochen, im Westen erscheinen die Zeichen Seiner Herrschaft. Sinnt darüber nach in euren Herzen, o Menschen, und gehöret nicht zu denen, die schmählich irrten, als Mein Gedenken zu ihnen kam auf Geheiß des Allmächtigen, des Allgepriesenen. Laßt den Odem Gottes euch erwecken. Wahrlich, er weht über die Welt. Wohl dem, der seinen Duft entdeckt und zu den Glaubensgewissen gezählt wird!

O Schar der Bischöfe! Ihr seid die Sterne am Himmel Meiner Erkenntnis. Meine Barmherzigkeit wünscht nicht, daß ihr auf die Erde fallt. Meine Gerechtigkeit aber erklärt: »Dies ist, was der Sohn bestimmt hat.« Und was immer aus Seinem makellosen, die Wahrheit sprechenden, glaubwürdigen Munde kam, kann nie geändert werden. Wahrlich, die Glocken läuten Meinen Namen und klagen über Mich, aber Mein Geist jubelt in offenkundiger Freude. Der Leib des Geliebten sehnt sich nach dem Kreuz, Sein Haupt begehrt den Speer auf dem Pfade des Allbarmherzigen. Des Unterdrückers Gewalt kann Ihn keineswegs von Seinem Ziel abhalten. Wir haben alles Erschaffene in die Gegenwart deines Herrn, des Herrn aller Namen, berufen. Selig der Mensch, der sein Angesicht auf Gott richtet, den Herrn am Tage der Abrechnung! ,

O Schar der Mönche! Wenn ihr Mir folgen möget, werde Ich euch zu Erben Meines Königreiches machen; und wenn ihr gegen Mich fehlt, werde Ich es in Meiner Langmut geduldig tragen. Ich bin wahrlich der Ewigvergebende, der Allbarmherzige.

O Land Syrien! Was ist aus deiner Rechtschaffenheit geworden? Du bist in Wahrheit von den Spuren deines Herrn geadelt. Spürst du den Hauch himmlischer Wiedervereinigung, oder muß man dich zu den Achtlosen zählen?

Bethlehem ist bewegt vom Odem Gottes. Wir hören seine Stimme sprechen: »O Du großmütigster Herr! Wo ist Deine große Herrlichkeit aufgerichtet? Die süßen Düfte Deiner Gegenwart erquicken mich, nachdem ich in meiner Trennung von Dir verschmachtet war. Gepriesen seiest Du, daß Du die Schleier gelüftet hast und mit Macht in offenbarer Herrlichkeit gekommen bist.« Wir riefen ihm zu aus dem Heiligtum der Majestät und Größe: »O Bethlehem! Dieses Licht ist im Osten aufgegangen und gen Westen gezogen, bis es dich am Abend seines Lebens erreicht hat. Sage Mir denn: Erkennen die Söhne den Vater? Anerkennen sie Ihn oder leugnen sie Ihn, wie Ihn¹ ehedem das Volk leugnete?« Da schrie Bethlehem auf und sprach: »Du bist in Wahrheit der Allwissende, der Bestunterrichtete.« Wahrlich, Wir sehen alles Erschaffene bewegt, Zeugnis für Uns abzulegen. Manche erkennen Uns und legen Zeugnis ab, die meisten aber legen Zeugnis ab und kennen Uns nicht.

¹ Jesus

Der Berg Sinai ist bewegt vor Freude, Unser Antlitz zu schauen. Laut hebt er seine zauberhafte Stimme im Lobpreis seines Herrn und spricht: »O Herr! Ich spüre den Duft Deines Gewandes. Mich dünkt, Du bist nahe, bekleidet mit den Zeichen Gottes. Du hast diese Gefilde mit Deinen Fußstapfen geadelt. Groß ist der Segen Deines Volkes, könnten sie Dich nur erkennen und Deinen Wohlgeruch atmen; und wehe denen, die fest schlafen.«

Glücklich bist du, der du dein Angesicht Meinem Antlitz zuwendest, da du die Schleier zerrissen, die Götzen zertrümmert und deinen ewigen Herrn erkannt hast. Das Volk des Qur'án hat sich gegen Uns erhoben, ohne klares Zeichen oder Beweis, und quält Uns jeden Augenblick mit einer neuen Qual. Sie wähnen, Leiden könnten Unseren Vorsatz vereiteln, Trug ist fürwahr, was sie sich einbilden. Wahrlich, dein Herr ist es, der bestimmt, was ihm gefällt.

Nie ging Ich an einem Baum vorbei, ohne daß Mein Herz ihn anredete und sprach: »O würdest du doch in Meinem Namen gefällt und Mein Leib an dir gekreuzigt!« Wir offenbarten diesen Satz im Brief an den Sháh, damit er den Anhängern der Religionen zur Mahnung diene. Wahrlich, dein Herr ist der Allwissende, der Allweise.

Laß dich nicht von dem betrüben, was sie begangen haben. Sie sind wahrlich wie tot und leben nicht. Überlasse sie den Toten, dann richte dein Angesicht auf Ihn, den Lebenspender der Welt. Hüte dich, daß dich das Geschwätz der Achtlosen nicht traurig¹ macht. Sei du standhaft in der Sache Gottes und lehre das Volk mit vollendeter Weisheit. So rät es dir der Herrscher von Erde und Himmel. Er ist in Wahrheit der Allmächtige, der Großmütigste. Binnen kurzem wird Gott dein Gedenken in den Himmel heben und wird mit der Feder der Herrlichkeit aufzeichnen, was du um Seiner Liebe willen geäußert hast. Er ist in Wahrheit der Beschützer, der Wohltäter.

¹ s.a. 177

Grüße ihn, der Murád heißt, von Mir und sprich: »Selig bist du, o Murád, weil du die Eingebungen deiner eigenen Wünsche von dir geworfen hast und Dem gefolgt bist, Der die Sehnsucht der ganzen Menschheit ist.«

Sprich:

Selig ist der Träumer, den Mein Odem erweckt.

Selig der Leblose, den Mein belebender Hauch erquickt.

Selig das Auge, das der Blick auf Meine Schönheit tröstet.

Selig der Wanderer, der seine Schritte zum Heiligtum Meiner Herrlichkeit und Majestät lenkt.

Selig der Elende, der Zuflucht sucht im Schatten Meines Baldachins.

Selig der Dürstende, der zu den stillen Strömen Meiner Gnade eilt.

Selig die unersättliche Seele, die ihre selbstischen Lüste aus Liebe zu Mir verwirft und ihren Platz an der Festtafel einnimmt, die Ich vom Himmel göttlicher Großmut für Meine Erwählten herniedergesandt habe.

Selig der Erniedrigte, der sich fest an das Seil Meiner Herrlichkeit hält, und der Bedürftige, der in den heiligen Schatten Meines Reichtums tritt.

Selig der Unwissende, der den Springquell Meines Wissens sucht, und der Achtlose, der sich an das Tau des Meingedenkens klammert.

Selig die Seele, die Mein erquickender Odem zum Leben erweckt und die Einlaß in Mein himmlisches Reich erlangt.

Selig der Mensch, den der Duft der Wiedervereinigung mit Mir bewegt und treibt, dem Morgen Meiner Offenbarung nahezukommen.

Selig das Ohr, das hört, und die Zunge, die zeugt, und das Auge, das sieht und den Herrn erkennt in Seiner großen Herrlichkeit und Majestät, bekleidet mit Pracht und Herrschaft.

Selig, wer in Seine Gegenwart gelangt.

Selig, wer Erleuchtung von der Sonne Meines Wortes sucht.

Selig, wer sein Haupt mit dem Perlenband Meiner Liebe krönt.

Selig, wer Meinen Schmerz vernimmt und sich aufmacht, Mir beizustehen unter Meinem Volke.

Selig, wer sein Leben hingibt auf Meinem Pfad und mannigfache Mühsal Meines Namens wegen duldet.

Selig, wer, von Meinem Wort bestärkt, sich von den Toten erhebt, Mein Lob zu feiern.

Selig, wer sich von Meinen wundersamen Weisen entzücken läßt und mit Meiner starken Macht die Schleier zerreißt.

Selig, wer Meinem Bund die Treue hält und wen die Dinge der Welt nicht hindern, Meinen heiligen Hof zu erreichen.

Selig der Mensch, der sich löst von allem außer Mir, sich aufschwingt in die Höhen Meiner Liebe, der Einlaß findet in Mein Reich, Meine Gefilde der Herrlichkeit schaut, die Lebenswasser Meiner Gaben leert, sich am himmlischen Strom Meiner liebenden Vorsehung satt trinkt, mit Meiner Sache vertraut wird, begreift, was Ich in den Schatzkammern Meiner Worte verborgen habe, und, Meinen Ruhm und Preis kündend, vom Himmel göttlicher Erkenntnis strahlt. Wahrlich, er ist von Mir. Mit ihm seien Meine Barmherzigkeit, Meine Gnade, Meine Wohltat und Meine Herrlichkeit.

BISHÁRÁT (Die frohen Botschaften) BH00568

Dies ist der Ruf des Allherrlichen, verkündet vom Höchsten Horizont im Kerker von 'Akká.

Er ist der Erklärer, der Allwissende, der Allkundige.

Gott, der Wahre, bestätigt und die Offenbarer Seiner Namen und Eigenschaften bezeugen, daß es , wenn Wir den Ruf erheben und Sein hehres Wort verkünden, Unser einziges Ziel ist, mit den Lebenswassern göttlicher Äußerung das Ohr der ganzen Schöpfung von Lügengeschichten zu reinigen und es auf das heilige, das ruhmreiche und erhabene Wort einzustimmen, das der Gestalter der Himmel und Schöpfer der Namen aus der Schatzkammer der Erkenntnis hervorgehen ließ. Glücklich ist, wer gerecht urteilt.

O Volk der Erde!

Die erste frohe Botschaft,

die das Mutterbuch in dieser Größten Offenbarung allen Völkern der Welt überbringt, ist, daß das Gesetz des heiligen Krieges aus dem Buche getilgt ist. Verherrlicht sei der Allbarmherzige, der Herr überströmender Gnade, durch den das Tor himmlischer Gaben vor dem Angesicht aller im Himmel und auf Erden weit aufgetan ist.

Die zweite frohe Botschaft

Es ist gestattet, daß die Völker und Geschlechter der Welt sich in strahlender Freude miteinander verbinden. O Volk! verkehre mit den Anhängern aller Religionen im Geist des Wohlwollens und der Verbundenheit. So erstrahlt die Sonne Seiner heiligenden Amtsgewalt vom Horizont des Ratschlusses Gottes, des Herrn der Welten.

Die dritte frohe Botschaft

betrifft das Erlernen verschiedener Sprachen. Dieses Gebot ist schon früher der Feder des Höchsten entströmt: Es obliegt den Herrschern der Welt - möge Gott ihnen beistehen - oder den Ministern der Erde, miteinander zu beraten und eine der bestehenden Sprachen oder eine neue Sprache auszuwählen, die den Kindern in allen Schulen der Welt gelehrt werden soll, und ebenso eine Schrift. So wird die ganze Erde schließlich als ein einziges Land betrachtet werden. Gut steht es um den, der auf Seinen Ruf hört und befolgt, was Gott, der Herr des mächtigen Thrones, ihm gebietet.

Die vierte frohe Botschaft

Wenn einer der Könige - möge Gott ihnen beistehen - sich aufmacht, dieses unterdrückte Volk zu beschützen und zu unterstützen, so müssen alle miteinander darin wetteifern, ihn zu lieben und ihm zu dienen. Dies ist eines jeden Pflicht. Wohl denen, welche danach handeln.

Die fünfte frohe Botschaft

Die Angehörigen dieses Volkes müssen sich, wo immer sie wohnen, der Regierung des Landes als treu, ehrbar und wahrhaftig erweisen. Dies ist, was auf Geheiß des Gebieters, des Altehrwürdigen der Tage, offenbart worden ist.¹

¹ vgl. Kitáb-i-Aqdas, Synopsis and Codification, p.46, D, i, m

Es ist Pflicht und Schuldigkeit aller Völker der Welt, diese bedeutsame Sache, die vom Himmel des Willens Gottes, des Urewigen, herniederkam, zu unterstützen, damit das Feuer der Feindseligkeit, das manchen Völkern in den Herzen lodert, mit den Lebenswassern göttlicher Weisheit sowie durch himmlische Ratschläge und Ermahnungen gelöscht werde und das Licht der Einheit und Eintracht aufleuchte, um seinen Strahlenglanz über die Welt zu ergießen.

Wir hegen die Hoffnung, daß die Träger der Macht Gottes - gepriesen sei Seine Herrlichkeit - mit aufrichtigen Bemühungen auf der ganzen Welt Kriegswaffen in Werkzeuge des Aufbaus verwandeln und daß Kampf und Streit aus der Menschen Mitte vertrieben werden.

Die sechste frohe Botschaft

ist die Begründung des Geringeren Friedens, dessen Einzelheiten bereits früher von Unserer Erhabensten Feder offenbart wurden. Groß ist der Segen dessen, der den Geringeren Frieden verteidigt und beachtet, was Gott, der Allwissende, der Allweise, bestimmt hat.

Die siebente frohe Botschaft

Die Wahl der Kleidung sowie Schnitt und Form des Bartes bleiben den Menschen zur Entscheidung überlassen. Aber hütet euch, o Menschen, daß ihr euch nicht selbst zum Spielzeug der Unwissenden machet!

Die achte frohe Botschaft

Der frommen Taten der Mönche und Priester unter den Anhängern des Geistes¹ - Gottes Friede sei mit Ihm - wird in Seiner Gegenwart gedacht. An diesem Tage sollten sie jedoch ihr abgeschiedenes Leben aufgeben, ihre Schritte in die offene Welt lenken und sich mit dem befassen, was ihnen selbst und anderen nützt. Wir erlauben ihnen, in den Ehestand zu treten, auf daß sie einen hervorbringen, der Gott erwähnt, den Herrn des Sichtbaren wie des Unsichtbaren, den Herrn des Erhabenen Thrones.²

¹ Jesus ² vgl. Brief an den Sohn des Wolfes, p.55ff

Die neunte frohe Botschaft

Wenn sich der Sünder völlig gelöst und befreit von allem außer Gott weiß, sollte er Ihn um Vergebung und Verzeihung bitten. Sünden und Übertretungen vor menschlichen Wesen zu beichten, ist nicht erlaubt, da es noch nie zu Gottes Vergebung geführt hat oder je dazu führen wird. Im übrigen bewirkt solche Beichte vor den Leuten, daß ein Mensch gedemütigt und erniedrigt wird, und Gott - erhaben sei Seine Herrlichkeit - wünscht nicht die Demütigung Seiner Diener. Wahrlich, Er ist der Mitleidvolle, der Barmherzige. Allein mit Gott, sollte der Sünder um Erbarmen aus dem Meer des Erbarmens, um Vergebung aus dem Himmel der Großmut flehen und sprechen:¹

¹ vgl. Kitáb-i-Aqdas, Synopsis and Codification, p.47, D, i, y, ix

O Gott, mein Gott! Ich flehe zu Dir beim Blute derer, die Dich wahrhaft liebten, die so hingerissen waren von Deinen lieblichen Worten, daß sie zum Gipfel der Herrlichkeit, zur Stätte des ruhmreichsten Martyriums eilten, und bitte dich bei den Geheimnissen, die Dein Wissen verwahrt, und bei den Perlen, die das Meer Deiner Großmut birgt, vergib mir, meinem Vater und meiner Mutter! Von allen, die Barmherzigkeit bezeigen, bist Du in Wahrheit der Barmherzigste. Es gibt keinen Gott außer Dir, dem Ewig-Vergebenden, dem Allgütigen.

O Herr! Du siehst, wie sich diese Verkörperung der Sündhaftigkeit dem Meer Deiner Gunst zuwendet, wie dieser Schwache das Reich Deiner göttlichen Macht sucht, wie diese arme Kreatur sich nach der Sonne Deines Reichtums streckt. Bei Deiner Barmherzigkeit und Deiner Gnade, enttäusche ihn nicht, o Herr, schließe ihn nicht aus von den Offenbarungen Deiner Großmut in Deinen Tagen, noch weise ihn hinweg von Deiner Tür, die Du allen Bewohnern Deines Himmels und Deiner Erde weit geöffnet hast.

Ach, meine Sünden haben mich gehindert, dem Hofe Deiner Heiligkeit zu nahen, und meine Vergehen ließen mich fern dem Thronzelt Deiner Majestät schweifen. Ich habe begangen, was Du mir verboten hast, und habe von mir gewiesen, was Du mir zu beachten gebotest.

Ich bitte Dich bei Ihm, dem unumschränkten Herrn der Namen, schreibe nieder für mich mit der Feder Deiner Großmut, was mich befähigt, Dir nahezukommen, und was mich reinigt von meinen Vergehen, die zwischen mich und Deine Vergebung und Verzeihung getreten sind.

Wahrlich, Du bist der Kraftvolle, der Gütige. Kein Gott ist außer Dir, dem Mächtigen, dem Gnadenreichen.

Die zehnte frohe Botschaft

Zum Beweis der Gunst Gottes, des Offenbarers dieser Größten Verkündigung¹, haben Wir aus den heiligen Schriften und Sendschreiben das Gesetz, welches die Vernichtung von Büchern vorschreibt, getilgt.²

¹ vgl. Qur'án 78; 387 ² vgl Kitáb-i-Aqdas Synopsis and Codification, p.48, D, 2, a

Die elfte frohe Botschaft

Es ist erlaubt, Künste und Wissenschaften zu studieren, aber solche Wissenschaften, die von Nutzen sind und dem Volke Fortschritt und Entwicklung bringen. So bestimmt es Er, der Verordner, der Allweise.

Die zwölfte frohe Botschaft

Jedem von euch ist es zur Pflicht gemacht, sich in einem Beruf - einem Handwerk, Gewerbe und dergleichen - zu betätigen. Wir haben eure Tätigkeit bei solcher Arbeit gnädiglich zum Rang des Dienstes an Gott, dem Wahren, erhoben. Denkt in euren Herzen über die Gnade und den Segen Gottes nach und sagt Ihm Dank des Abends und des Morgens. vergeudet eure Zeit nicht mit Faulheit und Müßiggang. Beschäftigt euch mit dem, was euch und anderen nützt. So ist es verordnet in diesem Sendschreiben, von dessen Horizont die Sonne der Weisheit und des Wortes widerstrahlt.

Die verächtlichsten Menschen in den Augen Gottes sind die, welche faul dasitzen und betteln. Haltet euch fest an das Seil der weltlichen Mittel, im vollen Vertrauen auf Gott, der euch mit allen Gütern versorgt. Wer sich in einem Handwerk oder Gewerbe betätigt, dessen Tätigkeit wird von Gott als Gottesdienst gewertet; und dies ist nur ein Zeichen Seiner unendlichen, alles durchdringenden Großmut.¹

¹ vgl. auch Ährenlese 100; verborgene Worte pers. 80-82

Die dreizehnte frohe Botschaft

Die Mitglieder von Gottes Haus der Gerechtigkeit sind mit den Angelegenheiten des Volkes betraut. Sie sind wahrlich die Treuhänder Gottes unter Seinen Dienern, die Morgenröten der Amtsgewalt in Seinen Landen.

O Volk Gottes! Was die Welt erzieht, ist die Gerechtigkeit, denn sie wird von zwei Säulen getragen: Lohn und Strafe. Diese beiden Säulen sind die Lebensquellen der Welt. Insofern es für jeden Tag ein neues, Problem und für jedes Problem eine zweckmäßige Lösung gibt, sind solche Angelegenheiten den Geschäftsträgern des Hauses der Gerechtigkeit vorzulegen, damit sie nach den Nöten und Erfordernissen der Zeit handeln. Die sich für Gott erheben, Seiner Sache zu dienen, sind Empfänger göttlicher Eingebung aus dem unsichtbaren Reich. Alle haben die Pflicht, ihnen zu gehorchen. Alle Staatsgeschäfte sind dem Haus der Gerechtigkeit vorzulegen; aber Gottesdienste müssen so gehalten werden, wie es Gott in Seinem Buch offenbart hat.

O Volk Bahás! Ihr seid die Dämmerorte der Liebe Gottes, die Morgenröten Seiner Gnade. Besudelt eure Zungen nicht mit Flüchen und Schmähreden auf irgendeine Seele und hütet eure Augen gegen Unschickliches. Tut dar, was ihr besitzet. Wird es günstig aufgenommen, ist euer Zweck erreicht; wo nicht, ist Widerspruch fruchtlos. Überlaßt diese Seele sich selbst und kehrt euch zum Herrn, dem Beschützer, dem Selbstbestehenden. Verursacht keinen Kummer, geschweige denn Zwietracht und Streit. Es ist zu hoffen, daß ihr im Schatten des Baumes Seines sanften Erbarmens wahre Erziehung erlangt und nach Gottes Wunsch handelt. Ihr seid alle die Blätter eines Baumes und die Tropfen eines Meeres.

Die vierzehnte frohe Botschaft

Es ist nicht nötig, besondere Reisen zu unternehmen, um die Gräber der Verstorbenen zu besuchen. Wenn vermögende Leute die Kosten solcher Reisen dem Haus der Gerechtigkeit spenden, wird dies in der Gegenwart Gottes wohlgefällig und annehmbar sein. Glücklich ist, wer Seine Vorschriften befolgt.

Die fünfzehnte frohe Botschaft

Obwohl die republikanische Regierungsform allen Völkern der Welt nützt, ist die Majestät des Königtums eines der Zeichen Gottes. Wir wünschen nicht, daß die Länder der Welt ihrer beraubt bleiben. Wenn die Weisen beide Formen miteinander verbinden, erwartet sie in der Gegenwart Gottes großer Lohn.

In früheren Religionen sind Gebote wie der heilige Krieg, die Vernichtung von Büchern, Verbote der Verbindung und des Umgangs mit anderen Völkern und des Lesens bestimmter Bücher nach den Erfordernissen der Zeit niedergelegt und bestätigt worden. In dieser mächtigen Offenbarung, dieser epochalen Verkündigung jedoch haben die mannigfachen Segnungen und Gunstbeweise Gottes alle Menschen überschattet, und vom Horizont des Willens des ewig gleichen Herrn hat Sein unfehlbarer Ratschluß verordnet, was Wir soeben dargelegt haben.

Wir preisen Gott - geheiligt und verherrlicht sei Er - für alles, was Er an diesem seligen, diesem ruhmreichen, unvergleichlichen Tag gnädiglich offenbart. Fürwahr, würden allen Erdenbewohnern Myriaden Zungen verliehen und würden sie fortgesetzt, Gott preisend, Seinen Namen verherrlichen, bis zu dem Ende, das kein Ende kennt, so würde sich ihr Dank für auch nur eine der Gnadengaben, die Wir in diesem Sendbrief aufführen, als unzulänglich erweisen. Dies bezeugt jeder, der mit Weisheit und Urteilskraft, Verständnis und Wissen ausgestattet ist.

Aufrichtig bitten Wir Gott - gepriesen sei Seine Herrlichkeit -, Er möge den Regenten und Herrschern, den Trägern der Macht und Morgenröten des Ruhmes, beistehen, Seine Gesetze und Gebote zu vollziehen. Er ist wahrlich der Allvermögende, der Allmachtvolle; Er gibt Antwort auf den Ruf der Menschen.

TARÁZÁT (Der Schmuck) BH00308

In Meinem Namen, der hoch über allen Namen steht.

Preis und Ruhm gebührt dem Herrn der Namen und Schöpfer der Himmel. Die Wellen des Meeres Seiner Offenbarung wogen vor den Augen der Völker der Welt. Die Sonne Seiner Sache strahlt durch jeden Schleier, und Sein Wort der Bejahung steht unerreichbar hoch über der Verneinung. Weder die Überlegenheit des Unterdrückers noch die Tyrannei der Gottlosen können Seinen Plan durchkreuzen. Wie herrlich ist Seine unumschränkte Macht, wie erhaben ist Seine Herrschaft!

Großer Gott! Seine Zeichen haben die Welt umfangen, Seine Beweise und Zeugnisse sind strahlend offenbar wie das Licht, und doch zeigen sich die Unwissenden achtlos, ja widerspenstig. Wären sie nur mit Widerspruch zufrieden! Aber allezeit sind sie darauf verschworen, diesen heiligen Lotosbaum zu fällen. Seit dem Anbruch dieser Sendung waren die Verkörperungen der Selbstsucht bemüht, mit grausamer Unterdrückung das Licht göttlicher Offenbarung zu löschen. Gott indes fiel ihnen in den Arm, offenbarte dieses Licht durch Seine unumschränkte Gewalt und schützte es mit Seiner Kraft und Macht, bis Erde und Himmel von seinem Strahlenglanz erleuchtet waren. Preis sei Ihm in jeder Lage!

Ruhm sei Dir, o Herr der Welt, Du Sehnsucht der Völker, der Du offenbar geworden bist im Größten Namen, wodurch das Meer Deines Wissens die Perlen der Weisheit und des Wortes aus ihren Muscheln treten ließ und die Sonne Deines Antlitzes bei ihrem Aufgang die Himmel göttlicher Offenbarung mit ihrem Lichte schmückte.

Ich bitte Dich, bei dem Wort, das Deinen Beweis unter Deinen Geschöpfen vollendete und Dein Zeugnis unter Deinen Dienern erfüllte, gib Deinem Volk die Kraft zu allem, was das Angesicht Deiner Sache in Deinem Herrschaftsgebiet strahlen läßt, was die Banner Deiner Macht unter Deinen Dienern hißt und die Fahnen Deiner Führung durch alle Deine Reiche trägt.

O mein Herr! Du siehst, wie sie sich an das Seil Deiner Gnade klammern, wie sie sich fest an den Saum des Gewandes Deiner Wohltätigkeit halten. Verordne für sie, was sie Dir näher bringt, und halte sie fern von allem außer Dir. Ich, bitte Dich, Du König des Seins, Du Beschützer des Sichtbaren wie des Unsichtbaren, laß jeden, der sich erhebt, Deiner Sache zu dienen, zu einem Meere werden, das nach Deinem Wunsche wogt, und entflamme ihn mit dem Feuer Deines heiligen Baumes, das vom Horizont Deines Willens strahlt. Wahrlich, Du bist der Mächtige, den weder die Macht der ganzen Welt noch das Ungestüm der Völker schwächen können. Es gibt keinen Gott außer Dir, dem Einen, dem Unvergleichlichen, dem Beschützer, dem Selbstbestehenden.

O Du, der du den Wein Meiner Äußerung aus dem Kelch Meiner Erkenntnis getrunken hast! Heute waren im Rauschen des göttlichen Lotosbaumes, den der Herr der Namen mit der Hand himmlischer Macht im allerhöchsten Paradiese gepflanzt hat, folgende erhabene Worte zu hören:

Das erste Taráz

und der erste Lichtstrahl, der am Horizont des Mutterbuches anbricht ist, daß der Mensch sich selbst erkennen und unterscheiden soll, was zu Erhöhung und Erniedrigung, zu Ruhm und Schande, zu Reichtum und Armut führt. Wenn der Mensch die Stufe der Erfüllung und seine Reife erlangt hat, bedarf er des Wohlstands. Wohlstand, den er durch Handwerk und Beruf erwirbt, ist nach Ansicht der Weisen und vor allem in den Augen von Dienern, die sich ganz der Erziehung der Welt und der Belehrung ihrer Völker widmen, lobens- und empfehlenswert. Solche Diener sind wahrlich Mundschenken für die Lebenswasser der Erkenntnis, Führer auf dem Weg zur Vollendung. Sie leiten die Völker der Welt auf den geraden Pfad und unterweisen sie in allem, was Fortschritt und Erhöhung der Menschen fördert. Der gerade Pfad ist derjenige, welcher den Menschen zum Morgen der Wahrnehmung, zum Dämmerort wahren Verstehens führt und ihn zu dem bringt, was ihm zu Ruhm, Ehre und Größe gereicht.

Wir hoffen, daß durch die Gnade des Allweisen, des Allwissenden, trübender Staub beseitigt und die Wahrnehmungskräfte gestärkt werden, damit das Volk den Zweck erkenne, für den es ins Leben gerufen wurde. An diesem Tag ist alles erwägenswert, was die Blindheit mindert und die Sehkraft stärkt. Solche Sehkraft ist der Träger wahren Wissens und sein Führer. In der Tat beruht nach Ansicht der Weisen Urteilskraft auf scharfer Sehkraft. Das Volk Bahás muß in jeder Lage befolgen, was passend und ziemlich ist, und muß die Menschen dazu anhalten.

Das zweite Taráz

ist, mit den Anhängern aller Religionen in Freude und Eintracht zu verkehren, das zu verkünden, was der Sprecher am Sinai dargelegt hat, und in allen Angelegenheiten Gerechtigkeit walten zu lassen.

Wer aufrichtig und getreu ist, sollte sich in strahlender Freude mit allen Völkern und Geschlechtern der Erde verbinden, da der Verkehr mit anderen Menschen Einheit und Eintracht schafft, was wiederum zur Aufrechterhaltung der Ordnung in der Welt und zur Neugeburt der Nationen führt. Selig ist, wer sich fest an das Seil der Freundlichkeit und des zarten Erbarmens hält, frei von Haß und Feindseligkeit.

Dieser Unterdrückte ermahnt die Völker der Welt, Duldsamkeit und Rechtschaffenheit zu üben; dies sind zwei Lichter im Dunkel der Welt, zwei Erzieher für die Bildung der Menschheit. Glücklich sind, die dazu gelangen, und wehe den Achtlosem

Das dritte Taráz

handelt vom guten Charakter. Ein guter Charakter ist wahrlich der beste Mantel Gottes für die Menschen. Gott schmückt damit Seine Geliebten. Bei Meinem Leben! Das Licht eines guten Charakters überstrahlt die Sonne und ihren Glanz. Wer ihn erlangt, gilt als Juwel unter den Menschen. Ruhm und Aufschwung der Welt hängen völlig davon ab. Ein guter Charakter ist das Mittel, die Menschen auf den Geraden Pfad zu leiten und zur Großen Verkündigung zu führen. Wohl dem, der mit den heiligen Merkmalen und dem Charakter der himmlischen Heerscharen geschmückt ist.

Es geziemt euch, den Blick in allen Lebenslagen auf Gerechtigkeit und Redlichkeit zu richten. In den Verborgenen Worten hat unsere Erhabenste Feder feierlich diese Äußerung offenbart:

O Sohn des Geistes! Von allem das Meistgeliebte ist Mir die Gerechtigkeit; wende dich nicht von ihr ab, wenn du nach Mir verlangst, und mißachte sie nicht, damit Ich dir vertrauen kann. Durch ihre Hilfe wirst du mit deinen eigenen Augen und nicht mit denen anderer sehen und durch die eigene Erkenntnis und nicht durch die deines Nächsten Wissen erlangen. Erwäge in deinem Herzen, wie du sein solltest. Wahrlich, Gerechtigkeit ist Meine Gabe an dich und das Zeichen Meiner Gnade. Halte sie dir immer vor Augen.¹

¹ vgl. VW ar.2

Wer gerecht und redlich in seinem Urteil ist, steht auf einer hohen Stufe und hält einen erhabenen Rang. Das Licht der Frömmigkeit und der Aufrichtigkeit leuchtet strahlend aus seiner Seele. Wir hoffen sehr, daß die Völker und Länder der Welt des Strahlenglanzes dieser beiden Leuchten nicht beraubt bleiben.

Das vierte Taráz

betrifft die Vertrauenswürdigkeit. Wahrlich, sie ist die Pforte zur Sicherheit für alle Erdenbewohner und ein Zeichen der Herrlichkeit von seiten des Allbarmherzigen. Wer daran teilhat, besitzt in der Tat die Schätze des Wohlstandes und des Glücks. Vertrauenswürdigkeit ist das weite, breite Tor zur Ruhe und Sicherheit des Volkes. In Wahrheit ist ohne sie, heute wie eh und je, nichts von Bestand. Alle Bereiche der Macht, Größe und Wohlfahrt leuchten in ihrem Licht.

Vor kurzem hat die Feder des Höchsten diese erhabenen Worte offenbart:

Wir wollen dir nun von der Vertrauenswürdigkeit und von der Stelle künden, die sie vor Gott, deinem Herrn, dem Herrn des Mächtigen Thrones, einnimmt. Eines Tages begaben Wir Uns auf Unsere grüne Insel.¹ Als Wir sie betraten, sahen Wir fließende Bäche und Bäume in voller Pracht, zwischen denen das Sonnenlicht spielte. Unser Gesicht nach rechts wendend, sahen Wir, was die Feder nicht zu beschreiben vermag; sie kann nicht kundtun, was das Auge des Herrn der Menschheit an diesem heiligsten, hehrsten, gesegnetsten, erhabensten Orte wahrnahm. Wir wandten Uns darauf zur Linken. Dort sahen Wir eine der Schönen des erhabensten Paradieses auf einer Säule reinen Lichtes stehen und mit lauter Stimme rufen: `O ihr Bewohner der Erde und des Himmels! Schauet Meine Schönheit, Meine Strahlung, Meine Offenbarung, Meinen Glanz! Bei Gott, dem Wahre! Ich bin die Vertrauenswürdigkeit, ihre Offenbarung und ihre Schönheit. Ich will jeden belohnen, der sich an Mich hält, Meinen Rang und Meine Stufe erkennt und sich fest an Meinen Saum klammert. Ich bin der edelste Schmuck für das Volk Bahás, die Robe des Ruhmes für alle im Reiche der Schöpfung. Ich bin das erhabenste Werkzeug für die Wohlfahrt der Welt, der Horizont der Sicherheit für alle Wesen.` So haben Wir dir herniedergesandt, was die Menschen dem Herrn der Schöpfung nahebringen wird.

O Volk Bahás! Vertrauenswürdigkeit ist wahrlich das beste Gewand für eure Tempel und die ruhmreichste Krone für eure Häupter. Haltet euch fest an sie auf Befehl Dessen, Der der Gebieter, der Allunterrichtete ist.

Das fünfte Taráz

handelt davon, wie die Stufe der Diener Gottes geschützt und gewahrt wird. Man darf die Wahrheit einer Sache nicht unbeachtet lassen, sollte vielmehr zum Ausdruck bringen, was recht und wahr ist. Das Volk Bahá'í sollte keiner Seele den schuldigen Lohn versagen, sollte Fachleuten Ehre zollen und, anders als frühere Völker, die eigene Zunge nicht mit Schmähreden besudeln.

An diesem Tag strahlt die Sonne fachlichen Könnens über dem Horizont des Westens. Ein Strom technischer Fertigkeiten fließt aus dem Meer jener Weltgegend. Man muß gerecht reden und solche Segnungen schützen. Beim Leben Gottes! Das Wort "Gerechtigkeit" leuchtet und strahlt wie die Sonne. Wir bitten Gott, Er möge den Strahlenglanz dieses Wortes über jeden ergießen. Er ist wahrlich machtvoll über alle Dinge, und Er pflegt auf die Gebete aller Menschen zu antworten.

Heutzutage werden Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit in den Klauen der Falschheit übel zugerichtet, und Gerechtigkeit wird von der Geißel der Ungerechtigkeit gepeinigt. Der Rauch der Verderbtheit hat die ganze Welt so umhüllt, daß man in allen Himmelsrichtungen nur noch Soldatenheere sehen kann und nichts anderes mehr hört als Schwertgeklirr. Wir flehen zu Gott, dem Wahren, Er möge die Träger Seiner Macht in dem stärken, was die Welt wieder gesunden läßt und den Völkern Ruhe bringt.

Das sechste Taráz

Wissen ist eine der wundersamen Gaben Gottes. Es ist jedermanns Pflicht, Wissen zu erwerben. Die Künste und Hilfsmittel, die heute zur Hand sind, wurden kraft Seines Wissens und Seiner Weisheit erworben, offenbart in Briefen und Sendschreiben durch Seine Erhabenste Feder - eine Feder, aus deren Schatzkammer Perlen der Weisheit und des Wortes sowie die Künste und Fertigkeiten dieser Welt ans Licht treten.

An diesem Tag liegen die Geheimnisse der Erde offen vor den Augen der Menschen da. Die Seiten der rasch erscheinenden Zeitungen sind in der Tat Spiegel der Welt. Sie spiegeln die Taten und Bestrebungen der verschiedenen Völker und Geschlechter. Das alles spiegeln sie und machen es bekannt. Sie sind wie Spiegel mit Augen, Mund und Ohren, eine erstaunliche, machtvolle Erscheinung. Den Verfassern dieser Zeitungen obliegt es jedoch, sich von den Einflüsterungen übler Begierden und Leidenschaften zu reinigen und sich mit dem Gewand der Gerechtigkeit und der Unparteilichkeit anzutun. Sie sollten die Umstände möglichst gründlich untersuchen, die Tatsachen feststellen und sie dann schriftlich niederlegen.

Was die Zeitungen über diesen Unterdrückten berichten, entbehrt der Wahrheit fast völlig. Ehrliche Rede und Wahrhaftigkeit gelten ihres hohen Ranges wegen für eine Sonne am Himmelszelt des Wissens. Die Wogen dieses Meeres sind sichtbar vor den Augen der Völker dieser Welt, und was aus der Feder der Weisheit und Äußerung strömt, ist überall offenbar.

In der Presse wurde berichtet, dieser Diener sei aus dem Lande Tá¹ geflohen und in den 'Iráq gegangen. Gnädiger Gott! Keinen einzigen Augenblick lang hat sich dieser Unterdrückte je verborgen; vielmehr blieb Er allezeit standhaft und allen Augen sichtbar. Niemals sind Wir geflohen noch werden Wir je die Flucht ergreifen. In Wahrheit ist es das törichte Volk, das Unsere Gegenwart flieht. Wir verließen Unsere Heimat, geleitet von zwei Abteilungen berittener Wachmannschaften, welche die beiden ehrenwerten Regierungen von Persien und Rußland vertraten, bis wir voll des Ruhmes und der Kraft im 'Iráq ankamen. Preis sei Gott! Die Sache, deren Träger dieser Unterdrückte ist, steht himmelhoch und strahlt sonnenklar. Verheimlichung hat keinen Zutritt zu dieser Stufe, für Furcht und Schweigen gibt es keine Gelegenheit.

¹ Tihrán

Die Geheimnisse der Auferstehung und die Geschehnisse der letzten Stunde sind klar und offenbar; aber die Menschen, in Achtlosigkeit versunken, ließen sich in Schleier hüllen. »Und wenn die Meere brodeln... Und wenn die Schriftrollen ausgebreitet werden...«¹ Bei der Gerechtigkeit Gottes! Der Morgen ist wahrlich angebrochen,² das Licht erstrahlt,³ die Nacht ist gewichen.(4) Glücklich, wer es begreift. Glücklich, wer dahin gelangt!

¹ Qur'án 81, 10 ² vgl. Qur'án 818; 744 ² vgl. Qur'án 399 (4) vgl. Qur'án 817; 743

Verherrlicht sei Gott! Die Feder fragt verwirrt, was sie schreiben soll, und die Zunge wundert sich über das, was sie zu äußern hat. Trotz beispielloser Mühsale stellen wir jetzt nach Jahren der Kerkerhaft, der Gefangenschaft, des Leides und der Prüfungen fest, daß noch dichtere Schleier als die, welche Wir bereits zerissen haben, zwischen die Menschen und Uns getreten sind, den Blick versperren und das Licht des Verstehens verdunkeln. Auch bemerken Wir, daß die neuen Verleumdungen, die heutzutage umlaufen, weit boshafter sind als die der Vergangenheit.

O Volk des Bayán! Fürchtet den barmherzigen Herrn. Betrachtet die Menschen früherer Zeiten. Welche Taten haben sie vollbracht, welche Früchte geerntet? Was sie auch redeten, es war nur Schwindel, und was sie auch taten, erwies sich als wertlos, ausgenommen die, welche Gott durch Seine Macht gnädig schützte.

Ich schwöre beim Leben Dessen, Der die Sehnsucht der Welt ist! Wollte ein Mensch nur in seinem Herzen nachsinnen, er würde, frei von aller Bindung an die Welt, hin zum Größten Lichte eilen und sich vom Staub eitlen Wahns, vom Rauch leeren Trugs läutern und reinigen. Was verleitete die Ewig-Gestrigen zum Irrtum, wer hat sie verführt? Noch immer verwerfen sie die Wahrheit und bleiben ihren selbstischen Begierden verhaftet. Laut ruft dieser Unterdrückte, nur Gott zuliebe. Wer will, der wende sich herzu, und wer es nicht wünscht, der kehre sich hinweg. Wahrlich, Gott kann aller Dinge leicht entbehren, seien sie vergangen oder künftig.

O Volk des Bayán! Es waren Leute wie Hádí Dawlat Ábádí¹, die mit Turban und Stab² Widerspruch und Widerstand bewirkten und das Volk so mit Aberglauben überhäuften, daß es heute noch das Kommen einer erdichteten Person von einem erdichteten Ort erwartet. Seid gewarnt, o ihr verständnisvollen.

¹ Mírzá Hádí Dawlat-Ábádí, ein Geistlicher aus Isfahán, wurde Anhänger des Báb und unterstützte später Mírzá Yahyá, der ihn zu seinem Vertreter im Irán und zu seinem Nachfolger ernannte. Als die Báb verfolgt wurden, widerrief er seinen Glauben. Siehe auch Kalimat-i-F. 69

² Die Insignien eines Mullá

O Hádí! Höre auf die Stimme dieses vertrauenswürdigen Ratgebers: Lenke deine Schritte von links nach rechts, das heißt, kehre dich ab von leerem Trug zur Gewißheit hin. Führe das Volk nicht in den Irrtum. Das Licht Gottes scheint, Seine Sache ist offenbar, Seine Zeichen sind allumfassend. Richte dein Angesicht auf Gott, den Helfer in Gefahr, den Selbstbestehenden. Gib es um Gottes willen auf, Führer zu sein, und überlasse das Volk sich selbst. Du bist des Kerns der Wahrheit unkundig, du bist nicht vertraut damit.

O Hádí! Sei du unzweideutig auf dem Pfade Gottes. In Gesellschaft der Ungläubigen bist du ein Ungläubiger und bei den Frommen bist du ein Frömmler. Denke über diejenigen Seelen nach, die dortzulande Leben, Hab und Gut geopfert haben, auf daß du ermahnt seiest und aus deinem Schlaf erwachest. Erwäge: Wer verdient den Vorzug, der, welcher Leib, Leben, Hab und Gut wahrt, oder der, welcher alles auf dem Pfade Gottes hingibt? Urteile gerecht und gehöre nicht zu den Ungerechten. Halte dich fest an die Gerechtigkeit und klammere dich an die Unparteilichkeit, damit du nicht aus selbstischen Beweggründen die Religion wie eine Falle handhabst und die Wahrheit nicht dem Golde zuliebe mißachtest. Deine Ungerechtigkeit und die von deinesgleichen ist in der Tat so schlimm geworden, daß die Feder der Herrlichkeit bewegt wurde, solche Feststellungen zu treffen. Fürchte Gott. Er, der diese Offenbarung ankündigte, erklärte: »Er wird in jeder Lebenslage verkünden: `Wahrlich, wahrlich, Ich bin Gott, es gibt keinen Gott außer Mir, dem Helfer in Gefahr, dem Selbstbestehenden.`«

O Volk des Bayán! Euch wurde verboten, mit den Geliebten Gottes zu verkehren. Warum ist dieses Verbot verfügt worden und zu welchem Zweck? Seid redlich, Ich beschwöre Euch bei Gott, und gehört nicht zu den Achtlosen. Allen, die mit Einsicht begabt sind, und der Größten Schönheit selbst ist das Ziel dieses Bannes klar und augenscheinlich; keiner soll seiner¹ Geheimnisse und Taten gewahr werden.

¹ des Hádí

O Hádí! Du bist nicht in Unserer Gesellschaft gewesen, du bist deshalb der Sache Gottes unkundig. Handle nicht nach deinem eitlen Wahn, vielmehr durchforsche die Schriften mit eigenen Augen und sinne nach über die Geschehnisse. Habe Mitleid mit dir selbst und mit den Dienern Gottes und bewirke keinen Widerstreit wie die Menschen früherer Zeiten. Der Pfad ist unverkennbar, der Beweis ist offenkundig. Wandle Ungerechtigkeit in Gerechtigkeit, Parteilichkeit in Unparteilichkeit. Wir hegen die Hoffnung, daß dich der Odem göttlicher Eingebung stärke und dein inneres Ohr befähigt werde, das selige Wort zu hören: »Sprich: Es ist Gott, dann laß sie mit Spitzfindigkeiten ihr Spiel treiben.«¹ Du warst dort² und hast ihn gesehen. Nun stehe auf und rede redlich. Stelle die Sache nicht falsch dar, weder dir selbst noch dem Volke. Du hast weder Wissen noch Kenntnis. Höre auf die Stimme dieses Unterdrückten und eile zum Meer göttlicher Erkenntnis, damit du mit dem Schmuck des Begreifens geziert werdest und alles aufgebest außer Gott. Lausche der Stimme dieses guten Ratgebers, der laut und unverschleiert Königen und Untertanen offen ins Angesicht ruft und das Volk der Welt samt und sonders vor Ihn, den Herrn der Ewigkeit, lädt. Dies ist ein Wort, von dessen Himmelszelt die Sonne unversieglicher Gunst strahlend scheint.

¹ Qur'án 61 ² auf Zypern ³ Mirzá Yahyá

O Hádí! Losgelöst von jeder Bindung an die Welt, bemüht sich dieser Unterdrückte, das Feuer der Feindseligkeit und des Hasses, das den Völkern der Erde flammend im Herzen lodert, zu löschen. Jedem gerecht und redlich gesinnten Menschen obliegt es, Gott - verherrlicht sei Sein Ruhm - Dank zu sagen und sich aufzumachen, diese überlegene Sache zu fördern, damit sich Feuer in Licht verwandle und Haß der Liebe und Freundschaft weiche. Ich schwöre bei der Gerechtigkeit Gottes! Das ist dieses Unterdrückten einziges Ziel. Für die Verkündigung dieser bedeutungsschweren Sache und für die Darstellung ihrer Wahrheit haben Wir in der Tat mannigfache Leiden, Härten und Trübsale erduldet. Du selbst würdest Zeugnis ablegen für das, was Wir ausführten, könntest du nur unvoreingenommen reden. Wahrlich, Gott spricht die Wahrheit und führt den Weg. Er ist der Kraftvolle, der Mächtige, der Gnädige.

Unsere Herrlichkeit ruhe auf dem Volk Bahás, das weder die Tyrannei des Unterdrückers noch die Überlegenheit des Angreifers von Gott, dem Herrn der Welten, abhalten können.

TAJALLÍYÁT (Der Strahlenglanz) BH00668

Dies ist der Sendbrief Gottes, des Helfers in Gefahr, des Selbstbestehenden.

Er ist es der aus Seinem Reiche der Herrlichkeit hört.

Gott bezeugt, daß es keinen Gott außer Ihm gibt und daß Er, Der erschienen ist, das Verborgene Geheimnis, das verwahrte Sinnbild, das Größte Buch für alle Völker und der Himmel der Großmut für die ganze Welt ist. Er ist das Mächtigste Zeichen unter den Menschen, das Morgenlicht der erhabensten Eigenschaften im Reiche der Schöpfung. Durch Ihn ist erschienen, was seit unvordenklicher Zeit verborgen und vor den Augen der Menschen verhüllt war. Er ist es, Dessen Manifestation die himmlischen Schriften in alter und jüngerer Zeit ankündigten. Wer den Glauben an Ihn, Seine Zeichen und Seine Zeugnisse bekennt, anerkennt wahrlich, was die Zunge der Größe vor der Schöpfung von Erde und Himmel und vor der Offenbarung des Reiches der Namen sprach. Durch Ihn wogte das Meer der Erkenntnis inmitten der Menschheit, und der Strom göttlicher Weisheit quoll hervor auf das Geheiß Gottes, des Herrn aller Tage.

Wohl dem Scharfsichtigen, der die Wahrheit erkennt und wahrnimmt, und dem Feinhörigen, der auf Seine süße Stimme lauscht, und der Hand, die Sein Buch entgegennimmt mit einer Entschlossenheit, die aus Gott, dem Herrn dieser und der nächsten Welt, geboren ist, und dem unermüdlichen Wanderer, der zu Seinem herrlichen Horizont eilt, und dem Starken, den weder die Übermacht der Herrscher noch das Geschrei der Glaubensführer erschüttern können. Und wehe dem, der die Gnade und Großmut Gottes zurückweist, der Sein zartes Erbarmen und Seine Vollmacht leugnet. Solch ein Mensch wird fürwahr zu denen gerechnet, die seit aller Ewigkeit das Zeugnis Gottes und Seinen Beweis verwarfen.

Groß ist der Segen dessen, der an diesem Tage von sich wirft, was unter den Menschen im Schwange ist, und sich an das hält, was Gott verordnet hat, der Herr der Namen und Gestalter alles Erschaffenen, Er, der durch die Macht des Größten Namens vom Himmel der Ewigkeit gekommen ist, umgürtet mit so unbesiegbarer Allgewalt, daß keine Macht der Erde Ihm widerstehen kann. Dies bezeugt das Mutterbuch, das von der Höchsten Stufe her ruft.

O Alí Akbar!¹ Wiederholt haben Wir deine Stimme gehört und dir geantwortet mit dem, was die ganze Menschheit mit all ihrem Lob nie erreichen kann, was die Aufrichtigen den süßen Duft der Worte des Allerbarmers atmen, Seine wahren Liebenden den Hauch himmlischer Wiedervereinigung spüren und die Verschmachtenden das Murmeln der Lebenswasser hören läßt. Selig, wer dahin gelangt und erkennt, was zu dieser Stunde die Feder Gottes, des Helfers in Gefahr, des Allmächtigen, des Allschenkenden, verbreitet.

¹ Ustád Alí-Akbar, einer der treuen Gläubigen in Yazd. Er entwarf den Mashriqu'l-Adhkár von 'Ishqábád; Abdu'l-Bahá hieß seinen Entwurf gut. Ustád Alí-Akbar gab 1903 in Yazd sein Leben als Märtyrer hin.

Wir bezeugen, daß du dein Angesicht auf Gott gerichtet hast und weit gereist bist, bis du Seine Gegenwart erreichtest und der Stimme dieses Unterdrückten lauschtest, den die Missetaten der Zweifler an Gottes Zeichen und Zeugnis und der Leugner dieser himmlischen, alle Welt erleuchtenden Gnade in den Kerker brachten. Selig ist dein Angesicht, denn es hat sich Ihm zugewandt, selig dein Ohr, denn es hat Seine Stimme vernommen, und deine Zunge, denn sie hat Gott, den Herrn der Herren, gepriesen und verherrlicht. Wir bitten Gott, dir gnädig beizustehen, ein Banner für die Förderung Seiner Sache zu werden, und dich zu befähigen, Ihm allezeit und in jeder Lage nahe zu kommen.

Wir gedenken der Erwählten und Geliebten Gottes dortzulande und künden ihnen als frohe Botschaft, was ihnen zu Ehren vom Reiche des Wortes ihres Herrn, des Alleinherrschers am Tage der Abrechnung, herniedergesandt worden ist. Grüße sie von Mir und erleuchte sie mit der strahlenden Herrlichkeit Meiner Worte. Wahrlich, dein Herr ist der Gnädige, reich an Gaben.

O du, der du Meinen Lobpreis verkündest! Höre, was das Volk der Tyrannei Mir in Meinen Tagen nachsagt. Manche von ihnen sagen: »Er beansprucht Göttlichkeit«, andere: »Er ersinnt eine Lüge gegen Gott«, wieder andere: »Er ist gekommen, Aufruhr zu entfachen.« Scheitern und verderben sollen sie! Siehe, sie sind fürwahr an eitlen Wahn gekettet.

Wir wollen jetzt nicht länger die beredte Sprache¹ gebrauchen. Wahrlich, dein Herr ist der Machtvolle, der Ungezwungene. Gern sprechen Wir in persischer Zunge, damit das Volk Persiens samt und sonders der Worte des barmherzigen Herrn bewußt werde und hervortrete, die Wahrheit zu entdecken.

¹ arabisch

Das erste Tajalli,

das im Morgenlicht der Sonne der Wahrheit erstrahlt, ist die Erkenntnis Gottes - erhaben sei Seine Herrlichkeit. Und die Erkenntnis des Königs urewiger Tage kann nur erlangt werden durch die Anerkennung Dessen, Der Träger des Größten Namens ist. Er ist wahrlich der Sprecher vom Sinai, heute hoch auf dem Thron der Offenbarung sitzend. Er ist das verborgene Geheimnis, das Verwahrte Sinnbild. Alle frühen und neueren Bücher Gottes sind mit Seinem Lobpreis geschmückt und verherrlichen Seinen Ruhm. Durch Ihn ist das Banner der Erkenntnis in der Welt aufgepflanzt und die Fahne der Einheit Gottes inmitten aller Völker entfaltet. Die Göttliche Gegenwart kann nur erlangen, wer Seine Gegenwart erreicht. Seine Macht enthüllt nunmehr alles, was seit unvordenklichen Zeiten verschleiert und verborgen war. Er ist offenbar in der Macht der Wahrheit und hat ein Wort gesprochen, durch das alle in den Himmeln und auf Erden vom Donner gerührt sind, ausgenommen die, welche der Allmächtige zu verschonen beliebte. Der wahre Glaube an Gott und Seine Anerkennung sind unvollständig ohne Annahme dessen, was Er offenbart, und ohne Befolgung dessen, was Er verordnet und was die Feder der Herrlichkeit im Buche niedergelegt hat.

Wer sich in das Meer Seiner Äußerungen versenkt, sollte allzeit den Geboten und Verboten, die Gott offenbart hat, volle Beachtung schenken. Fürwahr, Seine Gebote stellen die festeste Burg für den Schutz der Welt und die Sicherheit ihrer Völker dar - ein Licht für die, welche die Wahrheit erkennen und anerkennen, ein Feuer für jene, die sich abkehren und leugnen.

Das Zweite Tajalli

ist, standhaft in der Sache Gottes - gepriesen sei Seine Herrlichkeit - und unwandelbar in Seiner Liebe zu bleiben. Dies kann nur durch Seine volle Anerkennung erlangt werden; und volle Anerkennung ist nur möglich durch den Glauben an die Gesegneten Worte: »Er tut, was Er will.«¹ Wer sich treu an dieses erhabene Wort hält und tief trinkt vom Lebenswasser der Äußerung, das darinnen ruht, der wird mit solcher Standhaftigkeit erfüllt, daß alle Bücher der Welt außerstande sind, ihn vom Mutterbuche abzulenken. O, wie ruhmreich ist diese hehre Stufe, dieser erhabene Rang, dieses letzte Zielt

¹ vgl. Qur'án 253; 147; 224; 228

O Alí Akbar! Schau, wie elend der Zustand der Zweifler ist. Alle führen sie die Worte an: »Wahrlich, Er ist zu preisen für Seine Taten, und Ihm ist zu gehorchen in Seinem Geheiß.«¹ Wenn Wir aber etwas offenbaren, das auch nur um die Breite eines Nadelöhrs an ihren selbstsüchtigen Begierden vorbeiläuft, weisen sie es hochmütig zurück. Sprich: Keiner kann die mannigfachen Entscheidungsgrundlagen von Gottes vollendeter Weisheit ausloten. Fürwahr, sollte Er für die Erde bestimmen, was für den Himmel gilt, so hätte keiner das Recht, Seine Vollmacht anzuzweifeln. Dies hat der Punkt des Bayán in all dem bezeugt, was in Wahrheit auf Ihn herniederkam auf Geheiß Gottes, der das Morgenlicht anbrechen ließ.

¹ Worte des Báb in Bezug auf »Den, Den Gott offenbaren wird«.

Das dritte Tajalli

betrifft Künste, Gewerbe und Wissenschaften. Wissen gleicht den Flügeln für des Menschen Leben, einer Leiter für seinen Aufstieg. Es ist jedermanns Pflicht, sich Wissen zu erwerben. Jedoch sollten solche Wissenschaften studiert werden, die den Völkern auf Erden nützen, nicht solche, die mit Worten beginnen und mit Worten enden. Viel verdanken fürwahr die Völker der Welt den Wissenschaftlern und den Handwerkern. Dies bezeugt das Mutterbuch am Tage Seiner Wiederkehr. Glücklich ist, wer hörende Ohren besitzt. In der Tat, Wissen ist ein wahrer Schatz für den Menschen, eine Quelle des Ruhmes, der Großmut, der Freude, der Erhabenheit, des Frohsinns und der Heiterkeit. Also spricht die Zunge der Größe in diesem Größten Gefängnis.

Das vierte Tajalli

bezieht sich auf Gottheit, Göttlichkeit und dergleichen. Wollte ein Mensch von Einsicht seinen Blick auf den gesegneten, offenbaren Lotosbaum und seine Früchte lenken, so würde er dadurch so bereichert, daß er von allem anderen unabhängig wäre und seinen Glauben an alles bekennte, was der Sprecher des Sinai auf dem Thron der Offenbarung geäußert hat.

O 'Alí Akbar! Mache das Volk mit den heiligen Versen deines Herrn vertraut und gib ihnen Seinen geraden Pfad, Seine mächtige Verkündigung bekannt.

Sprich : O Volk, wenn ihr redlich und gerecht urteilt, werdet ihr die Wahrheit all dessen bezeugen, was aus der Erhabensten Feder geströmt ist. So ihr zum Volk des Bayán gehört, wird euch der Persische Bayán rechtleiten und sich euch als genügendes Zeugnis erweisen, und so ihr vom Volke des Qur'án seid, denket nach über die Offenbarung vom Sinai und über die Stimme aus dem Busch, die zum Sohne Imráns¹ kam.

¹ Moses

Gütiger Gott! Es war beabsichtigt, daß zur Zeit der Offenbarung des einen wahren Gottes die Fähigkeit, Ihn zu erkennen, entwickelt und gereift sei, ja, daß sie ihren Höhepunkt erreiche. Nunmehr ist jedoch klar erwiesen, daß bei den Zweiflern diese Fähigkeit unentwickelt blieb und fürwahr verkümmert ist.

O 'Alí! Was sie vom Busch annahmen, das weigern sie sich jetzt, von Ihm anzunehmen, der der Weltenbaum des Daseins ist. Sprich: O Volk des Bayán, redet nicht, was euch Leidenschaft und selbstische Begierde zu reden eingeben. Die meisten Völker der Welt bezeugen die Wahrheit des gesegneten Wortes, das aus dem Busch gekommen ist.

Bei der Gerechtigkeit Gottes! Wäre es nicht um der Hymne des Lobpreises willen, die der Herold göttlicher Offenbarung angestimmt hat, dieser Unterdrückte hätte nie ein Wort geäußert, das den Unwissenden Schrecken ins Herz jagt und sie verderben läßt. Am Anfang des Bayán¹ verweilt der Báb ausführlich bei der Verherrlichung Dessen, Den Gott offenbaren wird - erhaben ist Seine Manifestation - und spricht: »Er ist Der, Welcher in jeder Lage verkünden wird: `Wahrlich, wahrlich, Ich bin Gott, es gibt keinen Gott außer Mir, dem Herrn über alles Erschaffene. Alle anderen außer Mir sind fürwahr Meine Geschöpfe. O Meine Geschöpfe! Mich allein betet ihr an.`« Desgleichen preist Er bei anderer Gelegenheit den Namen Dessen, Der offenbart werden wird, und sagt: »Ich wäre der erste, der Ihn anbetet.« Nun sollte man über die Bedeutung des »Anbetenden« und des »Angebeteten« nachsinnen, damit das Volk der Erde eines Tautropfens aus dem Meere göttlichen Wissens teilhaftig und befähigt werde, die Größe dieser Offenbarung wahrzunehmen. Wahrlich, Er ist erschienen und hat Seine Zunge gelöst, die Wahrheit zu verkünden. Wohl dem, der die Wahrheit erkennt und anerkennt, und wehe dem, der eigensinnig trotzt.

¹ Persischer Bayán 1

O ihr Geschlechter der Erde! Neigt euer Ohr der Stimme aus dem göttlichen Lotosbaum, der die Welt überschattet, und zählt nicht zum Volk der Tyrannei auf Erden, zu den Menschen, welche die Manifestation Gottes und Seine unüberwindliche Allgewalt verwerfen und Seine Gunstbeweise von sich weisen. Sie rechnen fürwahr zu den Verworfenen im Buche Gottes, des Herrn der ganzen Menschheit.

Die Herrlichkeit, welche am Horizont Meiner Gunst und Gnade angebrochen ist, sei mit dir und allen, die bei dir sind und deinen Worten über die Sache Gottes, des Allmächtigen, des Allgepriesenen, Gehör schenken.

KALIMÁT-I-FIRDAWSÍYYIH (Worte des Paradieses) BH00111

Er ist es, der durch die Macht der Wahrheit im Reiche der der Äußerung spricht.

O ihr Verkörperungen der Gerechtigkeit und Unparteilichkeit, ihr Offenbarungen der Aufrichtigkeit und der himmlischen Gaben! Unter Tränen klagend, ruft dieser Unterdrückte laut und spricht: O Gott, mein Gott! Schmücke die Häupter Deiner Geliebten mit der Krone der Loslösung und kleide ihre Tempel mit dem Gewande der Rechtschaffenheit.

Es geziemt dem Volke Bahás, durch die Macht seiner Rede dem Herrn zum Siege zu verhelfen und die Menschen durch edle Taten und guten Charakter zu ermahnen, zumal Taten größeren Einfluß üben als Worte.

O Haydar 'Alí!¹ Mit dir seien der Lobpreis Gottes und Seine Herrlichkeit. Sprich: Ehrlichkeit, Tugend, Weisheit und ein heiliger Charakter gereichen dem Menschen zur Ehre, während ihn Unredlichkeit, Schwindel, Unwissenheit und Heuchelei in Erniedrigung stürzen.

¹ Hájí Mírzá Haydar-'Alí war ein hervorragender persischer Bahá'í-Lehrer und -Schriftsteller. Er verbrachte neun Jahre in Kharjúm als Gefangener und verbannter, machte ausgedehnte Reisen durch den Irán und starb 1920 im Heiligen Land. Abendländische Pilger kennen ihn als den Engel vom Berg Karmel. Seine Autobiographie (Bihjatu's-Sudúr, Bombay 1913) wurde von A. Q. Faizi gekürzt in englischer Sprache herausgegeben unter dem Titel: Stories from the Delight of Hearts, Los Angeles 1980.

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Bei Meinem Leben! Nicht im Schmuck und Reichtum liegt des Menschen Adel, sondern in tugendsamem Verhalten und wahrem Verständnis. Das Volk Persiens ist zumeist in Trug und leeren Wahn verstrickt. Wie unermeßlich ist der Unterschied zwischen dem Zustand dieser Menschen und der Stufe jener tapferen Seelen, die das Meer der Namen überquert und ihre Zelte an den Seegestaden der Loslösung aufgeschlagen haben. Fürwahr, nur wenige Zeitgenossen haben den Vorzug erworben, auf das Gurren der Tauben des allhöchsten Paradieses zu lauschen. »Nur wenige Meiner Diener sind wahrhaft dankbar.«¹ Die meisten Menschen finden Gefallen an ihrem Aberglauben. Einen einzigen Tropfen aus der See des Wahns halten sie für köstlicher als ein Meer an Gewißheit. Sie halten sich krampfhaft an Namen und berauben sich dadurch der inneren Wirklichkeit; sie klammern sich an leeren Trug und bleiben so dem Morgenlicht himmlischer Zeichen fern. Gebe Gott, daß dir in jeder Lage gnädiglich geholfen werde, die Götzen des Aberglaubens zu zerschlagen und die Schleier menschlichen Wahns zu zerreißen. Alle Gewalt liegt in der Hand Gottes, des Urquells der Offenbarung und Eingebung, des Herrn am Tage der Auferstehung.

¹ Qur'án 343

Wir hörten, was die fragliche Person über gewisse Glaubenslehrer äußerte. In der Tat hat sie wahr gesprochen. Manche achtlosen Seelen ziehen im Namen Gottes durch die Lande, emsig bemüht, Seine Sache zugrunde zu richten, und nennen das Förderung und Lehre des Wortes Gottes, obwohl die Erfordernisse für die Lehrer des Glaubens strahlend wie Sterne von den Himmeln der göttlichen Sendschreiben herniederscheinen. Jeder Redlichgesinnte bezeugt und jeder Einsichtige weiß, daß der eine wahre Gott - gepriesen sei Seine Herrlichkeit - ohne Unterlaß das darlegt und entwickelt, was die Menschenkinder in ihrem Rang erhöht und in ihrer Stufe hebt.

Das Volk Bahás brennt hell wie eine Kerze inmitten der Versammlungen und hält sich an das, was Gott zum Ziel gesetzt hat. Hoch erhebt sich diese Stufe über alle anderen Stufen. Wohl dem, der von sich wirft, was die Weltmenschen besitzen, aus Sehnsucht nach dem, was Gottes ist, des einzigen Herrn der Ewigkeit.

Sprich : O Gott, mein Gott! Du siehst, wie ich Deinen Willen umkreise, die Augen auf den Morgenhimmel Deiner Großmut gerichtet, im heftigen Verlangen nach dem Strahlenglanz der Sonne Deiner Gunst und Gnade. Ich bitte Dich, o Du Geliebter jedes verstehenden Herzens, Du Sehnsucht derer, die nahen Zugang zu Dir haben, gewähre, daß sich Deine Geliebten völlig loslösen von ihren eigenen Neigungen und sich fest an das halten, was Dir wohlgefällt. Kleide sie, o Herr, in das Gewand der Rechtschaffenheit und erleuchte sie mit dem strahlenden Lichte der Loslösung. Rufe sodann die Heerscharen weiser Rede zu ihrer Hilfe, auf daß sie Dein Wort unter Deinen Geschöpfen erhöhen und Deine Sache vor Deinen Dienern verkünden. Wahrlich, Du bist mächtig zu tun, was Du willst, und in Deinem Griff liegen die Zügel allen Geschehens. Kein Gott ist außer Dir, dem Mächtigen, dem Ewigvergebenden.

O du, der du den Blick auf Mein Antlitz richtest! In diesen Tagen ist eingetreten, was Mich in tiefen Gram gestürzt hat. Missetäter, die der Sache Gottes Treue bekunden, haben begangen, was der Aufrichtigkeit, der Ehrlichkeit, der Gerechtigkeit und der Billigkeit die Glieder zittern ließ. Eine bekannte Person, der höchste Freundlichkeit und Gunst bezeigt worden war, hat Taten verübt, die selbst Gott Tränen in die Augen trieben. Ehedem äußerten Wir Worte der Warnung und der Vorahnung; dann hielten Wir die Sache eine Reihe von Jahren geheim, damit er sich in acht nehme und bereue. Aber alles war vergeblich. Schließlich sammelte er seine ganze Kraft, um die Sache Gottes vor den Augen aller Menschen herabzusetzen. Er zerriß die Schleier der Redlichkeit und empfand Mitleid weder mit sich selbst noch mit dem Glauben Gottes. Jetzt aber haben die Taten gewisser Menschen weit schwereres Leid gebracht, als die Taten dieses einen je bewirkt hatten. Flehe du zu Gott, dem Wahren, Er möge die Achtlosen gnädiglich zum Widerruf und zur Reue befähigen. Wahrlich, Er ist der Vergebende, der Gabenreiche, der Großmütige.

Heutzutage hat jeder die Pflicht, beharrlich Einheit und Eintracht zu wahren und fleißig für die Förderung der Sache Gottes zu wirken, damit die eigensinnigen Seelen erreichen, was ihnen dauerhafte Wohlfahrt bringt.

Kurz, Meinungsverschiedenheiten zwischen Sekten führen zu Schwäche. Jede Sekte hat sich einen eigenen Weg ausgesucht und hält sich an ein bestimmtes Seil. Trotz offenkundiger Blindheit und Unwissenheit brüsten sie sich mit ihrer Einsicht und Erkenntnis. Unter ihnen sind Mystiker, die sich zum Glauben des Islám bekennen, von denen aber manche sich herausnehmen, was zu Müßiggang und Absonderung führt. Ich schwöre bei Gott! Dies erniedrigt die Stufe des Menschen und bläht ihn mit Stolz auf. Der Mensch muß Frucht tragen. Wer keine Frucht bringt, gleicht nach den Worten des Geistes¹ einem unfruchtbaren Baum, und ein unfruchtbarer Baum taugt nur für das Feuer.²

¹ Jesus ² vgl. Matth. 79-23

Was die vorerwähnten Personen über die Stufen der göttlichen Einheit behaupten, wird in erheblichem Umfang zu Müßiggang und leerem Wahn führen. Diese sterblichen Menschen schieben offensichtlich die Stufenunterschiede beiseite und betrachten sich selbst als Gott, wo doch Gott unermeßlich erhaben über alle Dinge ist. Jedes erschaffene Wesen offenbart zwar Gottes Zeichen; diese sind indessen nur von Ihm, nicht Er selbst. Alle Zeichen spiegeln sich im Buche des Seins und sind dort sichtbar. Die Schriftrollen, welche den Bauplan des Alls aufzeichnen, sind fürwahr ein machtvolles Buch. Jeder Einsichtige kann daraus entnehmen, was ihn auf den Geraden Pfad führt und ihn befähigt, zur Großen Verkündigung zu gelangen. Betrachte die Strahlen der Sonne, deren Licht die Welt umfängt. Diese Strahlen gehen von der Sonne aus und offenbaren deren Wesen, aber sie sind nicht die Sonne selbst. Alles, was auf Erden wahrgenommen werden kann, beweist zur Genüge die Macht Gottes, Sein Wissen und die Ausgießungen Seiner Großmut, während Er selbst unermeßlich erhaben über alle Geschöpfe ist.

Christus sagt: »Den Kindern hast Du gewährt, was den Gelehrten und Weisen versagt ist.«¹ Der Weise von Sabzivár² sagte: »Ach! Es fehlt an offenen Ohren; sonst wäre das Rascheln des Busches vom Sinai aus jedem Baum zu hören.« In einem Sendbrief an einen Gelehrten, der über die Bedeutung der Ersten Wirklichkeit anfragte, wandten Wir Uns an jenen berühmten Weisen mit den Worten: »Wenn dieser Ausspruch wirklich von dir stammt, wie kommt es dann, daß du versäumtest, auf den Ruf zu hören, den der Baum des Menschen auf den höchsten Höhen der Welt erhoben hat? So du den Ruf gehört hast, aber die Furcht und das Verlangen, dein Leben zu bewahren, dich antrieben, seiner nicht zu achten, gehörst du zu denen, die nie der Erwähnung wert waren, und wenn du den Ruf nicht gehört hast, bist du des Gehörsinns beraubt.« Kurz gesagt, dies sind Menschen, deren Worte der Stolz aller Welt und deren Taten die Schmach der Völker sind.

¹ vgl. Matth. 115

² Hájí Mullá Hádí Sabzivárí, ein bekannter persischer Philosoph und Dichter, Zeitgenosse Bahá'u'lláhs. Er starb 1873.

Wahrlich! Wir haben in die Posaune gestoßen, die nichts anderes als Meine Feder der Herrlichkeit ist, und siehe, die Menschheit ist vor ihr in Ohnmacht gesunken, ausgenommen die, welche Gott zu erlösen geruht als Zeichen Seiner Gnade. Er ist der Herr der Großmut, der Altehrwürdige der Tage.

Sprich: O Schar der Geistlichen! Fällt ihr euer Urteil gegen diese Feder, bei deren erstem Strich das Reich der Rede sich zu lauschen anschickte, vor deren mächtiger, allherrlicher Aussage jede andere Aussage zur Bedeutungslosigkeit verblaßte? Fürchtet Gott und folgt nicht euren eitlen Trugbildern und verderbten Einbildungen; folgt vielmehr Ihm, Der zu euch gekommen ist, belehnt mit unbestreitbarer Erkenntnis und unerschütterlicher Gewißheit.

Verherrlicht sei Gott! Des Menschen Schatz ist seine Rede; doch dieser Unterdrückte hat Seine Zunge gehütet, weil die Zweifler auf der Lauer liegen. Aber Schutz wird gewährt von Gott, dem Herrn aller Welten. Wahrlich, auf Ihn setzen Wir Unser Vertrauen, und Ihm befehlen Wir alle Angelegenheiten an. Allgenügend ist Er für Uns und für alles Erschaffene. Mit Seiner Erlaubnis und durch die Macht Seines Befehls leuchtet die Sonne der Allmacht strahlend vom Horizont der Welt. Wohl dem, der die Wahrheit erkennt und anerkennt, und wehe dem trotzigen Zweifler!

Dieser Unterdrückte hat allzeit die Weisen mit Zuneigung behandelt. Mit den Weisen sind Menschen gemeint, deren Erkenntnis nicht auf bloße Worte beschränkt ist, die in ihrem Leben Früchte tragen und bleibende Ergebnisse zeitigen. Es ist jedermanns Pflicht, solche gesegneten Seelen zu ehren. Glücklich ist, wer Gottes Gebote hält; glücklich, wer die Wahrheit erkennt; glücklich, wer in allen Dingen redlich urteilt und sich fest an das Seil Meiner unverbrüchlichen Gerechtigkeit klammert.

Das Volk Persiens hat sich von Ihm, dem Helfer und Beschützer, abgekehrt. Sie klammern sich an der Toren leeren Wahn und haben sich darin verstrickt. So fest krallen sie sich an Aberglauben, daß nur der starke Arm Gottes - erhaben ist Seine Herrlichkeit - sie davon trennen kann. Flehe du zum Allmächtigen, Er möge mit den Fingern göttlicher Macht die Schleier entfernen, welche die verschiedenen Völker und Geschlechter von Ihm ausschließen, damit sie erlangen, was Sicherheit, Fortschritt und Entwicklung bewirkt, und zu ihrem unvergleichlichen Freunde hineilen.

Das Wort Gottes, das die Feder Abhá offenbarte und auf dem

ersten Blatt

des Erhabensten Paradieses niederschrieb, ist: Wahrlich, Ich sage: Die Gottesfurcht war von jeher ein sicherer Schutz und eine feste Burg für alle Völker der Welt. Sie ist die Hauptursache für den Schutz der Menschheit und das vortrefflichste Mittel ihrer Erhaltung. Es gibt eine Kraft im Menschen, die ihn beschützt und bewahrt vor dem, was unwürdig und unpassend ist; sie ist bekannt als sein Schamgefühl. Aber nur wenigen ist es beschieden; keineswegs besaßen oder besitzen es alle.

Das Wort Gottes, das die Erhabenste Feder auf dem

zweiten Blatt

des Höchsten Paradieses verzeichnete, ist: Die Feder des Höchsten ermahnt in diesem Augenblick die Offenbarungen der Obrigkeit und die Quellen der Macht, nämlich die Könige, die Fürsten, die Staatsoberhäupter, die Herrscher, die Geistlichen und die Gelehrten, und befiehlt ihnen, die Sache der Religion zu verfechten und ihr anzuhangen. Religion ist wahrlich das vortrefflichste Mittel zur Errichtung der Ordnung in der Welt und für die Ruhe ihrer Völker. Die Schwäche der Pfeiler der Religion hat die Toren gestärkt und sie dreist und noch anmaßender gemacht. Wahrlich, Ich sage: Je schlimmer die Religion verfällt, desto widerspenstiger werden die Gottlosen. Dies kann letztlich nur in Chaos und Gesetzlosigkeit enden. Hört auf Mich, o ihr Einsichtsvollen, und seid gewarnt, o ihr, die ihr Unterscheidungsvermögen besitzet!

Das Wort Gottes, das die Erhabenste Feder auf dem

dritten Blatt

des Höchsten Paradieses verzeichnete, lautet: O Sohn des Menschen! Wenn du auf Barmherzigkeit siehst, dann gib auf, was dir Nutzen bringt, und halte dich an das, was der Menschheit nützt. Und wenn du auf Gerechtigkeit siehst, dann wähle für deinen Nächsten, was du für dich selbst wählst. Demut erhebt den Menschen zum Himmel des Ruhmes und der Macht, Stolz dagegen erniedrigt ihn zu Schmach und Schande.

O Volk Gottes! Groß ist dieser Tag und mächtig der Ruf! In einem Unserer Sendschreiben haben Wir diese erhabenen Worte offenbart: »Wenn die Welt des Geistes ganz auf den Gehörsinn übertragen wäre, könnte dieser beanspruchen, würdig zu sein, auf die Stimme, die vom Höchsten Horizonte aus ruft, zu lauschen; denn anders sind diese Ohren, durch Lügen besudelt, niemals aufnahmefähig.« Wohl denen, die hören, und wehe den Achtlosen!

Das Wort Gottes, das die Erhabenste Feder auf dem

vierten Blatt

des Höchsten Paradieses verzeichnete, ist das folgende: O Volk Gottes! Flehet zu Gott, dem Wahren - verherrlicht sei Sein Name -, daß Er die Offenbarungen der Macht und Herrschaft gnädig vor den Einflüsterungen selbstischer Begierden beschirme und den Strahlenglanz der Gerechtigkeit und der Führung auf sie ergieße.

Trotz seines hohen Ranges verübte Seine Majestät Muhammad Sháh zwei abscheuliche Taten. Die eine war der Befehl, den Herrn im Reiche der Gnade und Großmut, den Ersten Punkt, zu verbannen; die andere der Mord am Fürsten über die Stadt der Staatskunst und der literarischen Vollendung.¹

¹ Mírzá Abu'l-Qásim Faráhání Qá'im Maqám, ein geachteter Dichter und Gelehrter in der Regierungszeit von Fath-'Alí Sháh, war ein Freund von Mírzá Buzurg, dem Vater Bahá'u'lláhs. Qá'im Maqám wurde 1821 persischer Ministerpräsident; aber 1835 ließ ihn Muhammad Sháh auf Betreiben von Hájí Mírzá Áqásí töten.

Groß wie der Könige Vorzüge können ihre Fehler sein. Ein König, den die Hoffart der Macht und Gewalt nicht davon ablenkt, Gerechtigkeit zu wahren, und der sich nicht durch Luxus, Schätze, Ruhm oder das Gepränge von Heerscharen des Sonnenglanzes der Redlichkeit beraubt, wird einen hohen Rang und eine erhabene Stufe unter den himmlischen Heerscharen einnehmen. Jeder hat die Pflicht, einer derart edlen Seele Hilfe angedeihen zu lassen und ihr Freundlichkeit zu bezeigen. Wohl dem König, der seine Leidenschaft am kurzen Zügel hält, seinen Zorn bezähmt und gerechtem Augenmaß den Vorzug gibt vor Unrecht und Tyrannei.

Das Wort Gottes, das die Erhabenste Feder auf dem

fünften Blatt

des Höchsten Paradieses verzeichnete, besagt: Vor allem anderen ist die größte Gabe und der wunderbarste Segen seit jeher und in aller Zukunft die Weisheit. Sie ist des Menschen unfehlbare Beschützerin. Sie hilft ihm und stärkt ihn. Die Weisheit ist Gottes Botin; sie enthüllt Seinen Namen, der Allwissende. Durch sie wird des Menschen Stufe in ihrer Erhabenheit offenbar und augenscheinlich. Sie ist allwissend und die vornehmste Lehrerin in der Schule des Seins. Die Führerin ist sie, mit hehrer Würde bekleidet. Ihr erzieherischer Einfluß hat irdische Wesen mit perlengleichem Geist erfüllt, der alle Himmel überstrahlt. In der Stadt der Gerechtigkeit ist sie unangefochten die Sprecherin, die im Jahre neun¹ die Welt mit der frohen Botschaft dieser Offenbarung erleuchtete. Und es war diese unvergleichliche Quelle der Weisheit, die zu Anbeginn der Welt die Stufen innerer Bedeutung erklomm, und als sie auf der Kanzel der Rede thronte, sprach sie durch das Wirken des göttlichen Willens zwei Worte. Das erste kündete die Verheißung des Lohnes, das zweite grollte unheilvoll die Warnung vor Strafe. Die Verheißung brachte Hoffnung hervor, die Warnung zeugte Furcht. So ward der Weltordnung auf diesen beiden Sätzen ein fester Grund gelegt. Erhaben ist der Herr der Weisheit, der Besitzer großer Gabenfülle.

¹ 1852/3 n. Chr.

Das Wort Gottes, das die Erhabenste Feder auf dem

sechsten Blatt

des Höchsten Paradieses verzeichnete, ist dieses: Der Menschen Licht ist die Gerechtigkeit. Löscht es nicht durch die Stürme der Unterdrückung und der Tyrannei. Der Zweck der Gerechtigkeit ist das Zustandekommen von Einheit unter den Menschen. Das Meer göttlicher Weisheit wogt in diesem erhabenen Wort, und alle Bücher der Welt können seine innere Bedeutung nicht fassen. Würde die Menschheit mit diesem Gewande geschmückt, sie würde die Sonne des Spruches »An jenem Tage wird Gott alle aus Seiner Fülle befriedigen«¹ hell am Horizont der Welt strahlen sehen. Schätzet den Wert dieses Spruches; er ist eine edle Frucht, die der Baum der Allherrlichen Feder gezeitigt hat. Glücklich der Mensch, der ihm sein Ohr leiht und sein Gebot befolgt. Wahrlich, Ich sage: Alles, was vom Himmel des göttlichen Willens herniederkommt, ist Mittel für Errichtung von Ordnung in der Welt und fördert Einheit und Freundschaft zwischen ihren Völkern. So spricht die Zunge dieses Unterdrückten aus Seinem Größten Gefängnis.

¹ vgl Qur'án 430

Das Wort Gottes, das die Erhabenste Feder auf dem

siebenten Blatt

des Höchsten Paradieses verzeichnete, ist: O ihr Weisen unter den Nationen! Schließt eure Augen vor Entfremdung; sodann richtet euren Blick auf die Einheit. Haltet euch beharrlich an das, was der ganzen Menschheit Wohlfahrt und Ruhe bringt. Diese Handbreit Erde ist nur eine Heimat und eine Wohnstatt. Euch geziemt es, alle Hoffart aufzugeben, weil sie Entfremdung schafft, und eure Herzen auf das zu richten, was Eintracht stiftet. Nach dem Urteil des Volkes Bahás liegt des Menschen Ruhm in seiner Erkenntnis, seinem aufrechten Verhalten, seinem lobenswerten Charakter und seiner Weisheit, nicht in Rang und Volkszugehörigkeit. O Volk auf Erden! Achtet den Wert dieses himmlischen Wortes. Fürwahr, es gleicht einem Schiff für das Meer der Erkenntnis, einem strahlenden Licht für das Reich der Wahrnehmung.

Das Wort Gottes, das die Erhabenste Feder auf dem

achten Blatt

des Höchsten Paradieses verzeichnete, lautet: Schulen müssen die Kinder zuerst in den Grundsätzen der Religion erziehen, so daß Verheißung und Drohung, wie sie in den Büchern Gottes geschrieben stehen, die Kinder von Verbotenem abhalten und mit dem Mantel der Gebote schmücken; aber dies muß in solchem Maß geschehen, daß es die Kinder nicht durch Abgleiten in eifernde, bigotte Unwissenheit schädigt.

Die Vertrauensleute des Hauses der Gerechtigkeit haben über jene Dinge zu beraten, die nicht ausdrücklich im Buche offenbart sind, und zu vollziehen, was sie für gut halten. Gott wird ihnen wahrlich eingeben, was Er will, und Er ist, wahrlich, der Versorger, der Allwissende.

Wir bestimmten bereits, daß die Menschen sich in zwei Sprachen verständigen sollten; aber es müssen Anstrengungen unternommen werden, sie auf eine zu beschränken, ebenso die Schriftarten der Welt, damit die Menschen nicht mit dem Erlernen verschiedener Sprachen ihr Leben verschwenden und vergeuden. So wird schließlich die ganze Erde als eine Stadt und ein Land betrachtet.

Das Wort Gottes das die Erhabenste Feder auf dem

neunten Blatt

des Höchsten Paradieses verzeichnete, ist: In allen Dingen ist Mäßigung wünschenswert. Wird etwas übertrieben, so erweist es sich als Quell des Unheils. Seht auf die Zivilisation des Westens, wie sie die Völker der Welt aufwühlt und beunruhigt. Eine Höllenmaschine wurde ausgeheckt und erweist sich als Waffe der Zerstörung, so grausam, wie man es nie zuvor gesehen oder gehört hat. Reinigung von dieser tiefverwurzelten, alles überflutenden Verderbnis ist nur möglich, wenn sich die Völker der Welt im Verfolg eines gemeinsamen Zieles vereinen und einen allumfassenden Glauben annehmen. Neigt euer Ohr dem Ruf dieses Unterdrückten und haltet euch fest an den Geringeren Frieden!

Seltsame, verblüffende Dinge gibt es in der Erde; aber sie sind dem Geist und Verständnis der Menschen verborgen. Diese Dinge sind imstande, die ganze Erdatmosphäre zu verwandeln, und eine Verseuchung mit ihnen wäre tödlich. Großer Gott! Wir haben etwas Wunderbares gesehen. Der Blitz oder eine ähnliche Kraft wird von einem Menschen, der eine Maschine bedient, gesteuert und bewegt sich nach seinem Befehl. Unermeßlich erhaben ist der Herr der Macht, der offenlegt, was Er durch die Kraft Seines gewichtigen, Seines unüberwindlichen Geheißes beabsichtigt.

O Volk Bahás! Jedes einzelne Gebot, das Wir offenbarten, ist eine feste Burg für die Welt des Daseins und ihren Schutz. Wahrlich, dieser Unterdrückte wünscht nur eure Sicherheit und eure Würde.

Wir ermahnen die Mitglieder des Hauses der Gerechtigkeit und befehlen ihnen, für Schutz und Sicherheit der Männer, Frauen und Kinder zu sorgen. Es ist ihre Pflicht, allzeit und in jeder Lage den Interessen des Volkes höchste Beachtung zu schenken. Selig ist der Herrscher, der dem Gefangenen beisteht, und der Reiche, der für den Armen sorgt, und der Gerechte, der vor dem Frevler die Rechte der Unterdrückten wahrt, und glücklich ist der Treuhänder, der befolgt, was ihm der Gesetzgeber, der Altehrwürdige der Tage, vorgeschrieben hat.

O Haydar Ali! Meine Herrlichkeit und Mein Lobpreis seien mit dir. Meine Ratschläge und Ermahnungen haben die Welt umfangen. Aber anstatt Frohsinn und Freude zu vermitteln, bewirken sie Schmerzen, weil manche unter denen, die Liebe zu Mir bekunden, hochmütig geworden sind und Mir Leiden zufügen, wie sie weder die Anhänger früherer Religionen noch die Geistlichen Persiens Mir je zugefügt haben.

Wir haben gesagt: »Meine Gefangenschaft grämt Mich nicht, noch bedrückt Mich, was Mir die Hände Meiner Feinde zufügen. Was Mich härmt, ist das Verhalten Meiner Geliebten, die zwar Meinen Namen tragen, aber Taten begehen, die Mein Herz und Meine Feder zum Klagen bringen.« Solche Worte wurden immer wieder offenbart, doch die Achtlosen versäumten, daraus Nutzen zu ziehen, denn sie sind in ihren üblen Leidenschaften und verderbten Begierden gefangen. Flehe du zum einen wahren Gott, Er möge sie befähigen, Reue zu üben und zu Ihm zurückzukehren. Solange sich der Mensch seinen Trieben und Leidenschaften hingibt, werden Sünden und Verbrechen vorherrschen. Wir hegen die Hoffnung, daß die Hand göttlicher Macht und die Ströme himmlischer Gnadengaben alle Menschen stärken, sie mit dem Gewande des Verzeihens und der Großmut schmücken und sie vor allem bewahren, was Seiner Sache unter Seinen Dienern schadet. Er ist in Wahrheit der Kraftvolle, der Allmächtige, und Er ist der Immervergebende, der Barmherzige.

Das Wort Gottes, das die Erhabenste Feder auf dem

zehnten Blatt

des Höchsten Paradieses verzeichnete, ist: O Volk der Erde! Einsiedelei und Askese sind in Gottes Gegenwart nicht annehmbar. Den Einsichtigen und Verständigen frommt die Beobachtung dessen, was strahlende Freude bewirkt. Bräuche, aus eitlem Wahn gezeugt oder aus dem Schoß des Aberglaubens geboren, stehen dem Wissenden übel an. Früher und in neuerer Zeit hausten manche Menschen in Bergeshöhlen, andere zogen sich des Nachts auf Friedhöfe zurück. Sprich: Höret auf den Rat dieses Unterdrückten. Laßt, was unter euch im Schwange ist, und übernehmt, was euch der getreue Ratgeber gebietet. Beraubt euch nicht selbst der Wohltaten, die um euretwillen erschaffen sind.

Barmherzige Werke sind in den Augen Gottes wohlgefällig und des Lobes würdig; sie sind als ein Fürst aller edlen Taten anzusehen. Bedenket und erinnert euch, was der Allbarmherzige im Qur'án offenbart hat: »Sie ziehen jene sich selber vor, auch wenn Armut ihr eigenes Schicksal ist. Gut wird es um die bestellt sein, die vor ihrer eigenen Habsucht bewahrt sind.«¹ In diesem Lichte betrachtet, ist das obenstehende gesegnete Wort fürwahr die Sonne aller Worte. Selig ist, wer seinen Bruder sich selbst vorzieht. Wahrlich, ein solcher Mensch wird kraft des Willens Gottes, des Allwissenden, des Allweisen, zum Volke Bahás gezählt, das in der Roten Arche wohnt.

¹ Qur'án 59

Das Wort Gottes das die Erhabenste Feder auf dem

elften Blatt

des Höchsten Paradieses verzeichnete, lautet: Wir gebieten den Wahrzeichen Seiner Namen und Eigenschaften, hinfort fest bei dem zu bleiben, was in dieser Größten Offenbarung dargelegt ist, keinen Streit zu verursachen und bis zum Ende, das kein Ende kennt, ihre Augen auf das Morgenlicht der in diesem Sendbrief verzeichneten strahlenden Worte gerichtet zu halten. Streit führt zu Blutvergießen und schafft Aufruhr im Volke. Hört auf die Stimme dieses Unterdrückten und geht nicht davon ab.

Wollte jemand im Herzen darüber nachdenken, was in dieser Offenbarung aus der Feder der Herrlichkeit strömt, er wäre versichert, daß dieser Unterdrückte mit allem, was Er erklärte und bestätigte, sich niemals selbst Rang und Namen verschaffen wollte. Sein Ziel ist vielmehr, durch hehre Worte die Seelen zum Gipfel überragender Herrlichkeit hinzuziehen und ihren Blick für das zu schärfen, was die Völker der Welt vom Hader und Zwist um religiöse Unterschiede läutert und reinigt. Dies bezeugen Mein Herz, Meine Feder, Mein inneres und äußeres Wesen. Gebe Gott, daß sich alle Menschen den Schätzen zuwenden, die in ihrem eigenen Wesen verborgen ruhen.

O Volk Bahás! Die Quelle für Handwerk, Kunst und Wissenschaft ist die Macht des Gedankens. Gebt euch alle Mühe, daß aus dem Bergwerk eures Geistes solche Edelsteine der Weisheit und der Rede aufleuchten, die bei allen Geschlechtern auf Erden Wohlfahrt und Eintracht fördern.

In jeder Lage, in Glück und Not, ob geehrt oder leidgeprüft, befiehlt dieser Unterdrückte allen Menschen, einander Liebe, Zuneigung, Mitleid und Eintracht zu bezeigen. Doch wann immer das geringste Zeichen des Fortschritts und der Entwicklung sichtbar ward, stürzten die hinter den Schleiern verborgenen hervor und äußerten Verleumdungen, die schlimmere Wunden schlugen als das Schwert. Sie halten sich an irreführende, verwerfliche Worte und bleiben des Weltmeeres der göttlich offenbarten Verse beraubt.

Ohne diese undurchlässigen Schleier wäre Persien innerhalb von etwa zwei Jahren durch die Macht der Rede unterworfen worden, Regierung und Volk wären erhöht, das Höchste Ziel wäre unverhüllt und unverschleiert in der Fülle seiner Herrlichkeit erschienen. Kurz, Wir haben alles gesagt, was zu sagen war - manchmal in deutlicher Sprache, manchmal in Andeutungen. Wäre Persien erst wieder erweckt, so wehten die süßen Düfte des Wortes Gottes über alle Länder dahin, führt doch das, was der Erhabensten Feder entströmt, bei allen Völkern und Geschlechtern auf Erden zu ruhmreicher Entwicklung und Erziehung. Es ist fürwahr das wirksamste Heilmittel für jede Krankheit, könnten sie es nur begreifen und verstehen.

Kürzlich gelangten die Afnán und Amín - mit ihnen seien Meine Herrlichkeit und Meine Gnade - in Unsere Gegenwart, und sie schauten Unser Antlitz; desgleichen sind Nabíl, der Sohn Nabíls und der Sohn Samandars - mit ihnen seien die Herrlichkeit Gottes und Seine Gnade - anwesend und haben den Kelch der Wiedervereinigung geleert. Wir flehen zu Gott, daß Er das Gute dieser und der nächsten Welt gnädiglich für sie verordne und daß die Ausgießungen Seiner Segnungen und Gnadengaben aus dem Himmel Seiner Großmut und aus den Wolken Seines sanften Erbarmens auf sie herniederkommen. Wahrlich, von allen, die Barmherzigkeit zeigen, ist Er der Barmherzigste, und Er ist der Gnädige, der Wohltätige.

O Haydar Alí! Dein anderer Brief, den du durch ihn sandtest, der den Titel Júd¹ trägt, hat Unseren heiligen Hof erreicht. Gepriesen sei Gott! Er war geschmückt mit dem Lichte göttlicher Einheit und Loslösung, entflammt vom Feuer der Liebe und Zuneigung. Bete zu Gott, Er möge den Augen scharfe Sicht verleihen und sie mit neuem Licht erleuchten, damit sie erkennen, was einzig und unvergleichlich ist.

¹ Muhammad Javád-i-Qazvíní, dem Bahá'u'lláh den Ehrennamen Ismu'lláhi'l-Júd (der Name Gottes, Großmut) beilegte, schrieb während Bahá'u'lláhs Amtszeit viele Sendschreiben von Ihm ab, brach aber später das Bündnis (siehe Shoghi Effendi, Gott geht vorüber, p.281, p.364)

Heute strahlen die Verse des Mutterbuches unverkennbar wie die Sonne. Keineswegs können sie mit Reden aus vergangener oder neuerer Zeit verwechselt werden. Fürwahr, dieser Unterdrückte wünscht nicht, Seine eigene Sache mit Beweisen darzustellen, die andere erbringen. Er ist es, der alles andere umfaßt, während alles andere außer Ihm umgrenzt ist. Sprich: O Volk, leset, was euch geläufig ist, und Wir werden lesen, was Uns zugehört. Ich schwöre bei Gott! Weder die Völker der Welt mit ihrem Lobpreis noch die Geschlechter der Erde mit allem, was sie besitzen, sind der Erwähnung wert vor dem Gedenken Seines Namens. Dies bezeugt Er, der in jeder Lage verkündet: »Wahrlich, Er ist Gott, der unumschränkte Gebieter am Tage der Abrechnung, der Herr des mächtigen Thrones.«

Verherrlicht sei Gott! Man staunt, mit welchem Grund und Vorwand sich die Ungläubigen im Volk des Bayán vom Herrn allen Seins abkehren. In Wirklichkeit überragt die Stufe dieser Offenbarung den Rang all dessen, was in der Vergangenheit offenbart wurde oder in der Zukunft offenbart werden wird.

Wäre der Punkt des Bayán heute zugegen und zögerte Er - Gott bewahre! -, diese Sache anzuerkennen, dann träfen Ihn die höchst gesegneten Worte Seines eigenen Bayán. Er sprach, und Sein Wort ist die Wahrheit: »Rechtmäßig ist es für Ihn, den Gott offenbaren wird, selbst den Größten auf Erden zu verwerfen.« Sprich: O ihr Verständnislosen! Heute verkündet jenes Erhabenste Wesen: »Wahrlich, wahrlich, ich bin der erste, der Ihn anbetet.« Wie seicht ist der Wissensschatz der Menschen, wie schwach ihre Wahrnehmungskraft. Unsere Feder der Herrlichkeit bezeugt ihre elende Armut und den Reichtum Gottes, des Herrn aller Welten.

Gepriesen und verherrlicht ist Er, der die Schöpfung ins Leben rief. Er ist die allüberragende Wahrheit und weiß um das Unsichtbare. Das Mutterbuch ist offenbart, und der Herr der Großmut hat den gesegneten Thron der Herrlichkeit eingenommen. Der Morgen bricht an, doch das Volk versteht es nicht. Die Zeichen sind angekündigt, während Er, der sie enthüllt, von offenbarem Leid übermannt wird. Fürwahr, Ich habe erduldet, was die Welt des Seins zum Weinen bringt.

Sprich: O Yahyá,¹ bringe einen einzigen Vers hervor, so du von Gott eingegebenes Wissen besitzest! Diese Worte sprach ehedem Mein Vorläufer, der zur jetzigen Stunde verkündet: »Wahrlich, wahrlich, ich bin der erste, der Ihn anbetet.« Sei redlich, o Mein Bruder! Kannst du dich äußern, wenn du Auge in Auge dem wogenden Meer Meiner Rede gegenüberstehst? Kannst du deine Zunge lösen, wenn dir Meine Feder mit schriller Stimme zu Ohren kommt? Hast du Macht vor den Offenbarungen Meiner Allmacht? Urteile gerecht, Ich beschwöre dich bei Gott, und rufe dir ins Gedächtnis, wie du vor diesem Unterdrückten standest und Wir dir die Verse Gottes, des Helfers in Gefahr, des Selbstbestehenden, diktierten. Hab acht, daß der Quell der Falschheit dich nicht von der offenbaren Wahrheit abhalte.

¹ Mírzá Yahyá, der ungetreue Halbbruder Bahá'u'lláhs

O du, der du den Blick auf Mein Antlitz richtest! Sprich: O ihr Achtlosen! Einem Tropfen zuliebe habt ihr euch, des Meeres himmlischer Verse beraubt, und um eines bedeutungslosen Atoms willen habt ihr euch vom Strahlenglanz der Sonne der Wahrheit ausgeschlossen. Wer außer Bahá hat die Kraft, laut vor der Menschheit Angesicht zu künden? Urteilt redlich und gehört nicht zu den Ungerechten! Durch Ihn wogen die Meere, die Geheimnisse sind enthüllt, und die Bäume erheben die Stimme und rufen: Die Reiche von Erde und Himmel sind Gottes, des Offenbarers der Zeichen, des Springquells klarer Beweise. Durchforschet den Persischen Bayán, wie ihn Er, der Vorbote dieser Offenbarung, enthüllte, und schaut darauf mit dem Auge der Redlichkeit. Wahrlich, Er wird euch geradewegs auf Seinen Pfad führen. In diesem Augenblick verkündet Er, was Er vormals äußerte, als Er auf dem Throne Seines erhabensten Namens saß.

Du hast die Geliebten in jenen Landen erwähnt. Gepriesen sei Gott, von ihnen hat jeder die Ehre erlangt, daß der Wahrhaftige - erhaben ist Seine Herrlichkeit - ihrer gedachte, und ihre Namen flossen alle von der Zunge der Größe im Reiche der Rede. Groß ist fürwahr ihr Segen und ihr Glück, denn sie haben den erlesenen Wein der Offenbarung und Eingebung aus der Hand ihres Herrn, des Mitleidvollen, des Barmherzigen, getrunken. Wir flehen zu Gott, Er möge sie so stärken, daß sie unbeugsame Treue wahren, und möge die Heerscharen der Weisheit und der Rede zu ihrer Hilfe senden. Er ist wahrlich der Mächtige, der Allgewaltige. Übermittle ihnen Meine Grüße und künde ihnen die frohe Botschaft, daß die Sonne des Gedenkens aufgegangen ist und vom Horizont der Gunst und Gnade ihres Herrn, des Immervergebenden, des Allbarmherzigen, strahlt.

Du sprachst von Husayn. Wir haben seinen Tempel mit dem Gewande der Vergebung geschmückt und seinem Haupt die Krone des Verzeihens aufgesetzt. Vor allen Menschen sollte er stolz sein auf diese leuchtende, diese strahlende, offenkundige Gnadengabe. Sprich: Sei unverzagt! Nach der Offenbarung dieses gesegneten Verses ist es so, als wärest du neu aus deiner Mutter Schoß geboren. Sprich: Du bist frei von Sünde und Irrtum. Wahrlich, Gott hat dich gereinigt mit dem Lebenswasser Seiner Rede in Seinem Größten Gefängnis. Wir flehen zu Ihm - gesegnet und erhaben ist Er -, dich in Seinem Lobpreis und in der Verherrlichung Seines Ruhmes zu bestätigen und dich zu stärken durch die Macht Seiner unsichtbaren Heerscharen. Wahrlich, Er ist der Allmächtige, der Allgewaltige.

Du erwähntest das Volk von Tár.¹ Wir richten Unser Angesicht auf die Diener Gottes daselbst und raten ihnen, zuerst zu erwägen, was der Punkt des Bayán über diese Offenbarung enthüllte, durch welche alle Namen und Ehrentitel erschüttert sind, die Götzen leeren Wahns zu Staub zerfielen und die Zunge der Größe aus dem Reich der Herrlichkeit verkündete: Bei der Gerechtigkeit Gottes! Der Verborgene Schatz, das Undurchdringliche Geheimnis, liegt vor der Menschen Augen offen und läßt alle Dinge, vergangen oder künftig, frohlocken. Er sprach, und Sein Wort ist die Wahrheit: »Von allen Ehrungen, die Ich Ihm, der nach Mir kommen wird, gezollt habe, ist die größte Mein schriftliches Bekenntnis, daß keines Meiner Worte Ihn angemessen beschreiben kann, noch irgendeinem Hinweise auf Ihn in Meinem Buche, dem Bayán, vergönnt ist, Seiner Sache gerecht zu werden.«

¹ Ein Dorf bei Isfahán

Im übrigen raten wir ihnen, Gerechtigkeit, Billigkeit, Ehrbarkeit, Frömmigkeit und all das zu wahren, was das Wort Gottes, aber auch ihre eigene Stufe unter den Menschen erhöht. Wahrlich, Ich bin Der, welcher mit Gerechtigkeit ermahnt. Dies bezeugt Er, von dessen Feder Ströme des Erbarmens fließen und aus dessen Rede Lebenswasser für alles Erschaffene quellen. Unermeßlich erhaben ist diese grenzenlose Gnade; unendlich gesegnet ist diese strahlende Gunst.

O Volk von Tár!¹ Hört auf den Ruf Dessen, der tut, was Er will.² Wahrlich, Er erinnert euch an das, was euch Gott, dem Herrn der Welten, nahe bringt. Euch kehrt Er Sein Angesicht aus dem Kerker von 'Akká zu und offenbart um euretwillen, was euer Andenken und eure Namen unsterblich macht in dem Buche, das nicht getilgt werden kann und unberührt bleibt von den Zweifeln der Widerspenstigen. Werft von euch, was unter den Menschen im Schwange ist, und erfasset mit festem Griff, was euch durch den Willen des Verordners, des Altehrwürdigen der Tage, geboten ist. Heute ist der Tag, da der göttliche Lotosbaum laut ruft und spricht: »O Volk! Seht Meine Früchte und Meine Blätter, neigt euer Ohr Meinem Rauschen. Habt acht, daß euch nicht die Zweifel der Menschen vom Licht der Gewißheit abhalten.« Das Meer der Rede kündet und spricht: »O ihr Erdenbewohner! Schaut Meine wogenden Wasser und die Perlen der Weisheit und der Rede, die Ich von Mir gebe. Fürchtet Gott und gehört nicht zu den Achtlosen.«

¹ Ein Dorf bei Isfahán ² vgl. auch Qur'án 253, 224, 228

An diesem Tag feiert das Reich der Höhe ein großes Fest; denn was verheißen war in den heiligen Schriften, ist nun erfüllt. Heute ist der Tag großen Frohlockens. Jeder sollte, voller Freude und Frohsinn, in Lust und Wonne zum Hofe Seiner Nähe eilen und sich vom Feuer der Ferne befreien.

O Volk von Tár! Ergreift mit der Kraft und Macht Meines Namens den Kelch der Erkenntnis und trinkt euch satt, ungeachtet des Volkes der Welt, das Gottes Bund und Testament bricht, Seine Beweise und klaren Merkmale verwirft und an Seinen Zeichen krittelt, die alles im Himmel und auf Erden durchdringen.

Die Zweifler im Volk des Bayán gleichen den Anhängern der Shi'ah und wandeln in deren Fußstapfen. Überlasse sie ihrem eitlen Trug und leeren Wahn. Sie werden fürwahr zu den Verlorenen gezählt im Buche Gottes, des Allwissenden, des Allweisen. Die Shi'ah-Geistlichen sind nun allesamt emsig dabei, den Einen Wahren von den Kanzeln herab zu schmähen und anzuklagen. Gnädiger Gott! Auch DawlatÁbádí¹ folgt ihren Wegen. Er stieg auf die Kanzel und äußerte, was Gottes Tafel vor Qual aufschreien und Seine Feder klagen ließ. Sinne nach über sein Verhalten und das des Ashraf² - mit ihm seien Meine Herrlichkeit und Mein zartes Erbarmen. So erwäge auch diejenigen Geliebten, welche in Meinem Namen zur Stätte des Martyriums eilten und ihr Leben hingaben auf dem Pfade Dessen, der die Sehnsucht der Welt ist.

¹ Mírzá Hádí Dawlat-Ábádí, ein Geistlicher aus Isfahán, wurde Anhänger des Báb und unterstützte später Mírzá Yahyá, der ihn zu seinem Vertreter im Irán und zu seinem Nachfolger ernannte. Als die Báb verfolgt wurden, widerrief er seinen Glauben. Siehe auch Tarázát 42

² Mírzá Ashraf, der in der Stadt Isfahán den Märtyrertod starb. Siehe Shoghi Effendi, Gott geht vorüber, p.227

Die Sache Gottes ist offenbar; sie strahlt hell wie die Sonne, aber die Menschen sind sich selbst zum Schleier geworden. Wir flehen zu Gott, Er möge ihnen gnädig helfen, zu Ihm zurückzukehren. Er ist wahrlich der Vergebende, der Barmherzige.

O Volk von Tár! Wir senden euch Grüße von diesem Ort und bitten Gott - gesegnet und erhaben ist Er -, euch mit der Hand Seiner Gunst den erlesenen Wein der Treue zu reichen. Wahrlich, Er ist der Herr der Großmut, der Gnädige, der Allgepriesene. Überlaßt die Unreifen dieser Welt sich selbst - sie, die sich von selbstischen Begierden leiten lassen und den Trägern eitlen Trugs anhangen. Wahrlich, Er ist euer Helfer und Beistand. Er ist fürwahr mächtig zu tun, was Er will. Kein Gott ist außer Ihm, dem Einen, dem Unvergleichlichen, dem Machtvollen, dein Größten.

Ruhm aus Unserer Gegenwart sei mit denen, die ihr Angesicht auf den Morgen Seiner Offenbarung richten, die erkennen und anerkennen, was, die Zunge des Wortes spricht im Reiche des Wissens an diesem seligen, diesem herrlichen, unübertrefflichen Tag!

LAWH-I-DUNYÁ (Das Sendschreiben über die Welt) BH00238

In Meinem Namen, der laut im Reiche der Rede ruft.

Preis und Dank gebühren dem Herrn offenbarer Herrschaft, der das mächtige Gefängnis mit der Gegenwart der ehrenwerten 'Alí Akbar und Amín geschmückt und es mit dem Lichte der Gewißheit, Standhaftigkeit und Sicherheit erleuchtet hat.¹ Die Herrlichkeit Gottes und die Herrlichkeit aller in den Himmeln und auf Erden seien mit ihnen.

¹ Die beiden Hände der Sache Gottes, Hájí Mullá 'Alí Akbar Shahmírzádí und Hájí Abu'l-Hasan Ardakání Amin-i-Iláhí (Treuhänder der Huqúqu'lláh ) wurden 1891 in Qazvín gefangengesetzt, später in das Gefängnis von Teheran verlegt.

Licht und Herrlichkeit, Gruß und Preis seien mit den Händen Seiner Sache, durch die das Licht des Mutes strahlt und die Wahrheit erwiesen wird, daß alle Entscheidung bei Gott liegt, dem Kraftvollen, dem Mächtigen, dem Ungezwungenen, durch die das Meer der Gaben wogt und der Duft der gnädigen Gunst Gottes, des Herrn der Menschheit, sich verbreitet. Wir flehen zu Gott - erhaben ist Er -, sie mit der Macht Seiner Heerscharen zu beschirmen, mit der Gewalt Seiner Herrschaft sie zu schützen und ihnen beizustehen mit Seiner unüberwindlichen Kraft, die alles Erschaffene bezwingt. Die höchste Herrschaft ist bei Gott, dem Schöpfer der Himmel und dem Herrn im Reiche der Namen.

Die große Verkündigung ruft: O Volk Persiens! Ehedem wart ihr die Sinnbilder der Barmherzigkeit, die Verkörperungen der Zuneigung und Güte. Alle Bereiche der Welt waren erleuchtet und geschmückt mit dem hellen Lichte eurer Erkenntnis und dem Glanz eurer Gelehrsamkeit. Wie kommt es, daß ihr euch aufmacht, euch selbst und eure Freunde mit eigenen Händen zu vernichten?

O Afnán, o du, der du Meinem altehrwürdigen Stamm entsprossen bist! Meine Herrlichkeit und Meine Gnade ruhen auf dir. Wie mächtig ist das Heiligtum der Sache Gottes! Es überschattet alle Völker und Geschlechter der Erde und wird bald die ganze Menschheit in seinem Schutze versammeln. Dein Tag des Dienstes ist nun gekommen. Zahllose Tafeln legen Zeugnis ab von den Gaben, die dir gewährt wurden. Erhebe dich für den Triumph Meiner Sache und besiege die Herzen der Menschen durch die Macht deiner Rede. Du mußt verkünden, was den Unglücklichen und Getretenen Frieden und Wohlfahrt sichern wird. Gürte deine Lenden mit deinem Bemühen, damit du den Gefangenen von seinen Ketten befreiest und ihn befähigst, wahre Freiheit zu erlangen.

Gerechtigkeit beklagt an diesem Tage ihren schweren Stand, und Billigkeit stöhnt unter dem Joch der Unterdrückung. Dichte Wolken der Gewalt haben das Antlitz der Erde verfinstert und ihre Völker umhüllt. Durch die Bewegung Unserer Feder der Herrlichkeit haben Wir auf Befehl des allmächtigen Gesetzgebers neues Leben in jede menschliche Hülle gehaucht und frische Kraft in jedes Wort geflößt. Alles Erschaffene verkündet die Beweise dieser weltweiten Erneuerung. Dies ist die größte, die froheste Botschaft, die der Menschheit durch die Feder dieses Unterdrückten übermittelt wurde. Warum fürchtet ihr euch denn, o Meine innig Geliebten? Wer könnte euch erschrecken? Ein Hauch von Feuchtigkeit genügt, um den verhärteten Lehm zu lösen, aus dem dieses verderbte Geschlecht gebildet ist. Die bloße Tat eures Beisammenseins genügt, um die Kräfte dieses eingebildeten, wertlosen Volkes zu zerstreuen.

Streit und Hader passen zu den wilden Tieren. Durch die Gnade Gottes, mit der Hilfe schicklicher Worte und rühmlicher Taten wurden die blanken Schwerter der Bábí-Gemeinde wieder in die Scheide gesteckt. Fürwahr, durch die Macht guter Worte haben die Rechtschaffenen allezeit mit Erfolg die Befehlsgewalt über die grünen Auen der Menschenherzen übernommen. Sprich: O ihr Geliebtem Laßt nicht ab von der Klugheit. Neigt euer Herz den Ratschlägen, die euch die Erhabenste Feder gibt, und hütet euch, daß eure Hand oder eure Zunge nicht irgend jemanden unter der ganzen Menschheit verletze.

Über das Land Tá¹ haben Wir im Kitáb-i-Aqdas offenbart, was der Menschheit zur Mahnung dienen wird. Wer in der Welt Gewaltherrschaft übt, hat die Rechte der Völker und Geschlechter auf Erden an sich gerissen und folgt emsig seinen selbstischen Neigungen. Der Tyrann des Landes Yá² beging, was die himmlischen Heerscharen blutige Tränen vergießen ließ.

¹ Tihrán ² Prinz Mahmúd Mírzá Jalálu'd-Dawlih, Gouverneur von Yazd

O du, der du vom Weine Meiner Worte trinkst und dein Angesicht auf den Horizont Meiner Offenbarung richtest! Wie seltsam, daß das Volk Persiens, einst ohnegleichen in Künsten und Wissenschaften, auf die unterste Stufe der Erniedrigung unter den Geschlechtern auf Erden abgesunken ist. O Volk! Beraubt euch nicht an diesem seligen, diesem herrlichen Tage der großzügigen Gabenfülle, die der Herr überströmender Gnade euch verliehen hat. Regenschauer der Weisheit und der Rede fluten heute aus den Wolken göttlicher Barmherzigkeit. Wohl denen, die über Seine Sache redlich urteilen, und wehe den Ungerechten!

Jeder Einsichtige wird an diesem Tage bereitwillig zugeben, daß die Ratschläge, die die Feder dieses Unterdrückten offenbarte, die höchste Triebkraft für den Fortschritt der Welt und die Erhöhung ihrer Völker enthalten. Erhebt euch, o Menschen, und entschließt euch durch die Kraft der göttlichen Macht, den Sieg über euer Selbst zu erringen, damit die ganze Welt aus ihrer Hörigkeit vor den Götzen ihrer leeren Einbildungen erlöst werde - Götzen, die ihren erbärmlichen Anbetern so viel Schaden zugefügt haben und für ihr Elend verantwortlich sind. Diese Trugbilder sind das Hindernis, das den Menschen in seinem Bemühen hemmt, auf dem Pfade der Vervollkommnung voranzuschreiten. Wir hegen die Hoffnung, daß die Hand göttlicher Macht der Menschheit ihre Hilfe gewähre und sie aus ihrem Zustand schmerzlicher Erniedrigung befreie.

Auf einer der Tafeln sind diese Worte offenbart: O Volk Gottes! Seid nicht beschäftigt mit euren eigenen Belangen! Laßt euere Gedanken fest auf das gerichtet sein, was das Glück der Menschheit wiederherstellen und der Menschen Herzen und Seelen heiligen wird. Am besten kann dies durch reine und heilige Taten, durch ein Leben der Tugend und durch edles Betragen vollbracht werden. Mutiges Handeln wird den Sieg dieser Sache sichern, und eine geheiligte Wesensart wird ihre Macht stärken. Halte dich an die Rechtschaffenheit, o Volk Bahás! Dies, wahrlich, ist das Gebot, das euch dieser Unterdrückte gegeben hat, und die erlesene Wahl Seines unumschränkten Willens für jeden von euch.

O Freunde! Es geziemt euch, eure Seele zu erquicken und wiederzubeleben durch die gnädigen Gunstbeweise, die in dieser göttlichen, dieser herzerquickenden Frühlingszeit auf euch herabströmen. Die Sonne Seiner großen Herrlichkeit verbreitet ihren Glanz über euch und die Wolken Seiner grenzenlosen Gnade beschatten euch. Wie erhaben ist der Lohn dessen, der sich einer so großen Wohltat nicht beraubt noch versäumt, die Schönheit seines Meistgeliebten in diesem Seinem neuen Gewande zu erkennen. Wacht über euch, denn der Böse liegt auf der Lauer, bereit, euch zu überlisten. Rüstet euch gegen seine verruchten Anschläge, und, geführt vom Lichte des Namens des Allsehenden Gottes, entflieht der Dunkelheit, die euch umgibt. Laßt eueren Blick weltumfassend sein, anstatt ihn auf euer Selbst zu beschränken. Der Böse ist es, der den Aufstieg hemmt und den geistigen Fortschritt der Menschenkinder aufhält.

Es ist in dieser Zeit eines jeden Menschen Pflicht, sich fest an das zu halten, was das Wohl aller Völker und gerechten Regierungen fördert und ihre Stufe erhöht. Durch jeden einzelnen Vers, den die Feder des Höchsten offenbarte, sind die Tore der Liebe und Einigkeit erschlossen und weit vor den Augen der Menschheit aufgetan. Wir haben zuvor erklärt - und Unser Wort ist die Wahrheit -: »Verkehret mit den Anhängern aller Religionen im Geiste des Wohlwollens und der Brüderlichkeit.« Was immer die Menschenkinder einander meiden ließ, was Zwietracht und Spaltung unter ihnen hervorrief, ist nun durch die Offenbarung dieser Worte ungültig und abgeschafft. Aus dem Himmel des göttlichen Willens wurde mit dem Ziel, die Welt des Seins zu veredeln und die Menschen an Geist und Seele emporzuheben, herabgesandt, was das wirksamste Mittel zur Erziehung des ganzen Menschengeschlechts ist. Der tiefste Sinn und der vollkommenste Ausdruck dessen, was die Völker früherer Zeiten gesagt und geschrieben haben, ist durch diese mächtigste Offenbarung aus dem Himmel des Willens des Allbesitzenden, des Immerwährenden Gottes herabgesandt. Einst wurde offenbart: »Die Liebe zum Vaterland ist ein Bestandteil des Gottesglaubens.« Die Zunge der Größe jedoch verkündet am Tage Seiner Offenbarung: »Es rühme sich nicht, wer sein Vaterland liebt, sondern wer die ganze Welt liebt.« Durch die von diesem erhabenen Wort entfesselte Kraft verleiht Er den Vögeln der Menschenherzen frischen Schwung, weist ihnen eine neue Richtung und tilgt jede Spur von Beschränkung und Begrenzung aus Gottes heiligem Buch.

Dieser Unterdrückte hat dem Volke Gottes verboten, sich in Streit und Hader einzulassen, und hat es zu rechtschaffenen Taten und edlen Charaktereigenschaften ermahnt. Die Heerscharen, die heutzutage den Sieg der Sache Gottes sichern, sind gute Taten und ein angenehmes Wesen. Selig ist, wer diesen standhaft anhangt, und wehe dem, der sich davon abkehrt.

O Volk Gottes! Ich ermahne dich, höflich zu sein, denn Höflichkeit ist vor allem anderen die Fürstin der Tugenden. Gut steht es mit dem, der vom Lichte der Höflichkeit erleuchtet und mit dem Gewande der Aufrichtigkeit bekleidet ist. Der mit Höflichkeit Begabte hat in der Tat eine erhabene Stufe erreicht. Es ist zu hoffen, daß dieser Unterdrückte und alle anderen befähigt werden, Höflichkeit zu erlangen, sicher zu wahren, anzuwenden und unseren Blick auf sie zu heften. Das ist ein bindendes Gebot, das aus der Feder des Größten Namens geströmt ist.

Dies ist der Tag, da die Edelsteine der Beständigkeit aus dem Schatzberg des tiefsten Menschenherzens ans Licht gefördert werden müssen. O Volk der Gerechtigkeit! Sei so strahlend wie das Licht und so leuchtend wie das Feuer, das im Brennenden Busche lodert. Der Glanz des Feuers eurer Liebe wird zweifellos die widerstreitenden Völker und Geschlechter der Erde einen und verschmelzen, wogegen die wilde Flamme der Feindschaft und des Hasses nur zu Streit und Untergang führen kann. Wir flehen zu Gott, daß Er Seine Geschöpfe vor den üblen Ränken Seiner Feinde behüte. Wahrlich, Er hat Macht über alle Dinge.

Aller Ruhm sei dem einen, wahren Gott - gepriesen sei Seine Herrlichkeit -, da Er durch die Feder des Höchsten die Tore der Menschenherzen geöffnet hat. Jeder Vers, den diese Feder offenbarte, ist ein strahlendes, leuchtendes Tor, das die Herrlichkeit eines heiligen, gottesfürchtigen Lebens und reiner, makelloser Taten erschließt. Der Aufruf und die Botschaft, die Wir gaben, sollten niemals nur ein Land oder ein Volk erreichen oder nur diesem zugute kommen. Die Menschheit als Ganzes muß entschlossen dem folgen, was ihr offenbart und gewährt ist. Dann, nur dann wird sie zu wahrer Freiheit gelangen. Die ganze Erde leuchtet in der strahlenden Herrlichkeit der Offenbarung Gottes. Im Jahre sechzig erhob sich Er, der Vorbote des Lichtes göttlicher Führung - möge die ganze Schöpfung ein Opfer für Ihn sein -, um eine neue Offenbarung des göttlichen Geistes anzukündigen. Zwanzig Jahre später folgte Ihm Er, durch Dessen Kommen die Welt zur Empfängerin dieser verheißenen Herrlichkeit, dieser wundersamen Gunst wurde. Sich, wie die Menschheit allgemein mit der Fähigkeit ausgestattet ist, auf Gottes erhabenstes Wort zu hören - das Wort, von dem die Vorladung und die geistige Auferstehung aller Menschen abhängen muß.

Als Wir im Gefängnis von 'Akká waren, offenbarten Wir im Roten Buche, was den Fortschritt der Menschheit und den Aufbau der Welt bewirkt. Was der Herr der Schöpfung mit Seiner Feder dort äußerte, enthält unter anderem die folgenden Grundsätze zur Ordnung des gesellschaftlichen Lebens:

Erstens: Die Amtsträger des Hauses der Gerechtigkeit haben die Pflicht, den Geringeren Frieden zu fördern, damit das Erdenvolk der Bürde maßloser Staatsausgaben ledig werde. Diese Aufgabe ist zwingend und absolut wesentlich, zumal Streit und Feindseligkeiten die wahren Ursachen von Leid und Elend sind.

Zweitens: Die Sprachen müssen auf eine gemeinsame Sprache, die in allen Schulen der Welt gelehrt wird, beschränkt werden.

Drittens: Dem Menschen obliegt es, sich beharrlich an das zu halten, was Gemeinschaft, Wohlwollen und Einheit fördert.

Viertens: Jeder, Mann oder Frau, muß einer Vertrauensperson ein Teil seines Ertrages aus Gewerbe, Landwirtschaft oder anderweitiger Beschäftigung für die Ausbildung und Erziehung der Kinder übergeben, damit es für diesen Zweck mit Kenntnis der Vertrauensleute des Hauses der Gerechtigkeit verwendet wird.

Fünftens: Besondere Beachtung muß der Landwirtschaft geschenkt werden. Obwohl sie hier an fünfter Stelle erwähnt wird, hat sie ohne Zweifel den Vorrang. In fremden Ländern ist die Landwirtschaft hoch entwickelt, in Persien jedoch bisher schlimm vernachlässigt worden. Es steht zu hoffen, daß Seine Majestät der Sháh - möge Gott ihm in Seiner Gnade beistehen - dieser wichtigen, lebensnotwendigen Angelegenheit seine Aufmerksamkeit zuwendet.

Hielten sich die Menschen genau an das, was die Feder des Höchsten im Roten Buche offenbart hat, so könnten sie alle Regelungen entbehren, die heute in der Welt wuchern. Gewisse Ermahnungen sind wiederholt aus der Feder des Höchsten geströmt, damit die Offenbarungen der Staatsgewalt und die Dämmerorte der Macht eines Tages befähigt werden, sie zu vollziehen. Fürwahr, wären nur aufrichtige Sucher zu finden, so würde ihnen jede Fügung des alldurchdringenden, unwiderstehlichen Willens Gottes um Seiner Liebe willen entschleiert. Aber wo gibt es ernste Sucher, wo wißbegierige Geister? Wohin sind die Gerechten und die Redlichgesinnten entschwunden? Gegenwärtig vergeht kein Tag ohne daß frisch das Feuer einer Tyrannei auflodert oder neu das Schwert einer Gewalttat aus der Scheide fährt. Gnädiger Gott! Die Mächtigen und der Adel Persiens brüsten sich mit Taten von solcher Barbarei, daß man sich bei den Berichten darüber nur wundern kann.

Tag und Nacht bringt dieser Unterdrückte dem Herrn der Menschen Lob und Dank dar, denn es erweist sich, daß die Worte des Rates und der Mahnung, die Wir äußern, ihre Wirkung tun, und daß dieses Volk eine Charakterstärke und ein Verhalten an den Tag legt, wie sie in Unserer Sicht annehmbar sind. Dies bestätigt ein Ereignis, welches das Auge der Welt wahrhaft erfreut: Die Freunde haben bei den hohen Behörden Fürbitte für ihre Feinde eingelegt. Wahrlich, die guten Taten eines Menschen bezeugen die Wahrheit seiner Worte. Wir hegen die Hoffnung, daß gottesfürchtige Menschen die Welt mit dem strahlenden Licht ihrer Taten erleuchten, und wir flehen zu dem Allmächtigen - verherrlicht und gepriesen ist Er -, Er möge jeden an diesem Tage fest in Seiner Liebe und standhaft in Seiner Sache bleiben lassen. Er ist fürwahr der Beschützer derer, die Ihm ganz ergeben sind und Seiner Richtschnur folgen.

O Volk Gottes! Zahllos sind die Welten, die Unsere Feder der Herrlichkeit entschleiert, und mannigfach die Augen, denen sie wahre Aufklärung verleiht. Doch die Mehrheit des persischen Volkes ist nach wie vor der Wohltaten vorteilhafter Ratschläge beraubt und leidet weiterhin Mangel an nützlichen Künsten und Wissenschaften. Ehedem offenbarte die Feder der Herrlichkeit die folgenden erhabenen Worte zu Ehren eines Getreuen, damit die Verirrten die Wahrheit annehmen und sich mit den Feinheiten des Gesetzes Gottes vertraut machen.

Die Zweifler und die Ungläubigen richten den Sinn auf vielerlei: erstens das Blutvergießen, zweitens die Bücherverbrennung, drittens das Meiden der Anhänger anderer Religionen, viertens die Ausrottung anderer Gemeinschaften und Gruppen. Aber nunmehr sind durch die kraftvolle Gnade und Allgewalt des Wortes Gottes diese vier Schranken beseitigt, diese ausdrücklichen Befehle aus Gottes Tafel getilgt und tierische Anlagen in geistige Eigenschaften verwandelt worden. Erhaben ist Sein Ziel, verherrlicht wird Seine Macht, gelobt Seine Herrschaft! Laßt uns nun zu Gott flehen - gepriesen sei Seine Herrlichkeit -, Er möge die Shí'iten rechtleiten und sie von ungehörigen Verhaltensweisen läutern. Pausenlos träufeln Verwünschungen von ihren Lippen, und das Wort »Mal'ún«¹ mit einem besonders tief aus dem Rachen kommenden 'ayn-Laut auszusprechen, ist ihnen täglich ein Genuß.

¹ »verflucht«

O Gott, mein Gott! Du hörst die Seufzer Dessen, Der Dein Licht¹ ist. Du lauschest Seinen Klagen bei Tag und bei Nacht und weißt, daß Er nichts für sich selber wünscht, sondern die Seelen Deiner Diener zu heiligen sucht und sie von dem Feuer befreien will, das sie von allen Seiten bedrängt. O Herr! Deine begünstigten Diener erheben die Hände zum Himmel Deiner Großmut, und die Dich aufrichtig lieben, flehen zu den erhabenen Höhen Deiner Freigebigkeit. Ich bitte Dich, enttäusche sie nicht in dem, was sie aus dem Meere Deiner Gunst, vom Himmel Deiner Gnade und von der Sonne Deiner Großmut erhoffen. Hilf ihnen, o Herr, Tugenden zu erwerben, die ihren Rang unter den Völkern der Welt erhöhen. Wahrlich, Du bist der Kraftvolle, der Mächtige, der Großmütigste.

¹ Bahá

O Volk Gottes! Höret auf das, was Freiheit, Wohlfahrt, Ruhe, Erhabenheit und Fortschritt aller Menschen sichert, wenn es beachtet wird. Gewisse Gesetze und Grundsätze sind für Persien notwendig, ja unabdingbar. Aber es ist angebracht, daß solche Maßnahmen in Übereinstimmung mit den wohlerwogenen Ansichten Seiner Majestät - möge Gott ihm durch Seine Gnade beistehen - sowie der gelehrten Geistlichen und der Stammesfürsten von hohem Rang getroffen werden. Mit ihrem Einverständnis sollte ein Ort bestimmt werden, an dem sie sich treffen. Dort sollten sie sich fest an das Seil der Beratung halten ; sie sollten beschließen und vollziehen, was Sicherheit, Wohlfahrt, Wohlstand und Ruhe des Volkes bewirkt. Denn würden andere als solche Maßnahmen ergriffen, so könnten sie nur zu Chaos und Aufruhr führen.

Nach den Grundgesetzen, die Wir bereits früher im Kitáb-i-Aqdas und in anderen Sendbriefen offenbart haben, ist das Gemeinwohl gerechten Königen und Präsidenten sowie den Treuhändern des Hauses der Gerechtigkeit anvertraut. Wer gerecht denkt und urteilt, wird, wenn er über Unsere Verkündigung nachsinnt, mit seinem inneren wie mit seinem äußeren Auge die Sonne der Gerechtigkeit wahrnehmen, wie sie mit ihrem Strahlenglanz daraus hervorleuchtet.

Das Herrschaftssystem, welches das britische Volk in London angenommen hat, scheint gut zu sein; denn es ist sowohl mit dem Lichte des Königtums als auch mit dem der Beratung des Volkes geschmückt.

Bei der Formulierung der Grundsätze und Gesetze ist ein Abschnitt den Strafen gewidmet, die ein wirksames Mittel für die Sicherheit und den Schutz der Menschen darstellen. Strafandrohungen lassen die Menschen jedoch nur äußerlich davon absehen, gemeine, niederträchtige Taten zu begehen. Was den Menschen äußerlich wie innerlich bewahrt und ihn von Untaten abhält, war und ist die Gottesfurcht. Sie ist des Menschen wahrer Schutz, sein geistiger Hüter. Es geziemt ihm, sich beharrlich an das zu halten, was diese höchste Gnadengabe in Erscheinung treten läßt. Wohl dem, der hört, was Meine Feder der Herrlichkeit verkündet, und beachtet, was ihm der Verordner, der Altehrwürdige der Tage, gebietet.

O Volk Gottes, neige dein Herz den Ratschlägen deines wahren, deines unvergleichlichen Freundes! Das Wort Gottes mag mit einem jungen Sämling verglichen werden, dessen Wurzeln in die Herzen der Menschen gepflanzt wurden. Es ist eure Pflicht, sein Wachstum durch die lebendigen Wasser der Weisheit, durch lautere, heilige Worte zu fördern, damit seine Wurzeln festwachsen und seine Zweige sich bis in die Himmel und noch höher ausbreiten.

O ihr, die ihr auf Erden wohnt! Das Unterscheidungsmerkmal für die Einzigartigkeit dieser höchsten Offenbarung besteht darin, daß Wir einerseits aus Gottes Heiligem Buche gelöscht haben, was die Ursache von Streit, Bosheit und Unrecht unter den Menschenkindern gewesen ist, andererseits die wesentlichen Vorbedingungen für Eintracht, Verständigung und völlige, dauernde Einheit niedergelegt haben. Wohl dem, der Meine Gesetze hält.

Immer wieder haben Wir Unsere Geliebten ermahnt, alles zu meiden, ja zu fliehen, was auch nur den Geruch eines Unrechts an sich hat. Die Welt ist in großem Aufruhr und der Geist ihrer Bewohner im Zustand völliger Verwirrung. Wir flehen zum Allmächtigen, daß Er sie gnädig erleuchte durch die Pracht Seiner Gerechtigkeit und sie befähige, dessen gewahr zu werden, was ihnen zu allen Zeiten und unter allen Umständen zum Vorteil gereicht. Er, wahrlich, ist der Allbesitzende, der Höchste.

Bereits früher haben Wir folgende erhabenen Worte geäußert: Wer diesem Unterdrückten treu ergeben ist, der sei befruchtend wie eine Regenwolke zu Zeiten der Nächstenliebe und der Wohltätigkeit, aber wie eine Feuerlohe, wenn es um die Zähmung seines niedrigen, begehrlichen Wesens geht.

Gnädiger Gott! Kürzlich geschah etwas, das große Verwunderung hervorrief. Wie berichtet wurde, begab sich eine gewisse Person¹ vor den kaiserlichen Thron Persiens, und es gelang ihr, durch ihre Schmeicheleien die Gunst verschiedener Adliger zu erlangen. Wie erbärmlich fürwahr, wie beklagenswert! Man ist erstaunt, wie Menschen, die Sinnbilder der höchsten Herrlichkeit waren, sich nun zu grenzenloser Schande erniedrigen. Was ist aus ihren hohen Vorsätzen geworden ? Wohin sind ihre Würde und ihr Ehrgefühl entschwunden? Einst strahlte die Sonne der Herrlichkeit und Weisheit unaufhörlich am Himmel Persiens, aber heutzutage ist sie so tief gesunken, daß sich gewisse Würdenträger von Narren wie Spielzeug behandeln lassen. Die besagte Person hat über dieses Volk in der ägyptischen Presse und in der Beiruter Enzyklopädie Dinge geschrieben, daß die Wohlunterrichteten und Gebildeten bestürzt waren. Sodann begab er sich nach Paris, wo er eine Zeitung mit dem Namen »Urvatu'l-Vuthq᫲ herausgab und sie in alle Teile der Welt sandte. Er sandte auch eine Ausgabe in das Gefängnis von 'Akká; damit wollte er Zuneigung bekunden und seine früheren Taten wieder gutmachen. Kurz, dieser Unterdrückte hat über ihn geschwiegen. Wir flehen zu dem einen wahren Gott, Er möge ihn schützen und das Licht des gerechten Augenmaßes auf ihn ergießen. Ihm geziemt zu sprechen :

¹ Jamálu'd-Dín-i-Aghání. Vgl. Shoghi Effendi `Gott geht vorüber` S.337,362

² »Die sichere Handhabe«

O Gott, mein Gott! Du siehst mich, wie ich vor der Tür Deiner Güte und Vergebung stehe, wie ich meinen Blick auf den Himmelssaum Deiner großmütigen Gunst und Deines mannigfachen Segens richte. Ich bitte dich bei Deiner süßen Stimme und bei dem schrillen Laut Deiner Feder, o Du Herr der ganzen Menschheit, hilf gnädig Deinen Dienern, wie es Deinen Tagen entspricht und der Herrlichkeit Deiner Manifestation und Deiner Majestät ansteht. Wahrlich, Du bist mächtig zu tun, was Du willst. Alle Bewohner der Himmel und der Erde bezeugen Deine Kraft und Deine Macht, Deine Herrlichkeit und Deine Freigebigkeit. Preis sei Dir, Du Herr der Welten, Du Einziggeliebter für das Herz jedes Einsichtsvollen!

Du siehst, o mein Gott, wie das Wesen der Armut das Meer Deines Reichtums sucht, wie sich der Inbegriff der Bosheit nach den Wassern Deiner Vergebung und Deiner sanften Gnade sehnt. Gewähre, o mein Gott, was Deiner großen Herrlichkeit entspricht und der Erhabenheit Deiner grenzenlosen Gnade entspringt. Du bist in Wahrheit der alles Gewährende, der Herr überströmender Gnade, der Gesetzgeber, der Allweise. Kein Gott ist außer Dir, dem Mächtigsten, dem Allbezwingende!, dem Allmachtvollen.

O Volk Gottes! Heute sollte jeder die Augen auf den Horizont der folgenden gesegneten Worte richten: »Allein und ohne Hilfe tut Er, was Ihm gefällt.« Wer diese Stufe erreicht, hat wahrlich das Licht der Wesenseinheit Gottes erlangt und wird davon erleuchtet, während alle anderen im Buche Gottes zum Anhang eitlen Wahns und leeren Trugs gerechnet werden. Neigt euer Ohr der Stimme dieses Unterdrückten und sichert euch eure wahre Stufe. Es ist eine zwingende Notwendigkeit und ein Befehl, daß jeder dies beachte.

Unverhüllt und offen hat dieser Unterdrückte allzeit vor dem Angesicht aller Völker der Welt verkündet, was als Schlüssel zu den Toren der Wissenschaften, der Künste, der geistigen Erkenntnis, des Wohlbefindens, der Wohlfahrt und des Wohlstandes dienen wird. Weder konnte das Unrecht der Unterdrücker den durchdringenden Ton der Erhabenen Feder zum Schweigen bringen, noch vermochten Ihn die Eigensinnigen und die Aufrührer mit ihren Zweifeln daran zu hindern, das Höchste Wort zu offenbaren. Von ganzem Herzen flehe Ich zu Gott, Er möge das Volk Bahás schützen und reinigen von dem eitlen Trug und verderbten Wahn, der die Anhänger des früheren Glaubens beherrscht.

O Volk Gottes! Rechtschaffene, gebildete Menschen, die sich der Führung anderer widmen, die von einer niederen, begehrlichen Wesensart befreit sind und dagegen geschützt bleiben, sind in den Augen Dessen, Der die Sehnsucht der Welt ist, Sterne am Himmel wahrer Erkenntnis. Es ist wichtig, ihnen mit Hochachtung zu begegnen. Sie sind fürwahr Springquellen sanftströmenden Wassers, hell strahlende Sterne, Früchte des seligen Baumes, Träger himmlischer Macht, Meere voll himmlischer Weisheit. Glücklich ist, wer ihnen folgt. Wahrlich, eine solche Seele wird im Buche Gottes, des Herrn des mächtigen Thrones, zu denen gezählt, um die es gut stehen soll.

Die Herrlichkeit, welche aus Gott kommt, dem Herrn des Thrones der Höhe und auf Erden hienieden, sei mit euch, dem Volke Bahás, den Gefährten der Roten Arche, und mit allen, die eurer sanften Stimme ihr Ohr neigen und befolgen, was ihnen in diesem machtvollen, diesem wundersamen Sendbrief geboten ist.

ISHRÁQÁT (Die Pracht) BH00053

Dies ist der Sendbrief Gottes, des Helfers in Gefahr, des Selbstbestehenden.

Er ist Gott, erhaben ist Er, der Herr der Weisheit und der Rede.

Preis sei Gott, der einzigartig ist in Seiner Majestät, Kraft und Schönheit, unvergleichlich in Seiner Herrlichkeit, Macht und Hoheit. Zu hoch ist Er, als daß menschliche Vorstellungskraft Ihn begreifen oder Ihm irgend jemanden Seinesgleichen als Gefährten beigesellen könnte. Klar hat Er Seinen geraden Pfad in Worten und Äußerungen von höchster Beredsamkeit aufgezeigt. Wahrlich, Er ist der Allbesitzende, der Erhabenste. Als Er beschloß, die neue Schöpfung ins Sein zu rufen, da sandte Er den offenbaren, leuchtenden Punkt vom Horizonte Seines Willens aus; er ging durch alle Zeichen und offenbarte sich in jeder Form, bis er schließlich den Zenit erreichte, wie es Gott, der Herr aller Menschen, gebot.

Dieser Punkt ist der Brennpunkt im Kreise der Namen, der Gipfelpunkt für die Offenbarungen von Buchstaben in der Welt der Schöpfung. Durch ihn erschienen Hinweise auf das undurchdringliche Geheimnis, das reichgeschmückte Sinnbild, Ihn, der im Größten Namen enthüllt ward; einem Namen, der auf der leuchtenden Tafel niedergelegt und in der heiligen, der gesegneten, der schneeweißen Schriftrolle verzeichnet ist. Und als der Punkt vereint wurde mit dem zweiten Buchstaben¹, der zu Beginn der Mathání² erscheint, da durchmaß er die Himmel der Rede und der Auslegung. Dann verströmte das ewige Licht Gottes seinen Strahlenglanz; es flammte auf im Herzen des Firmaments des Zeugnisses Gottes, und es brachte zwei Lichtkörper hervor. Verherrlicht sei der Barmherzige, den kein Ausdruck umschreiben, keine Aussage enthüllen, kein Zeichen bezeugen kann. Er ist fürwahr der Verordner, der Allgütige, im Anfang wie im Ende. Und Er schaffte ihnen Beschützer und Verteidiger aus den Heerscharen der Kraft und Macht. Wahrlich, Er ist der Helfer in Gefahr, der Mächtige, der Unbezwungene.

¹ der Buchstabe »B«, der zweite im Alphabet

² mathání = »doppelt« die Eröffnungssure des Qur'án, die mit dem Buchstaben »B« beginnt: Bismi'lláhi'r-Rahmáni'r-Rahím (Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Gnädigen). Diese Súrah wurde zweimal, in Mekka und in Medina, offenbart.

Die Vorrede zu diesem Sendbrief wird wie einst die Matháni¹ zweimal offenbart.

¹ siehe Fußnote zu 8/4

Preis sei Gott, der den Punkt offenbarte und aus ihm die Kenntnis aller Dinge, der vergangenen wie der künftigen, entfaltete - einen Punkt, den Er zum Herold Seines Namens erkor und zum Vorboten Seiner Großen Offenbarung, welche der ganzen Menschheit die Glieder erbeben und Sein Licht in vollem Glanz über dem Horizont der Welt erstrahlen ließ. Wahrlich, dies ist der Punkt, den Gott zu einem Lichtmeer für die Aufrichtigen unter Seinen Dienern bestimmte und zugleich zu einer Feuerflamme für die Eigensinnigen unter Seinen Geschöpfen sowie die Gottlosen in Seinem Volke, sie, welche die Gabe Gottes gegen den Unglauben verschacherten, das himmlische Mahl gegen Heuchelei, und ihren Anhang zu einer elenden Wohnstatt führten. Sie sind die Leute, welche in der ganzen Welt Aufruhr entfachen und Sein Bündnis brechen an dem Tage, da das Unsterbliche Wesen Seinen Thron bestieg und der Rufer mit lauter Stimme rief in der Freistatt der Sicherheit und des Friedens, tief im heiligen Tale.

O ihr Anhänger des Bayán! Fürchtet den Allbarmherzigen. Dies ist Der, welchen Muhammad, der Gesandte Gottes, verherrlicht hat, und vor Ihm der Geist¹, und vor Diesem Der, welcher mit Gott Zwiesprache hielt.² Dies ist der Punkt des Bayán, der laut vor dem Throne ausruft: »Bei der Gerechtigkeit Gottes, ihr seid erschaffen, um diese Größte Verkündigung, diesen Vollkommenen Pfad zu verherrlichen. Er lag verborgen in den Seelen der Propheten; er war wie ein Schatz verwahrt in den Herzen der Erwählten Gottes und wurde niedergeschrieben von der ruhmreichen Feder eures Herrn, des Besitzers der Namen.«

¹ Jesus ² Moses

Sprich: Sterbt in eurem Zorn, o ihr Böswilligen! Wahrlich, Er, Dessen Wissen nichts entgeht, ist gekommen. Er, Der das Antlitz der göttlichen Erkenntnis vor Freude strahlen ließ, ist da. Durch Ihn ist das Reich der Rede geschmückt, jede empfängliche Seele richtet ihr Angesicht auf den Herrn der Offenbarungen, jeder Kniefällige erhebt sich, und jeder Träge eilt, zum Sinai der Gewißheit zu gelangen. Dies ist der Tag, den Gott zu einem Segen für die Rechtschaffenen bestimmte, zu einem Strafgericht über die Gottlosen, zur Wohltat für die Glaubenden und zum Ausbruch Seines Zornes für die Ungläubigen und Eigensinnigen. Wahrlich, Er ist offenbart worden, von Gott bekleidet mit unüberwindlicher Souveränität. Er hat verkündet, was weder auf Erden noch in den Himmeln seinesgleichen hat.

Fürchtet den Allbarmherzigen, o Volk des Bayán, und begehet nicht, was die Anhänger des Qur'án begingen - sie, die Tag und Nacht ihren Glauben an die Religion Gottes bekundeten; als aber der Herr aller Menschen erschien, wandten sie sich von Ihm ab und sprachen ein so grausames Urteil gegen Ihn, daß am Tage der Wiederkehr das Mutterbuch in tiefem Schmerz Sein Geschick beklagte. Erinnert euch ihrer Taten und ihrer Worte und denket darüber nach, auch über ihren Rang und ihren Wert sowie alles, was sie verübten, als Er, der am Sinai Zwiesprache gehalten hatte, Seine Zunge löste, als die Posaune erscholl und alle im Himmel und auf Erden in Ohnmacht fielen, ausgenommen jene, die zu den Buchstaben der Bestätigung gerechnet sind.

O Volk des Bayán! Laßt euren eitlen Wahn und leeren Trug, alsdann schauet mit rechtem Augenmaß auf den Morgen Seiner Verkündigung und betrachtet, was Er offenbart, die Worte, die Er von Gott verkündet, und die Leiden, die Ihm die Hände Seiner Feinde angetan. Er ist Der, welcher jedwede Heimsuchung willig auf sich nahm, um Seine Sache zu verkünden und Sein Wort zu verherrlichen. Einmal duldete Er Kerkerhaft im Lande Tá¹, ein andermal im Lande Mím², dann noch einmal im erstgenannten Land - alles für die Sache Gottes, des Schöpfers der Himmel. Für Seine Liebe zur Sache Gottes, des Allmächtigen, des Allbarmherzigen, wurde Er dort in Ketten und Bande gelegt.

¹ Tihrán ² Mázindarán

O Volk des Bayán! Habt ihr die Ermahnungen vergessen, die Meine Feder offenbarte und Meine Zunge sprach? Habt ihr Meine Gewißheit verschachert gegen euren eitlen Wahn und Meinen Pfad gegen eure selbstischen Begierden? Habt ihr die Gebote Gottes und Sein Gedenken weggeworfen, Seine Gesetze und Vorschriften aufgegeben? Fürchtet Gott, überlaßt den leeren Trug seinen Erzeugern, den Aberglauben seinen Erfindern und die Zweifel denen, die sie ausbrüten. Mit strahlendem Angesicht und mit makellosem Herzen schreitet sodann voran zu dem Himmelssaum, über dem hell die Sonne der Gewißheit scheint auf Geheiß Gottes, des Herrn der Offenbarungen.

Preis sei Gott, der die Größte Unfehlbarkeit zum Panzer für den Tempel Seiner Sache im Reiche der Schöpfung machte und keinem einen Anteil an dieser hehren, erhabenen Stufe zuwies. Diese Stufe ist ein Gewand, das die Finger allüberragender Macht für Sein erlauchtes Selbst gewoben haben. Es kleidet keinen außer Demjenigen, Der auf dem mächtigen Throne des »Er tut, was Ihm gefällt«¹ sitzt. Wer anerkennt und bekennt, was die Feder der Herrlichkeit in diesem Augenblick niederschreibt, wird wahrlich im Buche Gottes, des Herrn des Anfangs und des Endes, zu den Trägern göttlicher Einheit gezählt, zu denen, die den Begriff der Einheit Gottes stützen.

¹ Vgl Qur'án 253, 224, 228

Als der Fluß der Worte diesen Stand erreichte, verströmten weit und breit die süßen Düfte wahrer Erkenntnis, und die Sonne göttlicher Einheit erstrahlte am Horizont Seiner heiligen Rede. Selig ist, wen Sein Ruf zum Gipfel der Herrlichkeit hinzieht, wer dem letzten Ziele nahekommt und im durchdringenden Ton Meiner Feder der Herrlichkeit erkennt, was der Herr dieser und der kommenden Welt will. Wer indessen versäumt, den erlesenen Wein zu trinken, den Wir durch die Kraft Unseres Namens, der Allbezwingende, entsiegelt haben, der wird außerstande sein, das Licht göttlicher Einheit an seinen Strahlen zu erkennen oder den Sinn und Zweck zu begreifen, der den Schriften Gottes, des Herrn von Himmel und Erde, des Alleinherrschers in dieser und der kommenden Welt, zugrundeliegt. Ein solcher Mensch wird im Buche Gottes, des Allwissenden, des Allunterrichteten, zu den Ungläubigen gerechnet.

O du verehrter Frager!¹ Wir bezeugen, daß du treu die gebotene Geduld übtest in den Tagen, da die Feder an ihrer Bewegung gehindert war und die Zunge zögerte, eine Erläuterung des wundersamen Zeichens, der Größten Unfehlbarkeit, darzutun. Du hast diesen Unterdrückten gebeten, ihre Schleier für dich zu entfernen, dir ihr Geheimnis und ihr Wesen, ihren Rang, ihre Stufe, ihre Vortrefflichkeit, Hoheit und Erhabenheit zu erhellen. Beim Leben Gottes! Würden Wir die Zeugnisse enthüllen, die wie Perlen in den Muscheln des Meeres der Erkenntnis und der Sicherheit verborgen ruhen, oder wollten Wir die Schönheiten des göttlichen Geheimnisses, die in den Gemächern der Rede im Paradiese wahren Verstehens behütet wohnen, aus ihrer Wohnstatt hervortreten lassen, dann würde unter den Religionsführern allerorts heftiger Aufruhr entstehen, und du würdest das Volk Gottes in den Klauen und Zähnen solcher Wölfe sehen, die Gott am Anfang und am Ende verleugnet haben. So zügelten Wir die Feder aus göttlicher Weisheit geraume Zeit, um die Gläubigen vor denen zu schützen, die himmlischen Segen gegen Zweifel verschachern und für ihr Volk die Stätte der Verdammnis wählen.²

¹ Das Sendschreiben war gerichtet an Jalíl-i-Khu'í, einen der frühen Gläubigen in Ádhirbáyján. Nach dem Hinscheiden Bahá'u'lláhs brach er Dessen Bündnis.

² vgl. Qur'án 148

O du Gottsucher, begabt mit klarer Einsicht! Ich schwöre bei Dem, Der die Scharen der Höhe durch die Kraft des erhabensten Wortes anzogt! Wahrlich, die Vögel in den Gefilden Meines Reiches und die Tauben im Rosengarten Meiner Weisheit singen und gurren Lieder, die unergründlich sind für alle außer Gott, dem Herrn der Reiche im Himmel und auf Erden, und würden diese Lieder um weniger als ein Nadelöhr enthüllt, so würde das Volk der Tyrannei Verleumdungen äußern, wie sie keines der früheren Geschlechter je geäußert hat, und würde Taten begehen, wie sie noch keiner in früheren Zeiten verübt hat. Sie verwerfen die Gaben Gottes und Seine Beweise, sie leugnen das Zeugnis Gottes und Seine Zeichen. Sie gehen in die Irre, führen das Volk in die Irre und merken es dennoch nicht. Leeren Wahn beten sie an und wissen es nicht. Eitlen Trug wählen sie sich zum Herrn, Gottes vergessend, und doch verstehen sie es nicht. Das größte Meer lassen sie hinter sich und hasten einem Tümpel zu, aber sie begreifen es nicht. Sie folgen ihrem eigenen eitlen Trug und kehren sich ab von Gott, dem Helfer in Gefahr, dem Selbstbestehenden.

Sprich: Bei der Gerechtigkeit Gottes! Der Allerbarmer ist gekommen, bekleidet mit Macht und Souveränität. Durch Seine Macht erzittern die Grundmauern der Religionen, und die Nachtigall des Wortes schlägt auf dem höchsten Zweige wahren Verstehens. Er, der im Wissen Gottes verborgen und in den Heiligen Schriften erwähnt war, ist wahrlich gekommen. Sprich: Heute ist der Tag, da der Sprecher am Sinai den Thron der Offenbarung einnimmt und das Volk vor dem Herrn der Welten steht.¹ Heute ist der Tag, da die Erde ihre Botschaft verkündet!² und ihre Schätze offenlegt, da die Meere ihre Perlen ans Licht bringen und der göttliche Lotosbaum seine Früchte zeitigt, da die Sonne ihren Strahlenglanz verströmt und die Monde ihr Licht verstreuen, da die Himmel ihre Sterne, die Stunde ihre Zeichen und die Auferstehung ihre furchtbare Majestät offenbaren, da die Federn ihre Kunde von sich geben und alle Geister ihre Geheimnisse offenlegen. Selig der Mensch, der Ihn anerkennt und in Seine Gegenwart gelangt, und wehe denen, die Ihn verleugnen und sich von Ihm wenden! Ich flehe zu Gott, Er möge Seinen Dienern helfen, zu Ihm zurückzukehren. Wahrlich, Er ist der Vergebende, der Nachsichtige, der Barmherzige.

¹ vgl. Qur'án 83 ² vgl. Qur'án 99

O du, der du dein Angesicht auf das Reich der Höhe richtest und aus der Hand der Gabenfülle Meinen versiegelten Wein nimmst und trinkst! Wisse, daß der Begriff »Unfehlbarkeit« zahlreiche Bedeutungen und verschiedene Rangstufen hat. Zunächst ist dieser Begriff auf Den anwendbar, Den Gott gegen Irrtum gefeit hat. Desgleichen wird er auf jede Seele bezogen, die Gott vor Sünde, Übertretung, Empörung, Mangel an Ehrfurcht, Unglauben und dergleichen bewahrt. Die Größte Unfehlbarkeit jedoch ist auf Denjenigen beschränkt, Dessen Stufe unermeßlich erhaben ist über Gebote oder Verbote, geheiligt über Irrtümer und Versäumnisse. Er ist fürwahr ein Licht, auf welches kein Dunkel folgt, eine Wahrheit, die kein Irrtum ereilt. Würde Er erklären, Wasser sei Wein, Himmel sei Erde oder Licht sei Feuer, so spräche Er die Wahrheit, und es gäbe keinen Zweifel daran; keiner hätte das Recht, Seine Vollmacht anzuzweifeln oder warum und wofür zu fragen. Wer Einwände erhebt, wird im Buche Gottes, des Herrn der Welten, zu den Eigensinnigen gezählt. »Wahrlich, Er wird um Sein Tun nicht befragt, sie aber werden um ihr Tun betragt.«¹ Er ist aus dem unsichtbaren Himmel gekommen, das Banner »Er tut, was Er will«² in den Händen, begleitet von den Heerscharen der Macht und Herrschaft, während alle außer Ihm die Pflicht haben, die Gesetze und Gebote genau zu befolgen, die ihnen auferlegt sind. Wenn jemand auch nur um Haaresbreite davon abwiche, würden seine Werke zunichte.

¹ vgl. Qur'án 213 ² vgl. Qur'án 253, 224, 228

Bedenke die Zeit, da Muhammad erschien, und rufe sie dir vor Augen. Er sprach, und Sein Wort ist die Wahrheit: »Die Pilgerfahrt zum Hause¹ ist ein Dienst vor Gott.«² Und das gleiche sind das tägliche Gebet, die Fasten sowie die Gesetze, die am Horizont des Buches Gottes, des Herrn der Welt und des wahren Erziehers der Völker und Geschlechter auf Erden, erschienen. Jeder hat die Pflicht, Ihm zu gehorchen in allem, was Gott verordnet hat, und wer Ihn verleugnet, glaubt nicht an Gott, Seine Verse, Seine Sendboten und Seine Bücher. Würde Er erklären, Rechtes sei falsch oder Leugnung sei Glaube, so spräche Er die Wahrheit, wie Gott es befiehlt. Dies ist eine Stufe, auf der Sünden und Übertretungen weder bestehen noch erwähnt werden. Erwäge den seligen, den göttlich offenbarten Vers, in dem die Pilgerfahrt zu dem Hause jedermann auferlegt worden ist. Es oblag denen, die nach Ihm³ mit Amtsgewalt bekleidet waren, alles zu befolgen, was ihnen im Buche vorgeschrieben war. Keinem ist das Recht gegeben, von den Gesetzen und Geboten Gottes abzuweichen. Wer davon abweicht, wird im Buche Gottes, des Herrn des Mächtigen Thrones, zu den Sündern gezählt.

¹ Mekka ² Qur'án 37 ³ Muhammad

O du, der du den Blick auf den Morgen der Sache Gottes richtest! Wisse mit Gewißheit, daß der Wille Gottes nicht von den Maßstäben des Volkes begrenzt wird und daß Gott nicht in ihren Wegen wandelt. Vielmehr hat jeder die Pflicht, sich fest an Gottes geraden Pfad zu halten. Würde Er verkünden, rechts sei links oder Süd sei Nord, so spräche Er die Wahrheit, und es gäbe keinen Zweifel daran. Wahrlich, Ihm gebührt Lob für Seine Beschlüsse und Gehorsam gegenüber Seinem Geheiß. Er hat keinen Gefährten in Seinem Urteil und keinen Helfer in Seiner Souveränität. Er tut, was Er will, und verordnet, was Ihm beliebt. Wisse ferner, daß alle außer Ihm durch die Kraft eines Wortes aus Seiner Gegenwart erschaffen sind, während keiner aus sich selbst heraus Bewegung oder Ruhe findet, es sei denn durch Sein Gebot und mit Seiner Erlaubnis.

O du, der du dich in die Höhenluft der Liebe und der Freundschaft aufschwingst und deinen Blick auf das lichte Antlitz deines Herrn, des Königs der Schöpfung, richtest! Sage Gott Dank dafür, daß Er dir entwickelt, was in Seinem Wissen verborgen und verwahrt gewesen, auf daß jedermann gewahr werde, daß Er sich im Reiche Seiner höchsten Unfehlbarkeit keinen Gefährten oder Ratgeber erkoren hat. Er ist fürwahr der Morgen göttlicher Regeln und Gebote, der Springquell der Erkenntnis und Weisheit, während alle außer Ihm nur Seine Untertanen sind und unter Seiner Herrschaft stehen. Er ist der höchste Herrscher, der Verordner, der Allwissende, der Allunterrichtete.

Was dich selbst anbelangt: Wann immer dich der Lebensodem der offenbarten Verse entzückt, wann immer dich die reinen, lebenspendenden Wasser, dargereicht von der großmütigen Hand deines Herrn, des unumschränkten Herrschers am Tage der Auferstehung, mit sich forttragen, erhebe du deine Stimme und sprich:

O mein Gott! O mein Gott! Ich danke Dir, daß Du mich hin zu Dir lenkst, daß Du mich zu Deinem Horizonte hinführst, mir Deinen Pfad zeigst, mir Dein Zeugnis enthüllst und mich befähigst, mein Angesicht auf Dich zu richten, während die meisten Gelehrten und Geistlichen unter Deinen Dienern samt allen, die ihnen nachfolgen, ohne den geringsten Beweis und ohne jedes Zeugnis von Dir sich abkehren. Preis sei Dir, o Herr der Namen, und Ruhm sei Dir, o Schöpfer der Himmel, daß Du mir durch die Macht Deines Namens, der Selbstbestehende, von Deinem versiegelten Weine zu trinken gibst, mich Dir nahe kommen läßt und mich befähigst, den Morgen Deines Wortes, die Manifestation Deiner Zeichen, den Springquell Deiner Gesetze und Gebote, den Urgrund Deiner Weisheit und Deiner Gnadengaben zu erkennen. Selig ist das Land, das Deine Fußstapfen adeln, darauf der Thron Deiner Allgewalt steht und darin der Duft Deines Gewandes sich verbreitet. Bei Deiner Herrlichkeit und Majestät, Deiner Macht und Kraft, ich wünsche mir mein Sehvermögen nur, um Deine Schönheit zu schauen, und mein Gehör allein, um Deinen Ruf und Deine Verse zu vernehmen.

O mein Gott! O mein Gott! Halte die Augen nicht fern von den Dingen, für die Du sie erschaffen hast, noch verwehre den Angesichtern, sich Deinem Lichthimmel zuzuwenden, an den Toren Deiner Majestät zu huldigen, vor Deinem Throne zu erscheinen oder sich vor der strahlenden Sonne Deiner Gabenfülle zu verneigen.

Ich bin der, o Herr, welcher mit Herz und Seele, mit allen Gliedern, mit seiner inneren wie mit seiner äußeren Zunge Deine Einheit und Deine Einzigkeit bekundet und bezeugt, daß Du Gott bist und daß es außer Dir keinen Gott gibt. Du hast die Menschheit ins Leben gerufen, damit sie Dich erkenne und Deiner Sache diene, auf daß solchermaßen ihre Stufe auf Deiner Erde erhöht werde und die Seelen der Menschen erbaut werden vermöge all dessen, was Du in Deinen Schriften, Deinen Büchern und Deinen Tafeln offenbart hast. Aber kaum hattest Du Dich offenbart und Deine Zeichen enthüllt, da wandten sie sich von Dir ab, leugneten Dich und verwarfen, was Du kraft Deiner Macht und Stärke vor ihren Augen entschleiertest. Sie erhoben sich, Dir Leid zuzufügen, Dein Licht zu löschen und die Flamme zu ersticken, die in Deinem Brennenden Busche lodert. So schlimm schwoll ihr Frevel, daß sie sich verschworen, Dein Blut zu vergießen und Deine Ehre zu verletzen. Solches tat auch er¹, den Du mit der Hand Deiner Gnade großgezogen hattest, den Du vor dem Unheil der Aufrührer unter Deinen Geschöpfen und der Eigensinnigen unter Deinen Dienern beschützt hattest, er, dem Du aufgegeben hattest, Deine heiligen Verse vor Deinem Throne niederzuschreiben.

Wehe, wehe ob der Taten, die er in Deinen Tagen verübte, bis daß er Deinen Bund und Dein Testament brach, Deine heilige Schrift verwarf, aufrührerisch sich erhob und beging, was die Bewohner Deines Reiches zum Weinen brachte. Kaum hatte er sodann bemerkt, daß seine Hoffnungen zunichte wurden, kaum hatte er den Dunst völligen Versagens verspürt, da erhob er seine Stimme und äußerte, was Deine Erwählten, die Dir nahe sind, und alle im Festzelt der Herrlichkeit verblüffte.

¹ Mírzá Yahyá

Du siehst mich, o mein Gott, wie ich mich vor Qual im Staube winde gleich einem Fisch. Erlöse mich, hab Mitleid mit mir, o Du, dessen Hilfe von allen Menschen erfleht wird, o Du, in dessen Hand die Zügel der Macht über alle Männer und Frauen liegen. Sooft ich meiner schweren Fehler und meiner schlimmen Vergehen gedenke, packt mich Verzweiflung von allen Seiten, und sooft ich innehalte, um über das Meer Deiner Großmut, den Himmel Deiner Gnade und die Sonne Deines zarten Erbarmens nachzusinnen, atme ich den Duft der Hoffnung, der von rechts und links, von Nord und Süd her strömt, als ob alles Erschaffene mir die frohe Botschaft brächte, daß die Wolken am Himmel Deiner Barmherzigkeit ihren Regen auf mich ergießen werden. Bei Deiner Macht, o Du Stütze und Stab der Aufrichtigen, Du Sehnsucht aller, die sich nahen Zugangs zu Dir erfreuen! Deine mannigfachen Gaben und Gunstbeweise, die Offenbarungen Deiner Güte und Gnade, haben mich wahrhaft ermutigt. Wie sonst könnte das nackte Nichts den Namen Dessen erhöhen, Der durch ein Wort die Schöpfung zum Sein erweckte, wie könnte ein winziges Geschöpf Den preisen, Der zur Genüge dartut, daß keine Beschreibung Ihn je zum Ausdruck bringen, kein Wort des Lobpreises Seinen Ruhm verherrlichen kann? Er steht seit Ewigkeit unermeßlich hoch erhaben über dem Verstehen Seiner Geschöpfe und ist geheiligt von den Vorstellungen Seiner Diener.

O Herr! Du siehst diesen Leblosen vor Deinem Antlitz; laß es in Deiner Freigebigkeit und großzügigen Gunst nicht zu, daß er vom Kelche ewigen Lebens ausgeschlossen bleibt. Du siehst diesen Niedergeschlagenen vor Deinem Throne stehen; weise ihn nicht hinweg vom Meere Deiner Heilung. Ich flehe zu Dir, befähige mich, Deiner zu allen Zeiten und in jeder Lage zu gedenken, Deinen Namen zu erhöhen und Deiner Sache zu dienen, auch wenn ich wohl weiß, daß nichts, was von einem Diener ausgeht, die Begrenzungen seiner Seele überschreiten, nichts Deiner Herrschaft angemessen oder des Hofes Deiner Herrlichkeit und Majestät würdig sein kann.

Deine Macht ist mein Zeuge! Nur für Deinen Lobpreis ist mir meine Zunge von Nutzen, und nur für den Dienst vor Dir ist mir mein Dasein von Gewinn. Wofür außer für den strahlenden Anblick Deines Reiches der Herrlichkeit sollte ich mein Augenlicht schätzen? Und wozu, wenn nicht für die Freude, auf Deine süße Stimme zu lauschen, dient mir mein Gehör?

Wehe mir! Ich weiß nicht, o mein Gott, meine Stütze, Du Sehnsucht meines Herzens, ob Du für mich verordnet hast, was meinen Augen Trost bringt, was mir freudig die Brust bewegt und mein Herz frohlocken läßt, oder ob Dein unwiderruflicher Ratschluß, o Du König der Ewigkeit und unumschränkter Herr über alle Völker, mich hindern wird, vor Deinen Thron zu treten. Ich schwöre bei Deiner Herrlichkeit und Majestät, bei Deiner Macht und Herrschaft, das Dunkel meiner Ferne von Dir hat mich vernichtet. Was ist aus dem Licht Deiner Nähe geworden, o Du Verlangen jedes verständigen Herzens? Die Todesqual der Trennung von Dir hat mich verzehrt. Wo ist das strahlende Licht der Wiedervereinigung mit Dir, Du Heißgeliebter all derer, die Dir ganz ergeben sind?

Du siehst, o mein Gott, was mir auf Deinem Pfade die Hände derer zufügten, die Deine Wahrheit leugnen, Dein Bündnis brechen, Deine Zeichen schmähen, all den Segen, den Du ihnen gewährst, verwerfen, den Versen, die Du herniedersandtest, nicht glauben und sich weigern, das Zeugnis anzuerkennen, das Du erfüllt hast.

O Herr! Die Zunge meiner Zunge, das Herz meines Herzens, der Geist meines Geistes, mein äußeres wie mein inneres Sein, alle sind Zeugen Deiner Einheit und Einzigkeit, Deiner Macht und Allgewalt, Deiner Hoheit und Herrschaft; sie alle bezeugen Deinen Ruhm, Deine Erhabenheit und Allmacht. Ich bezeuge, daß Du Gott bist und daß es neben Dir keinen anderen Gott gibt. Seit Ewigkeit warst Du ein vor dem Anblick und dem Verstand der Menschen verborgener Schatz, und Du wirst bis in alle Ewigkeit so bleiben. Keine Macht der Erde kann Dich hindern, keine Gewalt der Völker kann Dich schrecken. Du bist Der, welcher das Tor der Erkenntnis vor dem Angesicht Deiner Diener aufgetan hat, damit sie Den anerkennen, Der der Morgenstern Deiner Offenbarung, der Aufgangsort Deiner Zeichen, der Himmel Deiner Manifestation und die Sonne Deiner göttlichen Schönheit ist.

#135

In Deinen heiligen Büchern, in Deinen Sendbriefen und Schriftrollen hast Du allen Völkern der Welt verheißen, daß Du selbst erscheinen und die Schleier der Herrlichkeit vor Deinem Antlitz hinwegziehen wirst, wie Du es in Deinen Worten an Deinen Freund¹ ankündigtest, durch den die Sonne der Offenbarung hell am Horizont des Hijáz erstrahlte und das Morgenlicht göttlicher Wahrheit seinen Glanz über alle Menschen ergoß, als Du verkündetest: »Der Tag, da die Menschheit vor dem Herrn der Welten stehen wird.«²

¹ Muhammad ² Qur'án 83

Und vor Muhammad gabst Du diese frohe Botschaft Dem, der mit Dir Zwiesprache hielt,¹ und sprachest zu Ihm: »Führe dein Volk hervor aus dem Dunkel in das Licht und gemahne es an die Tage Gottes.«² Des weiteren verkündetest Du diese Wahrheit dem Geiste³ und Deinen Propheten und Deinen Boten aus früher und jüngerer Zeit. Strömte alles, was Du zur Verherrlichung dieses Größten Gedenkens, dieser Größten Verkündigung herniedersandtest, aus dem Brunnquell Deiner Erhabensten Feder hervor, die Bewohner in den Städten der Erkenntnis wären starr vor Staunen, ausgenommen solche, die Du kraft Deiner Macht vom Banne löstest und zum Zeichen Deiner freigebigen Gunst und Gnade beschütztest.

¹ Moses ² Qur'án 14 ³ Jesus

#136

Ich bezeuge, daß Du fürwahr Dein Pfand eingelöst und Den offenbart hast, Dessen Kommen von Deinen Propheten, Deinen Erwählten und Deinen Dienern verheißen ward. Er ist gekommen vom Horizont der Macht und Herrlichkeit, die Banner Deiner Zeichen und die Standarten Deiner Zeugnisse in Händen. Durch die Kraft Deiner unbezwinglichen Macht und Stärke erhob Er sich vor allen Menschen und rief die ganze Menschheit zum Gipfel überragender Herrlichkeit, hin zum höchsten Horizont, solchermaßen, daß weder der Widerstand der Geistlichen noch der Angriff der Herrscher Ihn hindern konnten. Er stand auf mit unbeugsamem Entschluß, löste Seine Zunge und kündete in klingenden Tönen: »Er, der Allgütige, ist erschienen, hoch auf den Wolken reitend. Tritt herzu, o Volk der Erde, mit leuchtendem Antlitz und strahlendem Herzen!«

Groß ist wahrlich der Segen dessen, der Deine Gegenwart erlangt, den Wein der Wiedervereinigung aus der Hand Deiner Großmut nimmt und trinkt, der den Duft Deiner Zeichen atmet, der seine Zunge löst, Deinen Lobpreis zu feiern, hoch sich in Deine Himmel schwingt, von Deiner süßen Stimme entrückt wird, Zutritt in das erhabenste Paradies erlangt und die Stufe unverschleierter innerer Schau vor dem Throne Deiner Majestät erreicht.

Ich bitte Dich bei der Größten Unfehlbarkeit, die Du zum Tagesanbruch Deiner Offenbarung erwähltest, und bei Deinem erhabensten Worte, durch dessen Wirkkraft Du die Schöpfung ins Leben riefest und Deine Sache enthülltest, und bei diesem Namen, der alle anderen Namen stöhnen und den Weltweisen die Glieder erzittern ließ, ich bitte Dich, mache mich frei von allem außer Dir, solchermaßen, daß ich mich nur mit Deinem Willen und Wohlgefallen bewege, daß ich nur nach Deinem Befehl und Deiner Absicht spreche und nur die Worte Deines Lobpreises und Deiner Verherrlichung höre.

Ich verherrliche Deinen Namen, o mein Gott, und sage Dir Dank, o meine Sehnsucht, daß Du mich befähigt hast, Deinen geraden Pfad klar zu erkennen, daß Du Deine Große Verkündigung vor meinen Augen enthülltest und mir halfest, mein Angesicht auf den Morgen Deiner Offenbarung und auf den Springquell Deiner Sache zu richten, während Deine Diener und Dein Volk sich von Dir abkehrten. Ich flehe zu Dir, o Herr im Reiche der Ewigkeit, bei dem durchdringenden Ton der Allherrlichen Feder, bei dem Brennenden Feuer, das laut aus dem grünenden Baume ruft, und bei der Arche, die Du eigens dem Volke Bahás bereitetest, gewähre, daß ich standhaft bleibe in meiner Liebe zu Dir, zufrieden mit allem, was Du mir in Deinem Buche verordnet hast, fest in Deinem Dienst und im Dienst an Deinen Geliebten. Stehe sodann Deinen Dienern gnädig bei, o mein Gott, zu tun, was Deine Sache erhöhen hilft und was sie befähigt, alles zu befolgen, was Du in Deinem Buch offenbart hast.

Wahrlich, Du bist der Herr der Kraft, Du bist mächtig zu bestimmen, was Du willst, und in Deinem Griff hältst Du die Zügel alles Erschaffenen. Es gibt keinen Gott außer Dir, dem Allmächtigen, dem Allwissenden, dem Allweisen.

O Jalíl! Wir enthüllten deinen Augen das Meer und seine Wogen, die Sonne und ihren Glanz, die Himmel und ihre Sterne, die Muscheln und ihre Perlen. Danke Gott für diese große Gabe, diese gnädige Gunst, die alle Welt durchdringt.

O du, der du deine Augen auf die Strahlen Meines Antlitzes richtest! Eitler Wahn umgibt die Erdenbewohner und hindert sie, sich dem Horizonte der Gewißheit, seiner Klarheit, seinen Offenbarungen und seinem Lichte zuzuwenden. Leerer Trug hält sie von Ihm, dem Selbstbestehenden, ab. Sie reden, was ihnen ihre Launen eingeben, und haben kein Verständnis. Unter ihnen sind jene, die sagen: »Sind die Verse offenbart worden?« Sprich: »Ja, beim Herrn der Himmel!« »Ist die Stunde¹ gekommen?« »Nein, sie ist sogar schon vorüber, bei Ihm, dem Offenbarer klarer Zeichen! Wahrlich, die Unvermeidliche?² ist gekommen, und Er, der Wahre, ist mit Zeugnis und Beweis erschienen. Das Land³ liegt offen, und die Menschheit ist in Furcht und Schrecken. Die Erde bebt,(4) die Geschlechter wehklagen aus Furcht vor Gott, dem Herrn der Kraft, dem Allbezwingenden.«

¹ Qur'án-Stellen auf die »Stunde« sind sehr häufig, etwa 302, 792; vgl. auch Matth. 246, 244, 240; Luk. 120; Joh. 55, 58; Off. 3

² vgl. Qur'án 69-3 ³ Sáhirah, vgl. Qur'án 794 (4) vgl. Qur'án 99 (al-Zilzál), 22

#138

Sprich: »Betäubend laut erschallt die Posaune¹, und der Tag ist Gottes, des Einen, des Unbeschränkten.« Und sie fragen: »Ist die Katastrophe² eingetreten?« Sprich: »Ja, bei dem Herrn der Herren!« »Ist die Auferstehung³ geschehen?« »Nein, mehr noch: Er, der Selbstbestehende³, ist mit dem Königreich Seiner Zeichen erschienen.«

¹ zu den entsprechende Qur'án-Stellen siehe die Erläuterungen im Anhang

² vgl. Qur'án 101 (al-Qári'ah), 794 ³ vgl. Qur'án 2011

»Siehst du die Menschen niedergestürzt?«¹ »Ja, bei meinem Herrn, dem Höchsten, dem Herrlichsten!« »Sind die Baumstämme entwurzelt worden?«² »Ja, mehr noch: Selbst die Berge wurden durch Ihn, den Herrn der Eigenschaften, zu Staub zermahlen!«³

¹ vgl. Qur'án 69 ² vgl. Qur'án 540, 69 ³ vgl. Qur'án 2006, 770

#139

Sie fragen: »Wo ist das Paradies und wo die Hölle?« Sprich: »Das eine ist die Vereinigung mit Mir, das andere dein eigenes Selbst, o du, der du Gott einen Gefährten zugesellst und zweifelst.« Sie sagen: »Wir sehen die Waage¹ nicht.« Sprich: »Freilich, bei meinem Herrn, dem Gott des Erbarmens! Keiner kann sie sehen außer den Einsichtsvollen.« Sie fragen: »Sind die Sterne¹ gefallen?« Sprich: »Ja, als Er, der Selbstbestehende, im Land des Geheimnisses² wohnte. Habt acht, o ihr scharf Unterscheidenden!« Alle Zeichen erschienen, als Wir die Hand der Macht aus dem Busen der Majestät und Herrschaft zogen. Wahrlich, der Rufer hat gerufen, als die verheißene Zeit gekommen war, und die den Strahlenglanz des Sinai erkannten, sanken in der Wüste des Zauderns ohnmächtig hin vor der ehrfurchtgebietenden Majestät deines Herrn, des Herrn der Schöpfung. Die Posaune¹ fragt: »Wurde das Horn geblasen?«³ Sprich: »Ja, bei dem König der Offenbarung! Es geschah, als Er den Thron Seines Namens, der Allgütige, bestieg.« Die Finsternis wurde vom Morgenlicht der Gnade deines Herrn, des Quells allen Lichtes, vertrieben. Der Odem des Allbarmherzigen weht, und die Seelen sind erquickt in den Gräbern ihrer Körper. So ist der Ratschluß erfüllt von Gott, dem Mächtigen, dem Wohltätigen. Die die Wahrheit zurückweisen, fragen: »Wann wurden die Himmel¹ gespalten?« Sprich: »Während ihr in den Gräbern der Achtlosigkeit und des Irrtums laget.«

¹ zu den entsprechende Qur'án-Stellen siehe die Erläuterungen im Anhang

² Adrianopel , siehe Erläuterung zu Edirne

³ vgl. Qur'án 63,189,2002,2301,277,361,398,500,693,78 188

Einer der Ungläubigen reibt sich die Augen und schaut zur Rechten und zur Linken. Sprich: »Verblendet bist du.¹ Keine Zuflucht bleibt dir, dahin du fliehen könntest.« Auch ist einer unter ihnen, der fragt: »Sind die Menschen versammelt worden?² Sprich: »Ja, bei Meinem Herrn! Während du in der Wiege eitlen Wahn lagst.« Und ein anderer unter ihnen fragt: »Ist das Buch durch die Macht des wahren Glaubens herniedergesandt worden?« Sprich: »Der wahre Glaube selbst ist darüber in Staunen versetzt. Fürchtet euch, o ihr Menschen mit verstehendem Herzen!« Und noch einer von ihnen fragt: »Bin ich blind mit den anderen versammelt worden?«³ Sprich: »Ja, bei Ihm, Der auf den Wolken reitet!«

¹ vgl. Qur'án 276 ³ vgl. Qur'án 2025

² vgl. Qur'án 203, 32, 35, 358, 47, 472, 509, 62, 62, 108, 105, 155, 177, 189, 195, 2002, 257, 340, 372, 42, 429, 456, 64, 778

#140

Das Paradies ist mit mystischen Rosen geschmückt, und die Hölle lodert auf durch das Feuer der Gottlosen. Sprich: »Das Licht ist am Horizont der Offenbarung erschienen, und die ganze Erde wurde beim Kommen des Herrn am Tage des Bündnisses erleuchtet!« Die Zweifler sind zugrunde gegangen, aber gut bestellt ist es um den, der sich, vom Lichte der Überzeugung geführt, zum Morgen der Gewißheit wendet. Selig bist du, der du deinen Blick auf Mich richtest, um dieses Sendbriefes willen, der für dich herabgesandt ist - ein Sendbrief, der den Seelen der Menschen Aufschwung gibt. Präge ihn deinem Gedächtnis ein und trage ihn vor. Bei Meinem Leben! Er ist ein Tor zur Gnade deines Herrn. Wohl dem, der ihn am Abend und am Morgen liest. Wahrlich, Wir hörten, wie du diese Sache priesest, durch die der Berg des Wissens zermalmt ward und die Füße der Menschen strauchelten. Meine Herrlichkeit sei mit dir und allen, die sich, dem Allmächtigen, dem Gabenreichen, zugewandt haben. Das Sendschreiben ist nun beendet, aber das Thema ist noch nicht erschöpft. Sei geduldig, denn dein Herr ist der Geduldige.¹

¹ Bahá'u'lláh hat den ganzen Abschnitt

mindestens dreimal offenbart, nämlich hier, dann im »Brief an den Sohn des Wolfes (p.117-119), und - wie aus der nächsten Zeile hervorgeht - früher schon einmal.

Dies sind Verse, die Wir früher herniedersandten. Wir übermitteln sie dir, damit du erfährst, was ihre Lügenzungen sprechen, nachdem Gott mit Macht und Herrschaft zu ihnen kam. Die Grundlagen eitlen Wahns zittern und der Himmel leeren Truges ist gespalten; dennoch sind die Menschen im Zweifel und hadern mit Ihm. Sie leugnen Gottes Zeugnis und Seinen Beweis, nachdem Er vom Himmel der Macht mit dem Königreich Seiner Zeichen kam. Sie verwerfen, was ihnen im Buche befohlen ist, und verüben, was ihnen darin verboten ward. Abgewandt haben sie sich von ihrem Gott und sind ihren Begierden gefolgt. Sie sind fürwahr vom Wege abgekommen und gehen in die Irre. Sie lesen die Verse und leugnen sie. Sie schauen die klaren Zeichen und kehren sich ab. Wahrlich, sie sind in seltsamen Zweifeln verfangen.

Wir ermahnen Unsere Geliebten zur Gottesfurcht, die der Urquell aller guten Taten und Sitten ist. In der Stadt Bahás ist sie Gebieterin über die Heerscharen des Rechts. Glücklich der Mensch, der in den Schatten ihres leuchtenden Banners tritt und sich fest daran hält. Er, wahrlich, zählt zu den Gefährten der Roten Arche, von der im Qayyúmu'l-Asmá die Rede ist.¹

¹ Qayyúmu'l-Asmá, Kap. 57, Selections from the Writings of the Báb, p.58; vgl. auch Shoghi Effendi, Gott geht vorüber, p.173

Sprich: O Volk Gottes! Schmückt eure Tempel mit der Zier der Vertrauenswürdigkeit und Frömmigkeit. Alsdann helft eurem Herrn mit den Heerscharen guter Taten und edler Eigenschaften. In Meinen Büchern, Abhandlungen, Schriftrollen und Sendbriefen haben Wir euch Streit und Zwist verboten, und dabei wünschten Wir nur eure Erhöhung und euren Fortschritt. Dies bezeugen die Himmel und ihre Sterne, die Sonne und ihr Glanz, die Bäume und ihre Blätter, die Meere und ihre Wogen, die Erde und ihre Schätze. Wir bitten Gott, Seinen Geliebten beizustehen und sie in dem zu stärken, was auf dieser glückseligen, dieser mächtigen, wunderbaren Stufe ihrer würdig ist. Desgleichen flehen wir zu Ihm, Er möge alle in Meiner Umgebung befähigen zu tun, was ihnen Meine Feder der Herrlichkeit geboten hat.

O Jalíl! Mit dir seien Meine Herrlichkeit und Meine liebevolle Vorsehung. Wahrlich, Wir haben dem Volk zu tun geboten, was angemessen und schicklich ist, und dennoch haben sie begangen, was Mein Herz und Meine Feder wehklagen ließ. Neige dein Ohr dem, was vom Himmel Meines Willens, aus dem Reiche Meines Wohlgefallens herniedergesandt ist. Ich gräme Mich nicht über Meine Gefangenschaft noch über das, was Mir die Hand Meiner Feinde zufügte. Nein, Meine Schmerzen sind von denen verursacht, die behaupten, Mir verbunden zu sein, und doch verüben, was Meine Stimme sich klagend erheben und Meine Tränen fließen läßt. In verschiedenen Sendschreiben haben Wir sie ausführlich ermahnt und zu Gott gefleht, Er möge ihnen gnädig helfen und sie befähigen, Ihm nahezukommen, und möge sie in allem bestätigen, was den Herzen Frieden, den Seelen Ruhe bringt und ihre Hände abhält von Taten, die Seinen Tagen übel anstehen.

Sprich: O Meine Geliebten in Meinen Landen! Höret auf den Rat Dessen, Der euch um Gottes willen ermahnt. Er hat euch wahrlich erschaffen. Er hat vor euren Augen enthüllt, was euch erhöht und eure Belange fördert. Er hat euch Seinen geraden Pfad gewiesen und euch Seine Große Verkündigung angezeigt.

O Jalíl! Ermahne die Menschen zur Gottesfurcht. Bei Gott! Die Gottesfurcht ist die Oberbefehlshaberin über die Streitmacht deines Herrn. Ihre Truppen sind hehre Tugenden und gute Taten. So hat sie durch alle Jahrhunderte und Zeitalter die Städte der Menschenherzen erobert und die Banner der Überlegenheit und des Sieges hoch über allen anderen Bannern gehißt.

Wir wollen dich nun an die Vertrauenswürdigkeit und an die Stufe erinnern, die sie vor Gott, deinem Herrn, dem Herrn des Mächtigen Thrones, einnimmt. Eines Tages begaben Wir uns auf Unsere Grüne Insel¹. Als Wir sie betraten, sahen Wir fließende Bäche und Bäume in voller Pracht, zwischen deren Blättern die Sonne spielte. Unser Gesicht nach rechts wendend, sahen Wir, was die Feder nicht zu beschreiben vermag; sie kann nicht kundtun, was das Auge des Herrn der Menschheit an diesem heiligsten, hehrsten, seligsten, erhabensten Orte wahrnahm. Wir wandten Uns darauf zur Linken. Dort sahen Wir eine der Schönen des Erhabensten Paradieses auf einer Säule reinen Lichts stehen und mit lauter Stimme rufen: »O ihr Bewohner von Erde und Himmel! Schauet Meine Schönheit, Mein Leuchten, Meine Erscheinung, Meinen Glanz! Bei Gott, dem Wahren! Ich bin die Vertrauenswürdigkeit, ihre Offenbarung und ihre Schönheit. Ich will jeden belohnen, der sich an Mich hält, Meinen Rang und Meine Stufe erkennt und sich fest an den Saum Meines Gewandes klammert. Ich bin der edelste Schmuck für das Volk Bahás, der Mantel des Ruhmes für alle im Reiche der Schöpfung. Ich bin das erhabenste Werkzeug für die Wohlfahrt der Welt, der Horizont der Sicherheit für alles Leben.« Damit senden Wir dir hernieder, was die Menschen näher zum Herrn der Schöpfung ziehen wird.

¹ Garten Na'mayn in 'Akká, von Bahá'u'lláh mit der Benennung Ridván geehrt, nicht zu verwechseln mit dem Garten Ridván in Baghdád (vgl. Shoghi Effendi, Gott geht vorüber, S. 219) s.a.

sowie Erläuterungen im Anhang dazu

Die Feder des Höchsten wendet sich jetzt von der beredten Sprache¹ zur glanzvollen Sprache², damit du, o Jalíl, das zarte Erbarmen deines Herrn, des Unvergleichlichen, schätzest und zu den wahrhaft Dankbaren gehörest.

¹ Arabisch ² Persisch

O du, der du den Blick auf den allherrlichen Horizont richtest! Der Ruf ist erhoben, aber der hörenden Ohren sind wenige oder gar keine. Dieser Unterdrückte sieht sich im Schlunde der Schlange; dennoch säumt Er nicht, der Geliebten Gottes zu gedenken. So schlimm waren in diesen Tagen Unsere Leiden, daß die himmlischen Heerscharen zu Tränen gerührt sind und laut klagen. Aber weder alle Not der Welt noch alles Unrecht ihrer Völker können Ihn, den König der Ewigkeit, hindern, die Menschen vorzuladen, noch können sie Seine Absicht vereiteln. Als diejenigen, die sich jahrelang hinter Schleiern verborgen hielten, sahen, wie hell der Horizont der Sache Gottes leuchtet und wie Sein Wort alles durchdrang, da stürmten sie mit Schwertern der Bosheit auf uns ein und fügten uns Leid zu, das keine Feder beschreiben und keine Zunge schildern kann.

Wer gerecht urteilt, der bezeugt, daß seit den frühen Tagen der Sache dieser Unterdrückte sich unverhüllt und strahlend im Angesicht von Königen und Gemeinen, von Herrschern und Geistlichen erhebt und alle Menschen in klingenden Tönen auf den geraden Pfad ruft. Er kennt keine Hilfe denn Seine Feder und keinen Beistand als sich selbst.

Die Sinn und Zweck der Sache Gottes nicht kennen oder nicht beachten, stehen gegen Ihn auf. Solche Menschen sind die Vorboten des Bösen, die Gott in Seinem Buch und auf Seinen Tafeln erwähnt und gegen deren Einfluß, Lärm und List Er Sein Volk gewarnt hat. Wohl denen, die, das Gedenken des Herrn der Ewigkeit vor Augen, die Völker der Welt als bloßes Nichts, als eine vergessene Sache betrachten und sich so fest an den Sicheren Griff¹ Gottes klammern, daß weder Zweifel noch Gewisper, weder Schwerter noch Kanonen sie Seiner Gegenwart fernhalten oder berauben können. Selig sind die Standhaften; selig sind, die fest in Seinem Glauben sind.

¹ s.a. 174 , 175 , sowie Erläuterungen

Als Antwort auf deine Bitte hat die Feder der Herrlichkeit die Größte Unfehlbarkeit mit ihren Stufen und Graden gnädiglich beschrieben. Dies hatte den Zweck, alle mit Gewißheit erkennen zu lassen, daß das Siegel der Propheten¹ - mögen die Seelen aller außer Ihm für Ihn geopfert werden - auf Seiner Ihm eigenen Stufe ohne Seinesgleichen, Ebenbürtigen oder Gefährten ist. Die Heiligen² - möge der Segen Gottes auf ihnen ruhen - sind durch die Kraft Seines Wortes erschaffen; nach Ihm waren sie die Gebildetsten und Edelsten im Volke, und sie stehen auf der höchsten Stufe der Dienstbarkeit. Das göttliche Wesen, geheiligt über jeden Vergleich und alle Ähnlichkeit, hat Seinen Sitz im Propheten, und Gottes innerste Wirklichkeit, erhaben über jeden Ebenbürtigen oder Gefährten, ist in Ihm offenbar. Dies ist die Stufe wahrer Einheit und wirklicher Einzigkeit. Die Anhänger der früheren Offenbarung haben es schmerzlich versäumt, ein angemessenes Verständnis dieser Stufe zu erwerben. Der Erste Punkt³ - möge das Leben aller außer Ihm um Seinetwillen geopfert werden - spricht: »Hätte das Siegel der Propheten nicht das Wort `Nachfolge` geäußert, so wäre diese Stufe nicht erschaffen.«

¹ Muhammad; Qur'án 330, vgl. dazu Kitáb-i-Iqán, p.110f

² die Imáme ³ der Báb

Das Volk gesellte ehedem Gott Gefährten bei, auch wenn es sich zum Glauben an Seine Einheit bekannte. Obwohl sie die Unwissendsten unter den Menschen waren, hielten sie sich für höchst gebildet. Aber als ein Zeichen göttlicher Vergeltung für diese Achtlosen wurden heute, am Tag des Gerichts, ihre falschen Glaubenssätze und Studienziele für jeden urteilsfähigen, verständnisvollen Menschen klar und offenkundig bloßgelegt.

Flehe zu Gott, dem Wahren, er möge die Anhänger dieser Offenbarung gnädiglich vor dem eitlen Wahn und verderbten Trug derer beschützen, die dem früheren Glauben angehören, und sie nicht der Sonne wahrer Einheit und ihres Strahlenglanzes berauben.

O Jalíl! Dieser Unterdrückte der Welt verkündet nun: Das Licht der Gerechtigkeit ist getrübt und die Sonne des rechten Maßes dem Blick verschleiert. Der Räuber thront auf dem Sitze des Hüters und Beschützers, und der Stellung des Getreuen hat sich der Verräter bemächtigt. Vor einem Jahr herrschte ein Unterdrücker über diese Stadt und bewirkte jeden Augenblick neues Leid. Bei der Gerechtigkeit Gottes! Er verübte, was die Herzen der Menschen in Schrecken versetzte. Aber für die Feder der Herrlichkeit war die Tyrannei auf Erden noch nie ein Hindernis und wird es niemals sein. In der Fülle Unserer Gunst und Gnade haben Wir eigens für die Herrscher und Amtsträger der Welt offenbart, was Schutz und Sicherheit, Ruhe und Frieden bewirkt; hoffentlich bleiben die Menschenkinder von den Übeln der Unterdrückung bewahrt. Er ist fürwahr der Beschützer, der Helfer, der den Sieg verleiht. Die Mitglieder von Gottes Haus der Gerechtigkeit haben die Pflicht, ihr Augenmerk bei Tag und bei Nacht auf das zu richten, was die Feder der Herrlichkeit für die Erziehung der Völker, den Aufbau der Nationen, den Schutz des Menschen und die Sicherung seiner Ehre aufleuchten ließ.

Das erste Ishráq

Als die Sonne der Weisheit am Horizont der heiligen Sendung Gottes aufging, tat sie diese allherrliche Äußerung: Wer Wohlstand besitzt und mit Macht und Amtsgewalt belehnt ist, muß der Religion die höchste Achtung schenken. Die Religion ist wahrlich ein strahlendes Licht und eine uneinnehmbare Feste für den Schutz und die Wohlfahrt aller Völker der Welt; denn die Gottesfurcht treibt den Menschen, sich fest an alles Gute zu halten und alles Böse zu meiden. Würde die Lampe der Religion verdunkelt, so wären Chaos und Verwirrung die Folge, und die Lichter der Redlichkeit und Gerechtigkeit, der Ruhe und des Friedens würden nicht länger scheinen. Dies wird jeder wahrhaft Verständige bezeugen.

Das zweite Ishráq

Wir haben der ganzen Menschheit befohlen, den Geringeren Frieden zu begründen - das sicherste aller Mittel für den Schutz der Menschenwelt. Die Herrscher der Welt sollten sich einmütig daran halten; denn dies ist das vortrefflichste Werkzeug, das Gewähr für Sicherheit und Wohlfahrt aller Völker und Nationen bieten kann. Sie sind wahrlich die Offenbarungen der Macht Gottes und die Morgenröten Seiner Allgewalt. Wir flehen zum Allmächtigen, Er möge ihnen gnädig helfen in dem, was dem Wohlergehen ihrer Untertanen förderlich ist. Eine vollständige Darlegung dieser Angelegenheit hat die Feder der Herrlichkeit schon früher verfaßt. Wohl denen, die danach handeln.

Das dritte Ishráq

Jeder hat die Pflicht, Gottes heilige Gebote zu halten, da sie der Lebensquell der Welt sind. Der Himmel göttlicher Weisheit wird von zwei Leuchten erhellt: Beratung und Barmherzigkeit, und das Königszelt der Weltordnung ist auf zwei Pfeilern errichtet: Lohn und Strafe.

Das vierte Ishráq

In dieser Offenbarung sind die Heerscharen, die sie zum Siege führen können, rühmliche Taten und ein aufrechter Charakter. Anführer und Befehlshaber dieser Heerscharen ist seit je die Gottesfurcht, die alle Dinge umfaßt und beherrscht.

Das fünfte Ishráq

Die Regierungen sollten sich völlig mit den Lebensverhältnissen ihrer Untertanen vertraut machen und ihnen nach Verdienst und Wert Ämter verleihen. Jeder Regent und Herrscher hat die Pflicht, diese Angelegenheit mit größter Sorgfalt zu verfolgen, damit nicht der Verräter das Amt des Getreuen an sich reiße, noch der Plünderer den Platz des Vertrauenswürdigen versehe. Unter den Beamten, die in der Vergangenheit dieses Größte Gefängnis verwalteten, waren manche - Gott sei gelobt - mit Gerechtigkeit geschmückt; aber was die anderen angeht, nehmen Wir Unsere Zuflucht zu Gott. Wir bitten den einen wahren Gott, sie alle zu führen, damit sie der Frucht des Glaubens und der Vertrauenswürdigkeit nicht verlustig gehen noch vom Lichte der Unparteilichkeit und der Gerechtigkeit ferngehalten bleiben.

Das sechste Ishráq

ist Einheit und Eintracht unter den Menschenkindern. Seit Anbeginn der Zeit ergießt das Licht der Einheit seinen göttlichen Strahlenglanz auf die Welt, und das wichtigste Mittel für die Förderung dieser Einheit ist, daß die Völker der Welt sich gegenseitig in Wort und Schrift verstehen. In früheren Sendschreiben haben Wir den Treuhändern des Hauses der Gerechtigkeit befohlen, entweder eine unter den heute bestehenden Sprachen auszuwählen oder eine neue einzuführen und ebenso eine allgemeine Schrift zu bestimmen; beide sollten in allen Schulen der Welt gelehrt werden. So wird die Erde als ein Land und eine Heimat betrachtet. Die herrlichste Frucht vom Baum der Erkenntnis ist dieses erhabene Wort: Ihr seid alle die Früchte eines Baumes und die Blätter eines Zweiges. Es rühme sich keiner, daß er sein Land liebt, weit eher, daß er das Menschengeschlecht liebt. In dieser Hinsicht haben Wir schon früher offenbart, was zum Wiederaufbau der Welt und zur Einheit der Nationen führt. Selig, wer dahin gelangt. Selig, wer danach handelt!

Das siebente Ishráq

Die Feder der Herrlichkeit gibt jedermann Ratschläge zur Unterweisung und Erziehung der Kinder. Seht, was der Wille Gottes bei Unserer Ankunft in der Gefängnisstadt offenbart und im Heiligsten Buche¹ aufgezeichnet hat. Jedem Vater ist die Unterweisung seines Sohnes und seiner Tochter in der Kunst des Lesens und Schreibens sowie allem, was im Heiligen Sendschreiben niedergelegt ist, zur Pflicht gemacht. Wer beiseite schiebt, was ihm geboten ist, dem müssen die Treuhänder abverlangen, was für die Unterweisung der Kinder erforderlich ist, sofern er Vermögen hat; wo nicht, fällt die Sache dem Haus der Gerechtigkeit anheim. Wahrlich, Wir haben es zu einer Zuflucht für die Armen und Bedürftigen gemacht. So jemand seinen Sohn oder den Sohn eines anderen aufzieht, ist es, als erziehe er einen Meiner Söhne. Mit ihm seien Meine Herrlichkeit, Meine Gnade, Meine Barmherzigkeit, die die Welt umfassen.

¹ Kitáb-i-Aqdas

Das achte Ishráq

Der Abschnitt, den die Feder der Herrlichkeit nunmehr schreibt, gilt als Teil des Heiligsten Buches: Die Mitglieder von Gottes Haus der Gerechtigkeit sind mit den Angelegenheiten des Volkes betraut. Sie sind wahrlich die Treuhänder Gottes unter Seinen Dienern und die Morgenröten der Amtsgewalt in Seinen Landen.

O Volk Gottes! Was die Welt erzieht, ist die Gerechtigkeit, denn sie wird von zwei Säulen getragen: Lohn und Strafe. Diese beiden Säulen sind die Lebensquellen der Welt. Insofern es für jeden Tag ein neues Problem und für jedes Problem eine zweckmäßige Lösung gibt, sind solche Angelegenheiten dem Haus der Gerechtigkeit vorzulegen, damit dessen Mitglieder nach den Nöten und Erfordernissen der Zeit handeln. Die sich für Gott erheben, Seiner Sache zu dienen, sind Empfänger göttlicher Eingebung aus dem unsichtbaren Reich. Alle haben die Pflicht, ihnen zu gehorchen. Alle Staatsgeschäfte sind dem Haus der Gerechtigkeit vorzulegen; aber Gottesdienste müssen so gehalten werden, wie es Gott in Seinem Buch offenbart hat.

O Volk Bahás! Ihr seid die Dämmerorte der Liebe Gottes, die Morgenröten Seiner Gnade. Besudelt eure Zungen nicht mit Flüchen und Schmähreden auf irgendeine Seele und hütet eure Augen vor Unschicklichem. Tut dar, was ihr besitzet. Wird es günstig aufgenommen, ist euer Zweck erreicht; wo nicht, ist Widerspruch fruchtlos. Überlaßt diese Seele sich selbst und kehrt euch zum Herrn, dem Beschützer, dem Selbstbestehenden. Verursacht keinen Kummer, geschweige denn Zwietracht und Streit. Es ist zu hoffen, daß ihr im Schatten des Baumes Seines sanften Erbarmens wahre Erziehung erlangt und nach Gottes Wunsch handelt. Ihr seid alle die Blätter eines Baumes und die Tropfen eines Meeres.

Das neunte Ishráq

Das Ziel der Religion, wie sie vom Himmel des heiligen Willens Gottes offenbart ist, besteht darin, Einheit und Eintracht unter den Völkern der Welt zu stiften; macht sie nicht zur Ursache für Zwist und Streit. Die Religion Gottes und Sein göttliches Gesetz sind die machtvollsten Werkzeuge und die sichersten Mittel dafür, daß das Licht der Einheit zwischen den Menschen anbricht. Der Fortschritt der Welt, die Entwicklung der Nationen, die Ruhe der Völker und der Frieden aller Erdenbewohner gehören zu den Grundsätzen und Geboten Gottes. Die Religion schenkt dem Menschen die wertvollste aller Gaben, reicht ihm den Kelch des Wohlstands, verleiht ihm ewiges Leben und läßt unzerstörbare Wohltaten auf die Menschheit herniedergehen. Es geziemt den Oberhäuptern und Herrschern der Welt, besonders den Treuhändern von Gottes Haus der Gerechtigkeit, sich bis an die Grenzen ihrer Kraft zu mühen, um die Stellung der Religion zu sichern, ihre Interessen zu fördern und ihre Stufe in den Augen der Welt zu erhöhen. Desgleichen ist es ihre Pflicht, die Lebensverhältnisse ihrer Untertanen zu erforschen und sich mit den Belangen und Tätigkeiten der verschiedenen Gemeinschaften in ihren Herrschaftsbereichen vertraut zu machen. Wir rufen die Offenbarungen der Allmacht Gottes - die Herrscher und Regenten auf Erden - auf, sich zu regen und alles, was in ihrer Kraft steht, zu tun, um die Zwietracht zu bannen und die Welt mit dem Licht der Einheit zu erleuchten.

Jeder hat die Pflicht zu befolgen, was aus Unserer Erhabensten Feder floß, und sich fest daran zu halten. Gott, der Wahre, ist Mein Zeuge und jedes vorhandene Atom ist bewegt zu bekunden, daß die Mittel, die die Erhöhung, den Fortschritt, die Erziehung, den Schutz und die Wiederbelebung der Völker auf Erden bewirken, von Uns klar dargelegt und von der Feder der Herrlichkeit in den Heiligen Büchern und Sendbriefen offenbart worden sind.

Wir bitten Gott, Seinen Dienern gnädig beizustehen. Was dieser Unterdrückte von jedem erwartet, ist Gerechtigkeit und Redlichkeit. Keiner darf sich mit bloßem Zuhören begnügen; vielmehr sollte jeder darüber nachdenken, was dieser Unterdrückte offenbart hat. Ich schwöre bei der Sonne des Wortes, die hoch am Horizont über dem Reiche des Allerbarmers scheint: Wäre ein Ausleger oder Sprecher zu erkennen gewesen, hätten Wir Uns nicht der Kritik, dem Gespött und der Verleumdung des Volkes ausgesetzt.

Bei Unserer Ankunft im 'Iráq fanden Wir die Sache Gottes im Todesschlaf versunken; kein Hauch göttlicher Offenbarung wehte. Die meisten Gläubigen waren schwach und entmutigt, ja völlig verloren und tot. Da geschah der zweite Posaunenstoß, worauf die Zunge der Größe die gesegneten Worte sprach: »Wir haben die Posaune zum zweiten Mal geblasen.«¹ So wurde die ganze Welt mit dem belebenden Hauch göttlicher Offenbarung und Eingebung erquickt.

¹ vgl Qur'án 398

Nun sind gewisse Seelen hinter den Schleiern hervorgestürzt in der Absicht, diesem Unterdrückten Leid zuzufügen. Sie haben die Ausgießung dieser unschätzbaren Gnadengaben behindert und geleugnet.

O ihr, die ihr rechtschaffen urteilt! Wenn diese Sache geleugnet werden kann, welche andere Sache in der Welt läßt sich dann vertreten oder der Annahme für würdig befinden?

Die der Sache Gottes den Rücken kehren, suchen fleißig die Heiligen Schriften dieser Offenbarung zu sammeln; durch Gebärden der Freundschaft haben sie bereits einige dieser Schriften von denen, die sie besaßen, an sich gebracht. Übrigens geben sie sich, wenn sie Anhängern einer anderen Religion begegnen, als deren Mitgläubige aus. Sprich: Sterbt in eurem Zorn! Wahrlich, Er ist mit solcher Allmacht erschienen, daß kein Mensch mit Sehvermögen und Gehör, mit Einsicht, Rechtsempfinden oder Redlichkeit Ihn jemals leugnen kann. Dies bezeugt zu dieser strahlenden Stunde die Feder Dessen, Der der Altehrwürdige der Tage ist.

O Jalíl! Mit dir sei Meine Herrlichkeit. Wir ermahnen die Geliebten Gottes, gute Taten zu vollbringen, auf daß ihnen gnädig geholfen werde und sie sich unerschütterlich an das halten, was vom Himmel Seiner Offenbarung herniedergesandt ist. Der Segen aus diesem göttlichen Wort fällt denen zu, die Seine Gebote halten. Wir bitten Gott, sie zu solchen Taten zu befähigen, die vor Ihm annehmbar und wohlgefällig sind; ihnen zu gewähren, daß sie unparteiisch handeln und Gerechtigkeit üben in dieser allbezwingenden Sache, sie mit Seinen Heiligen Schriften vertraut zu machen und ihre Schritte auf Seinen geraden Pfad zu lenken.

Unser Erhabener Vorläufer - möge das Leben aller außer Ihm um Seinetwillen geopfert werden - hat gewisse Gesetze offenbart; doch wurden im Reiche Seiner Offenbarung diese Gesetze von Unserer Billigung abhängig gemacht. Demzufolge hat dieser Unterdrückte einige dieser Gesetze in Kraft gesetzt, indem Er sie mit veränderten Worten in den Kitáb-i-Aqdas eingliederte. Andere hoben Wir auf. Er hält die Vollmacht in Händen. Er tut, was Er will, und verordnet, was Ihm gefällt. Er ist der Allmächtige, der Allgepriesene. Es gibt auch neu offenbarte Gesetze. Selig sind, die dazu gelangen. Selig sind, die Seine Gebote befolgen. Das Volk Gottes sollte sich aufs äußerste mühen, daß das Feuer des Hasses und der Bosheit, das den Völkern und Geschlechtern in der Brust schwelt, durch die Lebenswasser weiser Rede und die Ermahnungen Dessen, Der die Sehnsucht der Welt ist, gelöscht und die Bäume menschlichen Seins mit wundersamen, köstlichen Früchten geschmückt werden. Er ist in Wahrheit der Ermahner, der Erbarmer, der Gabenreichste.

Seine Herrlichkeit, die mit ihrem Glanz am Himmelszelt der Großmut strahlt, ruhe auf euch, o Volk Bahás, auf jedem, der fest und standhaft ist, auf allen, die im Glauben sicher gegründet und mit wahrem Verständnis bekleidet sind.

Zu deiner Frage bezüglich des Zinses und Gewinns aus Gold und Silber: Vor einigen Jahren wurde aus dem Himmel des Allbarmherzigen zu Ehren dessen, der den Namen Gottes, den Würdentitel Zaynu'l-Muqarrabín¹, trägt - mit ihm sei die Herrlichkeit des Allherrlichen - der folgende Abschnitt offenbart. Er - gepriesen sei Sein Wort - spricht: Viele Menschen sind darauf angewiesen. Wenn es keine Aussicht auf Zinsertrag gäbe, würden deshalb die Geschäfte der Menschen zusammenbrechen oder durcheinander geraten. Nur selten findet man jemanden, der so viel Rücksicht für seinen Mitmenschen, seinen Landsmann oder selbst seinen Bruder, an den Tag legt und ihn derart zart umsorgt, daß er ihm bereitwillig ein zinsloses Darlehen zur Unterstützung gewährt. Deshalb haben Wir zum Zeichen der Gunst für die Menschen verordnet, daß Schuldzinsen wie andere unter den Menschen übliche Geschäfte zu behandeln sind. Nachdem diese klare Verfügung nunmehr vom Himmel des Willens Gottes herniederkam, ist die Zinsnahme rechtens und angebracht, damit das Erdenvolk sich im Geiste der Freundschaft und Brüderlichkeit mit Freude und Frohsinn hingebungsvoll der Verherrlichung Seines Namens, der Meistgeliebte der ganzen Menschheit, widme. Wahrlich, Er verordnet nach Seiner Wahl. Er hat nunmehr Schuldzinsen rechtmäßig gemacht, wie Er sie in der Vergangenheit unrechtmäßig gemacht hatte.² In Seiner Hand hält Er das Reich der Allmacht. Er handelt und verordnet. Er ist fürwahr der Gebieter, der Allwissende.

¹ arab. »Zier der Gott Nahen« einer der frühen Gläubigen, der den Freunden durch seine zuverlässigen Abschriften der Sendschreiben Bahá'u'lláhs vertraut ist. vgl.'Abdu'l-Bahá, Memorials oft the Faithful, p.150ff

¹ vgl. dazu 2.Mose 224, 3.Mose 256-37, 5.Mose 230-21, Psalm 15, Hesekiel 18, 183, 187, 222, Qur'án 275-276, 278-279, 330, 309

Danke deinem Herrn, o Zaynu'l-Muqarrabín, für diese offenbare Gnadengabe.

Viele Geistliche in Persien ernähren sich von rechtswidrigen Gewinnen, die sie durch Wucher mit zahllosen Kniffen und Schlichen erlangen. Sie haben Mittel und Wege ersonnen, wie sie alledem den äußeren Anschein der Rechtmäßigkeit geben. Aus den Gesetzen und Geboten Gottes machen sie ein Spielzeug, und doch verstehen sie es nicht.

Diese Sache muß jedoch maßvoll und gerecht behandelt werden. Unsere Feder der Herrlichkeit verzichtet zum Zeichen der Weisheit und zum Vorteil des Volkes darauf, die Grenze festzulegen. Nichtsdestoweniger ermahnen Wir die Geliebten Gottes, gerecht und billig zu verfahren und zu tun, was die Freunde Gottes ermutigt, einander zartes Erbarmen und Mitleid zu bekunden. Er ist fürwahr der Ratgeber, der Mitleidvolle, der Gabenreichste. Gebe Gott, daß allen Menschen gnädig geholfen werde zu befolgen, was die Zunge des einen wahren Gottes sprach. Und wenn sie verwirklichen, was Wir darlegen, wird Gott - gepriesen sei Seine Herrlichkeit - ihren Anteil aus dem Himmel Seiner Großmut sicherlich verdoppeln. Wahrlich, Er ist der Großzügige, der Vergebende, der Mitleidvolle. Preis sei Gott, dem Erhabensten, dem Größten.

Trotz allem ist die Regelung dieser Angelegenheiten den Mitgliedern des Hauses der Gerechtigkeit anvertraut, damit sie nach den Erfordernissen der Zeit und den Eingebungen der Weisheit verfahren.

Noch einmal ermahnen wir alle Gläubigen, Gerechtigkeit und Redlichkeit walten zu lassen, aber auch Liebe und Zufriedenheit zu bekunden. Sie sind fürwahr das Volk Bahás, die Gefährten der Roten Arche. Mit ihnen sei der Friede Gottes, des Herrn aller Namen, des Schöpfers der Himmel.

LAWH-I-HIKMAT (Das Tablet der Weisheit) BH00223

¹ Dieses Sendschreiben war gerichtet an Áqá Muhammad, einen bedeutenden Gläubigen aus der Stadt Qá'in, der den Ehrennamen Nabíl-i-Akbar erhielt; vgl. 'Abdu'l-Bahá, Memorials of the Faithful, p.1-5. Ein anderer bedeutender Bahá'í aus Qá'in, Mulla Muhammad-Alí, war als Nabíl-i-Qá'iní bekannt, vgl. Abdu'l-Bahá a.a.O., p.49-54

Dies ist ein Lehrbrief, den der Allerbarmer aus dem Reich des Wortes herniedersendet. Er ist fürwahr ein Lebenshauch für die, so im Reiche der Schöpfung wohnen. verherrlicht sei der Herr aller Welten! In diesem Lehrbrief wird des Mannes gedacht, der den Namen Gottes, seines Herrn, erhöht und in einem gewichtigen Sendschreiben Nabil genannt ist.

O Muhammad!¹ Höre auf die Stimme, die vom Reiche der Herrlichkeit ausgeht und laut aus dem himmlischen Baum hoch über dem Lande Za'farán² ruft: »Wahrlich, es gibt keinen Gott außer Mir, dem Allwissenden, dem Weisen.« Sei du wie der Odem des Allbarmherzigen für die Bäume im Reiche des Seins: Fördere ihr Wachstum durch die Kraft des Namens deines Herrn, der Gerechte, der Allunterrichtete. Unser Wunsch ist es, dich mit allem vertraut zu machen, was dem Volke zur Mahnung dient, damit die Menschen ablegen, was unter ihnen im Schwange ist, und ihr Angesicht Gott, dem Herrn der Aufrichtigen, zukehren.

¹ Nach dem Abjad-System hat der Name »Muhammad« denselben Zahlenwert wie »Nabil«

² In einem Sendschreiben erklärt Bahá'u'lláh : »Der Heilige Baum (Sadrat) ist in einem bestimmten Sinn die Manifestation des einen wahren Gottes, gepriesen sei Er. Der Gesegnete Baum im Lande Za'farán bezieht sich auf das blühende, selige, heilige, duftende Land, wo dieser Baum gepflanzt worden ist.«

Wir ermahnen die Menschheit in diesen Tagen, da das Antlitz der Gerechtigkeit in Staub gehüllt ist, da hoch die Flammen des Unglaubens lodern und das Gewand der Weisheit zerrissen ist, da Ruhe und Treue verebben, Prüfungen und Drangsale aber heftig angeschwollen sind, da Bünde gebrochen und Bande zertrennt werden, da kein Mensch mehr weiß, wie er das Licht von der Finsternis, die Führung vom Irrtum unterscheiden soll.

O Völker der Welt! Gebt alles Böse auf und haltet fest, was gut ist. Strebt danach, der ganzen Menschheit leuchtende Beispiele zu bieten und Wahrzeichen der göttlichen Tugenden unter den Menschen zu sein. Wer sich aufmacht, Meiner Sache zu dienen, sollte Meine Weisheit offenbaren und alle Mühe darauf wenden, die Unwissenheit von der Erde zu verbannen. Seid einig in der Beratung, seid eins im Denken. Laßt jeden Morgen besser sein als den Abend davor und jeden neuen Tag reicher werden als den gestrigen. Des Menschen Vorzug liegt im Dienst und in der Tugend, nicht im Prunk des Wohllebens und des Reichtums. Habt acht, daß eure Worte rein sind von eitlem Wahn und weltlichen Lüsten und eure Taten von List und Argwohn. Vergeudet nicht den Reichtum eures kostbaren Lebens im Verfolg böser, verderbter Neigung, noch laßt eure Mühe völlig in der Förderung eurer eigenen Interessen aufgehen. Seid großzügig in Tagen der Fülle und geduldig in der Stunde des Verlustes. Auf Not kommt Erfolg, und Jubel folgt dem Wehe. Nehmt euch in acht vor Faulheit und Müßiggang, haltet euch an das, was der Menschheit, ob jung oder alt, hoch oder niedrig, Nutzen bringt. Hütet euch, das Unkraut des Zwistes unter die Menschen zu säen oder die Dornen des Zweifels in reine, strahlende Herzen zu pflanzen.

O ihr Geliebten des Herrn! Begeht nichts, was den klaren Fluß der Liebe verschmutzt oder den süßen Duft der Freundschaft tilgt. Bei der Gerechtigkeit des Herrn! Ihr seid erschaffen, einander Liebe zu bezeigen, nicht Eigensinn und Groll. Seid nicht stolz auf eure Eigenliebe, sondern auf die Liebe zu euren Mitgeschöpfen. Rühmt euch nicht der Liebe zu eurem Vaterland, sondern der Liebe zur ganzen Menschheit. Laßt euer Auge keusch, eure Hand getreu, eure Zunge wahr und euer Herz licht sein. Setzt nicht die Stufe der Gelehrten in Bahá herab und schmälert nicht den Rang solcher Herrscher, die Gerechtigkeit zwischen euch üben. Vertraut auf die Heerschar der Gerechtigkeit, legt den Harnisch der Weisheit an, schmückt euch mit Vergebung und Barmherzigkeit sowie mit allem, was den Begünstigten Gottes das Herz erfreut.

Bei Meinem Leben! Die Betrübnisse, die du erwähnst, haben Mich traurig gemacht. Achte nicht der Kinder dieser Welt und all ihrer Taten, sondern hefte deinen Blick auf Gott und seine immerwährende Herrschaft. Wahrlich, Er ruft dir in Erinnerung, was der Quell des Ergötzens für die ganze Menschheit ist. Trinke das lebenspendende Wasser seliger Freude aus dem Kelch des Wortes, den der Urquell göttlicher Offenbarung reicht - Er, der deiner in dieser mächtigen Feste gedenkt. Mühe dich bis an die Grenzen deiner Kräfte, weise und beredt dem Wort der Wahrheit Geltung zu verschaffen und die Falschheit vom Antlitz der Erde zu bannen. So befiehlt dir der Morgen göttlicher Erkenntnis an diesem leuchtenden Horizont.

O du, der du in Meinem Namen sprichst! Sieh das Volk und was es in Meinen Tagen angerichtet hat. Einem der Herrscher haben Wir offenbart, was alle Erdenbewohner überwältigt; Wir haben ihn aufgefordert, Uns den Gelehrten dieser Zeit gegenüberzustellen, damit Wir vor ihm selbst das Zeugnis Gottes, Seine Beweise, Seine Herrlichkeit und Majestät darlegen könnten; und damit hatten Wir nur das Allerbeste im Sinn. Aber er beging, was in den Städten der Gerechtigkeit und Billigkeit alle Einwohner wehklagen ließ. So ward das Urteil gefällt zwischen Mir und ihm. Wahrlich, dein Herr ist der Gesetzgeber, der Allunterrichtete. Wie kann sich unter den Umständen, die du siehst, der Himmelsvogel in die Lüfte göttlicher Geheimnisse emporschwingen, wenn seine Flügel mit den Steinen eitlen Wahns und grimmen Hasses zerschmettert werden, wenn er in einen Kerker aus hartem Fels geworfen ist? Bei der Gerechtigkeit Gottes! Das Volk hat ein schlimmes Unrecht verübt.

Was deine Bemerkung über den Anbeginn der Schöpfung anbelangt, so ist dies ein Gegenstand, über den die Auffassungen wegen der Verschiedenheiten der Gedanken und Blickpunkte auseinandergehen. Wolltest du behaupten, die Schöpfung habe immer bestanden und werde allzeit weiterbestehen, so wäre dies wahr; würdest du hingegen diejenige Vorstellung vertreten, die in den heiligen Schriften erwähnt ist, so gäbe es daran keinen Zweifel, denn sie ist von Gott, dem Herrn der Welten, offenbart. Er war fürwahr ein verborgener Schatz. Dies ist eine Stufe, die niemals beschrieben werden oder auch nur angedeutet werden kann. Und auf der Stufe des »Ich wünschte, Mich bekannt zu machen« war Gott; Seine Schöpfung bestand immer unter Seinem Schutz, vom Anfang an, der keinen Anfang hat, abgesehen davon, daß ihr ein Vorsein¹ voranging, das nicht als Vorsein betrachtet werden kann und von einer Ursache begründet ist, die selbst für alle Gelehrten unerforschlich bleibt.

¹ awwaliyyah

Was besteht, bestand zuvor, aber nicht in der Gestalt, in der du es heute wahrnimmst.¹ Die Welt des Seins entstand durch die Wärme², welche die Vermischung³ zwischen dem Wirkenden(4) und dem Wirkung Empfangenden(5) hervorrief. Beide sind gleich und doch verschieden. So unterrichtete dich die Große Verkündigung über dieses allherrliche Gefüge. Was wirkt und was die Wirkung empfängt, ist fürwahr beides durch das unwiderstehliche Wort Gottes erschaffen, das die Ursache der ganzen Schöpfung ist, während alles außer Seinem Wort erschaffen und bedingt ist. Wahrlich, dein Herr ist der Erklärer, der Allweise.

¹ siehe dazu die Erklärung 'Abdu'l-Bahás in Má'idiy-i-Ásamání, Bd.2 (Sammlung von Ishráq-Khávarí), p.140-143, dt. in Bahá'í-Briefe, 1962, p.187--189

² harárah ³ imtizáj (4) fá'il (5) munfa'il

Wisse ferner, daß das Wort Gottes - gepriesen sei Seine Herrlichkeit - hoch und weit überlegen über allem steht, was die Sinne wahrnehmen können; denn es ist geheiligt über Natur¹ oder Substanz². Es übersteigt die Grenzen der bekannten Elemente³ und ist erhaben über alle wesentlichen, anerkannten Substanzen(4). Es wurde offenbar ohne eine Silbe oder einen Laut und ist nichts anderes als der Befehl(5) Gottes, der alles Erschaffene durchdringt. Niemals war es der Welt des Seins vorenthalten. Es ist Gottes alldurchdringende Gnade, von der jedwede Gnade ausgeht, eine Wesenheit, die hoch über allem steht, was war und sein wird.

¹ tabi'ah ² jawhar ³ anasir (4) ustuqussát (5) amr

Nur ungern verbreiten Wir uns über diesen Gegenstand, da die Ungläubigen die Ohren auf uns richten, um Worte zu hören, die sie in die Lage versetzen, an Gott, dem Helfer in Gefahr, dem Selbstbestehenden, herumzunörgeln. Außerstande, die Geheimnisse der Erkenntnis und Weisheit zu erlangen, wie sie der Urquell göttlichen Glanzes enträtselt, erheben sie ihren Protest und machen großes Geschrei. Allerdings wenden sie sich gegen das, was sie begreifen, nicht gegen die Darlegungen des göttlichen Erklärers oder gegen die Wahrheiten, die der eine wahre Gott, der Kenner des Unsichtbaren, vermittelt. Alle ihre Einwände fallen auf sie zurück, und Ich schwöre bei deinem Leben, sie sind jeden Verständnisses bar.

Jedes Ding muß zwangsläufig einen Ursprung haben, jedes Bauwerk einen Baumeister. Wahrlich, das Wort Gottes ist die Ursache, die der Welt des Seins¹ vorangeht - einer Welt, die mit dem Strahlenglanz des Altehrwürdigen der Tage geschmückt ist, aber zu allen Zeiten erneuert wird und neu ersteht. Unermeßlich erhaben ist der Gott der Weisheit, der dieses hehre Gefüge errichtet hat.

¹ kawn

Betrachte die Welt und denke eine Weile darüber nach. Sie entschleiert das Buch ihres eigenen Selbstes vor deinen Augen und offenbart, was die Feder deines Herrn, des Gestalters, des Allwissenden, hineingeschrieben hat. Sie will dich mit allem vertraut machen, was in ihr und auf ihr ist, und dir klare Darlegungen geben, um dich von noch so beredten Auslegern unabhängig zu machen.

Sprich: Die Natur ist in ihrem Wesen die Verkörperung Meines Namens, der Gestalter, der Schöpfer.¹ Ihre Offenbarungen sind verschiedenartig durch verschiedene Ursachen, und in dieser Verschiedenartigkeit sind Zeichen für urteilsfähige Menschen. Die Natur ist Gottes Wille, dessen Ausdruck in der bedingten Welt² und durch diese. Sie ist Teil des Waltens der Vorsehung, verordnet von dem Verordner, dem Allweisen. Wollte jemand erklären, sie sei Gottes Wille, wie er sich in der Welt des Seins offenbart, so könnte keiner diese Behauptung anzweifeln. Sie ist mit einer Kraft begabt, deren Wirklichkeit die Gelehrten nicht begreifen können. Der Einsichtsvolle kann fürwahr nichts in ihr wahrnehmen als den Strahlenglanz Unseres Namens, der Schöpfer. Sprich : Dies ist ein Dasein, das keinen Niedergang kennt, und die Natur selbst ist erstaunt ob seiner Offenbarungen, seiner zwingenden, augenfälligen Beweise und seines Strahlenglanzes, wie sie das Weltall umschließen.

¹ vgl. 'Abdu'l-Bahá Bahá'i-Briefe p.140-143 ² imkán

Es steht dir schlecht an, wenn du den Blick auf frühe oder jüngere Zeiten zurückwendest. Erwähne diesen Tag Gottes und verherrliche, was an ihm erschienen ist. Es wird fürwahr der ganzen Menschheit genügen. In der Tat lassen Darlegungen und Vorträge zur Erläuterung solcher Dinge die Gemüter erkalten. Es geziemt dir, so zu reden, daß die Herzen der wahrhaft Gläubigen entflammt werden und ihre Leiber sich aufschwingen.

Wer heute fest an die Wiedergeburt des Menschen glaubt und sich voll bewußt ist, daß Gott, der Erhabenste, höchste Überlegenheit und absolute Allmacht über diese neue Schöpfung übt, wahrlich, ein solcher Mensch wird zu denen gezählt, die mit Einsicht in diese größte Offenbarung begabt sind. Dies bezeugt jeder urteilsfähige Gläubige.

Wandle hoch über der Welt durch die Macht des Größten Namens, auf daß du der uralten Geheimnisse gewahr werdest und kennenlernst, was noch keiner kennt. Wahrlich, dein Herr ist der Helfer, der Allkennende, der Allunterrichtete. Sei wie eine Schlagader, die durch den Leib der ganzen Schöpfung pulsiert, damit durch die Wärme, die solche Bewegung schafft, erscheine, was die Herzen der Zauderer belebt.

Zu der Zeit, da Wir hinter tausend Lichtschleiern verborgen waren, warst du vertraut mit Mir; du schautest die Himmelsleuchten Meiner Weisheit und hörtest die Meereswellen Meiner Rede wogen. Wahrlich, dein Herr ist der Wahrhaftige, der Getreue. Groß ist fürwahr der Segen dessen, der zu den freizügigen Ausgießungen dieses Meeres gelangt ist in den Tagen seines Herrn, des Großmütigsten, des Allweisen.

Während Unseres Aufenthaltes im 'Iráq weilten Wir im Hause eines Mannes namens Majíd. Dort legten Wir dir die Geheimnisse der Schöpfung, ihren Ursprung, ihren Gipfelpunkt und ihre Ursache dar. Seit Unserer Abreise haben Wir Uns jedoch auf die Versicherung beschränkt: »Wahrlich, es gibt keinen Gott außer Mir, dem Ewigvergebenden, dem Großmütigen.«

Lehre die Sache Gottes mit solcher Rede, daß die Büsche entflammt werden und der Ruf »Wahrlich, kein Gott ist außer Mir, dem Allmächtigen, dem Unumschränkten« aus ihnen erschallt. Sprich: Menschliche Rede will ihrem Wesen nach Einfluß üben und bedarf deshalb der Mäßigung. Ihr Einfluß ist durch Feinheit bedingt, die wiederum von losgelösten, reinen Herzen abhängt. Ihre Mäßigung muß mit Takt und Weisheit gepaart sein, wie es in den Heiligen Büchern und Sendbriefen vorgeschrieben ist.¹ Sinne nach über das, was herniedergeströmt ist vom Himmel des Willens deines Herrn, des Quells aller Gnade, damit du die gewollte Bedeutung begreifest, die in den geweihten Tiefen der Heiligen Schriften verwahrt ist.

¹ s.a. 110 , 134

Die Gott leugnen und sich fest an die Natur als solche klammern, sind wahrlich der Erkenntnis und der Weisheit bar. Sie gehören zu denen, die weitab in der Irre schweifen. Sie haben den hohen Gipfel nicht erreicht und das letzte Ziel verfehlt; deshalb wurden ihnen die Augen geschlossen, und ihre Gedanken liefen auseinander, während ihre Führer ehedem an Gott und an Seine unüberwindliche Souveränität glaubten. Dies bezeugt dein Herr, der Helfer in Gefahr, der Selbstbestehende.

Als im Osten die Augen des Volkes von den Künsten und Wundern des Westens gefangengenommen wurden, da schweiften sie irregeworden in der Wildnis stofflicher Ursachen, des Einen vergessend, der der Verursacher der Ursachen und ihr Erhalter ist. Solche Menschen aber, die Quell und Born der Weisheit waren, leugneten niemals den bewegenden Antrieb hinter diesen Ursachen, deren Schöpfer oder Ursprung. Dein Herr weiß es, aber die meisten Menschen wissen es nicht.

Und nun haben Wir Uns um Gottes, des Herrn der Namen, willen zur Aufgabe gemacht, in diesem Sendbrief einige Berichte über die Weisen¹ zu erwähnen, damit dem Volke die Augen geöffnet werden und alle ganz gewiß seien, daß Er fürwahr der Gestalter, der Allmächtige, der Schöpfer, der Begründer, der Allwissende, der Allweise ist.

¹ In vielen der folgenden Abschnitte über die griechischen Philosophen zitiert Bahá'u'lláh wörtlich die Werke von muslimischen Geschichtsschreibern wie Abu'l-Fath-i-Shahristání (1076-l153 n.Chr.) und 'Imádu'd-Dín Abu'l-Fidá (1273-1331 n.Chr.)

Anerkanntermaßen sind die zeitgenössischen Gelehrten sehr befähigt in Philosophie, Künsten und Gewerben; aber wollte jemand mit scharfem Auge beobachten, würde er leicht begreifen, daß diese Erkenntnis zumeist von den Weisen der Vergangenheit erworben ist, denn diese haben die Grundlagen der Philosophie gelegt, ihr Gebäude errichtet und mit starken Säulen untermauert. So unterrichtet dich dein Herr, der Altehrwürdige der Tage. Die Weisen erwarben ehedem ihre Erkenntnis von den Propheten, da diese die Ausleger göttlicher Philosophie und die Offenbarer himmlischer Geheimnisse waren. Die Menschen tranken die kristallenen Lebenswasser ihrer Rede, während andere sich mit dem Bodensatz befriedigten. Jedermann erhält einen Anteil nach seinem Maß. Wahrlich, Er ist der Ausgleichende, der Weise.

Empedokles, der sich in der Philosophie hervortat, war ein Zeitgenosse Davids, während Pythagoras in den Tagen Salomons, des Sohnes Davids, lebte und Weisheit aus dem Schatz des Prophetentums erwarb. Er behauptete, das Raunen der Himmel gehört und die Stufe der Engel erreicht zu haben. In Wahrheit wird dein Herr alles klar darlegen, wenn es Ihm gefällt. Wahrlich, Er ist der Weise, der Alldurchdringende.

Das Wesen und die Grundlagen der Philosophie stammen von den Propheten. Daß die Menschen sich im Hinblick auf die inneren Bedeutungen und Geheimnisse der Philosophie voneinander unterscheiden, ist der Verschiedenartigkeit ihrer Ansichten und ihres jeweiligen Verstandes zuzuschreiben. Wir möchten dir folgendes erzählen: Einmal gab einer der Propheten Seinem Volk weiter, was der Allmächtige Herr Ihm eingegeben hatte. Wahrlich, dein Herr ist der Eingeber, der Gnädige, der Erhabene. Als der Springquell weiser Beredsamkeit aus dem Born Seiner Worte strömte und der Wein göttlichen Wissens alle berauschte, die Seine Schwelle gesucht hatten, da rief Er: »Siehe da! Alle sind vom Geist erfüllt.« Im Volk aber war einer, der sich an diese Feststellung klammerte und, von seinem eigenen Wahn getrieben, die Idee ersann, daß der Geist buchstäblich in den Leib eindringt oder hineinfährt. In langen Abhandlungen brachte er Beweise vor, diese Vorstellung zu untermauern, und Gruppen des Volkes folgten seinen Fußstapfen. Ihre Namen hier zu erwähnen oder dir einen umfassenden Bericht zu geben, wäre weitschweifig und brächte uns vom Hauptthema ab. Wahrlich, dein Herr ist der Allweise, der Allkennende. Aber es gab auch denjenigen, der an dem erlesenen Wein teilhatte, erschlossen und entsiegelt von der Zunge Dessen, Der der Enthüller ist der Verse deines Herrn, des Gnädigen, des Großzügigsten.

Wahrlich, die Philosophen haben den Altehrwürdigen der Tage nicht geleugnet. Die meisten von ihnen beklagten bei ihrem Hinscheiden ihr Unvermögen, Sein Geheimnis auszuloten, wie manche dies bezeugt haben. Wahrlich, dein Herr ist der Berater, der Allunterrichtete.

Denke an Hippokrates, den Arzt. Er war einer der hervorragenden Philosophen, die an Gott glaubten und Seine Herrschaft anerkannten. Nach ihm kam Sokrates, der fürwahr weise, gebildet und rechtschaffen war. Er übte Selbstverleugnung, zügelte seine Lust auf selbstische Wünsche und kehrte sich ab von irdischen Vergnügungen. Er zog sich in die Berge zurück, wo er in einer Höhle hauste. Er brachte die Menschen davon ab, Götzen anzubeten, und lehrte sie den Pfad Gottes, des Herrn der Barmherzigkeit, bis sich die Unwissenden gegen ihn erhoben. Sie nahmen ihn fest und brachten ihn im Gefängnis zu Tode. So berichtet dir diese dahinfliegende Feder. Welch durchdringende Schau der Philosophie hatte dieser vortreffliche Mann! Er ist von allen Philosophen der Hervorragendste und ein großer Weiser. Wir bezeugen, daß er ein Held auf diesem Felde ist, ein hervorragender, der Weisheit ergebener Kämpe. Er hatte gründliche Kenntnis der Wissenschaften, die unter den Menschen geläufig waren, wie auch derjenigen, die vor ihrem Geist verschleiert waren. Mich dünkt, er trank einen vollen Zug, als das Größte Meer mit schimmernden Lebenswassern brandete. Er hatte Kenntnis von der besonderen, der ausgewogenen und der bezwingenden Natur, die wahrlich dem menschlichen Geiste am meisten ähnelt. Er hat sie aus der Substanz¹ heraus entwickelt. Es gibt eine besondere Erklärung zu diesem bedeutsamen Thema. Würdest du die Weltweisen dieser Generation über seine Darlegung befragen, müßtest du bezeugen, daß sie unfähig sind, diese zu begreifen. Wahrlich, dein Herr spricht die Wahrheit, aber die meisten Menschen verstehen nicht.

¹ al-jasad al-juwwání

Nach Sokrates kam der göttliche Plato, der sein Schüler war und als sein Nachfolger den Thron der Philosophie einnahm. Er bezeugte seinen Glauben an Gott und an Seine Zeichen, die alles durchdringen, was war und sein wird. Dann kam Aristoteles, der berühmte Mann der Wissenschaft. Er entdeckte die Kraft gasförmiger Stoffe. Diese Männer, die als Führer des Volkes hervorragen und berühmt sind, bekundeten alle ihren Glauben an das unsterbliche Wesen, das die Zügel aller Wissenschaften in Seinem Griff hält.

Ich werde auch das Bittgebet für dich anführen, das Balínús sprach, der vertraut war mit den Theorien des Vaters der Philosophie über die Geheimnisse der Schöpfung, dargelegt auf seinen smaragdenen Tafeln, auf daß jedermann volle Gewißheit in allem erlange, was Wir dir erläutern in diesem offenbaren Sendbrief, der, mit der Hand des rechten Maßes und des Wissens gehalten, den Geist des Lebens zur Erfrischung alles Erschaffenen verströmen wird. Groß ist der Segen dessen, der in diesem Meere schwimmt und den Lobpreis seines Herrn, des Gnädigen, des Meistgeliebten, feiert. Fürwahr, der Hauch göttlicher Offenbarung strömt so aus den Versen deines Herrn, daß keiner ihre Wahrheit bestreiten kann, jene ausgenommen, welche des Gehörs, der Schau, des Verständnisses und jeder menschlichen Fähigkeit ermangeln. Wahrlich, dein Herr bezeugt dies, und doch versteht es das Volk nicht.

Dieser Mann sprach: »Ich bin Balínús, der Weise, der Wundertäter, der Hersteller von Talismanen.« Er übertraf jeden anderen in der Verbreitung von Künsten und Wissenschaften und schwang sich auf zu den höchsten Höhen der Bescheidenheit und des demütigen Bittens. Höre, was er sagte, zu dem Allbesitzenden, dem Erhabensten flehend: »Ich stehe in der Gegenwart meines Herrn, lobpreise Seine Segnungen und Gnadengaben und huldige Ihm mit der Huldigung, die Er Seinem eigenen Selbst erweist, auf daß ich ein Quell der Gnade und der Führung werde für die Menschen, die meine Worte anerkennen.« Und weiter spricht er: »O Herr! Du bist Gott, und es gibt keinen Gott außer Dir. Du bist der Schöpfer, und es ist kein Schöpfer neben Dir. Hilf mir mit Deiner Gnade und stärke mich. Mein Herz ist in Angst geraten, meine Glieder zittern, ich habe den Verstand verloren, und der Geist hat mich verlassen. Verleihe mir Stärke und befähige meine Zunge, mit Weisheit zu reden.« Und schließlich sagt er: »Du bist in Wahrheit der Wissende, der Weise, der Machtvolle, der Barmherzige.« Dieser Weise wurde über die Geheimnisse der Schöpfung unterrichtet; er kam dem tiefen Sinn auf den Grund, der in den hermetischen Schriften¹ verborgen liegt.

¹ In einem Seiner Sendschreiben erklärt Bahá'u'lláh: »Der erste, der sich der Philosophie widmete, war Idrís. Das war sein Name. Manche nennen ihn auch Hermes. In jeder Sprache hat er einen besonderen Namen. Er hat in jedem Zweig der Philosophie gründliche, überzeugende Feststellungen getroffen. Nach ihm leitete Balínús seine Erkenntnisse und Wissenschaften von den Tafeln des Hermes her; die meisten späteren Philosophen machten ihre philosophischen und wissenschaftlichen Entdeckungen in seinen Worten und Erklärungen...« Im Qur'án (197-58) steht: »Und gedenke des Idrís in dem Buche; denn er war ein Mann der Wahrheit, ein Prophet. Und wir hoben ihn zu einem Platz hoch droben empor.«

Weiter möchten Wir nichts dazu sagen, sondern nur wiedergeben, was der Geist Meinem Herzen einflößt. Wahrlich, es gibt keinen Gott außer Ihm, dem Wissenden, dem Mächtigen, dem Helfer in Gefahr, dem Erhabensten, dem Allgepriesenen. Bei Meinem Leben! An diesem Tag ist es der himmlische Baum leid, der Welt anderes zu verkünden als die Versicherung: »Wahrlich, es gibt keinen Gott außer Mir, dem Unvergleichlichen, dem Allunterrichteten.«

Hegte Ich nicht so große Liebe zu dir, Ich hätte kein einziges Wort von dem zuvor Erwähnten geäußert. So schätze denn den Wert dieser Stufe und bewahre ihn, wie du dein Augenlicht bewahrst, und gehöre zu den wahrhaft Dankbaren.

Du weißt sehr wohl, daß Wir die Bücher nicht lasen, welche die Menschen besitzen, und die Gelehrsamkeit nicht erwarben, die unter ihnen geläufig ist. Und doch: Wann immer Wir die Aussprüche der Gebildeten und der Weisen¹ anzuführen wünschen, erscheint augenblicks vor dem Antlitz deines Herrn in der Gestalt einer Tafel all das, was in der Welt erschienen und in den Heiligen Büchern und Schriften offenbart ist. So senden Wir in Schriftform hernieder, was das Auge wahrnimmt. Wahrlich, Sein Wissen umschließt die Erde und die Himmel.

¹ siehe Fußnote zu 9/23

Dies ist ein Sendbrief, darin die Feder des Unsichtbaren die Kenntnis all dessen verzeichnet, was war und was sein wird - eine Kenntnis, die nur Meine wundersame Zunge auslegen kann. Fürwahr, Mein Herz, wie es in sich besteht, ist durch Gott gereinigt von den Begriffen der Gelehrten und geheiligt über die Worte der Weltweisen. Wahrlich, es spiegelt nichts als die Offenbarungen Gottes. Dies bezeugt die Zunge der Größe in diesem deutlichen Buche.

Sprich : O Volk der Erde! Habet acht, daß euch nicht die Beschäftigung mit der Weisheit von deren Urquell ausschließe oder euch von ihrem Aufgangsort fernhalte. Richtet eure Herzen auf euren Herrn, den Erzieher, den Allweisen.

Jedem Lande haben Wir einen Anteil verschrieben, jedem Anlaß einen angemessenen Beitrag, jeder Verkündigung die rechte Zeit und jeder Lebenslage den passenden Ausspruch. Denke an Griechenland. Wir machten es zum Thron der Weisheit für eine lange Zeit. Als aber die festgesetzte Stunde schlug, da wurde sein Thron gestürzt, seine Zunge verstummte, sein Licht verdämmerte und sein Banner wurde eingeholt. So geben und so nehmen Wir. Wahrlich, dein Herr ist Der, welcher verleiht und entzieht, der Mächtige, der Kraftvolle.

In jedem Land haben Wir eine Leuchte der Erkenntnis aufgerichtet, und wenn die vorherbestimmte Zeit naht, wird sie hell strahlen an seinem Horizont, wie es Gott befiehlt, der Allwissende, der Allweise. Wäre es Unser Wille, könnten Wir dir beschreiben, was es in jedem Lande gibt und was dort geschehen ist. Fürwahr, das Wissen deines Herrn durchdringt die Himmel und die Erde.

Alsdann wisse, daß die Menschen ehedem Dinge schufen, welche die Gelehrten heutzutage nicht zu schaffen vermögen. Wir erinnern dich an Martos, der einer der Gelehrten war. Er erfand einen Apparat, der den Schall auf eine Entfernung von sechzig Meilen übermittelte. Neben ihm gab es andere, die Dinge entdeckten, wie sie niemand in diesem Zeitalter gesehen hat. Wahrlich, dein Herr offenbart in jeder Epoche, was Ihm gefällt, als ein Zeichen Seiner Weisheit. Er ist fürwahr der höchste Verordner, der Allweise.

Niemals wird ein wahrer Philosoph Gott oder Seine augenfälligen Beweise leugnen; vielmehr wird er Gottes Herrlichkeit und Seine allbezwingende Majestät, die alles Erschaffene überschatten, anerkennen. Wahrlich, Wir lieben diejenigen Gelehrten, die ans Licht bringen, was das Wohl der Menschheit fördert, und Wir helfen ihnen mit der Kraft Unseres Geheißes; denn Wir sind durchaus imstande, Unser Ziel zu erreichen.

Hütet euch, o Meine Geliebten, die Verdienste Meiner gelehrten Diener gering zu achten, derer, die Gott gnädig erwählt hat, Träger Seines Namens, der Gestalter, inmitten der Menschheit zu sein. Mühet euch aufs äußerste, Fertigkeiten und Unternehmungen zu entwickeln, von denen jedermann, jung oder alt, Nutzen zieht. Nichts haben Wir mit den Unwissenden zu tun, die sich einbilden, es bedeute Weisheit, seinem eitlen Wahn freien Lauf zu lassen und Gott, den Herrn aller Menschen, zu leugnen, wie Wir es von manchen Achtlosen heutzutage hören.

Sprich: Der Anbeginn der Weisheit und ihr Ursprung ist anzuerkennen, was Gott deutlich darlegt, weil dessen Kraft die Staatskunst, Schutz und Schirm für den Leib der Menschheit, auf eine feste Grundlage stellt. Denke eine Weile nach, damit du wahrnimmst, was Meine erhabenste Feder in diesem wundersamen Sendbrief verkündet. Sprich: Alles Politische¹, was ihr erörtert, fällt unter den Schatten eines der Worte, die vom Himmel Seiner ruhmreichen, Seiner erhabenen Rede herniedergesandt sind. So haben Wir dir berichtet, was dein Herz erhellt, deine Augen tröstet und dich befähigt aufzustehen, um Seine Sache inmitten aller Völker zu fördern.

¹ siyásí

O Mein Nabíl! Laß dich durch nichts betrüben, sondern frohlocke in überschäumender Freude, da Ich deines Namens gedachte, Mein Herz und Mein Angesicht dir zuwandte und mit dir Zwiesprache hielt durch diese unwiderlegliche, diese gewichtige Abhandlung. Sinne nach in deinem Herzen über die Trübsale, die Ich erdulde, die Haft und Gefangenschaft, die Ich ertrage, die Leiden, die Mich befallen, und die Anschuldigungen, die das Volk gegen Mich erhebt. Siehe, sie sind fürwahr in einen dichten Schleier gehüllt.

Als der Redestrom diesen Stand erreichte, brach der Morgen göttlicher Geheimnisse an, und das Licht der Äußerung wurde gelöscht. Möge Seine Herrlichkeit auf dem Volk der Weisheit ruhen, wie es Er, der Allmächtige, der Allgepriesene, geboten hat.

Sprich: verherrlicht sei Dein Name, o Herr, mein Gott! Ich flehe zu Dir bei Deinem Namen, durch den der Glanz des Lichtes der Weisheit hell erstrahlte, als die Himmel göttlicher Rede inmitten der Menschheit bewegt wurden, hilf mir gnädig mit Deinen himmlischen Bestätigungen und befähige mich, Deinen Namen unter Deinen Dienern zu preisen.

O Herr! Ich wende mein Angesicht Dir zu, trenne mich von allem außer Dir und halte mich fest an den Saum des Gewandes Deiner mannigfachen Segnungen. So löse denn meine Zunge, daß ich verkünde, was die Gemüter der Menschen in Bann schlägt, was ihnen Herz und Geist frohlocken läßt. Stärke mich so sehr in Deiner Sache, daß mich die Übermacht der Unterdrücker unter Deinen Geschöpfen nicht behindert und der Angriff der Ungläubigen unter den Bewohnern Deines Reiches nicht abhält. Mache mich zu einer Leuchte, die durch Deine Lande strahlt, auf daß alle, in deren Herzen das Licht Deiner Erkenntnis und die Sehnsucht nach Deiner Liebe glimmen, von ihrem Glanze geführt werden.

Wahrlich, Du bist mächtig zu tun, was Du willst, und in Deinem Griff hältst Du das Reich der Schöpfung. Es gibt keinen Gott außer Dir, dem Allmächtigen, dem Allweisen.

ASL-I-KULLU'KHAYR (Worte der Weisheit) BH02183

Im Namen Gottes, des Erhabensten des Höchsten!

Die Quelle alles Guten ist Vertrauen in Gott, Unterwerfung unter Sein Gebot und Zufriedenheit mit Seinem heiligen Willen und Wohlgefallen.

Das Wesen der Weisheit ist die Gottesfurcht, die Angst vor Seiner Rute und Strafe, die rasche Wahrnehmung Seiner Gerechtigkeit und Seines Geheißes.

Das Wesen der Religion ist zu bezeugen, was der Herr offenbarte, und zu befolgen, was Er in Seinem mächtigen Buch verordnete.

Die Quelle allen Ruhmes ist anzunehmen, was der Herr verleiht, und zufrieden zu sein mit dem, was Gott verfügt.

Das Wesen der Liebe ist für den Menschen, sein Herz dem Geliebten zuzukehren, sich von allem außer Ihm zu lösen und nichts anderes als sein Herr zu wünschen.

Wahres Gedenken ist, den Herrn, den Allgepriesenen, zu erwähnen und alles außer ihm zu vergessen.

Wahre Zuversicht ist für den Diener, seinen beruflichen Pflichten in dieser Welt nachzugehen, sich fest an den Herrn zu halten und nur Seine Gnade zu suchen; denn in Seinen Händen liegen die Geschicke aller Seiner Diener.

Das Wesen der Loslösung ist für den Menschen, das Angesicht dem Hofe des Herrn zuzuwenden, in Seine Gegenwart zu treten, Sein Antlitz zu schauen und als Zeuge vor Ihm zu stehen.

Das Wesen der Vernunft ist, die eigene Armut zu bezeugen und sich in den Willen des Herrn, des unabhängigen Herrschers, des Gnädigen, des Allmachtvollen, zu fügen.

Die Quelle des Mutes und der Macht ist die Verbreitung des Wortes Gottes und die Standhaftigkeit in Seiner Liebe.

Das Wesen der Nächstenliebe ist für den Diener, von den Segnungen seines Herrn zu berichten und Ihm allezeit und in jeder Lage Dank zu sagen.

Das Wesen des Glaubens ist, wenig Worte zu machen und eine Fülle von Taten aufzuweisen. Wisse fürwahr, daß für den, der mehr redet, als er tut, der Tod besser ist als sein Leben.

Das Wesen wahrer Sicherheit ist, Schweigen zu wahren, auf das Ende der Dinge zu sehen und der Welt zu entsagen.

Der Anbeginn der Großmut ist, daß der Mensch seinen Reichtum für sich, seine Familie und die Armen unter seinen Glaubensbrüdern ausgibt.

Das Wesen des Wohlstandes ist die Liebe zu Mir. Wer Mich liebt, besitzt alles, und wer Mich nicht liebt, gehört fürwahr zu den Armen und Bedürftigen. Dies ist, was der Finger der Herrlichkeit und des Glanzes offenbart.

Die Quelle alles Bösen ist für den Menschen, sich von Seinem Herrn abzuwenden und sein Herz an Gottloses zu hängen.

Das am heftigsten brennende Feuer ist, die Zeichen Gottes in Frage zu stellen, was Er offenbarte, eitel in Zweifel zu ziehen, Ihn zu leugnen und sich stolz vor Ihm zu brüsten.

Die Quelle aller Bildung ist die Erkenntnis Gottes, erhaben sei Seine Herrlichkeit! Diese Erkenntnis kann nur durch die Erkenntnis Seiner göttlichen Manifestation erlangt werden.

Das Wesen der Erniedrigung ist, den Schatten des Barmherzigen zu verlassen und seine Zuflucht beim Bösen zu suchen.

Die Quelle des Irrtums ist, nicht an den einen wahren Gott zu glauben, sich auf anderes als Ihn zu verlassen und Sein Gebot zu fliehen.

Wahren Verlust erleidet, wer seine Tage in völliger Unkenntnis über sein wahres Selbst verbringt.

Das Wesen all dessen, was Wir für dich offenbarten, ist die Gerechtigkeit. Sie bedeutet für den Menschen, daß er sich von eitlem Wahn und Nachahmung frei mache, mit dem Auge der Einheit das herrliche Werk Seiner Hände schaue und mit forschendem Blick in alles eindringe.

Also haben Wir dich unterwiesen und dir Worte der Weisheit offenbart, auf daß du dem Herrn, deinem Gott, dankbar seiest und dich damit unter allen Völkern rühmest.

LAWH-I-MAQSÚD (Das Sendschreiben an Maqsúd) BH00140

¹ Aus Ehrfurcht pflegten die Bahá'í, statt sich an Bahá'u'lláh unmittelbar zu wenden, an Seinen Sekretär, Mírzá Áqá Ján mit den Beinamen »Diener Gottes« und »Kammerdiener« zu schreiben. Die Antwort hatte dann die Form eines Briefes von Mírzá Áqá Ján mit Zitaten von Bahá'u'lláh. Tatsächlich war sie aber völlig von Bahá'u'lláh diktiert. Somit sind alle Teile des Sendschreibens, selbst die angeblichen Worte des Mírzá Áqá Ján, von Bahá'u'lláh offenbarte Heilige Schrift. Das Sendschreiben an Maqsúd hat diese Form. Es war gerichtet an Mírzá Maqsúd, einen frühen Gläubigen, der in Damaskus und Jerusalem lebte.

Er Ist Gott, erhaben ist Er, der Herr der Majestät und Allmacht.

Ein Lobpreis, der hoch über jeder Erwähnung oder Beschreibung steht, kommt dem Angebeteten zu, dem Besitzer alles Sichtbaren und alles Unsichtbaren, der den Ersten Punkt befähigt hat, unzählige Bücher und Lehrbriefe zu offenbaren, und der durch die Kraft Seines erhabenen Wortes die ganze Schöpfung, die frühe wie die jüngst geschaffene, ins Dasein rief. Auch sendet Er in jedem Zeitalter und Zyklus nach Seiner alles überragenden Weisheit einen göttlichen Boten, die verzagten, entmutigten Seelen mit dem Lebenswasser Seiner Rede neu zu beleben. Er ist fürwahr der Erklärer, der wahre Ausleger; denn der Mensch ist unfähig zu begreifen, was der Feder der Herrlichkeit entströmt und in Seinen himmlischen Büchern verzeichnet ist. Zu allen Zeiten und in jeder Lebenslage brauchen die Menschen jemanden, der sie ermahnt, führt, lehrt und erzieht. Deshalb sendet Er Seine Boten, Seine Propheten und Erwählten, auf daß sie das Volk mit der göttlichen Absicht vertraut machen, die der Offenbarung von Büchern und der Berufung von Boten zugrundeliegt, und jedermann sich bewußt werde, was in jedweder menschlichen Seele als Treugut Gottes verborgen ruht.

Der Mensch ist der höchste Talisman. Der Mangel an geeigneter Erziehung hat ihn jedoch dessen beraubt, was er seinem Wesen nach besitzt. Durch ein Wort, das aus dem Munde Gottes hervorging, wurde er ins Dasein gerufen. Durch ein weiteres Wort ward er dazu geführt, den Quell seiner Erziehung zu erkennen. Durch wieder ein anderes Wort wurden seine Stufe und seine Bestimmung sichergestellt. Das Erhabenste Wesen spricht: Betrachte den Menschen als ein Bergwerk, reich an Edelsteinen von unschätzbarem Wert. Nur die Erziehung kann bewirken, daß es seine Schätze enthüllt und die Menschheit daraus Nutzen zu ziehen vermag. Jeder Mensch, der darüber nachsinnt, was die aus dem Himmel des heiligen Willens Gottes herabgesandten Schriften offenbart haben, wird leicht erkennen, wie es ihr Ziel ist, daß alle Menschen als eine Seele betrachtet werden sollen, damit das Siegel mit den Worten »Das Reich wird Gottes sein«¹ jedem Herzen aufgeprägt werde, und das Licht göttlicher Großmut, Gnade und Barmherzigkeit die ganze Menschheit umhülle. Der eine wahre Gott - gepriesen sei Seine Herrlichkeit - wünscht nichts für sich selbst. Ihm nützt weder die Untertanentreue der Menschheit noch schadet Ihm ihre Verderbtheit. Der Vogel aus dem Reiche der Äußerung erhebt unaufhörlich diesen Ruf: »Alle Dinge habe Ich für dich gewollt, und auch dich um deiner selbst willen.« Wenn die Gelehrten und Weltweisen dieser Zeit der Menschheit gestatteten, den Duft der Verbundenheit und Liebe einzuatmen, würde jedes verständige Herz die Bedeutung wahrer Freiheit begreifen und das Geheimnis ungetrübten Friedens und vollkommener Seelenruhe entdecken. Würde die Erde diesen Stand der Dinge erreichen und von seinem Lichte erleuchtet, dann könnte man wahrlich von ihr sagen: »Du wirst auf ihr weder Tiefen noch Höhen sehen.«²

¹ Qur'án 406 ² Qur'án 2007

Segen und Frieden seien mit Ihm¹, durch Dessen Kommen Bathá'² lieblich lächelte, der mit dem süßen Duft Seines Gewandes die ganze Menschheit umfing - Er, Der kam, die Menschen zu schützen vor allem, was ihnen in der Welt hienieden schadet. Erhaben, unermeßlich erhaben ist Seine Stufe über die Verherrlichung aller Wesen, geheiligt über den Lobpreis der gesamten Schöpfung. Durch Sein Kommen wurde das Königszelt der Beständigkeit und Ordnung über der ganzen Welt aufgerichtet und das Banner der Erkenntnis inmitten der Völker gehißt. Segnungen ruhen auch auf Seinen Nachkommen und Seinen Gefährten, durch welche die Standarte der Einheit Gottes und Seiner Einzigkeit aufgepflanzt, die Fahnen himmlischen Triumphes entfaltet worden sind.

¹ Muhammad ² Mekka

Dein Brief, aus dem der Duft der Wiedervereinigung zu atmen war, ist eingegangen. Preis sei Gott! Nach dem schweren Schicksalsschlag der Trennung wurde der Windhauch der Nähe und Verbindung bewegt, der Urgrund des Herzens wurde mit den Wassern der Freude und des Frohsinns erfrischt. Wir sagen Gott Dank in allen Lebenslagen und hegen die Hoffnung, daß Er - gepriesen sei Seine Herrlichkeit - durch Seine gnädige Vorsehung alle Erdenbewohner zu dem führe, was vor Ihm annehmbar und wohlgefällig ist.

Sieh den Aufruhr, der die Welt seit vielen langen Jahren heimsucht, und die Verwirrung, die ihre Völker ergriffen hat. Entweder ist sie durch Krieg verwüstet oder von plötzlichem, unerwartetem Unheil gepeinigt worden. Obwohl Not und Elend die Welt umhüllen, hat doch kein Mensch innegehalten und darüber nachgedacht, was der Grund und Ursprung sei. Wann immer der Wahre Ratgeber ein Mahnwort sprach, siehe, da beschuldigten Ihn alle, Er sei ein Unheilstifter, und wiesen Seinen Anspruch zurück. Wie bestürzend, wie verwirrend ist ihr Verhalten! Keine zwei Menschen sind zu finden, von denen man sagen könnte, daß sie äußerlich und innerlich einig seien. Überall sind die Zeichen des Zwiespaltes und der Bosheit sichtbar, obwohl alle zu Harmonie und Einigkeit erschaffen wurden. Das Erhabenste Wesen spricht: O ihr Vielgeliebten! Das Heiligtum der Einheit ist errichtet; betrachtet einander nicht als Fremde. Ihr seid die Früchte eines Baumes, die Blätter eines Zweiges. Wir hegen die Hoffnung, daß das Licht der Gerechtigkeit über die Welt scheine und sie von aller Tyrannei heilige. Wenn die Herrscher und Könige der Erde, die Sinnbilder der Macht Gottes - gepriesen sei Seine Herrlichkeit - sich erheben und beschließen, sich dem zu weihen, was das höchste Wohl der ganzen Menschheit fördert, dann wird die Herrschaft der Gerechtigkeit sicherlich unter den Menschenkindern errichtet, und ihre Lichtstrahlen werden die ganze Erde umhüllen. Das Erhabenste Wesen spricht: Das Bauwerk der Beständigkeit und Ordnung dieser Welt ist auf den beiden Pfeilern von Lohn und Strafe errichtet und wird weiterhin von ihnen getragen werden. Und in anderem Zusammenhang spricht Er in beredter Sprache¹: Der Gerechtigkeit steht eine starke Streitmacht zu Gebote. Sie ist nichts anderes als Lohn und Strafe für der Menschen Taten. Durch diese Streitmacht ist das Königszelt der Ordnung über der ganzen Welt errichtet; sie läßt die Bösen ihre Triebnatur bezähmen aus Furcht vor Strafe.

¹ Arabisch

An anderer Stelle hat Er geschrieben: Hüte dich, o Schar der Herrscher in der Welt! Es gibt keine Macht auf Erden, die an sieghafter Gewalt der Macht der Gerechtigkeit und Weisheit gleichkäme. Fürwahr, Ich bestätige, daß es nie eine mächtigere Heerschar gab als die Gerechtigkeit und Weisheit. Selig der König, der das Banner der Weisheit vor sich entfaltet und voranschreitet, die Heere der Gerechtigkeit hinter sich scharend. Er ist wahrlich der Schmuck, der die Stirn des Friedens und das Antlitz der Sicherheit ziert. Zweifellos würde das Antlitz der Erde völlig verwandelt, wenn die von den Wolken der Tyrannei verdunkelte Sonne der Gerechtigkeit ihr Licht über die Menschen ergösse.

In dem Wunsche, die Voraussetzungen für Frieden und Ruhe in der Welt und für den Fortschritt ihrer Völker zu offenbaren, hat das Erhabenste Wesen geschrieben: Die Zeit muß kommen, da die gebieterische Notwendigkeit für die Abhaltung einer ausgedehnten, allumfassenden Versammlung der Menschen weltweit erkannt wird. Die Herrscher und Könige der Erde müssen ihr unbedingt beiwohnen, an ihren Beratungen teilnehmen und solche Mittel und Wege erörtern, die den Grund zum Größten Weltfrieden unter den Menschen legen. Ein solcher Friede erfordert es, daß die Großmächte sich um der Ruhe der Völker der Erde willen zu völliger Aussöhnung untereinander entschließen. Sollte ein König die Waffen gegen einen anderen ergreifen, so müssen sich alle vereint erheben und ihn daran hindern. Wenn dies geschieht, werden die Nationen der Welt außer für die Wahrung der Sicherheit ihrer Reiche und die Aufrechterhaltung der inneren Ordnung in ihrem Staatsgebiet keine Waffen mehr brauchen. Dies wird jedem Volk, jeder Regierung und Nation Frieden und Ruhe sichern. Wir möchten gerne hoffen, daß die Könige und Herrscher der Erde, die Spiegel des barmherzigen und allmächtigen Namens Gottes, diese Stufe erreichen und die Menschheit vor dem Angriff der Tyrannei beschirmen werden.

Desgleichen spricht Er: Zu den Mitteln, die Einheit und Eintracht befördern und bewirken, daß die ganze Erde als ein Land betrachtet wird, gehört, daß die Zahl der Sprachen auf eine und die auf der Welt verwandten Schriften auf eine einzige beschränkt werden. Es ist aller Nationen Pflicht, einige sachverständige Gelehrte zu benennen, die eine Versammlung einzuberufen haben. Nach gemeinsamer Beratung sollen sie eine Sprache unter den vorhandenen auswählen oder eine neue Sprache schaffen, die sodann den Kindern in allen Schulen der Welt gelehrt werden muß.

Der Tag naht, da alle Völker der Welt eine universale Sprache und eine einheitliche Schrift annehmen werden. Wenn dies erreicht ist, wird es für jeden Menschen, in welche Stadt er auch reisen mag, sein, als betrete er sein eigenes Heim. All dies ist verbindlich und durchaus wesentlich. Es ist die Pflicht eines jeden Menschen mit Einsicht und Verständnis, danach zu streben, das hier Niedergeschriebene in die Wirklichkeit und die Tat umzusetzen.

Heutzutage ist das Königszelt des Rechts in die Klauen der Tyrannei und der Unterdrückung geraten. Flehet zu dem einen wahren Gott - gepriesen sei Seine Herrlichkeit -, daß Er der Menschheit das Meer wahren Verständnisses nicht vorenthalte; denn wären die Menschen nur achtsam, könnten sie leicht einsehen, daß alles, was aus der Feder der Herrlichkeit strömt und von ihr herniedergesandt wird, für die ganze Welt wie die Sonne ist, und daß Wohlfahrt, Sicherheit und die wahren Belange aller Menschen darin verwahrt sind. Ansonsten wird die Erde tagtäglich von neuem Unheil gequält werden, und Aufruhr ohnegleichen wird ausbrechen. Gebe Gott, daß dem Volk der Welt gnädig geholfen werde, das Licht Seiner liebevollen Ratschläge in der Lampe der Weisheit zu wahren. Wir hegen die Hoffnung, daß jedermann mit dem Gewande wahrer Weisheit, der Grundlage für die Regierung der Welt, geschmückt werde.

Das Erhabenste Wesen spricht: Der Himmel der Staatskunst leuchtet hell und strahlend im Lichterglanz der folgenden seligen Worte, die im Morgenrot des Willens Gottes aufgingen: Jedem Herrscher geziemt, jeden Tag sein ganzes Wesen auf der Waage unparteiischer Gerechtigkeit zu wägen, um sodann zwischen den Menschen zu entscheiden und ihnen zu raten, das zu vollbringen, was ihre Schritte auf den Pfad der Weisheit und Einsicht lenkt. Dies ist der Eckstein der Staatskunst und ihr innerster Kern. Jeder Aufgeklärte und Weise wird diesen Worten leicht entnehmen, was solche Ziele wie Wohlfahrt, Sicherheit und Schutz für die Menschheit sowie die Bewahrung menschlichen Lebens fördert. Wollten einsichtsvolle Menschen sich satt trinken aus dem Meer an inneren Bedeutungen, wie sie in diesen Worten verwahrt sind, und würden sie völlig damit vertraut, so würden sie die Erhabenheit dieser Äußerung bezeugen. Wollte dieser bescheidene Diener darlegen, was er schaut, so würden alle Gottes vollendete Weisheit bezeugen. Das Geheimnis der Staatskunst und das wahre Bedürfnis des Volkes liegen in diesen Worten beschlossen. Dieser demütige Diener fleht aufrichtig zu dem einen wahren Gott - gepriesen sei Seine Herrlichkeit -, die Augen des Volkes der Welt mit dem strahlenden Lichte der Weisheit zu erleuchten, damit alle erkennen, was heutzutage unumgänglich ist.

Der ist wirklich ein Mensch, der sich heute dem Dienst am ganzen Menschengeschlecht hingibt. Das Erhabenste Wesen spricht: Selig und glücklich ist, wer sich erhebt, dem Wohle aller Völker und Geschlechter der Erde zu dienen. An anderer Stelle hat Er verkündet: Es rühme sich nicht, wer sein Vaterland liebt, sondern wer die ganze Welt liebt. Die Erde ist nur ein Land, und alle Menschen sind seine Bürger.

Ermahnungen zu Einheit und Eintracht, wie sie in den Büchern der Propheten von der Feder des Allhöchsten geschrieben stehen, beziehen sich auf bestimmte Angelegenheiten; es geht nicht um Einheit, die zu Uneinigkeit führt, oder um Eintracht, die Zwietracht schafft. Dies ist die Stufe, auf der an alles Maßstäbe angelegt werden, eine Stufe, auf der jede verdienstvolle Seele ihren Teil erhält. Wohl denen, welche die Bedeutung dieser Worte richtig einschätzen und deren Absicht begreifen, und wehe den Achtlosen! Dies bezeugen zur Genüge alle Naturerscheinungen in ihrem wahren Wesensgehalt. Jeder urteilsfähige, weise Mensch ist mit dem hier Gesagten eng vertraut; nicht jedoch solche, die weit vom Lebensquell der Ehrlichkeit abgeirrt sind und wahnsinnig in der Wüste der Unwissenheit und des blinden Fanatismus schweifen.

Das Erhabenste Wesen spricht: O ihr Menschenkinder! Der Hauptzweck, der den Glauben Gottes und Seine Religion beseelt, ist, das Wohl des Menschengeschlechts zu sichern, seine Einheit zu fördern und den Geist der Liebe und Verbundenheit unter den Menschen zu pflegen. Laßt sie nicht zur Quelle der Uneinigkeit und der Zwietracht, des Hasses und der Feindschaft werden. Dies ist der gerade Pfad, die feste, unverrückbare Grundlage. Was immer auf dieser Grundlage errichtet ist, dessen Stärke können Wandel und Wechsel der Welt nie beeinträchtigen, noch wird der Ablauf zahlloser Jahrhunderte seinen Bau untergraben. Unsere Hoffnung ist, daß sich die religiösen Führer der Welt und ihre Herrscher vereint für die Neugestaltung dieses Zeitalters und die Wiederherstellung seiner Wohlfahrt erheben werden. Laßt sie, nachdem sie über seine Nöte nachgedacht haben, zusammen beraten und nach sorgsamer, reiflicher Überlegung einer kranken, schwer leidenden Welt das Heilmittel darreichen, dessen sie bedarf.

Das Erhabenste Wesen spricht: Der Himmel göttlicher Weisheit wird von zwei Leuchten erhellt: Beratung und Erbarmen. Haltet Rat miteinander in allen Angelegenheiten; denn Beratung ist die Lampe der Führung, die den Weg weist, und die Quelle des Verstehens.

Am Anfang jeder Bemühung hat man die Pflicht, auf das Ende zu sehen. Von allen Künsten und Wissenschaften sollten die Kinder diejenigen erlernen, welche dem Menschen Vorteil bringen, seinen Fortschritt sichern und seinen Rang erhöhen. So wird der widerliche Gestank der Gesetzlosigkeit vertrieben, und durch die edlen Bemühungen der Staatsführer werden alle geborgen, sicher und in Frieden leben.

Das Erhabenste Wesen spricht: Die Gebildeten dieser Zeit müssen das Volk anleiten, solches Wissen zu erwerben, das sowohl den Gebildeten selbst als auch der ganzen Menschheit von Nutzen ist. Akademische Studien, die mit Worten anfangen und mit Worten aufhören, waren nie von Wert und werden es niemals sein. Die meisten Gelehrten Persiens wenden ihr ganzes Leben an das Studium einer Philosophie, deren Ertrag letztlich nur Worte sind.

Die an der Macht sind, haben die Pflicht, Mäßigung in allen Dingen zu üben. Was die Grenzen der Mäßigung überschreitet, hört auf, wohltätigen Einfluß auszuüben. Betrachtet zum Beispiel Gegenstände wie Freiheit, Zivilisation und dergleichen. Wie wohlgefällig verständige Menschen sie auch immer betrachten mögen, ins Übermaß gesteigert, werden sie verderblichen Einfluß auf die Menschen haben.

Falls dies näher erläutert werden sollte, wäre eine ausführliche Erklärung vonnöten, die, so ist zu befürchten, ermüden könnte. Es ist die glühende Hoffnung dieses bescheidenen Dieners, daß Gott - gepriesen sei Seine Herrlichkeit - allen Menschen das Gute gewähre; denn wer damit begnadet ist, besitzt alles. Das Erhabenste Wesen spricht: Die Zunge der Weisheit verkündet: Wer Mich nicht hat, ist aller Dinge verlustig. Wendet euch ab von allem, was auf Erden ist, und suchet nur Mich. Ich bin die Sonne der Weisheit, das Meer der Erkenntnis. Ich ermutige die Schwachen und belebe die Toten. Ich bin das Licht der Führung, das den Weg erhellt. Ich bin der königliche Falke auf dem Arm des Allmächtigen. Ich entfalte die matten Flügel jedes verzagten Vogels und helfe ihm, sich aufzuschwingen.

Und desgleichen spricht Er: Der Himmel wahren Verstehens scheint hell im Lichte zweier Leuchten: Duldsamkeit und Redlichkeit.

O mein Freund! Weite Meere ruhen in diesem kurzen Ausspruch. Selig sind, die seinen Wert erkennen, tief daraus trinken und seine Bedeutung erfassen, aber wehe den Achtlosen. Dieser niedrige Diener bittet das Volk der Welt flehentlich, Gerechtigkeit zu üben, damit das zarte, feine, kostbare Gehör der Menschen, erschaffen, den Worten der Weisheit zu lauschen, befreit werde von Hindernissen und von solchen Anspielungen, eitlem Trug und leerem Wahn, die »weder nähren noch den Hunger stillen«¹ können, auf daß der wahre Ratgeber gnädiglich geneigt sei darzulegen, was Quell des Segens für die Menschheit und höchstes Gut für alle Völker ist.

¹ Qur'án 88

Gegenwärtig glimmt das Licht der Versöhnung nur düster in den meisten Ländern; seine Leuchtkraft ist dahin, während das Feuer des Streites und der Unordnung entfacht wurde und wild lodert. Zwei starke Mächte, die sich für die Begründer und Führer der Zivilisation, die Väter geschriebener Verfassungen halten, sind gegen die Anhänger des Glaubens angetreten, der verbunden ist mit Dem, Der mit Gott Zwiesprache hielt¹. Seid gewarnt, o ihr Verständnisvollen! Es steht der Stufe des Menschen schlecht an, Tyrannei zu üben; vielmehr ziemt es ihm, rechtes Augenmaß zu wahren und sich in allen Lebenslagen mit dem Gewande der Gerechtigkeit zu kleiden. Flehet zu dem einen wahren Gott, er möge mit der machtvollen Hand der Gnade und der geistigen Erziehung gewisse Seelen läutern und reinigen vom Schmutz übler Leidenschaften und verderbter Wünsche, so daß sie sich aufmachen und ihre Zunge lösen um Gottes willen, damit die Makel des Unrechts getilgt werden und das Licht der Gerechtigkeit seinen Glanz über die ganze Welt ergießt. Die Menschen sind unwissend und derer bedürftig, welche die Wahrheit erläutern.

¹ Moses

Das Erhabenste Wesen spricht: Der Gelehrte mit umfassendem Wissen und der Weise mit durchdringender Weisheit sind die beiden Augen am Leibe der Menschheit. So Gott will, wird die Erde nie dieser beiden größten Gaben beraubt sein. Was dargelegt wurde und was in der Zukunft offenbart wird, ist nur ein Zeichen für die glühende Sehnsucht dieses Dieners, sich dem Dienst an allen Geschlechtern auf Erden zu weihen.

O mein Freund! In allen Lebenslagen sollte man jedes Mittel ergreifen, das Sicherheit und Ruhe zwischen den Völkern der Welt fördert. Das Erhabenste Wesen spricht: Alles, was euch an diesem herrlichen Tage von Verderbtheit läutert und was euch zu Frieden und Gelassenheit führt, ist fürwahr der Gerade Pfad.

So Gott will, werden die Völker der Welt als Ergebnis der hohen Bestrebungen ihrer Herrscher sowie der Weisen und Gelehrten unter den Menschen dahin geführt werden, ihr wahres Wohl zu erkennen. Wie lange wird die Menschheit in ihrem Eigensinn verharren? Wie lange wird das Unrecht fortbestehen ? Wie lange sollen Chaos und Verwirrung unter den Menschen herrschen? Wie lange wird Zwietracht das Antlitz der Gesellschaft zerwühlen?

Dieser demütige Diener wundert sich sehr, daß alle Menschen zwar mit der Fähigkeit des Sehens und Hörens begabt sind, dennoch aber des Vorrechts verlustig gehen, diese Begabungen zu gebrauchen. Die zarte Liebe, die er für dich hegt, hat diesen Diener veranlaßt, die vorliegenden Zeilen zu Papier zu bringen. Ach, die Winde der Verzweiflung wehen aus jeder Richtung, und der Hader, der das Menschengeschlecht spaltet und peinigt, nimmt täglich zu. Die Zeichen drohender Erschütterungen und des Chaos sind jetzt deutlich zu sehen, zumal die bestehende Ordnung erbärmlich mangelhaft erscheint. Ich flehe zu Gott, gepriesen sei Seine Herrlichkeit, Er möge die Völker der Erde gnädig erwecken, möge ihnen gewähren, daß das Ergebnis ihres Verhaltens nutzbringend für sie sei, und ihnen helfen, das zu vollbringen, was ihrer Stufe würdig ist.

Wollte der Mensch nur die Herrlichkeit seiner Stufe und die Erhabenheit seiner Bestimmung würdigen, er würde stets einen edlen Charakter, reine Taten und ein schickliches, rühmliches Verhalten an den Tag legen. Wollten die Gebildeten und die Weisen, die guten Willens sind, dem Volke Führung angedeihen lassen, dann würde die ganze Erde als ein einziges Land betrachtet. Wahrlich, dies ist die unbezweifelbare Wahrheit. Dieser Diener bittet und drängt jede gewissenhafte, wagemutige Seele, sich bis zum äußersten anzustrengen und sich aufzumachen, in allen Bereichen die Lebensverhältnisse wieder in Ordnung zu bringen und die Toten mit den Lebenswassern weiser Rede neu zu beleben, kraft ihrer Liebe zu Gott, dem Einen, dem Unvergleichlichen, dem Allmächtigen, dem Wohltätigen.

Der Weise kann sein Wissen nur durch Worte zeigen. So erweist sich die Bedeutung des Wortes, wie alle heiligen Schriften aus alter und neuer Zeit bestätigen. Durch die Wirkkraft des Wortes und durch seinen Lebensgeist haben die Menschen auf dieser Welt ihre hohe Stufe erreicht. Wort und Rede sollten eindrucksvoll und eindringlich sein. Beide Eigenschaften erfüllen ein Wort indessen nur dann, wenn es allein um Gottes willen und mit gehöriger Rücksicht auf die Erfordernisse des Anlasses und des Volkes fällt.

Das Erhabenste Wesen spricht: Des Menschen Wort ist eine Wirklichkeit, die Einfluß auszuüben sucht und des rechten Maßes bedarf. Sein Einfluß ist durch seine Feinheit bedingt, die ihrerseits von losgelösten, reinen Herzen abhängt. Sein rechtes Maß muß mit Takt und Weisheit gebildet werden, wie es die heiligen Schriften und Sendschreiben verordnen.¹

¹ s.a. 90 , 134

Jedes Wort ist mit einem Geist versehen. Deshalb sollte der Redner oder Erklärer seine Worte zur rechten Zeit am rechten Ort äußern; denn der Eindruck, den jedes Wort hinterläßt, liegt klar und spürbar zutage. Das Erhabenste Wesen spricht: Ein bestimmtes Wort mag dem Feuer zu vergleichen sein, ein anderes dem Lichte, und der Einfluß, den beide üben, ist in der Welt offenbar. Darum sollte ein aufgeklärter, weiser Mensch vornehmlich in Worten reden, die sanft wie Milch sind, damit seine Worte die Menschenkinder nähren und erbauen, so daß sie das höchste Ziel menschlichen Daseins erreichen: die Stufe wahren Verstehens und geistigen Adels. Desgleichen spricht Er: Ein bestimmtes Wort ist wie der Frühling, der die zarten Schößlinge im Rosengarten der Erkenntnis grünen und blühen läßt, während ein anderes Wort wie tödliches Gift ist. Ein umsichtiger, weiser Mensch sollte deshalb voll Milde und Geduld reden, damit die Süße seiner Worte einen jeden erlangen läßt, was der Stufe des Menschen angemessen ist.

O mein Freund! Das Wort Gottes ist der König der Worte; sein durchdringender Einfluß ist unermeßlich. Es hat allzeit das Reich des Seins beherrscht und wird es immerdar beherrschen. Das Erhabenste Wesen spricht: Das Wort ist der Hauptschlüssel für die ganze Welt; denn durch seine Gewalt werden die Tore der Menschenherzen, die in Wirklichkeit die Himmelstore sind, erschlossen. Kaum gelangte ein Schimmer seines Strahlenglanzes auf den Spiegel der Liebe, da wurde das selige Wort »Ich bin der Meistgeliebte« darin widergespiegelt. Das Wort ist ein unerschöpflich reiches Meer, das alles umfängt. Alles, was wahrgenommen werden kann, ist nur Ausfluß des Wortes. Hoch, unermeßlich hoch ist diese hehre Stufe, in deren Schatten sich das Wesen strahlender Erhabenheit bewegt, verhüllt in Lobpreis und in Anbetung.

Mich dünkt, der Geschmack der Menschen ist sehr mitgenommen vom Fieber der Achtlosigkeit und der Torheit; denn sie sind der Süße Seiner Rede völlig unbewußt und gehen ihrer verlustig. Wie jämmerlich fürwahr, daß sich der Mensch die Früchte vom Baume der Weisheit versagt, wo doch seine Tage und Stunden so schnell dahinschwinden. So Gott will, möge die Hand göttlicher Macht die ganze Menschheit beschützen und ihre Schritte zum Horizont wahren Verständnisses lenken.

Wahrlich, unser Herr des Erbarmens ist der Helfer, der Wissende, der Weise.

Ich möchte hinzufügen, daß dein zweiter, in Jerusalem abgesandter Brief eingetroffen ist. Was du darin schriebst und darlegtest, wurde in Seiner Gegenwart vorgelesen. Er gebot mir, wie folgt zu schreiben:

O Maqsúd! Wir hören deine Stimme und vernehmen die Seufzer und Wehklagen, die du in deinem sehnsüchtigen Verlangen ausstießest. Die süßen Düfte der Liebe sind aus jedem Wort zu atmen. So Gott will, wird diese Gnadengabe ewig währen. Der Kammerdiener las die Verse vor, die du gedichtet hast. Oft wird dein Name in der Gegenwart dieses Unterdrückten genannt, und die Lichtstrahlen Unserer Gnade und Unseres Erbarmens sind auf dich gerichtet.

Hoch ist die Stufe des Menschen. Hochgemut muß auch sein Bemühen um den Wiederaufbau der Welt und die Wohlfahrt der Völker sein. Ich flehe zu dem einen wahren Gott, daß Er dich gnädiglich in alledem bestätige, was der Stufe des Menschen würdig ist.

Laß dich in jeder Lage von Weisheit leiten; denn Leute mit bösen Beweggründen waren und sind fleißig im Ränkeschmieden. Gnädiger Gott! Dem unermeßlich erhabenen Wesen, das nur den Geist der Liebe und Freundschaft unter den Menschen zu nähren, die Welt zu erwecken und ihr Leben zu adeln sucht, schleudern sie Anklagen entgegen, die zu beschreiben Zunge und Feder sich weigern.

Wir gedachten dein schon früher und erwähnen dich zur Stunde. Flehentlich bitten Wir Ihn - erhaben ist Seine Herrlichkeit -, dich mit den Händen der Macht und Kraft zu schützen und dich zur Erkenntnis dessen zu befähigen, was deinen Belangen in dieser und der nächsten Welt am besten dient. Er ist der Herr der Menschheit, der Besitzer des Thrones in der Höhe und auf der Welt hienieden. Kein Gott ist außer Ihm, dem Allmächtigen, dem Machtvollen. Gott gebe, daß dieser Unterdrückte Treue wahre. Er hat deiner nicht vergessen, noch wird er es jemals tun.

Du hast deine Absicht bekundet, bis zum Frühling in Damaskus zu bleiben, um sodann nach Mosul zu reisen, wenn sich die Mittel dafür finden. Dieser demütige Diener fleht zu Gott - erhaben ist Seine Herrlichkeit -, Er möge die geeigneten Mittel bereitstellen und dir helfen. Er ist kraftvoll und mächtig.

Obwohl alle Bewohner dieses Gebiets überaus freundlich behandelt werden, läßt sich kein Zeichen der Freundschaft bei ihnen ausmachen. Du solltest mit viel Feingefühl und Weisheit vorgehen; denn allezeit versuchen sie, an der Sache Gottes zu kritteln und sie zu leugnen. Der eine wahre Gott gebe ihnen das rechte Augenmaß.

Was deine eigenen Angelegenheiten angeht, so wäre es lobenswert, wenn du dich mit allem abfändest, was der Himmel schickt. Einen Beruf auszuüben, ist sehr empfehlenswert; denn wenn man arbeitet, ist man weniger geneigt, sich bei den unangenehmen Seiten des Lebens aufzuhalten. So Gott will, wirst du in jeder Stadt und jedem Land, wo du auch weilst, strahlende Freude, Frohsinn und Frohlocken erfahren. Dieser demütige Diener wird seinen edlen, gütigen Freund nie vergessen. Er hat deiner gedacht und wird es weiterhin tun. Der Ratschluß ist Gottes, des Herrn aller Welten. Von Herzen hoffe ich, daß Er dir göttlichen Beistand gewährt und dich in allem bestätigt, was vor Ihm wohlgefällig und annehmbar ist.

Jedes deiner Dichterworte ist fürwahr wie ein Spiegel, der die Zeichen deiner Ergebenheit und Liebe für Gott und Seine Erwählten wiedergibt. Wohl dir, der du den erlesenen Wein der Rede getrunken hast und des sanften Stromes wahren Wissens teilhaftig wurdest. Glücklich, wer sich satt trinkt und zu Ihm gelangt, aber wehe den Achtlosen! Deine Gedichte zu lesen, war wirklich sehr eindrucksvoll, denn aus ihnen spricht sowohl das Licht der Vereinigung wie das Feuer der Trennung.

Fern sei es uns, jemals den Glauben an die unermeßlichen Gunstbeweise Gottes zu verlieren; denn wenn es Sein Wunsch wäre, könnte Er ein bloßes Atom in eine Sonne und einen einzigen Tropfen in ein Meer verwandeln. Tausend Türen tut Er auf, wo der Mensch außerstande ist, sich auch nur eine vorzustellen.

So achtlos ist dieser Diener, daß er mit Worten wie diesen die Allmacht Gottes - gepriesen sei Seine Herrlichkeit - zu verteidigen sucht. Ich flehe zu Gott, dem Größten, um Verzeihung für diese Behauptungen und bekräftige, daß dieser Diener allezeit seiner schweren Übertretungen und Missetaten eingedenk ist. Er bittet um Vergebung seiner Sünden aus dem Meer der Verzeihung seines Herrn, des Erhabensten, und wünscht für sich, was ihn Gott ganz ergeben macht und ihn befähigt, Seinen Lobpreis zu künden, sich Ihm zuzuwenden und sein ganzes Vertrauen auf Ihn zu setzen. Wahrlich, Er ist der Machtvolle, der Vergebende, der Barmherzige. Preis sei Gott, dem Allmächtigen, dem Allwissenden.

Dieser bescheidene Diener hat die Schilderungen der Zwiegespräche mit einem Reisenden gelesen, die du in deinem Brief an meinen Herrn - möge mein Leben ein Opfer für Ihn sein - aufgezeichnet hast. Die dort gegebenen Erläuterungen erwecken das Volk vom Schlaf der Achtlosigkeit. Fürwahr, die Taten des Menschen bringen teuflische Kraft die Fülle hervor. Wollten die Menschen sich mit den göttlichen Lehren zufriedengeben und sich daran halten, so wäre jede Spur des Bösen vom Antlitz der Erde getilgt. Aber die weitverbreitete Uneinigkeit unter der Menschheit, das Überhandnehmen von Aufruhr, Zank, Streit und dergleichen sind die vorherrschenden Bestimmungsgründe für das Auftreten des satanischen Geistes. Der Heilige Geist hat sich von solchen Dingen immer ferngehalten. Eine Welt, in der nur Kampf, Hader und Verderbnis auszumachen sind, ist auf dem besten Weg, Sitz und Thron, ja die Metropole Satans zu werden.

Wie unermeßlich groß ist die Zahl der Geliebten und Erwählten Gottes, die bei Tag und bei Nacht wehklagen und flehen, ein Dufthauch möge vom Hofe Seines Wohlgefallens her wehen und den widerlichen, faulen Gestank aus der Welt vertreiben. Aber dieses Endziel konnte noch nicht erreicht werden. Die Menschen gehen seiner verlustig wegen ihrer Missetaten, mit denen sie die Strafe Gottes gemäß den Grundsätzen Seiner göttlichen Herrschaft auf sich ziehen. Uns bleibt die Pflicht, in diesen Lebenslagen geduldig zu sein, bis uns Hilfe kommt von Gott, dem Vergebenden, dem Wohltätigen.

Verherrlicht sei Dein Name, o Herr aller Wesen, Du Sehnsucht alles Erschaffenen! Ich bitte Dich flehentlich bei dem Worte, das den Brennenden Busch seine Stimme erheben und den Felsen rufen ließ,, woraufhin die Begünstigten zum Hofe Deiner Gegenwart und die Reinen im Herzen zum Morgenlicht Deines Antlitzes eilten, und bei den Seufzern der Dich wahrhaft Liebenden in ihrer Trennung von Deinen Erwählten und bei der Wehklage derer, die vor dem Dämmerglanz des Lichtes Deiner Offenbarung Dein Angesicht zu schauen verlangen, gib Deinen Dienern gnädiglich die Fähigkeit zu erkennen, was Du in Deiner Gnadenfülle für sie verordnet hast. Verschreibe ihnen mit Deiner Feder der Herrlichkeit, was ihre Schritte zum Meere Deiner Großmut lenkt und sie zu den Lebenswassern himmlischer Wiedervereinigung mit Dir führt.

O Herr! Schaue nicht auf das, was sie tun, sondern schau auf die Erhabenheit Deiner himmlischen Gnadengaben, die allem Erschaffenen, sichtbar oder unsichtbar, vorangehen. O Herr! Erleuchte ihre Herzen mit dem strahlenden Lichte Deiner Erkenntnis und erhelle ihre Augen mit dem Glanz der Sonne Deiner Gunstbeweise.

Ich flehe zu Dir, o Herr der Namen und Schöpfer der Himmel, bei dem Blute, das auf Deinem Pfad vergossen ward, und bei den Häuptern, die um Deiner Liebe willen hoch auf Speeren getragen wurden, und bei den Seelen, die in ihrer Trennung von Deinen Geliebten dahinschmolzen, und bei den Herzen, die für die Erhöhung Deines Wortes brachen, gewähre, daß sich die Bewohner Deines Reiches vereinigen in ihrer Lehenstreue zu Deinem unvergleichlichen Wort, so daß sie alle Deine Einheit und Deine Einzigkeit anerkennen. Es gibt keinen Gott außer Dir, dem Allmächtigen, dem Erhabensten, dem Wissenden, dem Weisen.

Ich hege die Hoffnung, daß Er, der Allgenügende, der Unzugängliche, der Bitte dieses demütigen Dieners achte, das Volk der Welt mit dem Gewande edler Taten bekleide und es von bösen Neigungen reinige. Er ist der Mächtige, der Machtvolle, der Allweise, der Allschauende. Er hört und sieht; Er ist der Allhörende, der Allsehende.

SÚRIH-I-VAFÁ (Das Sendschreiben an Vafá) BH00354

¹ Muhammad Husayn, einer der frühen Gläubigen aus Shiráz, dem Bahá'u'lláh den Ehrennamen Vafá (Treue) gab.

Er ist der Allwissende.

O Váfá! Danke deinem Herrn, daß Er dir half, dich Seiner Sache zuzuwenden, daß Er dich befähigte, die Manifestation Seines Selbstes anzuerkennen, und dich antrieb, Ihn zu verherrlichen, der das Größte Gedenken ist in dieser herrlichen Verkündigung.

Selig bist du, o Vafá, weil du dem Bunde Gottes und Seinem Testament die Treue wahrst zu einer Zeit, da alle Menschen diesen Bund verletzen und Den leugnen, an den sie geglaubt haben, obwohl Er erschien, mit jedwedem Zeugnis angetan, und am Horizont der Offenbarung aufging, gekleidet in unzweifelhafte Herrschaft.

Es geziemt dir, dich bis zum äußersten zu mühen, um das wahre Wesen der Treue zu erlangen. Das bedeutet, daß du ganz sicher bist in deinem Herzen und mit deiner Zunge bezeugst, was Gott für Sein erhabenes Selbst bezeugt, wenn Er kündet: »Wahrlich, selbstbestehend bin Ich im Reiche der Herrlichkeit.« Wer heutzutage befähigt ist, diese Wahrheit feierlich zu bestätigen, der hat alles Gute erlangt, und der himmlische Geist wird auf ihn niedersteigen am Tage und zur Nachtzeit, ihm gnädiglich zu helfen, den Namen seines Herrn zu verherrlichen. Er wird ihm die Zunge lösen, und mit seinen Worten wird er die Sache seines Herrn, des Erbarmers, des Barmherzigen, stützen. Keiner kann dies erreichen, er hätte denn sein Herz gereinigt von allem, was zwischen Himmel und Erde erschaffen ist, und sich völlig gelöst von allem außer Gott, dem unumschränkten Herrn, dem Allmächtigen, dem Gnädigen.

Erhebe dich, der Sache Gottes zu dienen, und sprich : Ich schwöre bei der Gerechtigkeit Gottes! Wahrlich, dies ist der Erste Punkt, gekleidet in Sein neues Gewand und offenbart in Seinem herrlichen Namen. Jetzt schaut Er herab von diesem Horizont und sieht alles. Fürwahr, Er ist erhaben über alles. Unter den Himmlischen Heerscharen ist er bekannt als die Größte Verkündigung, im Reiche der Ewigkeit als die Altehrwürdige Schönheit und vor dem Throne durch diesen Namen¹, der die Einsichtigen straucheln ließ.

¹ der Größte Name

Sprich: Ich schwöre bei Gott! Bevor in dieser Offenbarung ein einziger Vers vom Reiche der Heiligkeit und Erhabenheit herniedergesandt ward, war bereits das hehrste Zeugnis Gottes für alle Bewohner des Himmels und der Erde erfüllt; überdies haben Wir so viel offenbart, wie in der Sendung des Bayán herniedergesandt ist. Fürchtet Gott, laßt eure Taten nicht zuschanden werden und zählt nicht zu denen, die in Achtlosigkeit versunken sind. Öffnet die Augen, damit ihr auf dieser hell leuchtenden Stufe die Altehrwürdige Schönheit schauet.

Sprich: Gott ist mein Zeuge! Der Verheißene selbst ist vom Himmel gekommen, sitzend auf der roten Wolke, die Scharen der Offenbarung zu Seiner Rechten, die Engel der Eingebung zu Seiner Linken, und der Ratschluß ist erfüllt auf Geheiß Gottes, des Allmächtigen, des Allmachtvollen. Daraufhin sind alle gestrauchelt, ausgenommen die, welche Gott schützte durch Seine zarte Barmherzigkeit und zu denen zählte, die Ihn durch Sein Selbst erkennen und sich von allem lösen, was der Welt zugehört.

Höre die Worte deines Herrn und reinige dein Herz von allem Trug, damit das Gedenken Deines Herrn mit hellem Licht darauf strahle und dein Herz die Stufe der Gewißheit erlange.

Wisse überdies, daß dein Brief in Unsere Gegenwart gelangte; Wir haben seinen Inhalt vernommen und gelesen. Die Fragen, die du stelltest, haben Wir zur Kenntnis genommen, und gern werden Wir dir antworten. An diesem Tage ziemt es sich für jeden, alles, was er wünscht, Gott zu fragen, und dein Herr wird seiner Bitte achten mit wundersamen, unleugbaren Versen.

Du hast über das Thema der Wiederkehr gefragt. Wisse, daß das Ende dem Anfang gleicht. Sieh das Ende, gleich wie du den Anfang schaust, und gehöre zu den wahrhaft Verständigen. Nein, sieh vielmehr den Anfang als das Ende selbst und umgekehrt, auf daß du eine klare Schau erlangest. Wisse überdies, daß alles Erschaffene beständig hervortritt und wiederkehrt auf Geheiß deines Herrn, des Gottes der Kraft und der Macht.

Was die Wiederkehr angeht, die Gott in Seinen heiligen, erhabenen Sendschreiben meint, mit denen Er diesen Gegenstand Seinen Dienern bekannt gibt, so bedeutet sie die Wiederkehr alles Erschaffenen am Tage der Auferstehung. Dies ist fürwahr das Wesen der Wiederkehr, wie du sie in Gottes eigenen Tagen erlebst; und du zählst wahrlich zu denen, die diese Wahrheit bezeugen.

Wahrlich, Gott hat die Macht, alle Namen in einem einzigen Namen erscheinen zu lassen, und alle Seelen in einer einzigen Seele. Gewiß ist Er kraftvoll und mächtig. Und diese Wiederkehr geschieht auf Sein Geheiß in jedweder Gestalt, die Er will. Fürwahr, Er ist Der, welcher alles tut und bestimmt. Im übrigen solltest du die Erfüllung der Wiederkehr und der Auferstehung nur im Worte deines Herrn, des Allmächtigen, des Allwissenden, wahrnehmen. Griffe Er zum Beispiel eine Handvoll Staub und erklärte, dies sei Derjenige, dem ihr früher gefolgt seid, so wäre dies so recht und so wahr wie Sein wirkliches Selbst. Keinem ist das Recht verliehen, Seine vollmacht in Frage zu stellen. Er tut, was Er will, und bestimmt, was Ihm gefällt. Nimm dich auf dieser Stufe auch in acht, daß du deinen Blick nicht auf Grenzen und Andeutungen richtest, sondern auf das, wodurch die Offenbarung erfüllt ist, und gehöre zu den Erkennenden. Solches erklären Wir dir in leuchtend klarer Sprache, damit du begreifest, was du bei deinem urewigen Herrn suchtest.

Schau auf den Tag der Auferstehung. Wollte Gott verkünden, das niederste Geschöpf unter den Gläubigen sei der erste, der an den Bayán glaubte, so dürftest du keine Zweifel haben, sondern müßtest zu denen gehören, die wahrhaft glauben. Sieh auf dieser Stufe keine menschlichen Grenzen und Namen, vielmehr schau auf das, was den Rang des ersten Gläubigen rechtfertigt: den Glauben an Gott, die Anerkennung Seines Seins, das Vertrauen in die Erfüllung Seines unwiderstehlichen, Seines bindenden Befehls.

Denke an den Punkt des Bayán - erhaben ist Seine Herrlichkeit - und an Seine Offenbarung. Er verkündete, der erste¹, der an Ihn glaubte, sei Muhammad, der Gesandte Gottes. Steht es jemandem zu, mit Ihm zu streiten und zu sagen, jener erste sei aus Persien, dieser aus Arabien, jener heiße Husayn, während dieser den Namen Muhammad trug? Nein, Ich schwöre es bei Gottes heiligem Wesen, dem Erhabenen, dem Größten. Gewiß wird kein verständiger Mensch hier auf Grenzen und Namen achten, sondern das im Auge haben, womit Muhammad ausgestattet war, und das war nichts anderes als die Sache Gottes. Ein Mensch mit dieser Einsicht würde sodann Husayn und die Stellung betrachten, die er in der Sache Gottes, des Allmächtigen, des Erhabenen, des Wissenden, des Weisen, bekleidet. Und da der erste, welcher in der Sendung des Bayán an Gott glaubte, mit Befehlsgewalt ausgestattet war, ähnlich derjenigen, die Muhammad, der Gesandte Gottes, innehatte, erklärte der Báb, Husayn sei Muhammad, nämlich Dessen Wiederkehr und Auferstehung. Diese Stufe ist geheiligt über alle Grenzen und Namen, und nichts ist darin zu sehen außer Gott, dem Einen, dem Unvergleichlichen, dem All wissenden.

¹ Mullá Husayn-i-Bushrú'í

Wisse ferner: Wollte Er am Tage der Offenbarung verkünden, ein kleines Blatt sei die Manifestation aller Seiner erhabenen Ehrennamen, so wäre keinem das Recht gegeben, nach dem Warum und Wofür zu fragen; und fragte jemand dennoch, so würde er als Ungläubiger betrachtet und zu denen gezählt, die Gottes Wahrheit zurückweisen.

Hüte dich, hüte dich, daß du nicht tust, was das Volk des Bayán getan. Sie haben in der Tat schlimm geirrt, das Volk verführt, den Bund Gottes und Sein Testament verworfen und Ihm, dem Einen, dem Unvergleichlichen, dem Allwissenden, Gefährten beigesellt. Den Punkt des Bayán haben sie wahrlich nicht anerkannt; denn hätten sie Ihn anerkannt, so hätten sie Seine Manifestation in diesem hell strahlenden Wesen nicht verworfen. Da sie aber ihre Augen auf Namen hefteten, wurden sie ihnen trübe, als Er Seinen Namen »der Erhabenste«¹ durch Seinen Namen »der Allherrliche«² ersetzte. So verfehlen sie, Ihn heutzutage anzuerkennen, und so gehören sie zu denen, die zugrunde gehen. Fürwahr, hätten sie Ihn durch Sein eigenes Selbst erkannt oder aber kraft dessen, was Er offenbart, so hätten sie Ihn nicht geleugnet, als Er erschien in diesem herrlichen, diesem unvergleichlichen Namen, den Gott zum Schwerte Seiner Offenbarung zwischen Himmel und Erde bestimmt hat, Wahrheit vom Irrtum zu trennen, von nun an bis zu dem Tage, da die Menschheit vor dem Herrn der Welten stehen wird.

¹ al-A'lá ² al-Abhá

Wisse fernerhin: Am Tage Seiner Manifestation kehrt alles außer Gott wieder, ob hoch oder niedrig, versammelt an einem Ort. Unerforschlich ist die Wiederkehr für alle Menschen, bis daß die göttliche Offenbarung erfüllt ist. Er ist in Wahrheit Der, welcher bestimmt, was Er will. Wenn das Wort Gottes allem Erschaffenen offenbart ist, dann wird jeder, der den Ruf hört und beachtet, zu den edelsten Seelen gezählt, auch wenn er nicht mehr ist als ein Aschenträger. Und wer sich abwendet, zählt zu den niedersten unter Seinen Dienern, übte er auch Herrschaft über die Menschen und besäße er auch alle Bücher in den Himmeln und auf Erden.

Dir ziemt es, mit göttlicher Einsicht auf das zu blicken, was Wir dir offenbart und gesandt haben, nicht auf das Volk und was bei ihm im Schwange ist. Sie gleichen heutzutage einem Blinden, der im Sonnenschein herumtappt und fragt: Wo ist die Sonne? Scheint sie? Er leugnet und bestreitet die Wahrheit, er gehört nicht zu den Wahrnehmenden. Niemals wird er die Sonne schauen oder begreifen, was zwischen ihn und sie getreten ist. Er ist voll des Vorwurfs, schimpft und zählt zu den Aufsässigen. So ist auch der Zustand dieses Volkes. Überlasse sie sich selbst und sprich: Euch werde zuteil, was ihr wünschet, und uns, was wir wünschen. Elend ist fürwahr der Zustand der Gottlosen.

Wisse des weiteren: Die frühere Manifestation bekräftigte, am Tage der Auferstehung werde die Wiederkehr und die Erhebung der Geister eintreten; in Wahrheit gibt es eine Wiederkehr und Auferstehung für alles Erschaffene. Wir möchten jedoch nichts erwähnen, was nicht im Bayán dargelegt ist; sonst erhebt das Volk der Bosheit ein großes Geschrei. O würde doch vertrieben, was zwischen die Menschenkinder und ihren Schöpfer tritt, auf daß sie befähigt seien, Gottes unüberwindliche Herrschaft und Souveränität zu schauen, vom Brunnquell Seiner himmlischen Wasser zu trinken, sich mit den Ausgießungen aus dem Meere wahren Verstehens zu netzen und sich von den Schandflecken der Gottlosen und der Argwöhnischen zu läutern.

Nun zu deiner Frage über die Welten Gottes. Wisse wahrlich, daß die Welten Gottes zahllos und unendlich weit sind. Keiner kann sie zählen oder erfassen außer Gott, dem Allwissenden, dem Allweisen. Denke an deinen Zustand im Schlafe. Wahrlich, Ich sage, diese Erscheinung ist das geheimnisvollste der Zeichen Gottes unter den Menschen, wollten sie doch im Herzen darüber nachsinnen. Siehe, wie das, was du im Traume geschaut hast, nach langer Zeit voll verwirklicht wird. Wäre die Welt, wo du dich im Traum befunden hast, dieselbe wie die Welt, in der du lebst, dann hätte die Begebenheit jenes Traumes im Augenblick ihres Geschehens zwangsläufig in dieser Welt bekannt werden müssen. Wäre es so, dann wärest du selbst dessen Zeuge. Da dies jedoch nicht der Fall ist, muß notwendigerweise daraus folgen, daß die Welt, in der du lebst, von jener, die du im Traum erlebt hast, verschieden und gesondert ist. Diese letztere Welt hat weder Anfang noch Ende. Es wäre wahr, wenn du behaupten wolltest, daß diese Traumwelt nach dem Ratschluß des allherrlichen und allmächtigen Gottes in deinem eigenen Selbst liegt und ganz in dir aufgeht. Es wäre ebenso wahr zu sagen, daß dein Geist, wenn er die Grenzen des Schlafes überschritten und sich von allen irdischen Bindungen befreit hat, durch Gottes Ratschluß ein Reich durchwandert, das in der innersten Wirklichkeit dieser Welt verborgen liegt. Wahrlich, Ich sage, die Schöpfung Gottes umfaßt Welten neben dieser Welt und Geschöpfe außer diesen Geschöpfen. In jeder dieser Welten hat Er Dinge verordnet, die niemand erforschen kann außer Ihm, dem Allerforschenden, dem Allweisen. Denke darüber nach, was Wir dir enthüllt haben, damit du die Absicht Gottes, deines Herrn und des Herrn aller Welten, erkennest. In diesen Worten sind die Geheimnisse göttlicher Weisheit verwahrt. Wir wollen nicht bei diesem Thema verweilen, weil der Kummer über die Taten derer, die durch Unsere Worte erschaffen worden sind, Uns umgibt, wäret ihr doch unter denen, die auf Unsere Stimme hören.

Wo ist der, der Mir helfen und Mich vor den Schwertern dieser treulosen Seelen beschirmen kann? Wo ist der Einsichtsvolle, der die Worte Gottes mit eigenen Augen sieht und sich von den Völkern der Welt, ihren Meinungen und Vorstellungen frei macht?

O Diener! Warne die Diener Gottes davor, das von sich zu weisen, was sie nicht verstehen. Sprich: Flehet zu Gott, Er möge vor euren Herzen die Tore wahren Verstehens öffnen, auf daß euch kund wird, was keiner kennt. Wahrlich, Er ist der Gebende, der Vergebende, der Mitleidvolle.

Du hast Mich auch über die Gebote Gottes befragt. Wisse fürwahr: Alles, was im Buche vorgeschrieben ist, ist die Wahrheit; es gibt keinen Zweifel daran, und jeder hat die Pflicht zu befolgen, was Er, der Offenbarer, der Allwissende, herniedergesandt hat. Wer die Gebote beiseite schöbe, obwohl er davon Kenntnis hat, mit dem hätte Gott fürwahr nichts zu schaffen, und auch Wir hätten nichts mit ihm zu schaffen; denn Gottes Gebote stellen die Früchte des göttlichen Baumes dar, und nur die Achtlosen und die Eigensinnigen weichen von ihnen ab.

Was das Paradies anbelangt, so ist es eine Wirklichkeit, an der es keinen Zweifel geben kann. Hier und heute in dieser Welt ist es in der Liebe zu Mir und in Meinem Wohlgefallen verwirklicht. Wer das erreicht, dem wird Gott in dieser Welt hienieden helfen, und nach dem Tode wird Er ihn befähigen, Zutritt in das Paradies zu erlangen, das so weit ist wie Himmel und Erde. Dort werden ihm die Jungfrauen der Herrlichkeit und der Heiligkeit aufwarten des Tages und zur Nachtzeit, während die Sonne der unvergänglichen Schönheit seines Herrn allezeit ihren Glanz über ihn ergießt und er so hell erstrahlt, daß keiner seinen Anblick ertragen kann. So fügt es die Vorsehung, und doch ist das Volk ausgeschlossen durch einen schweren Schleier. Begreife gleichermaßen das Wesen des Höllenfeuers und gehöre zu denen, die wahrhaft glauben. Für jede Tat gibt es eine Vergeltung nach dem Urteil Gottes; dafür sind die Gebote und Verbote, wie sie der Allmächtige verschrieben hat, Zeugnis zur Genüge. Denn gewiß würde sich, wenn die Taten nicht belohnt würden und keine Früchte zeitigten, die Sache Gottes - erhaben ist Er - als nichtig erweisen. Unermeßlich erhaben ist Er über solche Gotteslästerungen! Denen jedoch, die frei sind von allen Bindungen, ist eine Tat ihr eigener Lohn. Wollten Wir uns über diesen Gegenstand verbreiten, so müßten zahlreiche Sendschreiben aufgezeichnet werden.

Ich schwöre bei der Gerechtigkeit des einen wahren Gottes! Die Feder ist außerstande, sich zu bewegen, ob alledem, was ihren Herrn befallen hat. Sie weint bitterlich; bitter weine auch Ich, und bitter weint das Auge Dessen, Der das Wesen der Hoheit hinter dem Königszelte der Namen ist, sitzend auf dem Throne Seines ruhmreichen Namens.

Reinige dein Herz, auf daß Wir Springbrunnen der Weisheit und der freien Rede daraus hervorquellen lassen und dich befähigen, deine Stimme inmitten der Menschheit zu erheben. Löse deine Zunge, und um des Gedenkens an deinen barmherzigen Herrn willen verkünde die Wahrheit. Fürchte dich vor niemandem, setze dein ganzes Vertrauen in Gott, den Allmächtigen, den Allwissenden. Sprich: O Volk, erfüllet, was ihr im Persischen Bayán versteht, und was ihr nicht versteht, das fraget Ihn, Sein unfehlbares Gedenken, damit Er euch klar vor Augen führe, was Gott in Seinem Buche beabsichtigt hat; denn fürwahr, Er weiß, was im Bayán verwahrt ist, kraft Seines, des Allmächtigen, des Allmachtvollen, Willens.

Du hast über Unsere Warnung an das Volk zur Zeit Unserer Abreise aus dem 'Iráq gefragt, wonach dann, wenn die Sonne dem Blick entschwindet, Vögel der Finsternis sich bewegen und die Banner des Sámirí¹ aufgepflanzt werden. Ich schwöre bei Gott! Diese Vögel rühren sich heutzutage, und Sámirí erhebt sein Geschrei. Wohl dem, der versteht und zu den Einsichtigen zählt! Wir haben sie auch vor der Erscheinung des Kalbes gewarnt. Gott ist Mein Zeuge! Alle Unsere Vorhersagen sind eingetreten, wie es ihnen bestimmt war, da sie ja von den Fingern der Herrlichkeit und der Macht ausgingen. Flehe zu Gott, Er möge dich vor dem Unheil dieser Menschen schützen und dich läutern von den Anspielungen der Widerspenstigen. Wappne dich für die Verkündigung der Sache Gottes und achte nicht der Worte, die das Volk des Bayán äußert; denn fürwahr, sie sind des Verständnisses bar und haben das Wesen der Sache, wie es in dieser hehren, dieser Größten Verkündigung enthüllt ist, nicht begriffen. Solches geben Wir deinem Geiste ein, und Wir flößen dir ins Herz, was dich unabhängig macht von den Anspielungen der Menschheit.

¹ der Hersteller des Goldenen Kalbes; vgl. Qur'án 205-98

Die Herrlichkeit Gottes sei mit dir und denen, welche die Worte hören, die du äußerst aus Liebe zu Gott, deinem Herrn, und welche standhaft in Seiner Sache bleiben. Aller Lobpreis sei Gott, dem Herrn der Welten.

LAWH-I-SIYYID-I-MIHDÍ-I-DAHAJÍ (Das Sendschreiben an Siyyid Mihdíy-i-Dahají) BH00587

Er ist der Heiligste, der Größte, der Erhabenste, der Höchste

O Mein Name!¹ Lobpreise Gott, daß Er dich gnädig erwählte, ein Regenschauer göttlicher Gaben zu sein für alles, was Wir in den reinen, gesegneten Boden säten, und daß Er dich befähigte, den wundersam hehren Bäumen, die Wir pflanzten, als Frühling sanften Erbarmens, zu dienen. Fürwahr, so groß ist diese Gunst, daß unter allem Erschaffenen in der Welt des Seins nichts damit wetteifern kann. Des weiteren haben Wir dir den erlesenen Wein der Rede aus dem Kelche himmlischer Gaben deines barmherzigen Herrn zu trinken gegeben: diese Zunge der Heiligkeit, die, kaum gelöst, alle Schöpfung belebte, alle Wesen in Bewegung brachte und die Nachtigall ihre Weisen schlagen ließ. Dies ist der Springquell lebendigen Wassers für alle, die im Reiche des Seins wohnen.

¹ Siyyid Mihdíy-i-Dahají, an den dieses Sendschreiben gerichtet war, hatte von Bahá'u'lláh den Titel Ismu'lláhí'l-Mihdí (Der Name Gottes Mihdí) erhalten. Er brach später das Bündnis (siehe Shoghi Effendi, Gott geht vorüber, p.364 ). s.a. Tahez II p.154, 329f, 349

Oftmals haben Wir auf dich die süßen Düfte des Allerbarmers gehaucht aus diesem Zweig, der sich über dem Sendbrief deines Herrn, des Mächtigen, des Ungezwungenen, bewegt. Bei der Gerechtigkeit des einen wahren Gottes! Wendeten sich alle erschaffenen Dinge, die sichtbaren wie die unsichtbaren, zu Ihm, so sähest du, wie sie sich aufschwängen zum Höchsten Ziel, dem Ort, da der göttliche Lotosbaum ruft und kündet: Wahrlich, kein Gott ist außer Mir, dem Allmächtigen, dem Allgütigen.

Groß ist dein Segen, da du durch die Lande Gottes reistest, verkörperte Freude und Sicherheit für das Volk Bahás - sie, die allem entsagen außer Ihm und ihre Herzen ausrichten auf diesen Königshof, der seinen Strahlenglanz über alle Reiche ergießt und sie netzt mit den wogenden Wassern dieses Meeres, das dich selbst genetzt hat - ein Meer, das alles Erschaffene umschließt.

Du hast fürwahr die Bedeutung der Hilfe für Gott verstanden, du hast dich erhoben, diese Hilfe durch die Macht der Weisheit und der Rede zu leisten. Sprich: Mir helfen heißt Meine Sache lehren. Dies ist ein Gegenstand, der ganze Sendbriefe ausfüllt. Dies ist der unverrückbare Befehl Gottes, ewig in der Vergangenheit, ewig in der Zukunft. Begreifet es, o ihr Einsichtsvollen. Wer die Schranken der Weisheit überschreitet, versteht die im Buche dargelegte Bedeutung der Hilfe für Gott nicht. Sprich: Fürchtet Gott und sät nicht die Saaten der Zwietracht unter die Menschen. Befolget, was euch aufgetragen von eurem Herrn, dem Allmächtigen, dem Allwissenden. Er weiß, was wirklich der Sieg ist, und lehrt es euch mit einer Rede, die kein leerer Wahn derer, welche in der Wildnis des Zweifels schweifen, je verderben kann.

O Mein Name! Gib allem Erschaffenen erneut zu trinken von diesem Kelche, der die Meere aufbranden ließ. Entfache sodann in den Herzen die Feuerlohe, die dieser Rote Baum entzündet hat, damit sich alle erheben, Seinen Namen unter den Anhängern aller Glaubensrichtungen zu preisen und zu verherrlichen.

Zahlreiche Briefe von dir wurden vor Unserem Thron überreicht. Wir haben sie gelesen zum Zeichen der Gnade, und für jeden Namen, den du erwähntest, haben Wir offenbart, was die Menschengeister aufrüttelt und die Seelen sich aufschwingen läßt. Im übrigen haben Wir dich wiederholt befähigt, den Trillern der Himmelsvögel zu lauschen und dein Ohr dem Sang der Nachtigallen zu neigen, wenn sie auf den Zweigen ihre Lieder schlagen. So ward die Feder Gottes zu deinem Gedenken bewegt, auf daß du die Menschen ermahnest durch die Macht dieser Rede, die von Gott bestimmt ist, die Zeichen Seiner Herrlichkeit zu offenbaren.

Selig ist der Ort, da der Hymnus Seines Lobpreises erschallt, und selig das Ohr, welches hört, was vom Himmel der Gnade deines Herrn, des Allerbarmers, herniedergesandt ward.

Ermahne die Diener Gottes zu dem, wozu Wir dich ermahnten, damit sie ablassen von allem, was ihnen in dem Mutterbuche verboten ist. Wer Taten begeht, die Aufruhr schaffen im Volk, der ist fürwahr weit abgeirrt von der Hilfe für Gott und Seine Sache; auf der Tafel, die Gott zum Dämmerort aller Tafeln ausersehen hat, wird er zu den Unheilstiftern gezählt.

Sprich: Wenn es Uns gut dünkt, werden Wir die Sache Gottes durch die Macht eines einzigen Wortes aus Unserer Gegenwart zum Siege führen. Er ist wahrlich der Allmächtige, der Allbezwingende. So es Gottes Absicht ist, wird aus den Wäldern himmlischer Macht der Löwe unüberwindlicher Kraft hervortreten, und sein Gebrüll ist wie des Donners Grollen, das in den Bergen widerhallt. Da Unsere liebevolle Vorsehung jedoch alle Dinge überragt, haben Wir verordnet, daß der Endsieg durch Wort und Rede erreicht werde, damit Unsere Diener auf der ganzen Erde dergestalt zu Empfängern göttlichen Segens werden. Das ist ein Zeichen für die Gottesgaben, die ihnen gewährt sind. Wahrlich, dein Herr ist der Allgenügende, der Erhabenste.

Sprich : Fürchtet Gott und begeht keine Taten, die Meine Geliebten auf Erden wehklagen lassen. So gebietet euch diese Feder, die auf der Kampfbahn der Weisheit und des wahren Verstehens die Feder der Herrlichkeit in Bewegung brachte.

Überbringe Meine Grüße all denen, deren Angesichter den Strahlenglanz Bahás widerspiegeln. Sodann rede zu ihnen mit dieser Rede, welche die Augen der Gerechten erhellt. Die Herrlichkeit Gottes sei mit dir und allen, die sich festhalten an dem Seile Gottes, des Offenbarers der Verse...

Halte die Bewohner dortzulande ab von herausfordernden Handlungen, von Hader, Streit und allem, was sonst Unruhe stiftet. Rühmlich ist heutzutage die Verbreitung der Sache Gottes. Wollten sich zum Beispiel diejenigen Leute, die gewisse Ziele verfolgen, dem Lehren der Sache Gottes hingeben, so wären alle, die dortzulande wohnen, binnen kurzem mit dem Mantel des Glaubens bekleidet.

So jemand die folgende Stelle aus dem zu Ehren des Nabil von Qá'in¹ offenbarten Sendschreiben mit all ihrer Süße kostet, wird er sogleich die Bedeutung der Hilfe für Gott verstehen: Menschliche Rede will ihrem Wesen nach Einfluß üben und bedarf deshalb der Mäßigung. Ihr Einfluß ist durch Feinheit bedingt, die wiederum von losgelösten, reinen Herzen abhängt. Ihre Mäßigung muß mit Takt und Weisheit gepaart sein, wie es in den Heiligen Büchern und Sendbriefen vorgeschrieben ist.¹

¹ Nabil-i-Akbar ² s.a. 90 , 110

O Mein Name! Die Rede muß die Kraft der Eindringlichkeit besitzen. Ist sie dieser Eigenschaft beraubt, übt sie keinen Einfluß aus. Und dieser durchdringende Einfluß hängt davon ab, daß der Geist rein und das Herz makellos ist. Desgleichen bedarf die Rede der Mäßigung; ohne sie ist der Hörer außerstande, die Rede zu ertragen, vielmehr bekundet er von Anfang an Widerspruch. Und die Mäßigung wird dadurch erlangt, daß man die Rede mit den Zeichen göttlicher Weisheit mischt, wie sie in den heiligen Büchern und Sendbriefen verzeichnet sind. Wenn eines Menschen Rede dergestalt in ihrer Wesenheit mit diesen beiden Grunderfordernissen ausgestattet ist, wird sie sich als ungemein wirksam erweisen und das beste Mittel für die Wandlung der Menschenseelen sein. Das ist die Stufe höchsten Sieges und himmlischer Herrschaft. Wer sie erreicht, ist mit der Macht belehnt, die Sache Gottes zu lehren und der Menschen Herzen und Gemüter zu besiegen.

O Mein Name! Die Sonne der Rede strahlt hell vom Dämmerort göttlicher Offenbarung. Sie erleuchtet die Schriftrollen und Tafeln in solchem Maße, daß das Reich der Rede und das erhabene Herrschaftsgebiet des Verstehens vor Freude und Frohlocken beben; sie scheinen im Glanz Seines Lichtes, und doch begreift es die Masse der Menschen nicht.

Der Grund, warum das Thema des Beistands und der Hilfe für Gott immer wieder der Feder der Vorsehung entströmte und weiterhin entströmen wird, ist die Warnung an die Freunde Gottes vor Tätigkeiten, die Streit und Aufruhr bewirken könnten. Alle haben sie die Pflicht, sorgfältig zu forschen, wie sie der Sache Gottes in der von Uns dargelegten Weise helfen können. Dies ist nur ein Zeichen Seiner Gnade, die Er Seinen Geliebten besonders gewährt, auf daß jeder von ihnen die Stufe erlange, die durch das Wort gekennzeichnet ist: »Wer eine Seele erweckt, der erweckt fürwahr die ganze Menschheit.«¹

¹ Qur'án 52

Weltliche Macht stand immer im Schatten dieser Stufe und wird weiterhin dort stehen. Ihre festgesetzte Stunde ist im Buche Gottes vorherbestimmt. Er wahrlich kennt sie, und kraft Seiner Macht wird sie offenbar werden. Wahrlich, Er ist der Machtvolle, der Allunterwerfende, der Allmächtige, der Allwissende, der Allweise.

Die geheiligten Seelen sollten in ihren Herzen über die Lehrmethoden nachdenken und nachsinnen. Aus den Texten dieser wundersamen, himmlischen Schriften sollten sie Sätze und Abschnitte auswendig lernen, die sich auf verschiedene Gegebenheiten beziehen, damit sie im Verlauf ihrer Ansprachen göttliche Verse wiedergeben können, sooft es die Gelegenheit erfordert, da diese heiligen Verse ja das kraftvollste Elixier, der größte, mächtigste Talisman sind. So machtvoll ist ihr Einfluß, daß dem Hörer kein Grund zum Wankelmut bleibt. Ich schwöre bei Meinem Leben! Dieser Offenbarung ist solche Macht eigen, daß sie als Magnet auf alle Völker und Geschlechter der Erde wirkt. Wer innehält, um mit Bedacht nachzusinnen, wird erkennen, daß es für keinen einen Ort gibt oder geben kann, dahin er fliehen könnte.

Der Kitáb-i-Aqdas wurde so offenbart, daß er alle göttlich bestimmten Sendungen anzieht und umfängt. selig ist, wer ihn liest, selig, wer ihn begreift, selig, wer darüber nachdenkt, selig, wer seine Bedeutung erwägt. So umfassend ist er, daß er alle Menschen umschließt, ehe sie seiner gewahr sind. Binnen kurzem werden seine unumschränkte Macht, sein durchdringender Einfluß und die Größe seiner Kraft auf Erden offenbar.

O Mein Name! Höre auf Meine Stimme, die aus der Richtung Meines Thrones kommt. Dein Herr will deinen Namen allzeit erwähnen, da du dich standhaft erweisest im Ruhme Seiner Tugenden unter den Menschen. Fürwahr, Er liebt die Treue, die sich im Reiche der Schöpfung findet, und gibt ihr Vorrang vor den meisten Tugenden. Wahrlich, Er ist der Gewaltige, der Machtvolle.

Wisse fernerhin, daß Wir den Lobpreis hörten, den du äußertest in deiner Zwiesprache mit Gott, deinem Herrn, dem Erhabenen, dem Gnädigen. Groß ist fürwahr der Segen, der deiner wartet, da du deine eigenen Belange zugunsten dieser unverletzlichen, dieser mächtigen und erleuchteten Sache eingeschränkt hast. Wir flehen zu Gott, Er möge deinen Ruf zu einem Magneten machen, der die Verkörperungen der Namen in der Welt des Seins anzieht, so daß alle Wesen aus freiem Antrieb seiner achten. Es gibt keinen Gott außer Ihm, dem Erhabenen, dem Überlegenen, dem Ewig-Gesegneten, dem Hehren, dem Allhöchsten, dem Allherrlichen, dem Großmütigsten, dem Allwissenden, dem Allkennenden.

Er ist der Heiligste, der Größte, der Erhabenste, der Höchste

O Mein Name!¹ Lobpreise Gott, daß Er dich gnädig erwählte, ein Regenschauer göttlicher Gaben zu sein für alles, was Wir in den reinen, gesegneten Boden säten, und daß Er dich befähigte, den wundersam hehren Bäumen, die Wir pflanzten, als Frühling sanften Erbarmens, zu dienen. Fürwahr, so groß ist diese Gunst, daß unter allem Erschaffenen in der Welt des Seins nichts damit wetteifern kann. Des weiteren haben Wir dir den erlesenen Wein der Rede aus dem Kelche himmlischer Gaben deines barmherzigen Herrn zu trinken gegeben: diese Zunge der Heiligkeit, die, kaum gelöst, alle Schöpfung belebte, alle Wesen in Bewegung brachte und die Nachtigall ihre Weisen schlagen ließ. Dies ist der Springquell lebendigen Wassers für alle, die im Reiche des Seins wohnen.

¹ Siyyid Mihdíy-i-Dahají, an den dieses Sendschreiben gerichtet war, hatte von Bahá'u'lláh den Titel Ismu'lláhí'l-Mihdí (Der Name Gottes Mihdí) erhalten. Er brach später das Bündnis (siehe Shoghi Effendi, Gott geht vorüber, p.364 ). s.a. Tahez II p.154, 329f, 349

Oftmals haben Wir auf dich die süßen Düfte des Allerbarmers gehaucht aus diesem Zweig, der sich über dem Sendbrief deines Herrn, des Mächtigen, des Ungezwungenen, bewegt. Bei der Gerechtigkeit des einen wahren Gottes! Wendeten sich alle erschaffenen Dinge, die sichtbaren wie die unsichtbaren, zu Ihm, so sähest du, wie sie sich aufschwängen zum Höchsten Ziel, dem Ort, da der göttliche Lotosbaum ruft und kündet: Wahrlich, kein Gott ist außer Mir, dem Allmächtigen, dem Allgütigen.

Groß ist dein Segen, da du durch die Lande Gottes reistest, verkörperte Freude und Sicherheit für das Volk Bahás - sie, die allem entsagen außer Ihm und ihre Herzen ausrichten auf diesen Königshof, der seinen Strahlenglanz über alle Reiche ergießt und sie netzt mit den wogenden Wassern dieses Meeres, das dich selbst genetzt hat - ein Meer, das alles Erschaffene umschließt.

Du hast fürwahr die Bedeutung der Hilfe für Gott verstanden, du hast dich erhoben, diese Hilfe durch die Macht der Weisheit und der Rede zu leisten. Sprich: Mir helfen heißt Meine Sache lehren. Dies ist ein Gegenstand, der ganze Sendbriefe ausfüllt. Dies ist der unverrückbare Befehl Gottes, ewig in der Vergangenheit, ewig in der Zukunft. Begreifet es, o ihr Einsichtsvollen. Wer die Schranken der Weisheit überschreitet, versteht die im Buche dargelegte Bedeutung der Hilfe für Gott nicht. Sprich: Fürchtet Gott und sät nicht die Saaten der Zwietracht unter die Menschen. Befolget, was euch aufgetragen von eurem Herrn, dem Allmächtigen, dem Allwissenden. Er weiß, was wirklich der Sieg ist, und lehrt es euch mit einer Rede, die kein leerer Wahn derer, welche in der Wildnis des Zweifels schweifen, je verderben kann.

O Mein Name! Gib allem Erschaffenen erneut zu trinken von diesem Kelche, der die Meere aufbranden ließ. Entfache sodann in den Herzen die Feuerlohe, die dieser Rote Baum entzündet hat, damit sich alle erheben, Seinen Namen unter den Anhängern aller Glaubensrichtungen zu preisen und zu verherrlichen.

Zahlreiche Briefe von dir wurden vor Unserem Thron überreicht. Wir haben sie gelesen zum Zeichen der Gnade, und für jeden Namen, den du erwähntest, haben Wir offenbart, was die Menschengeister aufrüttelt und die Seelen sich aufschwingen läßt. Im übrigen haben Wir dich wiederholt befähigt, den Trillern der Himmelsvögel zu lauschen und dein Ohr dem Sang der Nachtigallen zu neigen, wenn sie auf den Zweigen ihre Lieder schlagen. So ward die Feder Gottes zu deinem Gedenken bewegt, auf daß du die Menschen ermahnest durch die Macht dieser Rede, die von Gott bestimmt ist, die Zeichen Seiner Herrlichkeit zu offenbaren.

Selig ist der Ort, da der Hymnus Seines Lobpreises erschallt, und selig das Ohr, welches hört, was vom Himmel der Gnade deines Herrn, des Allerbarmers, herniedergesandt ward.

Ermahne die Diener Gottes zu dem, wozu Wir dich ermahnten, damit sie ablassen von allem, was ihnen in dem Mutterbuche verboten ist. Wer Taten begeht, die Aufruhr schaffen im Volk, der ist fürwahr weit abgeirrt von der Hilfe für Gott und Seine Sache; auf der Tafel, die Gott zum Dämmerort aller Tafeln ausersehen hat, wird er zu den Unheilstiftern gezählt.

Sprich: Wenn es Uns gut dünkt, werden Wir die Sache Gottes durch die Macht eines einzigen Wortes aus Unserer Gegenwart zum Siege führen. Er ist wahrlich der Allmächtige, der Allbezwingende. So es Gottes Absicht ist, wird aus den Wäldern himmlischer Macht der Löwe unüberwindlicher Kraft hervortreten, und sein Gebrüll ist wie des Donners Grollen, das in den Bergen widerhallt. Da Unsere liebevolle Vorsehung jedoch alle Dinge überragt, haben Wir verordnet, daß der Endsieg durch Wort und Rede erreicht werde, damit Unsere Diener auf der ganzen Erde dergestalt zu Empfängern göttlichen Segens werden. Das ist ein Zeichen für die Gottesgaben, die ihnen gewährt sind. Wahrlich, dein Herr ist der Allgenügende, der Erhabenste.

Sprich : Fürchtet Gott und begeht keine Taten, die Meine Geliebten auf Erden wehklagen lassen. So gebietet euch diese Feder, die auf der Kampfbahn der Weisheit und des wahren Verstehens die Feder der Herrlichkeit in Bewegung brachte.

Überbringe Meine Grüße all denen, deren Angesichter den Strahlenglanz Bahás widerspiegeln. Sodann rede zu ihnen mit dieser Rede, welche die Augen der Gerechten erhellt. Die Herrlichkeit Gottes sei mit dir und allen, die sich festhalten an dem Seile Gottes, des Offenbarers der Verse...

Halte die Bewohner dortzulande ab von herausfordernden Handlungen, von Hader, Streit und allem, was sonst Unruhe stiftet. Rühmlich ist heutzutage die Verbreitung der Sache Gottes. Wollten sich zum Beispiel diejenigen Leute, die gewisse Ziele verfolgen, dem Lehren der Sache Gottes hingeben, so wären alle, die dortzulande wohnen, binnen kurzem mit dem Mantel des Glaubens bekleidet.

So jemand die folgende Stelle aus dem zu Ehren des Nabil von Qá'in¹ offenbarten Sendschreiben mit all ihrer Süße kostet, wird er sogleich die Bedeutung der Hilfe für Gott verstehen: Menschliche Rede will ihrem Wesen nach Einfluß üben und bedarf deshalb der Mäßigung. Ihr Einfluß ist durch Feinheit bedingt, die wiederum von losgelösten, reinen Herzen abhängt. Ihre Mäßigung muß mit Takt und Weisheit gepaart sein, wie es in den Heiligen Büchern und Sendbriefen vorgeschrieben ist.¹

¹ Nabil-i-Akbar ² s.a. 90 , 110

O Mein Name! Die Rede muß die Kraft der Eindringlichkeit besitzen. Ist sie dieser Eigenschaft beraubt, übt sie keinen Einfluß aus. Und dieser durchdringende Einfluß hängt davon ab, daß der Geist rein und das Herz makellos ist. Desgleichen bedarf die Rede der Mäßigung; ohne sie ist der Hörer außerstande, die Rede zu ertragen, vielmehr bekundet er von Anfang an Widerspruch. Und die Mäßigung wird dadurch erlangt, daß man die Rede mit den Zeichen göttlicher Weisheit mischt, wie sie in den heiligen Büchern und Sendbriefen verzeichnet sind. Wenn eines Menschen Rede dergestalt in ihrer Wesenheit mit diesen beiden Grunderfordernissen ausgestattet ist, wird sie sich als ungemein wirksam erweisen und das beste Mittel für die Wandlung der Menschenseelen sein. Das ist die Stufe höchsten Sieges und himmlischer Herrschaft. Wer sie erreicht, ist mit der Macht belehnt, die Sache Gottes zu lehren und der Menschen Herzen und Gemüter zu besiegen.

O Mein Name! Die Sonne der Rede strahlt hell vom Dämmerort göttlicher Offenbarung. Sie erleuchtet die Schriftrollen und Tafeln in solchem Maße, daß das Reich der Rede und das erhabene Herrschaftsgebiet des Verstehens vor Freude und Frohlocken beben; sie scheinen im Glanz Seines Lichtes, und doch begreift es die Masse der Menschen nicht.

Der Grund, warum das Thema des Beistands und der Hilfe für Gott immer wieder der Feder der Vorsehung entströmte und weiterhin entströmen wird, ist die Warnung an die Freunde Gottes vor Tätigkeiten, die Streit und Aufruhr bewirken könnten. Alle haben sie die Pflicht, sorgfältig zu forschen, wie sie der Sache Gottes in der von Uns dargelegten Weise helfen können. Dies ist nur ein Zeichen Seiner Gnade, die Er Seinen Geliebten besonders gewährt, auf daß jeder von ihnen die Stufe erlange, die durch das Wort gekennzeichnet ist: »Wer eine Seele erweckt, der erweckt fürwahr die ganze Menschheit.«¹

¹ Qur'án 52

Weltliche Macht stand immer im Schatten dieser Stufe und wird weiterhin dort stehen. Ihre festgesetzte Stunde ist im Buche Gottes vorherbestimmt. Er wahrlich kennt sie, und kraft Seiner Macht wird sie offenbar werden. Wahrlich, Er ist der Machtvolle, der Allunterwerfende, der Allmächtige, der Allwissende, der Allweise.

Die geheiligten Seelen sollten in ihren Herzen über die Lehrmethoden nachdenken und nachsinnen. Aus den Texten dieser wundersamen, himmlischen Schriften sollten sie Sätze und Abschnitte auswendig lernen, die sich auf verschiedene Gegebenheiten beziehen, damit sie im Verlauf ihrer Ansprachen göttliche Verse wiedergeben können, sooft es die Gelegenheit erfordert, da diese heiligen Verse ja das kraftvollste Elixier, der größte, mächtigste Talisman sind. So machtvoll ist ihr Einfluß, daß dem Hörer kein Grund zum Wankelmut bleibt. Ich schwöre bei Meinem Leben! Dieser Offenbarung ist solche Macht eigen, daß sie als Magnet auf alle Völker und Geschlechter der Erde wirkt. Wer innehält, um mit Bedacht nachzusinnen, wird erkennen, daß es für keinen einen Ort gibt oder geben kann, dahin er fliehen könnte.

Der Kitáb-i-Aqdas wurde so offenbart, daß er alle göttlich bestimmten Sendungen anzieht und umfängt. selig ist, wer ihn liest, selig, wer ihn begreift, selig, wer darüber nachdenkt, selig, wer seine Bedeutung erwägt. So umfassend ist er, daß er alle Menschen umschließt, ehe sie seiner gewahr sind. Binnen kurzem werden seine unumschränkte Macht, sein durchdringender Einfluß und die Größe seiner Kraft auf Erden offenbar.

O Mein Name! Höre auf Meine Stimme, die aus der Richtung Meines Thrones kommt. Dein Herr will deinen Namen allzeit erwähnen, da du dich standhaft erweisest im Ruhme Seiner Tugenden unter den Menschen. Fürwahr, Er liebt die Treue, die sich im Reiche der Schöpfung findet, und gibt ihr Vorrang vor den meisten Tugenden. Wahrlich, Er ist der Gewaltige, der Machtvolle.

Wisse fernerhin, daß Wir den Lobpreis hörten, den du äußertest in deiner Zwiesprache mit Gott, deinem Herrn, dem Erhabenen, dem Gnädigen. Groß ist fürwahr der Segen, der deiner wartet, da du deine eigenen Belange zugunsten dieser unverletzlichen, dieser mächtigen und erleuchteten Sache eingeschränkt hast. Wir flehen zu Gott, Er möge deinen Ruf zu einem Magneten machen, der die Verkörperungen der Namen in der Welt des Seins anzieht, so daß alle Wesen aus freiem Antrieb seiner achten. Es gibt keinen Gott außer Ihm, dem Erhabenen, dem Überlegenen, dem Ewig-Gesegneten, dem Hehren, dem Allhöchsten, dem Allherrlichen, dem Großmütigsten, dem Allwissenden, dem Allkennenden.

LAWH-I-BURHÁN (Das Sendschreiben vom Beweis) BH00336

¹ Dieses Sendschreiben wurde nach dem Opfertod Siyyid-Muhammad-Hasans, Sultánu'sh-Shuhadá' »der König der Märtyrer« und Siyyid-Muhammad-Husayns, Mahbúbu'sh-Shuhadá' »der Geliebte der Märtyrer« offenbart (vgl. Shoghi Effendi, Gott geht vorüber, p.228f) und an Shaykh Muhammad Báqír, den Bahá'u'lláh mit dem Beinamen »der Wolf« brandmarkte, gerichtet. Bahá'u'lláh erwähnt in diesem Sendschreiben Mir Muhammad-Husayn, den Imám Jum'ih von Isfahán mit dem Beinamen »die Schlange«; er war bei der Verfolgung der Bahá'í der Komplize von Shaykh Muhammad Báqír (vgl. Shoghi Effendi,a.a.O., p.225, 228f, 250). Der Brief an den Sohn des Wolfes ist an Shaykh Muhammad Taqíy-i-Najafí, den Sohn von Shaykh Muhammad Báqír, gerichtet.

Er ist der Allmächtige, der Allwissende, der Allweise!

Die Winde des Hasses umfingen die Arche von Bathá¹ wegen der Untaten, die die Hände der Unterdrücker begingen. O Báqír! Du hast diejenigen verurteilt, um derentwillen die Bücher der Welt weinten und die Schriften der Religionen Zeugnis ablegten. Du bist wahrlich weit vom rechten Wege abgeirrt und in einen dichten Schleier gehüllt. Bei Gott selbst! Du hast jene verurteilt, durch die der Horizont des Glaubens erleuchtet wurde. Dies bezeugen sie alle, die die Dämmerorte der Offenbarung und die Manifestationen der Sache deines Herrn, des Barmherzigsten, sind - sie, die ihre Seelen und all ihren Besitz auf Seinem geraden Pfade geopfert haben. Der Glaube Gottes weint allüberall ob deiner Tyrannei, und doch vergnügst du dich und gehörst zu denen, die frohlocken. Ich trage keinen Haß gegen dich oder sonst jemanden im Herzen. Jeder Gebildete sieht dich und deinesgleichen versunken in offenbarer Torheit. Hättest du begriffen, was du getan, du hättest dich ins Feuer geworfen oder dein Haus verlassen und die Flucht in die Berge ergriffen, oder hättest gestöhnt und gejammert, bis du an den Ort zurückgekehrt wärest, der dir von Ihm, dem Herrn der Kraft und Macht, bestimmt ist. O du, der du so viel bist wie ein Nichts! Zerreiße die Schleier eitlen Wahns und leeren Trugs, damit du die Sonne der Erkenntnis von diesem strahlenden Horizonte scheinen siehst. Du hast einen Sproß des Propheten selbst in Stücke gerissen und dir eingebildet, damit dem Gottesglauben zu helfen. Solches hat dir deine Seele eingegeben, und du bist wahrlich einer der Achtlosen. Was du tatest, hat den himmlischen Heerscharen und jenen, die die Sache Gottes, des Herrn der Welten, umkreisen, die Herzen gebrochen. Die Seele der Reinen² schmolz wegen deiner Grausamkeit dahin, und die Bewohner des Paradieses weinten bitterlich an ihrem gesegneten Ort.

¹ Mekka ² Fátimah, die Tochter Muhammads

Ich beschwöre dich bei Gott, urteile gerecht! Welchen Beweis brachten die jüdischen Gelehrten vor, um Ihn, den Geist Gottes¹, zu verdammen, als Er mit der Wahrheit zu ihnen kam? Was konnten die Pharisäer und Götzenpriester ins Feld führen, um sich dafür zu rechtfertigen, daß sie Muhammad, den Gesandten Gottes, verleugneten, als Er zu ihnen kam mit einem Buch, welches zwischen Wahrheit und Falschheit mit solcher Gerechtigkeit schied, daß sich das Dunkel der Erde in Licht verwandelte und die Herzen derer, die Ihn erkannten, in Entzücken gerieten? Wahrlich, du hast heute dieselben Gründe vorgebracht, deren sich die törichten Gelehrten jener Zeit bedienten. Er, der König des Reiches der Gnade, bezeugt es in diesem großen Gefängnis. Du bist wahrlich ihre Wege gewandelt, nein, du hast sie gar noch in ihrer Grausamkeit übertroffen und dir dabei eingebildet, du hülfest dem Glauben und verteidigtest das Gesetz Gottes, des Allwissenden, des Allweisen. Bei Ihm, der die Wahrheit ist! Dein Unrecht ließ Gabriel stöhnen und brachte das Gesetz Gottes, von dem der Windhauch der Gerechtigkeit über alle im Himmel und auf Erden weht, zum Weinen. Wähnst du in deiner Unwissenheit wirklich, das Urteil, das du sprachst, sei dir nütze? Nein, bei Ihm, dem König aller Namen! Daß es dir nur schadet, bezeugt Er, der alles weiß, was in dem verwahrten Tablet verzeichnet ist. Als du dein Urteil niederschriebst, da klagte deine eigene Feder dich an. Solches bezeugt die Feder Gottes, des Höchsten, auf Seiner unerreichbaren Stufe.

¹ Jesus

O du, der du in die Irre gingst! Nie hast du Mich gesehen, nie hast du mit Mir verkehrt oder warst auch nur für den Bruchteil eines Augenblicks Mein Gefährte. Wie kommt es dann, daß du den Menschen befiehlst, Mich zu verfluchen? Folgst du darin dem Drang deiner Begierden oder gehorchst du etwa deinem Herrn? Gib ein Zeichen, so du zu denen gehörst, die die Wahrheit lieben! Wir bezeugen, daß du das Gesetz Gottes von dir geworfen und dich dem Drang deiner Leidenschaften gebeugt hast. Wahrlich, nichts entgeht Seinem Wissen; Er ist fürwahr der Unvergleichliche, der Allunterrichtete. O du achtloser Mensch! Beachte, was der Barmherzige im Qur'án offenbarte: »Sage nicht zu jedem, der dir mit einem Gruß begegnet: `Du bist kein Gläubiger.`«¹ Solches hat Er verordnet, in dessen Hand die Reiche der Offenbarung und der Schöpfung liegen - wärest du doch von denen, die hören. Du aber hast das Gebot Gottes beiseite gelegt und dich an den Drang deiner Begierden gehalten. Wehe über dich, o du achtloser Zweifler! Wenn du Mich verleugnest, mit welchem Beweis kannst du dann die Wahrheit dessen verfechten, was du besitzest? Lege ihn vor, o du, der du Gott Gefährten beigesellst und dich abkehrst von Seiner Oberherrschaft, die alle Welten umschließt!

¹ Qur'án 44

Wisse, du Tor, daß der in Wahrheit ein Gebildeter ist, der Meine Offenbarung annimmt, vom Weltmeer Meines Wissens trinkt und sich in die Lüfte Meiner Liebe aufschwingt, der alles außer Mir von sich wirft und sich mit festem Griff an das hält, was vom Reiche Meines wunderbaren Wortes herabgesandt ist. Er ist fürwahr wie das Auge für die Menschheit und wie der Geist des Lebens für den Körper der ganzen Schöpfung. Verherrlicht sei der Allbarmherzige, der ihn erleuchtete und ihn sich aufmachen ließ, dieser großen, mächtigen Sache zu dienen. Wahrlich, solch ein Mensch ist gesegnet von den Scharen der Höhe und den Bewohnern des Tabernakels der Größe, die Meinen versiegelten Wein trinken in Meinem Namen, der Allmächtige, der Allmachtvolle.

O Báqír! Wenn du zu denen gehörst, die eine so erhabene Stufe einnehmen, dann erbringe ein Zeichen von Gott, dem Schöpfer der Himmel. Und wenn du deine Ohnmacht erkennst, zügle deine Leidenschaften und kehre zu deinem Herrn zurück, damit Er dir deine Sünden vergebe, Sünden, die dem Göttlichen Lotosbaum die Blätter versengten, den Felsen aufschreien ließen und die Augen der Einsichtsvollen zum Weinen brachten. Deinetwegen zerriß der Schleier der Göttlichkeit, scheiterte die Arche, lahmte die Kamelstute und stöhnte der Geist¹ an Seinem erhabenen Orte. Rechtest du mit Ihm, Der zu dir kam mit den Zeugnissen Gottes und mit Seinen Zeichen, die du und alle auf Erden besitzen? Öffne die Augen, damit du diesen Unterdrückten vom Horizont des Willens Gottes, des Herrschers, des Wahren, des Strahlenden, leuchten siehst. Öffne alsdann das Ohr deines Herzens, damit du die Stimme des göttlichen Lotosbaumes vernimmst, der in Wahrheit von Gott, dem Allmächtigen, dem Wohltätigen, gehegt wurde. Wahrlich, trotz allem, was ihm Leute deinesgleichen voll Grausamkeit und Ungehorsam zufügten, ruft dieser Baum laut und lädt alle Menschen zum Sadratu'l-Muntahá und zum höchsten Horizonte. Gesegnet die Seele, die auf das mächtigste Zeichen schaut, und das Ohr, das Seine lieblichste Stimme vernimmt, aber wehe dem, der sich abwendet und gottlos handelt.

¹ Jesus

O du, der du dich von Gott abkehrtest! Wolltest du mit ehrlichem Auge auf den Göttlichen Lotosbaum blicken, du würdest an seinen Ästen, Zweigen und Blättern die Male wahrnehmen, die dein Schwert ihm schlug, obwohl dich Gott erschaffen hat, diesen Baum zu erkennen und ihm zu dienen. Denke nach, damit du deinen Frevel einsiehst und zu denen zählst, die in sich gegangen sind. Meinst du, Wir fürchteten deine Grausamkeit? Wisse und sei dessen wohl versichert, daß Wir vom ersten Tag an, da die Erhabenste Feder zwischen Erde und Himmel ihre Stimme erhob, Unsere Seelen, Unsere Körper, Unsere Söhne und Unseren Besitz auf dem Pfade Gottes, des Erhabenen, des Großen, aufopferten. Dies ist Unser Ruhm vor allem Erschaffenen und den Scharen der Höhe, und dafür zeugt, was Uns auf diesem geraden Pfad zustieß. Bei Gott! Unsere Herzen brachen, Unsere Leiber wurden gekreuzigt und Unser Blut vergossen, während Unsere Augen am Horizont der Gnade ihres Herrn, des Zeugen, des Allschauenden, hingen. Je schlimmer seine Leiden, desto flammender wuchs die Liebe des Volkes Bahás. Seine Aufrichtigkeit bezeugt, was der Allbarmherzige im Qur'án herabsandte, wo Er sagt: »Wünscht euch den Tod, so ihr aufrichtig seid.«¹ Wer verdient den Vorzug: einer, der sich hinter Vorhängen verbirgt, oder einer, welcher sich auf dem Pfade Gottes aufopfert? Urteile gerecht und gehöre nicht zu denen, die verwirrt durch die Wüste der Falschheit schweifen. So weit wurden jene von den Lebenswassern der Liebe des Barmherzigsten mitgerissen, darf weder die Waffen der Welt noch die Schwerter der Nationen sie davon abhielten, ihr Antlitz auf das Weltmeer der Großmut ihres Herrn, des Gebenden, des Edelmütigen, zu richten.

¹ Qur'án 24

Bei Gott! Alle Schwierigkeiten konnten Mich nicht entmutigen, und das Verwerfungsurteil der Geistlichen vermochte nicht, Mich zu schwächen. Heute wie ehedem spreche Ich vor dem Angesicht der Menschen: »Das Tor der Gnade ist aufgetan, und Er, der Morgen der Gerechtigkeit, ist gekommen mit deutlichen Zeichen und klaren Beweisen von Gott, dem Herrn der Kraft und der Macht!« Zeige dich vor Mir, damit du die Geheimnisse vernimmst, die der Sohn 'Imráns¹ auf dem Sinai der Weisheit hörte. Dies befiehlt dir der Aufgangsort der Offenbarung deines Herrn, des Gottes der Barmherzigkeit, aus Seinem großen Gefängnis.

¹ Moses

Hat deine Führerschaft dich stolz gemacht? Lies, was Gott einem Alleinherrscher, dein Sultán der Türkei, offenbart hat, ihm, der Mich in dieser Trutzburg einkerkerte. So magst du dich ins Bild setzen über den Zustand dieses Unterdrückten, wie ihn Gott, der Eine, der Einzige, der Allunterrichtete, verfügt hat. Macht es dich glücklich, elende Taugenichtse als deine Anhänger zu sehen? Sie unterstützen dich, wie es die Leute vor ihnen taten, die Anhänger von Hannas, die ohne Zeugnis oder klaren Beweis das Urteil sprachen gegen den Geist¹.

¹ Jesus

Lies den Kitáb-i-Iqán, lies, was vom Allbarmherzigen dem König in Paris¹ und seinesgleichen gesandt wurde, auf daß dir bewußt werde, was sich in der Vergangenheit ereignete, und du dich überzeugst, daß Wir keineswegs Unordnung im Land verbreiten wollten, nachdem es wohlgeordnet war. Nur um Gottes willen ermahnen Wir Seine Diener.

¹ Napoleon III

#239

Wer es wünscht, den lasse sich Gott zuwenden, und wer will, möge sich abkehren. Unser Herr, der Barmherzige, ist wahrlich der Allgenügende, der Allgepriesene. O Schar der Geistlichen! Dies ist der Tag, da nichts von allen Dingen und kein Name von allen Namen euch nützen kann, es sei denn durch diesen Namen, den Gott zur Manifestation Seiner Sache und zum Tagesanbruch Seiner erhabensten Benennungen gemacht hat für alle, die im Reich der Schöpfung sind. Selig ist der Mensch, der den Duft des Allbarmherzigen wahrnimmt und zu denen zählt, die standhaft sind. Weder eure Wissenschaften noch eure Künste, eure Schätze oder euer Ruhm werden euch an diesem Tag etwas nützen. Werft sie alle von euch und richtet euer Angesicht auf das Hocherhabene Wort, durch welches die Schriften, die Bücher und diese erleuchtete Tafel unzweideutig kundgemacht wurden. Werft weg, o ihr Geistlichen alle, was ihr mit den Federn eures eitlen Wahns und leeren Trugs zusammengeschrieben habt. Bei Gott! Die Sonne der Erkenntnis strahlt über dem Horizont der Gewißheit.

O Báqír! Lies und rufe dir ins Bewußtsein, was einstmals ein Gläubiger unter deinen Vorfahren sagte: »Wollt ihr einen Mann erschlagen, nur weil er sagt: Mein Herr ist Gott, wo Er doch bereits mit Zeichen von eurem Herrn unter euch ist? Ist er ein Lügner, so wird seine Lüge auf ihn zurückfallen; ist er aber ein Mann der Wahrheit, so wird mindestens ein Teil von dem, was er androht, über euch kommen. Fürwahr, Gott führt nicht den, der maßlos und ein Lügner ist.«¹

¹ Qur'án 408

O du, der du in die Irre gingst! Wenn dir irgendein Zweifel an Unserer Lebensführung kommt, so wisse, daß Wir bezeugen, was Gott selbst vor der Erschaffung der Himmel und der Erde bezeugte: Es ist kein anderer Gott außer Ihm, dem Allmächtigen, dem Allgütigen. Wir bezeugen, daß Er einzig ist in Seinem Wesen, einzig in Seinen Eigenschaften. Er hat nicht Seinesgleichen im ganzen Weltall noch einen Gefährten in der ganzen Schöpfung. Seine Boten und Seine Bücher hat Er herniedergesandt, damit sie Seinen Geschöpfen den Geraden Pfad weisen.

Ist der Sháh über dein Vorgehen unterrichtet worden, und hat er sich entschieden, die Augen davor zu verschließen? Oder hat ihn die Furcht gepackt vor dem Heulen eines Rudels Wölfe, das dem Pfade Gottes den Rücken kehrte und dir auf deinem Wege nachfolgte, ohne klaren Beweis oder ein Buch? Wir hörten, die Provinzen Persiens seien mit der Zier der Gerechtigkeit geschmückt worden. Als Wir aber genau hinschauten, fanden Wir, daß sie Aufgangsorte der Willkür und Tagesanbrüche des Unrechts sind. Wir sehen die Gerechtigkeit in den Klauen der Tyrannei. Gott flehen wir an, sie durch die Kraft Seiner Macht und Seiner höchsten Herrschaft zu befreien. Er, wahrlich, beschirmt alles, was in den Himmeln und auf Erden ist. Keinem ist das Recht gegeben, sich bei irgendeinem darüber zu beschweren, was der Sache Gottes widerfahren ist. Es geziemt jedem, der sein Angesicht auf den Erhabensten Horizont richtet, sich beharrlich an das Seil der Geduld zu halten und sein Vertrauen auf Gott zu setzen, den Helfer in Gefahr, den Unbezwungenen. O ihr Geliebten Gottes! Trinkt aus dem Quell der Weisheit die Fülle, ergeht euch im Garten der Weisheit, schwingt euch auf in die Sphären der Weisheit und sprecht mit Weisheit und Beredsamkeit. Dies gebietet euch euer Herr, der Allmächtige, der Allwissende.

O Báqír! Baue nicht auf deinen Ruhm und deine Macht. Du gleichst der letzten Spur des Sonnenlichts auf der Bergesspitze. Bald wird sie dahinschwinden, wie es Gott, der Allbesitzende, der Höchste, verordnet hat. Weggenommen ist von dir und deinesgleichen aller Ruhm, und dies ist wahrlich, was von Ihm, bei dem das Mutterbuch ist, verfügt wurde. Wo ist der zu finden, der mit Gott rechtete, und wohin ist der entschwunden, der Seinen Zeichen widersprach und sich von Seiner höchsten Herrschaft abwandte? Wo sind sie, die Seine Erwählten erschlugen und das Blut Seiner Heiligen vergossen? Denke nach, auf daß du vielleicht den Geruch deiner Taten wahrnehmest, o du törichter Zweifler! Deinetwegen klagte der Gesandte¹, und die Reine² schrie laut auf; alle Länder wurden verwüstet, und Dunkel fiel über alle Bereiche. O Schar der Geistlichen! Euretwegen geriet das Volk in Schande, wurde das Banner des Isláms herabgezerrt und sein mächtiger Thron gestürzt. Immer, wenn ein verständiger Mann sich an das zu halten suchte, was den Islám erhöht hätte, stimmtet ihr euer Geschrei an, was ihn hinderte, sein Ziel zu erreichen, während das Land tief im Verfall befangen blieb.

¹ Muhammad ² Fátimah, die Tochter Muhammads

Denke an den Sultán der Türkei! Er wollte den Krieg nicht, aber Leute deinesgleichen wollten ihn. Als das Feuer des Krieges entzündet war und hoch seine Flammen loderten, da wurden Regierung und Volk geschwächt. Dies bezeugt jeder gerechte, urteilsfähige Mensch. Das Elend schwoll so an, daß sein Rauch das Land des Geheimnisses¹ und seine Umgebung umwölkte. Was in dem Sendbrief über den Sultán offenbart stand, das wurde offenkundig. So ist es im Buche entschieden auf Geheiß Gottes, des Helfers in Gefahr, des Selbstbestehenden.

¹ Adrianopel , siehe Erläuterung zu Edirne

O Meine Höchste Feder! Laß ab vom Gedenken an den Wolf und rufe die Schlange¹ in Erinnerung, deren Grausamkeit alles Erschaffene stöhnen und den Heiligen die Glieder erzittern ließ. So gebietet dir der Herr aller Namen auf dieser erhabenen Stufe. Laut schrie die Reine² ob deiner Ungerechtigkeit auf, und doch bildest du dir ein, zur Familie des Gesandten Gottes zu zählen! Solches hat dir deine Seele eingeflüstert, o du, der du dich abgewandt hast von Gott, dem Herrn all dessen, was war und was sein wird. Urteile gerecht, du Schlange! Für welches Verbrechen erstachst du die Kinder des Gesandten Gottes³ und plündertest ihre Habe? Leugnest du Ihn, Der dich erschuf durch Seinen Befehl: »Sei, und es war«? Du hast die Kinder des Gesandten Gottes behandelt, wie nicht einmal 'Ád mit Húd verfuhr, noch Thamúd mit Sálih, noch, die Juden mit dem Geist Gottes(4), dem Herrn allen Seins. Leugnest du die Zeichen deines Herrn, vor denen, kaum daß sie vom Himmel Seiner Sache herabkamen, alle Bücher der Welt sich verneigten? Gehe in dich, damit du deiner Tat bewußt werdest, o du achtloser Verworfener! Binnen kurzem werden die Winde der Züchtigung über dich kommen, wie sie über andere vor dir gekommen sind. Warte nur, du, der du Gott, dem Herrn des Sichtbaren und des Unsichtbaren, Gefährten beigesellt hast. Dies ist der Tag, den Gott durch die Zunge Seines Gesandten angekündigt hat. Sinne nach, damit du begreifst, was der Allbarmherzige im Qur'án und auf dieser klaren Tafel herniedersandte.

¹ Der Imam-Jum'ih von Isfahán, vgl. Fußnote zu

² Fátimah

³ Der König der Märtyrer und der Geliebte der Märtyrer. (4) Jesus

Dies ist der Tag, da Er, der Morgen der Offenbarung, mit klaren Zeichen, die keiner zählen kann, erschienen ist. Dies ist der Tag, da jeder Mensch mit Wahrnehmungskraft den Duft der Brise des Allbarmherzigen in der Welt der Schöpfung entdeckt, da jeder Einsichtsvolle dem Lebenswasser der Gnade seines Herrn, des Königs der Könige, entgegeneilt. O du Achtloser! Die Geschichte vom Opfer¹ hat sich wiederholt, und er, das Opfer, ist zu der Opferstätte geschritten, und er kehrte nicht zurück ob dem, was deine Hand verübte, o du verderbter Hasser! Wähnst du, jenes Martyrium gereiche dieser Sache zur Schande? Nein, bei Ihm, den Gott zur Schatzkammer Seiner Offenbarung machte, gehörtest du doch zu denen, die begreifen. Wehe dir, der du Gott Gefährten beigesellst, und wehe denen, die dich zum Führer nehmen, ohne ein klares Zeichen oder ein eindeutiges Buch! Wie zahllos waren die Unterdrücker vor dir, die sich aufmachten, das Licht Gottes zu ersticken, und wie viele der Gottlosen, die mordeten und plünderten, bis die Herzen und Seelen der Menschen ob ihrer Grausamkeit stöhnten! Die Sonne der Gerechtigkeit verfinsterte sich, denn die Verkörperung der Tyrannei wurde auf den Thron des Hasses gesetzt, und doch sind die Menschen ohne Verständnis. Die Kinder des Gesandten wurden erschlagen, ihre Habe geplündert. Sprich: Waren es ihre Besitztümer, die nach deiner Meinung Gott leugneten, oder sie selbst? Urteile gerecht, o du Unwissender, der du wie durch einen Schleier von Gott getrennt bist. Du hast dich an die Tyrannei gehalten und die Gerechtigkeit verworfen. Alles Erschaffene klagt darüber, aber noch immer gehörst du zu den Verstockten. Du hast die Alten getötet und die Jungen ausgeplündert. Denkst du, du könntest genießen, was deine Unredlichkeit aufgehäuft hat? Nein, bei Meinem Selbst! Also unterrichtet dich Er, der alles weiß. Bei Gott!

¹ Ismael

Was du besitzest, was du durch deine Grausamkeit zusammengerafft hast, all dies soll dir nichts nützen. Dafür zeugt dein Herr, der Allwissende. Du hast dich erhoben, das Licht dieses Glaubens auszutreten; binnen kurzem wird dein eigenes Feuer auf Seinen Befehl ausgelöscht werden. Er, wahrlich, ist der Herr der Stärke und der Macht. Weder Wandel und Wechsel der Welt noch die Macht der Nationen können Seine Pläne durchkreuzen. Er tut, was Ihm beliebt, und verordnet, was Er will, durch die Macht Seiner höchsten Herrschaft. Denke an die Kamelstute: Obwohl nur ein Tier, hat sie der Allbarmherzige auf eine so hohe Stufe erhoben, daß die Zungen der Erde sie erwähnten und priesen. Wahrlich, Er ist über allem in den Himmeln und auf Erden. Es gibt keinen Gott außer Ihm, dem Allmächtigen, dem Großen. Also haben Wir den Himmel Unserer Tafel mit den Sonnen Unserer Worte geschmückt. Gesegnet der Mensch, der dazu gelangt und von ihnen erleuchtet wird, und wehe denen, die sich abwenden, Ihn verleugnen und fern von Ihm in der Irre schweifen. Preis sei Gott, dem Herrn der Welten!

KITÁB-I-'AHD (Das Buch des Bundes) BH00003

Wenngleich das Reich der Herrlichkeit über die Nichtigkeiten der Welt erhaben ist, hinterlassen Wir in der Schatzkammer der Treue und der Entsagung Unseren Erben ein vortreffliches, ein kostbares Vermächtnis. Irdische Schätze vererben Wir nicht, noch mehren Wir die Sorgen, die solche Schätze mit sich bringen. Bei Gott! In irdischen Gütern liegt Furcht verborgen und Gefahr versteckt. Denket darüber nach und erinnert euch dessen, was der Allerbarmer im Qur'án offenbart: »Wehe dem lästernden Verleumder, der Reichtum rafft und zählt von Mal zu Mal.«¹ Flüchtig sind die Güter dieser Welt. Was vergeht und sich verändert, ist seit je nur in festgesetztem Maße der Beachtung wert.

¹ Qur'án 104-2

Das Ziel dieses Unterdrückten bei allen Leiden und Trübsalen, die Er ertragen, bei allen Versen, die Er offenbart, und bei den Beweisen, die Er dargebracht hat, war einzig und allein, die Flamme des Hasses und der Feindschaft zu löschen, damit der Horizont der Menschenherzen vom Lichte der Eintracht erleuchtet werde, daß er wahren Frieden und wirkliche Ruhe finde. Vom Morgen der göttlichen Tafel strahlt hell die Sonne des folgenden Wortes, und es geziemt jedem, darauf den Blick zu heften: Wir gemahnen euch, o Völker der Welt, alles zu befolgen, was eure Stufe erhöht. Klammert euch an die Gottesfurcht und haltet euch fest an das Recht. Wahrlich, Ich sage: Die Zunge ist dazu da, vom Guten zu sprechen; befleckt sie nicht mit übler Rede. Gott hat vergeben, was vergangen ist. Von nun an äußere jeder, was sich schickt; jeder enthalte sich der üblen Nachrede, der Schmähung und all dessen, was andere Menschen traurig macht. Erhaben ist die Stufe des Menschen! Vor kurzem strömten diese hehren Worte aus dem Schatzberg Unserer Feder der Herrlichkeit: Groß und segensreich ist dieser Tag - der Tag, da alles, was im Menschen verborgen war, offengelegt ist und weiter offengelegt wird. Erhaben ist die Stufe des Menschen, wenn er sich, fest in der Sache Gottes gegründet, an Recht und Wahrheit hält. Vor dem Antlitz des Allerbarmers ist der wahre Mensch dem Himmelszelte gleich: Sein Sehen und Hören sind wie Sonne und Mond, hell strahlen seine Tugenden wie die Sterne. Ihm ist die erhabenste Stufe eigen, und sein Einfluß erzieht die Welt des Seins.

Jede aufnahmefähige Seele, welche an diesem Tage den Duft des göttlichen Gewandes atmet und reinen Herzens den Blick zum allherrlichen Horizont erhebt, wird in dem Roten Buche zum Volke Bahás gezählt. Ergreifet in Meinem Namen den Kelch Meiner Gnade und trinket euch satt zu Meinem allherrlichen, wundersamen Gedenken.

O ihr Erdenbewohner! Die Religion Gottes ist für Liebe und Einheit da; macht sie nicht zum Grund für Streit und Feindschaft. In den Augen der Einsichtigen und derer, welche der höchsten Schau teilhaftig sind, hat die Feder der Herrlichkeit alles enthüllt, was Glück und Wohlfahrt der Menschenkinder wirksam schützt und fördert. Aber die Toren auf Erden, in Lastern und Begierden groß geworden, achten nicht der vollendeten Weisheit Dessen, Der fürwahr der Allweise ist; eitler Wahn und leerer Trug geben ihnen ein, was sie sagen und tun.

O ihr Geliebten und vertrauten Gottes! Könige sind die Offenbarungen der Macht Gottes, die Morgenröten Seiner Gewalt und Seines Reichtums. Betet für sie. Gott hat ihnen die Herrschaft auf Erden übertragen; nur die Menschenherzen hat Er sich als Seinen eigenen Machtbereich auserwählt.

Kampf und Streit sind ein für allemal verboten in Seinem Buche. So lautet der Ratschluß Gottes in dieser Größten Offenbarung. Er ist von Gott davor bewahrt, jemals aufgehoben zu werden, und ist von Ihm mit dem Glanze Seiner Bestätigung umkränzt worden. Wahrlich, Er ist der Allwissende, der Allweise.

Alle haben die Pflicht, diejenigen Morgenröten der Amtsgewalt und Quellen des Befehls zu unterstützen, die mit der Zier rechten Sinns und rechten Tuns geschmückt sind. Selig sind die Herrschenden und die Gelehrten im Volke Bahás. Sie sind Meine Vertrauten unter Meinen Dienern, die Offenbarungen Meiner Befehle inmitten Meines Volkes. Auf ihnen ruhen Meine Herrlichkeit, Mein Segen und Meine Gnade, welche die Welt des Seins durchdringen. In diesem Zusammenhang sind die im Kitáb-i-Aqdas offenbarten Verse dergestalt, daß vom Horizont ihrer Worte hell das Licht göttlicher Gnade strahlt.

O Meine Zweige! Eine mächtige Kraft, eine vollendete Macht liegt in der Welt des Seins verborgen. Heftet euren Blick auf sie und auf ihre einigende Wirkung, nicht auf die Unterschiede, die an ihr erscheinen.

Dies ist der Letzte Wille des göttlichen Erblassers: Es ist den Aghsán, den Afnán und Meiner Verwandtschaft zur Pflicht gemacht, daß sie allesamt ihr Antlitz dem Mächtigsten Zweige zuwenden. Beachtet, was Wir in Unserem Heiligsten Buche offenbart haben: »Wenn das Meer Meiner Gegenwart verebbt und das Buch Meiner Offenbarung abgeschlossen ist, so wendet euer Angesicht zu Ihm, den Gott bestimmt hat, der aus dieser Urewigen Wurzel kam.« Mit diesem heiligen Vers ist kein anderer gemeint als der Mächtigste Zweig¹. So haben Wir euch gnädig Unseren machtvollen Willen offenbart, und wahrlich, Ich bin der Gnadenvolle, der Allmächtige. Wahrlich, Gott hat verordnet, daß die Stufe des Größeren Zweiges² unter derjenigen des Größten Zweiges³ ist. Er ist fürwahr der Verordner, der Allweise. Wir haben »den Größeren« nach »dem Größten« erwählt, wie es der Allwissende, der Allkennende befiehlt.

¹ 'Abdu'l-Bahá ² Muhammad-Alí ³ Abdu'l-Bahá

Alle haben die Pflicht, den Aghsán Liebe zu erweisen, aber Gott hat diesen kein Anrecht auf das Eigentum anderer gewährt.

O Meine Aghsán, Meine Afnán und Meine Verwandten! Wir ermahnen euch, Gott zu fürchten, edle Taten zu vollbringen und euch so zu verhalten, wie es euch ansteht und zur Erhöhung eurer Stufe beiträgt. Wahrlich, Ich sage: Die Gottesfurcht ist der mächtigste Gebieter, der die Sache Gottes zum Siege führt, und die dieses Gebieters würdige Heeresmacht sind zu allen Zeiten ein aufrechter Charakter und reine, edle Taten.

Sprich: O Diener! Laßt es nicht zu, daß das Mittel der Ordnung zur Quelle der Unordnung gemacht wird, das Werkzeug der Einheit zum Anlaß für Zwietracht. Wir hegen die Hoffnung, daß das Volk Bahás sich von den seligen Worten führen läßt: »Sprich: Alle Dinge sind von Gott.« Dieser erhabene Vers ist wie Wasser, das Feuer des Hasses und der Feindseligkeit zu löschen, welches in der Menschen Herz und Brust schwelt. Durch diesen einen Vers werden streitende Völker und Geschlechter zum Lichte wahrer Einheit gelangen. Wahrlich, Er spricht die Wahrheit und führt den Weg. Er ist der Allmächtige, der Erhabene, der Gnädige.

Alle haben die Pflicht, zu den Aghsán höflich zu sein und Rücksicht auf sie zu nehmen, damit dergestalt die Sache Gottes verherrlicht und Sein Wort erhöht werde. Dieses Gebot ist immer wieder in den Heiligen Schriften erwähnt und verzeichnet worden. Wohl dem, der zu erlangen vermag, was der Verordner, der Altehrwürdige der Tage, ihm vorschreibt. Des weiteren ist euch geboten, die Angehörigen des Heiligen Haushalts, die Afnán und die Verwandten zu achten. Und schließlich ermahnen Wir euch, allen Völkern zu dienen und euch um die Verbesserung der Welt zu mühen.

Was die Welt neu belebt, was die Völker und Geschlechter der Erde erlöst, ist aus dem Himmel Dessen, Der die Sehnsucht der Welt ist, herniedergesandt worden. Höret auf die Feder der Herrlichkeit und ihren Rat. Dies ist besser für euch als alles auf Erden. Solches bezeugt Mein allherrliches, Mein wundersames Buch.

LAWH-I-ARD-I-BÁ (Das Sendschreiben über das Land Bá) BH02209

¹ Beirut. Dieses Tablet ist »ein von Bahá'u'lláh diktiertes und durch Seinen Schreiber Mírzá Áqá Khán mit Anschrift versehenes Schreiben an 'Abdu'l-Bahá, der zu der Zeit auf Besuch in Beirut weilte« (Shoghi Effendi, Die Weltordnung Bahá'u'lláhs, p.198)

Gepriesen sei Er, der das Land Bá mit der Anwesenheit Dessen ehrte, den alle Namen umkreisen. Sämtliche Atome der Erde haben allem Erschaffenen kundgetan, daß von den Toren der Gefängnisstadt her der Stern der Schönheit des großen, des Mächtigsten Zweiges Gottes - Sein urewiges, unwandelbares Geheimnis - aufgegangen ist und, über ihrem Horizonte leuchtend, nun in ein anderes Land zieht. Kummer hat diese Gefängnisstadt darum erfüllt, dieweil ein anderes Land jubelt. Erhaben, unermeßlich erhaben ist unser Herr, der Gestalter der Himmel und Schöpfer aller Dinge, Er, durch Dessen höchste Herrschaft die Tore des Gefängnisses sich öffneten und so in Erfüllung gehen ließen, was vorzeiten auf den Tafeln verheißen ward. Er hat wahrlich Gewalt über alles, was Er will, und in Seinem Griff ist die Herrschaft über die ganze Schöpfung. Er ist der Allmächtige, der Allwissende, der Allweise.

Gesegnet, zweifach gesegnet ist der Boden, den Seine Füße treten, das Auge, das von der Schönheit Seines Antlitzes entzückt ward, das Ohr, welchem die Ehre widerfahren, Seinem Ruf zu lauschen, das Herz, das Seiner Liebe Süße kostet, die Brust, die im Gedenken an Ihn weit wird, die Feder, die Seinen Lobpreis kündet, das Pergament, welches das Zeugnis Seiner Schrift trägt. Wir flehen zu Gott - gepriesen und verherrlicht sei Er - Er möge uns bald mit Seiner Begegnung ehren. Er ist in Wahrheit der Allhörende, der Allmachtvolle, bereit zur Antwort.